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iStock kürzt Fotografenhonorare (mal wieder)

Ich hät­te nicht gedacht, dass ich die­sen Artikel (schon wie­der) schrei­ben müss­te, aber anschei­nend doch. Schon vor eini­gen Wochen wur­de gemut­maßt, dass die Verhinderung von Bildlöschungen dazu dient, eine Honorarsenkung anzu­kün­den.

Gestern gab es die­se Rundmail von Getty Images an die iSto­ck–Kontributoren mit – ich zitie­re – „posi­ti­ven Neuigkeiten“.

2014_luisa_012_0671Ich will an die­ser Stelle nicht so ins Detail gehen, dass könnt ihr selbst in der Rundmail nach­le­sen. Fakt ist: Bisher beka­men nicht-exklusive Fotografen 15–19% Kommission, nun sind es nur noch 15%.

Ja, rich­tig gele­sen. Eine Honorarkürzung von bis zu 20% (wenn man zum Beispiel von 19 auf 15% Umsatzbeteiligung fällt), gilt anschei­nend als gute Sache.

Freuen kön­nen sich even­tu­ell Videografen und Illustratoren, die nun 20% erhal­ten. Damit es nach alter iStock-Manie schön kom­pli­ziert bleibt, gibt obi­ges nur für Credit-Sales und für Abo-Verkäufe gel­ten ande­re Regeln. Neue Regel: Schöpft ein Käufer sein Abo voll aus, bekommt der Fotograf 2 Cent. In Worten: Zwei US-Cent!

Schöpft der Kunde sein Abo nur zu 20% aus, erhält der Fotograf zum Beispiel 17 Cent (laut die­ser Rechnung von Michael Zwahlen). Zum Vergleich: Selbst wenn ein Käufer bei Shutterstock sein Abo voll aus­schöp­fen wür­de, erhält der Fotograf dort min­des­tens 25 Cent bis zu 38 Cent.

Ich will nicht wei­ter auf Details der Rundmail ein­ge­hen, son­dern einen ande­ren Aspekt beto­nen.

Gestern gab es tat­säch­li­ch eini­ge Fotografen, die iSto­ck ver­tei­digt haben, mit der Begründung, dass sie vom Umsatz her an drit­ter Stelle (nach Shutterstock und Fotolia) ste­hen wür­den.

Vor fünf Jahren jedoch stand iSto­ck bei den meis­ten Fotografen noch unan­ge­foch­ten auf dem ers­ten Platz. Außerdem setzt iSto­ck damit wie­der mal eine Signalwirkung: „Seht her, die Fotografen geben sich auch mit 15% zufrie­den“.

Wieso soll­ten ande­re Agenturen teil­wei­se mehr als das Doppelte an Fotografen aus­zah­len, wenn die­se Deppen (sor­ry) mit der Hälfte zufrie­den sind?

Und jetzt kommt die gro­ße Rechnung:
Schaut euch mal eure eige­nen Umsätze an und pro­biert fol­gen­des aus. Wenn Shutterstock und Fotolia eure Umsätze eigen­mäch­tig um 20% kür­zen wür­den, wäre das der Betrag, den euch iSto­ck im glei­chen Monat aus­zah­len wür­de (ggf. mit der obi­gen Reduzierung ein­ge­rech­net)?

Ich ken­ne etli­che Fotografen, bei denen das der Fall wäre (zum Beispiel hier bei Bernd). Muss ich aus­spre­chen, was das bedeu­ten wür­de? Kannibalisierung.

Dann denkt noch kurz dar­an, wie viel Arbeitszeit ihr braucht, um Bilder zu Shutterstock oder Fotolia hoch­zu­la­den und wie lan­ge es bei iSto­ck dau­ert.

Was mir schwer in den Kopf geht: Warum? Entweder ist iSto­ck nicht in der Lage, mit mehr als 80% Umsatzanteil der Credit-Sales pro­fi­ta­bel zu arbei­ten (wäh­rend Agenturen wie Zoonar das mit 20–30% schaf­fen).

Oder…
Ach, sol­che unfei­nen Gedanken mag ich gar nicht nie­der­schrei­ben.

Übrigens: Wer als iStock-Exklusivfotograf mit dem Gedanken spielt, die­se Exklusivität zu been­den, aber Probleme mit dem Export sei­ner Keywords hat, fin­det hier Abhilfe.

Was sagt ihr zur gest­ri­gen iStock-Rundmail?

Clipcanvas: Die ehrlichste Honorarkürzung der Welt

Am 22. April 2013 ver­schick­te die Video-Agentur Clipcanvas eine lan­ge Email mit dem Titel „Some unwel­co­me chan­ges we’re not so hap­py about“.

Bei so einem Betreff war klar, dass das, was fol­gen wür­de, kei­ne guten Nachrichten sein wür­den.

Ich grei­fe kurz vor­weg: Weil die­se Email die ehr­lichs­te Ankündigung einer Honorarkürzung ist, die ich je gele­sen habe, ohne den übli­chen „wir wol­len neue Vertriebskanäle auf­bau­en“ oder „wir müs­sen stär­ker Marketing betreiben“-Quatsch, möch­te ich sie in vol­ler Länge wie­der­ge­ben:

Hello [Vorname des Anbieters],

For us, the past year may be cha­rac­te­ri­sed by nice grow­th during last autumn, with increa­sing sales and an influx of more great con­tent, whi­le the past months have not been so great. For tho­se of you who have been rely­ing on us for a long time, and given us your sup­port, we are gra­te­ful.

