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Das erfolgreiche „Zwischendurch-Stock-Portfolio“ (Gastartikel)

Während ich hauptberuflich an meinem Stock-Portfolio arbeite, gibt es auch viele Anbieter, welche nur „nebenbei“ einige Fotos hochladen, vor allem Urlaubsbilder und manchmal auch exklusiv sind, weil ihnen die Zeit fehlt, nach ihrem Hauptberuf mehr Zeit in die Stockfotografie zu stecken.

Einer dieser Leute, Tim David Müller-Zitzke aus Bremerhaven, ist einer davon und sogar sehr erfolgreich.  Deshalb habe ich ihn gebeten, mal zu schreiben, wie er an die Sache herangeht. Hier sein Artikel:

Der 01. Mai 2012 ist der Tag, an dem mein Account bei Fotolia aktiviert worden ist. Von dort an hat sich für mich aus einer Freizeitbeschäftigung eine Tätigkeit entwickelt, die mein Dasein als Fotograf, Filmproduzent und Digital Artist um ein weiteres finanzielles Standbein ergänzt hat.

Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden
Dieses Bild ist auf dem Rückweg von einem Segeltörn auf der Nordsee entstanden.

Was beim Betrachten meines Portfolios vermutlich auffällt, ist, dass es sehr bunt gemischt ist und es äußerst wenige Fotos von Personen beinhaltet. Es ist so gemischt, dass es sich fast annehmen lässt, dass zumindest einige meiner Fotos, „zwischendurch“ entstanden sein müssen. Diese Annahme ist zutreffend und gilt sogar für einige meiner Bestseller. Dennoch konnte ich schon einige tausend Lizenzverkäufe mit meinem Fotolia-Account erreichen. Robert bat mir an, ein wenig über diese „etwas andere“ Art der Stockfotografie zu berichten und das mache ich natürlich gerne.

Vor kurzem erst habe ich mit einer Gestalterin gesprochen, die eine komplette Webseite ausschließlich mit Bildern aus meinem Portfolio illustriert hatte. Zu unterschiedlichsten Themen war sie bei mir fündig geworden – mal mit repräsentativen Darstellungen, mal mit konzeptionellen Symbolbildern. Dies war wohl möglich, weil ich meine Stockfotografie bisher weder vom fotografischen Stil her noch thematisch einer bestimmten Richtung verpflichtet habe. Darüber hinaus biete ich fast nur Einzelbilder und somit wenig Serien an. Das kann aber durchaus auch ein Nachteil sein, wenn ein Kunde Motiv-Variationen braucht oder mehrere ähnliche Themen im gleichen Stil abdecken möchte. Dass ich kaum Serien produziere, liegt auch daran, dass ich meine einzelnen Fotos relativ lange und aufwändig bearbeite, teilweise inklusive Compositing, und somit auch aus Effizienzgründen einfach weniger auf „Serienproduktionen“ setze.

Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.
Am Tag meines Umzugs habe ich dieses Foto aufgenommen, bevor ich den Raum später mit Kisten und Einrichtungsgegenständen vollgestellt habe.

Zu Anfang meiner Zeit bei Fotolia habe ich häufig Urlaubsfotos hochgeladen. Doch auch jetzt noch zeigen viele meiner angebotenen Fotos Städte und Landschaften, andere zeigen Gegenstände, die ich im Studio oder anderswo fotografiert habe, z.B. auf Jahrmärkten. Personen hingegen sind kaum zu finden. Ich bin bisher eher selten wirklich los gezogen, um direkt für mein Stock-Portfolio zu produzieren – was ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal zu meinen hauptberuflichen Stock-Kollegen darstellen dürfte.

Dafür aber habe ich im Laufe der Zeit ein Gefühl dafür entwickelt, welche Motive in Stockagenturen gefragt sind und behalte das im Hinterkopf, wann immer ich die Kamera irgendwo hin einpacke.
Die meisten meiner bisherigen Stockfotos sind auf Städtetouren, in Urlauben oder aber am Rande von Aufträgen entstanden. Viele meiner Fotos nehme ich für Tourismus-Unternehmen, Hotelerie oder andere Business-Kunden auf. Andere biete ich später erst zum Direktkauf an und nehme nach dem Shoot Kontakt mit potentiellen Abnehmern, z.B. Postkarten-Verlagen auf. Man kann also bei einigen meiner Fotolia-Motive durchaus auch von einer Zweitverwendung sprechen.

Ein Städtetrip nach Hamburg geht immer! Ebenso gut verkauft sich dieses Motiv.

Im Vergleich zu einem „typischen“ Stock-Shooting – zum Beispiel von Robert – mit ausgesuchten Models, Locations und viel, viel Vorbereitung, hält sich mein Aufwand für Fotolia bisher eher in Grenzen. Auch finanziell. Da ich für meine Motive sowieso an Ort und Stelle bin, muss ich oftmals keine größeren Investitionen tätigen als beispielsweise den Eintrittspreis zu einer Aussichtsplattform. Entsprechend minimiert sich somit auch mein Risiko für den Fall, dass ich später auf den Bildern „sitzen bleibe“.

Im Austausch mit anderen Stockfotografen hat sich die thematische Streuung auch im Verkauf immer wieder als vorteilhaft heraus gestellt. Ich bin sowohl von aktuellen Themen-Trends als auch von den Jahreszeiten sehr viel weniger abhängig als meine Kollegen. Und dann wäre da noch der künstlerische Faktor: Ich nutze bei der Aufnahme meiner Bilder gerne erweiterte Fotografe-Techniken, wie zum Beispiel die Langzeitbelichtung oder ich erstelle Compositings in Photoshop. Diese Bilder verkaufen sich erfahrungsgemäß besonders gut. Wohl aber abhängig bin ich natürlich von der allgemeinen Kauflaune der Bildkäufer, die zum Beispiel im Sommer deutlich geringer ausfällt.

Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.
Einer meiner Bestseller: Dieses Motiv entstand im Winterurlaub in Davos, Schweiz bei einer Wanderung.

Ebenso deutlich macht sich bemerkbar, wenn Fotolia Änderungen an den Preismodellen oder der Verkaufsstrategie vornimmt, die uns Anbieter logischerweise immer direkt mit betreffen. Dazu zählt auch das Abo-Modell, das immer verbreiteter ist – was bei vielen Stockfotografen für erhebliche Umsatzeinbrüche sorgt.

Eine weitere Schwierigkeit für mich stellt die Selektion der Bildagentur dar: Landschaftsbilder haben es erfahrungsgemäß schwerer, angenommen zu werden. Doch wenn sie es dann durch die Selektion schaffen, werden sie meist sehr gut angenommen.
Man muss jedoch auch festhalten, dass mein aktuelles Portfolio bei Fotolia bisher nur 851 Aufnahmen beträgt und die Stockfotografie wie gesagt immer noch eine Nebeneinnahme für mich darstellt.

Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.
Ein extra für Fotolia erstelltes Compositing: Mein Kumpel Matthieu mit Virtual Reality Brille, im Hintergrund die Skyline von Los Angeles.

Ich bin Student der Digitalen Medienproduktion im 6. Semester und arbeite, wie schon erwähnt, parallel im Bereich Fotografie und Film. Dennoch stehe ich kurz vor dem Fotolia Status „Gold“ (10.000 verkaufte Lizenzen) und bin voll exklusiv. Falls das jemanden interessieren sollte: Die Exklusivität ist schlichtweg der Einfachheit geschuldet – bislang fehlten mir die zeitlichen Ressourcen, um mich um mehrere Agenturen kümmern zu können.

Über meinen Verdienst kann ich mich, obwohl ich ja nur ein „kleiner Fisch“ bin, nicht beschweren. Mit 11,4 Verkäufen pro Bild liege ich leicht über dem Durchschnitt. Mit den Einnahmen von Fotolia konnte ich zum Beispiel schon seit Anfang des Studiums meine Miete bezahlen – also nur 1,5 Jahre nach meinem Debüt in der Stockfotografie. Dadurch blieb mir ein „Themen-entfernter“ Nebenjob erspart und ich konnte mich trotz Uni weiter auf die Fotografie und somit auch wieder auf Stockfotografie konzentrieren.

Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.
Mein bisheriger Bestseller. Inzwischen schon ein paar Jahre alt doch noch immer vielseitig einsetzbar zum Thema Fotografie.

Momentan bereite ich mich darauf vor, mein Stock Portfolio weiter auszubauen und das Modell dann auch im größeren Rahmen zu testen. Da ich in den vergangenen vier Jahren ein Gefühl dafür entwickeln konnte, welche Motive sich im Stockbereich verkaufen, werde Ich wohl in Zukunft auch direkter für mein Portfolio produzieren. Doch den Anfang macht die Postproduktion: Auf meinen Festplatten wartet ein riesiges Foto-Archiv mit unangetasteten Rohdateien aus den 2 letzten Jahren, für deren Bearbeitung ich aufgrund anderer Projekte zuletzt keine Zeit mehr hatte. Außerdem habe ich durch meine Arbeit mit Film und Bewegtbild ein weiteres Verkaufsfeld für mein Portfolio entdeckt. Gerne berichte ich in Zukunft einmal, wie es damit weiter geht.

Hier noch der Link zu meinem Fotolia-Portfolio und der Link zu meiner Website und meiner Facebook-Seite.

Wie viel verdient ein Fotoassistent oder ein Digital Operator?

Das Portal fotoassistent.de befragt jedes Jahr seine Mitglieder über ihre Perspektiven.

Wie sehen die dort angemeldeten Fotoassistenten und Digital Operators ihre Auftragslage, was sind ihre Kunden und ihre Umsätze?

Insgesamt haben ca. knapp 500 aktive und ehemalige Fotoassistenten und Externe an der Umfrage teilgenommen.

Bevor wir uns die Ergebnisse anschauen, eine kurze Begriffsklärung.

Was unterscheidet einen Fotoassistenten von einem „Digital Operator“?

Ein Fotoassistent hilft dem eigentlichen Fotografen bei seiner Arbeit: Je nach Shooting hilft er bei der Vorbereitung (Reisebuchung, Transport, Miete und Aufbau von Geräten, Batteriewechsel, etc.), er reicht Dinge an, kann aber auch Aufgaben wie das Chauffieren von Team-Mitgliedern oder eben das Kaffeekochen übernehmen. Je nach Können bauen sie auch Kamera und Licht-Setups eigenständig auf und dürfen teilweise selbst mit fotografieren.

Ein Digital Operator ist nur für die digitale Komponente am Set zuständig. Er kümmert sich darum, dass die Kamera und Computer funktionieren, dass Datenverbindungen stehen, die Monitore kalibriert sind. Während das Shootings sichert er die Daten, wandelt sie ggf. für Auftraggeber oder Kunden um und verschickt sie an diese und erstellt Foto-Collagen, damit das geplante Ergebnis schon während des Shootings besser beurteilt werden kann.

Für wen eignet sich der Job als Fotoassistent?

In der Praxis macht der überwiegende Teil der Fotoassistenten (62%) diesen Job maximal vier Jahre, bevor es in die eigene fotografische Selbständigkeit geht.

So können Fotografen lernen, wie es bei den Profis zugeht und ihre technischen und organisatorischen Fähigkeiten verbessern, bevor sie komplett auf eigenen Beinen stehen. Außerdem knüpfen sie wertvolle Kontakte, die sie später im Berufsleben brauchen können.

Deshalb sagen auch 70% der Fotoassistenten, dass diese Station notwendig sei vor der eigenen Selbständigkeit.

