Schlagwort-Archive: Fehler

Wie man sich als Bildagentur den Start versaut am Beispiel von Zoomyimages

Ich weiß, dass neben Fotografen, Designern und Models auch viele Bildagentur-Mitarbeiter meinen Blog lesen, deshalb heute einige Tipps, wie man eine Agentur nicht führen sollte.

Praktischerweise habe ich ein brandneues Beispiel zur Hand, die Bildagentur „Zoomyimages„.

Gegründet wurde die Agentur im Oktober 2012 von dem Manager Joey Separzadeh, CEO der Optimal Investment Group (würden sie einer Investmentfirma mit so einer Webseite ihr Geld anvertrauen?), in Los Angeles. Ende April 2013 wurde dann der Start der Bildagentur bekannt gegeben.

In den sechs Monaten dazwischen schien die Agentur an einem Deal mit der kleinen Bildagentur YAY Images gearbeitet zu haben, um deren Bilder in ihre Datenbank aufnehmen zu können. YAY bietet ihren Fotografen an, selbst zu wählen, an welche „Partner-Agenturen“ deren Bilder weitergegeben werden sollen oder nicht.

So weit, so gut. Jetzt fangen die Fehler an:

  1. Schnell meldeten sich Fotografen, die ihre Bilder bei der Agentur gefunden haben, aber keine Ahnung hatten, woher die Bilder kamen. Es stellte sich bald heraus, dass die betreffenden Fotografen zwar bei YAY Images aktiv waren, dort aber Zoomyimages nicht als Partner aktiviert hatten. Auch beim Löschungswunsch eines Fotografen wurde an YAY verwiesen, statt die Bilder einfach direkt zu löschen.
    .
  2. In meinen Augen der größte Fehler ist, dass derzeit alle Bilder auf der Webseite ohne Nennung der Urheber gezeigt werden. Nachdem viele Fotografen sich darüber in der Microstock Group beschwerten, stänkert Zoomyimages auch noch rum und meint, dass sie weder rechtlich und vertraglich verpflichtet wären, die Urheber zu nennen. Angesichts der Diskussion um „verwaiste Werke“ keine zufriedenstellende Einstellung. Ich habe sogar etwas Geld ausgegeben und testweise ein Bild gekauft, welches sehr wahrscheinlich IPTC-Daten nutzt: Auch in der gekauften Bilddatei waren keinerlei IPTC-Daten zu sehen, weder der Name des Fotografen, der Bildagentur, Bildtitel oder Keywords. [Update: Ich schrieb diesen Artikel am Dienstag, nach der Kritik implementierte die Bildagentur am Mittwoch die Anzeige des Urhebers neben den Bildern. Einen weiteren Testkauf will ich jedoch nicht machen, um zu überprüfen, ob Metadaten in den Download-Bildern enthalten sind.]
    .
  3. Eine weitere Fehlentscheidung ist meines Erachtens, dass die Agentur nur exklusive Bilder (für 40% Fotografenanteil) direkt annehmen will. Das an sich wäre nicht schlimm, das machen viele Agenturen. Aber: Wenn man zeitgleich hunderttausende nicht-exklusive Bilder aus anderen Quellen in die Agentur spült, kann man das nur als Abwertung der direkt liefernden Fotografen bezeichnen. Spätestens seit der Bilderflut aus der Agency Collection wissen vor allem exklusive iStock-Fotografen, dass ihnen damit nicht geholfen ist.
    .
  4. Lobenswert ist es, dass die Agentur versucht, ihre Preisstruktur so einfach wie möglich zu halten: Es gibt nur „royalty free„, „premium royalty free“ und „rights managed“, welche sich in der Preisstruktur ähnlich hoch wie die Premium-Bilder bewegen. Die Premium-RF und die RM-Bilder stammen anscheinend von Corbis, sind aber offensichtlich älteren Datums. Ob sich die Agentur damit bei den Bildkäufern beliebt macht, bezweifle ich. Blöd ist auch, wenn für die RM-Kollektion mit einem RF-Bild geworben wird, welches es gar nicht bei der Agentur zu kaufen gibt.

Das war’s. Und das reicht schon.

