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Als Kunde Stockfotos kaufen oder lieber Fotos selber machen?

Vor einer Weile gab es bei Facebook eine Werbung von shootcamp.at zu sehen (das sind die, wo der Fotograf auf dem Werbebild beim Fotografieren Kopfhörer trägt) mit dem sinngemäßen Slogans: „Lerne fotografieren, statt Stockfotos zu kaufen“.

Werbung von shootcamp.at
Werbung von shootcamp.at

Selbst einige Fotografen wie Michael Omori Kirchner oder Till Erdmenger geben Tipps für ihre Kunden, wie sie selbst bessere Fotos machen können.

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen. Wieso ermuntern Fotografen ihre Kunden, selbst Fotos zu machen? Die Kunden sollen doch einen Auftrag buchen oder wenigstens ein paar Stockfotos kaufen?

Dabei tragen die eigenen Versuche, selbst etwas so zu fotografieren, dass es wie ein Bild vom Fotografen aussieht, dazu bei, die Arbeit von Fotografen besser wertzuschätzen. Warum haben meine Bilder so hässliche Schlagschatten hinter den Personen und die vom Fotografen nicht? Warum wirken die Farben bei mir so komisch? Im Internet sieht das alles anders aus…

Es gibt sicher einige Motive, die problemlos von Kunden selbst fotografiert werden können. Wenn das der Fall ist, kann sich ein Fotograf als kompetenter Berater mit einfachen Tipps als wertvolle Hilfe im Gedächtnis der Kunden verankern, um dann die komplexeren Aufträge umzusetzen.

Versuchen Kunden, schwierigere Shootings umzusetzen, merken sie schnell, wie viel Zeit, Geld, Energie und Planung in ein Shooting investiert werden muss und das ohne die nötige langjährige Erfahrung eines Fotografen die Ergebnisse doch nicht so perfekt aussehen wie gewünscht.

Ein – manchmal nicht zu unterschätzender – Vorteil von selbstgemachten Kundenfotos ist die Exklusivität. Diese Fotos hat garantiert kein anderer. Außerdem kann in manchen Fällen der etwas unprofessionellere Look zum Geschäftsmodell passen, wenn Individualität und Handarbeit betont werden sollen.

Aufträge hingegen können die Unternehmenskasse ganz schön belasten, dafür bekommen Kunden meist ebenfalls exklusive Bilder. Der Vorteil von Stockfotos liegt hingegen auf der Hand: Die Bilder sind sofort verfügbar und das fertige Bild kann vor dem Kauf gesehen werden, ohne einem Fotografen seine visuelle Vision vermitteln zu müssen. Auch kosten Stockfotos meist deutlich weniger als die Arbeitszeit, die ein Kunde investieren müsste, um seine Bilder selbst zu fotografieren, von Kosten für Models, Requisiten und Locations mal ganz abgesehen.

Aber egal, ob nun Auftragsfotos oder Stockfotos, dass professionelle Fotos besser sind, ist wissenschaftlich erwiesen.

Zeigt ihr euren Kunden auch, wie man selbst fotografieren lernt?

 

Die besten 22 Smartphone-Apps für Profi-Fotografen

Seit dem Start der Smartphone-App „Fotolia Instant“ verkaufe ich regelmäßig meine Handy-Bilder und versuche, meinen kompletten Workflow auf dem Handy zu lassen, also auch die Bearbeitung und das Hochladen der Bilder unterwegs vom Smartphone aus machen zu können.

Im Laufe der Zeit haben sich einige Apps herauskristallisiert, die dafür deutlich besser geeignet sind als andere.

Bevor sich jemand über den Titel aufregt, eine Definition:
Als Profi bezeichne ich Leute, welche mit ihren Smartphone-Fotos Geld verdienen (wollen). Ich konzentriere mich außerdem auf Apps, die für die Entstehung und den Vertrieb der Fotos nötig sind. Ich bespreche hier also keine Hilfsmittel wie Sonnenstand-Rechner oder Auftragsverwaltung.

