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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 46

Heute gibt es wieder eine Folge von „Pimp My Stock„. Hier können mir Leser ihre Fotos schicken, welche ich dann auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Diesmal schrieb mir Constantin folgende Mail:

„Hallo Robert,

schon vor längerer Zeit bin ich auf der Recherche über Stockfotografie auf deine Seite und das interessante Format „Pimp my stock“ gestoßen. Da ich mich kürzlich auch entschlossen habe, meine Fotos bei Stock Agenturen einzureichen um die Gesamtkosten des Hobbys Fotografie ein wenig zu senken möchte ich nun auch 10 Bilder einreichen, mit der Bitte um ehrliche Kritik.

Ich fotografiere seit knapp einem Jahr mit mehr Einsatz und Leidenschaft. Seit diesem Zeitpunkt habe ich auch ein zumindest semiprofessionelles Equipment. Es besteht aus einer Sony a6000, zwei Autofokus Objektiven und ein paar finanziell begründeten Altglasexperimenten mit Adapter.

Fotografisch bin ich momentan „Allrounder“ oder etwas nüchterner betrachtet am Ausprobieren, wo sich mein Schwerpunkt finden wird. Die Fotos sind demnach auch im Urlaub entstanden, wobei ich nicht speziell Motive für die Stock-Fotografie gesucht habe.

Interessieren würde mich vor allem, ob Bilder in dieser Art, die quasi „ganz nebenbei“ entstehen, überhaupt für die Stock-Fotografie geeignet sind, oder ob der Markt derart übersättigt ist, dass man sich schon ein wenig mehr auf den späteren Verwendungszweck als Stock-Foto konzentrieren muss.

Die Bilder sind zu 90% in Lightroom/Capture One und vereinzelt in Photoshop nachbearbeitet.

Herzlichen Dank,
Constantin“

Werfen wir einen Blick auf seine Bilder:

20150825-0096Das erste Bild zeigt eine Katze. Schwieriges Thema. Katzen als eine der beliebtesten Haustiere sind ein sehr gern und häufig fotografiertes Sujet. Das Angebot übersteigt hier deutlich die Nachfrage. Die Katze wirkt auf mich jedoch etwas „struppig“ und vom Umfeld wirkt es mehr wie die Aufnahme einer „Straßenkatze“. Mit den passenden Keywords ist hier vielleicht noch etwas zu holen. Die beiden Getreidehülsen am unteren Ende der Katze würde ich noch retuschieren.

20150826-0010Das zweite Bild zeigt eine Tafel mit einer Inschrift. Das Foto selbst ist von der Perspektive und Komposition nicht umwerfend und es bedarf schon einer genauen Erklärung des Fotos im Titel und bei der Verschlagwortung, um einen Verwendungszweck für das Bild finden zu können.

20150826-0192Eine rote Rose vor einem alten Gebäude. Ebenfalls schwierig. Falls der Käufer das Bild wegen der Rose finden sollte, gäbe es genug weitaus bessere rote Rosen mit neutraleren Hintergründen, die sich besser zum Thema Liebe oder Valentinstag eignen. Sollte sich der Käufer jedoch für das Gebäude dahinter interessieren, gibt es sicher andere Motive, wo das Haus scharf abgebildet und vollständig zu sehen ist.

20150826-0229Das nächste Bild zeigt eine bemalte Decke mit einer Art Lampe, vermute ich mal. Gefällt mir generell, gute Bildaufteilung sowie grafisch interessant. Hier muss nur beachtet werden, wie alt das Design ist, damit es nicht eventuell geschützt ist und ob vielleicht ein Property Release benötigt wird, weil die Location durch das Muster leicht erkennbar ist.

20150826-0241Das gleiche gilt für das Foto der Couch: Inhaltlich und von der Komposition her ist es ein anständiges Stockfoto mit einigen möglichen Verwendungszwecken, jedoch stellt sich hier ebenfalls die Frage nach der Notwendigkeit einer Eigentumsfreigabe.

