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Praxis-Bericht: Smartphone-Fotos auf Reisen machen

Manchmal habe ich das Gefühl, ich ent­wick­le mich rück­wärts bei mei­ner Kameraauswahl für Reisen.

2010 habe ich auf einer Trekkingtour durch die fran­zö­si­schen Alpen noch mei­ne kom­plet­te DSLR (1,8 Kilo mit Objektiv) mit­ge­schleppt. 2013 war ich für eine Wanderung in den ita­lie­ni­schen Alpen bei einer Olympus E-PM2 (knapp 225 Gramm) ange­langt.

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Nach lan­gen Überlegungen habe ich es 2014 beim Trekking in den Dolomiten das ers­te Mal gewagt, nur das iPho­ne 5 (ca. 140 Gramm mit Hülle) mit­zu­neh­men. Aufgrund eines Wanderunfalls lan­de­ten wir dann eini­ge Tage in Venedig, was dazu führ­te, dass ich jetzt knapp 50 Handyfotos aus Venedig in mei­nem Portfolio habe.

Am bes­ten ver­kauf­ten sich die Panoramaaufnahmen. Mit etwas Übung gelin­gen mit dem Smartphone inner­halb von Sekunden beein­dru­cken­de Panoramafotos mit teil­wei­se mehr Megapixeln als mei­ne digi­ta­le Spiegelreflexkamera.

Zwar habe ich 2015 auf mei­ner Reise zur Adobe MAX nach Los Angeles wie­der mei­ne – damals brand­neue –  Canon 5DS* mit­ge­nom­men (1,7 Kilo mit Objektiv), aber die mus­s­te ich auch nicht meh­re­re Tage am Stück schlep­pen.

robert_kneschke_IMG_1091_kleinTrotzdem habe ich damit in L.A. sowie einen Monat spä­ter in mei­ner Heimatstadt Berlin etli­che sehr beein­dru­cken­de Panoramaaufnahmen gemacht mit­tels des Stitching-Verfahrens. Diese Bilder hat­ten dann bis zu 350 Megapixel, aber: Online ist bis­her kein ein­zi­ges die­ser Panoramafotos, weil der Workflow deut­li­ch „hakli­ger“ ist als mit dem Smartphone in Kombination mit einer Bildagentur-App.

Trotz aller Liebe zur Fotografie zählt unter dem Strich der Umsatz: Wenn ich ein Bild, egal aus wel­chen Gründen, nicht ver­kau­fe, bringt es mir nicht viel. Darum lie­be ich die Kamera in mei­nem Smartphone. Sie ist immer dabei und die Bilder sind deut­li­ch schnel­ler online.

Deshalb habe ich 2016 nicht gezö­gert, als wir uns für eine Kanuwanderung auf der Oder im Unteren Odertal ent­schie­den haben. Als Kamera pack­te ich mein iPho­ne 6 (ca. 170 Gramm mit Hülle) ein.

Aufgrund des vie­len Wassers, was uns umge­ben wür­de, schie­den die ande­ren Kameras dies­mal nicht (nur) wegen des Gewichts aus, son­dern auch wegen der Wasserempfindlichkeit. robert_kneschke_IMG_1092_klein

Für das iPho­ne habe ich zwei was­ser­dich­te Hüllen ver­gli­chen, wel­che sich haupt­säch­li­ch in der „Menge“ des Wasserschutzes unter­schie­den.

Die ers­te war die­se hier aus Hartplastik*, wel­che bis zu 40 Meter tief was­ser­dicht sein soll. Getestet habe ich es nicht, weil ich schon zu Hause gese­hen habe, dass die­se klo­bi­ge Ding alles ande­re als prak­ti­sch für mei­ne Zwecke war. Weitwinkel-Plastiklinse im Gehäuse (weil sie für Unterwasseraufnahmen kon­zi­piert ist), das Handy muss immer an sein, Touch-ID funk­tio­niert nicht mehr, Öffnen der Hülle nur mit Werkzeug mög­li­ch, Auslösen schwer etc. Der Batterie wäre das nicht zuträg­li­ch gewe­sen, doch dazu spä­ter mehr.