Eine Auswahl von Fotografie-Apps auf meinem Smartphone
Eine Auswahl von Fotografie-Apps auf meinem Smartphone

Die genannten Apps nutze ich alle auf meinem iPhone. Wenn verfügbar, gebe ich auch die Quelle für Android an, kann aber nicht garantieren, dass der Funktionsumfang oder die Qualität die gleiche ist.

Was sind gute Smartphone-Apps für professionelle Fotografen?

Wer seine Fotos verkaufen will, möchte die Bilder in der höchstmöglichen Auflösung anbieten. Zum einen weil so mehr Kunden erreicht werden, die zum Beispiel große Bilder für den Druck brauchen und zum anderen, weil Verkäufe einer höheren Auflösung je nach Agentur oft auch besser vergütet werden.

Das bedeutet, dass alle Apps nutzlos sind, welche das Originalfoto zwar problemlos importieren, aber nur einen Export in Webgrößen erlauben. Außerdem gibt es viele Apps, die zwar coole Filter anbieten, aber keine volle Kontrolle über die Stärke des Filters erlauben oder einfach das Bild zu stark filtern, sodass es zum Schluss zu künstlich aussieht.

Apps zur Aufnahme

Es gibt einige Apps, welche die eher rudimentären Funktionen der Smartphone-internen Kamera-App deutlich ausweiten, zum Beispiel „Camera+“ (iPhone) oder „Pro Camera“ (iPhone). Camera+ kann zum Beispiel beim Exportieren der Fotos auch die Geodaten entfernen, was hilfreich ist, wenn die Käufer nicht sehen sollen, wie die GPS-Koordinaten des eigenen Gartens sind. Pro Camera hingegen kann als eine der sehr wenigen Apps Fotos als TIFF speichern, um Qualitätsverluste durch Komprimierung zu vermeiden.

Ich gestehe jedoch, dass ich fast immer die normale Kamera-App nutze, weil ich diese schon direkt vom Sperrbildschirm mit einer Bewegung aktivieren kann. Bei Schnappschüssen unterwegs zählt ja jede Sekunde, bevor der „entscheidende Moment“ wieder vorbei ist.

Eine Spezial-Anwendung ist „Cycloramic“ (iPhone/Windows Phone), welche Panoramafotos und –Videos aufnehmen kann und dabei mehr Einstellungsmöglichkeiten sowie eine noch höhere Auflösung als die native Kamera-App bietet.

Wer gerne nachts fotografiert oder Langzeitbelichtungen machen will, wird „SlowShutter“ (iPhone/Android) zu schätzen lernen. Damit kann die Belichtungszeit manuell verlängert werden.

Universal-Apps zur Bearbeitung

Fast kein Foto von mir kommt in den Verkauf, ohne nicht vorher durch „Snapseed“ (iPhone/Android) gewandert zu sein. Hier kann ich Bilder drehen, zuschneiden, schärfen, „stürzende Linien“ beheben, Farbton, Helligkeit, Kontrast und vieles mehr anpassen. Es gibt viele andere Apps, die das ebenfalls können, aber Snapseed ist leicht bedienbar, dezent in der Effektstärke und hat eine ausführliche Undo-Funktion. Einziges Manko: Bei der Auswahl der Bilder aus dem Fotoalbum kann nicht durch die Vollbilddarstellungen gescrollt werden.

Bild direkt aus dem iPhone und nach der Bearbeitung mit Snapseed
Bild direkt aus dem iPhone und nach der Bearbeitung mit Snapseed

Eine andere Universal-App ist „Afterlight“ (iPhone/Android), die zusätzlich auch Doppelbelichtungen, Silhouetten sowie künstliche Light Leaks anbietet.

Vom Schwergewicht Adobe gibt es „PS Express“ (iPhone/Android) als Bearbeitungs-App, die leider einige nützliche Funktionen (Stempel-Werkzeug) der iPad-Version nicht auf dem iPhone anbietet.

