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Clipcanvas: Die ehrlichste Honorarkürzung der Welt

Am 22. April 2013 verschickte die Video-Agentur Clipcanvas eine lange Email mit dem Titel „Some unwelcome changes we’re not so happy about“.

Bei so einem Betreff war klar, dass das, was folgen würde, keine guten Nachrichten sein würden.

Ich greife kurz vorweg: Weil diese Email die ehrlichste Ankündigung einer Honorarkürzung ist, die ich je gelesen habe, ohne den üblichen „wir wollen neue Vertriebskanäle aufbauen“ oder „wir müssen stärker Marketing betreiben“-Quatsch, möchte ich sie in voller Länge wiedergeben:

„Hello [Vorname des Anbieters],

For us, the past year may be characterised by nice growth during last autumn, with increasing sales and an influx of more great content, while the past months have not been so great. For those of you who have been relying on us for a long time, and given us your support, we are grateful.

We find ourselves in a position where we either have to pack it up or dig in and walk on to our final battles. The main reason for this relates to i) a difficult European market with falling sales, ii) continued but unsuccessful efforts in securing sufficient funding for new development initiatives and growth, and iii) increased costs relating to a growing content base. Video is not inexpensive to handle and this has now drained our resources to the point where we are unable to solve our predicament unless we take some drastic measures. For this, we are sorry. We have been working to get our heads above water for a long time now, and it is quite horrible for us to find ourselves in this position.

Given the current circumstances, we are suggesting to do the following to increase our revenues and reduce our costs:
– reduce the royalty rate paid out to all producers from 50% to 40% for the next 12 months, starting on April 30th;
– allow certain producers with a good track record to publish and manage their own content directly;
– close certain producer accounts that either do not represent content we think makes much sense, or those accounts that contain a lot of very similar/spammy/crowding out type of content, and subsequently delete those clips and portfolios entirely;
– update our main design, user interface and SEO profile to better represent a modern look to attract more general interest and to increase our conversion rates and sales; AND
– integrate automation for payouts so you no longer need to request your payments in order to get paid.

Other and more positive changes will be considered as soon as we feel confident the current and suggested changes are having a positive effect. We still believe we’re in it for the long haul, so we’re not happy about some of the changes we need to make at this point either.

We do understand that we’re completely dependent on your continued support. If we don’t have your support, then please walk away now. We have fought for a long time to generate more sales for all of us, and made our processes both leaner and more efficient, but competition is becoming increasingly intense and we’re afraid we might topple over if we don’t make these unpopular decisions now. We think it would be really sad to see either you or us go, and we hope you feel the same.

The effect of the current and proposed changes will secure our future existence and hopefully establish a platform from where we can build a better and more sustainable marketplace. The alternative is closing down shop or selling out to someone who would probably decide to make those changes anyway…we prefer the first alternative.

We are not pertaining to be idiots and we are not trying to screw you over. We have just ran out of other viable options. While we realise this is most unwelcome just now, or at any time ever probably, but we would still like to suggest that things may look entirely different in 12 months time from now, and hope that you will give us your support one final time. For those of you familiar with running a business, we hope you see the logic in the measures we are taking, understand the position we are in and what we are trying to achieve.

Finally, we believe there is a good space for Clipcanvas in this industry. It makes sense to keep a mix of players around and for them to develop alongside each other. Some perform exceptionally, while others need to work harder to catch up. We hope you believe we should be one of those that perform and deserve to be part of your main outlets, and that you’ll consider the real alternative looming, before you decide if life is better without us hanging around. We will work harder, if possible.

Sorry to bring you this news.

Kind regards,
Cato
CEO
Clipcanvas.com
==============================================
P.S. If anyone would like to chat with me or talk on the phone, please contact support directly and we will arrange for this. I am not trying to hide the fact that part of the changes suggested are really unwelcome, and would welcome your input if you want. Hopefully some good will come of this in the end.

Our mailing address is:
Clipcanvas
Martin Linges vei 15-25
Fornebu, Oslo 1364″

Ich war beeindruckt. Da redet jemand mit uns wie mit Menschen, nicht wie mit kleinen Kindern, den man vorgaukeln könne, dass weniger Geld in der Tasche auch etwas Gutes sein könne. Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass die Honorare der Videografen um zehn Prozentpunkte gesenkt wurden.