20150827-0453Dieses Foto der alten Säulen hat auf den ersten Blick einen deutlichen Farbstich durch den inkorrekten Weißabgleich, außerdem fressen unten die Lichter an den Säulen aus. Ich weiß, dass sich solche Szenen nur schwer anders fotografieren lassen, aber das interessiert leider die meisten Bildredakteure nicht. Außerdem hier ebenfalls wieder die Frage, ob nicht sogar ein Property Release benötigt wird.

20150827-0511Das Bild zeigt an altes Fahrrad an einer Hauswand. Hier sollte zuerst die Schrift auf dem Fahrrad (am Kettenschutz) retuschiert werden sowie das Schild rechts oben im Fenster. Einige Bildredakteure könnten sich je nach Tagesform vielleicht auch am Graffito stören. Ansonsten aber eine nette Detailaufnahme, die einige Käufer finden könnte. Da beide Reifen aber platt sind, eignet es sich nicht für Konzepte wie „Sport“ oder „Fitness“ sondern es muss bei der Verschlagwortung eher in Richtung „Reparatur“, „Alter“ oder „Pech“ gedacht werden.

20150829-0580Eine schöne Aufnahme, die für die Tourismusbranche sicher interessant sein kann. Dafür würde ich jedoch noch etwas mehr Arbeit in den Himmel stecken, damit dieser nicht so blass aussieht. Außerdem muss zumindest der große „Bersaadet“-Schriftzug rechts retuschiert werden, weil es sonst garantiert abgelehnt wird.

20150831-0725Das Foto zeigt eine Stadtaufnahme von oben. Mit der korrekten Verschlagwortung der Stadt und Region ist es ein sehr gutes Stockfoto, was zugleich schlicht und grafisch interessant ist sowie die architektonische Struktur der Stadt gut visuell darstellen.

20150831-0832Das letzte Foto zeigt eine Landschaft. Technisch habe ich an dem Foto nichts zu beanstanden, wobei hier mit etwas Geschick aus einem RAW sicher noch mehr „Pepp“ hinsichtlich Sättigung, Kontrast und Dynamikumfang herausgeholt werden könnte, um einen besseren Microstock-Look zu erhalten. Absolut notwendig ist wieder die passende Verschlagwortung mit dem korrekten Aufnahmeort.

Insgesamt zeigt die heutige Serie wieder, dass es schwierig ist, existierende „Archivaufnahmen“ aus dem Urlaub als Stockfotos zu verkaufen, weil viele Aspekte wie Textfreiraum, Verwendungsmöglichkeiten oder rechtliche Besonderheiten nicht genügend berücksichtigt wurden. Da das fotografische Können und der Blick eine gute Bildkomposition jedoch vorhanden zu sein scheint, sehe ich bei Constantin Potential, mit etwas Übung und Training auch verkäufliche Bilder sehen zu können.

Wie schätzt ihr die Bilder ein?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 29

Langsam stauen sich die Einsendungen für neue „Pimp My Stock“-Folgen von mehreren Monaten in meinem Posteingang, deshalb gibt es wieder eine. Benni hat ganz tapfer über ein Jahr warten müssen, aber ich hoffe, dass ich bald wieder weniger im Verzug bin. Hier seine Mail:

„Hi Robert,

ich würde gerne deine „Pimp My Stock Beratung“ in Anspruch nehmen :). Meine Name ist Benni (bestgrafix) und ich komme aus dem schönen Berlin. Ich fotografiere jetzt seit ca. 2002, hatte damals allerdings nur mit einer Kompaktkamera fotografiert. Aber irgendwann war mir die Qualität zu schlecht und es musste eine DSLR her.

Ich bin dann vor drei bis vier Jahren in die DSLR-Klasse gewechselt. Mit der K100D hat alles angefangen. Ich hatte fast alles, was Pentax so anzubieten hatte. Bis vor einem Jahr hatte ich meine Fotos noch mit einer Pentax K5 gemacht, allerdings war ich auch von den Kinderkrankheiten mit dem AF betroffen und ich bin dann schließlich bei Sony gelandet und erfreue ich mich an der kleinen NEX 5N und Sony Alpha A65.