Apps für Retusche

Wer Bilder kommerziell anbietet, muss darauf achten, dass keine Logos zu sehen sind. Wer Fotos von Personen macht, möchte auch ab und zu einige Pixel oder andere Unzulänglichkeiten verschwinden lassen. Einige Apps bieten das an, was unter Photoshop als „Heilstempel“ bekannt ist. Da wird auf eine unerwünschte Stelle (Pickel) getippt und das Programm füllt die Stelle mit Informationen aus den umliegenden Flächen. Das funktioniert manchmal sehr gut, manchmal aber überhaupt nicht.

Deswegen ist in einigen Fällen ein Stempel-Filter deutlich nützlicher, wo der Fotograf bestimmt, von wo die Informationen herkommen sollen und in welcher Größe und wie weich der Übergang sein soll. Das können nur wenige Apps. Eine App, die das kann (und den High-Resolution-Export erlaubt), ist „HandyPhoto“ (iPhone/Android). Leider ist sie etwas umständlich zu bedienen. Vom gleichen Anbieter teste ich gerade auch die App „TouchRetouch“ (aktuell noch in der Beta), welche sich komplett auf das Retuschieren von Bildern spezialisiert hat und einen logischeren Workflow hat.

Objekte entfernen mit HandyPhoto (vorher/nachher)
Objekte entfernen mit HandyPhoto (vorher/nachher)

Für Portraits bietet sich „Facetune“ (iPhone/Android) an, welches leider kein Stempel-Werkzeug hat, dafür aber Weichzeichnungsfunktionen für die Haut und auch „Verflüssigen“-Werkzeuge anbietet.

Apps für Filter und Looks

Seit Instagram ist es hip, jedes banale Foto mit einem Filter zu versehen. Aber: Manchmal wirken dadurch Fotos einfach besser. Die oben erwähnten Universal-Apps Snapseed und Afterlight haben beide auch einige nützliche Filter-Sets an Bord, die ich ab und an nutze.

Zusätzlich gibt es „VSCOcam“ (iPhone/Android), die viele organisch aussehende Filter anbieten, teilweise leider zu happigen Preisen.

An Flexibilität kaum zu überbieten hingegen ist „Stackables“ (iPhone). Wie der Name schon andeutet, können hier beliebig viele Filter, Verlaufsmasken, Einstellungsebenen und so weiter miteinander kombiniert und übereinander gelegt („stacked“) werden. Zusätzlich gibt es viele fertige Presets und die eigenen Kombinationen können ebenfalls als Presets gespeichert werden. Leider ist das Programm nicht intuitiv und erfordert viel Einarbeitungszeit, um wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

Ausgangsbild (mit Snapseed bearbeitet) und nach der Bearbeitung in Stackables
Ausgangsbild (mit Snapseed bearbeitet) und nach der Bearbeitung in Stackables

Einige Fotografen lieben auch „Hipstamatic“ (iPhone), aber mir ist das zu „retro“, auf Bilder warten zu müssen.

Apps für Collagen

Manchmal ist es sinnvoll, mehrere Bilder „als eins“ anzubieten, also Collagen zu erstellen. Hier ist die Hürde, Apps zu finden, welche den Export in hoher Auflösung erlauben. Zwei Apps, die das gut machen, sind „Diptic“ (iPhone) und „Tiled“ (iPhone). Während erstere nur quadratische Endformen erlaubt, dafür aber auch viele ungewöhnliche Layoutformen anbietet, kann die zweite App auch horizontale und vertikale, sowie Panoramaformate erstellen.

"Bildgeschichte" erstellt mit Diptic
„Bildgeschichte“ erstellt mit Diptic

Apps für Spezialeffekte

Früher musste man für „Tiny Planet“-Bilder umständliche Aufnahmereihen mit seiner Kamera machen und viel Zeit für die Bearbeitung am Computer einplanen. Heute reicht eine Panoramaaufnahme mit dem Handy und eine App. Ich nutze entweder „Living Planet“ (iPhone) oder „RollWorld“ (iPhone). Kann auch mit den Cycloramic-Aufnahmen (siehe oben) kombiniert werden. Die Auflösung der fertigen Bilder liegt bei „Living Planet“ leider nur bei 4 MP (2000 x 2000 Pixel), bei „RollWorld“ hingegen bei 9 MP (3000 x 3000 Pixel).

