Schlagwort-Archive: Exklusivität

Für iStock-Exklusives: DeepMeta-Export mit dem Stock Photo Manager

In letzter Zeit gab es viele Gründe für exklusive iStock-Fotografen, über ein Ende der Exklusivität nachzudenken.

Im April wurde ein neues Abo-Modell eingeführt und im September wurde die komplette Preisstruktur über den Haufen geworfen.

Ich kenne einige Fotografen, die in den letzten Monaten den Schritt in die Nicht-Exklusivität gewagt haben. Die Fotografen Michael Zwahlen und Sean Locke haben ihre Erfahrungen gut zusammengefasst.

In Gesprächen mit exklusiven iStockern tauchten immer wieder zwei Hürden auf, um zu anderen Agenturen zu wechseln.

Zum einen dachten viele Fotografen, dass alle Agenturen genauso komplizierte und komplexe Upload-Systeme wie iStock haben, was das Beliefern von vier bis acht Agenturen zu einem zeitraubenden Alptraum machen würde. Das Gegenteil ist der Fall: iStock hat mit Abstand das umständlichste System und ehemals exklusive iStock-Fotografen werden in der Regel positiv überrascht sein, wie leicht das Hochladen von Bildern woanders ist.

Zum anderen haben damals viele exklusive iStock-Fotografen nicht das IPTC-Metadaten-System für ihre Suchbegriffe, Bildbeschreibungen und Titel genutzt, sondern stattdessen direkt bei iStock oder dem Tool DeepMeta verschlagwortet. Das rächt sich, wenn man andere Agenturen beliefern will, weil die Daten alle neu eingegeben werden müssen.

Der Programmierer und Fotograf Frank Merfort hat jedoch lange gearbeitet, um endlich eine Lösung für das zweite Problem zu finden.

Seine Stockfoto-Verwaltung-Software Stock Photo Manager kann jetzt seit der neusten Version (1.5.0) alle wichtigen Informationen aus DeepMeta auslesen und auch in den IPTC-Daten abspeichern. Der Stock Photo Manager läuft auf Windows, Mac und Linux.

stock-photo-manager-screenshot1_large

Auch wer bisher direkt auf der Webseite von iStock verschlagwortet hat, kann seine Metadaten exportieren. Dafür muss DeepMeta installiert werden, die Daten von iStock zu DeepMeta importiert werden und von da dann zum Stock Photo Manager.

Der Stock Photo Manager kann aber noch viel mehr: Sie erlaubt den Upload an viele verschiedene Agenturen, vielfältige Verschlagwortungsmöglichkeiten (unter anderem mehrsprachig), Model-Release-Verwaltung, Statistiken und vieles mehr. Für bis zu 200 Bilder und bis zu 3 Agenturen ist das Tool kostenlos, darüber hinaus muss eine Lizenz erworben werden, die sich für professionelle Fotografen allein durch die Zeitersparnis leicht rechnen sollte.

Frank hat mir zusagt, dass er in Kürze eine detaillierte Anleitung veröffentlichen wird, wie der Import von DeepMeta funktioniert, das werde ich dann nachreichen.

Kann ich nicht-exklusiv gleich viel Geld verdienen wie ein exklusiver iStock-Fotograf? (Gastartikel)

Vor paar Wochen hat der Hobby-Fotograf Michael Zwahlen in seinem Blog diesen englischen Artikel über die Exklusivität bei iStock veröffentlicht. Auf meinen Wunsch war Michael so freundlich, den Text etwas auszubauen und ins Deutsche zu übersetzen. Los geht’s, ab jetzt schreibt Michael:

Ich habe vor 15 Monaten den für mich grossen Schritt gewagt, nach sechs Jahren meine Exklusivität bei iStockphoto zu kündigen. Da ich stets aktives Mitglied der Community bei iStock war, werde ich seitdem regelmäßig gefragt, welche Erfahrungen ich seitdem gemacht habe.

Michael Zwahlen - Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy
Michael Zwahlen – Selbstportrait zum Verkauf über Stocksy

Eine der häufigsten Fragen ist natürlich: Kann ich als Nicht-Exklusiver ähnlich viel Geld verdienen wie als Exklusiver?

Meine einfache Antwort: Ja. Zumindest ist mir das sehr schnell gelungen. Die etwas kompliziertere Antwort: Es kommt darauf an.

Meine persönliche Vorgeschichte

Als ehemaliger Software-Entwickler und Projektleiter habe ich die Fotografie für mich Ende der 1990er Jahre eher aus dem Interesse an Kameras als „Gadgets“ entdeckt: Meine erste Digitalkamera war eine Olympus mit VGA-Auflösung, als 640×480 Pixel (0,3 Megapixel!). Die Bildqualität war im wahrsten Sinne be“rauschend“. Ende 2001 habe ich mir eine Sony F505V zugelegt, die mit einem fest eingebauten Zeiss-Objektiv und 2,6 Megapixel schon brauchbare Bilder produzierte.

