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Das Sterben der kleinen Bildagenturen wird weitergehen

Zum Jahresanfang habe ich mich hingesetzt und meine Zahlen etwas ausführlicher analysiert.

Diesmal ging es vor allem um die Performance der vielen kleinen Bildagenturen, die ich parallel zu den „Big Playern“ im Microstock-Business beliefere. Gibt es eine Veränderung bei den kleinen Agenturen? Ins Positive oder Negative?

Dazu habe ich die umfangreiche Liste meiner eigenen Umsatzzahlen zur Hilfe genommen.

Meine Liste umfasst aktuell 37 Agenturen, die ich im Laufe der Jahre beliefert habe. Dazu zählen auch zwei Agenturen, die ich doppelt mit unterschiedlichem Material zu verschiedenen Preispunkten (Micro/Macro) beliefert habe bzw. hatte sowie mein mittlerweile aufgegebener eigener Bildershop. Außerdem sind da noch einige Agenturen enthalten, welche schon längst nicht mehr auf dem Markt sind, zum Beispiel StockXpert, Polylooks oder Fotocent.

Weggelassen habe ich außerdem Agenturen, welche ich nur mit Videos beliefere (z.B. Pond5, Revostock oder Clipcanvas) sowie Agenturen, welche ich erst seit weniger als fünf Jahren beliefere (z.B. Canva, Mostphotos oder Alamy).

Übrig geblieben ist eine Liste mit 20 Agenturen. Ich habe lange überlegt, ob ich konkrete Namen oder Zahlen nenne, aber mich aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Die Motivation, meine Umsatzzahlen nicht mehr zu nennen, habe ich hier dargelegt und da die Kurven einiger Agenturen nicht zu positiv aussehen, möchte ich nicht noch mal einen Rechtsstreit vom Zaun brechen.

Ich finde jedoch, dass die Diagramme trotzdem eine gewisse Aussagekraft haben.

Wichtig war mir, langfristige Trends zu erkennen, ohne von saisonalen Ausreißern wie dem Weihnachtsgeschäft oder der Sommerflaute abgelenkt zu werden. Deswegen habe ich von jeder Agentur den Monatsumsatz als Jahresmittelwert genommen, also wie viel Geld ich bei dieser Agentur über das Jahr gerechnet (und durch zwölf geteilt) eingenommen habe.

Insgesamt sieht das dann so aus:

jahresschnitt-alle-agenturenDas Pareto-Prinzip ist hier sofort erkennbar. Zwei der zwanzig Agenturen liefern den größten Teil meiner Umsätze. Da es ohnehin kein großes Geheimnis ist, kann ich die beiden Namen auch nennen: Fotolia* (grün) und Shutterstock* (lila). Leider verzerren die beiden Ausreißer nach oben die Aussagekraft, weshalb ich die beiden Agenturen in der folgenden Grafik weggelassen habe:

jahresschnitt-ohne-ft-shsSchon besser. Die restlichen 18 Agenturen sind fast alle als Linie zu erkennen. Die beiden Ausreißer nach oben diesmal sind Dreamstime* (türkis) und 123rf* (gelb).

Wenn wir diese weglassen, verteilen sich die restlichen 16 Agenturen so:

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Endlich kommt Licht in das, was auf der ersten Grafik noch wie ein dicker bunter Strang aussah. Gut zu erkennen ist, dass fast alle der 16 Agenturen mühsam vor sich hin vegetieren oder ganz klar jedes Jahr weniger Umsatz für mich erwirtschaften. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Die hellgraue Linie (wurde vor einigen Jahren von einer großen Agentur aufgekauft) sowie die orangene Linie, die sich mühsam auf den dritten (bzw. insgesamt siebten Platz) hochgearbeitet hat. Auch diese Agentur gehört einer anderen großen Agentur.

Fairerweise muss ich an dieser Stelle einwerfen, dass ich bei einigen dieser Agenturen das Hochladen von Bildern schon eine Weile eingestellt habe, weil der zeitliche Aufwand größer war als der Umsatz auf dieser Seite. Eine gleichbleibende Portfolio-Größe wird in der Microstock-Branche oft als Faktor für einen langfristigen Umsatzrückgang gewertet, weil die Bilder „veralten“ und irgendwann weniger gekauft werden.

Wenn ich diese neun Agenturen ebenfalls entferne, bleiben sieben Agenturen übrig und das Diagramm sieht so aus:

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Egal welche der letzten beiden Grafiken ich mir ansehe, sie sehen beide traurig aus. Vor allem, wenn man im Hinterkopf hat, dass sich bei jeder dieser 7 Agenturen mein Bildbestand mindestens verdoppelt, in einigen Fällen sogar mehr als verzehnfacht hat. Wer als Agentur mit einem zehnfachen Bildbestand trotzdem fünf Jahre lang umsatzmäßig stagniert, wird auch in Zukunft keine rosigen Zeiten erwarten können.

Eine der neun nicht mehr belieferten Agenturen, die österreichische Agentur Waldhäusl, hat im April 2014 den Betrieb einstellen müssen und eine andere Agentur dieser neun wurde ebenfalls 2014 von einer anderen Bildagentur aufgekauft und geschlossen. Vor wenigen Wochen wurde bekannt gegeben, dass eine der restlichen sieben Agenturen in den kommenden Monaten das gleiche Schicksal ereilen wird.

Was sagt mir das?

Für mich sind die Zeichen eindeutig: Die kleinen Bildagenturen sterben weg!