"Tiny Planet" erstellt mit RollWorld
„Tiny Planet“ erstellt mit RollWorld

Es kommt nur selten vor, aber manchmal möchte ich ein Bild aus Wörtern oder Smileys bestehen lassen. Dafür gibt es „WordFoto“ (iPhone), hier wird beim Export jedoch sogar hochskaliert.

Apps zur Information

Leider gibt es keine Möglichkeit, sich bestimmte wichtige Dateiinformationen zu den Bildern ohne eine zusätzliche App anzeigen zu lassen. Deswegen nutze ich „ExifWizPro“ (iPhone), welche mir sämtliche EXIF-Daten eines Bildes anzeigen kann, zum Beispiel Blende, Belichtungszeit, Aufnahmezeit, die Pixelgröße oder die GPS-Daten, auch auf einer Karte.

Wer Models fotografiert, kann mittlerweile sogar die Modelverträge per Smartphone ausfüllen lassen. Die am meisten akzeptierte App ist hier „Easy Release“ (iPhone/Android), mit der sogar die Verträge auch individuell angepasst werden können.

Apps zum Fotoverkauf

Vor einer Weile hatte ich hier schon einen Artikel geschrieben über Apps zum Fotoverkauf. In der Praxis nutze ich hauptsächlich „Instant“ (iPhone/Android) sowie seit einigen Wochen auch „Eyeem“ (iPhone/Android). Bei Instant werden die Fotos über die „Instant Collection“ von Fotolia verkauft, bei Eyeem über die „Eyeem Collection“ von Getty Images.

kneschke-eyeem 27-07-2015 11-22-00Bei Instant muss man die Fotos selbst verschlagworten, hat dafür aber die komplette Kontrolle über diesen Prozess, während Eyeem selbst verschlagwortet, die Qualität dafür jedoch manchmal zu wünschen übrig lässt. Eyeem hat auch selbst etliche Filter im Angebot, die ich auch gerne nutze statt einer separaten App.

Andere Bildagenturen, die eigene Apps für den Upload von Smartphone-Fotos haben, sind Alamy („Stockimo“), 123rf („On The Go“), Dreamstime („Companion“) oder Shutterstock („Contributor“).

Nachteile der Smartphone-Fotografie

So bequem es auch ist, unterwegs paar Schnappschüsse mit dem Handy zu machen und diese noch auf dem Weg nach Hause zu verkaufen, hat die Smartphone-Fotografie leider einige Nachteile.

Ich habe leider noch keine gute Möglichkeit gefunden, meine Fotos zu sichern und zu verwalten. Aktuell mache ich es so, dass ich alle paar Wochen die neuen Fotos von meinem iPhone auf eine externe Festplatte ziehe und irgendwann die ältesten lösche. Das ist leider nicht ideal, weil ich auf ganz alte Fotos nicht spontan zugreifen kann, wenn ich zum Beispiel eine neue App ausprobiere. Außerdem speichert das iPhone die Fotos in kryptische verschiedene Ordner, die ich alle einzeln nach Datum sortieren muss, um die noch nicht gespeicherten Fotos zu finden.

Auch die Verschlagwortung lässt sich nicht wie am PC in den Metadaten speichern und ich müsste sie für jede Agentur, die das verlangt, neu eintippen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nur mit zwei Apps regelmäßig hochlade.

Welche Foto-Apps nutzt ihr regelmäßig professionell? Und warum?

Rezension: Make Up Basics mit Femke Schuh und Patrick Ludolph (mit Verlosung)

Eine Frage, die mir häufig gestellt wird, lautet: „Arbeitest Du lieber mit Visagistin oder wie machst du das mit dem Schminken?

Meist lasse ich das die Models selbst machen, weil es erstens günstiger ist und zweitens logistisch einfacher ist, nicht immer eine verfügbare Visagistin mitbuchen zu müssen.