Der Kernsatz der Email ist – übersetzt von mir – folgender:

„Die Alternative [zur Honorarkürzung] ist, den Laden dicht zu machen oder ihn an jemanden zu verkaufen, der sich wahrscheinlich zu den gleichen Änderungen entschließen würde.“

Je länger ich darüber nachdenke, desto unfairer scheint mir dieses Spiel.

Wenn Clipcanvas schließen würde, würden sich die Verkäufe auf andere Video-Agenturen verteilen. Das wäre kurzfristig positiv für die Fotografen, weil sie dort oft ihre 50% statt der dann 40$ bei Clipcanvas bekämen. Langfristig würde es jedoch zu einer weiteren Konzentration bei den Agenturen führen, die wie bei einem Oligopol üblich, zu einem Preisdruck nach unten führen kann. Das wäre ebenfalls nicht im Interesse der Videografen. Aber immerhin würde das erst vielleicht und auch erst später statt sofort geschehen.

Wenn Clipcanvas jedoch an eine konkurrierende Videoagentur verkaufen würde, ist die Gefahr tatsächlich groß, dass die Honorare tatsächlich gekürzt werden müssen, um den Kaufpreis wieder reinzuholen und hoffentlich profitabel zu wirtschaften, denn mit der bestehenden Honorarverteilung scheint es Clipcanvas selbst ja nicht zu schaffen.

Momentan redet Clipcanvas von einer Reduzierung der Honoraranteile auf 12 Monate. Was kommt danach? Entweder geht die Firma dann erst pleite. Dann hätte ich es bevorzugt, wenn sich die Verkäufe in dem Jahr auf die anderen Videoagenturen aufgeteilt hätten, die 50% Honoraranteil zahlen. Oder Clipcanvas läuft stabil genug, um weiter zu existieren. Perfekt und ehrlich wäre eine Anhebung der gekürzten Honorare. Es wäre jedoch das erste Mal in der Branche und: Ich glaube nicht daran.

Was denkt ihr darüber?

Stockfotografie-News 2011-03-18

An diesem Freitag ist es wieder soweit: Nachrichten aus der bunten Bilderwelt. Kurz und knackig.

  • Canon hat ein neues Blitzgerät veröffentlicht, das Canon Speedlite 320EX*. Highlight ist neben der Funktion zum Entfesselten Blitzen („wireless slave“) auch ein integriertes LED-Licht für Videoaufnahmen. Den Produktfotos nach sieht die Lichtquelle jedoch ziemlich klein aus, was zu harten Schattenkanten führen würde. Ein Praxistest steht noch aus.
  • Die Bildagentur Bildmaschine plant eine Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit auch eine Änderung der Fotografenhonorare. Für Fotografen, die innerhalb von 12 Monaten weniger als 1000 Fotos liefern oder weniger als 1000 Euro jährlich dort umsetzen, wird das Honorar von zur Zeit 50% auf bis zu 40% sinken, für andere Fotografen auf bis zu 60% steigen. Dass viele Hobby-Fotografen jetzt frustriert ihren Account dort gekündigt haben, hat die Agentur wahrscheinlich mit einkalkuliert bzw. sogar erhofft.
  • Die Agentur Dreamstime hat ihre Upload-Funktionen um die Möglichkeit erweitert, manuell oder automatisch aus den EXIF-Daten die GPS-Koordinaten eines Fotos einzulesen. Diesen Schritt habe ich schon lange erwartet von den Bildagenturen und ich bin mir sicher, dass Fotolia, istockphoto und Shutterstock nachziehen werden.
  • Es ist immer sinnvoll, zu wissen, was einer der meistverkaufenden Stockfotografen weltweit plant. Deshalb der Hinweis auf dieses Interview, in dem Yuri Arcurs ankündigt, in den nächsten Monaten seinen eigenen Bildershop zu eröffnen. Ich bin gespannt, wie sich das auf die großen Microstock-Agenturen auswirken wird: Mehr Umsätze für die verbliebenen Fotografen oder weniger Umsätze, weil Yuri denen die Kunden „weglocken“ wird?
  • Die Video-Agentur Pond5 wird in Kürze auch Bilder und Vektorgrafiken* verkaufen. Der Bildupload wird in Kürze möglich sein.
  • Asterix hätte jetzt gesagt: „Die spinnen, die Franzosen“. Aber so abwegig sind die Gedanken des französischen Rechtsanwalts nicht, der „royalty free“-Microstock-Fotos in Frankreich verbieten lassen will.
  • Noch mehr Lesestoff: Im Microstockgroup-Forum wird eine Rebellion der Video-Künstler bei istockphoto beschrieben. Grund ist wieder eine Honorarkürzung.
  • Die Analyse- und Backend-Firma Lookstat unterstützt jetzt in ihrem Analyse-Bereich endlich auch den Datenimport von Fotolia.
  • Der Deutsche Journalistenverband DJV hat ein aktuelles PDF gratis veröffentlicht, in dem Fotojournalisten viele hilfreiche Vertragsmuster, Gesetzestexte und mehr finden.
  • Zu guter Letzt der Overkill: 15 kostenlose Ebooks für Fotografen zu den Themen Recht, Foto-Business und eben Fotografie listet das Magazin Fotografr auf.
  • Wem das immer noch nicht genug ist, der findet hier 23 kostenlose Ebooks für Selbständige und Webworker. Achtet besonders auf die Ebooks „Tipps für die Existenzgründung in der Kreativbranche“ und „Starting A Photography Business“.

