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Studie: Social Media Webseiten entfernen Copyright-Informationen

Viele Social Media-Webseiten, welche das Hochladen von Bildern anbieten, entfernen dabei Copyright-Informationen und andere Metadaten. Zu diesem Schluss kommt eine Praxis-Studie des IPTC-Councils, welches für die Einhaltung des IPTC-Metadaten-Standards verantwortlich ist.

Für Fotografen ist die Erkenntnis nicht mehr überraschend, aber diese geballten Dreistigkeiten als Übersicht präsentiert zu bekommen, zeigt gut, wie ignorant viele deser Seiten mit Urhebern umgehen.

Zum Vergrößern das Bild anklicken

Im Zeitraum vom Oktober 2012 bis März 2013 hat eine Arbeitsgruppe des IPTC-Councils fünfzehn Webseiten getestet, indem dort mit Metadaten (EXIF/IPTC) versehene Bilder hoch- und runtergeladen wurden. Danach wurde geschaut, welche Metadaten auf der Webseite selbst angezeigt werden und welche nach dem Runterladen noch im Bild vorhanden waren. Getestet wurden unter anderem Facebook, Twitter, Flickr, Google+, Pinterest, 500px, Tumblr und mehr.

Die Ergebnisse

Die linke Spalte zeigt an, welche Daten auf der Webseite korrekt angezeigt werden, die mittlere Spalte zeigt, welche Daten im Bild blieben, wenn das Bild mit der Funktion „Speichern als…“ runtergeladen wurde und die rechte Spalte zeigt, welche Informationen erhalten blieben, wenn ein Download-Button o.ä. genutzt wurde, sofern dieser auf der Webseite angeboten wird.

Ein grüner Kreis zeigt an, dass alle Anforderungen erfüllt wurden, ein gelber Kreis zeigt, dass einige Anforderungen erfüllt wurden und der rote Kreis markiert ungenügende Ergebnisse, die verbessert werden sollten. Grau bedeutet, dass dieser Bereich nicht getestet wurde.

Die Auswertung

Erstaunlich ist, dass KEINE einzige Webseite komplett im grünen Bereich liegt. Bei genauerer Betrachtung der Versuchsanordnung würde ich das aber auch nicht so eng sehen, weil zum Beispiel der grüne Punkt bei der Copyright-Anzeige nur vergeben wurde, wenn alle vier IPTC-Copyright-Felder (Titel, Ersteller, Copyright-Vermerk und Credit) angezeigt werden. Da bei mir zum Beispiel Ersteller, Copyright und Credit sehr ähnlich sind, reicht mir da schon die gelbe Markierung.

Insofern hat Google+ am besten abgeschnitten was die Beibehaltung der Metadaten angeht, gefolgt von Dropbox. Am schlimmsten sieht ironischerweise bei den meistgenutzten Diensten Facebook, Flickr und Twitter aus. Dort werden Metadaten und Copyright-Informationen gnadenlos aus den Fotos gelöscht. Dabei schreiben sowohl Vorschriften der Europäischen Union als auch der USA vermeintlich klar vor, dass Urheberrechtsinformationen nicht aus digitalen Medien entfernt werden dürfen. Leider hat sich schon bei anderen Themen wie Datenschutz gezeigt, dass Facebook & Co. sich recht wenig um Gesetze scheren.

Die Lösung

Eine Lösung für das Problem liegt auf der Hand: Die betreffenden Webseiten nicht nutzen. Da aber Fotografen Social Media-Webseiten vorteilhaft für die Kundenpflege oder das Akquirieren von Aufträgen nutzen können, ist das nicht immer der beste Weg. Bis dahin bleibt wohl nur die Möglichkeit, eigene Fotos immer nur in kleiner Auflösung und mit einem sichtbaren Urheberrechtsvermerk auf den Bildern auf solche Webseiten zu laden. Ich habe einmal den Fehler gemacht, das nicht zu tun und sofort wurde das Bild massenhaft illegal im Netz verbreitet.

Wie geht ihr mit Social Media-Seiten um?