We find our­sel­ves in a posi­ti­on whe­re we eit­her have to pack it up or dig in and walk on to our final batt­les. The main rea­son for this rela­tes to i) a dif­fi­cult European mar­ket with fal­ling sales, ii) con­ti­nued but unsuc­cess­ful efforts in secu­ring suf­fi­ci­ent fun­ding for new deve­lop­ment initia­ti­ves and grow­th, and iii) increa­sed costs rela­ting to a gro­wing con­tent base. Video is not inex­pen­si­ve to hand­le and this has now drai­ned our resour­ces to the point whe­re we are unable to sol­ve our pre­di­ca­ment unless we take some dra­s­tic mea­su­res. For this, we are sor­ry. We have been working to get our heads above water for a long time now, and it is qui­te hor­ri­ble for us to find our­sel­ves in this posi­ti­on.

Given the cur­rent cir­cum­stan­ces, we are sug­gesting to do the fol­lo­wing to increa­se our reve­nues and redu­ce our costs:
– redu­ce the royal­ty rate paid out to all pro­du­cers from 50% to 40% for the next 12 months, star­ting on April 30th;
– allow cer­tain pro­du­cers with a good track record to publish and mana­ge their own con­tent direct­ly;
– clo­se cer­tain pro­du­cer accounts that eit­her do not repre­sent con­tent we think makes much sen­se, or tho­se accounts that con­tain a lot of very similar/spammy/crowding out type of con­tent, and sub­se­quent­ly dele­te tho­se clips and port­fo­li­os ent­i­re­ly;
– update our main desi­gn, user inter­face and SEO pro­fi­le to bet­ter repre­sent a modern look to attract more gene­ral inte­rest and to increa­se our con­ver­si­on rates and sales; AND
– inte­gra­te auto­ma­ti­on for pay­outs so you no lon­ger need to request your pay­ments in order to get paid.

Other and more posi­ti­ve chan­ges will be con­side­red as soon as we feel con­fi­dent the cur­rent and sug­gested chan­ges are having a posi­ti­ve effect. We still belie­ve we’re in it for the long haul, so we’re not hap­py about some of the chan­ges we need to make at this point eit­her.

We do under­stand that we’re com­ple­te­ly depen­dent on your con­ti­nued sup­port. If we don’t have your sup­port, then plea­se walk away now. We have fought for a long time to gene­ra­te more sales for all of us, and made our pro­ces­ses both lea­ner and more effi­ci­ent, but com­pe­ti­ti­on is beco­m­ing increa­sin­gly inten­se and we’re afraid we might topp­le over if we don’t make the­se unpo­pu­lar deci­si­ons now. We think it would be real­ly sad to see eit­her you or us go, and we hope you feel the same.

The effect of the cur­rent and pro­po­sed chan­ges will secu­re our future exis­ten­ce and hope­ful­ly esta­blish a plat­form from whe­re we can build a bet­ter and more sustainable mar­ket­pla­ce. The alter­na­ti­ve is clo­sing down shop or sel­ling out to someo­ne who would pro­bab­ly deci­de to make tho­se chan­ges anyway…we pre­fer the first alter­na­ti­ve.

We are not per­tai­ning to be idi­ots and we are not try­ing to screw you over. We have just ran out of other via­ble opti­ons. While we rea­li­se this is most unwel­co­me just now, or at any time ever pro­bab­ly, but we would still like to sug­gest that things may look ent­i­re­ly dif­fe­rent in 12 months time from now, and hope that you will give us your sup­port one final time. For tho­se of you fami­li­ar with run­ning a busi­ness, we hope you see the logic in the mea­su­res we are taking, under­stand the posi­ti­on we are in and what we are try­ing to achie­ve.

Finally, we belie­ve the­re is a good space for Clipcanvas in this indus­try. It makes sen­se to keep a mix of play­ers around and for them to deve­lop along­s­ide each other. Some per­form excep­tio­nal­ly, whi­le others need to work har­der to catch up. We hope you belie­ve we should be one of tho­se that per­form and deser­ve to be part of your main out­lets, and that you’ll con­sider the real alter­na­ti­ve loo­m­ing, befo­re you deci­de if life is bet­ter without us han­ging around. We will work har­der, if pos­si­ble.

Sorry to bring you this news.

Kind regards,
Cato
CEO
Clipcanvas.com
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P.S. If anyo­ne would like to chat with me or talk on the pho­ne, plea­se con­tact sup­port direct­ly and we will arran­ge for this. I am not try­ing to hide the fact that part of the chan­ges sug­gested are real­ly unwel­co­me, and would wel­co­me your input if you want. Hopefully some good will come of this in the end.

Our mai­ling address is:
Clipcanvas
Martin Linges vei 15–25
Fornebu, Oslo 1364“

Ich war beein­druckt. Da redet jemand mit uns wie mit Menschen, nicht wie mit klei­nen Kindern, den man vor­gau­keln kön­ne, dass weni­ger Geld in der Tasche auch etwas Gutes sein kön­ne. Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass die Honorare der Videografen um zehn Prozentpunkte gesenkt wur­den.