Habe ich eine Neuigkeit übersehen? Dann bitte in den Kommentaren nachtragen.

* Affiliate-Link

Konsequenzen aus der istockphoto-Honorarsenkung

Am 8. September 2010 trat eine Meldung von istockphoto unangekündigt die Tür der Microstock-Community ein und ballerte wild mit dem Maschinengewehr herum.

Es ging unter anderem darum, die Fotografenhonorare bis auf ein historisches Industrietief von 15% zu senken.

Nachdem alle Fotografen in Deckung gegangen sind, legte sich der Lärm und einzelne Fotografen hoben langsam die Köpfe. Zack, schlug istockphoto mit einer kompromisslosen zweiten und dritten Nachricht hinterher.

Hier einige Sätze aus diesen Meldungen, die vielleicht in die Geschichte der größten PR-Pannen eingehen werden:

„For non-exclusive contributors the royalties will range from 15 to 20% for content sold on iStock.“

„Since roughly 2005 we’ve been aware of a basic problem with how our business works. As the company grows, the overall percentage we pay out to contributing artists increases. In the most basic terms that means that iStock becomes less profitable with increased success. As a business model, it’s simply unsustainable: businesses should get more profitable as they grow. This is a long-term problem that needs to be addressed.“

„We expected – and wanted – to pay more and more money out to contributors. But what we quickly realized was that it’s one thing for the payout amount to increase over time, it’s another thing for that percentage of our total cost to always increase over time.“

„But money isn’t going to be what makes you all happy.“

Auf gut deutsch lässt sich das – sehr frei – so übersetzen: Je erfolgreicher wir werden, desto weniger sehen wir ein, warum wir das Geld mit unseren Fotografen teilen sollten. Matt Antonino übersetzt die dritte istock-Meldung ganz humorvoll (wenn es nicht so ernst wäre) vom „Corporate Speak“ in „Plain English“.

Es wäre etwas anderes, wenn eine Firma sagt, mit 50% kann ich nicht leben. Aber mit 80% Prozent nicht profitabel sein zu können ist aus mehreren Gründen komplett unglaubwürdig. Zum einen gelingt das anderen Bildagenturen seit mehreren Jahrzehnten, auch mit 50-60% gut über die Runden zu kommen. Die Bildagentur Zoonar zahlt sogar bis zu 80% an die Fotografen aus und wächst immer noch. Dazu kommt, dass die Pressemeldungen von istockphoto in den letzten Jahren vor Erfolg-Superlativen nur so wimmelten.

Es könnte natürlich sein, dass istockphoto recht hat. Wenn eine Bildagentur mit 80% Agenturanteil (ohne Retusche und Verschlagwortung zu übernehmen) nicht konkurrenzfähig ist, hieße das entweder, dass Fotografen sich wirklich mit weniger zufrieden geben müssten, oder dass die Preise wieder so weit angehoben werden müssen, dass es keine Microstock-Preise mehr gibt. Dann wäre alles wieder wie früher, rosa-flauschig und kuschelig.

