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Adobe integriert Bilder von Fotolia in das neue Produkt „Adobe Stock“

Vor einem halben Jahr hat die Softwarefirma Adobe die Microstock-Bildagentur Fotolia für 800 Mio. US-Dollar gekauft.

Schon damals war klar, dass sehr wahrscheinlich eine Einbindung der Fotolia-Bilder in die „Creative Cloud“ (CC) von Adobe erfolgen würde. Heute bestätigte Adobe diese Voraussage auf ihrem „Creative Cloud 2015„-Event in Berlin, wo die neuen Funktionen der CC 2015 vorgestellt wurden.

Fast genau zehn Jahre nach dem Start von „Adobe Stock Photos“ (einem Dienst, der 2008 wieder eingestellt wurde), präsentiert Adobe nun „Adobe Stock„, mit über 40 Millionen Bildern aus der Datenbank von Fotolia. Ich halte den Namen für etwas unglücklich gewählt, weil die Aktien der Firma den gleichen Namen haben (probiert es bei Google aus), aber das soll hier keine Rolle spielen.

Das neue Logo von "Adobe Stock"
Das neue Logo von „Adobe Stock“

Gewiss sind in der Creative Cloud 2015 einige Schmankerl für Fotografen und Designer versteckt, aber dazu komme ich vielleicht ein andernmal. Heute soll sich alles um die Vorstellung von „Adobe Stock“ drehen.

Was genau ist „Adobe Stock“?

Ein Ziel von Adobe ist es, den kompletten Gestaltungsprozess von Design in die „Creative Cloud“ zu verlagern. Bisher können CC-Kunden in den Cloud-Bibliotheken bisher schon Pinsel (Brush CC), Farbpaletten (Color CC), Vektorformen (Shape CC), aber auch Textstile und Ebenenstile plattform- und programmübergreifend erstellen und darauf zugreifen.

Ich kann zum Beispiel mit der App „Adobe Color CC“ die Farben eines selbst gemachten Fotos analysieren und als Farbpalette in der Cloud abspeichern. Danach habe ich auf diese Farbpalette Zugriff über Photoshop, Illustrator und so weiter, um diese Farben bei meiner Arbeit verwenden zu können.

Mit Adobe Stock ist es ähnlich, nur eben mit Bildern:
Kunden können über die Bibliotheken im Bilderbestand „Adobe Stock“ (der wiederum von Fotolia kommt) suchen und sich kostenlos Vorschaubilder mit Wasserzeichen versehen in ihre CC-Bibliotheken legen und in ihrer Arbeit nutzen. Diese Vorschaubilder sollen eine deutlich bessere Qualität als bisher haben.

Screenshot der Adobe Stock Webseite, wo die Bilder gesucht werden können
Screenshot der Adobe Stock Webseite, wo die Bilder gesucht werden können

Um „Adobe Stock“ nutzen zu können, müssen Creative Cloud-Kunden ihre Programme wie Photoshop oder Illustrator auf „CC 2015“ aktualisieren über den „Creative Cloud Manager“.

Wie viel kostet die Nutzung von „Adobe Stock“?

Das Runterladen und die Nutzung der Vorschaubilder mit Wasserzeichen ist kostenlos. Um das Wasserzeichen zu entfernen und die Bilder legal nutzen zu dürfen, müssen sie gekauft werden. Das funktioniert über die Kreditkarte, welche bei Adobe für die Bezahlung des „Creative Cloud“-Abos hinterlegt ist.

Möglich ist ein „normales“ Jahres-Abonnement von 750 Bildern im Monat für 159 USD pro Monat (bzw. 199 USD für nur einen Monat Laufzeit), der Einzel-Download eines Bildes für 9,99 US-Dollar (bzw. in Europa vermutlich 9,99 Euro netto) sowie ein Bilderpaket von 10 Bildern für 50 US-Dollar. Andere Zahlungsmöglichkeiten oder Bilderpakete sind aktuell nicht möglich.

Welche Lizenz haben die Bilder von Adobe Stock?

Soweit mir bekannt ist, werden die Bilder mit einer „Standardlizenz“ wie der bei Fotolia angeboten. Eine „Erweiterte Lizenz“ gibt es aktuell nicht.