Die vier großen Agenturen haben alle über 30 Millionen Bilder im Portfolio, die weiteren Agenturen mit einem positiven Trend haben alle eine andere große Agentur im Rücken. Der Rest erwirtschaftet nur niedrige drei- oder sogar nur zweistellige Beträge im Monat mit meinen teils über 10.000 Fotos. Da ich weiß, dass ich damit in der Regel zu den oberen 10% der Bildlieferanten gehöre, kann ich über den Daumen gepeilt vermuten, dass die Gesamtumsätze der jeweiligen Bildagenturen bescheiden sind. Da wundere ich mich manchmal, wie die Agenturen teilweise zwei Geschäftsführer oder Eigentümer bezahlen können.

Teilweise finde ich die mäßige Performance schade, weil ich weiß, wie viel Herzblut die Agenturinhaber in ihre Agenturen stecken. Nüchtern betrachtet erleichtert es mir aber meine Arbeit, meine Bilder nicht mehr bei 15 oder 20 Agenturen zu streuen, sondern sich auf die zehn umsatzstärksten zu konzentrieren.

Ich vermute stark, dann in diesem und dem nächsten Jahr noch einige der Agenturen aus den letzten beiden Grafiken den Betrieb einstellen werden oder von anderen Agenturen übernommen werden. Erst gestern kam zum Beispiel die Info rein, dass Mauritius Images, vormals eine der großen deutschen Agenturen, vom in der Szene eher unbekannten Stefan Ploghaus aufgekauft wurde.

Zwar habe ich in der Vergangenheit viel Zeit (und damit auch Geld) in den Aufbau meines Portfolios bei kleinen Agenturen gesteckt, aber mittlerweile ist es mir lieber, wenn weniger Agenturen meine Bilder vertreiben, weil es neben der Zeitersparnis auch das Risiko von unseriösen Partneragenturen oder undurchsichtigen Deals mit anderen Agenturen verringert. Deshalb werde ich in den nächsten Monaten beginnen, meine Bilder aus einigen Agenturen abzuziehen und die Accounts schließen zu lassen.

Was sind eure Erfahrungen? Wie schätzt ihr die Entwicklung ein?

* Affiliate

Sechs Jahre Microstock – Meine Zahlen und Erfahrungen

Die letzten Monate wurde ich gefragt, ob ich auch dieses Jahr wieder meine Zahlen aus dem Microstock-Business veröffentlichen werde. Ich habe damit einige Monate gezögert, aber dazu später.

Dabei geben die Zahlen keinen Anlass zur Sorge.

Auch dieses Jahr werte ich nur die fünf besten meiner Microstock-Agenturen aus. Das sind Fotolia*, Shutterstock*, 123rf*, Dreamstime* und Bigstock*, die zu Shutterstock gehören.

iStock* werte ich dieses Mal nicht mehr aus, weil deren Umsätze kontinuierlich gesunken sind und nun auf Platz 8 meiner einnahmestärksten Agenturen gelandet sind. Dafür, dass ich dort jedoch seit ca. drei Jahren nichts mehr hochlade und 40% meiner Bilder gelöscht habe, halte ich das aber ehrlich gesagt für eine beeindruckende Leistung.

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Aktiv beliefere ich momentan 16 Agenturen halbwegs regelmäßig. Es sind fünf Agenturen weggefallen, bei denen sich der Ertrag im Verhältnis zum Aufwand nicht mehr gelohnt hat oder wo es andere Gründe gab, diese nicht mehr zu beliefern. Dazugekommen sind in der gleichen Zeit nur zwei Agenturen. Die berücksichtigten 5 Agenturen erwirtschaften aber über 85% meines Gesamtumsatzes.

Die hier im Artikel genannten Zahlen beziehen sich auf die Zeit vom Juli 2013 bis Juni 2014 und schließen wieder nahtlos an die Auswertung vom Vorjahr an. Wer die komplette Entwicklung nachlesen will, findet hier die Ergebnisse nach dem ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Jahr Microstock.

Portfolio-Größe

Die Anzahl meiner Bilder bei den Agenturen steigt weiterhin ziemlich gleichmäßig. Die Zahlen in Klammern zeigen die Veränderung zum Vorjahr auf. Bei Fotolia hatte ich Ende Juni 13304 Bilder online (+2815), bei Shutterstock sind es 10056 gewesen (+1975), 123rf kam auf 10145 Bilder (+2193), das Portfolio bei Dreamstime enthält 9716 Bilder (+1898) und Bigstock hat 9958 Bilder von mir (+1896).

Im Schnitt habe ich ca. 165 neue Bilder pro Monat hochgeladen, wobei Fotolia zusätzlich ca. 20% exklusives Material von mir erhält. 200 Bilder pro Monat, wie in dieser Rechnung, sind also machbar.

Verkäufe

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Wie viele Verkäufe konnte eine Agentur letztes Jahr mit meinen Bildern pro Monat im Durchschnitt erzielen? Die Zahlen in Klammern zeigen die Veränderung zum Vorjahr an. Wie zu erwarten liegt Shutterstock als Abo-Agentur bei der Anzahl der Verkäufe mit 7539 weit vorne (+2087). Danach folgt Fotolia mit 5803 Verkäufen (+973). Auf Platz drei liegt 123rf mit 1059 Sales (+339), dicht gefolgt von Bigstock mit 705 Verkäufen (+483). Auf dem fünften Platz liegt diesmal Dreamstime mit 658 Sales (+176). Zusammen wurden also im letzten Jahr über 15.000 Bilder von mir pro Monat verkauft. Eine Summe, die ich mir zu Beginn nicht zu erträumen gewagt hätte.

Umsätze

Im letzten Bericht hatte ich die Befürchtung geäußert, dass das Ende der Fahnenstange bei meinen Umsatzsteigerungen erreicht sein könnte. Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Meine Umsätze steigen regelmäßig weiter, aber ich habe mich nach langem Zögern entschieden, keine konkreten Umsatzzahlen mehr zu veröffentlichen.

