Schlagwort-Archive: Fotobesprechung

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 41

In flotter Folge geht es heute weiter mit einigen Bildern, die Leser für meine Serie „Pimp My Stock!“ eingereicht haben. Sie wollen wissen: Wie würden sich die Fotos als Stockfotos verkaufen?

Diesmal schrieb mir Konstanze:

„Hallo,

ich mache schon sehr lange Fotos, versuche aber erst seit Anfang des Jahres ernsthaft, sie bei den Microstockagenturen unter zu bringen.

Ich bin angemeldet und akzeptiert bei:
– Dreamstime
– 123rf
– iStockphoto
– Fotolia
– Pitopia
– und Bildunion.

Shotshop hat meine Bewerbungsbilder abgelehnt, bei Shutterstock habe ich jetzt im ersten und zweiten Durchgang je 2 (also bisher 4) der insgesamt 10 gewünschten Bewerbungsbilder akzeptiert bekommen. Coverpicture möchte ich auch noch in meine Liste aufnehmen.

Ich habe bisher ein 😉 Foto verkauft, bei Dreamstime.

Am leichtesten werden meine Bilder bei iStockphoto und 123rf genommen, Fotolia und Shutterstock sind meine Sorgenkinder.

Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich einfach noch nicht viele Bilder eingereicht habe, bei manchen (amerikanischen) sind 40-55 durch die Beurteilung gegangen, bei anderen vielleicht erst 10.

Bei Fotolia habe ich ca. 55 Fotos eingereicht und 4 wurden bisher akzeptiert. Die Begründung ist – wie ja auch von anderen schon geschrieben – nicht nachvollziehbar, weil zu allgemein. Das ist bei Pitopia oder Dreamstime anders. Das Seltsame ist, dass Fotolia Fotos nimmt, die sonst gerne abgelehnt werden – und bei denen ich die Ablehnungsgründe sogar nachvollziehen kann. Fotos, die von den anderen Agenturen sofort akzeptiert werden, lehnt Fotolia radikal aus “technischen Gründen” ab.

Wir haben neben einer Panasonic Bridge (FZ200) vor allem die Canons 7D, 30D, 650D in Gebrauch. Stativ, Lightbox, Studiolampen sind auch da. Photoshop Elements 10 und Lightroom 5.

Was ich in der Branche vorhabe? Ich möchte möglichst viele Bilder möglichst gut gerankt haben 😉

Im Ernst, ich möchte mich auf Studio-/Produktbilder und evtl. dann auch Models konzentrieren – was beides in den hier gezeigten Fotos nicht vorkommt, gebe ich zu -, momentan “lerne” ich jedenfalls noch, wie die Ansprüche der Agenturen sind und wie/womit ich reinkomme.

Die mitgeschickten Fotos wurden alle von Fotolia abgelehnt, einige davon wurden von allen/vielen anderen Agenturen genommen, andere sind noch pending.

Ich frage mich halt einfach, bei einer Fotolia-Annahmequote von unter 10 Prozent, ob ich das überhaupt noch weiter versuchen soll?

So, nun überlasse ich meine Fotos der Kritik.

Danke,
Konstanze“

Sehen wir uns die Sorgenkinder mal an:

pimp_00004_F18mitFlaresEin Foto vom Kampfflugzeug F/A-18 mit einer Leuchtrakete. Vom Motiv ist so ein Motiv sicher verkäuflich, weil es ein geringes Angebot gibt. Ob das Bild scharf ist, kann ich in dieser Größe nicht beurteilen. Ein weiterer Grund für die Ablehnung könnten markenrechtliche Bedenken sein, weil das Flugzeugdesign eventuell rechtlich geschützt ist.

pimp_00006_EuleDieses Foto einer Eule halte ich für ein gutes Stockfoto. Ein gelungenes Tierportrait mit Betonung auf das Gesicht ohne Ablenkung im Hintergrund. Wenn das Foto in der 100%-Ansicht scharf genug sein sollte, würden mir keine Ablehnungsgründe einfallen.

