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Emails bei Fotografen-Bewerbung für Shutterstock verstehen

Wer sich als Fotograf bei der Bildagentur Shutterstock* bewirbt, muss zuerst durch ein Auswahlverfahren. Das ist nicht immer ganz eindeutig, wie mir einige Mails zeigen von Fotografen, die sich über hohe Ablehnungen wundern. Shutterstock verlangt, dass der Fotograf zehn Bilder einsenden muss, von denen mindestens sieben Fotos akzeptiert werden müssen, damit er bei Shutterstock hochladen darf. Die Email, welche über die Annahmen und Ablehnungen der Bewerbungsbilder informiert, ist leider etwas verwirrend, deswegen hier eine kurze Erklärung:

Von den geschickten zehn Bildern müssen sieben oder mehr angenommen werden. Wenn jedoch weniger als sieben Fotos akzeptiert wurden, steht neben jedem Foto „not approved“. Das bedeutet jedoch nur, dass die Bewerbung insgesamt noch keinen Erfolg hatte. Erst die letzte Spalte, in der entweder „7 of 10 must be approved“ oder eine andere Meldung steht, verrät, ob das Bild angenommen wurde oder nicht. Bei „7 of 10 must be approved“ wurde das Bild angenommen, bei anderen Meldungen wie „Noise“, „Focus“ oder „Poor Lighting“ sind das die Ablehnungsgründe, weshalb die Fotos nicht akzeptiert wurden.

Update: Da es einige Unklarheiten gab, noch mal zur Klarstellung: Es müssen mindestens 7 von 10 Bewerbungsfotos akzeptiert werden, damit die Bewerbung erfolgreich ist. Wenn weniger Fotos akzeptiert werden (die akzeptierten Fotos erkennt man an der letzten Spalt, in der dann „7 of 10 must be approved“ steht), werden diese bei der ersten Bewerbung nicht angenommen, können aber bei der zweiten Bewerbung wieder mitgeschickt werden. Details auch in den Kommentaren unter dem Artikel.

Gesamt kann das dann so aussehen:

Bei der gezeigten Mail wurden also 6 von 10 Bildern angenommen, weshalb die Bewerbung als Ganzes nicht erfolgreich war. Aber der Fotograf kann beim nächsten Versuch die sechs angenommenen Bilder noch mal schicken und vier zusätzliche neue Motive mitliefern. Da die Annahmen und Ablehnungen jedoch je nach Bildredakteur subjektiv sein können, kann es passieren, dass beim zweiten Versuch auch von den zuvor angenommenen Bildern einige abgelehnt werden.

Ein weiterer häufiger Fehler ist, dass nicht genau 10 Fotos hochgeladen werden, sondern nur neun oder mehr als zehn.

Wie oft musstet ihr euch bewerben, um von Shutterstock als Fotograf akzeptiert zu werden?

* Affiliate

Stadt Dortmund will kostenlose Fotos haben

Vor paar Monaten habe ich diese Mail über die Foto-Community Flickr erhalten, bei der ich einige meiner Fotos vorstelle.

Sie haben eine FlickrMail von Stadt Dortmund erhalten:

[________]

:: Lizenzanfrage

Hallo, lieber Robert!

Mein Name ist [________] und ich arbeite für [________], das Kommunikationsamt der Stadt Dortmund.
Unser Team plant zur Zeit den Relaunch des Stadtportals dortmund.de und ich kümmere mich um den Bereich Grafik und
Gestaltung.

Bei der Suche nach gelungenen Fotos für unsere neuen Seiten bin ich auf Dein Bild „Obst-Stillleben“ gestoßen.

Ich würde mich freuen, wenn Du uns – der Stadt Dortmund – die Erlaubnis erteilst, dieses Foto bzw. bearbeitete
Ausschnitte daraus zukünftig auf den Seiten des Stadtportals dortmund.de verwenden zu dürfen. Auf der Seite
[________] findest Du einen verkleinerten Screenshot vom neuen Layout, der zeigt, wo Dein Bild auf dortmund.de erscheinen könnte.