Wer jetzt einwirft, dass es ja nicht nur um den 80/20-Split gehe, sondern auch darum, dass die exklusiven Künstler im Laufe der Jahre immer mehr Prozente bekämen, spricht einen weiteren Punkt an, den ich unsinnig finde. Natürlich bekommen diese Fotografen im Laufe der Zeit mehr. Aber das ist fair. Denn die Honorarerhöhung ist dann eine Belohnung für mehr Verkäufe, die wiederum istockphoto IMMER mehr einbringen als dem Fotografen. Selbst bei der höchstmöglichen Stufe würde ein Fotograf 40% und istockphoto 60% bekommen. Halten wir fest: Die höchstmögliche Stufe ist die prozentuale Verteilung, die traditionelle Bildagenturen seit Jahrzeiten gezahlt haben, oft auch 50/50 oder 60/40. Ohne immer Exklusivität zu verlangen. Das funktionierte auch. Übrigens hat sich ein Fotograf hier im istockforum die Mühe gemacht, auszurechnen, welche Auswirkungen die Preisänderungen für exklusive istock-Fotografen haben. Sieht ebenfalls nicht sehr erbaulich aus.

Außerdem ist es unlogisch, wenn die istock-Argumentation stimmen sollte, dass sie am Rande des Existensminimuns rumkrebsen und nicht mehr Geld zahlen können, dass sie dann nach der neuen Regelung das höchstmöglich zu erreichende Honorar auf 45% anheben. Es sei denn, das ist nur Augenwischerei, um auf dem Papier bessere Optionen zu haben.

Aber ich glaube nicht daran. Für mich ist die Honorarsenkung schlicht ein dreister Versuch, ohne zusätzlichen Aufwand mehr Geld zu verdienen. Auf dem Rücken der Fotografen. Punkt.

Reaktionen anderer Bildagenturen

Der Zorn der Fotografen auf istockphoto lässt die konkurrierenden Bildagenturen entweder heimlich oder auch laut frohlocken.

  • So sprach die Agentur 123rf frustrierte istocker via Twitter an, doch zu ihnen zu kommen.
  • Auch Alamy tröstete die Fotografen über Twitter und warb zeitgleich für ihren 60%-Fotografenanteil.
  • Die relativ neue Microstock-Agentur Stockfresh lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, einige Seitenhiebe zu verteilen.
  • Dreamstime preschte am weitesten vor und bietet bis zum 15. November allen Fotografen, die vorher exklusiv bei einer Bildagentur waren, für jeden akzeptierten Upload $0,20. Eindeutig ein Wink in Richtung der verärgerten istock-Exklusivfotografen.

Meine Reaktion

Im Gegensatz zu anderen Fotografen lebe ich ausschließlich von meinen Einnahmen der Stockfotografie. Jede Entscheidung will wohlüberlegt sein. Im letzten Jahr habe ich ca. 150 Euro pro Monat bei istockphoto verdient, in den letzten Monaten eher zwischen 150-200 Euro. Von den gesamten Einnahmen pendelt istockphoto im Vergleich zu meinen anderen Bildagenturen glücklicherweise nur an 7-9. Stelle. Mein RPD (Revenue per Download) lag bei ca. 1,10-1,20 Euro. Mein RPI (Return per Image) lag in den letzten Monaten bei ca. 0,19 Euro, Tendenz fallend. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er bei istock noch doppelt so hoch.

Anders gerechnet heißt das: Wenn ich jetzt bei 20% im Monat 200 Euro bei istock verdiene, erhält istock 800 Euro. Wenn ich bei 15% ab dem nächsten Jahr 150 Euro verdiene, würde istockphoto damit 850 Euro verdienen. Das sehe ich nicht ein. Okay, ich würde mit meinen Verkäufen auf 16% kommen, aber mittelfristig nie auf 17%. Dazu kommt, dass neben der Honorarkürzung in der istockphoto-Meldung auch stand, dass viel mehr Bilder aus andere Kanälen über istock verkauft werden sollen. Das heißt, dass die Sichtbarkeit meiner nicht-exklusiven Bilder weiter abnehmen wird, was wiederum weniger Verkäufe bedeutet. Die ersten Motive aus der „Agency Collection“ deuten das bereits an.