Notwendig sind auf jeden Fall die Sympathie zwischen Fotoassistent und Fotograf, um viele Aufträge zu erhalten, gefolgt von Belastbarkeit und einem Führerschein. Wer dann noch Referenzen als Assistent mitbringen kann, liegt schon gut im Rennen.

Wie viel verdienen Fotoassistenten oder ein Digital Operator?

Laut der Umfrage von fotoassistent.de verdienten 75% der Fotoassistenten 200-250 Euro als Tagessatz.tagessatz-fotoassistent-2016Wer neben den Aufgaben eines Fotoassistenten noch Aufgaben eines Digital Operators übernahm, bekam etwas mehr:

tagessatz-assistent-digital-operator-2016

Der Tagessatz für reine Digital Operators lag noch etwas höher. Hier verdiente die Mehrzahl mindestens 300 Euro pro Tag:

tagessatz-digital-operator-2016

Traditionell weniger Geld gibt es bei redaktionellen Jobs, also zum Beispiel Shootings für Modestrecken in Zeitschriften o.ä. Knapp die Hälfte der Befragten erhielt hier nur 150 Euro pro Tag:

tagessatz-redaktionelle-jobs-2016

Die kompletten Ergebnisse der Umfrage mit noch mehr Fragen und Antworten könnt ihr euch hier runterladen.

Wer selbst einen Fotoassistenten sucht oder einer werden will, kann es bei www.fotoassistent.de versuchen.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr auch schon assistiert? War es hilfreich für euch?

Geld verdienen mit dem Verkauf von Fotos? Umsätze und Erfahrungen von Microstock-Anfängern

Eine der am häufigsten gestellten Fragen zur Stockfotografie lautet: „Wie viel Geld kann man damit verdienen?“

Ich habe mehrere Jahre lang meine Umsätze und Verkaufszahlen hier veröffentlicht. Aber da ich nun schon seit über zehn Jahren in der Branche tätig bin (mein erstes Foto habe ich online am 22. Juli 2005 verkauft) und das zudem hauptberuflich mache, bin ich nicht mehr der ideale Vergleich für Leute, die erst jetzt mit der Stockfotografie oder Microstock anfangen.

Zum einen hat sich der Markt in den letzten Jahren stark gewandelt und ist schwieriger geworden, zum anderen werden die wenigsten Anfänger gleich Vollzeit Fotos produzieren.

Deshalb möchte ich hier einige Artikel aus dem Internet vorstellen von Leuten, welche die Stockfotografie noch nicht so lange und nicht so intensiv wie ich betreiben.

Dadurch können Neueinsteiger besser abschätzen, wie sie im Vergleich zu ihren Kollegen abschneiden.

  1. Marco Herrndorff
    Marco ist eigentlichselbständiger Unternehmensfotograf und seit ca. einem Jahr lädt er Bilder zu insgesamt acht Microstock-Agenturen hoch. In diesem Jahr hat er knapp 500 Bilder erstellt, die – je nach Annahmequote – bei den Agenturen online sind.
    Hier beispielhaft sein Portfolio bei Fotolia, wo hauptächlich People-Bilder online sind. Unter den Bestsellern sind jedoch auch viele Industrie-Aufnahmen aus seiner Foto-Tätigkeit für Unternehmen.

    Umsatzauswertung 2015 von Marco Hernsdorff
    Umsatzauswertung 2015 von Marco Hernsdorff (Klicken für größere Version)

    2015 hat Marco insgesamt ca. 2000 Verkäufe gehabt, mit denen er ca. 1350 Euro Umsatz erzielte, das wären ca. 112 Euro pro Monat im ersten Jahr, wobei er sicher auch Ausgaben für Model-Honorare, Requisiten etc. hatte. Ca. 90% der Einnahmen wurden von Fotolia und Shutterstock generiert, die restlichen sechs Agenturen trugen nur magere 10% bei. Sein RPI (Revenue per Image, also Umsatz pro Bild) lag bei ca. 2,48 Euro im Jahr.

  2. Florian Blümm
    Florian ist studierter Informatiker, reist aber seit 2011 als digitaler Nomade in der Welt herum. Im Januar 2014 fing er an, Bilder über Bildagenturen zu verkaufen. Er fing mit 13 Agenturen an, im März 2015 sind noch mal 7 Agenturen dazugekommen.Die Fotos macht er auf seinen Reisen, in den zwei Jahren hat er ca. 2150 Bilder hochladen können, hier beispielhaft sein Portfolio bei iStock. Dafür bedient er sich des kostenpflichtigen Services von Stocksubmitter.

    stockfoto-einnahmen-portfolio
    Umsatzentwicklung von Florian Blümm

    Während Florian in den ersten acht Monaten „nur“ ca. 362 US-Dollar Umsatz erzielte, waren es im zweiten Jahr (August 2014-August 2015) schon ca. 2900 USD Umsatz. Das wären pro Monat ca. 242 USD, allein im August 2015, zugegebenermaßen generell einer der umsatzstärksten Monate) waren es über 400 USD. Übers Jahr gerechnet ergibt das einen RPI von 1,35 USD.