Ich kann Dir noch nicht sagen, wo und wann Dein Bild eingesetzt werden könnte. Aber in jedem Fall werden wir bei
einer Verwendung des Bildes Deinen flickr-Usernamen nennen und verlinken. Falls gewünscht, werden wir außerdem in
unserem Impressum einen Link zu Deiner Foto-Website herstellen. (Voraussetzung ist natürlich, dass Deine
Webseite nur Inhalte enthält, die bei Flickr als „sicher“ eingestuft wären.)

Über eine solche erweiterte Nutzungslizenz (CC by) würden wir uns sehr freuen. Wenn Du einverstanden bist, antworte
bitte mit dem Satz „Ich stimme zu“ und füge (wenn Du magst) die URL Deiner Webseite hinzu.

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße aus Dortmund

Ich antwortete darauf:

Guten Tag [________],

wenn sie das unten genannte Foto nutzen wollen, können sie gerne bei mir
eine Nutzungslizenz erwerben (lizenzfrei/royalty free für 50 Euro).

Wenn sie daran Interesse haben, schicke ich Ihnen gerne eine Rechnung
und das Bild ohne Wasserzeichen.

Schöne Grüße,
Robert Kneschke

Darauf erhielt ich folgende Mail:

Hallo Herr Kneschke!

Vielen Dank für Ihre Antwort und das Kaufangebot für Ihr Foto. Leider können wir Ihr Angebot nicht annehmen, da wir zurzeit keine Fotos ankaufen.

Im Rahmen der Neugestaltung von dortmund.de möchten wir in der Bebilderung den Community-Gedanken von flickr weiterführen. Sehr gern hätten wir in diesem Zusammenhang Ihr Bild genutzt und Ihnen damit die Chance gegeben, Ihren Namen und Ihre Fotos den vielen Besuchern unserer Seiten bekannt zu machen.

Sollten Sie doch Interesse an einer Zusammenarbeit haben, melden Sie sich einfach bei mir! Wenn sich auf unserer Seite noch etwas ändern sollte, kommen wir ggf. erneut auf Sie zu.

Viele Grüße aus Dortmund

[________]

Ja, klar: „Wir wollen den Community-Gedanken weiterführen“. Das heißt übersetzt nur: Wir wollen kein Geld für Fotos ausgeben. Wobei sich jetzt nachträglich rausgestellt hat, dass die Agentur doch Fotos angekauft hat. Zwar für weniger Geld bei istockphoto, aber immerhin.

Es gibt auch genug Hobby-Fotografen, die sich über eine Bildnutzung und die Verlinkung auf ihre Flickr-Seite freuen, ohne an Geld zu denken oder es auch nicht brauchen, da sie ihre Brötchen mit einem anderen Beruf verdienen. Deswegen nehme ich der Agentur die Anfrage auch nicht übel.

Ich hätte einer kostenfreien Nutzung auch zugestimmt, wenn die Agenturmitarbeiterin mir geschrieben hätte, dass sie auch ehrenamtlich für die Stadt Dortmund arbeitet. Aber irgendwie bezweifle ich das…

Wie hättet ihr auf solch eine Mail reagiert?

Wie Models sich bei mir bewerben

Auf meiner Webseite, in meinem Blog und bei Model-Plattformen wie der Model-Kartei suche ich regelmäßig nach Menschen, die von mir fotografiert werden möchten.

Ich schreibe bewußt nicht Models, da ich auch gerne mit Anfängern arbeite oder Leuten, die kein Interesse an einer Model-Karriere haben, sondern vor allem professionelle Fotos von sich haben möchten. Bildagenturen lieben Fotos mit natürlich wirkenden Menschen, deshalb risikiere ich gerne, jemanden zu fotografieren, der vielleicht keine guten „Standard-Posen“ drauf hat, dafür aber eine gewinnende Ausstrahlung.