pimp_00007_schwalbenschwanzHier sehen wir einen Schmetterling, genauer gesagt einen Schwalbenschwanz. Sofort sichtbar ist, dass der Hintergrund leider nicht komplett reinweiß ist, was aber in Photoshop lösbar ist. Die potentiellen Käufer für dieses eher redaktionelle Bild ist jedoch rar gesät. Besser verkaufen sich Schmetterlinge, wenn sie – oft über Fotomontagen – in ein Konzept wie Frühling, Freiheit, Jahreszeiten oder Ökologie eingebettet sind.

pimp_00022_RedAdmiral

Ähnliches gilt für das Bild vom Admiral. Der Hintergrund lässt sich gedanklich leider nicht mit dem Frühling oder anderen positiv besetzten Themen verbinden und der Schmetterling ist wie viele Haustiere ein oft und gern fotografiertes Motiv. Das Angebt übertrifft die Nachfrage also deutlich, was geringe Verkaufschancen bedeutet.

pimp_00016_piano01Hände am Klavier: Das Foto hätte ich ebenfalls abgelehnt, hauptsächlich weil das Bild eindeutig einen gelblichen Farbstich vom Kunstlicht hat und zweitens starke, hässliche Schlagschatten zu sehen sind. Die nicht ganz optimale Handhaltung fällt da schon weniger ins Gewicht.

pimp_00021_StorchFuettertEin Storch füttert seine Jungen. Grundsätzlich halte ich so ein Motiv für verkäuflich, weil neben dem sachlichen Inhalt noch Konzepte wie „Familie“, „Erziehung“ und „Pflege“ kommen. Im mir vorliegenden Bild scheint es aber, als wäre eher das Nest im Vordergrund scharf als der Kopf des Storchs. Der Himmel ist auch etwas langweilig und hier hätte sicher eine Verbesserung mit Photoshop geholfen. Für solche Fälle biete ich zum Beispiel auch komplett kostenlose Wolkenbilder zur eigenen Verwendung an.

pimp_00020_SchnabelPelikanIch musste etwas überlegen, was auf dem Foto zu sehen sein könnte: Nach einer Weile entschied ich mich für den Schnabel von einem Pelikan. Das Bild zeigt eine interessante Komposition aus künstlerischer Sicht. Verkäuflicher wird das Motiv durch diese Abstrahierung aber nicht, im Gegenteil: Welche Kunden sollten das Bild für welche Zwecke nutzen können?

pimp_00023_herzjesu01Das nächste Bild zeigt eine Kirche. Leider könnte das Bild auch als Musterbeispiel für stürzende Linien durchgehen. Für solche Art der Fotos eignen sich Tilt-Shift-Objektive besser, wie in dieser Bildserie von Kirchen zu sehen ist. Der Markt für diese Art der Bilder ist auch zu klein. Gekauft werden vor allem die bekannten Sehenswürdigkeiten großer Städte. Auch als Beispiel einer bestimmten Architekturperiode ist dieses Foto nicht perfekt, weil links Bäume das Bauwerk verdecken und die Kirche an allen vier Seiten nicht komplett im Bild ist.

pimp_00025_ef1Auf diesem Bild sind zwei Eurofighter zu sehen. Ebenfalls zu sehen ist ein rot-weißes Emblem, was die Bildredaktion für ein Logo halten könnte und damit ein Ablehnungsgrund wäre. Ansonsten gelten meine Kommentare zum anderen Flugzeugfoto.

Wer auch meine ehrliche Meinung und Tipps zur Verbesserung seiner Stockfotos haben will, kann hier nachlesen, wie ihr kostenlos bei der “Pimp My Stock!”-Serie mitmachen könnt.

Was sagt ihr?
Wie ist eure Einschätzung?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 40

Ich kann es kaum glauben: Schon vierzig Folgen hat meine „Pimp My Stock!„-Serie jetzt erreicht. Hier gebe ich Feedback über Stockfotos, welches über „schön“ und „gefällt mir“ hinaus gehen soll und berücksichtige besonders stark, ob sich eins der Fotos gut verkaufen könnte und warum.

Das Interesse scheint groß zu sein, die Warteschlange ist entsprechend lang und ich versuche mein Bestes, diese zügig abzuarbeiten. Deswegen geht es gleich weiter, diesmal mit Stephan, der mir schrieb:

„Hi Robert!