Vektorgrafiken werden als Vektor geliefert ohne die dazugehörige JPG-Datei. Das Angebot umfasst auch die Instant-Collection, aber nicht die Premium-Collection „Infinite“. Videos werden zum Start noch nicht angeboten, die Einführung ist aber geplant.

Screenshot, wo die "Adobe Stock"-Bilder (siehe Kächsten rechts im Bild) in Photoshop als Bibliothek auftauchen
Screenshot, wo die „Adobe Stock“-Bilder (siehe Kächsten rechts im Bild) in Photoshop als Bibliothek auftauchen

Wie viel verdienen die Fotografen an einem Verkauf?

Haltet euch fest, jetzt kommen die guten Nachrichten!
Generell gilt: 33%. Das ist der Anteil, den die Fotografen von einem Verkauf erhalten sollen. Wird demnach ein Einzelbild für 10 USD/Euro verkauft, erhält der Fotograf 3,33 Credits.

Kauft der Kunde 10 Bilder im Paket, wären es demnach 33% von 5 (50 Dollar durch 10 Bilder), also 1,65 Credits. Das sind mehr als die 20% (1 Credits) bzw. 25% (1,25 Credits) mit DPC-Opt-In, welche Fotografen bisher beim Verkauf der ähnlichen Bildpakete bei Fotolia erhalten. Der „Bonus“ für das Anbieten der Fotolia-Bilder im „Dollar Photo Club“ (DPC) entfällt somit.

Die gute Nachricht: Die 33% werden in Zukunft auch bei Verkäufen von Bildpaketen über Fotolia und dem DPC ausgezahlt, also eine Kommissionserhöhung von 37,5%.

Benutzt der Kunde das „normale“ Bilder-Abo, erhält der Fotograf die Kommission gemäß seinem aktuellen Ranking-Wert, also von 0,20 bis 0,40 Credits pro Download.

Ist ein Opt-Out bei Adobe Stock möglich?

Nein, Im Gegensatz zum Dollar Photo Club von Fotolia ist bei Adobe Stock kein Opt-Out möglich.

Welchen Einfluss haben Verkäufe über „Adobe Stock“ auf das Fotografen-Ranking bei Fotolia?

Hier kommt noch eine gute Nachricht: Die normalen Verkäufe zählen wie bisher 1:1. Aber: Auch die Abo-Downloads zählen jetzt 1:1, nicht wie bisher 4 Abo-Downloads als 1 Ranking-Download. Das gilt sowohl für die verkauften Abos über Adobe Stock als auch über Fotolia sowie dem DPC.

Im Klartext: Wer bisher ca. 50% Abo-Downloads hatte, sollte jetzt das nächste Ranking-Level doppelt so schnell erreichen als bisher (4*0,5 = Faktor 2). Wer wie einige ausländische Anbieter eine Abo-Quote von 75% hat, erreicht das nächste Level und damit auch die höheren Kommissionen sogar dreimal so schnell!

Nicht berücksichtigt sind hier eventuell höhere Gesamtverkäufe, wenn Adobe es schafft, Creative Cloud-Kunden, die bisher nicht bei Fotolia gekauft haben, für das Angebot zu begeistern.

Wie werden die „Adobe Stock“-Verkäufe für Fotografen abgerechnet?

Die Abrechnung der Verkäufe über Adobe Stock sehen die Fotografen bei den normalen Umsatzmeldungen im Anbieter-Dashboard von Fotolia.

„Adobe Stock“-Verkäufe werden dort nicht anders gekennzeichnet sein, vermutlich, um der Konkurrenz mittels „Reverse Engineering“ keine Anhaltspunkte über den Erfolg von Adobe Stock zu liefern.

Ich bin gespannt, wie viele der Creative Cloud Kunden das Angebot in ihren Workflow aufnehmen werden.

Was sagt ihr zu den Änderungen?

Die Warez-Verbindung der Stockalliance

In den letzten beiden Wochen war es ziemlich ruhig bei mir im Blog, was daran lag, dass ich viel im Hintergrund recherchiert habe.