Viele in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fanden es schon seit Jahren befremdlich, dass ich so offen über meine Einnahmen schreibe. Ich habe es trotzdem gemacht, weil es für mich ein Experiment war, ob sich mit der Microstock-Fotografie wirklich Geld verdienen lässt. An diesem Experiment wollte ich euch als Leser teilhaben lassen. Ich denke, den Erfolg des Experiments habe ich spätestens im obigen Bericht bewiesen.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der reißerisch betitelte Artikel „So verdient man 10.000 Euro monatlich mit Stockfotos“ von Online Marketing Rockstars, der textgleich auch in der t3n und der Gründerszene veröffentlicht wurde. Ich habe der Autorin ausdrücklich erklärt, dass ich das Interview nur geben möchte, wenn meine Einnahmen nicht im Vordergrund stünden. Solche Überschriften sind dann das Ergebnis.

Ich möchte nicht auf meine Umsätze reduziert werden, denn damit könnte der Eindruck erweckt werden, Microstock sei eine dieser Methoden zum „Geld verdienen im Schlaf“. Das stimmt nicht. Es ist immer noch möglich, ins Microstock-Business einzusteigen, aber die Konkurrenz ist im Vergleich zu meinem Beginn vor sechs Jahren härter geworden. Wer Erfolg haben will, braucht Durchhaltevermögen und Disziplin. Zwei Jahre mindestens, eher drei bis vier Jahre, bevor sich die Investition lohnt. Das schaffen nur wenige.

Außerdem sah die Journalistin – auch auf konkrete Hinweise von mir – nicht ein, den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn verstehen zu wollen und die Überschrift dahingehend abzuändern. Damit werden unnötig falsche Hoffnungen geweckt, denn um solche Umsätze zu erzielen, gehören auch hohe Investitionen dazu. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Shootings, mit denen ich am meisten Geld verdiene, gleichzeitig die sind, welche mich am meisten gekostet haben. Bevor ich jetzt aber detailliert öffentlich meine Ausgaben gegenrechne, um die Umsätze in den passenden Kontext zu stellen, lasse ich es ganz bleiben.

Anreize

Die Bildagenturen haben verschiedene Mechanismen, um ihre Fotografen zu motivieren und zu belohnen.

Fotolia hat ein Ranking, in dem man höher steigt, je mehr Bilder man verkauft. In jedem Level erhält man mehr Prozente pro Verkauf. Mitte letzten Jahres habe ich das Saphir-Level erreicht, was dem fünften von acht möglichen Leveln entspricht. Meinem Ranking-Rechner zufolge wird es aber bestimmt noch ca. ein Jahr dauern, bis ich das sechste Level Rubin erreicht habe. Da gibt es weltweit aber auch nur fünf Fotografen, die das schon geschafft haben.

Shutterstock hat ein anderes System. Anfangs bringt jedes verkaufte Foto dem Fotografen 0,25 US-Dollar. Wer mehr als 500 US-Dollar eingenommen hat, bekommt danach pro Verkauf 0,33 USD, bei mehr als 3000 USD Umsatz dann 0,36 USD pro Verkauf. Nach insgesamt 10.000 USD Verkaufserlösen bekommt man 0,38 USD pro Verkauf. Diese Hürde habe ich schon vor vier Jahren genommen und stagniere auf hohem Niveau.

Dreamstime hat wieder eine andere Struktur. Je häufiger ein Foto verkauft wurde, desto teurer wird es. Hier haben 84 meiner Fotos das höchste Level 5 erreicht.

123rf hat erst im Januar 2013 ein Ranking-System eingeführt. Hier zählen die Verkäufe der letzten 12 Monate. Je mehr Verkäufe, desto höher das Level und damit verbunden die Prozente, die man pro Verkauf erhält. Dort bin ich 2013 ins Level 5 (von ingesamt 10) eingestiegen und habe aktuell das Level 6 inne. Das Level 7 werde ich aber voraussichtlich eine Weile nicht erreichen.

Bigstock hat meines Wissens kein Ranking-System.

Mitmachen

Wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Experiment zu wagen, kann sich über folgende Affiliate-Links bei den Bildagenturen anmelden:

Übrigens: Wer selbst ausrechnen will, wie viel er im nächsten Jahr mit seinen Fotos verdienen könnte, kann meinen kostenlosen “Stock Photography Income Calculator” benutzen.

Wie lief euer letztes Microstock-Jahr? Wie schätzt ihr die Zukunft ein?

* Affiliate

Das Ende vom Microstock? Gründe für Yuris Ausstieg

Es war wieder ganz schön was los: Vor paar Tagen hat sich der bekannteste Microstock-Fotograf Yuri Arcurs der Welt in seinem Blog über die Hintergründe zu seiner kürzlich bekannt gewordenen „Exklusivität“ mit Getty Images geäußert. Außerdem verriet er Details zu seiner ebenfalls kürzlich bekannt gewordenen Millionen-Investition in eine Start-Up-Firma im Bereich der Smartphone-Fotografie.

Blogeintrag von Yuri Arcurs

Yuris Artikel wurde – auch wegen seiner arroganten und zynischen Schreibweise – in der Microstock-Szene heftig diskutiert.

In den Diskussionen stand jedoch stark die Person Yuri im Vordergrund und zwei inhaltliche Themen gingen dabei etwas unter. Beide Themen will ich in zwei Artikeln näher beleuchten. Zum einen die Gründe, die zu seiner Abkehr von der Microstock-Branche geführt haben und zum anderen seine Vermutungen über die Zukunft des Bildermarkts in Zeiten der Handy- und Smartphone-Kameras.