Die zwei­te war deut­li­ch bes­ser geeig­net: Es ist die­ses hier aus Weichplastik*. Zwar „nur“ bis zu 30 Meter was­ser­dicht, dafür aber sind alle Funktionen genauso nutz­bar wie ohne Hülle, mei­ne „nor­ma­le“ iPhone-Hülle mit Kreditkartenfach (ähn­li­ch wie die­se hier*) pass­te auch mit rein und den Fotos seht ihr (sie­he oben) nicht an, wel­che durch das Plastik foto­gra­fiert wur­den und wel­che nicht. Tipp: Je mehr Wasser auf dem Bild, desto höher die Wahrscheinlichkeit ;-).

Der größ­te Pluspunkt für die Verwendung des Smartphones als Reisekamera ist für mich das Gewicht: Es fällt kein Extragewicht an, weil wohl jeder sein Handy mit in den Urlaub nimmt. Vor allem, wenn man kei­nen Hotel-Stadt-Urlaub macht, son­dern meh­re­re Tage kom­plett sein Gepäck tra­gen muss, macht ein Kilo mehr oder weni­ger einen gro­ßen Unterschied aus. Im Gegensatz zu mei­ner DSLR sind die GPS-Geodaten eben­falls gleich in den Fotos gespei­chert, das Stitching ver­läuft voll­au­to­ma­ti­sch, HDR kann ich mit den ent­spre­chen­den Apps wie vividH­DR eben­falls gut steu­ern und so wei­ter.

Der größ­te Nachteil jedoch ist der Akku. Bei fast jeder Reise und egal, bei wel­cher Kamera, mach­te der Akku zum Schluss schlapp. Bei der DSLR hät­te ich einen extra Akku ein­pa­cken müs­sen (Anfängerfehler), beim Smartphone bleibt nur der Griff zum Akkupack. Ich hat­te eins von Anker (ähn­li­ch wie die­ses*) dabei, was super funk­tio­nie­ren wür­de, wenn nicht das exter­ne Lightning-Kabel gebro­chen wäre.

Die Lektion für die nächs­te Reise: Zubehör vor­her noch mal aus­führ­li­ch tes­ten!

Mit wel­cher Kamera foto­gra­fiert ihr auf Reisen?
Was sind eure Erfahrungen?

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Die 10 meistverkauftesten Smartphone-Bilder 2014 aus der Instant Collection von Fotolia

Smartphone-Fotos sind der neue Trend.

Fast alle der gro­ßen Bildagenturen haben eine eige­ne Collection mit Handybildern. Aber wel­che davon ver­kau­fen sich am bes­ten?

Ich habe die Bildagentur Fotolia gefragt, wel­che Smartphone-Bilder sich im Jahr 2014 aus deren Instant Collection am meis­ten ver­kauft haben.

Hier sind die Top 10 der meist­ver­kauf­ten Handyfotos 2014:

  1. @ robimhl - Fotolia.com
    © robin­mhl – Fotolia.com

    Auf Platz eins lan­det ein Foto von einem Color Run mit Holi-Pulver in Melbourne, Australien. Erstaunlich dar­an ist auch, dass es nur acht Suchbegriffe hat, die kaum etwas mit dem Lauf oder den Holi-Farben selbst zu tun haben: „color, colors, hap­pi­ness, you­th, color­ful, sum­mer, fes­ti­val, music“. Ich ver­mu­te stark, dass neben dem Suchbegriff „Farben“ vor allem „Festival“ und „Jugend“ die aus­schlag­ge­ben­den Begriffe für die gan­zen Verkäufe waren.

  2. © Jürgen Fälchle - Fotolia.com
    © Jürgen Fälchle – Fotolia.com

    Auf dem zwei­ten Platz eine Treppe hin zur strah­len­den Sonne. Vermutlich wur­de das Bild jedoch nicht wegen dem Sonnenuntergang (oder Sonnenaufgang) ein Bestseller, son­dern wegen der gut gewähl­ten kon­zep­tio­nel­len Suchbegriffe, die mit 50 Wörtern voll aus­ge­reizt wur­den und mit Begriffen wie „Glaube, Vision, Zukunft, Ostern, etc.“ sehr kon­zep­tio­nell besetzt sind.