Mein Name ist Stephan, ich bin 32 und fotografiere seit einigen Jahren. Seit ca. 3 Jahren fotografiere ich „ernsthafter“, zunächst habe ich mir mit der Lumix G2 die Grundlagen der Digitalfotografie beigebracht und nun fotografiere ich seit einem Jahr mit der Nikon D7000. Ich denke, ich habe meine eigene Bildsprache gefunden, auch wenn ich noch an vielen Stellen einiges zu lernen habe.

Mittlerweile habe ich mich nebengewerblich als Fotograf selbstständig gemacht und möchte einfach mal probieren, ob ich mit meinem Hobby auch ein paar Taler verdienen kann.

Auf der Suche nach Fachwissen durchforste ich nebst diversen Büchern auch regelmässig das Netz und bin so auf Deinen Blog gestoßen, den ich begeistert verfolge. Dein Buch über die Stockfotografie hat mich ebenfalls sehr begeistert, so dass ich es mir umgehend bestellt habe. Ich betreibe seit 3 Jahren einen Stockaccount bei DeviantArt, zugegebenermaßen sind dort aber viele Fotos, die ich aus heutiger Sicht nie irgendwo einreichen würde… trotzdem läuft dieser Account recht erfolgreich, so dass mir die Idee kam, besonders nachdem ich Deinen Blog und Dein Buch entdeckte, es doch auch mal auf professionellerer Ebene mit der Stockfotografie zu versuchen. Tja. Da beginnt das Problem. ich habe etliche Stunden investiert, um mittlerweile 111 Absagen und eine(!) Annahme vorweisen zu können. Das angenommene Bild empfinde ich selbst als stinklangweilig, diverse andere hingegen als ganz gut.

Gerne würde ich die Bilder im Anhang mal vom Fachmann analysieren lassen. Es ist völlig ok, wenn diese eben qualitativ oder hinsichtlich der Verkäuflichkeit nicht genügen, nur bringen mir vorgefertigte Ablehnungsmail nichts – wo genau sind die Fehlerquellen, was muss ich besser machen?

Zu meinen Erwartungen:
Ich bin in Vollzeit an anderer Stelle tätig und werde das auch nicht ändern. Wenn ich im Monat ein paar Euro dazu verdienen könnte, um mir alle paar Monate mal ein neues Objektiv bzw. Ausrüstung zuzulegen, wäre ich völlig zufrieden.

Ein paar Beispiele meiner sonstigen Bilder findest Du hier.

Ich würde mich über eine Rückmeldung sehr freuen und danke Dir für deinen Blog und dass Du Dein Wissen so vielfältig an andere weitergibst – Hut ab!

Viele Grüße,
Stephan“

Dann schauen wir uns mal an, woran es liegen könnte:

P1140113
Fangen wir mit diesem Foto einer Tasse Cappuccino an. Ich hoffe, ihr seht selbst, dass das Muster auf dem Schaum mittlerweile alles andere als appetitlich aussieht. Wer ein Foto von einer Tasse Kaffee kauft, will damit vermutlich seinen eigenen Kaffee besser verkaufen, was mit diesem Foto hier leider nicht klappen würde. Wenn Food-Fotografen sich Mühe geben, sieht der Schaum so aus*. Deutlich anders, gell? Außerdem ist mir der Hintergrund zu dunkel, unten rechts vermutlich sogar abgesoffen.

P1240567
Ich bin mir nicht sicher, was auf dem Foto zu sehen ist: Verschiedene Drinks oder Saucen auf dem Büffet? Dem Käufer wird es ähnlich gehen und er wird sich im Zweifel für ein Bild mit einer klareren Aussage entscheiden. Auf den ersten Blick sieht der Colorkey-Effekt auch hübsch aus, aber beim zweiten Blick wird sichtbar, dass vor allem an den hinteren Rändern der Gläser unsauber gearbeitet wurde. Zusätzlich ist auch hier wieder die Ecke rechts unten sehr dunkel und fast ohne Zeichnung. Warum sollte der Käufer ein Viertel „schwarzes Bild“ kaufen (vor allem, wenn sich der Preis nach Bildgröße berechnet), wenn der Fotograf das Motiv auch besser hätte komponieren können?