Gleichzeitig entstanden die ersten Online-Dienste, über die „jedermann“ seine Fotos zur Lizenzierung anbieten konnte. Da ich damals in der Schweiz wohnte, las ich über die Gründung von ImagePoint, bewarb mich und wurde akzeptiert. Ich wusste jedoch wenig über Fotografie, bekam wenig Bilder akzeptiert, freute mich aber über zwei oder drei Verkäufe pro Jahr.

Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint
Der erste Bildverkauf 2002 von Michael Zwahlen bei ImagePoint

Bis Anfang 2007 wurde Fotografie dann zu meinem Lieblings-Hobby, und ich begann zu recherchieren, ob ich damit nicht zumindest genug Geld verdienen könnte, um ab und zu eine neue Kamera oder eine Reise zu finanzieren. Ich entdeckte Microstock, wurde bei iStockphoto im 2. Versuch akzeptiert und bei Shutterstock abgelehnt. Ich konzentrierte mich also zunächst auf iStock und lernte schnell und viel aus der damals sehr aktiven und unterstützenden Community.

Die nächsten sechs Jahre habe ich mich dann für die Exklusivität entschieden und halte die Entscheidung auch bis heute für richtig. Als Hobby-Fotograf habe ich dort mit relativ wenig Bildern und wenig administrativem Aufwand gutes Geld verdient. Bis im Herbst 2011. Damals hat iStock seine Suche umgestellt, als Ergebnis brachen die Umsätze meiner Bestseller und damit mein ganzer Umsatz innerhalb von drei Monaten um über 50% ein.

Ende 2012 habe ich mich zur Kündigung meiner Exklusivität entschieden. Damals habe ich noch mit einer Partnerin zusammen gearbeitet, und wir haben mein (kleineres) Portfolio als Testprojekt für die Nicht-Exklusivität genutzt. Seit Mitte 2013 arbeite ich Vollzeit daran, mein Portfolio auszubauen und von der Stock-Fotografie zu leben.

Die ersten Erfahrungen

Der Schritt in die Nicht-Exklusivität bedeutet zunächst, dass man sein gesamtes bestehendes Portfolio zunächst „wiederfinden“, zusammenstellen und eventuell überarbeiten muss. Als iStock-Exklusiver ist die Motivation nicht sehr groß, die Metadaten bereits in Lightroom oder Photoshop zu verwalten, da man anschließend sowieso die Arbeit erneut mit Hilfe des „Kontrollierten Vokabulars“ von iStock machen muss. Zwar hatte ich bereits in knapp der Hälfte meiner Bilder die Metadaten eingetragen, bei mehr als 500 Bildern musste ich das jedoch noch nachholen.

Zudem musste ich von teilweise vier oder fünf Jahre alten Bildern die Model Releases zusammensuchen. Zum Glück war ich in dieser Hinsicht auch gut genug organisiert, dass mir dies in kurzer Zeit gelang. Ich stellte jedoch fest, dass ich einen Teil meines Portofolios nicht anderweitig verwenden konnte: Bilder, die ich auf „Minilypses“ oder „iStockalypses“ geschossen habe, den von iStock organisierten und mitfinanzierten Gruppen-Shootings. Diese Bilder sind auch für Nicht-Exklusive vertraglich an iStock gebunden. Da ich diese Events gerne besuchte, habe ich nach wie vor einige hundert Fotos exklusiv bei iStock, erhalte jedoch die nicht-exklusive Bezahlung hierfür. Auch hatte ich für einige Shootings Model Releases mit dem deutschsprachigen Vordruck von iStock verwendet. Als iStock-Exklusiver natürlich kein Problem, aber so manche Agentur will einen nicht-englischen Vertrag mit einem fremden Firmenlogo einfach nicht akzeptieren.

Da man nach der Kündigung der Exklusivität noch 30 Tage warten muss, hatte ich jedoch ausreichend Zeit, um etwa 500 meiner 1.800 Bilder vorzubereiten und hatte diese praktisch sofort nach Auslaufen dieser Wartezeit bei Shutterstock, Fotolia, Depositphotos, 123RF, CanStockphotos und GL Stock online. Innerhalb von drei Monaten waren es dann über 1.000 Bilder bei neun Agenturen.