  3. © robinmhl - Fotolia.com
    © robin­mhl – Fotolia.com

    Was sich ein­mal gut ver­kauft, könn­te sich doch in einer Variation eben­falls ver­kau­fen? Stimmt bei die­sem Foto vom Festival sehr gut, weil es neben dem ers­ten auch gleich den drit­ten Platz bele­gen konn­te, dies­mal nur mit sie­ben Suchbegriffen. Mir gefällt beson­ders, wie unten die gan­zen Smartphones zu sehen sind, mit denen ande­re Leute eben­falls Fotos machen.

  4. © Christianmutter - Fotolia.com
    © Christianmutter – Fotolia.com

    Auf dem vier­ten Platz ein jun­ger Mann beim Springen. Nicht ganz scharf, aus­ge­fres­se­ner Himmel, egal, das Motiv ist stim­mig und mit nur neun Suchbegriffen kna­ckig und pas­send ver­schlag­wor­tet. Solche Fotos zei­gen mir immer wie­der, dass die Bildagenturen auch bei Fotos einer DSLR mal ein Auge zudrü­cken könn­ten, wenn es um Chromatische Abberation und ande­re Bildfehler geht, solan­ge das Motiv gut ver­käuf­li­ch wäre.

  5. © samantoniophoto - Fotolia.com
    © saman­to­nio­pho­to – Fotolia.com

    Auf dem fünf­ten Platz lan­det die­ses Bild: Surfer im Sonnenuntergang. Ein nahe­zu per­fek­ter Sonnenuntergang bil­det hier die Kulisse für das kali­for­ni­sche Urlaubs- und Strandfeeling.

  6. © uliner - Fotolia.com
    © uli­ner – Fotolia.com

    Die Skyline von Chicago lan­de­te auf Platz 6 der am häu­figs­ten ver­kauf­ten Smartphone-Bilder. Mit dabei nur sechs Suchbegriffe: „sun­ri­se, sky­line, chi­ca­go, city, sky, clouds“. Knapper hät­te ich es auch nicht for­mu­lie­ren kön­nen.

  7. © eelarson - Fotolia.com
    © eel­ar­son – Fotolia.com

    Diese Schuhe an der Bordsteinkante in New York City sind mein per­sön­li­cher Favorit in der heu­ti­gen Liste. Es ist eine opti­sche Täuschung, hier wird der Himmel auf den Kopf gestellt und es ver­mischt sich der Sprung ins kal­te Wasser mit Selbstmordgedanken. Ihr seht schon, Konzepte ste­cken vie­le im Bild, zusätz­li­ch zum lus­ti­gen ers­ten Eindruck.

  8. © Patrizia Tilly - Fotolia.com
    © Patrizia Tilly – Fotolia.com

    Der Platz acht mit den sprin­gen­den Kindern am See scheint inhalt­li­ch eine Kombination der obi­gen Themen zu sein: Strand, Sonnenuntergang, Jugend, Sprung. Ich ver­mu­te, hier wur­de mit Filtern leicht nach­ge­hol­fen, aber wenn es dem Gesamteindruck zuträg­li­ch ist, war­um nicht?

  9. © chrispinmx - Fotolia.com
    © chris­pin­mx – Fotolia.com

    Dieses Foto von Yoga am Meer hält den Rekord der heu­ti­gen Serie: Nur gan­ze vier Suchbegriffe führ­ten hier zu den gan­zen Verkäufen, die das Bild zu einem Bestseller mach­ten: „Sonnenaufgang, Meer, Yoga, medi­tie­ren“. Genau das ist auch auf dem Bild zu sehen.

  10. © omarparguera - Fotolia.com
    © omar­par­guera – Fotolia.com

    Das letz­te Bild zeigt Angeln beim Hochseefischen. Auch hier rei­chen sechs Keywords, um die Szene zu beschrei­ben: „fis­hing, oce­an, sea, boat, wave, off­shore“.