Der Anfang

Werfen wir – stark verkürzt – einen Blick in die Vergangenheit. Bis ungefähr zur Jahrtausendwende war der Handel mit Bildrechten und Fotolizenzen fest in der Hand großer Bildagenturen, allen voran Getty Images, Corbis und Jupiter Images. Diese verkauften die Bildechte üblicherweise für drei- bis vierstellige Summen. Bei Interesse ist das hier ausführlicher nachlesbar. Innerhalb von nur zehn Jahren gelang es einer kleinen Gruppe von neuen Bildagenturen, diesen Markt komplett aufzumischen und einen großen Marktanteil zu gewinnen. Das geschah hauptsächlich über den Preis, hatte aber auch andere Gründe.

Die beiden Hauptfaktoren für den schnellen Aufstieg der neuen, „Microstock“ genannten, Agenturen waren die zunehmende Verbreitung und Verbesserung des Internets und der Umstieg auf die Digitalfotografie.

Früher mussten die Fotografen der alten Agenturen, jetzt im Kontrast „Macrostock“ genannt, ihre Fotos richtig auf Filmmaterial belichten, dann wurden Dias erstellt, Agenturen machten teure Kopien diese Dias, druckten dicke (ebenfalls teure) Kataloge mit ihren Bildern, verschickten diese gratis an ihre Kunden, lieferten bei Motivwünschen der Bildkäufer die Dia-Kopien per Postexpress, die Rechnung wurde als Brief versendet und so weiter. kurz: Es war ein zeitaufwändiges, arbeitsintensives, aber auch lukratives Geschäft.

Als Fotograf war es nicht leicht, in diese Bildagenturen aufgenommen zu werden. einerseits war die notwendige Kameraausrüstung vor einigen Jahren deutlich teurer und sie erforderte Auch mehr Fachwissen, weil Belichtungsfehler nicht nachträglich digital korrigiert werden konnten. Für die Agenturen war auch de Betreuungsaufwand groß, weshalb am liebsten Fotografen genommen wurden, die technisch gute Bilder regelmäßig liefern konnte – nahezu ein K.O.-Kriterium für Hobbyfotografen.

Als Kunde musste man damals mit den hohen Preisen der Bildagenturen zurechtkommen. Es gab nur die Alternative, einen Auftrag an einen professionellen Fotografen zu vergeben, was ebenfalls schnell Kosten im vierstelligen Bereich oder sogar mehr verursacht hätte. Dadurch wurden vor allem kleine Web-Designer und so weiter von der Nutzung der Agenturbilder ausgeschlossen.

Der Wandel

Die neuen Microstock-Agenturen profitierten von einem neu entstehenden Dreiklang: Immer mehr Leute besaßen erstens Digitalkameras, die das Fotografieren deutlich erleichterten. Immerhin sah man sofort auf dem Bildschirm, ob ein Foto gelungen war oder nicht und weitere Versuche kosteten auch kein Geld durch Filme und Filmentwicklung. Zweitens konnten diese digitalen Daten durch ein schnelleres Internet (DSL-Ausbau etc.) und Flatrates schnell und günstig um die Welt geschickt werden. Drittens waren auch viele Bildkäufer bereit, Abstriche bei der Bildqualität zu machen, um einige hundert Euro beim Fotokauf sparen zu können.

Das Internet sorgte ja nicht nur für den Vertrieb der Bilder, sondern all die neuen Blogs, Webseiten, Foren und so weiter brauchten ja auch Bilder, für die kaum jemand bereit war, dreistellige Summen auszugeben, wenn die Fotos in Briefmarkengröße einen kurzlebigen Artikel illustrieren sollen. Damit hätten sogar viele Macrostock-Agenturen leben können. Womit Microstock den Bildermarkt in die Knie gezwungen hat, waren auch die (zu) billigen Print-Lizenzen für Druckgrößen. Das habe ich auch schon hier und hier vor über drei Jahren geschrieben.

Dazu kommt, dass die Microstock-Agenturen sich mehr als Technik-Dienstleister sahen denn als „Bildrechte-Verwerter“. Die jungen Agenturen verschlankten die Arbeitsabläufe sehr stark, indem zum Beispiel Geld im Voraus bezahlt werden musste (das ersparte das Mahnwesen und vereinfachte die Rechnungsstellung). Auch viele andere Prozesse wie die Bildbeschriftung und Verschlagwortung wurde den Fotografen aufgebürdet, was weitere Kosten sparte. Auch der Kunden- und Fotografenkontakt wurde hauptsächlich über Email, Foren und Blogs betrieben. Alle diese Maßnahmen sorgten für eine deutlich günstigere Betriebsführung, die es auch ermöglichte, trotz sehr niedriger Preise Profit zu erwirtschaften.

Anfangs hatten die Microstock-Agenturen nur Fotos mit schlechterer Bildqualität, weil einerseits die Digitalkameras gegenüber Analogkameras noch etwas aufzuholen hatten, aber die DSLR-Technik holte hier schnell auf. Schwieriger war die Motivauswahl und Bildsprache, weil anfangs die Profi-Fotografen bei den Macrostock-Agenturen unter Vertrag waren und nicht einsahen, warum sie ihre Fotos für ein Hundertstel (oder weniger) des bisherigen Preises verkaufen sollten. Deshalb warben die Microstock-Agenturen stark um Amateurfotografen, die oft wenig Kenntnisse von den Wünschen der Bildkunden hatten.