  3. Selbstbestimmer Attila
    Inspiriert durch Floran begann Attila, im Oktober 2015, 350 Bilder bei 16 Agenturen hochzuladen. Bei Shutterstock zum Beispiel wurden jedch nur 79 davon angenommen.
    Im November erzielte einen Umsatz von ca. 25 USD mit den Bildern. Im Dezember waren es schon knapp 32 USD Umsatz, bei ca. 500 Bildern online bei Fotolia.Sein Thema sind ebenfalls „typische“ Reisefotos wie Landschaften, Tiere und Architektur. Auch er verwendet StockSubmitter für seine Uploads.
  4. Thomas Zagler
    Thomas ist Mediengestalter und Fotograf und lädt seit Mitte 2012 halbwegs regelmäßig Bilder (Fotos und fast ebensoviele Vektoren) zu fünf Agenturen hoch. Bei Fotolia hat er mittlerweile ca. 380 Bilder online, im Schnitt spricht er von 250 Bildern online.Damit erzielt er nach eigenen Angaben ca. 200 Euro Umsatz im Monat, das wären 2400 Euro pro Jahr. Zu berücksichtigen ist, dass sich Vektoren in der Regel besser verkaufen als Fotos.Seine Motive sind bunt gemischt, von Landschaften, Food und Konzaptbildern ist immer etwas dabei.
  5. Bernd Schmidt
    Fast schon ein alter Hase in dieser Reihe ist Bernd, der 2008 begonnen hat, bei Microstock-Agenturen hochzuladen und dieses Hobby seit 2011 etwas intensiver betreibt.Im Oktober 2015 hatte Bernd knapp 2700 Fotos bei Fotolia online, der Schwerpunkt liegt bei ihm bei Foodfotos. Insgesamt beliefert er 11 Bildagenturen.Im 3. Quartal 2015 erzielte er insgesamt ca. 1216 Euro Umsatz, das wären ca. 400 Euro pro Monat. Diesen Wert konnte er relativ lange halten, auch wenn er mal einige Monate keine Fotos hochlud.
  6. Glenn Nagel
    Glenn ist ebenfalls etwas länger dabei: Seit Ende 2009 lädt er Bilder hoch, bei Shutterstock ist er mittlerweile bei knapp 5000 Fotos angelangt. Daneben beliefert er noch iStock, Dreamstime und Bigstock, also vier Agenturen. Die Themen wie bei vielen hier in der Liste: Reisefotos, Tierbilder und Architektur.2010 bekam er ca. 235 USD pro Monat, 2011 dann über 320 USD pro Monat, 2012 schon über 580 USD pro Monat, 2013 folgten mit 790 USD/Monat. 2014 waren es erstmals über 1000 US-Dollar im Monat.2015 erzielte er ca. 15.000 USD Umsatz, also ca. 1250 USD pro Monat.
  7. Steven Heap
    Unter dem Namen „Backyard Productions“ beliefert Steven unglaubliche 29 Bildagenturen. Begonnen hat er im Januar 2010, er ist also auch schon sechs Jahre dabei. Bei Fotolia hat er knapp 4.300 Bilder online, bei 123rf sind es ca. 6500 Bilder. Da er auch viele redaktionelle Bilder hat, sind es bei Zoonar am meisten mit fast 8400 Fotos. Auch bei ihm überwiegen Reisefotos, Landschaften und Architekturaufnahmen.

    Verteilung der Umsätze bei Bildagenturen bei Steven Heap
    Verteilung der Umsätze bei Bildagenturen bei Steven Heap

    2015 erzielte Steven insgesamt 28.700 USD Umsatz, was durchschnittlich ca. 2392 USD pro Monat entspricht. 2014 lag der Umsatz sogar etwas höher bei 29.980 USD.Mit mehr als 11.000 USD kam der größte Teil des Umsatzes von Shutterstock, gefolgt mit deutlichem Abstand und ca. 3.500 USD durch iStock.

  8. Richard Waters
    Der britische Fotograf bietet nebenbei eher halbherzig seit 2011 ca. 100 Tier- und Reisebilder über Bildagenturen zum Kauf an, hier zum Beispiel bei Shutterstock. Damit hat er immerhin 2015 ca. 170 Euro Umsatz gemacht, 2012 waren es noch ca. 370 Euro.

Nur wenige Agenturen lohnen den Aufwand

Allen Fotografen in dieser Liste ist eines gemeinsam: Der Löwenanteil des Umsatzes wird von wenigen Agenturen erwirtschaftet. Die Fotografen, welche 20 oder gar mehr Ageenturen beliefern, könnten problemlos die Hälfte er Agenturen ignorieren, ohne große Umsatzeinbußen zu haben.

Ich bin es analytisch angegangen: Ich habe die jeweils vier Bestseller-Agenturen für 2015 der oben genannten Fotografen in eine Liste eingetragen und Punkte vergeben. Die Agentur mit dem meisten Umsatz bekam vier Punkte, die mit dem zweitmeisten Umsatz drei Punkte und so weiter.

Das Ergebnis sieht so aus:

  1. Shutterstock: 28
  2. Fotolia: 18
  3. iStock: 15
  4. Dreamstime: 6
  5. Alamy: 5
  6. 123rf: 4

Zu berücksichtigen ist, dass viele der Fotografen in der Liste Reisefotos anbieten und dadurch oft auch redaktionelle Fotos anbieten, welche nur von einem Teil der Agenturen verkauft werden.

Insgesamt gibt die Liste jedoch einen recht akuraten Überblick, welche Agenturen für die Belieferung durch Anfänger sinnvoll sind.

Langer Atem ist gefragt

Die zweite Lehre, die sich mir aus den Umsatzmeldungen erschließt, ist für alte Hasen keine Überraschung, für Einsteiger jedoch oft schwer durchzuhalten: Ein langer Atem ist bei der Stockfotografie gefragt. Microstock ist kein Zaubertrick, um „schnell reich zu werden“.

Die meisten Fotografen erzielen nach 1-2 Jahren signifikante Umsatzschübe, welche aus einer Kombination von mehren Faktoren einstehen: Die Fotografen verstehen und lernen, welche Bilder veräkuflicher sind, sie werden technisch besser und vermeiden mehr Ablehnungen. Die Bilder werden mit zunehmenden Verkäufen weiter vorne bei den Suchergebnissen angezeigt und die Fotografen werden mit der Zeit und mit mehr Verkäufen im Ranking hochgestuft.

Kennt ihr noch mehr Blogs, welche ihre Microstock-Umsätze teilen?
Welche Lehren zieht ihr aus den Erfahrungen der vorgestellten Fotografen?

Das Microstock Geschäft: Wie viel lässt sich damit verdienen?