Warum ich so auf den Suchbegriffen und deren Anzahl her­um­rei­te? Weil es ers­tens gen­au das ist, was über den Erfolg eines Fotos ent­schei­det und weil es hier zwei­tens zeigt, dass weni­ger, aber sehr gen­au tref­fen­de Suchbegriffe zu mehr Verkäufen füh­ren kön­nen. Wenn 6 der 10 gezeig­ten Bilder weni­ger als zehn Keywords nut­zen, wird das schon sei­nen Grund haben.

Was können wir sonst noch lernen?

Alle Fotos sind im Freien ent­stan­den. Naheliegend bei Smartphones, weil die Qualität bei wenig Licht oft noch nicht aus­reicht, viel­leicht aber auch ein Zeichen, dass Bilder von Spaß und Freizeit (sie­ben der zehn Bilder zei­gen Freizeitaktivitäten) sehr gefragt sind.

Erstaunt hat mich der hohe Anteil von Sonnenauf- oder unter­gän­gen. Bei der Hälfte der Bestseller ist die Sonne ein wich­ti­ger Faktor im Bild. Dabei hat­te ich das Motiv gedank­li­ch schon abge­schrie­ben, weil Bildagenturen frü­her gebets­müh­len­ar­tig wie­der­holt hat­ten, dass sie genug Bilder von Sonnenuntergängen hät­ten. Vermutlich ist der Kniff dabei, die Sonne mit Menschen zu kom­bi­nie­ren: Auf sie­ben der zehn Bilder sind Menschen zu sehen, wenn oft auch nicht indi­vi­du­ell erkenn­bar.

Smartphone-Bilder haben 2014 ein­deu­tig Einzug in die pro­fes­sio­nel­le Stockfotografie gehal­ten. Ich selbst habe letz­tes Jahr mit ca. 400 Bildern knapp 1000 Dollar Umsatz erzie­len kön­nen, was mich zum Jahresende moti­viert hat, ver­stärkt Handybilder anzu­bie­ten.

Wer noch mehr Bilder aus der Instant Collection von Fotolia sehen will, fin­det hier eine Zusammenstellung der schöns­ten Bilder.

Was war euer Smartphone-Bestseller 2014?

Geld verdienen mit dem Verkauf von Smartphone-Fotos?

Es soll­te nur ein kur­zer Artikel wer­den. Doch mitt­ler­wei­le ist mein Text über die Zukunft der Smartphone-Fotografie auf eine drei­tei­li­ge Artikelserie ange­wach­sen. Und soviel kann ich ver­ra­ten: Ein vier­ter Teil wird auch noch kom­men. Hier könnt ihr den ers­ten und zwei­ten Teil lesen.

Heute soll es all­ge­mein um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Smartphone-Apps zum Fotoverkauf gehen im Vergleich zu den aktu­el­len Wegen des Fotoverkaufs.

Eins vor­weg: Ich bin fest davon über­zeugt, dass die Qualität von Handy-Kameras kein Argument gegen Fotoverkäufe über das Smartphone ist. Das sage ich einer­seits, weil uns die Digitalfotografie das Gegenteil bewie­sen hat. Vor ca. zehn Jahren begann die gro­ße Debatte unter Fotografen, ob Film oder Digitalfotos bes­ser sei­en. Noch 2010 erklär­te der Profi-Fotograf Ken Rockwell, war­um Film sei­ner Meinung nach nicht aus­ster­ben wer­de. Klar, es gibt auch noch Vinyl-Schallplatten, aber die sind mitt­ler­wei­le in einem nor­ma­len Geschäft genauso oft erhält­li­ch wie 35mm-Filmrollen. Genauso, wie es noch Dampfeisenbahn-Enthusiasten gibt, wird es auch noch eine Weile Analog-Fotografen geben, aber jetzt wo es auch digi­ta­le Mittelformat-Kameras gibt, arbei­ten Profis nun mal digi­tal.