Make Up Basics
Einige mögen denken: Wozu schminken? Kann man doch alles in Photoshop machen! Theoretisch ja, auch praktisch, aber bei zig bis einigen hundert Bildern pro Shooting kann das in einen Mehraufwand von Stunden bis Tagen münden, der sich leicht vermeiden ließe, wenn die Models vor dem Shooting richtig geschminkt werden. Dazu kommt, dass sich gut geschminkte Models auch besser und selbstbewusster fühlen und sich diese positive Ausstrahlung auf die fertigen Fotos überträgt.

Wenn sich meine Models selbst schminken sollen, klappt das meist relativ problemlos, aber nicht immer. Vor allem Männer haben seltener Erfahrung mit Schminke. Hier muss ich als Fotograf dann improvisieren. Zum Glück hatte ich ganz am Anfang meiner Fotografenlaufbahn einige Fashion-Shootings, bei denen ich der dort anwesenden Visagistin ausführlich über die Schulter schauen durfte. Danach war ich immerhin in der Lage, Mascara von Eyeliner und Puder von Make-Up zu unterscheiden. Ich lernte, warum die „T-Zone“ so wichtig ist und dass es für Wimpern sogar eine Zange gibt.

Daraufhin habe ich für die Fälle, in denen ein Model sich nicht selbst schminken kann oder einige Utensilien vergessen hat, ein kleines „Notfall-Set“ im Studio, mit paar Tönen Puder, Make-Up, Nagellack- und Makeup-Entferner, Haarspray, Haargummis, Kämmen, Bürsten, Schwämmchen und so weiter. Damit kann ich zum Beispiel ein männliches Model notdürftig etwas abpudern und Glanzstellen mildern.

Das hat in der Vergangenheit einige Shootings gerettet. Ähnliches muss sich Patrick Ludolph, vielen besser bekannt als „Paddy“ vom Blog Neunzehn72 gedacht haben, als er sich seine Lieblingsvisagistin Femke Schuh schnappte und mit ihr das Trainingsvideo „Make Up Basics“ zusammenstellte.

Dieses wendet sich ausdrücklich an Fotografen, welche lernen wollen, sich oder Models selbst zu schminken. Das „Basics“ betont, dass es ein Anfängerkurs ist für Leute, die bisher keine Ahnung hatten.

Das Video ist in sechs Teile gegliedert. Im ersten Teil stellt Femke die verschiedenen Produkte vor, die als Grundausstattung nötig sind. Mit dem Wissen um knappe Fotografenbudgets zwang Paddy sie, ihre üppige Liste auf das Nötigste runterzudampfen und übrig blieben sieben Kategorien mit ca. 20 Produkten hoher Qualität, die im Einkauf zusammen ca. 150-200 Euro kosten.

Mit dieser Grundausstattung bewältigt Femke im nächsten Kapitel den „Nude Look“, also bei dem eine Person so geschminkt wird, dass eher passiv Schwachstellen überdeckt werden und die Schminke idealerweise nicht zu erkennen ist.

Weiter geht es dann mit der Frage „Was tun bei Hautrötungen?“ und anschließend widmet sich Femke einem Mann mit Bart, weil das in der Fotografenpraxis das häufigste „Problem“ ist. In Kapitel Fünf werden dunkle Augen aufgehellt und abschließend wagt Paddy mit dem neu gewonnenen Wissen einen Selbstversuch, der nur ca. zehn Minuten braucht und beeindruckend gut endet:

patrick
Paddy mimt in seiner Rolle als Moderator sehr überzeugend den absolut ahnungslosen Anfänger, dem keine Frage zu peinlich ist, um sie zu stellen und Femke erklärt dann kurz und verständlich ihre Arbeitsschritte und die Gründe dafür.

Ich kann dieses Video nur jedem Fotografen empfehlen, der sich keine Visagistin leisten kann.

Selbst wer sich als Fotograf lieber weiterhin auf Visagisten am Set verlässt, sollte dieses Video sehen. Schon um mit einer Visagistin oder einem sich selbst schminkenden Model auf Augenhöhe reden und gegebenenfalls die passenden Anweisungen geben zu können. Denn die wenigen Male, wo ich eine Visagistin am Set hatte, lautete deren erste Frage meist doch: „Wie soll das Model nachher aussehen?