Stockfotografie-News 2012-06-15

Nach einiger Zeit haben sich wieder eine Menge Neuigkeiten aus der Bilderbranche angesammelt. Das hat für uns immerhin den kleinen Vorteil, dass wir diese sortieren können und vielleicht sogar einige Trends erkennen. Los geht’s:

  • Dreamstime hat sich des mittlerweile alten Tricks bedient und eine Kommissionskürzung mit einer Preiserhöhung kombiniert. Dadurch ist es viel schwerer zu erkennen, ob es für den Fotografen vorteilhaft ist oder nicht. Kurz gefasst kann man sagen: Fotografen, die viele alte Bilder ohne Verkäufe und/oder viele Bilder in der Level-5-Kategorie hatten, werden benachteiligt, für alle dazwischen gleichen sich Preiserhöhung und Kommissionskürzung ungefähr aus.
  • Auch Fotolia hat still und leise eine teilweise Preiserhöhung vorgenommen: Ab Fotografenstatus Smaragd wurden die Preise ab Bildgröße M um ca. 20% erhöht.
  • Die Bildagentur Aboutpixel verteilt jetzt weniger kostenlose Credits und wird damit indirekt ebenfalls etwas teurer.
  • Es gibt jetzt eine neue Bildagentur namens Timeline Images, die explizit Fotos für die Verwendung in Facebook-Timelines anbietet. Dahinter steckt die Microstock-Agentur Dreamstime.
  • Einer der bekanntesten Stockfotografen weltweit, Yuri Arcurs, hat jetzt seine eigene Bildagentur People Images aufgemacht. Interessante neue Features sind zum Beispiel die zeitlich begrenzte Exklusvität, etwas peinlich finde ich hingegen den „99% Buyout“, der den Microstock-Agenturen wegen der zusätzlichen Arbeit nicht gefallen wird.
  • Eines von Yuri Arcurs‘ Models hat jetzt einen eigenen Videoclip bekommen, der sehr lustig ist: „The Worlds Most Downloaded Man„.
  • Kommen wir zum Börsenteil: Shutterstock plant einen Börsengang, um ca. 115 Millionen US-Dollar für Investitionen einzusammeln. Dafür muss die Agentur spannende Umsatzzahlen veröffentlichen.
  • Fotolia hat vor einigen Tagen ebenfalls eine Finanzspritze von 150 Millionen US-Dollar von der Investmentfirma KKR für 50% der Unternehmensanteile bekommen. Zum Vergleich: Getty Images hatte istockphoto 2006 für 50 Millionen gekauft.
  • Auch die Investmentfirma Hellmann & Friedmann, die 2008 Getty Images für 2,4 Milliarden US-Dollar gekauft hatten, überlegen, ob sie die Agentur verkaufen oder an die Börse bringen sollen. Schätzungen zufolge könnte das 4 Milliarden Dollar einbringen.
  • Die Bildagentur Snapixel hingegen gibt auf und versteigert ihre Agentur, der Kaufpreis liegt zur Zeit bei ca. 3000 US-Dollar, bei einem Umsatz 2011 von ca. 1200 Dollar.
  • Der Zoo der Stadt Leipzig hat noch mal darauf hingewiesen, dass Motive aus deren Zoo nicht ohne Erlaubnis kommerziell genutzt oder über Bildagenturen verkauft werden dürfen.
  • Für die PicNiche Contributor Toolbar gibt es jetzt endlich das Update auf Version 1.1.17, die endlich einige Fehler behebt.
  • Gar keine schlechte Idee, solange die Rechte der Bilder wirklich alle geklärt sind: Es gibt jetzt eine iphone-App namens foap, mit der man direkt die Handybilder verkaufen kann.
  • Die Bildagentur MyLoupe und deren Partneragentur Ad Stock Image haben beschlossen, zum 12.07.2012 keine Bilder mehr zu verkaufen. Betroffene Fotografen können ihr Portfolio dann über Universal Images Group anbieten.
  • Eine tolle Neuigkeit für Fotografen: Fotolia bietet jetzt endlich eine Batch-Bearbeitung von neu hochgeladenen Bildern an. Die Funktion findet ihr im Upload-Bereich unter dem Tab „Indexierung“.
  • Auch Shutterstock haut die Innovationen nur so raus: Frisch aus deren Labor kommt Shutterstock Instant, eine Bildersuche für Leute, die noch nicht genau wissen, was sie finden wollen.
  • Getty Images hat ein neues, schönes Wasserzeichen eingeführt. Besonders löblich finde ich, dass der Fotografenname und die Bildnummer mit genannt werden. Angeblich soll es aber auch das Auffinden unlizenzierter Kopien erleichtern.
  • istockphoto hat die Richtlinien für redaktionelle Fotos erneuert und einige rechtliche Hürden genauer erklärt.
  • Jetzt noch etwas Lesestoff: Es gibt einen neuen Blog über Macrostock, betrieben von Westend61, der bisher für alle Stockfotografen sehr lesenswerte Beiträge enthält.
  • Was hingegen mit einem Kürbissuppenfoto im Microstock-Markt passieren kann, beschreibt Elisabeth Coelfen in ihrem Blog Foodphotolove. Lest auch die Fortsetzung.
  • Richtig dreist finde ich es, wenn Webseiten überlegen, ob sie für DMCA-Takedown-Notices Geld verlangen sollen. Erst Urheberrechtsverletzungen ermöglichen und dann die Urheber zur Kasse bitten?
  • Noch mal zum leidigen Thema Piratenpartei und Urheberrecht: Laut dem Kommentar von HaSi wissen einige in der AG Urheberrecht nicht mal, dass man mit Fotos wirklich Geld verdienen kann.