Kürzlich postete der Fotograf Luis Alvarez (und Stock Performer Gründer) einige Rechenbeispiele auf seiner Facebook-Seite, wo er vorrechnete, wie viel man mit Stockfotos verdienen könnte. Ich fragte ihn, ob er das nicht ausführlicher als Gastbeitrag für diesen Blog erklären will. Zusammen mit seinem Kollegen Oliver Rivo hat er für euch diesen Artikel geschrieben:

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einem Freund, der in das Microstock Geschäft einsteigen wollte. “Hast du das wirklich vor?”, fragte ich ihn. “Warum nicht?”, antwortete er.

Seine Frage war durchaus berechtigt: Warum sollte er nicht in die Microstock-Welt einsteigen? Viele von uns haben miterlebt, wie es in dieser Industrie enger und die Konkurrenz härter geworden ist. Aber bedeutet das gleichzeitig, dass Newcomer keine Chance mehr haben?

Als wir uns mit dieser Frage beschäftigten, entstand die Idee eines einfachen Business Plan Rechners, der uns helfen kann, unsere Ziele zu definieren sowie Strategien zu entwickeln, sie zu erreichen. Im Spiel mit dem Rechner wurde uns bewusst, dass es tatsächlich möglich ist, als Neuling in das Microstock-Business einzusteigen. Und je nach Zielsetzung gibt es verschiedene Wege, das zu tun.

stock-photography-business-plan-rechnerZur Verdeutlichung schauen wir uns ein paar beispielhafte Strategien an.

Dein Business-Plan

Bevor du dich auf dein Microstock-Abenteuer begibst, müssen vier wichtige Entscheidungen getroffen werden:

  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?

Die Antworten auf diese Fragen definieren deine Strategie. Ob du mit einem Team zusammenarbeitest, ob du Menschen oder Stillleben fotografierst oder ob du ein Studio mietest oder nicht – all diese Fragen müssen beantwortet werden.

Dein monatlicher Umsatz pro Bild (RPI/m)

Der zweitwichtigste Einflussfaktor ist der zu erwartende durchschnittliche Monatsumsatz für jedes Bild, das du produzierst. Es mag zwar unmöglich erscheinen, diesen Wert zu bestimmen, aber ob du’s glaubst oder nicht, man hat einen Einfluss auf den monatlichen Umsatz pro Bild, auch RPI/m (englisch für “Revenue per Image per Month”) genannt.

Der RPI/m definiert den Betrag, den du im Durchschnitt monatlich mit all deinen Bildern verdienst. Wenn zum Beispiel 500 deiner Bilder online sind und sie monatlich EUR 1.000 einbringen, dann liegt dein RPI/m bei EUR 2. Es geht immer um einen durchschnittlichen Wert, das heißt dass wenn du in einem Monat EUR 1.200 einnimmst und im nächsten Monat EUR 800, bleibt der RPI/m immer noch bei EUR 2.

Wenn du in großen Mengen Bilder minderwertiger Qualität produzierst, von denen sich viele ähneln, wirst du mit Sicherheit einen niedrigen RPI/m haben. Eine Ausrichtung auf Nischenthemen mit hoher Nachfrage und einer hohen Qualität dagegen wird zu hohen Umsätzen pro Bild führen.

Und natürlich gibt es jede Menge Varianten zwischen diesen zwei Extremen.

Der Business Plan Rechner

Um an diesen Geschäftsmodellen zu arbeiten, haben wir einen Business Plan Rechner entwickelt, der uns auf einen Blick zeigt, wie sich verschiedene Strategien entwickeln. Öffne ihn in deinem Browser und finde heraus, wie gut dein Business für dich funktioniert: https://www.stockperformer.com/calculator

Drei Beispielstrategien für den Einstieg in die Microstock-Welt

Der Business Plan Rechner hilft uns dabei, Strategien zum Einstieg in das Geschäft  mit Microstock zu untersuchen. Wir haben drei unterschiedliche Beispiele gewählt, alle bezogen auf die Produktion von Lifestyle Fotografie:

  • Die Microstock-Produktionsfirma
  • Der Vollzeit Solo-Fotograf
  • Der Freizeit Amateur-Fotograf

Strategie 1: Die Microstock-Produktionsfirma

Der Aufbau einer Microstock Produktionsfirma ist zeitintensiv und teuer, aber er erlaubt die Produktion einer großen Menge an Bildern. Wie würde so etwas aussehen?

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© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    800 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings können teuer sein. Geliehenes Equipment, Kleidung und Requisiten, Location-Miete, gute Models, all das kostet Geld. Dank eines großen Teams und guter Vorbereitung sollte es jedoch möglich sein, pro Shooting viele Bilder zu produzieren. Wir setzen die Kosten pro Bild bei EUR 25 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Eine Microstock-Produktionsfirma hat Angestellte, z.B. einen Produktionsleiter, der alles organisiert, einen Produktionsassistenten und eine Vollzeitkraft für die Retusche. Wir mieten außerdem ein Studio. Das kann EUR 6.000 kosten.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Da die Startkosten sehr hoch sind, wollen wir mindestens 5 Jahre dabei bleiben. Wir setzen die Länge des Business Plans auf 60 Monate.

Welchen monatlichen Umsatz pro Bild können wir erwarten? Unser Produktionsbüro investiert hohe Summen in die Shootings, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Gute Vorbereitung erlaubt uns die Auswahl gefragter Themen. Für diese Strategie setzen wir als Beispiel einen RPI/m von EUR 1,50 an. Der Business Plan Rechner liefert folgende Ergebnisse:

  • Wir müssen EUR 268.800 investieren, bevor wir zum ersten Mal Geld verdienen!
  • Erst im vierten Jahr bekommen wir unsere Investition wieder herein und sind unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach fünf Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 636.000. Das ist ein Return on Investment von 237%.

Der Aufbau einer Microstock-Produktionsfirma ist teuer und bedeutet harte Arbeit. Aber wenn man es richtig macht, kann man doch immer noch gutes Geld verdienen.