Auslöser war die Boykott-Aktion gegen den Dollar Photo Club (DPC) von Fotolia, welchen ich schon im März hier im Blog kurz vorgestellt hatte. Damals hatten das Preismodell und die Ausgestaltung nur einige Fotografen gestört, aber konkrete Aktionen wurden nicht unternommen.

Am 25. April brach plötzlich jedoch ein großer Sturm der Entrüstung los, nachdem am gleichen Tag dieses Interview in Russland mit Fotolia-Gründer Oleg Tscheltzoff erschien. Im größten russischem Microstock-Forum microstock.ru begannen Leute, aus Protest einige ihrer Dateien zu löschen und das in diesem Thread bekanntzugeben.

Am gleichen Tag wurde die Webseite boycottfotolia.org von einer anonymen Person registriert und dort wurde begonnen, die Proteste gegen Fotolia zu kanalisieren und zu bündeln. Die Hauptforderung war die Abschaffung des DPC, sonst würden die Fotografen ihre Bilder zum Stichtag 1. Mai löschen. Innerhalb weniger Tage beteiligten sich hunderte verärgerte Fotografen an der Aktion und löschten schon zigtausende Bilder.

Wer steckt hinter dieser Webseite?

Jetzt wird es spannend. Ich fragte in der größten Microstock-Community Microstockgroup (MSG) nach, wer die Organisatoren seien. Dort meldete sich vor allem ein User namens „fotoramka“ im Namen der Protestbewegung zu Wort, der sich dort auch erst am 25.4.2014 angemeldet hatte, dem Tag, als der Aufschrei losbrach.

Als ich in der MSG nachfragte, wer genau hinter der Seite stehe, wurden meine Beiträge „runtergewählt“. Das heißt, Nutzer geben an, dass mein Beitrag nicht hilfreich sei und ab einer gewissen Anzahl dieser Wählerstimmen wird mein Beitrag für andere Leser auf der Seite ausgeblendet. Das geschah so schnell und massiv, wie es nicht zu der sachlichen Art meiner Frage passte. Nachdem ich weiter gebohrt habe, kam als Antwort, dass zwei Leute hinter der Protestaktion stecken würden. Erstens der User Frbird aus dem russischen Forum, der auf den Microstock-Seiten mit seinem Usernamen „vectorlib“ bekannt ist und auch eine gleichnamige Webseite betreibt. Letztere benutzt übrigens wieder den oben genannten Anonymisierungsdienst.

Zweitens der schon erwähnte fotoramka, der sich Andy nennt und der Programmierer der Seite ist. Als Kontaktadresse gibt dieser die Emailadresse admin@stockalliance.org an.

Quelle: http://www.microstockgroup.com/index.php?topic=22487.msg376076#msg376076
Quelle: http://www.microstockgroup.com/index.php?topic=22487.msg376076#msg376076

Die Webseite stockalliance.org wiederum wurde vom gleichen Anonymisierungsdienst wie die Boykott-Seite registriert, das heißt, der wahre Eigentümer bleibt verborgen. Interessant ist das Datum der Registrierung: 23.10.2013. Das heißt, die Seite wurde registriert, bevor der Dollar Photo Club existierte.

Der Name „Stock Alliance“ ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Stock Artists Alliance. Letztere war eine seriöse Interessengemeinschaft von Stockfotografen, welche 2001 gegründet wurde und die im April 2011 leider ihren Betrieb eingestellt hat. Ich vermute stark, dass die Namensähnlichkeit der beiden Webseiten stockalliance.org und stockartistsalliance.org absichtlich ist, damit erstere vom guten Ruf und Klang der letzteren profitiert.

Ich habe mir dann die Seite stockalliance.org im Google Cache angeschaut.

Dort existiert ein Screenshot vom 25.03.2014, auf dem sich die Beteiligten von stockalliance.org zu erkennen geben:

  • allday2.com
  • Pixelbrush.ru
  • Grafamania.net
Übersetzung via Google Translate, der originale russische Screenshot liegt mir ebenfalls vor.
Übersetzung via Google Translate, der originale russische Screenshot liegt mir ebenfalls vor.