P1240573
Ein Büffet mit indischen Gerichten? Schon etwas besser als die ersten beiden Bilder, aber leider immer noch zu dokumentarisch. Zuerst stört mich, dass der Tisch links angeschnitten ist. Die Alu-Behälter rechts im Bild hätte ich für das Foto kurz entfernt und der Dampf oben lässt erahnen, dass der Hintergrund nachträglich schwarz gefärbt wurde. Das passt hier halbwegs, damit der Käufer oben Textfreiraum hat, aber ich habe die Bearbeitung eben erkannt, weil sie unsauber ausgeführt wurde.

_DMP1833
Stellt euch vor, ihr wollt Urlaub am Meer verkaufen: Würdet ihr dafür ein Foto verwenden, wo der Tag bald zu Ende ist (und damit eine kühlere Stimmung aufkommt), die Strandkörbe alle abgeschlossen und vom Betrachter weggewandt sind? Oder würdet ihr lieber so ein sonniges Foto* mit einem offenen, hellen Strandkorb und Schäfchenwolken wählen oder dieses mit vielen Strandkörben*? Nuff said!

_DMP5508
Dieses Foto vom welken Herbstlaub finde persönlich ganz ansprechend, aber ich bezweifle, das viele Kunden das ähnlich sehen. Zum einen gibt es viel buntere, optimistischere Bilder, um das Thema „Herbst“ zu illustrieren und gerade weil diese Jahreszeit so regelmäßig wiederkommt und uns fotogene Motive beschert, ist die Konkurrenz auf diesem Gebiet zu groß, um mit so einem Bild viel Geld verdienen zu können. Auch wieder dabei: Die dunkle, unnötige Ecke, diesmal rechts oben.

P1090447
Bei dieser trauernden Dame als Statue sehe ich mehrere Probleme. Zum einen ist da das Problem, dass die Agenturen eventuell einen Property Release verlangen würden, um auf der sicheren Seite zu sein. Ganz rechts und unten hätte ich das Bild dichter beschnitten, um die unnötigen schwarzen Linien zu vermeiden. Und auch hier ist das Bild wieder zu dunkel, vor allem über dem Kopf und im Bereich des Gesichts. Das mag künstlerisch okay und gewollt sein, Bildagenturen sehen sowas jedoch nicht gerne.

Nach den sechs Fotos zeichnen sich zwei Grundprobleme von Stephan ab: Zum einen sind die Bilder insgesamt zu dunkel, auch an Stellen und bei Motiven, wo es unnötig ist. Die Bildkäufer hingegen stehen auf helle, fröhliche Bilder. Auch die Motive oder die Bildwirkung selbst sind mir zu düster, zu depressiv, zu traurig und melancholisch. Das kann in der Emo- und Grunge-Ecke funktionieren, aber die Microstock-Welt ist das genaue Gegenteil davon.

Wie wirken die Bilder auf euch?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 39

Ich bin fest entschlossen, den Rückstand an „Pimp My Stock!„-Einsendungen aufzuarbeiten.
Deswegen geht es heute gleich weiter mit der nächsten Folge.

Michael schrieb diesmal:

„Hallo Herr Kneschke,

ich bin nun seit fast einem Jahr bei Fotolia aktiv und habe mit einer Annahmequote von vielleicht 10% etwas über 100 Bilder online. Meine Renner sind eine Dachrinne und ein Haus mit Wärmebild. […]
Auf Ihre Anregung hin wollte ich es jetzt auch bei Shutterstock versuchen und habe 10 Bilder eingereicht.
Im Anhang sind  alle zu finden. Nur die Baustelle und die Tür wurden angenommen! Was können Sie mir raten?

Meine Ausrüstung: Canon 1100D mit Tamron 18-200.