In einem Kommentar zu meinem ersten Artikel über die Honorarkürzung hier im Blog hat Andreas gesagt:

„Natürlich probieren IS und Co. aus wie weit sie gehen können. Bieten doch genug Fotografen Ihre Bilder für 20% Anteil an, also warum dann nicht auch für 15. Versteht mich nicht falsch, aber wenn nicht langsam mal signalisiert wird, dass die Fotografen nicht nur die Lakaien der BAs sind, wird dieser Trend sich fortsetzen.Ich war nicht bereit bei 20% Verkaufsanteil meine Bilder hochzuladen und ich verstehe auch nicht, warum die meisten nicht sofort Abstand nehmen.“

Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe lange überlegt, ob ich die Klappe halten soll und einfach weiterhin meine 150 Euro im Monat einstreiche. Aber wenn andere Agenturen merken, dass den Fotografen scheißegal ist, für wie wenig Anteil sie ihre Fotos einstellen, würden sie vielleicht nachziehen und dann habe ich wahrscheinlich deutlich mehr Verluste. Es gibt weitere Punkte, die gegen istockphoto sprechen: Es ist bei mir die Agentur, welche bei der Bildauswahl am pingeligsten ist, das Hochladen der Fotos dauert im Vergleich zu anderen Agenturen deutlich länger und das Upload-Limit verhindert, dass ich alle meine Fotos hochladen kann.

Deswegen: Seit Bekanntgabe der Honorarkürzungen lade ich keine neuen Bilder mehr hoch. Das werde ich unter den aktuellen Bedingungen auch weiterhin nicht tun. Es lohnt sich einfach nicht. Ich spare Upload-Zeit, die Umsätze werden erst langsam abnehmen, da die alten Bilder drin bleiben werden und mit der Zeit hoffe ich, den Verlust durch die anderen Bildagenturen, welche alle meine neuen Fotos vertreiben, aufzufangen. Es versteht sich von selbst, dass ich Bildkäufer, die mich fragen, wo sie meine Fotos kaufen können, nicht mehr an istock verweise, sondern an die anderen Bildagenturen.

Reaktionen anderer Fotografen

Seit Bekanntmachung der Honorarsenkung habe ich mit vielen Fotografen gesprochen. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Das Hochladen und Verschlagworten der Bilder zu istockphoto ist extrem umständlich und langwierig. Viele exklusive istock-Fotografen, die überlegen, zu anderen Bildagenturen zu wechseln, befürchten deswegen, dass sich dieser hohe Aufwand dann multipliziert, wenn sie mehrere andere Agenturen beliefern. Ich kann sie jedoch beruhigen: Alle Bildagenturen die ich kenne, erfordern weniger Aufwand beim Hochladen der Bilder (vorausgesetzt, die Bildtitel, Beschreibung und Suchbegriffe werden mittels IPTC den Foto-Metadaten angehangen).

Reaktionen im Netz

Auch die bloggenden Fotografen und Online-Journalisten ließen sich die Meldung nicht nehmen und lieferten viele verschiedene Meinungen und Hintergrund-Analysen. Von „Ich hab’s doch immer gesagt“ bis zu „Unverschämtheit!“. Hier eine Auswahl der relevantesten Beiträge:

  • Cnet berichtet darüber, wie das Crowdsourcing-Modell von istockphoto nach hinten losgehen kann.
  • Paul Melcher bettet die istock-Entscheidung in größere Getty-Zusammenhänge ein.
  • Photo Business News ist einer derjenigen, die es schon immer gewußt haben wollen.
  • Auch Jeremy Nicholl hat den Ärger vorhergesehen.
  • Einen Bericht über die langfristigen Folgen der istock-Entscheidung für Microstock gibt es bei Lighting Essentials.
  • Eher istock-freundlich ist die Berichterstattung bei DPTnT.
  • Mehr aus der Käufer-Sicht schreibt der istock-Fotograf Sean Locke.
  • Doug Armand vergleicht das Vorgehen von istock mit früheren Tricks von Getty Images.
  • Matt Antonino hat einen wütendenden, aber trotzdem inhaltlich gut argumentierenden Artikel gepostet.
  • Jen Grantham ist ebenfalls frustriert und listet ihre Einwände auf.
  • Rob Davis stellt Alternativen für frustrierte istocker vor.
  • Eine der Fotografinnen, die entschieden hat, ihre Bilder bei istock zu entfernen.
  • Eine noch ausführlichere Liste zu Berichten über die istock Honoraränderung gibt es bei mystockphoto.