Puh, das war eine Menge und die News deuten an, dass sich auch in nächster Zeit viel ändern wird. Bleiben wir gespannt.

Habe ich etwas vergessen? Dann bitte in den Kommentaren nachtragen.

Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bunten Welt der Bilder gibt es einen neuen Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web-Service, mit dem Leute beliebige Fotos aus dem Internet an ihre eigene Pinterest-Seite „pinnen“ können. Es ist also – wie der Name vermuten lässt – eine Art digitale Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke präsentieren können. Vor allem Fotografen kennen das sicher, dass sie gerne inspirierende Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sammeln.

Das Besondere – und meines Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinnten Bilder für alle sichtbar sind – nicht nur für Mitglieder, sondern alle Internet-Nutzer. Die „Pins“, also die markierten Fotos, können die Nutzer in „Boards“ anlegen, vergleichbar mit verschiedenen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder anderen Kriterien zu sortieren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aussehen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehalten, erscheint gleich ein kleines Pop-Up-Fenster, mit dem Pinterest-Nutzer das Bild sofort auf ihre eigene Pinnwand „re-pinnen“ können. Wird auf eins der Bilder geklickt, erscheinen Detailinformationen, Kommentare anderer Nutzer zum Bild, und ähnliche Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sichtbar.  Das Foto des jungen Geschäftsmann oben ist beispielsweise ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wurde von der italienischen Fotolia-Webseite kopiert, ohne es zu kaufen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen propagieren Pinterest als kreativen neuen Weg zum Selbst-Marketing. Durch das Pinnen eigener Bilder würden Fotografen einen großen Kundenstamm erreichen können, der sonst vielleicht nie von dem jeweiligen Fotografen gehört hätte oder sie erzeugen Traffic auf die eigene Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wieder andere raten Fotografen strikt von der Pinterest-Nutzung ab. Ich tendiere eher zur letzteren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begründen.

1. Ebene: Das Pinterest-Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur seine eigenen Fotos dort veröffentlicht. Die „Pinterest-Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer angegeben werden sollte. Das ist aber keine Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hochlädt und es von dort oft weiter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass massenhaft Fotos des Fotografen im Netz herumschwirren, ohne dass der gewünschte Werbeeffekt eintreten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgendwann gilt das Bild als „verwaistes Werk“ (orphan work), welches legal genutzt werden kann, ohne den Fotografen zu fragen, weil der Urheber nicht mehr zu ermitteln sei.

Deshalb gilt: Wer unbedingt eigene Bilder bei Pinterest einstellen will, sollte das immer nur mit sichtbaren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesenswerten Blogbeitrag auch festgestellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest junge Frauen mit wenig Geld sind, welche „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby angeben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und warum sollten diese Leute Fotos kaufen, wenn sie diese doch kostenlos bei Pinterest veröffentlichen können? Das führt langfristig zum Problem auf der dritten Ebene, aber zuerst kommt die zweite Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest-Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas auskennt, wird beim Blick auf Pinterest innerhalb von Sekunden viele Urheberrechtsverstöße erkennen. Anders formuliert: Viele Bilder werden dort illegalerweise gezeigt. Im verklausulierten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass veröffentlichte Bilder frei von Rechten Dritter sein müssen:

„You agree not to do any of the following: Post, upload, publish, submit, provide access to or transmit any Content that: (i) infringes, misappropriates or violates a third party’s patent, copyright, trademark, trade secret, moral rights or other intellectual property rights, or rights of publicity or privacy“

Viele Nutzer halten sich jedoch nicht daran. So brauchte ich wieder nur Sekunden, um für jede der großen Bildagenturen hunderte von Fotos zu finden, die dort gezeigt werden, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, vermutlich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istockphoto oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tausende illegale Bilder, gefunden innerhalb von weniger als paar Minuten.