Wie sich die Einnahmen entwickelten

Wer die Exklusivität bei iStock aufgibt, sieht sich unmittelbar mit zwei Faktoren konfrontiert: Erstens sinkt der prozentuale Anteil an den Einnahmen, in meinem Fall von 30% auf 17%. Hinzu kommt jedoch auch, dass die Bilder günstiger angeboten werden. Ich hatte nur wenige Bilder in Vetta, aber meine Exklusive+ Bilder haben regelmäßig Erträge von $10 bis $20 erzielt. Als exklusiver iStock-Fotograf ist man eigentlich kein echter Microstocker mehr, denn viele Bilder werden eher zu Midstock-Preisen von $50 oder $200 angeboten.
Anfang 2013 hatte ich hier in der Regel nur noch halb so hohe Preise, inzwischen werden nach einer Preissenkung Mitte 2013 sogar für nur noch 1-7 Credits angeboten. Der Einbruch bei den Einnahmen bei iStock betrug insgesamt also etwa 75-80%.

Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf...
Übliche Verkaufspreise bei iStock als exklusiver Fotograf…

Trotzdem hat es in meinem Fall nur wenige Monate gedauert, bis ich wieder ungefähr gleich hohe Einnahmen erzielte wie in meinem letzten Jahr als exklusiver iStocker: Shutterstock hat hier den größten Teil übernommen, aber auch bei Fotolia konnte ich schnell auf regelmäßige Einnahmen zählen. Überraschend schnell und gut sind auch meine Einnahmen aus dem Partner-Programm von iStock gestiegen. Als Exklusiver hatte ich noch die Option, den Großteil meines Portfolios aus dem Vertrieb über Thinkstock und photos.com auszuschliessen, als Nicht-Exklusiver kommen heute etwa die Hälfte meiner iStock-Einnahmen aus dem Partner-Programm.

...und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.
…und hier danach als nichtexklusiver Fotograf.

Im April 2013 – also nach nur drei Monaten – konnte ich wieder ähnliche Einnahmen erzielen wie im Vorjahresmonat. Seit Juni 2013 habe ich bis auf eine Ausnahme jeden Monat im Jahresvergleich mehr Lizenzeinnahmen erzielt. Im Jahr 2014 habe ich bisher jeweils rund 50% mehr Umsatz erzielt als in meinem letzten Jahr als iStock-Exklusiver. Für mich persönlich ist die Entscheidung zur Unabhängigkeit also voll aufgegangen, und zwar schneller als erwartet.

Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock
Übliche Verkaufserlöse bei Shutterstock

Lassen sich diese Erfahrungen auf andere übertragen?

Hier kann man Zweifel anmelden: Zum einen bin ich kein überragender Fotograf. Ich habe keinerlei formale Ausbildung, keine anderen Erfahrungen im grafischen Bereich. Etablierte und erfahrene Fotografen haben möglicherweise eine deutlich höhere Qualität. Mir sind die geringeren Qualitätsanforderungen (vor allem in Bezug auf die Bildästhetik) der Microstock-Agenturen also entgegen gekommen. In Bezug auf Bildrauschen oder Artefakte zahlen sich die Erfahrungen mit den (früheren) harten Inspektionen bei iStock aus: Meine Akzeptanzquote liegt bei den meisten Agenturen bei deutlich über 90%.

Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen
Portfolio-Zuwachs bei den verschiedenen Bildagenturen

Ich habe jedoch stets gesagt, dass meine Bilder sich vermutlich eher im billigen Bereich verkaufen. Mit den ständigen Preiserhöhungen bei iStockphoto wurde es zwar vielen professionellen Fotografen ermöglicht, aufwändigere Shootings zu finanzieren, meine Bilder konnten sich bei den höheren Preisen aber nicht gut behaupten. Ich war von wenigen Ausnahmebildern abhängig.

Zudem hatte ich nur wenige Bilder in den Top-Kollektionen Vetta und The Agency Collection, mit denen sich hohe Lizenzeinnahmen sowohl bei iStock selbst als auch über die Getty-Seite erzielen ließen. Meine Einnahmen aus der Partnerschaft mit Getty betrugen weniger als 5%, daher habe ich hier praktisch keine Verluste gehabt. Andere iStock-Fotografen erzielen teilweise bis zu 20% ihrer Lizenzeinnahmen über die Getty-Seite und weitere 20% aus den höherpreisigen Kollektionen. Diese Bilder werden bei einer Vermarktung über Shutterstock & Co ziemlich sicher keine ähnlichen Umsätze erzielen.