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Jäger“

Ich finde es immer etwas schwierig, Bilder zu besprechen, von denen ich schon weiß, ob sie angenommen oder abgelehnt wurden, weil es dann schnell so aussehen kann, als würde ich nur eine feststehende Meinung zu begründen versuchen, aber probieren wir es trotzdem:

2-IMG_0533
Dieses Foto der Scheinwerfer eines Oldtimers wurde wegen markenrechtlichen Bedenken abgelehnt. Das kann ich nachvollziehen, weil in der Mitte des vorderen Scheinwerfers ein Logo des Herstellers zu erkennen ist. Auch wenn mir die Komposition des Bildes – vor allem mit der unscharfen/scharfen Spiegelung des Hauses – gefällt, sind die möglichen Einsatzzwecke des Bildes begrenzt und damit auch der Nutzen als Stockfoto.

7-Oldtimer Grefrath_IMG_9967_0020
Auch hier gefällt mir die Strenge der Komposition. Ob das Design des Kühlergrills markenrechtlich geschützt ist, kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall hat es einen starken Wiedererkennungswert. Insgesamt ist mir der Anschnitt für ein Stockfoto jedoch zu eng und oben links überstrahlt das Bild auch.

15 - Monastera_IMG_3200 KopieMachen wir es hier kurz: Es ist kaum erkennbar, was auf dem Bild zu sehen sein soll, was immer ein sehr schlechtes Zeichen bei einem Stockfoto ist. Selbst wenn es um die Schatten auf der Wand gehen sollte, sind diese leider zu unscharf, um Wirkung zu erzielen. Ich habe ein ähnliches Foto* gemacht, wo die Wirkung des Schattens jedoch besser zur Geltung kommt.

Apfelblüte_IMG_1492

Dieses Foto von blühenden Apfelbäumen ist prinzipiell nicht schlecht, aber noch verbesserungsfähig. Um daraus ein gutes Stockfoto zu machen, würde ich oben rechts die ins Bild ragenden Äste retuschieren und dann das Bild vertikal spiegeln, weil der Textfreiraum (Himmel) rechts besser wirken würde. Zusätzlich würde ich die Sättigung erhöhen, etwas an der Gradiationskurve drehen, um mehr Kontrast ins Bild zu bekommen und eventuell einige Filter (Lens Flare o.ä.) ausprobieren.

Baustelle_0007

Dieses ist eins der beiden Bilder, welche bei Shutterstock angenommen wurden. Es ist kein „schönes“ Bild, aber ein „gut verkäufliches“ Bild, weil das Thema „Arbeit“ und „Baustelle“ sofort erkennbar ist.

Bild4
Wenn wir uns die „Angebot/Nachfrage“-Brille aufsetzen, ist das hier ein gelungenes Bild, weil nur wenige Fotografen auch eine Wärmebildkamera haben, mit der sie solche Thermografien erstellen können. Die Komposition des Bildes ist verbesserungswürdig (angeschnittener Schornstein, Strauch vor dem Haus, etc.) und leider sind die Auflösungen auch teuerer Infrarotkameras zu klein, um diesen Teil größer abbilden zu können. Ich hätte probiert, diesen Umstand durch einen Weichzeichnungsfilter zu kaschieren und die linke Hälfte des Bildes „normal“ und die rechts vom Wärmebild überlagern zu lassen.

Ittertal_0023
Das ist das zweite angenommene Bild. Es ist technisch in Ordnung, die Komposition okay. Nichts Überraschendes oder Weltbewegendes, aber solide aufgenommen. Diese verfallenen Fassaden gehören jedoch nicht zu den „Rennern“ in der Stockfotografie, weshalb ich dem Bild nur wenige Verkaufschancen einräume.

Kaiser-Wilhelm-Hohensyburg_IMG_6937
Diese Pferde-Statue überzeugt mich nicht, auch wenn die Perspektive interessant ist. Aber fragt euch ml selbst: Für welche Nutzungen würde sich dieses Motiv eignen? Mir fallen nur sehr wenige ein.

Nr7-IMG_5724
Diese Seile am Hafen finde ich gut gut. Das leuchtende Gelb sorgt für Aufmerksamkeit und die Seile stehen für Halt, Sicherheit und Betriebsamkeit. Der Hintergrund ist etwas unruhig und hätte mit einer offeneren Blende etwas unschärfer gemacht werden können.