Auf meine Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen solche massiven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapidare Antwort, dass ein Urheber erstens sein Werk nach dem DMCA-Gesetz gerne melden könne, wenn er es irgendwo auf Pinterest finde. Zweitens können Webseiten-Betreiber auf ihren Seiten diesen Meta-Tag einbinden, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt werden können:

„<meta name=“pinterest“ content=“nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht-Inhaber wird so als automatische Zustimmung gewertet. Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperrten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest veröffentlichen.

Besonders perfide klingt das angesichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht herausnimmt, die veröffentlichten Bilder verkaufen zu dürfen:

„By making available any Member Content through the Site, Application or Services, you hereby grant to Cold Brew Labs a worldwide, irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, royalty-free license, with the right to sublicense, to use, copy, adapt, modify, distribute, license, sell, transfer, publicly display, publicly perform, transmit, stream, broadcast, access, view, and otherwise exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argumentieren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel berufen könne, nach der die urheberrechtlich geschützten Bilder bei Pinterest zu einem „neuen Werk“ transformiert werden, ähnlich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argumentiert wurde, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal widerspricht dem jedoch, der deutsche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine einzige Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur dritten und langfristig gefährlichsten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen-Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hinstellen und auf ordentliche Quellenangaben pochen und notfalls ihren Anspruch mit teuren Abmahnungen einklagen. Angesichts der oben aufgezeigten tausenden Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet-Nutzern einstellt. Fotografen verdienen ihr Geld hauptsächlich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezahlen. Internetnutzer glauben jedoch sehr häufig, dass Bilder im Internet kostenlos sind. Dazu tragen Web-Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen diese Dienste nutzen, desto eher nutzen auch Firmen und andere kommerzielle Anbieter solche Seiten. Diese wiederum werben dann auch mit urheberrechtlich geschützten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz konkret auch Einnahmen und Folgeaufträge verloren. Kleines Beispiel? Gefunden innerhalb einer Minute: Auf der Pinterest-Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urteilen, wurde es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprünglich kommt, sondern einfach das Layoutbild verwendet:


Wenn Fotografen nicht aufpassen, kommt irgendwann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwissenden Internet-Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neuen „Lebensstil“ anpassen müssen und einfach geändert werden. Die Piratenpartei arbeitet schon darauf hin und da sie vor allem von jungen Leuten gewählt wird, steigen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kostenloses Treibgut im Internet sind, dass jeder aufsammeln und ausstellen kann? Am besten, ohne Privatpersonen verklagen zu müssen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?

Stockfotografie-News 2011-10-04

Bevor ich morgen auf der MicrostockExpo viele neue Informationen sammle, kommen heute erst mal die Neuigkeiten, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben. Schnallt euch an, es ist eine ganze Menge!