Regelmäßig bekomme ich deshalb Emails von Leuten, die sich als Model bei mir bewerben. Vor einer Weile hatte ich im Blog ja geschrieben, was typische Fehler bei Model-Bewerbungen sind und auch der Fotograf Omori hat viele Hinweise dazu veröffentlicht.

Blick durch Rahmen

Heute will ich anhand einiger Beispiele zeigen, was bei einer Bewerbung wirkt und was stört. Die Mails sind alle echt und unverändert, aber ich habe alle Daten, welche die Identität des Absenders verraten könnten, umgewandelt oder gelöscht.

Die 1. Mail:

„Hallo
Ich habe gelesen, dass Sie Modele suchen.
Ich bin Schauspielerin und arbeite nebenbei als Model. Über eine Antwort, würde ich mich freuen.
Mit freundlichem Gruss
[voller Name + Handynummer]

———————
[Adresse/Handynummer]
konf.- gr. 38- 40
21 jahre
171cm
90- 66- 95
einsatzgebiete:
portrait, fashion, glamour, editorial“

Gut finde ich die Aufzählung der wichtigen Daten wie Adresse, Alter, Größe, etc. in Stichwortform untereinander. Nachteilig ist, dass mir so eine Mail nichts über das Model verrät. Warum sie modelt, wie lange schon, welche Erfahrungen sie hat, wie sie auf mich aufmerksam geworden ist und was genau sie von mir möchte. Wer die Mail aufmerksam liest, kann letzteres vielleicht kombinieren, explizit steht aber nirgends, dass sie z.B. mit mir zusammenarbeiten möchte oder nicht doch ihre Schwester vorschlagen will. Sie hat auch zwei Fotos angehangen, die jedoch so ähnlich waren, dass eins gereicht hätte.

Die nächste Mail:

„guten abend,
mein name ist [Name] ,ich habe im intenet durch zufall gelesen das sie immer models suchen .
hiermit möchte ich gerne meine tochter [Name] als kindermodel bei ihnen bewerben!

name: […]
wohnort: […]
telefon: […]
geburtstag: […].2005
haarfarbe: braun
augenfarbe: dunkel braun/fast schwarz
konfektionsgrösse: 92
schuhgrösse: 24
körpergrösse: 93 cm
nationalität: […]

erfahrungen:
[Name] hat schon einige erfahrungen gesammelt als fotomodel.
sie wurde schon 3mal für […] fotografiert.
für das geschäft […] in […] (herbst/winter collection).
für 2 fotoläden(bilder fürs schaufenster und diverse shootings für privat(familie)

zur person:
sie ist ein aufgewäcktes kind ,freundlich,wandelbar und hat wie man auch auf den bildern erkennen kann regelrecht viel spass am posen,sie lässt sich allgemein gern fotografieren.
sie fällt durch ihren grossen runden fast schwarzen augen auf,und hat immer ein lächeln im gesicht.

sie ist bei der werbeagentur […] gemeldet(nichts vertraglich)
und bei […] in hamburg

wir sind sehr flexibel,haben bus bahn und auto direkt vor der tür:-) !!!
wir würden uns sehr über ihre mail freuen,lg [Name der Mutter]

in der nächsten mail sende ich ihnen einige bilder von meiner tochter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Inhaltlich fand ich die Mail ausreichend, sie enthält alles Wesentliche, was mich interessiert und nützlich ist. Aber die Form. Wenn ich „aufgewäckt“ lese oder mehr als ein Ausrufezeichen hintereinander sehe, verkrampfen sich meine Augen und ich kann die anghängten Fotos kaum noch würdigen. Ich verlange von Models ja nicht, dass sie einen Universitätsabschluss haben, aber die Grundlagen von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung wären doch schön. Ansonsten wirkt der Absender dumm und das ist kein Eindruck, den jemand von sich erzeugen will, oder? Auch Mail-Adressen wie „hasimausi87“, „schnutengirlie“ oder „crazygirl“ wirken unseriös. Am besten sind da immer noch Vorname und Nachname.