Der Kernsatz der Email ist – über­setzt von mir – fol­gen­der:

Die Alternative [zur Honorarkürzung] ist, den Laden dicht zu machen oder ihn an jeman­den zu ver­kau­fen, der sich wahr­schein­li­ch zu den glei­chen Änderungen ent­schlie­ßen wür­de.“

Je län­ger ich dar­über nach­den­ke, desto unfai­rer scheint mir die­ses Spiel.

Wenn Clipcanvas schlie­ßen wür­de, wür­den sich die Verkäufe auf ande­re Video-Agenturen ver­tei­len. Das wäre kurz­fris­tig posi­tiv für die Fotografen, weil sie dort oft ihre 50% statt der dann 40$ bei Clipcanvas bekä­men. Langfristig wür­de es jedoch zu einer wei­te­ren Konzentration bei den Agenturen füh­ren, die wie bei einem Oligopol übli­ch, zu einem Preisdruck nach unten füh­ren kann. Das wäre eben­falls nicht im Interesse der Videografen. Aber immer­hin wür­de das erst viel­leicht und auch erst spä­ter statt sofort gesche­hen.

Wenn Clipcanvas jedoch an eine kon­kur­rie­ren­de Videoagentur ver­kau­fen wür­de, ist die Gefahr tat­säch­li­ch groß, dass die Honorare tat­säch­li­ch gekürzt wer­den müs­sen, um den Kaufpreis wie­der rein­zu­ho­len und hof­fent­li­ch pro­fi­ta­bel zu wirt­schaf­ten, denn mit der bestehen­den Honorarverteilung scheint es Clipcanvas selbst ja nicht zu schaf­fen.

Momentan redet Clipcanvas von einer Reduzierung der Honoraranteile auf 12 Monate. Was kommt dana­ch? Entweder geht die Firma dann erst plei­te. Dann hät­te ich es bevor­zugt, wenn sich die Verkäufe in dem Jahr auf die ande­ren Videoagenturen auf­ge­teilt hät­ten, die 50% Honoraranteil zah­len. Oder Clipcanvas läuft sta­bil genug, um wei­ter zu exis­tie­ren. Perfekt und ehr­li­ch wäre eine Anhebung der gekürz­ten Honorare. Es wäre jedoch das ers­te Mal in der Branche und: Ich glau­be nicht dar­an.

Was denkt ihr dar­über?

Stockfotografie-News 2011-03-18

An die­sem Freitag ist es wie­der soweit: Nachrichten aus der bun­ten Bilderwelt. Kurz und kna­ckig.

  • Canon hat ein neu­es Blitzgerät ver­öf­fent­licht, das Canon Speedlite 320EX*. Highlight ist neben der Funktion zum Entfesselten Blitzen („wire­less slave“) auch ein inte­grier­tes LED-Licht für Videoaufnahmen. Den Produktfotos nach sieht die Lichtquelle jedoch ziem­li­ch klein aus, was zu har­ten Schattenkanten füh­ren wür­de. Ein Praxistest steht noch aus.
  • Die Bildagentur Bildmaschine plant eine Änderung ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit auch eine Änderung der Fotografenhonorare. Für Fotografen, die inner­halb von 12 Monaten weni­ger als 1000 Fotos lie­fern oder weni­ger als 1000 Euro jähr­li­ch dort umset­zen, wird das Honorar von zur Zeit 50% auf bis zu 40% sin­ken, für ande­re Fotografen auf bis zu 60% stei­gen. Dass vie­le Hobby-Fotografen jetzt frus­triert ihren Account dort gekün­digt haben, hat die Agentur wahr­schein­li­ch mit ein­kal­ku­liert bzw. sogar erhofft.
  • Die Agentur Dreamstime hat ihre Upload-Funktionen um die Möglichkeit erwei­tert, manu­ell oder auto­ma­ti­sch aus den EXIF-Daten die GPS-Koordinaten eines Fotos ein­zu­le­sen. Diesen Schritt habe ich schon lan­ge erwar­tet von den Bildagenturen und ich bin mir sicher, dass Fotolia, istock­pho­to und Shutterstock nach­zie­hen wer­den.
  • Es ist immer sinn­voll, zu wis­sen, was einer der meist­ver­kau­fen­den Stockfotografen welt­weit plant. Deshalb der Hinweis auf die­ses Interview, in dem Yuri Arcurs ankün­digt, in den nächs­ten Monaten sei­nen eige­nen Bildershop zu eröff­nen. Ich bin gespannt, wie sich das auf die gro­ßen Microstock-Agenturen aus­wir­ken wird: Mehr Umsätze für die ver­blie­be­nen Fotografen oder weni­ger Umsätze, weil Yuri denen die Kunden „weg­lo­cken“ wird?
  • Die Video-Agentur Pond5 wird in Kürze auch Bilder und Vektorgrafiken* ver­kau­fen. Der Bildupload wird in Kürze mög­li­ch sein.
  • Asterix hät­te jetzt gesagt: „Die spin­nen, die Franzosen“. Aber so abwe­gig sind die Gedanken des fran­zö­si­schen Rechtsanwalts nicht, der „royal­ty free“-Microstock-Fotos in Frankreich ver­bie­ten las­sen will.
  • Noch mehr Lesestoff: Im Microstockgroup-Forum wird eine Rebellion der Video-Künstler bei istock­pho­to beschrie­ben. Grund ist wie­der eine Honorarkürzung.
  • Die Analyse- und Backend-Firma Lookstat unter­stützt jetzt in ihrem Analyse-Bereich end­li­ch auch den Datenimport von Fotolia.
  • Der Deutsche Journalistenverband DJV hat ein aktu­el­les PDF gra­tis ver­öf­fent­licht, in dem Fotojournalisten vie­le hilf­rei­che Vertragsmuster, Gesetzestexte und mehr fin­den.
  • Zu guter Letzt der Overkill: 15 kos­ten­lo­se Ebooks für Fotografen zu den Themen Recht, Foto-Business und eben Fotografie lis­tet das Magazin Fotografr auf.
  • Wem das immer noch nicht genug ist, der fin­det hier 23 kos­ten­lo­se Ebooks für Selbständige und Webworker. Achtet beson­ders auf die Ebooks „Tipps für die Existenzgründung in der Kreativbranche“ und „Starting A Photography Business“.