Strategie 2: Der Vollzeit Solo-Fotograf

Für unser zweites Strategie-Beispiel stellen wir uns vor, du bist ein einzelner Fotograf, der alles selbst organisiert und Vollzeit arbeitet. Hin und wieder gibst du Verschlagwortung und Photoshop-Arbeit an andere weiter.

© Foto: Luis Alvarez
© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    200 pro Monat.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Shootings werden zwar so günstig wie möglich produziert, aber dennoch mit einem Fokus auf Qualität. Für einige deiner Bilder bezahlst du externe Dienstleister für die Verschlagwortung und Retusche. Wir setzen die Kosten bei EUR 10 an.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Wir gehen davon aus, dass du weitestgehend alleine arbeitest und kein Studio mietest. Da du Vollzeit arbeitest, musst du von Microstock leben. Gehen wir davon aus, dass du mit einem einfachen Leben zufrieden bist und EUR 1.800 brauchst, um all deine Rechnungen zu bezahlen.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Als ein Solo-Fotograf kannst du nur 3 Jahre für dieses Business riskieren.

Angenommen du bist talentiert und kannst mit deinen begrenzten Möglichkeiten einen RPI/m von EUR 1,20 erzielen. Unser Business Plan Rechner kommt dann zu folgendem Ergebnis:

  • Du musst EUR 28.200 investieren, bevor du zum ersten Mal Geld verdienst!
  • Erst in der Mitte des dritten Jahres bekommst du deine Investition wieder herein und bist unterm Strich im grünen Bereich.
  • Nach drei Jahren beträgt der Gesamtgewinn EUR 23.040 und beziehst ein monatliches Gehalt von EUR 4.840.

Mit dieser Strategie wirst du ein paar Jahre lang kämpfen müssen, aber wenn du durchhältst, kannst du dich auf ein Monatsgehalt von knapp EUR 5.000 einstellen!

Strategie 3: Der Freizeit Amateur-Fotograf

Jeder von uns kennt einen Fotografen, der seine Urlaubs- und Hochzeitsbilder bei ein paar Agenturen hochlädt. Ist das eine sinnvolle Strategie oder nur Zeitverschwendung? Das können wir mit dem Rechner leicht überprüfen:

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© Foto: Luis Alvarez
  • Wie viele Bilder kannst du monatlich produzieren?
    100 pro Monat. Einfach die gesamte Karte hochladen.
  • Wie viel kostet dich die Produktion eines Bildes?
    Unser Amateur-Fotograf macht nur Urlaubs-, Familien- und Haustierbilder, so dass die Kosten pro Bild sehr niedrig sind. Wir wählen EUR 0.
  • Was sind deine monatlichen Fixkosten?
    Unser Amateur-Fotograf lebt hauptberuflich von etwas anderem, so dass von Microstock keine regelmäßigen Rechnungen bezahlt werden müssen. Fixkosten EUR 0.
  • Wie viele Monate lang willst du deinen Produktionsplan durchziehen?
    Um diese Strategie mit dem zweiten Szenario vergleichen zu können, wählen wir auch hier 36 Monate.

Bilder von Amateuren verkaufen sich auf dem heutigen Microstock-Markt nur schlecht. Mit Glück kann man einen RPI/m von 15 Euro-Cent erzielen.

Mit dieser Strategie kommt unser Business Plan Rechner zu folgendem Ergebnis:

  • Unser Amateur-Fotograf muss kein Geld investieren und macht von Beginn an Gewinn.
  • Nach drei Jahren konstanter Produktion hat unser Amateur-Fotograf insgesamt knapp EUR 10.000 eingenommen und verdient monatlich EUR 540.

Wenn deine Erwartungen nicht zu hoch gesteckt sind und du etwas Zeit hast und extra Taschengeld verdienen möchtest, kann die Arbeit als Amateur Microstocker durchaus ein nettes Nebeneinkommen bieten.

Unsere Tipps für deinen Erfolg

Alle drei Strategien zeigen, dass man mit Geduld und harter Arbeit im Microstock-Business auch heute noch ein gutes monatliches Einkommen erzielen kann. Der Business Plan Rechner verdeutlicht die verschiedenen Variablen, die deinen Erfolg beeinflussen.

Vor allem aber zeigt er, dass eine Variable den höchsten Einfluss auf deinen Gewinn hat: der monatliche Umsatz pro Bild (RPI/m). Du kannst noch so viele Bilder mehr produzieren oder deine Kosten pro Bild noch so senken: Ein schlechter RPI/m wird diese Anstrengungen immer zunichte machen. Andererseits, wenn du dich darauf konzentrierst, deinen RPI/m zu erhöhen, kann deine Microstock-Karriere sehr lukrativ sein. Finde es heraus! Spiele mit dem Business Plan Rechner selbst herum!

Wir bei Stock Performer haben es uns zum Ziel gesetzt, unseren Kunden zu helfen ihre Umsätze pro Bild zu erhöhen und damit ihren Gewinn zu maximieren. Ein paar wichtige Tipps, die wir unseren Kunden geben:

  • Konzentriere dich auf Agenturen, die gut darin sind, den Content zu verkaufen, den du produzierst.
  • Nutze Analytics Tools wie Stock Performer, um den Erfolg deiner Bilder zu messen und mehr von den Gewinnbringern zu produzieren. Verschwende keine Zeit an Bildern, die sich nicht verkaufen.
  • Nutze solche Analytics Tools, um herauszufinden, welcher Content auf welchen Agenturen gut läuft. Biete Bilder an der richtigen Stelle exklusiv an, um deinen Umsatz zu erhöhen.
  • Identifiziere Nischen, auf die du Zugriff hast.
  • Verfolge den Markt und welche Themen und Stile gefragt sind. Stock Performer hilft dir dabei, die kommenden und gehenden Trends zu erkennen, bevor die anderen Fotografen sie entdecken.