Die Technik macht sehr schnel­le Fortschritte. Ein ganz ein­fa­ches Beispiel ist die Entwicklung der Kamera in den sechs iPhone-Generationen, die hier sehr anschau­li­ch ver­gli­chen wer­den. Der gezeig­te Qualitätssprung dau­er­te nur fünf Jahre! Die Ankündigung des Nokia Lumia 1020* mit einem 41-Megapixel-Sensor von Zeiss zeigt, dass die Entwicklung noch lan­ge nicht das Ende erreicht hat. Für Prints bis 13 x 18 cm oder gar für Web-Anwendungen reicht selbst die aktu­el­le Smartphone-Qualität locker aus und deckt damit einen gro­ßen Teil der benö­tig­ten Bildanwendungen schon ab. Wer jetzt sagt, dass gerin­ge Schärfentiefe zur bewuss­ten Bildgestaltung oder Telezooms oder gro­ße Sensoren für gerin­ges Bildrauschen eine Domäne der DSLRs sind, dem wer­den spä­tes­tens in paar Jahren die Argumente schwin­den. Dazu kom­men zwei Punkte, wel­che Smartphones den wuch­ti­gen Digitalkameras vor­aus haben: Sie sind deut­li­ch leich­ter und auch immer dabei.

Qualitätsentwicklung am Beispiel der iPhone-Reihe (Foto: Lisa Bettany, Quelle: http://campl.us/posts/6iPhoneCameras)

Wenn wir also davon aus­ge­hen, dass die Bildqualität (bald) nicht mehr ent­schei­dend ist beim Vergleich von Smartphone-Kameras und DSLRs, was bedeu­tet das für das Geschäftsmodell?

Microstock hat den Markt stark ver­än­dert, weil die Bildpreise deut­li­ch bil­li­ger waren. Smartphone-Apps zum Fotoverkauf kön­nen mit der Bildqualität nicht punk­ten, denn egal, was ich eben über den Fortschritt der Technik geschrie­ben habe: Besser wer­den die Bilder nie wer­den kön­nen, höchs­tens genauso gut. Es blei­ben also ent­we­der nied­ri­ge­re Preise oder Schnelligkeit. Wer Preisdrücker sein will, muss noch die Microstock-Agenturen unter­bie­ten. Das ist schwer, denn nach den dras­ti­schen Preissenkungen bei iStock­pho­to und der Preisreduzierung für sel­ten ver­kauf­te Fotos bei Fotolia gibt es dar­un­ter kaum noch Luft.

1 Euro“ oder auch „1 Dollar“ sind Preise, hin­ter denen nicht nur betriebs­wirt­schaft­li­che Überlegungen ste­hen, son­dern auch psy­cho­lo­gi­sche. „Das Foto ist dann Euro wert“, sagt so ein Preis aus. Wer als Bildagentur Fotos für 90 Cent ver­kau­fen will, ver­an­kert sowohl beim Fotografen als auch beim Bildkäufer die Aussage, dass die Fotos Centarti­kel sind, Wegwerfware. Das ist auch einer der Gründe für die Nutzung von „Credits“ als Kunstwährung, weil dann die Preise im Centbereich bei Abos oder nach Mengenrabatt nicht so auf­fal­len.

Ein ande­rer Vorteil blie­be die Geschwindigkeit. Diese ist bei typi­schen Microstock-Fotos, die durch gene­ri­sche Motive auf Langlebigkeit getrimmt sind, unwich­tig. Eine sehr gro­ße Rolle spielt die Geschwindigkeit bei Nachrichtenfotos, wes­halb in der Vergangenheit eini­ge Anbieter ver­sucht haben, in die­se Nische zu sto­ßen. Die Idee klang ja ein­leuch­tend: Leute mit ihren immer ver­füg­ba­ren Smartphone-Kameras soll­ten als Bürger-Reporter den Nachrichtenmedien bil­li­ge Fotos lie­fern.

Getty Images hat­te das schon 2007 mit Scoopt ver­sucht, aber 2009 wie­der auf­ge­ge­ben. Vielleicht war Getty da der Zeit zu weit vor­aus. Auch Yahoo und Reuters star­te­ten 2006 mit „You Witness“ und „Your View“ den Versuch, Bürger(bild)journalismus zu eta­blie­ren, gaben aber eben­falls nach paar Jahren auf. Seit 2009 dann ver­sucht CNN, mit der „iMo­bi­le“-App, die Leser zur Meldung nach­rich­ten­re­le­van­ter Inhalte auf­zu­for­dern. Der Hauptgrund, war­um die­se sowie eini­ge ähn­li­che Dienste lang­fris­tig wenig Erfolg haben wer­den, hat Paul Melcher hier gut ana­ly­siert: Den ein­ge­sand­ten Bildern man­gelt es nicht an tech­ni­scher Qualität, son­dern ihnen fehlt die „jour­na­lis­ti­sche Bildgestaltung“, die Fähigkeit, mit einem Bild eine gan­ze Geschichte zu erzäh­len.