Yuri kommt ins Spiel

2005 fing dann einer dieser Amateurfotografen an, ebenfalls bei den Microstock-Agenturen Bilder zu verkaufen. Der Däne Jacob Wackerhausen, besser bekannt als Yuri Arcurs, lud während seines Psychologie-Studiums die ersten Fotos hoch. Ende 2005 hatte er ca. 500 Bilder von Freunden und sich selbst online und sein Budget pro Fotoshooting war ca. 50 US-Dollar. Er war also einer der vielen Hobby-Fotografen, die jedoch schnell ihr Hobby zum Beruf machten. Yuri lernt anhand der öffentlich einsehbaren Statistiken schnell, welche Motive sich besser verkaufen als andere, welche Models gefragter sind und richtet seine Shootings konsequent darauf aus. Außerdem verbessert er seine Technik. Von einer Canon EOS 350D mit 8 Megapixeln zu einer Canon EOS-1Ds Mark II mit 16,7 Megapixeln.

Yuri steigt (zu) hoch hinaus

Innerhalb von nur acht Jahren steigt sein Portfolio bis 2013 auf knapp 100.000 Bilder an, seine Firma beschäftigt über 100 Mitarbeiter und er verdient deutlich mehr als drei Millionen im Jahr. Als Kamera arbeitet er mit – gesponsorten – H3D-II-39s von Hasselblad und Profoto-Licht. Jetzt fängt aber sein Problem an. Schon 2009 hatte er ca. 10.000 US-Dollar Ausgaben pro Fotoshooting und 2010 gab er über 150.000 US-Dollar allein für Model-Honorare aus. Ein Shooting auf den Malediven kostete ihn 2012 ca. 80.000 US-Dollar, bei dem er ca. 1500 verkäufliche Bilder erhielt. Das macht über 53 Dollar pro Bild. Mit dieser Summe hatte er anfangs ein ganzes Fotoshooting bezahlt.

Microstock kann aber nur lukrativ sein, wenn man es schafft, Bilder günstig zu produzieren, weil sie eben auch billig verkauft werden. Man kann gut Geld mit Microstock-Fotos verdienen, wenn die Motive oft genug verkauft werden. Das ist aber zum Beispiel bei meinen 10.000 Bildern einfacher als mit Yuris 100.000 Fotos, weil man sich irgendwann selbst Konkurrenz macht. Natürlich kaufen die Kunden lieber Premium-Qualität zum Discount-Preis. Oder in Yuris Worten: „Sometimes it felt like having a michelin restaurant inside a burger joint and at the same time having to match the prices. At some point the professional gets tired of selling 12 course testing menues at 0300AM at burger prices.

Das war die Zwickmühle: Amateure trieben die Preise nach unten. Profis mussten sich anpassen und mitmachen, um überleben zu können, was wiederum die Qualität der Microstock-Bilder schnell steigerte. Die Amateurfotografen, die pfiffig und gut genug waren, wurden ebenfalls schnell zu Profis und lieferten konstant gute Qualität. Das ging eine Weile gut und zeigte, dass einfache Aufnahme wie freigestelltes Obst beispielsweise von den Macrostock-Aufnahmen „etwas überteuert“ angeboten wurde.

Die richtig aufwändigen Shootings, wie ein Business-Meeting, eine Mehr-Generationen-Familie beim Sonntagsessen oder Behinderten-Sportler beim Wettkampf, waren und sind teuer in der Produktion. Solche Fotoshootings lohnen sich im Microstock nur, wenn die Motive so oft nachgefragt werden, dass auch bei den geringen Preisen die hohen Investitionen wieder reinkommen. Bei Shootings, die mehr als 10.000 Euro kosten, wird es irgendwann jedoch im Microstock-Bereich schwierig, egal, wie gut und nachgefragt die Motive sind.

Yuris Entscheidung

Yuri hat das in den letzten Jahren anscheinend gemerkt. Er hätte die Möglichkeit gehabt, wieder günstiger zu produzieren, was bei seinen aufgeblähten Fixkosten (große Studios, festangestellte Mitarbeiter, etc.) schwierig ist. Selbst seine Kameras behindern ihn da. Zwar darf er stolz darauf sein, dass er von der Firma Hasselblad die teuren Mittelformat-Kameras umsonst bekommt, aber der Workflow hintendran mit teureren Rechnern, mehr Speicherplatz, mehr Upload-Bandbreite etc. wird sicher nicht mit finanziert.

Yuri hat sich für die andere Variante entschieden: Er geht exklusiv zum Marktführer, in der Hoffnung, dass dieser höhere Preise für seine Bilder erzielen kann. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Bildqualität und Motive liefert er und Getty Images hat als Macrostock-Agentur Erfahrung mit hohen Verkaufspreisen. Im Grunde ist das der logische Zirkelschluss: Wenn die Microstock-Fotografen so gut werden, dass sie Macrostock-Qualität und -Motive liefern, sollten sie zu einer Macrostock-Agentur gehen.

Yuris Entscheidung ist damit mitnichten der Anfang vom Ende der Microstock-Fotografie, wie er selbst kokett andeutet. Es ist nur die Einsicht, dass das eigene Geschäftsmodell zu dem Vertriebsmodell passen muss. Yuri hat in der Vergangenheit seine Bilder an alle Agenturen geliefert, die bei drei nicht auf den Bäumen waren. Weil er auch viele neue, kleine Bildagenturen belieferte, die selbst die billigen Microstock-Agenturen im Preis drücken wollten, trug er mit zum Preisverfall bei. Sein Ausstieg aus diesem Hamsterrad bringt den anderen großen Produktionsfirmen wie WaveBreakMedia oder Monkey Business oder Pressmaster sicher einige Monate Spielraum nach oben, aber auch diese werden sich dann entscheiden müssen, ob sie lieber die Kosten niedrig halten oder die Qualität steigern wollen.