Wenn du mehr darüber lernen willst, wie Stock Performer dir helfen kann, deine Einnahmen zu maximieren, melde dich zu unserem Free Trial an oder schicke uns einfach eine Email: info@stockperformer.com.

Geld verdienen auf Warez-Seiten? Interview über ein Experiment

Nach diesem Artikel vor einigen Tagen gab es sehr viele, teils kontroverse Kommentare. Die Leserin Anchan wies mich hier darauf hin, dass ich doch einfach mal eine der Beteiligten beim Projekt „Stockalliance.org“ fragen könnte, die aus probiert hat, ob sie mit ihren Bildern auch auf Warez-Seiten Geld verdienen könne.

Das habe ich gerne gemacht und deswegen gibt es jetzt ein Interview mit der Illustratorin Elena, die ihre Bilder bei Shutterstock, Dreamstime, 123rf, iStock, Depositphotos und einigen anderen Bildagenturen verkauft über Warez-Seiten und den Ursprung der stockalliance-Webseite.

Robert Kneschke: Kannst Du dich bitte kurz vorstellen?

Elena (art_of_sun): Ich heiße Elena (auch bekannt als art_of_sun) und wohne in Russland.Ich habe ca. zehn Jahre als Grafikdesignerin gearbeitet (Polygraph, Illustrationen, Kinderspiele für das iPad und so weiter) und seit den letzten anderthalb Jahren bin ich Vollzeit-Stocker.

Portrait von Elena
Portrait von Elena

Wie hast Du mit Microstock begonnen?

Zuerst lernte ich darüber 2007-2008 vom Blog eines Freundes kennen. Viele Leute schlugen damals vor, deren Referral-Links zur Anmeldung zu benutzen. Also registrierte ich mich bei einigen Bildagenturen und versuchte, etwas Geld zu verdienen, aber ohne richtigen Erfolg. Ich bekam ca. 20-30$ im Monat. Aber vor anderthalb Jahren veranstaltete einer der Leute in meiner Freundesliste (Oleg SkillUp) einen „Mega-Workshop“ und wollte allen beibringen, wie man 1000$ im Monat bei Shutterstock verdient, wenn man sich mit seinem Referral-Link anmeldet. Ich war unzufrieden mit meinem Job zu der Zeit, also hörte ich damit auf und wollte es versuchen. Und es hat geklappt 🙂

Wie viele Bilder hast Du online bei den Microstock-Seiten und wie viel verdienst Du damit im Monat?

Bei Shutterstock habe ich aktuell 4170 Bilder (ca. 2500 Vektoren plus Rasterkopien davon und einige Fotos), bei den anderen Agenturen weniger. Bei allen Bildagenturen zusammen mache ich zwischen 2000$ und 3000$ Umsatz im Monat.

Wie kam die Idee, deine Bilder auf Warez-Seiten zu verteilen?

Das war eine gemeinsame Idee. Wir waren in einem Chat mit den Leuten, die am Mega-Workshop teilgenommen haben und viele von uns hatten Probleme mit den Piraten-Seiten. Also dachten wir über einen Weg nach, wie wir das stoppen könnten. Zu der Zeit schrieb ich viele DMCA-Meldungen. Nach einer davon meldete sich fotoramka [siehe dieser Artikel; Anmerkung R.K.] bei einer von uns im Chat, weil sie so niedliche DMCA-Meldungen verschickte mit Bildern, aber vergessen hatte, die Links zu erwähnen und er half uns, die DMCA-Meldungen korrekt auszufüllen und schlug vor, die Dateien direkt von Letitbit zu löschen ohne DMCA-Meldungen, indem wir ihn einfach über Skype anschreiben.

Er erzählte uns, wie Warez-Seiten funktionieren. Tatsächlich können die Piraten mit ihren Aktivitäten das gleiche Geld verdienen wie wir im Microstock, deshalb machte jemand den Witz, dass wir unsere Bilder vielleicht auf den falschen Seiten anbieten. Dann kam die Idee auf, dass wir versuchten könnten, unverkaufte Bilder (und einige Bilder, die bei den Warez-Seiten beliebt waren) dort mit unserer eigenen Lizenz anzubieten (ähnlich wie das Leute machen, die Fonts verkaufen) und mit einem Text und Link in der Art „Dieses Bild ist nur für die nicht-kommerzielle Nutzung. Die kommerzielle Lizenz ist hier erhältlich…“ Ich entschied, das zu probieren, weil ich ein großes Portfolio habe und sich viele meiner Bilder nicht bei Shutterstock verkauften.

Warst Du die einzige, die das ausprobiert hat?

Ja.

Wie viele Bilder waren beim Test dabei?

Ich hatte fünf Posts wie diesen hier, es waren also ca. 40 Bilder (7-10 in einem Archiv).

Verkleiner Ausschnitt, für eine vollständige Ansicht bitte klicken.
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Wie genau funktionierte der Upload-Prozess?

Wir haben mir einen Account bei einige Filehosting-Seiten angelegt, nicht nur da, wo Fotoramka arbeitet, sondern auch bei anderen, wo man Geld für Download bekommen konnte. Außerdem habe ich mich bei drei Warez-Seiten registriert: Gfxtra, Allday and Heroturko, wenn ich mich richtig erinnere. Dann habe ich das rote Titelbanner gemacht (siehe oben) und zusammen mit fotoramka haben wir eine Lizenz geschrieben.

Danach suchte ich die Bilder aus, machte Vorschau-Bilder, ein gepacktes Archive mit den Bildern und der Lizenz und lud diese zu den Filehostern hoch. Dann haben wir von meinem Computer aus die Posts für die Warez-Seiten gemacht (fotoramka schrieb die Posts mit den HTML-Tags, Links und Beschreibungen).

Bei welchen Filehostern hast Du Dich registriert?

Letitbit, Keep2Share und Rapidgator.