Auch hatte ich das Glück, als einer der Gründungs-Fotografen bei Stocksy United bereits von Anfang an auch eine Agentur zu haben, bei der ich „künstlerisch höherwertige“ Bilder platzieren konnte, die sich zahlenmäßig eher selten verkaufen, bei denen der Kunde aber zumeist auch kein Problem damit hat, $50 oder $100 für eine Lizenz zu bezahlen. Mit Westend61 habe ich außerdem eine Macrostock-Agentur gefunden, die einen Teil meiner Bilder über ihre Vertriebskanäle vermarktet. Schließlich habe ich einige Bilder über die (inzwischen nicht mehr existierende) Getty-Flickr-Kollektion vertrieben.

Natürlich gibt es einen weiteren Faktor: Das Arbeitsvolumen. Ich kann heute nicht ausschließen, dass ich mit vergleichbar viel Arbeit auch als iStock-Exklusiver wieder deutlich mehr verdienen würde als zuletzt in 2012. Hatte ich zum Ende meiner Exklusivität rund 1.800 Bilder in meinem Portfolio, sind es heute bereits deutlich über 3.000.

Meine persönlichen Schlussfolgerungen

Ich glaube, mit dem wachsenden Volumen an Bildern in Microstock wird es schwieriger, sich ausschließlich und mit allen Bildern in diesem Markt zu positionieren. Ausgewählte Bilder sollten zu höheren Preisen angeboten werden. Für 2014 erwarte ich, dass ich in diesem Bereich rund 10% meiner Lizenzeinnahmen erziele. Mittelfristig ist es mein Ziel, rund 20% meiner Bilder über höherpreisige Agenturen anzubieten und entsprechend hohe Einnahmen in diesem Bereich zu generieren.

All dies muss man sich jedoch erarbeiten, wenn man die Exklusivität bei iStockphoto aufgibt. Die Idee, alle Bilder einfach bei Shutterstock und Fotolia hochzuladen, halte ich für zu riskant. Hier gehen viele – auch gute – Bilder einfach in der Masse unter. Die Nicht-Exklusivität sollte ja gerade den Vorteil bieten, dass man für sich und seine Bilder alle Kanäle und alle Marktsegmente beliefern kann. Diesen Vorteil muss man nutzen.

Für mich der wesentliche Vorteil nach der Exklusvität war jedoch einerseits ein großer Motivationsschub und andererseits die unerwarteten Möglichkeiten: Als Exklusiver ist man den Änderungen bei einer einzigen Agentur ausgeliefert. Zwar kann man iStock und Getty nicht für alle Entwicklungen des Marktes verantwortlich machen, aber einige Probleme waren und sind hausgemacht. Das kann stark belasten, wenn man von den Einnahmen dort abhängig ist. Wie bei mir gesehen, kann eine Änderung im Suchalgorithmus sehr kurzfristig zu einem Einbruch der Einnahmen führen.

Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen
Verteilung der Einnahmen auf die verschiedenen Bildagenturen

Zwar lese ich heute auch noch aufmerksam alle Änderungen bei den verschiedenen Agenturen. Aber ich bin nicht mehr abhängig davon, bei jeder Änderung auf der Seite der Gewinner zu sein. Falls eine Agentur heute ihre Suchergebnisse ändert, betrifft dies immer nur einen Teil meiner Einnahmen. Ich kann mich allgemeinen Markttrends zwar nicht entziehen, aber zumindest gleichen sich Schwankungen leichter aus.

Schließlich eröffnen sich teilweise Möglichkeiten, die man als iStock-Exklusiver nie auch nur in Erwägung gezogen hätte. Rund 20% meiner Einnahmen heute erziele ich ausserhalb der Stock-Fotografie. Das hätte ich zwar auch als iStock-Exklusiver machen können, jedoch hat man dort verständlicherweise einen sehr eingeschränkten Blick.

Insgesamt bin ich mit meiner persönlichen Entwicklung sehr zufrieden, auch wenn ich insgesamt noch zu wenig Geld verdiene. Neben der finanziellen Situation hat sich vor allem auch meine Perspektive auf die Fotografie geändert: Wenn man ausschließlich für iStock produziert, schränkt man sich fotografisch oftmals stark ein – man macht einfach das, wovon man bereits weiß, dass es akzeptiert wird und sich verkauft. Heute kann ich viel mehr Risiken eingehen, auch mal ungewöhnliche Motive oder eine neue Bearbeitungstechnik auszuprobieren. Zwar erhalte ich dann auch öfter Ablehnungen bei einer Agentur, kann es dann aber auch bei einer zweiten oder dritten probieren.

Meine Zahlen deuten darauf hin, dass ich im Herbst an meine besten Monate aus den Jahren 2010 und 2011 anknüpfen kann. Und ich bin überzeugt, dass ich 2015 neue Rekordeinnahmen vermelden kann. Daher kann ich voller Überzeugung sagen, dass ich den Schritt in die Nicht-Exklusivität in den letzten 15 Monaten nicht ein einziges Mal bereut habe.