Im Grunde kann eine Bildagentur versuchen, entweder durch Masse oder Klasse zu punkten. Masse macht zum Beispiel Shutterstock, Stocksy versucht aktuell Klasse.

Aber Masse wird Zoomyimages nicht bekommen, wenn sie gleich am Anfang so ihre Fotografen verschrecken und nach Klasse sieht es auch nicht aus, wenn ungefiltert uralte Analogfotos zu „Premium-Preisen“ aufgenommen werden, nur weil ein Mitarbeiter von denen früher mal bei Corbis gearbeitet hat. Blöd ist auch, wenn der erste Kontakt zur Bildagentur über die Kritik anderer Fotografen stattfindet. Kein guter Start.

Was ich jedoch für halbwegs innovativ und nützlich halte, ist die Möglichkeit, eine Bildersuche mit einem existierenden Bild statt mit Suchbegriffen zu starten, wie es seit zwei Jahren mit der Google Bildersuche geht. Dass es so kommen wird, habe ich übrigens vor vier Jahren schon vermutet. Wenn jedoch die Platzhirsche Shutterstock, Fotolia oder iStock diese Funktion anbieten, ist auch dieser kleine Vorteil schnell wieder futsch.

Was meint ihr? Welche Fehler neuer Bildagenturen halten euch davon ab, dort anzubieten oder zu kaufen?

Welche Fehler Fotografen bei ihren Portfolios machen

Heute lehne ich mich etwas aus dem Fenster.

Ich bekomme oft Mails von anderen Fotografen oder Hobby-Fotografen, die den Sprung in die Profiliga schaffen wollen. Fast jeder von Ihnen hat eine  aufwändig gestaltete Webseite mit eigenen Fotos, welche Kunden, Bildedakteure und Models überzeugen sollen.

Dabei sehe oft die gleichen Fehler bei der Bildauswahl für das Portfolio. Egal, ob sich das Portfolio als Galerie auf einer Webseite oder gedruckt in einer Mappe befindet.

Hier kommt auch der Punkt, wo ich mich aus dem Fenster lehne: Da ich sehr selten Bildkäufer bin und auch keine Aufträge an Fotografen vergebe, steht es jedem frei, meine Tipps für die Verbesserung des eigenen Portfolios anzunehmen oder in den Wind zu schießen. Doch ich hoffe, dass meine Begründungen für sich sprechen.

Zuviele Themen im Portfolio
Häufig begehen Hobby-Fotografen diesen Fehler. Auf ihrer Webseite haben sie Galerie-Ordner zu den Themen „Natur, Autos, Portraits, Hochzeit, Tiere, Akt, Blumen, …“ Die Fotografen denken, mit vielen Themenbereichen können sie zeigen, wie vielseitig und talentiert sie sind.

Das Gegenteil ist leider der Fall: Zuviele Themen im Portfolio erzeugen ungefähr den gleichen Effekt wie die Antwort „Eigentlich alles“ auf die Frage, welche Musik man möge: Sie zeigt, dass man keine Ahnung hat. Wie auch? Für jeden Themenbereich gibt es spezielle Anforderungen und kein Art Director erwartet von einem Fotografen, alle zu beherrschen. Der Kunde möchte einen Fotografen für eine bestimmte Arbeit buchen. In der Regel wird dann jemand bevorzugt, der sich auf solche Motive spezialisiert hat. Einen „Allround-Fotografen“ sucht kaum jemand.

Dabei wäre es nur halb so schlimm, wenn der Allround-Fotograf zu jedem Thema gleich viele Bilder ähnlicher Qualität zeigen könnte, um zu beweisen, dass er wirklich alles kann. In der Praxis befinden befinden sich in jedem Ordner jedoch nur 3-4 ähnliche Bilder, nur in 1-2 der Ordner sind der Mehrzahl der Bilder zu sehen.

Deshalb: Mut zur Lücke. Erkenne Deine Stärke und konzentriere Dich darauf.

Zu ähnliche Fotos
Google hat bewiesen, dass Schlichtheit zu Erfolg führt. Das kann auch auf Portfolios übertragen werden. Da Anfänger anfangs erst wenige Fotos haben, zeigen sie paradoxerweise so viel wie möglich, um zu beweisen, dass sie ja doch schon lange fotografieren und sehr erfahren sind.