Verlosung

Patrick war so freundlich, mir das Video 2x zur Verlosung anzubieten. Wer mir bis einschließlich Samstag, dem 20.9.2014 in den Kommentaren mitteilt, warum gerade ihr vom Video noch lernen könnt, nimmt an der Verlosung teil. Die beiden besten Vorschläge gewinnen. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Geld verdienen mit Pinterest am Beispiel von Spotify

Beim Thema Urheberrecht schlagen die Wellen derzeit hoch.

So wundert es nicht, dass die Kommentare zu meinem Artikel über die systematischen Urheberrechtsverletzungen bei Pinterest sehr heftig ausfallen. In beide Richtungen.


Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen, da ich als Digital Native einerseits mit digitalen Nutzungsrechten andererseits mein Geld verdiene.

Einer der Argumentationsstränge zum Thema Pinterest ist ja, dass die Daten nur digital vorliegen und man sie deshalb nicht „stehlen“, „rauben“ oder „klauen“ könne, sondern nur „kopieren“. Da würde keinem ein Schaden entstehen und deshalb sei das alles halb so wild. Exemplarisch dafür steht zum Beispiel dieser Kommentar:

„Es gibt nur Kopien. Der Computer kann nicht mal “öffnen” ohne Kopien. Die Kopie ist der natürliche Zustand digitaler Daten.

Es ist also ziemlich zwecklos, sich über digitale Kopien aufzuregen. Sie sind unvermeidlich und jedes Geschäftsmodell, dass auf der Einschränkung von Kopien aufbaut, muss notwendigerweise scheitern.

Das ist sicher nicht schön zu hören, aber irgendwer muss euch doch mal dezent darauf hinweisen.

Gesetze im Staat werden nicht dauerhaft gegen Produktivitätssteigerung erlassen. Und wer gegen Kopien ist, muss Rechner wegschmeißen. Das kann sich aber keiner leisten. So wichtig sind Fotograf_innen nicht.“

Dabei zieht die Analogie nicht.

Denken wir mal an ein Buch. Niemand fordert ernsthaft, dass gedruckte Bücher nichts mehr kosten dürften, weil da nur Informationen drin stünden. Bücher werden verkauft und gekauft und alle finden das normal. Nun nimmt aber die Verbreitung von Ebooks zu. Diese Bücher sind komplett digital und durch eine Kopie verliert die Ausgangsdatei nichts von ihrem Nutzwert. Nach der Logik der Pinterest-Fans und Urheberrecht-Piraten würden digitale Bücher nun für jeden kostenlos sein müssen, weil… siehe oben. Liegt der Unterschied zwischen dem Ebook und dem gedruckten Buch demnach nur in dem Papier, auf dem es gedruckt ist? Ist nur das Papier Geld wert? Der Autor, ohne den es weder Buch noch Ebook geben würde, kommt da überhaupt nicht vor, was – zumindest mir – zeigt, dass dieser Denkweise irgendetwas fehlt.

Aber lassen wir das.

Nehmen wir an, Pinterest wird nicht so ohne weiteres verschwinden. Wenn den Fotografen vorgeworfen wird, sie sollten sich gefälligst der neuen Zeit anpassen, möchte ich ein weiteres Denkmodell vorschlagen.

Vor paar Wochen startete der Musikstreaming-Dienst Spotify in Deutschland. Es gibt vergleichbare Anbieter, aber bleiben wir der Einfachheit halber bei Spotify.

Spotify basiert auf einem Freemium-Geschäftsmodell, wie auch Skype, Flickr oder XING. Das bedeutet, die Basis-Funktionen des Dienstes können kostenlos genutzt werden, wer Zusatzfunktionen oder Werbefreiheit haben will, zahlt eine monatliche Gebühr, bei Spotify 4,99 Euro oder 9,99 Euro im Monat.