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht?

Rückblick auf die Microstock Expo 2013

Die meisten Teilnehmer sind schon abgereist und ich bin noch dabei, meine neu getauschten Visitenkarten zu sortieren und meine Notizen durchzugehen. Die Rede ist von der MicrostockExpo, die letztes Wochenende zum zweiten Mal in Berlin stattfand.

Was waren die Themen, welche die Teilnehmer bewegt haben? Worüber wurde geredet? Und damit meine ich nicht nur vorne auf der Bühne, sondern vor allem unter den Fotografen, Bildagenturen und Journalisten?

Für mich haben sich vier Themen rauskristallisiert, um die sich ganz viele Gespräche gedreht haben.

  1. Authentizität:
    Das Schlagwort der gesamten Konferenz war sicher „Authentizität“. Keine Agentur auf der Bühne kam um dieses Wort herum, wenn es darum ging, die von ihnen gesuchten Bilder zu beschreiben. Immer hieß es so oder ähnlich: „Wir brauchen authentische, echte Bilder, direkt aus dem Leben gegriffen, einzigartige Momente mit Seele und Gefühl“ und so weiter. Aber schön und verkäuflich sollen sie natürlich weiterhin sein. Ein Teilnehmer sagte sinngemäß: „Die Macrostock-Kunden haben endlich Microstock entdeckt und erwarten jetzt dort auch die von ihnen gewohnte Macrostock-Bildsprache„. Der Erfolg von Stocksy ist vielleicht ein Indikator dafür.
    .
  2. Footage:
    Wie ihr vielleicht wisst, biete ich seit über vier Jahren neben Fotos auch Videos zum Verkauf an. In dieser Hinsicht konnte ich durch die Teilnahme am Pond5-Workshop mit Simon Krzic und einer Video-Portfolio-Review mit Simon und Robb Crocker viel lernen. Die beiden haben geduldig viele meiner bisherigen Videos angesehen und mir dann wirklich hilfreiche Tipps gegeben, wie ich diese mit einfachen Mitteln verbessern kann. Ich hätte sogar die Möglichkeit gehabt, mit einer RED-Kamera Videos zu machen, aber davon habe ich lieber Abstand genommen, um nicht in die Versuchung zu kommen, mir so ein sündhaft teures Teil kaufen zu wollen. Mir hat schon das riesige Rig um meine mickrige 5D Mark III (siehe Foto oben) den Mund wässrig genug gemacht.
    .
  3. Neue Vertriebskanäle und Einnahmequellen:
    Es wurden einige spannende neue Vertriebskanäle und Einnahmequellen vorgestellt. Bei den meisten davon bin ich skeptisch bis sehr skeptisch, aber allein die geballte Häufung der neuen Angebote zeigt mir, dass sich der Markt immer noch mindestens genauso schnell dreht wie vor fünf Jahren. Zu den Neuerungen gehören zum Beispiel Canva, welche eine Art Online-Bildbearbeitungsprogramm mit integrierter Bilddatenbank anbieten. Bezahlt wird nur bei Veröffentlichung eines Werkes, welche dann ein US-Dollar kosten soll, die Fotografen erhalten 35%. Über die vielfältigen Apps für den mobilen Bilderverkauf habe ich ja schon hier berichtet. Meine Skepsis ist aber kaum geringer geworden, vor allem nach dem sinngemäßen Satz des Scoopshot-Gründers Petri Rahja: „Paar Fotografen [bei Scopshot] verdienen etwas Geld, der Rest verdient Anerkennung„. Neu ist auch der Versuch der russischen Pressfoto Group, ein Streaming-Angebot für Stockfotos einzurichten. Statt Downloads bekommen die Kunden dann HTML-Code, den sie an passender Stelle einbauen sollen, abgerechnet werden sollen die benutzten Bilder per TKP (Tausender-Kontakt-Preis). Darüber werde ich bald in einem eigenen Blogbeitrag berichten.
    .
  4. Exklusivität:
    Viel geredet wurde auch über Yuri Arcurs‘ Entscheidung, exklusiv zu Getty Images zu wechseln. Auch Andres Rodriguez wechselte komplett zu Getty Images. Meine Vermutung letzte Woche, dass er seine nicht-exklusiven Bilder bei den anderen Agenturen belassen würde, was also nicht richtig. Besonders brisant war das Thema, weil auch Cathy Yeulet von Monkey Business Images auf der Bühne in einem Nebensatz erwähnt hatte, dass sie immer mehr Druck spürt, exklusiv zu werden und sich auf meine Nachfrage nach Details plötzlich sehr zugeknöpft gab. Auch der exklusive iStock-Anbieter Joshua Hodge nannte auf der Bühne seine aktuellen Produktionszahlen, die aber nicht mit seinem Portofolio übereinstimmten. Warum da eine große Differenz bestünde, darüber dürfe er ebenfalls nicht reden. Es scheint also was im Busch zu sein, ob gut oder schlecht oder einfach egal, das wird sich noch zeigen müssen.