Das führt dazu, dass die Bilder sich sehr ähnlich sehen. 3x die gleiche Blume aus drei verschiedenen Blickwinkeln, 3x die gleiche Landschaft, 1x in Farbe, 1x in Sepia, 1x in Schwarzweiß. Das ist ein No-Go: Zeige niemals identische Bilder auf Deiner Webseite! Was soll ein Kunde davon haben, das gleiche Foto in Farbe und S/W zu sehen? Soll er denken: Oh, der kann aber gut Bilder in Photoshop umwandeln? Oder soll sich der Kunde selbst entscheiden, welche Variante besser passt? Das ist die Aufgabe des Fotografen. Wer sich dieses Urteilsvermögen nicht zutraut, dem werden auch Kunden nicht vertrauen. Denn Bildkompetenz ist doch der Grund, warum sie einen Fotografen bezahlen wollen, anstatt selbst die Bilder zu machen.

Sonderfall People: Zu oft die gleichen Models
Im Grunde ist dieser Tipp eine Variante des vorigen. Im Portrait-Bereich des Portfolios haben Anfänger oft nur ein oder zwei Personen, von denen sie dann zehn oder mehr Fotos zeigen. Auf den Betrachter wirkt das aber ermüdend und unbewußt leuchtet in dessen Gehirn die Frage auf: „Warum sind das so wenig Models? Ist der Fotograf zu schüchtern, um Models anzusprechen? Vergrault er die Models mit perversen Sprüchen? Hat er noch nicht oft mit Models gearbeitet?“ In allen Fällen wäre so ein Fotograf nicht der richtige für den Job, den Auftrag, die große Kampagne.

Aber was tun? Woher mehr Models zaubern? Im Grunde ist es einfach: Weitermachen! (Wem diese Antwort nicht reicht, der sei damit getröstet, dass ich gerade einen weiteren Artikel über die Arbeit mit Models schreibe.) Mit der Zeit kommen mehr Bilder, mehr Models, mehr Übung, mehr Erfahrung. Trotzdem sollten auch am Anfang 2-3 Fotos des gleichen Models im Portfolio reichen.

Auch Profis zeigen aus einem Shooting höchstens 1-3 Fotos in ihren Portfolio. Einzige Ausnahme sind thematische Fotostrecken, die eine Geschichte erzählen oder eine Serien erkennen lassen sollen und dokumentarische Arbeiten.

Zuviel Style, zuwenig Komfort
Manchmal haben Hobby-Fotografen eine schickere Web-Galerie als Profis. Nur: Oft wird vor lauter Stil der Nutzen ganz vergessen: Wenn jemand 40 Sekunden der Flash-Webseite beim Laden zusehen muss, klickt der Kunde weiter, bevor er ein Bild gesehen hat. Wenn die Navigation durch die Bilder zu umständlich oder unkomfortabel ist, erreicht der Betrachter nur selten das Ende der Galerie.

Deswegen: Immer den alten Design-Spruch „Form follows Function“ beherzigen.

Keine Kontaktdaten
Für mich unbegreiflich, aber Realität: Auf der ganzen Webseite steht nur ein offensichtlicher „Künstername“ und eine Freemail-Adresse(z.B. superknipser85@yahoo.de), aber keine weiteren Angaben zur Person. Egal, ob es wegen der Angst vor dem Finanzamt, der eifersüchtigen Freundin oder hämischen Arbeitskollegen ist: So wird Euch keiner buchen. Kunden wollen Transparenz, sie wollen sehen, mit wem sie es zu tun haben, wo die Person wohnt und sie auch telefonisch erreichen können.

Bonus
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und seine Fotografen-Webseite überarbeiten will, dem empfehle ich auch die „5 Tipps für Webseiten von Fotografen„, die ich als Gastartikel für Fotografr geschrieben habe.

Welche Tipps habt ihr für die Verbesserung von Fotografen-Portfolios? Oder andersrum: Was stört Euch am meisten, wenn ihr Portfolios durchschaut?

Rezension: „HD-Filmen mit der Spiegelreflex“ von Helmut Kraus

Kaum eine neue Kamera kommt heute ohne ene Filmfunktion aus. Auch immer mehr Bildagenturen verkaufen mittlerweile nicht nur Fotos, sondern auch Videos. Da erscheint es logisch, wenn Fotografen den Umgang mit dem Medium „Film“ lernen wollen.