Einige Parallelen

Etwas ängstlich beobachte ich bei mir einige Parallelen. Meine ersten Shootings haben mich ebenfalls jeweils ca. 50 Euro gekostet, aber in den letzten zwei Jahren habe ich mich auch ab und zu erwischt, wie ich einige Male mehr als 1.000 Euro für ein Shooting ausgegeben habe. Bisher haben sich diese Ausgaben gelohnt, aber ich muss aufpassen, dass sich diese Spirale nicht weiter nach oben dreht. Auch meine Technik ist besser und teurer geworden, wobei mittlerweile vielleicht sogar mein Handy ausreichen würde, um verkäufliche Microstock-Bilder zu schießen.

Aber dazu kommen wir im zweiten Teil des Artikels…

Was sagt ihr? Wohin geht die Reise?

Fünf Jahre Microstock – Meine Umsätze und andere Zahlen

Wow, es ist schon ein kleines Jubiläum. Seit fünf Jahren verkaufe ich meine Fotos auch über Microstock-Bildagenturen und deshalb gibt es nach dem fünften Jahr auch wieder meine Auswertung der Umsätze und so weiter.

Bei meiner Rückschau berücksichtige ich nur die fünf größten Microstock-Agenturen – also Fotolia*, Shutterstock*, Dreamstime*, 123rf* und iStockphoto*. Letztere beliefere ich nicht mehr, aber trotzdem kommen noch regelmäßig Einnahmen hinzu, weshalb ich sie weiterhin mit anführe. Insgesamt beliefere ich momentan aktiv mehr oder weniger regelmäßig 19 Bildagenturen, sowohl im Microstock- als auch im Macrostock-Bereich, wobei der Großteil der Einnahmen schon von den genannten fünf Agenturen kommt.

Die genannten Zahlen beziehen sich alle auf den Zeitraum Juli 2012 bis Juni 2013 und schließen damit nahtlos an die Auswertung des Vorjahres an. Die Auswertung erfolgt wieder mit dem großartigen Analyse-Tool Stock Performer. Wer nachlesen will, findet hier die Ergebnisse nach dem ersten, zweiten, dritten und vierten Jahr Microstock.

Portfolio-Größe

Mein Portfolio (Klick auf das Bild liefert größere Ansicht) ist relativ gleichmäßig angestiegen. Bei Fotolia hatte ich Ende Juni 10.489 Bilder online, davon ca. 2.100 Bilder exklusiv. Shutterstock hatte 8.081 Files online, Dreamstime 7.818 und 123rf hatte 7.952. Meine Bilder bei iStockphoto habe ich von 1.380 auf 833 Bilder reduziert, weil ich nicht möchte, dass diese bei Thinkstock verscherbelt werden.

Verkäufe

Am stärksten haben die Downloads per Shutterstock angezogen, dort hatte in den letzten 12 Monaten im Durchschnitt 5452 Downloads. Das sind ca. 2.000 mehr als noch im Jahr davor. Bei Fotolia ist der Anstieg geringer, hier hatte ich im Schnitt 4830 Downloads, ca. 1.400 mehr als im Jahr zuvor. 123rf holt stark auf mit 720 Downloads pro Monat und überholt damit locker Dreamstime mit ihren 482 Verkäufen im Monat. Letztes Jahr waren beide noch gleichauf bei mir. iStockphoto erwirtschaftet (mit Partnerprogramm) immer noch 450 Downloads, erstaunlicherweise mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr, trotz weniger Bildern im Portfolio.

Umsätze


Kommen wir zum spannenden Teil: Den Einnahmen. Wieder bringt ein Klick auf die Grafik eine größere Ansicht der Statistik. In der Tabelle oben sind die Einnahmen in US-Dollar angegeben, ich rechne diese für den Artikel jedoch in Euro um (außer bei Fotolia, dort werde ich sowieso in Euro ausgezahlt). Bei Fotolia habe ich in den letzten 12 Monaten durchschnittlich 6.423 Euro pro Monat verdient, das sind ca. 1.500 Euro mehr als im Jahr davor. Shutterstock brachte mir im Monat ca. 2.934 Euro ein, ca. 1.100 Euro mehr als im Vorjahr. Dreamstime erwirtschaftete 531 Euro im Monat, 123rf trotz deutlich mehr Verkäufen aber nur 394 Euro. Daran zeigt sich gut der Effekt der „durchschnittlichen Verkaufserlöse„, die ich hier beschrieben habe. iStockphoto schlägt sich wacker und trägt noch 242 Euro im Monat bei. Das bedeutet, dass iStockphoto es geschafft hat, trotz eingestellter Bildlieferung und der Löschung von ca. 500 Fotos ein Umsatzplus von ca. 33% zu erwirtschaften.

Insgesamt sind das ca. 10.524 Euro im Monat. Ein stolzer Wert, den ich mir selbst für fünf Jahren nie erträumt hätte. Dieser Wert zeigt auch, dass Disziplin und ein langer Atem notwendig ist, um mit der Stockfotografie Erfolg zu haben. Als ich nach dem ersten Jahr Bilanz zog und nur 315 Euro pro Monat verdiente, gab es viele Kommentare nach dem Motto „Rentiert sich das?“ Die Antwort lautet: Ja, aber erst auf lange Sicht.

Das scheint jedoch langsam das Ende der Fahnenstange zu sein. letztes Jahr hatte ich noch eine Umsatzsteigerung von über 50% im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Jahr waren es „nur“ noch knapp 30% Wachstum. Das liegt vor allem daran, dass die Verkäufe und Umsätze bei Fotolia – wenn auch auf einem hohen Niveau – seit paar Monaten stagnieren. Vielleicht ist die Suchumstellung der Grund dafür? Eine andere Möglichkeit ist, dass meine älteren Microstock-Bilder langsam das Ende ihres Lebenszyklus‘ erreichen.