Sehr schön und lehrreich war es auch, viele der bekannten Microstock-Namen aus Blogs oder Fotografen, von denen ich sonst nur deren Portfolios kannte, wie XtravaganT, Lev Dolgachov oder Sebastian Kaulitzki, persönlich zu treffen und ihre Meinungen und Erfahrungen zu hören.

Wer nicht teilnehmen konnte, wird in paar Wochen die Möglichkeit bekommen, die Videomitschnitte der gesamten Veranstaltung zu kaufen. Mehr dazu dann hier.

Geplant ist die MicrostockExpo auch wieder für 2014, wahrscheinlich dann an einem anderen Ort, vielleicht dann auch (wieder) mit euch.

Exklusivität – Eine aussterbende Praxis im Microstock-Bereich

Ich gebe zu, die Überschrift ist gewagt. Gibt es doch einige Fotografen, die zum Beispiel exklusiv bei iStock oder Fotolia sind, aber trotzdem gutes Geld verdienen.

Trotzdem glaube ich, dass diese Art der Geschäftsbeziehung zwischen Fotografen und Microstock-Bildagenturen auf dem absteigenden Ast ist. Vor ca. zwei Jahren hatte ich hier im Blog die Vorteile und die Nachteile von Exklusivität aufgelistet. Mittlerweile hat sich der Markt geändert und ich würde die Gewichtung anders verteilen. Zugunsten der Nachteile. Warum?

Machen wir einen Schritt zurück: Wir reden hier von „Fotografenexklusivität„, nicht von „Bildexklusivität„. Bei der Fotografenexklusivität verpflichtet sich der Fotograf in der Regel, sein gesamtes RF-Bildmaterial nur der einen Bildagentur zukommen zu lassen. Bei der Bildexklusivität kann der Fotograf diese Entscheidung pro Bild treffen.

Logischerweise lohnt sich eine Exklusivität nur bei Agenturen, die genug Umsätze erzielen. In der Praxis sind das hauptsächlich iStock und Fotolia, unter Umständen vielleicht noch Dreamstime.

Aber sowohl iStock als auch Fotolia haben im letzten Jahr einige Änderungen auf der Webseite gemacht, die sich negativ für deren exklusive Fotografen ausgewirkt haben. Was haben die Agenturen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – getan? iStock hat zum Beispiel einerseits die kleinen Icons an den Bildern entfernt, mit denen Käufer auf den ersten Blick erkennen konnten, dass ein Foto exklusiv war. Jetzt steht nur noch auf der Detailseite, dass ein Foto dort exklusiv erhältlich ist, was de facto jedoch nicht immer stimmt, wie das Beispiel Yuri Arcurs auch nach über sechs Monaten „Exklusivität“ zeigt. Sein Bild „Geschäftsleute mit Fragezeichen„, was bei iStock als „Only from iStock“ markiert ist, wird weiter hier oder hier oder hier günstiger angeboten.

Darüber hinaus schwächte iStock ihre Definition von Exklusivität, indem sie von „Fotografen“ auf „Bilder“ umstellten: Früher bedeutete die Krone bei iStock: „Images from this photographer are only available on iStockphoto“, heute heißt es nur „These icons highlight files created by iStock exclusive artists. This means they can only be found on iStock and select Getty Images partner sites.“

Außerdem hob iStock das Upload-Limit für nicht-exklusive Fotografen auf, was einen der bisherigen Vorteile für Exklusivität – die Möglichkeit, deutlich mehr Bilder pro Woche hochladen zu dürfen – nichtig macht. Diese und andere Faktoren scheinen dazu zu führen, dass exklusive iStock-Fotografen teilweise starke Umsatzeinbußen haben. Michael Zwahlen hat nach dem Ende seiner iStock-Exklusivität vor zehn Monaten im Oktober erstmals sogar mehr verdient als in einem Monat der letzten zwei Jahre.

Doch lassen wir mal iStock in Ruhe und schauen uns Fotolia an.