Habe ich eine Neuigkeit über­se­hen? Dann bit­te in den Kommentaren nach­tra­gen.

* Affiliate-Link

Konsequenzen aus der istockphoto-Honorarsenkung

Am 8. September 2010 trat eine Meldung von istock­pho­to unan­ge­kün­digt die Tür der Microstock-Community ein und bal­ler­te wild mit dem Maschinengewehr her­um.

Es ging unter ande­rem dar­um, die Fotografenhonorare bis auf ein his­to­ri­sches Industrietief von 15% zu sen­ken.

Nachdem alle Fotografen in Deckung gegan­gen sind, leg­te sich der Lärm und ein­zel­ne Fotografen hoben lang­sam die Köpfe. Zack, schlug istock­pho­to mit einer kom­pro­miss­lo­sen zwei­ten und drit­ten Nachricht hin­ter­her.

Hier eini­ge Sätze aus die­sen Meldungen, die viel­leicht in die Geschichte der größ­ten PR-Pannen ein­ge­hen wer­den:

For non-exclusive cont­ri­bu­tors the royal­ties will ran­ge from 15 to 20% for con­tent sold on iSto­ck.“

Since rough­ly 2005 we’ve been awa­re of a basic pro­blem with how our busi­ness works. As the com­pany grows, the over­all per­cen­ta­ge we pay out to cont­ri­bu­ting artists increa­ses. In the most basic terms that means that iSto­ck beco­mes less pro­fi­ta­ble with increa­sed suc­cess. As a busi­ness model, it’s sim­ply unsustainable: busi­nes­ses should get more pro­fi­ta­ble as they grow. This is a long-term pro­blem that nee­ds to be addres­sed.“

We expec­ted – and wan­ted – to pay more and more money out to cont­ri­bu­tors. But what we quick­ly rea­li­zed was that it’s one thing for the pay­out amount to increa­se over time, it’s ano­ther thing for that per­cen­ta­ge of our total cost to always increa­se over time.“

But money isn’t going to be what makes you all hap­py.“

Auf gut deut­sch lässt sich das – sehr frei – so über­set­zen: Je erfolg­rei­cher wir wer­den, desto weni­ger sehen wir ein, war­um wir das Geld mit unse­ren Fotografen tei­len soll­ten. Matt Antonino über­setzt die drit­te istock-Meldung ganz humor­voll (wenn es nicht so ern­st wäre) vom „Corporate Speak“ in „Plain English“.

Es wäre etwas ande­res, wenn eine Firma sagt, mit 50% kann ich nicht leben. Aber mit 80% Prozent nicht pro­fi­ta­bel sein zu kön­nen ist aus meh­re­ren Gründen kom­plett unglaub­wür­dig. Zum einen gelingt das ande­ren Bildagenturen seit meh­re­ren Jahrzehnten, auch mit 50–60% gut über die Runden zu kom­men. Die Bildagentur Zoonar zahlt sogar bis zu 80% an die Fotografen aus und wächst immer noch. Dazu kommt, dass die Pressemeldungen von istock­pho­to in den letz­ten Jahren vor Erfolg-Superlativen nur so wim­mel­ten.

Es könn­te natür­li­ch sein, dass istock­pho­to recht hat. Wenn eine Bildagentur mit 80% Agenturanteil (ohne Retusche und Verschlagwortung zu über­neh­men) nicht kon­kur­renz­fä­hig ist, hie­ße das ent­we­der, dass Fotografen sich wirk­li­ch mit weni­ger zufrie­den geben müss­ten, oder dass die Preise wie­der so weit ange­ho­ben wer­den müs­sen, dass es kei­ne Microstock-Preise mehr gibt. Dann wäre alles wie­der wie frü­her, rosa-flauschig und kusche­lig.

Wer jetzt ein­wirft, dass es ja nicht nur um den 80/20-Split gehe, son­dern auch dar­um, dass die exklu­si­ven Künstler im Laufe der Jahre immer mehr Prozente bekä­men, spricht einen wei­te­ren Punkt an, den ich unsin­nig fin­de. Natürlich bekom­men die­se Fotografen im Laufe der Zeit mehr. Aber das ist fair. Denn die Honorarerhöhung ist dann eine Belohnung für mehr Verkäufe, die wie­der­um istock­pho­to IMMER mehr ein­brin­gen als dem Fotografen. Selbst bei der höchst­mög­li­chen Stufe wür­de ein Fotograf 40% und istock­pho­to 60% bekom­men. Halten wir fest: Die höchst­mög­li­che Stufe ist die pro­zen­tua­le Verteilung, die tra­di­tio­nel­le Bildagenturen seit Jahrzeiten gezahlt haben, oft auch 50/50 oder 60/40. Ohne immer Exklusivität zu ver­lan­gen. Das funk­tio­nier­te auch. Übrigens hat sich ein Fotograf hier im istock­fo­rum die Mühe gemacht, aus­zu­rech­nen, wel­che Auswirkungen die Preisänderungen für exklu­si­ve istock-Fotografen haben. Sieht eben­falls nicht sehr erbau­li­ch aus.