Kommen wir zu Nummer 3:

„guten tag

mein name ist [Name] ich wohne in [Ort] und bin 18 jahre alt
ich bin 1,71 groß und bin ein süddländischer typ ich habe modelerfahungen vor der kamara meine kontatdaten sind einmal meine nummer [Handynummer] und einmal meine email mit der ich ihnen grade schreibe ich bin sehr dizipliniert und gehe immer auf den fotographen ein und verweigere nicht die anforderungen die an mir gestellt werden ichhabe eine sehr starke ausdauer und werde nicht so schnell stressig von einem sehr langen arbeitstag ich halte durch bis zum ende
ich schicke ihnen noch ein paar bilder von mir mit
mit freundlishen grüßen [Name]“

Ich habe zwar schon von einigen Models gehört, dass meine Foto-Shootings entpannter ablaufen als bei einigen anderen Fotografen, aber solche Mails machen mir etwas Angst. Für mich klingt das als ob für den Absender das Modeln eine Strafe sei, der er sich beugen muss. Es gelten auch die Anmerkungen zur Rechtschreibung zur letzten Email. Zusätzlich war kein Betreff angegeben und als Absender nur eine kryptische Zahlenkombination (à la 6453 29484746383) zu lesen. Ein Wunder, dass mein Spam-Filter die Mail nicht aussortiert hat. Die angehängten Fotos waren okay: klein, verschiedene Outfits und Gesichtsausdrücke. Was er von mir möchte, steht jedoch nicht in der Mail. Soll ich seine Fotos kommentieren oder ihn als Model buchen? Oder ihn wegen zu vieler harter Shootings trösten?

Die 4. Mail geht da anders ran:

„sehrte Damen u. Herren ,
ich würde mich gerne bei ihnen Bewerben as Model.

da ich meine Ganzen bilder auf einer CD habe und eine Fertige Set Card und nur 4 bis 5 Fotos klein genug sind um sie per e-mail zu schicken werde ich dieswe fotos abschicken dazu tue ich noch ein drei ganz normale bilder mit rein die nicht bearbeitet worden sind. dait sie ein gutes bid von mir machen können…..ich würde mich wirklich sehr freuen wenn sie mir die möglichkeit geben mich bei ihnen persöhnlich vorzustellen um ihnen zu bewesen das ich das zeug dazu habe mit ihrer hilfe an viele aufträge ran zu kommen.

Grösse: (1.87cm)
Augen Farbe: (Grünbraun)
Haar Farbe: (Schwarz)
Konfektionsgrösse: (48)…(102/(84/86)
Jeans Grösse: (31/34)
Schuh Grösse: (42)

Referenzen:
[Firma] […]parfüm presentation Deutschland weit.
[Firma] (foto shoot mit [Name] u. Laufsteg).
[Firma] (winter mode Laufsteg).
[Firma] (designer Anzug Laufsteg).
[Firma] (Designer AnzugLaufsteg).
[Firma] (sommer mode Laufsteg).

Das Jahr 2008 habe ich nicht mehr Gemodelt da ich Vater wurde und ich viel zeit mit mein Sohn und meiner Frau verbracht habe…aber ich würde so gerne wieder anfangen und würde mich gerne bei ihnen vorstellen ich weiss eigentlich macht man die bewerbuung anders aber ich wollte damit nur zeigen das ich es wirklich sehr möcht…
würde mich sehr freuen wenn sie sich melden..mir die möglichkeit geben…
mit freundlichen grüssen [Name]“

Bei einer Bewerbung gilt wie bei anderen Bewerbungen auch, dass sich das Model von seiner besten Seite zeigen sollte. In dieser Mail werde ich jedoch in jeder Zeile auf die Fehler hingewiesen, die das Model eben gemacht hat und die ich sonst nie bemerkt hätte: Fotos nicht fertig, lange Auszeit, Bewerbung anders geplant. Außerdem ist der Grundtenor der Mail: „Was ich als Model will“. Die Vorteile für den Fotografen werden nirgends erwähnt. Immerhin waren die Fotos im Angang ausreichend und die Referenzen sind ebenfalls von großen Firmen. Aber da alle Referenzen Laufsteg-Jobs sind, wäre eine Erklärung schön gewesen, warum das Model Stockfotografie machen möchte. Außerdem fehlt der Ort in der Mail und so sehe ich nicht, welche Entfernung zwischen mir und dem Model liegt.