Was hat das hier im Artikel zu suchen? Ganz einfach. Von digitaler Musik hieß es schon lange, dass sie sich nicht verkaufen lasse. Sie könne auch nicht geklaut werden, weil es alles nur Kopien seien. Erst kam Napster, dann Emule, Soulseek, Piratebay und wie die Filesharing-Netzwerke alle hießen. Trotzdem verdient sich Apple mit iTunes eine goldene Nase und auch bei Spotify scheint es möglich zu sein.

Die t3n hat vor einer Weile eine Beispiel-Rechnung über die Lukrativität von Spotify aufgestellt, die eher negativ ausfiel, aber in den Kommentaren zum Artikel wird das deutlich relativiert. Ich selbst habe mir nach drei Wochen Spotify-Gratishören einen Premium-Account gekauft, weil ich die Musik beim Arbeiten ohne Werbung und in besserer Soundqualität (320 kbs statt nur 160 kbs) hören will. Die Künstler, die bei Spotify gehört werden können, bekommen vom Kuchen auch etwas ab. Auf den ersten Blick wirken ca. 4 Cent pro gestreamten Album (für Musiker mit eigenem Label), aber das wären ca. 78 Album-Plays, bis das gleiche wie für einen CD-Verkauf verdient worden wäre. Das klingt nicht mehr ganz so unrealistisch, zumal berücksichtigt werden muss, das die Spotify-Hörer für ihr Geld die Songs nur so lange besitzen, wie sie ihr Abonnement haben. Beim CD-Kauf könnten sie die CD weiterverkaufen, verschenken oder deutlich häufiger hören als 78 Mal, ohne den Künstler extra bezahlen zu müssen. Insgesamt ist das Abrechnungsmodell vielleicht noch nicht perfekt oder 100% fair, aber die Urheber bekommen Geld. Immerhin.

Anders sieht es bei Pinterest aus. Dabei gäbe es keinen Grund, das Spotify-Freemium-Modell nicht auf den Bildertausch-Service zu übertragen.

Stellen wir uns das vor:
Pinterest bietet einen kostenlosen Gratis-Dienst, der mit Werbeinblendungen und -anzeigen ist und außerdem die Anzahl der Pin-Boards und der gesamten eigenen Pins limitiert und nur eine begrenzte Zahl an „Re-Pins“ pro Monat erlaubt. Gegen Zahlung von 9,99 Euro im Monat fällt die Werbung weg und die Einschränkungen ebenso. Im Gegenzug würde jeder Urheber eines gepinnten Bildes pro „Pin“ 2 Cent erhalten. Das ist jetzt noch nicht komplett ausgereift, aber warum sollte es nicht möglich sein? Spotify, Flickr und viele andere Dienste etc. zeigen doch, dass Kunden durchaus bereit sind, Geld für urheberrechtlich geschützte Werke auszugeben, wenn das Angebot stimmt.

Interessanterweise gibt es Abo-Modelle für Bilder bei Bildagenturen auch schon lange, aber kein Privatnutzer kommt auf die Idee, ein solches Abo abzuschließen, um diese Bilder bei Pinterest einstellen zu können. Vielleicht sollten Bildagenturen Web-Auflösungen von Bildern mit dezenten Wasserzeichen für die Privatnutzung im Internet als günstiges Jahresabo anbieten?

Hier schließt sich übrigens der Kreis: Für gedruckte Bücher gibt es seit langem ein sehr ähnliches System: Benutzer können beliebig viele Bücher gratis ausleihen, wenn sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Das nennt sich dann Bibliothek.


Wenn es mit Büchern und Musik funktioniert, warum dann nicht auch für Bilder? Was meint ihr?

Frag den Fotograf: BG ETEM Pflichtversicherung vermeiden

Wieder hatte ich eine Mail im Postfach, die bestimmt auch einige von Euch Leserinnen und Lesern interessieren wird:

„Hallo Robert!

Seit einiger Zeit lese ich nun schon begeistert deine Artikel auf alltageinesfotoproduzenten.de.
Da hast du wirklich eine interessante Seite in Leben gerufen. Viele nützliche Informationen, Anregungen, etc..
Dafür erst mal vielen Dank!