Die drei genannten Seiten sind sogenannte Warez-Seiten, die erste davon ist mit die größte in Russland und gehört zu den 1000 meistbesuchten Webseiten in Russland.

Was sind Warez-Seiten?

Zum Verständnis ein kurzer Einschub. Warez ist eine Subkultur, welche sich um illegale Software und andere digitale Medien dreht. Dazu gehören auch Fotos, Videos, Illustrationen und so weiter. Im engeren Sinne sind Warez-Seiten Webseiten, auf denen urheberrechtlich geschütztes Material kostenlos angeboten wird, also zum Beispiel hunderte bis tausende Bilder von Shutterstock, Videos von Pond5, Illustrationen von Fotolia und so weiter. Nur eben kostenlos und illegal. Die Seiten bewahren das illegale Material aber nicht selbst auf, sondern verlinken zu sogenannten Filehostern. Diese kneifen oft ein bis zwei Augen zu, wenn es um die illegalen Inhalte auf ihren Servern geht.

Wie verdienen Warez-Seiten Geld?

Wie der Fall kino.to 2011 gezeigt hatte, können solche illegalen Warez-Seiten mehrere Millionen Euro Gewinn erzielen. Das geschieht unter anderem durch Werbebanner, Premiummitgliedschaften und Abofallen. Die verlinkten Filehoster gehören manchmal auch den gleichen Betreibern oder es gibt personelle Überschneidungen.

Schauen wir uns das kurz konkret an: Bei Allday2.ru werden verschiedene Filehoster genutzt, zum Beispiel:

  • letitbit.net
  • depositfiles.com
  • littlebyte.net
  • oboom.com
  • Turbobit und einige andere.
Quelle: http://allday2.com/index.php?newsid=716890
Quelle: http://allday2.com/index.php?newsid=716890

Nach eigenen Angaben hat die Bildagentur Depositphotos übrigens die gleichen Investoren wie Depositfiles (und auch den gleichen Gründer), was einer meiner Gründe ist, die Agentur zu meiden. Zu letitbit.net kommen wir gleich noch.

Depositfiles hat ein Affiliate-Programm, bei dem die Leute dafür bezahlt werden, dass ihre hochgeladenen Dateien möglichst oft runtergeladen werden. Das Programm wird hier angeboten und verlinkt zu der Seite Halileo, die ebenfalls den oben genannten Anonymisierungsdienst nutzt. Dort wird unter anderem damit geworben, dass 1000 Download 25 Dollar bringen würden:

Quelle: http://halileo.com/earn
Quelle: http://halileo.com/earn

Bei letitbit.net zum Beispiel werden Affiliates von bis zu 17 US-Dollar für 1000 Downloads versprochen:

Quelle: http://wm-panel.com/
Quelle: http://wm-panel.com

Das heißt: Jemand klaut sich illegal Stockfotos o.ä. zusammen (wo das Material herkommt, ist noch mal eine andere Geschichte), lädt diese Dateien bei einem Filehoster hoch und verlinkt auf diese Datei auf einer Warez-Seite, damit möglichst viele Leute diese kostenlos runterladen können. Die beiden Webseiten verdienen über Werbung etc. und der Uploader erhält bis zu 2,5 US-Cent pro Download.

Zurück zum Thema.

Nach dem Ablauf des Ultimatums an Fotolia am 1. Mai 2014 meldete die Boykott-Seite als Erfolg, dass mindestens über 400.000 Bilder dort gelöscht wurden.

Fotolia führte die Möglichkeit ein, unter „Mein Konto/Profil/Anbieterparameter“ seine Bilder aus dem DPC zu entfernen.

Während bisher die Seite stockalliance.org nur auf die Boykott-Seite weitergeleitet hatte, erscheinen Anfang Mai 2014 dort wieder eigene Inhalte. Als Beteiligte am Projekt werden aber keine Warez-Seiten mehr genannt, sondern nur ein neues Forum und andere geplante Dienste. Im russischen Forum versuchten die Betreiber mit einem Thread darauf aufmerksam zu machen, aber als die Warez-Verbindung dort angesprochen wurde, wurden die Beteiligten im Forum vorübergehend gebannt und der Thread erst gesperrt und später gelöscht.