Wie schreibe ich eine gute Model-Bewerbung?

Liebe Models, ich beiße Euch keinen Kopf ab, wenn ihr einige Fehler in der Bewerbung macht. Wenn ich einen guten Eindruck habe und einige Daten fehlen, frage ich auch noch mal nach. Aber ich möchte doch die Gewissheit haben, dass ihr vor der Bewerbung überlegt habt, was ihr wollt.

Schreibt mir, wie und warum ihr mich gefunden hat und was genau ihr Euch vorstellen könnt (Kennenlern-Gespräch, Test-Shooting, nur bezahlte Aufträge, etc.). Lest Euch die Mail vor dem Abschicken noch mal durch, um kleine Tippfehler zu korrigieren. Ja, ist lästig und dauert, macht aber einen besseren Eindruck. Und es es gibt nur einen ersten Eindruck. Außerdem wirkt eine Massen-Anrede wie „sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Hallo“ sehr unpersönlich. das haben bisher alle vier Kandidaten falsch gemacht.

Aber nun zu den positiven Beispielen. Davon will ich mehr lesen.

Die fünfte Mail:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,

Hiermit bewerbe ich mich bei ihnen als Modell ,
Erfahrungen bringe ich mit da ich schon mehrmals in meiner Umgebung für eine Modeagentur gearbeitet habe.
Und das Modeln mir neben bei Spaß macht.
Leider bin ich nicht die Größte und bin deswegen etwas eingeschränkt.
Aber ich habe Spaß am leben und bin offen für neues!

Meine Angaben hierzu sind:
Größe : 167
Gewicht : 53

Brustumfang: 80
Tailenumfang: 70
Hüftumfang: 80

Konvektionsgröße :34 /36
Schuhgröße: 39

Meine Adresse lautet:
[Name+Adresse]

Die Bewerbung ist okay, die angehängten Fotos waren auch nützlich und es ist die erste Mal mit direkter Anrede. Da das Model sehr jung aussieht, fehlt mir nur eine Altersangabe, da ich bei Minderjährigen eine Einverständniserklärung der Eltern brauche und das vor einem Shooting klären will. Da der Wohnort der Bewerberin weit von Köln entfernt ist, hätte ich mir noch einen Satz dazu gewünscht, wie flexibel das Model beim Reisen ist.

Hier noch eine gelungene Bewerbung:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,
mein Name ist [Name], ich bin 20 Jahre alt und komme aus […].

Über Ihre Internetseite habe ich erfahren, dass Sie ständig neue Gesichter für diverse Fotoproduktionen suchen.
Sehr gerne würde ich mich dafür bewerben.
Ich habe schon einige Shootings absolviert und fühle mich vor der Kamera sehr wohl.
Besuchen Sie doch auch meine Internetseite www.[Webseite].de .

Im Anhang sende ich Ihnen meine Setcard.

Wenn Sie Interesse an meiner Person haben, dann melden Sie sich doch einfach bei mir.

Mit freundlichen Grüßen
[voller Name]“

Premiere! Die erste komplett fehlerfreie Email an mich. Außerdem ist sie kurz und knapp, freundlich formuliert, der Hinweis auf eine Webseite mit mehr Informationen und im Anhang eine Sedcard als JPG mit sieben professionellen Fotos, die das Model auch lachend und in Aktion zeigen. In der Sedcard stehen auch die Daten wie Alter, Größe, Konfektionsgröße etc., die in der Mail fehlen. Nur ein kleiner Minuspunkt: Die genannte Webseite führt zu einer Seite, wo sich das Model als Sängerin präsentiert. Eine Darstellung als Model wäre angebrachter und ist mit einer einfachen Unterseite leicht umzusetzen.