Dort gab es meines Wissens noch nie ein Abzeichen, Symbol oder gar einen Suchfilter, mit dem exklusive Dateien vom Käufer erkannt werden konnten. Eine der Legitimationen für höhere Preise, die exklusive Fotografen dort verlangen dürfen, wird dem Käufer demnach nicht vermittelt. Zudem wurden im Juli die Möglichkeiten der automatischen Preisreduzierung erhöht, was bedeutet, dass exklusive Fotografen prozentual stärker von niedrigeren Preisen betroffen sind als nichtexklusive Fotografen. Auch wurde im September den Fotografen die Möglichkeit genommen, exklusive Fotos aus dem Abo-Programm auszuschließen. Auch scheinen exklusive Fotografen bei Fotolia von der Suchumstellung im April 2013 stärker betroffen zu sein als nichtexklusive Fotografen, wenn man den Kommentaren hier im Blog Glauben schenkt.

Da sich die Agenturen bei solchen Entscheidungen nur ungern in die Karten schauen lassen, kann nur vermutet werden, aus welchen Gründen die oben genannten Änderungen umgesetzt wurden.

Wenn wir uns aber die Nachteile der Exklusivität aus Sicht der Bildagenturen und Käufer anschauen, wird klar, warum Exklusivität nicht mehr so stark propagiert wird wie noch vor fünf, sechs Jahren.

Auf der Hand liegt, dass Agenturen exklusiven Fotografen mehr Prozente zahlen müssen als nichtexklusiven Fotografen. Da exklusive Fotografen nicht nach Qualität ausgesucht werden, bedeutet das auch, dass die exklusiven Fotos nicht automatisch besser sind. Und selbst wenn exklusive Fotos super sind, gibt es genügend nichtexklusive Fotografen, welche die gleichen oder sehr ähnlichen Motive woanders anbieten. Einem grünen Apfel vor weißem Hintergrund sieht man nicht an, ob er exklusiv ist oder nicht. Dafür dann je nach Agentur als Kunde doppelt so viel bezahlen zu müssen, sehen wenige Käufer ein.

Agenturen wie Shutterstock, die ausschließlich nichtexklusiv arbeiten, scheinen trotzdem – oder gerade deswegen – steigende Umsätze zu erzielen. In diesem Blogpost erklärt der Shutterstock-CEO Jon Oringer auch, warum aus seiner Sicht Exklusivität für RF-Fotos nichts bringt: „Exklusivität bedeutet nicht, dass ein Bild weniger genutzt wurde, es bringt dem Käufer also keinen Vorteil.“

Die meisten professionellen Fotografen, also die, welche regelmäßig viele gute, verkäufliche Bilder liefern, sind in der Regel nichtexklusiv, weil sie nicht von einer Agentur mit stark schwankenden Algorithmen abhängig sein wollen. Eine Ausnahme bildet da iStock, wobei sie in der Vergangenheit auch einige ihrer Top-Exklusiven verloren oder gefeuert haben (siehe Sean Locke). Notfalls bedienen sich exklusive Fotografen gerne eines – eigentlich nicht erlaubten – Tricks: Wer exklusiv bei einer Agentur ist, lässt einfach seine Frau, sein Kind, seine Oma oder ein anderes Familienmitglied unter dessen Namen Konten bei anderen Bildagenturen eröffnen und kommt so in den Genuss der Vorteile beider Welten.

Wie passt aber meine pessimistische Analyse zur Exklusivität mit der Entscheidung des Top-Fotografen Yuri Arcurs zusammen, exklusiv zu iStock zu gehen? Auch vom kaum minder guten Fotografen Andres Rodriguez wurde erst kürzlich ein neues exklusives Portfolio bei iStock gesichtet. Spricht das nicht für Exklusivität? Im Gegenteil. Yuri Arcurs hat sich mit seinem eigenen Bildershop peopleimages.com die Möglichkeit offen behalten, seine Fotos auch „woanders“ zu verkaufen (oder zumindest iStock dazu gebracht, die Definition von „Partnerseiten“ sehr stark zu dehnen).

Auch Andres Rodriguez scheint einen Deal zu haben, der es ihm erlaubt, parallel auch nicht-exklusiv seine Bilder hier und bei anderen Bildagenturen zu verkaufen. Solche „Deals“ benachteiligen logischerweise die exklusiven Fotografen, welche nicht die Verhandlungsmacht haben, sich solche Vorteile zu sichern. Ein Grund mehr gegen die Exklusivität.

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen?

Top-Microstock-Fotograf Yuri Arcurs wird exklusiver Getty Images-Fotograf

Ein Gerücht machte Samstagmorgen die Runde: Der berühmteste Microstock-Fotograf der Welt, Yuri Arcurs, wird exklusiver Fotograf bei iStockphoto. Auslöser war die kleine goldene Krone, welche auf seiner Profilseite zu sehen ist und das Symbol für Exklusivität ist. Dazu kommt, dass alle seine Bilder bei Shutterstock verschwunden sind.