Eins der Bücher, das dabei helfen soll, ist „HD-Filmen mit der Spiegelreflex„* (ISBN 978-3898646369) von Helmut Kraus. Im Klappentext wird der Autor als Leiter eines Designbüros und Autor von Fachbüchern genannt, ohne dass ich herausfinden konnte, wie viel Praxiserfahrung er hat. Vielleicht wirkt deshalb das Buch etwas oberflächlich. Alles wird kurz angerissen, wie Film- und Dateiformate, Speichermedien, Sensortypen, die Ausrüstung, mögliches Zubehör und so weiter. Der Teil „Aufnahmepraxis“ umfasst jedoch nur knapp 50 Seiten, von denen mindestens ein Drittel für Fotografen nichts Neues bieten, da sie Altbekanntes wie den Zusammenhang von Blende und Tiefenschärfe, die Auswirkung von Objektiv und Brennweite auf den Bildausschnitt etc. wiederholen.

hd-filmen-mit-der-spiegelreflex-helmut-kraus

Mitnehmen konnte ich aus dem Buch immerhin einige Details. So weiß ich jetzt, woran ich Variofokalobjektive erkenne, was ein wichtiges Kriterium für das Fokussieren beim Filmen ohne Autofokus ist. Interessant am Rande fand ich die Bemerkung, dass erst Oskar Barnacks der Fotografie zum Durchbruch als Massenmedium verhalf, indem er auf die Idee kam, den „verhältnismäßig preiswerten 35-mm-Kinofilm für Fotoapparate zu verwenden“. Gut fand ich auch die im Vergleich zum Rest detaillierten Beschreibungen von möglichen Fehlerquellen beim Filmen, wie den Rolling-Shutter-, den Blooming– und den Moiré-Effekt oder Blendenflecken, Smearing und Flackern. Hilfreich ist auch der Hinweis, dass Filmaufnahmen mit einer DSLR auf Stativ immer kleinere Dateigrößen erzeugen als das Freihand-Filmen. Das liegt an der Komprimierung der Film-Codecs, die bei identischeren Bildern effektiver arbeiten kann.

Gefehlt haben mir hingegen für meine geplante Filmpraxis elementare Dinge. Der Bereich Beleuchtung wird nur sehr grob auf einer Seite abgehandelt. Da hätte ich mir mehr Informationen über die Wirkungsweisen und Vor- und Nachteile verschiedener Beleuchtungsmittel wie Flächenleuchte, Weichstrahler, PAR oder LED-Lampen gewünscht. Glücklicherweise lese ich dazu parallel ein ausführlicheres Buch, welches ich hier auch bald rezensieren werde. Da ich im Fotobereich viel mit Freistellern arbeite, hätte ich mir ebenfalls mehr Hinweise gewünscht, wie mittels der Bluescreen-Technik (bzw. heute häufiger der Greenscreen-Variante) ein Motiv vom Hintergrund isoliert werden kann.

Insgesamt ist das Buch nur für wirkliche Anfänger hilfreich. Wer schon eine Weile fotografiert, wird die meisten der angeschnittenen Inhalte schon kennen.

* Affiliate-Link

Wie plane ich ein Foto-Shooting? Ein Praxisbeispiel

Ein Studioshooting mit einem Model ist einfach. Habe ich hundertfach gemacht. Ein Shooting vor Ort mit fünf Models ist anders. Deswegen möchte ich beschreiben, wie ich ein solches Shooting geplant habe.

Heitere Lerngruppe

1. Location
Am Anfang stand die Idee, Fotos zum Thema Bildung zu machen. In einer Universität oder einer Bibliothek vielleicht. Oder in einer Uni-Bibliothek? Da ich während meines Studiums an der FU Berlin in der Uni-Bibliothek eine Ausstellung zum Thema „Berlin“ hatte, kannte ich eine erste Ansprechpartnerin. Diese arbeitete zwar nicht mehr dort, empfahl mich jedoch ihrer Nachfolgerin. Ich erklärte ihr kurz per Email mein Anliegen und vereinbarte ein Treffen, bei dem ich ihr meine bisherigen Fotos und Veröffentlichungen zeigte, den „Property Release“ erklärte und einen Termin absprach. Es passte gut, dass bald die Semesterferien waren, denn dort ist die Bibliothek deutlich weniger besucht. Die Bibliotheksmitarbeiterin musste den Vertrag noch mit ihren Chef absprechen und gab dann grünes Licht. Hilfreich war auch, dass ich eine Berufshaftpflicht hatte, die eventuelle Schäden abdecken würde.

