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Der Wandel im Angebot von Foto-Collagen bei Bildagenturen

Ich erin­ne­re mich an einen Fotografenstammtisch vor ca. drei Jahren. Die dort anwe­sen­den Stockfotografen debat­tier­ten lei­den­schaft­li­ch dar­über, war­um eini­ge Fotografen ange­fan­gen haben, Foto-Collagen zu ver­kau­fen. Da wür­den sie doch vie­le Bilder auf ein­mal zum Preis von einem ver­schleu­dern. Und das zu den ohne­hin schon nied­ri­gen Microstock-Preisen.

Aber einen Schritt zurück: Was mei­ne ich mit „Foto-Collagen“?

Foto-Collagen im Sinne die­ses Artikels sind ver­schie­de­ne Fotos, die the­ma­ti­sch (und meist auch farb­li­ch) zusam­men pas­sen und ver­schie­de­ne Aspekte eines Themas abde­cken und zusam­men als ein­zel­ne Datei bei Bildagenturen ange­bo­ten wer­den. Ein klas­si­sches Beispiel ist so eine Collage:

© Fotolia / Anna Subbotina

Die ers­ten Collagen, die rich­tig in das genann­te Schema pas­sen und über 100 Downloads erziel­ten, waren – von eini­gen Blumen-Collagen abge­se­hen – Hochzeitsstillleben wie das hier von Anne Kitzman oder das hier* von Esther Hildebrandt, die Anfang 2006 auf­tauch­ten. Als dann Ende 2007 der bekann­tes­te und erfolg­reichs­te Stockfotograf Yuri Arcurs eben­falls im gro­ßen Stil anfing, Foto-Collagen mit Business-Themen* zu erstel­len, gab es kein Halten mehr und zahl­rei­che Fotografen erstell­ten Collagen, von denen sich vie­le auch hun­dert­fach ver­kau­fen.


Die Vorteile von Foto-Collagen

Was für Beweggründe gab es für Fotografen, vie­le Fotos zum Preis von einem anzu­bie­ten? Aus Sicht der Käufer ist das Angebot ver­lo­ckend: Ein Foto kau­fen, aber gleich meh­re­re nut­zen kön­nen, zum Beispiel für eine Broschüre oder Webseite. Viele Käufer set­zen das Bild aber auch direkt als Collage ein und erspa­ren sich die Bildmontage. Doch wo liegt der Vorteil für die Fotografen? Verlieren sie nicht Geld im Vergleich zum ein­zel­nen Verkauf der Bilder?

Die meis­ten Bildagenturen beloh­nen Bilder mit vie­len Downloads durch bes­se­re Platzierung bei den Suchergebnissen. Vor allem bei Themen mit einem sehr gro­ßen Bildangebot wie Business oder Wellness ist es wich­tig, über­haupt gese­hen zu wer­den. Das klapp­te lan­ge sehr gut mit den Collagen, weil die Käufer ein Schnäppchen mach­ten und das Bild öfter ver­kauft wur­de. Außerdem erre­gen die wuse­li­gen „Suchbilder“ Aufmerksamkeit und wer­den öfter ange­klickt, damit der poten­ti­el­le Käufer sich die Bilder grö­ßer anschau­en kann. Wenn er dann erst mal auf der Detailseite ist, besteht die Möglichkeit, sich ähn­li­che Bilder, Bilder der glei­chen Serie, Bilder mit dem glei­chen Model oder ande­re Bilder des Fotografen anzei­gen las­sen. Alles Optionen, die in der Regel zu zusätz­li­chen Verkäufen für den Fotografen füh­ren.

Außerdem lohnt es sich für die Käufer, das Bild eine Nummer grö­ßer zu kau­fen, wenn sie ein­zel­ne Motive aus der Collage aus­schnei­den wol­len. Da die Preise für ver­schie­de­ne Größen aber nicht line­ar, son­dern eher expo­nen­ti­ell anstei­gen, ver­dient der Fotograf dann eben­falls mehr. Beispiel: Wenn der Kunde bei Fotolia in Größe S ein Bild kauft, erhal­te ich soviel Geld wie für drei Verkäufe einer XS-Lizenz, der nächst­klei­ne­ren Größe. Eine XXL-Größe ist schon zehn XS-Verkäufe wert. So wird die Collage viel­leicht ins­ge­samt weni­ger ver­kauft als sich die ein­zel­nen Motive zusam­men­ge­rech­net ver­kauft hät­ten, aber dafür ist der Erlös pro Verkauf höher und ent­schä­digt für ent­gan­ge­ne Downloads. Bei der Bildagentur Dreamstime ist die­ses Verhältnis noch stär­ker aus­ge­prägt, weil ein Bild umso teu­rer wird, je öfter es ver­kauft wur­de. Dazu kommt die bes­se­re Suchmaschinenplatzierung, die eben­falls Gold wert ist, auch wenn sie nur schwer zu bezif­fern ist.

Zusätzlich kön­nen die Fotografen auch leich­ter „min­der­wer­ti­ge“ Motive in eine Collage schmug­geln, die bei Bildkäufern son­st viel­leicht kaum Anklang gefun­den hät­ten.

 Die Nachteile von Foto-Collagen

Wenn Collagen so toll sind, war­um machen das dann nicht alle Fotografen? Zum einen wer­den natür­li­ch genug pas­sen­de Motive als Ausgangsmaterial benö­tigt. Eine ande­re Entwicklung ist jedoch viel gra­vie­ren­der, die mei­nes Erachtens zu einem Rückgang neu­er Foto-Collagen füh­ren wird. Alle Microstock-Agenturen ver­kau­fen mehr und mehr Abonnements an Bildkäufer. Damit kön­nen die­se meist zu einem Festpreis eine bestimm­te Bildanzahl in vol­ler Auflösung run­ter­la­den.

Die Rechnung, dass der Fotograf für höhe­re Auflösungen mehr Geld bekommt, geht dann nicht mehr auf und es gibt – bis auf die Platzierung in den Suchergebnissen – kei­ne Motivation für Fotografen mehr, hoch­auf­lö­sen­de Collagen zu erstel­len, wenn sie dafür das glei­che Honorar bekom­men wie für das Einzelbild.

Bis vor eini­gen Wochen hat­te Fotolia Abo-Downloads in XL-Größe immer­hin höher ver­gü­tet als Downloads in L-Größe, aber nach­dem das abge­schafft wur­de, gibt es kaum noch Gründe, höhe­re Auflösungen anzu­bie­ten. Selbst bei Dreamstime mit der pro­gres­si­ven Preissteigerung gilt das in gewis­sen Maßen, weil die Vergütung für Abo-Downloads nur gering­fü­gig ansteigt. Bei Shutterstock als rei­ner Abo-Agentur hand­ha­ben das vie­le Fotografen seit Jahren so, dass sie nur in der kleins­ten erlaub­ten Auflösung hoch­la­den (momen­tan 4 MP), damit die Bildkäufer das Motiv in höhe­rer Auflösung bei Bedarf gefäl­ligst zu einem höhe­ren Preis bei ande­ren Agenturen ein­kau­fen.

Anhand mei­ner eige­nen Verkaufsabrechnungen sehe ich, dass Abo-Verkäufe bei allen Microstock-Agenturen stän­dig an Bedeutung gewin­nen. Damit sinkt gleich­zei­tig immer mehr der Anreiz, Foto-Collagen zu ver­kau­fen.

Wie seht ihr das? Was ist eure Motivation, Foto-Collagen anzu­bie­ten oder es blei­ben zu las­sen? Und wel­che Entwicklung beob­ach­tet ihr?

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