Nachdem in der Microstockgroup danach die Spekulationen anfingen, bestätigte Yuri Arcurs die Tatsache mit diesen Worten:

„Hi Guys.
We have found a good distribution partner (Getty Images) for the kind of content we produce. We will be removing all images from microstock doing the next few weeks. Microstock, especially subscription sites, are not suited for the kind of high production cost images we produce.
Best Yuri“

Die Reaktionen auf diese Ankündigung fallen sehr gemischt aus: Einige rufen das Ende von Microstock aus, andere vermuten finanzielle Motive hinter der Entscheidung und der Fotograf David Clark verglich diese Aktion mit „dem Buchen eines Erste-Klasse-Tickets auf der bereits sinkenden Titanic„.

Zur Zeit gibt es nur das obige Zitat als Aussage, aber einige Dinge lassen sich aus Erfahrung vermuten:

Die eigene Verkaufseite peopleimages.com von Yuri Arcurs, die seit ziemlich genau einem Jahr online ist, hatte nach fünf Monaten zwar nach Aussagen Yuris fünfstellige Umsätze, aber erzielte bei weitem noch keinen Gewinn. Außerdem hatte Yuri ebenfalls nach eigenen Aussagen geplant, weitere Fotografen über seine Webseite verkaufen zu lassen, also quasi eine eigene Bildagentur zu gründen. Das wäre für iStockphoto und Getty Images sicher gefährlich gewesen, weil Yuri Arcus bestimmt in der Lage gewesen wäre, viele talentierte Fotografen auf seine Seite zu ziehen, vielleicht sogar mehr, als es Stocksy jetzt schon mit Sean Locke, Rob Sylvan und vielen anderen geschafft hat. Vielleicht wollte Getty Images das wortwörtlich um jeden Preis verhindern.

Das zweite Thema, was sich in der Diskussion zur Ankündung herauskristallisiert hat, sind die „zu hohen Produktionskosten„, von denen Yuri spricht. Das ist vielleicht ein Fehler, dem Yuri (und andere große Bildfabriken wie CandyBox, Monkeybusiness oder Africa Studio) aufgesessen sind. Man braucht keine Hasselblad und Profoto Equipment, um für Microstock-Agenturen zu produzieren. Ein großes Team hilft, große Mengen in kurzer Zeit zu produzieren, aber oft kannibalisiert man sich damit eher selbst als andere, weil man zwangsläufig mehr Bilder hat, die durch die schiere Menge in den Suchalgorithmen der Bildagenturen hinten runter fallen. Durch eine eigene Bildagentur (Serverkosten, Service-Personal), ein großes Studio und viele Mitarbeiter gibt es hohe Deckungskosten, die ein einzelner Fotograf nicht hat. Konkret hat Yuri anscheinend über 100 Mitarbeiter und er braucht ca. 30 Monate, bis sich eines seiner Shootings durchschnittlich wieder rentiert. Das ist (zu?) viel.

Der dritte Punkt ist, die Sache als ein spannendes Live-Experiment zu sehen: Wird es Yuri Arcurs tatsächlich gelingen, seine Bilder aus den garantiert über 50 (vermutlich eher über 200) Bildagenturen weltweit zu löschen? Ich bezweifle das, aber das führt zum vierten Punkt:

Sind einige Exklusivfotografen gleicher als gleich? Normalerweise bedeutet „Exklusivität“ bei iStockphoto Fotografenexklusivität. Der Fotograf darf also keine anderen Bilder bei anderen RF-Agenturen verkaufen. Blend Images ist aber zum Beispiel eine Bildagentur, die es geschafft hat, diesen „Exklusivstatus“ bei iStockphoto zu erhalten und trotzdem unter eigenem Namen Bilder bei Fotolia, Shutterstock und so weiter verkaufen darf. Es wird vermutet, dass auch Yuri Arcurs eine nach ihm benannte „Getty-Kollektion“ beliefern könnte und damit das enge Exklusivität-Korsett lockert. Warum sollte er auch seine millionenteure Verkaufsseite nach einem Jahr wieder dichtmachen? Dass Yuri im obigen Zitat von Getty statt von iStockphoto spricht, deutet in diese Richtung.

Generell halte ich es für jemanden, der ausschließlich von dem Verkauf seiner Bilder lebt, weiterhin für sehr riskant, seine Bilder nur exklusiv anzubieten. Aber Yuri Arcurs ist kein träumender Künstler, sondern ein Geschäftsmann, der hart kalkulieren und verhandeln kann und vermutlich aus seiner Sicht gute Gründe für diesen Schritt hat. Deswegen wird es interessant sein zu beobachten, wie sich diese Sache entwickelt.

Wie sieht ihr das? Was könnten Gründe für seine Entscheidung sein?