Zuletzt noch eine Mail, die heute in meinem Postfach lag:

„Hallo Robert,

ich bin eben auf deine Website gestoßen, und habe Gefallen an deinen Fotos (und dem Video) gefunden.
Falls ich für ein Projekt in Frage kommen sollte, würde ich mich sehr freuen.
Jetzt mal zu den Daten, die nicht fehlen dürfen (Smiley)

Alter: 21 / Studentin
Wohnort: [Ort] (Reisen ist prinipiell kein Problem, kommt immer auf die Planung an – und inwieweit es sich finanziell lohnt)
Größe: 1,64m
Konfektionsgröße: 35
Kontaktdaten: Mail (steht oben *g*) Handy: [Nummer] (D2)
Erfahrungen / Referenzen:
Ich hatte bis jetzt 7 Fotoshootings mit (meiner Meinung nach) tollen Ergebnissen (Bilder sind im Anhang). Mit Stockfotografie hatte ich bisher noch keinen Kontakt, würde das aber gerne ändern. Ob ich dafür in Frage komme, kannst du sicher am besten entscheiden.

Über eine Rückmeldung (egal ob positiv oder negativ) würde ich mich freuen!
Mit freundlichen Grüßen,
[voller Name]“

Auch hier hat das Model alles richtig gemacht. Die mitgeschickten Fotos waren etwas zu groß, aber die Auswahl der Bilder war passend. Übrigens ist dieses Model das erste, welche die große Entfernung zwischen Köln und dem Wohnort des Models kommentiert und darauf hingewiesen hat, unter welchen Bedingungen das kein Problem wäre.

Erfolg mit der Bewerbung?

Ja, ich habe schon Models fotografiert, deren Bewerbung mir nicht gefallen hat. Ja, ich habe auch Models ablehnen müssen, deren Bewerbung gut war. Fotogenes Aussehen des Models ist Pflicht, eine gute Bewerbung die Kür. Aber ja, ich habe schon Models abgelehnt, die ganz passend gewesen wären, weil die Bewerbung sehr schlampig oder unhöflich war.

Was sind Eure Erfahrungen? Was stört Euch bei Bewerbungen von Models am meisten? Worüber freut ihr Euch am meisten bei Bewerbungsmails?

Frag den Fotograf: Welche Kamera für professionelle Fotos?

Wieder eine Mail in meinem Postfach, diesmal von einem sich selbst als „blutigen Anfänger“ bezeichnenden Hobby-Fotograf.

„Hallo,

ich habe Deinen Blog gefunden und wollte eigentlich nur eine besonders kurze Frage stellen, die sicherlich dennoch nicht ganz einfach zu beantworten sein wird.

Aktuell mache ich zwar gerne Fotos, konnte mich jedoch noch nicht dazu überwinden mir eine bessere, aber auch teure Kamera zuzulegen. Ich weiß noch nicht, ob ich einmal auch beruflich fotografieren werde, doch würde ich den Einstieg in die professionelle Fotografie gerne mit einer guten Kamera beginnen. Bisher habe ich sehr gute Erfahrungen mit Canon-PowerShot-Kameras gemacht, habe mir also überlegt, der Marke treu zu bleiben. Ich hatte mir daher den Kauf einer Canon EOS 450D überlegt. Vorher wollte ich jedoch einen Profi fragen und dein (ich hoffe ich darf du schreiben) Artikel erschien mir eine Offenheit zu zeigen, die man in dieser Form nicht häufig antrifft. Welche Kamera wäre für den Einstieg in die professionelle Fotografie empfehlenswert? Worauf sollte man achten?“

Technik entdecken
Da mir seine Frage häufiger gestellt wird, möchte ich versuchen, sie exemplarisch zu beantworten. Ich weise darauf hin, dass ausdrücklich nach einer Kamera für „professionelle Fotografie“ gefragt wurde. Meine Antwort bezieht sich also nicht auf süße, kleine Digicams für die Schnappschüsse auf Partys.