Was für Konsequenzen habt ihr aus der Ankündigung von istockphoto gezogen? Beißt ihr in den sauren Apfel oder ändert ihr Euer Upload- bzw. Kauf-Verhalten?

istockphoto senkt Fotografenhonorare auf bis zu 15%

Der Erfinder des Microstock-Modells ist immer für eine Überraschung gut.

Diesmal jedoch bekommen auch alte Hasen im Bildermarkt ihren Mund nicht mehr zu. istockphoto hat drastische Änderungen angekündigt, die unter anderem dazu führen, dass viele Fotografen nur noch 15% statt der bisherigen 20% Anteil am Verkaufserlös erhalten werden.

Aber der Reihe nach. Was ist passiert?

Per Email, Site-News und Forum-Eintrag kündigte istockphoto gestern drei Neuigkeiten an.

  1. Die Fotografenhonorare werden verringert
    • Bisher bekamen nicht-exklusive Fotografen 20% des Verkaufserlöses. Schon ziemlich wenig. Ab dem 1.1.2011 sollen sie nur 15-20% erhalten. Zu den Details komme ich gleich. Aber auch exklusive Fotografen spüren die Macht des Getty-Konzerns: Sie erhalten ab dem 1.1. nicht mehr 25-40%, sondern nur noch 25-45%. Klingt nicht nach einer Verschlechterung? Doch, denn die Anforderungen wurden stark angezogen. Auch dazu gleich mehr.
    • Bisher entschieden die „Canister-Level“, wie viel Prozent ein Fotograf pro Verkauf erhielt. Je mehr Verkäufe ein Fotograf erzielte, desto höher stieg er im Level und desto mehr Prozent bekommt er.
    • Ab dem 1.1.2011 sind diese Canister-Level nicht mehr für für den Fotografen-Anteil relevant, sondern nur noch für das Upload-Limit. Je höher ein Fotograf im Level, desto mehr Bilder „darf“ er pro Woche hochladen.
    • Ab dem 1.1.2011 wird der Fotografen-Anteil nach „redeemed Credits“ (übersetzt: eingelöste Credits) berechnet. Das heißt, nicht nur die Anzahl der Downloads, sondern auch die Größe bzw. der dazugehörige Verkaufspreis spielt eine Rolle. Im Benutzer-Bereich wird ab sofort angezeigt, wie viel „redeemed Credits“ ein Fotograf 2009 und 2010 erzielt hat. Bei mir sind das für 2010 beispielsweise ca. 5500, damit würde ich nach der neuen Abrechnungsstruktur nur noch 16% erhalten, eine Kürzung von 20%. Die genaue Liste mit den Anteilen findet ihr hier.
      Hier ist jetzt die Anzeige der Redeemed Credits zu finden.
      Hier ist jetzt die Anzeige der Redeemed Credits zu finden.

      Noch ein nützlicher Rechenhinweis: Pro Verkauf erhalte ich momentan ca. 5 Credits, im Forum meinten andere Fotografen, sie würden teilweise bis zu 7 Credits pro Verkauf erhalten, falls jemand kalkulieren will, wie viele Bilder er verkaufen muss, um auf welche Prozente zu kommen.
      Im istock-Forum haben sich viele Fotografen ausgerechnet, dass sie eine Kürzung ihres Umsatzanzeils von 10-20% (Prozent, nicht Prozentpunkte) erleiden werden.