Nun aber zu meinem eigentlichen Thema:)
Vor ca. zwei Wochen kam ich zufällig auf das Thema Stockfotografie, da mich eine Freundin darauf aufmerksam gemacht hatte. Ihr Bekannter verkauft fleißig Fotos bei Fotolia und verdient sich damit etwas nebenbei, durch die Recherche zur Stockfotografie bin ich dann auch auf deinen Blog gestoßen und fand diesen sehr informativ.

Jetzt wollte ich auch mal mein Glück versuchen. Ich bin mein Archiv von diesem Jahr durchgegangen und habe auch ca. 150 Fotos gefunden, die sich bestimmt verkaufen ließen. Diese habe ich noch etwas in Lightroom nachbearbeitet (Kontraste, Schärfen, Entrauschen) und hochgeladen. Das mit dem taggen hab ich aber total unterschätzt und das hat mich letztendlich drei Abende gekostet. (Ich habe meine Fotos bisher nur nach Jahr und Titel in Ordner sortiert.)

Nun nach knapp einer Woche sind die Genehmigungen durch und es wurden ca 98% der Fotos aufgrund von technischen Mängeln abgelehnt, das war natürlich ernüchternd und ganz schön demotivierend, aber ich will ja noch nicht aufgeben.

Ich möchte damit natürlich nicht mein Lebensunterhalt verdienen, da ich ja noch Vollzeit arbeite, aber ein kleiner Zuverdienst wäre schon toll.

Ich habe früher mal in der Spielebranche gearbeitet und da benötigt man ja immer Texturen, von daher könnte ich mir auch sowas vorstellen, die Frage ist nur, ob sich sowas bei Fotolia verkauft und wie diese am besten aufbereitet werden sollen. Schon gekachelt und freigestellt? Als PNG mit Alphamaske? Teuer wird man diese sicher auch nicht verkaufen können.

Für ein paar Tipps wäre ich dir äußerst dankbar. Sollte ich die Fotos vielleicht doch noch woanders verkaufen ?

Grüße,
Benni“

Bevor ich mich seinen Fragen am Ende der Mail widme, ein Satz vorweg und dann schauen wir uns seine Bilder an:

Es ist typisch, dass sich Anfänger, wenn sie auf das Phänomen Stockfotografie stoßen, zuerst ihren Berg alter Aufnahmen durchforsten, ob sich davon etwas verkaufen ließe. Das führt jedoch oft zu Frustrationen, weil diese Bilder eben nicht mit dem Käufer im Hinterkopf gemacht wurden und deshalb meist weniger geeignet sind als Aufnahmen, die speziell für Bildagenturen erstellt wurden. Deshalb: Wer frisch in die Agenturfotografie einsteigen will, sollte auch mit neuen Bildern beginnen und nicht alte Kamellen aufwärmen.

Nun aber zu Bennis Bildern:

Das erste Foto zeigt den Lenker mit Korb von einem Hollandrad. Das Bild gefällt mir gut, aber allein wegen des Logos am Rahmen des Fahrrads musste es abgelehnt werden. Ich würde auch im Hintergrund links diesen dunklen „Fleck“ entfernen, weil der unnötige Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Anbieten würde sich das Gegenlicht auch, um eine menschliche Silhouette einzubauen, die zum Beispiel jubelnd in die Luft springt oder einfach entspannt die Arme ausstreckt.

Das nächste Bild zeigt eine Tasse Tee mit Teebeutel oben drauf. Hier stört hauptsächlich, dass das Foto schwarz/weiß ist, denn es passt nicht zur warmen Stimmung, die ein Teefoto meist erzeugen soll. Durch die mit der Untertasse geschlossene Tasse wirkt das Bild auch nicht einladend, um das Gefühl zu erzeugen, gleich selbst den Teebeutel in das heiße Wasser tauchen zu können.

Das Foto zeigt Wasser in einem Springbrunnen. Hier wirkt das Bild zu unruhig, die Wassersäulen links sind zu dominant und insgesamt zeigt das Bild einfach keinen „Klischee-Brunnen“, mit dem man das Thema „Brunnen“ illustrieren wollen würde.