Was bleibt nun übrig? Scoopshot ist im Grunde der Versuch, Auftragsarbeiten für Fotos absicht­li­ch an Leute zu ver­ge­ben, die kei­ne Ahnung von der Branche haben, damit sie für viel zu wenig Geld arbei­ten. Und selbst das weni­ge Geld ist nicht immer garan­tiert. Die Arbeit ist garan­tiert, der Verdienst nicht. Ähnliche Versuche, nur ohne Smartphone-App, gab es in der Vergangenheit zuhauf. Ein Beispiel ist OnRequest Images, die 2011 auf­ge­hört haben, ande­re sind microshooting.de oder focalpop.com, bei­de eben­falls seit paar Jahren nicht mehr exis­tent.

Wenn sol­che Portale rei­hen­wei­se gestor­ben sind, macht viel­leicht die Smartphone-App den Unterschied? Vielleicht. Immerhin ist ja eben der Vorteil, dass das Handy immer dabei ist und man sich bequem in Bus oder Bahn die neu­en Anfragen durch­le­sen kann und falls man gera­de paar Minuten Zeit hat und in der rich­ti­gen Gegend ist, kann man auch kurz was knip­sen. Oder ein­fach ein Foto hoch­la­den, was eh im Handy gespei­chert ist. Die Chancen ste­hen also bes­ser, aber ab sie für das Überleben aus­rei­chen, weiß ich nicht.

Bisher habe ich zwei ver­schie­de­ne Geschäftsmodelle erwähnt: Fotojournalismus und Auftragsarbeiten. Das drit­te Geschäftsmodell bei Smartphone-Apps, die mit dem Verkauf von Fotos Geld ver­die­nen wol­len, ist das ganz klas­si­sche Bildagentur-Geschäft. Hier wer­den ein­fach Fotos ver­kauft, oft über die Webseite, die von der Handy-App aus ein­ge­schickt wer­den. Der ein­zi­ge Unterschied zu klas­si­schen Microstock-Agenturen ist hier der Anlieferungsweg und die schi­cke App. Deswegen liegt es nahe, dass die­se Agenturen lang­sam eben­falls den Weg ein­schla­gen. 123rf hat mit „On-The-Go“ eine sol­che App zum Hochladen von Handyfotos in den nor­ma­len Agenturbestand, iStock­pho­to akzep­tiert seit einem Jahr Handyfotos auf nor­ma­len Wege und ich bin sicher, eini­ge ande­re Bildagenturen arbei­ten an ähn­li­chen Apps.

Eine der weni­gen Firmen, die sich ohne einen Hintergrund im Bildermarkt an den Verkauf von Smartphone-Fotos wag­ten, sind Pictorama und Foap. Pictorama star­te­te Mitte 2012 und ver­mel­de­te Anfang 2013 schon das Aus, weil „nicht genü­gend Leute unse­re Bilder kauf­ten“. Foap hin­ge­gen lebt noch. Die Preise dort lie­gen bei 10 Dollar pro Bild. Wer sich auf der App die zuletzt ver­kauf­ten Bilder anschaut, wird fest­stel­len, dass trotz des Hypes um die Handyfotos vie­le DSLR-Fotos ver­kauft wer­den.