Zuerst der wichtigste Punkt vorweg: Die Kamera ist für gute Bilder nur zweitrangig! Oder um die ewig geltenden Sätze des „Fotopapstes“ Andreas Feininger zu zitieren:

„Die einen, zu denen leider die meisten Amateure gehören, sind vernarrt in Präzisionskameras, funkelnde Objektive, Feinkornentwickler usw. Sie haben die beste Ausrüstung, das letzte Kameramodell, die lichtstärksten Objektive und alles nur erdenkbare Zubehör. […] Außerdem sind sie genau auf dem laufenden über die Vor- und Nachteile der verschiedenen „Systemkameras“ und geben ihre eigene Kamera regelmäßig in Zahlung für das jeweils neuste Modell […]. Aber sie haben oft keine Ahnung, was sie überhaupt fotografieren sollen, und machen selten Aufnahmen, die der Mühe wert sind.“ (aus: Die große Fotolehre)

Profis stellen trotz dieser Technikschelte gewisse Anforderungen an ihre Kameras. Aber nicht um der Technik willen, sondern zum einen, weil die Kunden bzw. Bildagenturen bestimmte technische Daten voraussetzen (z.B. Megapixel) und bei häufigem Gebrauch einige Details einfach bequem sind oder nur dafür sorgen, dass die Kamera nicht so schnell kaputt geht und zum anderen, weil sich nur mit bestimmter Technik kreative Bildideen gut umsetzen lassen.

Doch zurück zur Frage. Was muss eine Profi-Kamera haben oder können?

  • Wechselobjektive: Das wirklich Wertvolle eines guten Fotografen sind seine Objekive, die Blitzgeräte und Lichtformer. Die Kamera kann einfach ausgetauscht werden, wenn es neuere Modelle gibt.
  • RAW-Aufnahmen: In kritischen Lichtsituationen kann eine RAW-Aufnahme die einzige Möglichkeit sein, ein Bild zu „retten“.
  • Blitzschuh: der eingebaute Blitz von Digitalkameras hat zuwenig Steuerungsmöglichkeiten
  • Vollformat-Sensor: Es gibt genug Leute, die auch mit kleineren Sensoren verkäufliche Fotos machen. Aber die Details und die Schärfe werden nur besser, wenn der Sensor größer wird
  • Dazu kommen noch viele Details wie geringe Auslöseverzögerung, AdobeRGB-Farbraum, lange Akkulaufzeit etc., die heutzutage aber so gut wie alle Kameras haben, die obige Kriterien erfüllen

Kein Wort zu den Megapixeln? Nein. Selbst die billigsten Spiegelreflex-Digitalkameras, die die meisten obigen Anforderungen erfüllen, haben heutzutage mindestens 8 oder gar 10 Megapixel. Das reicht aus bzw. ist manchmal fast zuviel.

Um die „beste Kamera“ zu finden, ist es wichtig, sich über den Zweck im Klaren zu sein. Nicht umsonst bietet z.B. Canon im Profisegment neben der Canon EOS 1Ds Mark III für Studiofotografen auch die Canon EOS 1D Mark III, welche nur halb so viele Megapixel hat, dafür aber bei Serienaufnahmen doppelt so schnell ist und deshalb z.B. für Sportfotografen auf jeden Fall die bessere Wahl ist.

Die Kamera-Marke ist fast egal, solange die Firma genug Wechselobjektive anbietet und auch langfristig herstellt. Oft kaufen Anfänger jedoch eine schnieke Spiegelreflex-Digitalkamera und haben danach kein Geld mehr, ebensoviel Geld für gute Objektive auszugeben. Aber eine Canon EOS 1D Mark III mit einem AF 28-300mm F/3,5-6,3-Objektiv von Tamron wird sicher keine besseren Fotos machen als eine Canon EOS 1000D mit einem EF 85mm 1.2 L II USM-Objektiv von Canon. (Wäre mal einen Versuch wert…)

Bis auf den Vollformat-Sensor erfüllen beispielsweise alle Canon EOS-Kameras die genannten Voraussetzungen. Für einen Anfänger empfiehlt es sich also, ein billigeres Kameramodell zu nehmen, dafür aber beim hochwertigen Objektiv zu sündigen, was nach 2-3 Jahren beim Wechsel zur besseren Kamera einfach behalten wird. Das Objektiv muss nicht mal teuer sein: Eine 50mm 1.8 II-Festbrennweite von Canon kostet ca. 100 Euro und ist damit beim Preis/Leistungsverhältnis unschlagbar. Ach ja, damit nicht der Verdacht der Schleichwerbung aufkommt: Nikon macht auch gute Kameras und Objektive.