Außerdem ist es unlo­gi­sch, wenn die istock-Argumentation stim­men soll­te, dass sie am Rande des Existensminimuns rum­krebs­en und nicht mehr Geld zah­len kön­nen, dass sie dann nach der neu­en Regelung das höchst­mög­li­ch zu errei­chen­de Honorar auf 45% anhe­ben. Es sei denn, das ist nur Augenwischerei, um auf dem Papier bes­se­re Optionen zu haben.

Aber ich glau­be nicht dar­an. Für mich ist die Honorarsenkung schlicht ein dreis­ter Versuch, ohne zusätz­li­chen Aufwand mehr Geld zu ver­die­nen. Auf dem Rücken der Fotografen. Punkt.

Reaktionen anderer Bildagenturen

Der Zorn der Fotografen auf istock­pho­to lässt die kon­kur­rie­ren­den Bildagenturen ent­we­der heim­li­ch oder auch laut froh­lo­cken.

  • So sprach die Agentur 123rf frus­trier­te isto­cker via Twitter an, doch zu ihnen zu kom­men.
  • Auch Alamy trös­te­te die Fotografen über Twitter und warb zeit­gleich für ihren 60%-Fotografenanteil.
  • Die rela­tiv neue Microstock-Agentur Stockfresh lässt es sich eben­falls nicht neh­men, eini­ge Seitenhiebe zu ver­tei­len.
  • Dreamstime presch­te am wei­tes­ten vor und bie­tet bis zum 15. November allen Fotografen, die vor­her exklu­siv bei einer Bildagentur waren, für jeden akzep­tier­ten Upload $0,20. Eindeutig ein Wink in Richtung der ver­är­ger­ten istock-Exklusivfotografen.

Meine Reaktion

Im Gegensatz zu ande­ren Fotografen lebe ich aus­schließ­li­ch von mei­nen Einnahmen der Stockfotografie. Jede Entscheidung will wohl­über­legt sein. Im letz­ten Jahr habe ich ca. 150 Euro pro Monat bei istock­pho­to ver­dient, in den letz­ten Monaten eher zwi­schen 150–200 Euro. Von den gesam­ten Einnahmen pen­delt istock­pho­to im Vergleich zu mei­nen ande­ren Bildagenturen glück­li­cher­wei­se nur an 7–9. Stelle. Mein RPD (Revenue per Download) lag bei ca. 1,10–1,20 Euro. Mein RPI (Return per Image) lag in den letz­ten Monaten bei ca. 0,19 Euro, Tendenz fal­lend. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er bei isto­ck noch dop­pelt so hoch.

Anders gerech­net heißt das: Wenn ich jetzt bei 20% im Monat 200 Euro bei isto­ck ver­die­ne, erhält isto­ck 800 Euro. Wenn ich bei 15% ab dem nächs­ten Jahr 150 Euro ver­die­ne, wür­de istock­pho­to damit 850 Euro ver­die­nen. Das sehe ich nicht ein. Okay, ich wür­de mit mei­nen Verkäufen auf 16% kom­men, aber mit­tel­fris­tig nie auf 17%. Dazu kommt, dass neben der Honorarkürzung in der istockphoto-Meldung auch stand, dass viel mehr Bilder aus ande­re Kanälen über isto­ck ver­kauft wer­den sol­len. Das heißt, dass die Sichtbarkeit mei­ner nicht-exklusiven Bilder wei­ter abneh­men wird, was wie­der­um weni­ger Verkäufe bedeu­tet. Die ers­ten Motive aus der „Agency Collection“ deu­ten das bereits an.

In einem Kommentar zu mei­nem ers­ten Artikel über die Honorarkürzung hier im Blog hat Andreas gesagt:

Natürlich pro­bie­ren IS und Co. aus wie weit sie gehen kön­nen. Bieten doch genug Fotografen Ihre Bilder für 20% Anteil an, also war­um dann nicht auch für 15. Versteht mich nicht fal­sch, aber wenn nicht lang­sam mal signa­li­siert wird, dass die Fotografen nicht nur die Lakaien der BAs sind, wird die­ser Trend sich fortsetzen.Ich war nicht bereit bei 20% Verkaufsanteil mei­ne Bilder hoch­zu­la­den und ich ver­ste­he auch nicht, war­um die meis­ten nicht sofort Abstand neh­men.“

Dem kann ich nur zustim­men. Ich habe lan­ge über­legt, ob ich die Klappe hal­ten soll und ein­fach wei­ter­hin mei­ne 150 Euro im Monat ein­strei­che. Aber wenn ande­re Agenturen mer­ken, dass den Fotografen scheiß­egal ist, für wie wenig Anteil sie ihre Fotos ein­stel­len, wür­den sie viel­leicht nach­zie­hen und dann habe ich wahr­schein­li­ch deut­li­ch mehr Verluste. Es gibt wei­te­re Punkte, die gegen istock­pho­to spre­chen: Es ist bei mir die Agentur, wel­che bei der Bildauswahl am pin­ge­ligs­ten ist, das Hochladen der Fotos dau­ert im Vergleich zu ande­ren Agenturen deut­li­ch län­ger und das Upload-Limit ver­hin­dert, dass ich alle mei­ne Fotos hoch­la­den kann.