Details eines DSLR-Fotos, wel­ches über Foap ver­kauft wur­de

Weil der Preis jedoch je nach gewünsch­ter Größe deut­li­ch über denen der Microstock-Agenturen liegt und das Hochladen von DSLR-Fotos über den Umweg der App umständ­li­cher ist als direkt eine Microstock-Agentur zu belie­fern, sieht auch hier die Zukunft düs­ter aus, je mehr Microstock-Agenturen mit ihren eige­nen Apps den Markt ent­de­cken wer­den. Die Unterschiede, ob ein Foto dann mit einem Handy oder einer Spiegelreflexkamera auf­ge­nom­men wur­de oder ob es über die Webseite oder eine App hoch­ge­la­den wur­de, wer­den dann immer weni­ger eine Rolle spie­len.
Was zählt, ist dann nur der Preis und das pas­sen­de Motiv.

Im – hof­fent­li­ch letz­ten – vier­ten Teil wer­de ich dann alle mir bekann­ten Apps zum Fotoverkauf auf­lis­ten.

Wie seht ihr die Zukunft der Smartphone-Fotografie?

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Just Handy-Pics 2

Mein ers­tes Handy hat jetzt drei Jahre auf dem Buckel und es wur­de Zeit, auf den neus­ten Stand der Technik auf­zu­rüs­ten. Dabei ist mir auf­ge­fal­len, dass ich hier im Blog mei­ne Handy-Serie etwas ver­nach­läs­sigt habe.

Deswegen kommt heu­te als Reminiszenz auf das alte Handy noch eine Auswahl mei­ner bes­ten alten Handyfotos (kei­ner Angst, die Familienfotos habe ich nicht berück­sich­tigt), bevor ich euch das nächs­te Mal mit einen Berg Instagram-Bilder zuschüt­ten beglü­cken kann. Zwar gehe ich nicht so weit wie Martin Gommel, der sich zwangs­wei­se sei­nem iPho­ne ver­schrie­ben hat, aber es ist schon echt bequem, sei­ne Kamera wirk­li­ch immer immer immer dabei zu haben.

Ich komm nicht davon weg: Auch bei Handy-Schnappschüssen darf der berühmt-berüchtigte „Daumen nach oben“ nicht feh­len. Immerhin ist das Foto* nicht gestellt.

Dafür hier ein tie­fer Griff in die Klischee-Kiste. Vielleicht soll­te ich das Bild bei Pinterest pos­ten?

Das Bild des Briefkastens kann übri­gens hier kos­ten­los bei Pixelio her­un­ter­ge­la­den und redak­tio­nell genutzt wer­den, wenn ihr euch an deren Lizenzbedingungen hal­tet.

Wie oft nutzt ihr euer Handy zum Fotografieren?

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Just Handy-Pics – Folge 1

Ein rich­ti­ger Fotograf ver­lässt nie ohne Kamera das Haus.

Aber zuge­ge­ben, fünf Kilo DSLR, Objektive und Zubehör sind für man­che Anlässe deut­li­ch über­pro­por­tio­niert.

Deswegen hat­te ich mir als „immer dabei“-Kamera eine Casio Exilim gekauft. Die liegt aber immer häu­fi­ger im Schrank, weil ich mir gleich dana­ch mein ers­tes Handy gekauft habe: Ein Samsung Jet*.

Klar, dass die Bilder bei­der Kameras nie im Leben die Qualitätskontrollen von Bildagenturen bestehen, aber für das Location-Scouting, lus­ti­ge Momentaufnahmen und­das Festhalten denk­wür­di­ger Erinnerungen eig­nen sich bei­de durch­aus.

Deswegen will ich in loser Folge ab und zu auch eini­ge der Handyfotos zei­gen, die ich gemacht habe. Keine Stockfotos, eher Street Art, Schönes, Marodes und Bizarres.

Alle Fotos sind unbe­ar­bei­tet, höchs­tens beschnit­ten (und mit Wasserzeichen ver­se­hen).

Baustelle am Bahnhof Alexanderplatz, Berlin
Baustelle am Bahnhof Alexanderplatz, Berlin
Defektes Klingelschild in Köln
Defektes Klingelschild in Köln
Eisblume am Fenster
Eisblume am Fenster
Sonnenuntergang bei Berlin
Sonnenuntergang bei Berlin

Was meint ihr? Trash, Kunst, belang­los?

* Affiliate-Link (Ihr zahlt nicht mehr, ich erhal­te beim Kauf eine klei­ne Provision)