Deshalb: Verbringt weniger Zeit mit der Suche nach der Kamera, sondern denkt darüber nach, was ihr fotografieren wollt und kauft Euch das entsprechend passende Objektiv.

Tipps zur Konzertfotografie vom Profi?

So, ich begrüße meine Leser und wünsche allen ein frohes und erfolgreiches Jahr 2009.

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Als ich nach meinem Weihnachtsurlaub meine Mailbox durchforstete, stieß ich auf zwei interessante Mails.

Die erste Mail war eine Frage, die sinngemäß so lautete:

Ich habe ihren Blog gefunden und hoffe, dass sie mir durch ihre Erfahrungen im Fotobereich weiterhelfen können. Ich bin auf der Suche nach Bildagenturen, die kostenlos Fotos zur Verfügung stellen. Kennen sie da welche?„.

Meine Antwort fiel entsprechend knapp aus. Wer würde zu einem Bäcker gehen und sagen: „Ich habe ihre Bäckerei gesehen und hoffe, dass sie mir helfen können: Kennen sie andere Bäcker, die mir Brötchen schenken?“ Das würde sich niemand trauen. Aber wenn Leute einen Fotografen zu fragen, ob er Fotos verschenkt, zeigt das, welchen Stellenwert die Fotografie im öffentlichen Bewußtsein hat.

Eine ähnliche Mail habe ich gestern auch über Flickr bekommen. Ob ich nicht ein bestimmtes Foto (gratis natürlich) in großer Auflösung zuschicken könnte, da es als Poster in einer Cafeteria gedruckt werden solle.

Da war die nächste Mail ja noch ganz dezent. Ein junger Fotograf schrieb mir folgendes:

ich wollte nur mal eben nachfragen wie du es geschaft hast einige tips in sachen konzert fotografie zu geben ? bei solchen fotos ? es ist nicht böse gemeint aber die fotos die in deinem text mit drin sind …öhm sind aus meiner sichtweise 0815 😉 wie gesagt es ist nicht böse gemeint sondern es ist viel das das ich ganz schön erstaunt bin das du dich in der lage siehst anderen tips zugeben ; ) und da ich sonst auch innerhalb von knapp 20.min keine anderen konzert live fotos finden konnte.

Der Brief bezieht sich auf die „Tipps zur Konzertfotografie“ auf meiner Webseite. Was soll ich dazu sagen? Ich verdiene mein Lebensunterhalt ausschließlich mit der Fotografie, bin der Definition nach also „Profi“. Jedoch bin ich kein ausgewiesener Konzertfotograf, obwohl ich auch auf zig fotografierte Konzerte zurückblicken kann. Sollte ich deshalb anderen keine Tipps geben, nur weil ich in diesem Bereich kein Profi bin? Klappe halten?

Der besagte Fotograf nennt sich „Eventfotograf“ und hat auf seiner Webseite Fotos von über 50 Konzerten mit insgesamt mehr als 1000 Fotos. Die bekanntesten Bands sind sicher State Radio, Tomte und die Höhner. Interessant auch der kleine Zusatz „Hier sehen Sie komplett unbearbeitete Fotografien“.

Vielleicht ist die Frage andersum besser gestellt: Warum gibt der offensichtliche Profi selbst keine Tipps und wundert sich, wie andere (vielleicht nicht so gute Fotografen) Tipps geben können?

Was würdet ihr an meiner Stelle auf so eine Mail antworten?