Paar Tage später versuchten sie deshalb, das in der Microstockgroup anzukündigen. Als ich dort auf die Warez-Verbindung hinwies, antwortete Fotoramka:

Quelle: http://www.microstockgroup.com/22487/22487/msg378857/#msg378857
Quelle: http://www.microstockgroup.com/22487/22487/msg378857/#msg378857

Sinngemäß übersetzt lautet die Erklärung:

„Wir hatten die Idee, die Arbeiten von Stockfotografen mit wenigen oder keinen Verkäufen auf Warez-Seiten einzustellen, um die Piraterie dieser Werke zu verhindern.“

Ja, das könnt ihr gerne mehrmals lesen, der Widerspruch steckt in sich. Nachdem einige Leute noch mal nachgebohrt haben, in welcher Beziehung fotoramka zu der Warez-Szene steckt, gab dieser hier zu, ein Mitarbeiter der Firma letitbit.net zu sein. genau die Firmen, welche für die Piraterie von Stockfotos und anderen Werken verantwortlich sind und den legalen Microstock-Webseiten Geld und Kunden wegnehmen, wollen sich auf einmal als Rächer der Stockfotografen aufspielen und eine Möglichkeit bieten, die von ihnen selbst betriebene Piraterie zu verhindern? Perfide.

Die Firma, welche Geld damit verdient, das Leute illegal auf Kosten von Stockfotografen Werke bei Warez-Seiten hochladen, ruft aktiv zum Boykott und zum Löschen von Bildern bei Fotolia auf? Warum ist die Warez-Szene so sauer auf den Dollar Photo Club?

Wer etwas russisch kann, findet die Antwort vielleicht im oben genannten Interview mit Oleg Tscheltzoff, mit dem der Protest anfing. Darin wird er sinngemäß übersetzt gefragt:

– Was für Risiken sehen sie bei der Entwicklung dieser Art von Geschäft [dem Dollar Photo Club] in Russland? Zum Beispiel haben Sie selbst erwähnt, dass die Leute Fotos von Google verwenden. Haben sie keine Angst vor Piraterie?

Dieses Projekt kämpft gegen das Phänomen der Piraterie. $ 10 sind teuer, $ 1 sind eine symbolische Gebühr für ein Foto. Ich bin sicher, dass dies langsam in das Bewusstsein der Menschen eindringt. In Russland gibt es ein weiteres Problem, nicht alle haben eine Kreditkarte, und um Mitglied zu werden, ist das notwendig. Wir werden nach und nach die neue Zahlungssysteme einführen, lokale und auch Yandex.“

Wenn es ein kostenpflichtiges Angebot schafft, einem kostenlosen Angebot Angst zu machen, so sehr, dass dieses zum Boykott aufruft, scheint die Warez-Szene das Billigangebot als ernste Bedrohung zu sehen. Während die Phase der Bilderlöschung abgeklungen ist, konzentrieren sich die Boykott-Organisatoren jetzt darauf, die Opt-Out-Möglichkeit zu betonen. Außerdem soll eine Art Community um die stockalliance.org Seite mit verschiedenen Dienstleistungen herum aufgebaut werden, was ich nach den bekannt gewordenen Hintergründen der Organisatoren kritisch sehe.

Auf der Boykott-Seite ist davon die Rede, dass am 25. Mai eine „Informationskampagne“ geplant sei. Ich vermute, dass an diesem Tag die stockalliance.org-Seite und das dazugehörige neue Forum ins Englische übertragen werden soll.

Die Warez-Szene war jedoch nie ein Freund der Urheber, im Gegenteil. Jeder Fotograf, der schon mal darum kämpfen musste, dass seine Werke von einem Filehoster entfernt werden, weiß davon ein Lied zu singen. Die Entscheidung, wie er welche Dateien zu welchen Bedingungen über welche Kanäle verkauft, muss jeder Fotograf selbst entscheiden. Ich finde, ihr habt aber auch das Recht darauf, zu wissen, wer euch dabei helfen will und was die Motivation dieser Leute sein könnte.