Deswegen: Seit Bekanntgabe der Honorarkürzungen lade ich kei­ne neu­en Bilder mehr hoch. Das wer­de ich unter den aktu­el­len Bedingungen auch wei­ter­hin nicht tun. Es lohnt sich ein­fach nicht. Ich spa­re Upload-Zeit, die Umsätze wer­den erst lang­sam abneh­men, da die alten Bilder drin blei­ben wer­den und mit der Zeit hof­fe ich, den Verlust durch die ande­ren Bildagenturen, wel­che alle mei­ne neu­en Fotos ver­trei­ben, auf­zu­fan­gen. Es ver­steht sich von selbst, dass ich Bildkäufer, die mich fra­gen, wo sie mei­ne Fotos kau­fen kön­nen, nicht mehr an isto­ck ver­wei­se, son­dern an die ande­ren Bildagenturen.

Reaktionen anderer Fotografen

Seit Bekanntmachung der Honorarsenkung habe ich mit vie­len Fotografen gespro­chen. Dabei ist mir etwas auf­ge­fal­len: Das Hochladen und Verschlagworten der Bilder zu istock­pho­to ist extrem umständ­li­ch und lang­wie­rig. Viele exklu­si­ve istock-Fotografen, die über­le­gen, zu ande­ren Bildagenturen zu wech­seln, befürch­ten des­we­gen, dass sich die­ser hohe Aufwand dann mul­ti­pli­ziert, wenn sie meh­re­re ande­re Agenturen belie­fern. Ich kann sie jedoch beru­hi­gen: Alle Bildagenturen die ich ken­ne, erfor­dern weni­ger Aufwand beim Hochladen der Bilder (vor­aus­ge­setzt, die Bildtitel, Beschreibung und Suchbegriffe wer­den mit­tels IPTC den Foto-Metadaten ange­han­gen).

Reaktionen im Netz

Auch die blog­gen­den Fotografen und Online-Journalisten lie­ßen sich die Meldung nicht neh­men und lie­fer­ten vie­le ver­schie­de­ne Meinungen und Hintergrund-Analysen. Von „Ich hab’s doch immer gesagt“ bis zu „Unverschämtheit!“. Hier eine Auswahl der rele­van­tes­ten Beiträge:

  • Cnet berich­tet dar­über, wie das Crowdsourcing-Modell von istock­pho­to nach hin­ten los­ge­hen kann.
  • Paul Melcher bet­tet die istock-Entscheidung in grö­ße­re Getty-Zusammenhänge ein.
  • Photo Business News ist einer der­je­ni­gen, die es schon immer gewußt haben wol­len.
  • Auch Jeremy Nicholl hat den Ärger vor­her­ge­se­hen.
  • Einen Bericht über die lang­fris­ti­gen Folgen der istock-Entscheidung für Microstock gibt es bei Lighting Essentials.
  • Eher isto­ck–freund­li­ch ist die Berichterstattung bei DPTnT.
  • Mehr aus der Käufer-Sicht schreibt der istock-Fotograf Sean Locke.
  • Doug Armand ver­gleicht das Vorgehen von isto­ck mit frü­he­ren Tricks von Getty Images.
  • Matt Antonino hat einen wüten­den­den, aber trotz­dem inhalt­li­ch gut argu­men­tie­ren­den Artikel gepos­tet.
  • Jen Grantham ist eben­falls frus­triert und lis­tet ihre Einwände auf.
  • Rob Davis stellt Alternativen für frus­trier­te isto­cker vor.
  • Eine der Fotografinnen, die ent­schie­den hat, ihre Bilder bei isto­ck zu ent­fer­nen.
  • Eine noch aus­führ­li­che­re Liste zu Berichten über die isto­ck Honoraränderung gibt es bei mys­tock­pho­to.


Was für Konsequenzen habt ihr aus der Ankündigung von istock­pho­to gezo­gen? Beißt ihr in den sau­ren Apfel oder ändert ihr Euer Upload- bzw. Kauf-Verhalten?

istockphoto senkt Fotografenhonorare auf bis zu 15%

Der Erfinder des Microstock-Modells ist immer für eine Überraschung gut.

Diesmal jedoch bekom­men auch alte Hasen im Bildermarkt ihren Mund nicht mehr zu. istock­pho­to hat dras­ti­sche Änderungen ange­kün­digt, die unter ande­rem dazu füh­ren, dass vie­le Fotografen nur noch 15% statt der bis­he­ri­gen 20% Anteil am Verkaufserlös erhal­ten wer­den.

Aber der Reihe nach. Was ist pas­siert?

Per Email, Site-News und Forum-Eintrag kün­dig­te istock­pho­to ges­tern drei Neuigkeiten an.