    • Ganz wichtig: Die „redeemed Credits“ werden nur pro Jahr berechnet. Es zählt also nicht, wie viel Verkäufe ein Fotograf insgesamt hatte, sondern er wird jetzt danach bezahlt, wie viel er nur im letzten Jahr verkauft hat. Das ist besonders für die alteingesessenen Fotografen eine nachteilige Änderung.
    • Exklusive Fotografen erhielten bisher beim Verkauf einer „Erweiterten Lizenz“ 10% zusätzlich. Das wird gestrichen.
    • Nebenbei: Auch die Mindest-Credit-Preise für Abo-Modelle werden von 95 Cent auf 65 Cent gesenkt, was sich ebenfalls auf den Fotografen-Anteil auswirkt.
  2. Änderungen bei der Premium-Kollektion Vetta
    • Die Preise für Bilder in der Vetta-Kollektion werden angehoben, aber der Fotografen-Anteil dafür wird ebenfalls gesenkt.
    • Vetta-Bilder werden bald auch über die Webseite von Getty Images verkauft.
    • Vektoren-Grafiken werden aus der Vetta-Kollektion wieder entfernt. In Zukunft soll es dazu noch eine weitere Änderung geben (eine Premium-Vektor-Kollektion vielleicht?).
    • Diese Änderungen gelten ab dem 27.9.2010
  3. Eine neue Agentur-Kollektion soll hinzukommen
    • Bisher werden Bildkäufern bei istockphoto nicht-exklusive Bilder, exklusive Bilder und Vetta-Bilder angezeigt. Jetzt soll eine vierte Art hinzukommen, die „Agency Collection“
    • Die „Agency Collection“ wird Bilder anderer (wahrscheinlich Macrostock-)Bildagenturen enthalten, die dann über istockphoto, Thinkstock und Getty Images, Jupiter Images und PunchStock erhältlich sein.
    • Der Preis eines Bildes aus der Agency Collection wird über dem Preis der Vetta-Kollektion liegen.
    • In einigen Wochen „dürfen“ handverlesene exklusive istock-Fotografen ebenfalls Fotos der Agentur-Collection hinzufügen.
    • Der Fotografen-Anteil für die Agency-Collection wird der gleiche wie für die Vetta-Kollektion sein.

Let’s Do Some Math

Damit istockphoto öffentlich davon reden kann, dass die Honorare nur „geändert“, nicht „gekürzt“ wurden, gibt es neben den meist vorherrschenden Anteilssenkungen auch eine gut sichtbare Erhöhung: Die von 40% auf 45%.

Um 45% zu erzielen, muss ein exklusiver Fotograf über 1,4 Millionen (!) „redeemed credits“ pro Jahr erzielen. Der Fotograf, der bei istockphoto am meisten verkauft, ist in diesem Fall eine Fotografin und heißt Lisa Gagne. Innerhalb von sieben Jahren hat sie eine Million Downloads erzielt.

Ich habe mir rausgesucht, wann sie wie viele Downloads erzielt hat und wie lange sie dafür gebraucht hat (Tage in der letzten Spalte).
Im Durchschnitt brauchte sie 238 Tage, um 100.000 Downloads zu erzielen.
Pro Jahr kommt sie damit auf ca.  153400 Downloads.
Selbst wenn wir jetzt annehmen, dass sie für jeden Verkauf 9 Credit erhält, würde ihr „redeemed Credit-Wert nur 1.380.600 betragen.
Das wäre immer noch weniger als die erforderlichen 1,4 Millionen Credits.
Anders formuliert: Sehr wahrscheinlich wird niemand auf einen Anteil von 45% kommen, wenn es schon die Fotografin mit den meisten Verkäufen nicht schafft.
Da auch nicht-exklusive Fotografen 1,4 Millionen „redeemed Credits“ brauchen, um wie bisher ihre 20% zu behalten, kann ich mit Leichtigkeit sagen, dass kein nicht-exklusiver Fotograf das schaffen wird. Nein, auch nicht Yuri Arcurs! Da wirkt dieser Satz aus der Ankündigung befremdlich:

„we wanted to produce a solution that: would not change most contributors‘ total compensation (except for the better), […] allows our top contributors to earn more“

Übersetzt: „Wir wollten eine Lösung erreichen, die: nichts an den Gesamteinnahmen der Fotografen ändert (außer zum Guten), […] unseren Top-Verkäufern erlaubt, mehr zu verdienen“

Vermutete Auswirkungen

Die vielen exklusiven Fotografen bei istockphoto waren bisher immer ein Pfund, mit dem istockphoto wuchern konnte. Die Bildagentur hat viele Bilder, die andere nicht haben und kann sich deshalb erlauben, dafür auch höhere Preise zu nehmen. Mit einem so heftigen Tritt gegen die Schienbeine der exklusiven Fotografen wird es schwer fallen, neue junge Talente an sich zu binden, denn gerade durch solche Aktionen zeigt sich der größte Nachteil von Exklusivität: Diesen Fotografen sind die Hände gebunden.