Fotolia reagiert übrigens seit gestern, indem sie bis zu fünf Mal höhere Kommissionen bei Abo-Downloads versprechen, wenn die Bilder auch im DPC angeboten werden:

Quelle: https://de.fotolia.com/Member/Modify/Contributor
Quelle: https://de.fotolia.com/Member/Modify/Contributor

Was sagt ihr zu den Hintergründen?
Ich weise vorsorglich darauf hin, dass ich eine sachliche, nüchterne Debatte wünsche.

Stockfotografie-News 2014-03-14

Was schon seit über zwei Monaten keine News-Sammlung mehr? Eigentlich wollte ich die neuste Zusammenstellung der Nachrichten schon letzten Freitag bringen, aber dann kam die Aufregung um „Getty Embed“ dazwischen. Aber heute:

  • Shutterstock-CEO Jon Oringer blickt auf das erfolgreiche Jahr 2013 für Shutterstock zurück.
  • Auch Alamy veröffentlichte einige spannende Zahlen als Rückblick auf das Jahr 2013. Am spannendsten ist wohl, dass letztes Jahr 12,2 Millionen USD an Fotografen ausgezahlt wurden.
  • Die letzten Jahre schon hat Tyler Olson von der Microstockgroup.com eine Umfrage unter den Microstock-Fotografen gemacht. Die  Ergebnisse für das Jahr 2013 zeigt er hier als kurze Infografik oder hier etwas ausführlicher.
  • Fotolia startet den „Dollar Photo Club„, bei dem sich die Mitglieder aus dem gleichen Angebot wie bei Fotolia direkt bedienen können. Der Vorteil scheint daher eher der Preis von einem Dollar pro Foto zu sein.
  • Noch mal Shutterstock: Hier stellt die Agentur weltweite Design-Trends für 2014 vor. Auch im Hinblick auf Fotoproduktionen interessant.
  • Getty Images stellt die neue iPhone-App „Getty Moments“ vor, mit der registrierte Fotografen Kunden-Briefings direkt aufs Handy bekommen und umsetzen können. Damit macht die Agentur Firmen wie Scoopshot oder Imagebrief direkte Konkurrenz.
  • Fast gleichzeitig erklärt Getty Images die Partnerschaft mit Flickr für beendet. Die alten Verträge gelten (noch) weiterhin, neue Bilder sollen dann über Getty Moments und EyeEm (siehe unten) kommen.
  • iStock hat indirekt die Preise erhöht, indem die kleinste Bildgröße XS ersatzlos gestrichen wurde und Kunden nun die nächstgrößere (und teurere) Bildgröße kaufen müssen.
  • Noch mal iStock: Die Agentur führt ein neues Abo-Modell ein, welches auch viel exklusives Material enthalten soll (im Gegensatz zum Thinkstock-Abo). Den Fotografen werden für das Abo aber keine „Redeemed Credits“ (RC) angerechnet. Das ist wieder einer der Änderungen, die absichtlich an verschiedenen Stellschrauben gleichzeitig drehen, damit es sehr komplex und kompliziert wird, die Folgen zu erklären. Wer sich reinarbeiten will, kann hier anfangen.
  • Getty Images hat zusammen mit der Nichtregierungsorganisation LeanIn.org die „Lean In Collectiongestartet, welche Bilder von modernen Frauen abseits von Klischees darstellen soll. Die aktuell knapp 2.800 Bilder zeigen mir jedoch, dass das gar nicht so einfach ist. Über das Thema hatte ich ja schon im Dezember hier geschrieben.
  • In diesem Interview erklärt der Gründer Florian Meissner der Bilder-Community EyeEm, dass er jetzt auch Smartphone-Bilder verkaufen will.
  • Kurz darauf kündigten EyeEm und Getty Images einen Vertriebsdeal an, bei dem ausgewählte Bilder von EyeEm über iStock und Getty verkauft werden sollen. Die Fotografen sollen 50% des Erlöses erhalten, aber nur von dem Betrag, den EyeEm von Getty erhält. Da Getty üblicherweise nur ca. 20% des Verkufspreises an Partner auszahlt, wären das dann 10%. Die genauen Zahlen sind aber leider nicht bekannt. Aber vielleicht will Getty nur auch mehr Bilder haben, die es – verziert mit Werbebotschaften – im Rahmen von Getty Embed verschenkt.