Langfristige Umsatzentwicklung

Nach fünf Jahren kann man auch kurz zurück schauen und sich die Entwicklung der Umsätze ansehen. Meine durchschnittlichen monatlichen Gesamteinnahmen in Euro bei den fünf Agenturen sahen in den fünf Jahren so aus:

An dieser Stelle kann ich übrigens diesen ausführlichen Artikel meines Stockfoto-Kollegen Michael Zwahlen empfehlen. Er war lange exklusiver Fotograf bei iStockphoto und hat sich vor sechs Monaten entschieden, diese Exklusivität aufzugeben. Im Artikel zieht er eine erste Halbjahresbilanz über die Tücken und Konsequenzen seiner Entscheidung.

Ziele und Aussichten

Habe ich die Ziele erreicht, die ich mir letztes Jahr gesetzt habe? Bei der Portfolio-Größe wollte ich 8000 Bilder pro Agentur und 11.000 Fotos bei Fotolia haben. Beides habe ich knapp verfehlt, nur bei Shutterstock bin ich auf die 8.000 gekommen. Als Umsatzmarke setzte ich mir ein Ziel von 10.000 Euro im Monat, was ich glücklicherweise erreicht habe. Den Saphir-Status bei Fotolia wollte ich ebenfalls erreichen, was ich haarscharf kurz vor der Zielgeraden geschafft habe.

Meine neuen Ziele? Es sollten 10.000 Files pro Agentur machbar sein und 13.000 Files bei Fotolia. Beim Umsatz will ich monatlich die 12.500 Euro-Marke knacken.

Mitmachen

Wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Experiment zu wagen, kann sich über folgende Affiliate-Links bei den Bildagenturen anmelden:

Übrigens: Wer selbst ausrechnen will, wie viel er im nächsten Jahr mit seinen Fotos verdienen könnte, kann meinen kostenlosen “Stock Photography Income Calculator” benutzen.

Wie hat sich euer letztes Microstock-Jahr entwickelt? Gerne auch im Vergleich zu den Jahren davor.

* Affiliate

Der typische Umsatz-Zyklus eines Microstock-Bildes

Zahlen sind eine wichtige Sache. Die meisten Stockfotografen, die ich kenne, fotografieren nicht für Bildagenturen, weil sie sich da künstlerisch besonders gut ausdrücken können, sondern weil sie mit ihren Fotos Geld verdienen wollen. Umso wichtiger ist es, einige Kennzahlen zu kennen, mit denen der eigene Umsatz besser analysiert und damit auch prognostiziert werden kann.

Ein sehr hilfreiches Tool in dieser Hinsicht ist Stock Performer, ein Analysedienst, der mittlerweile die Verkäufe, Umsätze und andere wichtige Kennzahlen eines Fotografen für fünf Microstock-Agenturen (Shutterstock, Fotolia, iStockphoto, Dreamstime und 123rf) auswertet und den ich hier ausführlich getestet habe.

Luis Alvarez, einer der beiden Köpfe hinter Stock Performer, hat vor wenigen Wochen anhand seines eigenen Portfolios den typischen Lebenszyklus eines Microstock-Bildes vorgestellt. Jedes Portfolio ist aber anders und da Luis zum Beispiel exklusiv bei iStockphoto ist, während ich diese Agentur nicht mehr beliefere, sehen meine Zahlen vielleicht ganz anders aus. Luis war so freundlich, basierend auf den realen Verkäufen und meinen bisherigen Umsätzen den typischen Umsatzzyklus meiner Microstock-Bilder zu berechnen. Das Ergebnis sieht grafisch so aus:

In der Grafik sehr ihr, wie viel ich im Durchschnitt mit einem Microstock-Bild bei den vier Agenturen pro Monat verdiene, gerechnet vom Zeitpunkt des Hochladens. Nach einem starken Einstieg im zweiten Monat erreichen meine Bilder ihre finanzielle Hochzeit vom 9. bis zum 16. Monat. Danach geht es kontinuierlich bergab und das Bild pendelt sich bei ca. einem halben Euro pro Monat ein. Grundsätzlich ist die Kurve vergleichbar mit der von Luis, auch wenn seine höher ansteigt, aber auch schneller abfällt. Im Grunde werden aber die meisten Microstock-Fotografen eine ähnliche Kurve bei ihren Bildern vorfinden, je nach Motiv höchstens unterschiedlich hoch.

Der Lebenszyklus in Zahlen

Wer die Werte oben zusammenzählt, sollte auf insgesamt 61 US-Dollar kommen, die ein Bild pro Jahr bei den vier genannten Agenturen zusammen bringt. Im Schnitt macht das pro Bild und Monat 1,65 US-Dollar. Interessant ist auch das Absacken im dritten Jahr. Während der RPI (Revenue per Image/Umsatz pro Bild) pro Monat für die vier Agenturen bei ca. 2 US-Dollar liegt, halbiert er sich im dritten Jahr auf einen US-Dollar. Die branchenüblich angenommene Halbwertszeit von zwei Jahren für ein Microstock-Bild bestätigt sich hier.

Der durchschnittliche RPI von 1,65 USD ist bei mir jedoch sehr ungleich verteilt. Fast ein Dollar entfällt auf Fotolia, gefolgt von einem halben Dollar von Shutterstock, elf US-Cent von Dreamstime und sechs Cent von 123rf. Ich habe iStockphoto nicht in meine Analyse aufgenommen, weil ich dort erstens nur höchstens ein Fünftel meines gesamten Portfolios habe und zweitens nichts mehr dort hochlade. Hätte ich iStockphoto mit in den Grafiken drin gehabt, wäre der Gesamt-RPI um 10 Dollar höher und der Durchschnitt-RPI um 0,28 USD.