Hilfe am Computer

2. Recherche
Mir war außerdem klar, dass ich eine Gruppe von Models haben wollte. So würde ich viel mehr Varianten fotografieren können und die kurze Zeit in der Bibliothek besser nutzen können. Außerdem habe ich die Mitarbeiterin gefragt, welche Fotos sie sich wünschen würde. Sie klärte mich auf, dass die Bibliotheken im Zeitalter des Internets ihre Rolle weg vom „Buchlieferanten“ hin zu einer dienstleistungsorientierteren „Recherche-Quelle mit Lernmöglichkeiten“ definieren würden. Sie wollte gerne Fotos von Lerngruppen am Tisch haben, von Studenten an der Info-Theke und bei der Suche im Internet haben. Damit hatte ich auch gleich meine Trend-Recherche.

Außerdem habe ich die Begriffe „Student Universität“ bei einigen Bildagenturen eingegeben und geschaut, was für Bilder schon im Angebot waren und welche Motive sich davon am besten verkauften. ich erstellte meine Themenliste und ein Moodboard, das ist ein Blatt mit Beispielbildern, damit sich die Models (und in meinem Fall auch die Bibliotheksmitarbeiter) vorstellen können, was ich vorhabe.

Jubel in der Bibliothek

3. Models
Ich schrieb bei der Model-Kartei eine Shooting-Anfrage aus. Leider weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr, aber ich definierte auf jeden Fall die Model-Kriterien (Alter 18-28 Jahre, männlich und weiblich, gerne auch asiatische oder afrikanische Models, schönes Lachen), erklärte die geplante Nutzung der Fotos, verlinkte meinen Vertrag und erwähnte die Bezahlung. Für ca. 3-4 Stunden habe ich 60 Euro pro Model plus die fertigen Bilder auf CD gezahlt, bei fünf Leuten insgesamt 300 Euro.

Es meldeten sich knapp 30 Models, nur wenige Männer, fast nur Frauen, teilweise deutlich über 35, wo ich mich gefragt habe, ob sie auch gelesen haben, dass sie als „Studierende“ durchgehen sollten. Im Zuge des Bologna-Prozesses werden die Studienzeiten ja eher kürzer als länger. Ich richtete in meinem Email-Account einen eigenen Ordner für die Bewerbungen ein. Die beiden Männer waren schnell ausgesucht, bei den Frauen war es schwieriger. Ich wollte sowohl eine gute Mischung an Haarfarben (blond, brünett, schwarzhaarig) als auch interkulturell. Im Zuge des „Castings“ stellte sich heraus, dass eine Frau die Partnerin von einem der männlichen Models war. Das war ein guter Vorteil, weil ich mir sicher sein konnte, dass zumindest bei einem Teil der Models „die Chemie stimmen“ würde.

Ich entschied mich für fünf statt wie anfangs geplant für vier Models, da die Absage-Quote der Model-Kartei relativ hoch ist und ich einen Ausfall von ein bis zwei Models einplanen müsste. Bei vier Models hätte es dadurch passieren können, dass nur zwei erscheinen würden. Das wäre für eine Gruppe zu wenig. Außerdem achtete ich bei den Models darauf, dass sie einige Referenzen vorweisen konnten und schon viele Shootings und gute Shootingbewertungen hatten. Das alles ist keine Garantie für gute Models, zeugt aber von Ehrgeiz und zum Teil auch von Zuverlässigkeit. Ich legte einen Tag fest, an dem alle Models Zeit hatten und schickte den Models vorab eine Liste mit gewünschter Kleidung, die Motivliste, das Moodboard, den Model-Vertrag und unseren Treffpunkt.