Wie würdest Du den Upload-Aufwand gegenüber dem Hochladen bei den Microstock-Agenturen vergleichen?

Es braucht fast die gleiche Zeit wie das Vorbereiten von Bildern für CreativeMarket zum Beispiel. Und etwas mehr Zeit beim Hochladen. Deshalb war die zweite Idee (wenn das Experiment funktioniert), eine unabhängige Seite zu machen mit den Vorschau-Bildern, Archiven und Postings.

Stockalliance.org?

Ja.

Die Lizenz, die Du angeboten hast, erlaubte nur private Nutzung, keine kommerzielle Nutzung?

Ja, die Lizenz sieht so aus.

Glaubst Du, die Leute, welche Warez-Seiten besuchen, scheren sich um diesen Unterschied?

Fotoramka arbeitet ja beim Support eines Filehosters und erzählte mir, dass er manchmal Anfragen von Leuten hat, die etwas „kostenlos“ runtergeladen hatten und dann wissen wollten, wo sie es legal kaufen können. Ich hatte in der Zeit des Experiments auch einige Verkäufe von Bildern, die ich bei Warez-Seiten veröffentlicht hatte und von Bildern aus der gleichen Serie, die vorher keine Verkäufe hatten.

Meiner Meinung nach dem Experiment ist es nur ein sehr kleiner Teil der Leute, die Bilder von Warez-Seiten nehmen und sich um Rechte kümmern. Vielleicht jemand, der wirklich nicht weiß, dass es nicht kostenlos und legal ist und vielleicht einige, die es wegen der thematischen Zusammenstellung populärer Bilder nutzen, aber die meisten interessieren sich wirklich nicht.

Wie viel Geld kann man mit diesen kostenlosen Downloads verdienen?

Ich habe nichts ernsthaft verdient, nur einige Dollar, aber soweit ich weiß, wenn Leute Bilder von Dir runterladen und dafür den „schnellen Download“ kaufen [Premium-Zugang beim Filehoster; Anmerkung R.K.], kannst Du dafür bis zu 60$ erhalten.

Kannst Du sehen, wie viele Leute deine Dateien runtergeladen haben?

Ja, das kann ich in den Statistiken in meinem Account bei den Filehostern sehen.

Wie lange waren Deine Bilder online und wie viele Downloads hatten sie zusammen?

Ungefähr einen Monat. Hier ist die Statistik für November 2013, wo wir das Experiment angefangen haben:

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Die Spalten sind von links nach rechts: Datum, Downloads, Verkäufe, Rating.

Lese ich das richtig, dass das 0,80$ Einnahmen für November 2013 sind?

Ja, das ist richtig. Ich habe herausgefunden, dass Du, wenn Du Geld auf Warez-Seiten verdienen willst, viel Material jeden Tag veröffentlichen müsst. Und es muss unterschiedliches Material sein. Das ist einfach, wenn Du viele gestohlene Bilder hast, aber sehr schwer mit deinen eigenen Bildern.

Aber wir haben auch ein anderes Ergebnis: Die Piraten sahen unser Projekt und in der Zeit, in der ich meine Bilder hochgeladen habe, haben sie ihre Posts mit meinen Bildern gelöscht. So hörten sie fast vollständig auf, meine Bilder zu nehmen.

Das ist ja gut für dich.

Ja, nicht schlecht… 🙂

Warum hast Du aufgehört, bei den Warez-Seiten hochzuladen?

Es kostet eine Menge Zeit, die Bilder, Archive und Posts vorzubereiten und ich hasse es, meinen Tag damit zu beginnen, Warez-Seiten nach gestohlenen Bildern von mir zu durchsuchen. Und es demotiviert auch irgendwie. Ich bevorzuge es, neue Bilder zu zeichnen und sie zu Bildagenturen hochzuladen, um Geld zu verdienen statt nur für die PR bei solchen dubiosen Seiten zu arbeiten. Ich meine, das verbrauchte fast die ganze Zeit, in der ich neue Bilder hätte machen können.

Hast Du die Möglichkeit, deine Bilder auf den Warez-Seiten zu löschen?

Klar, ich habe fast alle meine Archive gelöscht nach dem Ende des Experiments im Dezember 2013.

Was waren deine gesamten Einnahmen von dem Experiment?

2$, einige Verkäufe der veröffentlichten Bilder bei Bildagenturen (wobei ich nicht beweisen kann, dass das durch das Experiment kam) und 90% weniger gestohlene Bilder aus meinem Portfolio auf den Warez-Seiten.

Gab es Verträge, um Deine Bilder auf den Warez-Seiten zu vertreiben?

Nein, nur Veröffentlichungs-Regeln.

Was für Regeln?

Lass sie mich raussuchen:

– Benutze das Admin-Panel, um deine News am besten zu designen.
– Alle Informationen wie Informationen und Bilder müssen im Hauptfenster zentriert sein.
– Benutze nicht radikal.ru, photobucket.com, rapidshare.com als Bild-Hoster.
– Maximale Bildweite ist 500 Pixel. Bitte benutze nicht unseren Skript-Resizer. Bearbeite deine Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm, um die Bildweite zu reduzieren.
– Du solltest unsere Wasserzeichen bei der Vorbereitung der Vorschaubilder nutzen, die du hier runterladen kannst.

Kennst Du die Leute, mit denen Du gearbeitet hast?

Du meinst die Leute bei Stockalliance? Ja, klar.

Gibt es noch irgendwas, was wichtig wäre?

Ich denke, es ist wichtig, dass nachdem Dein Artikel und ein ähnlicher Artikel in russischer Sprache erschienen ist, viele Leute begonnen haben, zu denken, der Boykott sei von „Warez-Leuten“. Aber das ist falsch, nicht nur wegen unserem Ruf, sondern auch weil sie die wirkliche Situation nicht sehen und was Fotolia gerade mit dem Dollar Photo Club macht und warum das schlecht für die Industrie ist.

Danke für das Interview!