Warum haben Bilder einen Zyklus?

Aufstieg, Höhepunkt und Verfall: Warum durchleben alle Stockfotos eine solche Kurve? Einerseits liegt es an den Motiven selbst. Die gezeigte Technik wie Fernseher, Telefone oder Computer verändern sich, werden kleiner, dünner, runder, schicker oder glänzender. Bei Fotos von Menschen ändern sich die Vorlieben beim Schnitt der Kleidung, den Farben und den Frisuren. Bei Reise- und Architekturfotos ändern sich die Gebäude, die Skyline, das Design der Autos und so weiter. Andererseits tragen auch die Algorithmen der Bildagenturen ebenso zum Abstieg der Fotokarriere bei. Neue Bilder werden in den Suchergebnissen bevorzugt, weil sie die oben genannten aktuellen Trends innehaben, aber auch die Bestandskunden (vor allem im Abo-Bereich) immer frisches Material sehen wollen. Als dritter Punkt kommen die konkurrierenden Fotografen hinzu, die ebenfalls nicht ruhen und beständig neue Bilder produzieren, die mit den eigenen alten Fotos um Käufer konkurrieren.

Was nützen mir diese Zahlen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die genannten Zahlen für sich nutzbar zu machen. Eine Möglichkeit ist, sie als Vergleichsbasis zu nehmen, um andere Portfolios zu bewerten. Die zweite Möglichkeit ist, Umsatzprognosen zu erstellen. Wie viel würde ich verdienen, wenn ich jeden Monat 10, 100 oder 500 Bilder hochlade? Bei 100 Bildern würde meine Kurve so aussehen:

Zwei Jahre lang würden die Umsatz relativ stabil ansteigen, dann würde die Kurve aber flacher werden und ein Umsatzzuwachs lässt sich nur noch schwer erzielen. Oder was würde passieren, wenn ich nur ein Jahr lang jeden Monat 300 Bilder hochlade und danach keine neuen Bilder mehr liefere?

Im ersten Jahr würde die Kurve logischerweise gleichmäßig und stark ansteigen, dann aber ca. ein Jahr lang stagnieren, ein Jahr lang flach abfallen und sich dann langsam auf dem Niveau das zweiten Monats einpendeln.

Am liebsten nutze ich die Zahlen aber, um Entscheidungen für neue Shootings zu treffen. Mit Stock Performer kann ich mit sowohl den monatlichen als auch den Gesamt-RPI für jedes meiner Shootings einzeln anzeigen und sortieren lassen. So habe ich beispielsweise 90 Shootings bei Shutterstock in der Liste, davon liegen „nur“ 36 Fotosessions über dem durchschnittlichen monatlichen RPI von 52 Cent, das beste Shooting liegt mehr als fünf Mal darüber. Nun kann ich schauen, ob diese überdurchschnittlich abschneidenden Shootings etwas gemeinsam haben und weitere Shootings in dieser Richtung planen. Oder wenn mich ein Model fragt, ob ich noch mal mit ihr shooten möchte, schaue ich mir an, wie das letzte Shooting im Vergleich zum Durchschnitt liegt und kann so basierend auf Fakten eine Zusage oder Absage machen.

Der Vergleich mit Macrostock-Zahlen

Nachdem Luis seinen Artikel im Blog der Microstockgroup veröffentlicht hatte, veröffentlichte Gerald Staufer, Chef der Macrostock-Agentur Westend61, im Macrostock-Blog einen Artikel über den Lebenszyklus von Macrostock-Bildern. Den empfehle ich sehr als Ergänzung zu Luis‘ und meinem Artikel und auch die Kommentare zu den Artikeln liefern noch viele spannende Informationen. Aber mal grob gerechnet. Gerald zeigt die Umsätze von fünf guten People-Fotografen und Fotografen mit anderen Themenschwerpunkten.

Ich konzentriere mich jetzt auf die People-Zahlen, weil sich diese eher mit meinem People-Portfolio vergleichen lassen. Diese fünf Fotografen haben der Agentur in vier Jahren ca. einen Umsatz von ca. 138.000 Euro. Bei einem Fotografenanteil von 50% wären das ca. 69.000 Euro. Die fünf Fotografen haben zusammen 1011 Bilder im Portfolio. Das macht einen Gesamt-RPI von 68 Euro. Verglichen mit meinem Gesamt-RPI von 45 Euro (bzw. 52 Euro inklusive iStock) liege ich ziemlich genau 50% drunter.

Zwei wichtige Faktoren müssen jedoch ebenfalls berücksichtigt werden. Die Annahmekriterien sind bei Macrostockagenturen meist strenger, sodass man in der Regel von vergleichbaren Shootings weniger Bilder in die Agentur bekommt. Das zeigen auch die relativ niedrigen Portfolio-Größen der ausgewählten Fotografen, die im Durchschnitt nur 202 Bilder bei der Agentur online haben. Wenn ich dort 50% weniger Bilder eines Shootings freigeschaltet bekomme als bei den Microstock-Agenturen, würde das den RPI auf den gleichen Wert heben. Auf der anderen Seite der Waage ist die Lebenszeit bei den Macrostock-Bildern länger, sodass sich nach den vier Jahren bestimmt noch einige Umsätze einstellen werden.

Welche Kennzahlen für euer Portfolio wertet ihr aus? Wie macht ihr das und was habt ihr davon?