Ich hätte da allerdings eine Frage zum Thema Berufsgenossenschaft:

Die BG ETEM ist ja leider eine Pflichtversicherung. Aber gibt es vielleicht eine Möglichkeit, diese Mitgliedschaft zu umgehen?

Der Grund, warum ich das frage, ist folgender: Ich arbeite bereits seit einigen Jahren als freiberuflicher Dozent im sozialen Bereich. Seit einiger Zeit überlege ich jedoch, auf Stockfotografie umzusatteln.

Leider verdient man als Dozent aber nicht unbedingt die Welt; um ehrlich zu sein wird es seit einiger Zeit immer schwerer, neue Verträge zu bekommen und einen vernünftigen Lohn auszuhandeln. Das Geld sitzt also nicht mehr so locker wie früher.
Die Kosten für die BG (nach Auskunft der BG etwa 295 Euro jährlich) würde ich zumindest im ersten Jahr lieber in den Ausbau der Tätigkeit investieren.

Mir ist klar, dass ich in der Zeit praktisch nicht versichert wäre, was natürlich klar von Nachteil ist.
Auf der anderen Seite sind 300 Euro zur Zeit eine Menge Geld für mich. Sollte sich nach einem halben Jahr herausstellen, dass das mit der Stockfotografie nicht funktioniert, hätte ich 150 Euro zum Fenster rausgeworfen, da ich nicht glaube, dass die BG mir die Differenz zurückzahlen würde.

Nun habe ich in einigen Foren gelesen, dass man mit der Anmeldung bei der BG einfach warten könnte, bis diese sich bei einem meldet. Angeblich würde es dabei nicht zu Nachzahlungen kommen. Das kann ich mir zwar irgendwie nicht vorstellen, aber vielleicht könntest du mir dazu etwas Genaueres sagen.

Ich glaube jemand der das hauptberuflich macht, kann einem da verlässlichere Informationen geben als die Mitglieder in Fotoforen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir dazu etwas sagen könntest.

Vielen Dank im Voraus, Kai“

Wer Fotograf ist und von der BG ETEM noch nichts gehört hat, sollte sich hier schnell informieren.

BG ETEM ist die Abkürzung für „Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“. Letzteres umfasst auch Fotografen. Das heißt, jeder Fotograf ist verpflichtet, in deren Branchenverwaltung „Druck und Papiererzeugnisse“ Mitglied zu sein, selbst wenn er nur digital arbeitet. Diese Pflichtversicherung gilt für alle Fotografen, egal, ob sie als feste Freie, freie Freie, Pauschalisten oder als freischaffende Künstler arbeiten.

Der Vorteil der Mitgliedschaft liegt auf der Hand:

In der Mitgliedschaft ist eine gesetzliche Unfallversicherung enthalten, welche Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten, Wegeunfälle und Verkehrsunfälle auf dem Weg zu einem Kunden entschädigt. Die Unfälle müssen im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen.

Auch wer selbst eine private Unfallversicherung hat, ist von der Pflichtversicherung nicht ausgenommen.

Der Nachteil ist aber ebenso klar:

Die Mitgliedschaft kostet Geld, auch wenn die gesetzliche Unfallversicherung deutlich günstiger als eine private ist. Die Beiträge hängen vom Einkommen ab und fangen bei ca. 200 Euro pro Jahr an.

Es gibt jedoch eine Möglichkeit für Fotografen, sich von der Versicherungspflicht zu befreien. Diese wird in der Satzung der BG ETEM in §46 Abschnitt 2 erklärt:

„Nach Absatz 1 versicherte Unternehmer und Unternehmerinnen, die selbst nicht mehr als 100 Arbeitstage (8 Stunden = 1 Arbeitstag) jährlich im Unternehmen arbeiten, werden auf schriftlichen Antrag von der Versicherungspflicht befreit.“

Wer also weniger als 100 Arbeitstage im Jahr als Fotograf tätig ist, kann einen formlosen Antrag bei der BG ETEM einreichen, der ihn von der Beitragszahlung befreit. Damit entfällt jedoch auch der Versicherungsschutz.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Berufsgenossenschaft gemacht?