  1. Die Fotografenhonorare wer­den ver­rin­gert
    • Bisher beka­men nicht-exklusive Fotografen 20% des Verkaufserlöses. Schon ziem­li­ch wenig. Ab dem 1.1.2011 sol­len sie nur 15–20% erhal­ten. Zu den Details kom­me ich gleich. Aber auch exklu­si­ve Fotografen spü­ren die Macht des Getty-Konzerns: Sie erhal­ten ab dem 1.1. nicht mehr 25–40%, son­dern nur noch 25–45%. Klingt nicht nach einer Verschlechterung? Doch, denn die Anforderungen wur­den stark ange­zo­gen. Auch dazu gleich mehr.
    • Bisher ent­schie­den die „Canister-Level“, wie viel Prozent ein Fotograf pro Verkauf erhielt. Je mehr Verkäufe ein Fotograf erziel­te, desto höher stieg er im Level und desto mehr Prozent bekommt er.
    • Ab dem 1.1.2011 sind die­se Canister-Level nicht mehr für für den Fotografen-Anteil rele­vant, son­dern nur noch für das Upload-Limit. Je höher ein Fotograf im Level, desto mehr Bilder „darf“ er pro Woche hoch­la­den.
    • Ab dem 1.1.2011 wird der Fotografen-Anteil nach „rede­emed Credits“ (über­setzt: ein­ge­lös­te Credits) berech­net. Das heißt, nicht nur die Anzahl der Downloads, son­dern auch die Größe bzw. der dazu­ge­hö­ri­ge Verkaufspreis spielt eine Rolle. Im Benutzer-Bereich wird ab sofort ange­zeigt, wie viel „rede­emed Credits“ ein Fotograf 2009 und 2010 erzielt hat. Bei mir sind das für 2010 bei­spiels­wei­se ca. 5500, damit wür­de ich nach der neu­en Abrechnungsstruktur nur noch 16% erhal­ten, eine Kürzung von 20%. Die genaue Liste mit den Anteilen fin­det ihr hier.
      Hier ist jetzt die Anzeige der Redeemed Credits zu finden.
      Hier ist jetzt die Anzeige der Redeemed Credits zu fin­den.

      Noch ein nütz­li­cher Rechenhinweis: Pro Verkauf erhal­te ich momen­tan ca. 5 Credits, im Forum mein­ten ande­re Fotografen, sie wür­den teil­wei­se bis zu 7 Credits pro Verkauf erhal­ten, falls jemand kal­ku­lie­ren will, wie vie­le Bilder er ver­kau­fen muss, um auf wel­che Prozente zu kom­men.
      Im istock-Forum haben sich vie­le Fotografen aus­ge­rech­net, dass sie eine Kürzung ihres Umsatzanzeils von 10–20% (Prozent, nicht Prozentpunkte) erlei­den wer­den.

    • Ganz wich­tig: Die „rede­emed Credits“ wer­den nur pro Jahr berech­net. Es zählt also nicht, wie viel Verkäufe ein Fotograf ins­ge­samt hat­te, son­dern er wird jetzt dana­ch bezahlt, wie viel er nur im letz­ten Jahr ver­kauft hat. Das ist beson­ders für die alt­ein­ge­ses­se­nen Fotografen eine nach­tei­li­ge Änderung.
    • Exklusive Fotografen erhiel­ten bis­her beim Verkauf einer „Erweiterten Lizenz“ 10% zusätz­li­ch. Das wird gestri­chen.
    • Nebenbei: Auch die Mindest-Credit-Preise für Abo-Modelle wer­den von 95 Cent auf 65 Cent gesenkt, was sich eben­falls auf den Fotografen-Anteil aus­wirkt.
  2. Änderungen bei der Premium-Kollektion Vetta
    • Die Preise für Bilder in der Vetta-Kollektion wer­den ange­ho­ben, aber der Fotografen-Anteil dafür wird eben­falls gesenkt.
    • Vetta-Bilder wer­den bald auch über die Webseite von Getty Images ver­kauft.
    • Vektoren-Grafiken wer­den aus der Vetta-Kollektion wie­der ent­fernt. In Zukunft soll es dazu noch eine wei­te­re Änderung geben (eine Premium-Vektor-Kollektion viel­leicht?).
    • Diese Änderungen gel­ten ab dem 27.9.2010
  3. Eine neue Agentur-Kollektion soll hin­zu­kom­men
    • Bisher wer­den Bildkäufern bei istock­pho­to nicht-exklusive Bilder, exklu­si­ve Bilder und Vetta-Bilder ange­zeigt. Jetzt soll eine vier­te Art hin­zu­kom­men, die „Agency Collection“
    • Die „Agency Collection“ wird Bilder ande­rer (wahr­schein­li­ch Macrostock-)Bildagenturen ent­hal­ten, die dann über istock­pho­to, Thinkstock und Getty Images, Jupiter Images und PunchStock erhält­li­ch sein.
    • Der Preis eines Bildes aus der Agency Collection wird über dem Preis der Vetta-Kollektion lie­gen.
    • In eini­gen Wochen „dür­fen“ hand­ver­le­se­ne exklu­si­ve istock-Fotografen eben­falls Fotos der Agentur-Collection hin­zu­fü­gen.
    • Der Fotografen-Anteil für die Agency-Collection wird der glei­che wie für die Vetta-Kollektion sein.