Hmm, lecker! Das war mein erster Gedanke beim Anblick der vielen Desserts auf einem Buffet oder einem Catering und genau diesen Eindruck müssen gute, verkäufliche Food-Fotos erzeugen. Insofern ein gelungenes Foto für Bildagenturen. Leider ist unten am Tischrand deutliche chromatische Aberration erkennbar, die retuschiert werden müsste. Auch der kleine Blätterzipfel der Physalis unten rechts könnte retuschiert werden. Bei dem Motiv würde sich der Aufwand aber lohnen.

Das nächste Food-Foto vom Rührei mit Speck ist leider nicht mehr so gelungen. Deutlich ist zu sehen, dass das einfach eine Mahlzeit im Restaurant oder Hotel ist, die vor dem Verzehr fotografiert wurde und wo nicht auf das „Drumherum“ geachtet wurde. Es stören die rote Tasse mit ihrer dominanten Farbe im Hintergrund, die einzelne Traube lenkt ab, der ausgedrückte Teebeutel sieht nicht fotogen aus und der Zuckerstreuer passt nicht bei diesem herzhaften Gericht. Wenn wir uns das alles wegdenken und gedanklich etwas grünen Schnittlauch oder Petersilie auf dem Rührei drapieren, wäre es ein gutes Stockfoto. Kein sehr gutes, aber akzeptabel. So könnte das Ergebnis* dann aussehen…

Auf diesem Bild sind gerollte Servietten zu sehen, wie sie bei Veranstaltungen genutzt werden. Das Foto würde sich gut als Symbolfoto für Catering-Firmen, Restaurants oder Hotels eignen. Ich hätte jedoch etwas mehr Schärfentiefe verwendet und eine Perspektive gewählt, bei der rechts oben nicht so viel grün erkennbar ist. Außerdem gilt es auch hier wieder, auf eventuelle chromatische Aberrationen beim Glas zu achten. Ansonsten aber ein ganz brauchbares Stockfoto.

Dieses Foto zeigt auf den ersten Blick einen idyllischen Bootssteg und vom Motiv her ist es ein gutes Stockfoto. Ich würde jedoch die Sättigung etwas raufdrehen, die Schatten mehr aufhellen , mehr Zeichnung in den Himmel bringen (Fake-HDR). Die chromatischen Aberrationen oben an den Baumgipfeln müssen ebenfalls entfernt werden.

Das Strandfoto mit Palmen ist wieder zu unruhig. Außerdem ist die Form der Palmen nicht typisch genug und die weißen Kästen unter den Palmen irritieren. Eventuell könnte das Foto mit einem quadratischen Beschnitt gerettet werden, bei dem das Meer in der Bildmitte liegen würde.

Bilder in einer Disko oder anderen dunklen Umgebung sind immer eine Herausforderung. Hier ist leider nichts richtig scharf (die Diskokugel hätte sich angeboten) und somit wird das Foto kaum durch eine Bildredaktion kommen. Das Motiv ist zwar nicht aufregend, aber ich könnte mir dennoch einige Verkäufe zum Thema Veranstaltungstechnik  etc. vorstellen.

Insgesamt ist die Bildqualität (bis auf die chromatische Aberration) schon sehr gut, der fotografische Blick ist da, jetzt muss er nur noch mit den „Gestaltungsregeln für Stockfotos“ (siehe das Kapitel 4 in meinem Buch „Stockfotografie“*) trainiert werden.

Zu den Fragen der Mail: Ja, Texturen sind sehr gefragt und verkaufen sich auch gut, jedoch ist die Konkurrenz in diesem Bereich sehr hoch. Wer kachelbare (seamless) Texturen anbieten kann, hat einen kleinen Vorteil. Zu Exklusivität bei einer Bildagentur würde ich auch nicht mehr raten, wie ich erst kürzlich hier dargelegt habe.

Wer selbst Fotos für eine „Pimp My Stock!“-Folge einreichen will, findet hier alle Teilnahmebedingungen.

Was sagt ihr zu den Fotos? Stimmt ihr mit meiner Einschätzung überein?

* Affiliate