Gemeinsam lernen

4. Requisiten
Am Tag vor dem Shooting galt es für mich noch Vorbereitungen zu treffen. Ich traf mich mit einem Bibliotheks-Mitarbeiter, bei dem ich schon einen Teil meiner Ausrüstung lagerte (nicht die teuren, aber die sperrigen Sachen). Er stellte mich den Angestellten vor, die am nächsten Tag im Lesesaal Dienst haben würden und ich erklärte noch mal mein Vorhaben und versprach, so leise und so wenig störend wie möglich zu sein. Außerdem ging ich mit der Kamera umher, um Plätze innerhalb des Lesesaals und Archivs zu finden, die am fotogensten sind. Diese Stunde war eine lohnende Investition, da ich einige Blickwinkel entdeckte, die mir am hektischen Shooting-Tag vielleicht entgangen wären.

Außerdem nahm ich mir die Zeit, die anderen Besucher der Bibliothek zu beobachten, vor allem jene, die dort lernten. Was hatten sie bei sich? Laptop, Schreibblock, einige Stifte, paar Bücher daneben gestapelt. Also packte ich mir Schreibblöcke, Stifte und mein Laptop ein, Bücher gab es ja genug vor Ort. Eins der Models bat ich auch, ihr neues Netbook mitzubringen. Das wäre etwas, was auf älteren Bibliotheksfotos fehlt und meine Fotos davon abheben würde. Am Computer druckte ich alle benötigen Model-Verträge noch mal aus (wie erwartet hatten einige Models ihren Vertrag vergessen) und einen großen Zettel mit der Aufschrift „Aufgrund eines Fotoshootings kann es heute in der Bibliothek vorübergehend zu einigen Beeinträchtigungen kommen. Wir bitten um ihr Verständnis. Vielen Dank.“). Den klebte ich vor dem Shooting an den Eingang der Bibliothek.

Warteschlange

5. Shooting
Der große Tag war da. Ein Shooting in dieser Größenordnung – neue Location mit Publikumsverkehr und fünf mir unbekannten Models – hatte ich noch nie umgesetzt. Rekord war bisher fünf Models im Studio oder drei Models in neuer Location. Als ich zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt vor der Bibliothek ankam, waren schon zwei der fünf Models anwesend. Die Uhrzeit war 8:30 Uhr, eine halbe Stunde vor Öffnung des Lesesaals. Kurz darauf kamen zwei weitere Models. Während wir auf das letzte Model warteten, ließ ich mir die mitgebrachte Kleidung zeigen und wählte für jede Person etwas aus, was halbwegs mit der Kleidung der anderen harmonieren würde. Dazu bestimmte ich ein zweites Outfit, in das die Models während einer Pause wechseln sollten. Die Models schminkten sich in der Toilette und schlossen ihre Sachen in die Schließfächer.

Ich schraubte einen Aufsteckblitz auf ein Stativ (ähnlich wie hier beschrieben, nur mit Durchlichtschirm statt Mini-Softbox) und verband das Ganze mit Pocket Wizards mit meiner Kamera. Der Blitz kam in die Nähe der Models, auf die andere Seite stellte ich einen California Sunbounce Pro als Diffusor auf. Wem der zu teuer ist, findet hier übrigens einen günstige Bastel-Anleitung. Nach kurzer Licht-Einstellung fotografierte ich die geplanten Motive der Shooting-Liste zügig ab. Als Objektiv nutzte ich abwechselnd das 85mm f1.2 und das 50mm f1.8 bei ca. Blende 2.2 bis 2.8. Das war schon sehr gering von der Schärfentiefe, ging aber nicht anders, da ich die ganze Halle nicht mit Blitzen ausgeleuchtet bekommen hätte und sie nicht im Dunkeln verschwinden lassen wollte.