Paragleiter_12-09-17_0044
Die Agenturen stehen ja auf Gegenlicht und Sillhouetten, aber leider sind solche Bilder schwer zu meistern, wenn die Agenturen gleichzeitig auf technische Perfektion bestehen. Klar ist die Sonne ausgefressen, das ist physikalisch nur logisch. Ich halte es trotzdem für ein verkäufliches Foto, weil es Freizeit und Freiheit symbolisiert. Ich würde es wieder spiegeln, damit die Blickrichtung der Person wie beim Lesen nach rechts zeigt.

Was meint ihr? Welche Tipps könnt ihr Michael geben?

* Affiliate

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 38

In – nicht ganz so – rasanter Folge kommt die nächste Folge meiner „Pimp My Stock!„-Serie.

Natalia schreibt:

„Hallo,

Danke erstmal für die Mühe deiner Webseite. Sie enthält viele Interessante Informationen und gehört zu dem professionellen Standard eines jeden Fotographen den ich kenne. Daher möchte ich mich an dich bzw. an dein Forum wenden.

Ich habe gelesen, dass es möglich ist, dass du konstruktive Kommentare zu Bildern geben kannst.

Seit ca. 10 Jahren beschäftige ich mit Fotographie und Videokunst sowie Film. Da ich schon oft in diesem Bereich als Visualartist oder Dokumentarfilmer gearbeitet habe kenne ich mich gut aus. Seit ca. einem Jahr habe ich angefangen Fotos zu sammeln bzw. zu machen um diese zukünftig bei Shutterstock hochzuladen. Ziel ist es unabhängig von Ort und Land zu werden.

Jetzt habe ich eine kleine Sammlung von Bild und Videomaterial und würde diese gerne von dir bewerten lassen. Ich benutze eine Canon 7D, eine Sony A7S und diverse manuelle Objektive (von 15-300mm).

Bis jetzt habe ich keine Fotos verkauft, da ich mich in der Vergangenheit mehr mit Videomaterial beschäftige habe.

Ich freue mich auf Kritik. Du kannst die Bilder gerne auf deinem Forum hochladen.

Viele Grüße,
Natalia C.“

Sehen wir uns ihre Bilder mal an:

_DSC0516
Glas zu fotografieren, ist keine leichte Aufgabe und deswegen immer eine gern gestellte Aufgabe in der Fotografenausbildung. Natalia meistert die Aufgabe elegant und fügt noch zwei für Stock wichtigen Konzepte hinzu: Urlaub und „geselliges Treffen“. Ersteres wird durch den überbelichteten Hintergrund mit Palmen erreicht, zweites durch die Anordnung der Gläser, wie sie an einem für eine Gruppe gedeckten Tisch üblich sind. Oben rechts ist auch viel Textfreiraum. Für mich ein gutes, verkäufliches Stockfoto.

_DSC0619

Beim zweiten Bild mit dem Kreuz ist es nicht mehr so einfach. Mir gefällt der Sonnenstrahl von oben, leider trifft er das Kreuz nicht ganz. Außerdem lenken Kreide- und andere Zeichen auf dem Kreuz ab und auch die Steintafel am Sockel füllt unnötig das Bild. Das alles ließe sich aber einfach retuschieren. Technisch ist das Bild okay und einige Verkäufe zum Thema „Religion“ sind vielleicht drin.

_DSC1810

Das nächste Bild zeigt Kürbisse auf einem Feld. Kann man machen, die Perspektive gefällt mir, der Himmel ist schön blau, leider ist der Rest vom Vordergrund schon vertrocknet. Deutlich besser verkaufen würde sich das Bild, wenn links eine Person stehen würde, welche den Kürbis erntet.

_MG_0358

Bei diesem Bild ist gut zu sehen, was ein gestelltes Foodfoto von einem „nebenbei“ aufgenommenen unterscheidet. Ich vermute stark, dass das Foto beim Buffet einer Veranstaltung entstand, wo der Fotograf logischerweise keinen Einfluss auf die Herrichtung der Speisen hat. Hier hat der Koch gespart, indem nur jeweils eine halbe Frucht auf das Dessert gesetzt wurde. Deutlich fotogener wäre die ganze Brombeere gewesen. Die rote Sauce wirkt links von der Frucht etwas überstrahlt. Wenn das Foto mit dem korrekten Namen des Desserts und mit „Catering“ etc. verschlagwortet wird, kann ich mir trotzdem einige Verkäufe vorstellen.