Ein weiterer Punkt: Durch die Öffnung der Bildagentur für das Material von Macrostock-Agenturen wird das Verkäufe von den bisherigen istockphoto-Verkäufern abziehen: Wenn mehr Auswahl besteht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kunden ein Bild kaufen, was nicht von einem istock-Fotografen kommt. Ergo könnte das dazu betragen, dass die oben gesetzten Anteilsprozente noch schwerer zu erreichen sind.

Für den Inhaber von istockphoto, Getty Images, ist es aber ein logischer Schritt: Wir haben viel Geld für istockphoto und für Jupiterimages ausgegeben, jetzt wollen wir es wieder reinholen. Mit dem Erwerb von Jupiterimages hat Getty eben auch viele Macrostock-Fotos erworben, die sie jetzt über istockphoto verschleudern wollen.

Die Entscheidung zeigt auch, dass Microstock endgültig in der Mainstream-Geschäftswelt angekommen ist. Jetzt geht es ums Business, ums Geldverdienen, um nix anderes. Vor paar Jahren konnten Fotografen noch damit geködert werden, dass diese neuen hippen Microstock-Agenturen anders seien, cooler, community-orientiert, mit hippen Designs und flotten Sprüchen. Da war es zu verschmerzen, dass man kaum etwas verdient hat. Heute aber wird es für Hobby – und Amateurfotografen unter diesen Voraussetzungen immer schwerer, im Microstock-Bereich Geld zu verdienen. Die einzigen, die von den neuen Regelungen profitieren könnten, sind große professionell arbeitende Produktionsfirmen. Auch Fotolia hatte ja vor knapp einem Jahr mit der „Operation Level Ground“ gezielt neue Profi-Fotografen gelockt. Wer sonst noch mitspielen will, darf es gerne machen, aber nur wenig Honorar erwarten.

Was sagt ihr zu den geplanten Änderungen? Wie würde sich bei Euch konkret der Fotografenanteil ändern?

Auswirkungen der Preisänderungen bei Fotolia

Zum Beginn des Jahres hatte die Microstock-Bildagentur Fotolia ihre Preisstruktur geändert. Kurz gesagt wurden die Preise etwas erhöht und Bildgrößen zusammengefasst und die Fotografenhonorare meist etwas gesenkt. Fotolia hat behauptet, dass unter dem Strich mehr Geld für die Fotografen bleiben würde, was in Fotografen-Foren eher bezweifelt wurde. Deswegen habe ich mal wieder in meine Zahlen geschaut und kann euch handfeste Ergebnisse nennen.

Mein Verdienst bei Fotolia pro Verkauf (RPD = Revenue per Download) lag in den letzten drei Monaten 2009 zwischen 1,06 und 1,08 Euro. Im Januar 2010 lag mein Verdienst pro Verkauf bei 1,11 Euro. Das ist eine minimale Steigerung. Als Grundlage habe ich nur die „normalen“ Verkäufe genommen, einige Erweiterte Lizenzen habe ich nicht berücksichtigt, da sie die RPD-Werte verfälschen würden. Da sich sowohl meine Verkäufe als auch meine Einnahmen im hohen dreistelligen Bereich bewegen, sind diese Werte statistisch gesehen sehr „sicher“. Fairerweise muss ich jedoch sagen, dass meine RPD-Werte Anfang 2009 eher um 1,25 Euro lagen, was sicher damit zu tun hat, dass ich zu der Zeit mehr exklusive Fotos eingestellt hatte, die höhere Einnahmen erzielen.

Revenue per Download bei Fotolia

Übrigens hat Fotolia am Montag den Wert eines Credits von 1 Euro auf 1,20 Euro angehoben. Wie es scheint, betrifft das aber nur den Wert der Credits für Käufer, die Fotografen tauschen die Credits 1:1 zurück.


Habt ihr mal nachgerechnet, wie sich Euer RPD bei Fotolia entwickelt hat?