Beim Fotografieren achtete ich darauf, dass ich abwechselnd verschiedene Konstellationen der Models hatte (einzeln, Paare, Dreier-Gruppen, alle). Nach ca. zwei Stunde ließ ich zwei Models eine Pause machen, fotografierte die anderen und so weiter, bis alle eine Pause hatten. Während der Pause sollten die Models auch in das zweite vorher bestimmte Outfit wechseln, damit sie nicht auf allen Bildern die gleiche Kleidung tragen. Am Ende des Shootings unterschrieben wir die Verträge, ich machte je ein Foto von den Models mit ihrem Personalausweis und zahlte das Geld gegen eine Quittung aus. Außerdem hatte ich spontan die Idee, auf dem Rückweg zur U-Bahn im daneben gelegenen Park einige Gruppen-Fotos im Park zu machen. Alle Models stimmten zu und es sind zusätzlich zu den Bildungsfotos einige nette Fun-Fotos entstanden.

Gemeinsame Umarmung

6. Nachbearbeitung
Das größte Problem bei der Retusche waren trotz geringer Tiefenschärfe einige Buchrücken, die ich in Fleißarbeit wegstempeln musste. Aufgrund der ähnlichen Motive konnte ich einen großen Grundwortschatz für alle Bilder übernehmen und musste vor allem bei den Personenbeschreibungen je nach Anzahl, Geschlecht etc. Anpassungen vornehmen. Inklusive Pausen und Vertragsunterzeichnung (immerhin insgesamt 20 Blatt Papier: 2x Vertrag und 2x Quittung x 5 Models) haben wir ca. vier Stunden fotografiert und ich habe an dem Tag 100 Fotos erhalten. Die fertigen Fotos schickte ich jedem Model auf CD mit 1-2 Abzügen in einer schönen Präsentationsmappe. Auch die Universitätsmitarbeiterin bekam eine solche CD und ein Dankesschreiben per Mail.

Die Annahmequote bei den Microstock-Bildagenturen betrug zwischen 83% und 100%, durchschnittlich ca. 94%. Mir war klar, bei welchen 5-10 Fotos die meisten Ablehnungen erfolgen würden. Da werde ich nächstes Mal strenger bei der Auswahl sein müssen. Bei über der Hälfte der Bildagenturen waren die Bilder noch nicht online, da haben die anderen Bildagenturen innerhalb der ersten Woche mindestens die Kosten für ein Model wieder eingespielt. Ich bin zuversichtlich, dass sich das Shooting bald rentiert haben wird.

Hände fassen sich an

7. Aus Fehlern lernen
Einige großartige Motive konnte ich nicht gebrauchen, weil sie schlicht zu verwackelt waren. Bei Belichtungszeiten zwischen 1/30 und 1/80 hätte ich auf jeden Fall mein Einbeinstativ mitnehmen müssen. Das hatte ich in Köln gelassen, weil es mir neben der Kameraausrüstung, zwei Lichtstativen und dem riesigen Reflektor zu viel war. Ein deutlicher Fehler. Ein weiterer Fehler war, dass ich die ganze Zeit mit ISO 100 fotografierte. Einige der verwackelten Bilder wären sicher zu retten gewesen, wenn ich auf ISO 200 gegangen wäre. Selbst wenn meine Belichtungszeiten kurz genug gewesen wären, hätte ich etwas mehr Tiefenschärfe erhalten und einige Ablehnungen wegen zu geringer Schärfe vermieden.

Lerngruppe im Archiv

Was war Euer aufwändigstes Shooting bisher? Und was habt ihr daraus lernen können?

Blogparade: Vermeidbare Fehler beim Fotografieren

… und was ich daraus gelernt habe.

Auf Fotografr läuft gerade eine Blogparade, in der Fotografen von einigen Fehlern berichten. Daran kann ich mich leider ebenfalls beteiligen.

Vor einer Weile hatte ich ein Shooting, bei der mein Model unter anderem ein blaues Hemd trug. Leider haben wir beide während des Shootings nicht gemerkt, dass ein Hemdknopf offen war. Auch während der vier Tage Bildbearbeitung, die ich mit den Fotos verbrachte, fiel mir das nicht ins Auge.

Erst nachdem alle Fotos an die Agenturen geliefert waren, machte mich das Model und unabhängig davon ein Leser meines Blogs darauf aufmerksam.

Das war sehr ärgerlich, da ich mir ansonsten nach jedem Kleidungswechsel Zeit nehme, ein Testfoto in der 100%-Ansicht auf dem Kameradisplay anzuschauen, bevor ich richtig loslege. Einmal vergessen und gleich zusammengerechnet zig fehlende Knöpfe auf den Bildern.