_MG_4501

Okay, als Berliner bin ich natürlich voreingenommen. Aber auch nüchtern betrachtet gefällt mir das Bild sehr. Der überstrapazierte Sonnenuntergang wird hier durch die Großstadt-Silhouette mit einer bekannten Sehenswürdigkeit aufgewertet. Die Komposition ist sehr gelungen mit der Sonne hinter dem Turm. Irritierend ist nur der „Schatten“ auf der Kugel vom Fernsehturm, auch wenn es physikalisch vielleicht korrekt ist. Das würde ich in Photohop retuschieren. Ein tolles Stockfoto! Die Artefakte kommen nur die die Verkleinerung und Komprimierung des Bildes für den Blog.

IMG_0059

Zum Thema Catering habe ich oben ja schon etwas gesagt, was auch hier gilt. Wer Essen in ein Glas drückt, bekommt vielleicht Bonuspunkte für Kreativität, aber Abzüge bei der Stockfoto-Tauglichkeit, denn das Gericht wirkt dadurch etwas gezwängt. Auch die Metallschraube vorne zieht zuviel Aufmerksamkeit auf sich. Paar Verkäufe könnten sich dennoch ergeben.

IMG_0199

Ein weiteres Catering-Foto? Ich bekomme langsam Hunger. Hier finde ich die Bildaufteilung besser gelungen und ich mag das bunte, quirlige Ambiente im Hintergrund. Das Thema „Catering“ und „Buffet“ kommt hier besser zur Geltung als bei den anderen Bildern und deswegen halte ich es für ein gutes Stockfoto. Die Spitze unten links würde ich jedoch noch retuschieren.

IMG_0514

Die Hände in Herzform auf dem Bauch einer Schwangeren gehören zum Standardrepertoire von Portrait- und auch Stockfotografen. Das bedeutet aber auch, dass die Konkurrenz hier sehr groß ist und das Bild aus mehreren Gründen nicht zu den Top-Motiven in diesem Bereich gehört. Die Unterhose ist nicht schön genug und lenkt mit dem Druck etwas ab und allgemein ist mir der Hintergrund zu düster, um eine verkäufliche Stimmung zu erzielen.

IMG_4674

Ich vermute, auf dem Bild ist ein Fotograf beim Berliner „Festival of Light“ zu sehen. Generell ist das gewerbliche Fotografieren bei diesem Festival kritisch, weil die Lichtinstallationen als „temporäre Kunstwerke“ gelten und damit eine schriftliche Erlaubnis erforderlich ist, um die Bilder verkaufen zu dürfen. Auf dem Basecap des Mannes ist noch ein Logo zu sehen und die Neigung des Bildes ist mir zu extrem. Ich würde es nicht anbieten.

IMG_4794

Alte Schilder auf einem Bahnhof. Das Bild gefällt mir, weil es durch die historischen Schilder das Alte mit dem Neuen in Form der neonilluminierten Stadt verbindet. Die Sprache auf den Schildern schränkt die Verwendung etwas ein und es kann auch sein, dass Property Release notwendig ist, je nachdem, wo das Foto genau aufgenommen wurde. Mir gefällt es aber und ich denke, einigen Bildkäufern ebenfalls.

Wer ebenfalls eine ehrliche Meinung und Tipps zur Verbesserung seiner Stockfotos haben will, kann hier nachlesen, wie ihr kostenlos bei der “Pimp My Stock!”-Serie mitmachen könnt.

Was meint ihr? Wie beurteilt ihr die Bilder?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 27

In der heutigen Folge von „Pimp My Stock!“ geht es um einen sehr interessanten Fall. Die eingesandten Bilder wurden von Fotolia abgelehnt, obwohl ich der Ansicht wäre, dass die Motive allesamt sehr verkäuflich wären.