  • Auch der Flickr-Konkurrenz 500px will jetzt in den Bildermarkt einsteigen und Bilder lizenzieren. Ich bin mir nicht sicher, wo deren Alleinstellungsmerkmal liegen soll und vermute, dass sie eher „Print on Demand“-Plattformen als Vorbild haben denn die üblichen Microstock-Agenturen.
  • Ach ja, Alamy stellt ebenfalls eine App für den Bilderverkauf namens Stockimo vor. Die Wertschätzung der Fotografen liest sich am Umsatzanteil ab: Bisherige Alamy-Fotografen erhalten 50% Kommission, wer neu ist und sich bis zum 30. April anmeldet, erhält 40%, der Rest bekommt nur 20%.
  • Pond5 stellt ihr neues Plugin für Adobe Premiere Pro vor und verschenkt zu diesem Anlass Videos und Audio-Files im Wert von ca. 1.000 USD.
  • Panthermedia hat die Webseite neu gestaltet, bietet jetzt auch Vektoren an und hat eine „Social Media“-Lizenz in ihre Erweiterten Lizenzen integriert. Wer das nicht will, muss diese also deaktivieren.
  • Vor paar Wochen wurde in den Mainstream-Medien plakativ über das Urteil des Landesgerichts Köln berichtet, wonach – verkürzt wiedergegeben – bei jeder Bildnutzung im Internet ein Urheberrechtshinweis direkt am Bild stehen müsse. Konkret bezog sich der Fall auf den User PiJay bei der kostenlosen Bilderdatenbank Pixelio, die wiederum hier zum Fall Stellung genommen hat und die Nutzungsbedingungen überarbeiten will.
  • Shutterstock hat ein schönes neues Feature: „Undiscovered„. Das ist eine weitere Suchoption neben „Popular“ oder „Newest“, bei der nur Bilder angezeigt wurden, die noch keine Verkäufe hatten. Eine Win-Win-Situation: Käufer können unverbrauchte Bilder kaufen und die alten Bilder der Fotografen bekommen vielleicht einen Schub.
  • Kleckern, kosten, Krümmel: So könnte man den neuen Trend „Perfectly Imperfect“ beschreiben, welchen die Bildagentur Stockfood als neuen visuellen Trend in der Foodfotografie ausgemacht hat. Das Rezept kann auch mal misslingen, der Keks brechen oder die Sauce auf die Tischdecke tropfen. Sieht sympathisch aus, finde ich.
  • Diese Tage startet Fotolia die dritte Staffel der TEN Collection, bei der diesmal je ein Fotograf und ein Grafikdesigner zusammen an einem Werk arbeiten. Außerdem werden seit gestern bis 30. Mai 2014 die besten Werke der ersten beiden Staffeln im fotoliaLAB in der Lychener Straße 74, 10437 Berlin ausgestellt. Öffnungszeiten sind Mo-Fr 10-18 Uhr.
  • Noch mal Fotolia: Die Agentur führt eine Auflagenbeschränkung von 500.000 Stück bei der Standardlizenz ein und lässt gleichzeitig die Möglichkeit entfallen, die Erweiterte Lizenz deaktivieren zu können.

Mein Angebot: Von der News zur Story!

Ich hatte kürzlich eine Idee, von der ich schauen will, ob sie bei euch gut ankommt: Ich möchte euch anbieten, dass ihr in jeder Folge meiner „Stockfotografie-News“ bis – sagen wir mal – fünf Tage nach Veröffentlichung (also diesmal bis einschließlich dem 19.3.2014) eine der News in den Kommentaren nennen könnt, über die ihr euch eine ausführliche Story wünscht. Diese würde ich dann in den folgenden Tagen recherchieren, analysieren, zusammenfassen und darüber berichten. Gerne könnt ihr in eurem Kommentar auch schreiben, warum Euch die Nachricht interessiert oder welche weiterführenden Aspekte genau.

Wenn das interessant für euch klingt:
Welcher Nachricht sollte ich tiefer auf den Grund gehen?