Let’s Do Some Math

Damit istock­pho­to öffent­li­ch davon reden kann, dass die Honorare nur „geän­dert“, nicht „gekürzt“ wur­den, gibt es neben den meist vor­herr­schen­den Anteilssenkungen auch eine gut sicht­ba­re Erhöhung: Die von 40% auf 45%.

Um 45% zu erzie­len, muss ein exklu­si­ver Fotograf über 1,4 Millionen (!) „rede­emed credits“ pro Jahr erzie­len. Der Fotograf, der bei istock­pho­to am meis­ten ver­kauft, ist in die­sem Fall eine Fotografin und heißt Lisa Gagne. Innerhalb von sie­ben Jahren hat sie eine Million Downloads erzielt.

Ich habe mir raus­ge­sucht, wann sie wie vie­le Downloads erzielt hat und wie lan­ge sie dafür gebraucht hat (Tage in der letz­ten Spalte).
Im Durchschnitt brauch­te sie 238 Tage, um 100.000 Downloads zu erzie­len.
Pro Jahr kommt sie damit auf ca.  153400 Downloads.
Selbst wenn wir jetzt anneh­men, dass sie für jeden Verkauf 9 Credit erhält, wür­de ihr „rede­emed Credit-Wert nur 1.380.600 betra­gen.
Das wäre immer noch weni­ger als die erfor­der­li­chen 1,4 Millionen Credits.
Anders for­mu­liert: Sehr wahr­schein­li­ch wird nie­mand auf einen Anteil von 45% kom­men, wenn es schon die Fotografin mit den meis­ten Verkäufen nicht schafft.
Da auch nicht-exklusive Fotografen 1,4 Millionen „rede­emed Credits“ brau­chen, um wie bis­her ihre 20% zu behal­ten, kann ich mit Leichtigkeit sagen, dass kein nicht-exklusiver Fotograf das schaf­fen wird. Nein, auch nicht Yuri Arcurs! Da wirkt die­ser Satz aus der Ankündigung befremd­li­ch:

we wan­ted to pro­du­ce a solu­ti­on that: would not chan­ge most cont­ri­bu­tors‘ total com­pen­sa­ti­on (except for the bet­ter), […] allows our top cont­ri­bu­tors to earn more“

Übersetzt: „Wir woll­ten eine Lösung errei­chen, die: nichts an den Gesamteinnahmen der Fotografen ändert (außer zum Guten), […] unse­ren Top-Verkäufern erlaubt, mehr zu ver­die­nen“

Vermutete Auswirkungen

Die vie­len exklu­si­ven Fotografen bei istock­pho­to waren bis­her immer ein Pfund, mit dem istock­pho­to wuchern konn­te. Die Bildagentur hat vie­le Bilder, die ande­re nicht haben und kann sich des­halb erlau­ben, dafür auch höhe­re Preise zu neh­men. Mit einem so hef­ti­gen Tritt gegen die Schienbeine der exklu­si­ven Fotografen wird es schwer fal­len, neue jun­ge Talente an sich zu bin­den, denn gera­de durch sol­che Aktionen zeigt sich der größ­te Nachteil von Exklusivität: Diesen Fotografen sind die Hände gebun­den.

Ein wei­te­rer Punkt: Durch die Öffnung der Bildagentur für das Material von Macrostock-Agenturen wird das Verkäufe von den bis­he­ri­gen istockphoto-Verkäufern abzie­hen: Wenn mehr Auswahl besteht, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kunden ein Bild kau­fen, was nicht von einem istock-Fotografen kommt. Ergo könn­te das dazu betra­gen, dass die oben gesetz­ten Anteilsprozente noch schwe­rer zu errei­chen sind.

Für den Inhaber von istock­pho­to, Getty Images, ist es aber ein logi­scher Schritt: Wir haben viel Geld für istock­pho­to und für Jupiterimages aus­ge­ge­ben, jetzt wol­len wir es wie­der rein­ho­len. Mit dem Erwerb von Jupiterimages hat Getty eben auch vie­le Macrostock-Fotos erwor­ben, die sie jetzt über istock­pho­to ver­schleu­dern wol­len.

Die Entscheidung zeigt auch, dass Microstock end­gül­tig in der Mainstream-Geschäftswelt ange­kom­men ist. Jetzt geht es ums Business, ums Geldverdienen, um nix ande­res. Vor paar Jahren konn­ten Fotografen noch damit gekö­dert wer­den, dass die­se neu­en hip­pen Microstock-Agenturen anders sei­en, coo­ler, community-orientiert, mit hip­pen Designs und flot­ten Sprüchen. Da war es zu ver­schmer­zen, dass man kaum etwas ver­dient hat. Heute aber wird es für Hobby – und Amateurfotografen unter die­sen Voraussetzungen immer schwe­rer, im Microstock-Bereich Geld zu ver­die­nen. Die ein­zi­gen, die von den neu­en Regelungen pro­fi­tie­ren könn­ten, sind gro­ße pro­fes­sio­nell arbei­ten­de Produktionsfirmen. Auch Fotolia hat­te ja vor knapp einem Jahr mit der „Operation Level Ground“ gezielt neue Profi-Fotografen gelockt. Wer son­st noch mit­spie­len will, darf es ger­ne machen, aber nur wenig Honorar erwar­ten.

Was sagt ihr zu den geplan­ten Änderungen? Wie wür­de sich bei Euch kon­kret der Fotografenanteil ändern?