Aber der Reihe nach. Johann schrieb mir:

„Hallo Robert,

Ich bin Hobbyfotograf aus Baden-Württemberg und bin ziele in der Fotografie auf Personen, Hochzeiten und Feiern. Stockfotografie war bisher noch nie ein Thema für mich, höchstens ab und zu mal ein Bildkauf für irgendwelche Flyer oder Websites.
Als ich Fotos für meine Firma (bei der ich hauptberuflich arbeite) gemacht habe, sind noch ein paar unpersönliche Fotos entstanden die mir gut gefallen und bei denen ich dachte die könnten sich gut bei Fotolia verkaufen.
Nach fast einer Woche Warten wurden diese drei Fotos mit der typischen Standardnachricht abgelehnt.
Ich dachte das du mir vielleicht erklären kannst, warum diese Bilder nicht interessant sind für Fotolia?
Mit freundlichen Grüßen,
Johann Müller“

Um welche Bilder geht es genau?

Das erste Foto zeigt einen Netzwerk-Hub in einem kleinen Rechenzentrum. Solche Fotos sind schwer zu machen, weil Rechenzentren meist gut abgesichert sind und nur wenige Leute Zugang erhalten. Optisch finde ich das Bild ebenfalls sehr ansprechend, weil die knallgelben Netzwerkkabel gut auffallen und mit den ebenfalls hellgrün, orange oder gelb leuchtenden Lämpchen harmonieren. Da der Hintergrund eher dunkel ist, heben sich die hellen Kabel gut ab und vermitteln auch ein Gefühl von Ordnung und Systematik, was bei Netzwerk-Motiven ebenfalls gefragt ist. Das zeigen auch diese ähnlichen Motive bei Fotolia, die durchweg dreistellige Verkaufszahlen vorweisen können.

Das zweite Foto zeigt wieder Netzwerkkabel, diesmal als Straß mit vielen losen Enden. Das würde ich eher zu den Konzept-Bildern einordnen, halte es aber genau deswegen für ebenfalls gut verkäuflich. Die Farbwahl passt noch immer, der dunkelblaue Hintergrund bildet (fast) einen Komplementärkontrast zu den gelben (eher ins Orangefarbene gehende) Kabeln.

Das dritte Bild zeigt tippende Hände auf einer Computer-Tastatur. Im Bild ist Platz für Text, die Marke der Tastatur ist nicht erkennbar, die Finger tippen geschäftig und decken damit lukrative Themen wie „Business“, „arbeiten“, „Internet“ etc. ab. Der Fotolia-Bestseller in diesem Bereich kommt sogar auf über 2.300 Downloads.

Warum wurden diese Bilder dann abgelehnt?

Ich habe keine Glaskugel, deswegen kann ich nur – auf meine Erfahrung gestützte – Vermutungen anstellen. Auffällig ist, dass bei allen drei Bildern eine sehr geringe Schärfentiefe benutzt wurde. Das allein mögen vor allem Fotolia und Shutterstock nicht. Eine Abhilfe wäre, lieber 1-2 Blendenstufen abzublenden statt mit Offenblende zu arbeiten. Nachträglich lässt sich das leider nicht korrigieren.

Ein anderer Grund könnte sein, dass bei solchen Fotos mit wenig Schärfentiefe das Bildrauschen stärker auffällt. Ein behutsames Entrauschen könnte hier hilfreich sein, ansonsten: Bei anderen Bildagenturen sein Glück versuchen.

Würde ich als Bildredakteur einer Agentur arbeiten, hätte ich die Bilder angenommen. Deswegen ist das wohl die erste Folge (von insgesamt immerhin schon 27), bei der ich achselzuckend zugeben muss, dass ich leider im Nachhinein keine wirklichen Verbesserungsvorschläge habe. Für den Fotografen bleibt als einzige hilfreiche Lektion: In Zukunft lieber ein paar Blendenstufen zu schließen, um die Ablehnungswahrscheinlichkeit zu minimieren.

Oder was sagt ihr? Wie schätzt ihr die Fotos ein?

Wer ebenfalls eine ehrliche Meinung und Tipps zur Verbesserung seiner Stockfotos haben will, kann hier nachlesen, wie man bei der “Pimp My Stock!”-Serie mitmachen kann.