  • Fotolia ist seit gestern offiziell im picturemaxx-System vertreten. Das bedeutet, dass Bildkäufer Fotolia-Bilder auch über das picturemaxx-Suchprogramm finden und kaufen können. Dafür wird ein aktives Fotolia-Mitgliedkonto mit ausreichend Credits benötigt. Wer noch keins hat, bekommt als picturemaxx-Kunde hier 30% Rabatt* auf den ersten Einkauf. Warum ist das so bedeutend? Es gibt viele kleine Verlage, die – sei es aus Bequemlichkeit oder auch buchhalterischen Gründen – nur über picturemaxx Bilder kaufen, auch wenn sie wissen, dass es andere Angebote gibt. Diese haben nun innerhalb ihres gewohnten Systems Zugriff auf über 15 Millionen Bilder zusätzlich.
  • Noch mal Fotolia: In der letzten News-Meldung hieß es, dass Fotolia sich vorbehält, Fotografen im Ranking runterzustufen, wenn sie ihre Bilder woanders signifikant billiger anbieten. Da ist die Agentur jetzt zurückgerudert und hat zwei Änderungen vorgenommen: Niemand wird im Ranking runtergestuft, sondern höchstens die Preise werden auf 1 Credit Startpreis zurückgesetzt. Außerdem betrifft diese Regelung nur Mitglieder mit Smaragd-Ranking und aufwärts, was der Behauptung den Wind aus den Segeln nimmt, Fotolia würde sich bestimmt nur an kleine Fotografen wagen. Im Gegenteil: Bildkäufer berichten, dass die Bilder von Yuri Arcurs beispielsweise auf einem bei Depositphotos teurer geworden sind und die billigen SMS-Downloads seiner Fotos nicht mehr möglich seien. Sehr wahrscheinlich ist beides eine Reaktion auf die Fotolia-Drohung.
  • Fotolia Nr. 3: Am Sonntag eröffnet die Bildagentur in der Lychener Straße 74 in 10437 Berlin ihr „fotoliaLab“, die erste Galerie, die sich mit Stockfotografie beschäftigt. Je drei Monate bekommen Künstler hier einen Raum zur Verfügung gestellt, der ihre Stockfotos in einem künstlerischen Kontext präsentieren soll. Den Anfang macht der Russe George Mayer*.
  • Eine weitere Reaktion seitens Depositphotos vermutlich: nach der Fotolia-Ankündigung erhöhte Depositphotos plötzlich die Preise, erweiterte jedoch deren unsägliches SMS-Download-Programm auf weitere Länder.
  • Shutterstock beschenkt die Fotografen in letzter Zeit reichlich. Mit dem neuen „Catalog Manager“ ist es bei Shutterstock endlich möglich, seine Bilder in Sets zu sortieren und sich die Gesamteinnahmen dieser Sets anzeigen zu lassen. Ich nutze das zum Beispiel, um die Erlöse jeder Fotosession einzeln analysieren zu können. Das war vorher nur umständlich – und mit größten Kopfschmerzen verbunden – möglich.
  • istockphoto hat kürzlich ein Whitepaper zum Einsatz von Stockfotos in mittelständischen Unternehmen kostenlos veröffentlicht, mit vielen nützlichen Tipps, wie kleine Unternehmen besser Bilder einsetzen können.
  • Noch mal istockphoto: Istock akzeptiert jetzt keine Bilder mehr mit copyright-geschützten Motiven als Editorial-Fotos. Grund seien rechtliche Probleme. Damit wird es noch komplizierter zu erklären, was nun eigentlich als „editorial“ erlaubt ist oder nicht. Angesichts der geringen Verdienstmöglichkeiten in dem Bereich würde ich es gleich bleiben lassen.
  • istockphoto zum Dritten: Nein, ich nenne keine Details zum schlechter gewordenen Affiliate-Programm (das macht Sean Locke hier), sondern ich weise darauf hin, dass istockphoto jetzt schon seit 5 Jahren Stockvideos verkauft. Das meistverkaufteste Video mit über 3500 Downloads ist diese Weltkugel, gefolgt von einem Flug durch Wolken mit über 1600 Downloads und einer Zeitrafferaufnahme vom New Yorker Times Square mit über 1500 Downloads.
  • Wo wir gerade bei beliebten Motiven sind: Hier ist das meistverkaufteste Foto aus der Flickr Collection von Getty Images: Eine jubelnde Menschenmenge auf einem Konzert.
  • Nach meinem Bericht über ein kopiertes und geklautes Foto hatte ich einen interessanten Mail-Wechsel mit Michael Steidl, dem Managing Director des IPTC, also der Organisation, die für den Metadaten-Standard verantwortlich ist. Er wies mich unter anderem darauf hin, dass Fotografen immer ihre Copyright-Informationen in den enstprechenden Metadaten-Feldern hinterlegen sollten, weil es nach dem Digital Millenium Copyright Act verboten sei, diese aus einem Bild zu löschen. Das untersuchte zeitnah und intensiv auch Rob Davis in seinem Blog und fand heraus, dass sich sogar einige Bildagenturen dieses Vergehens schuldig machten. Das zeigte immerhin Wirkung und Dreamstime änderte daraufhin ihre bisherige Praxis. Ein wichtiger Rat deswegen an alle Fotografen: Eure Copyright-Informationen gehören immer in die IPTC-Daten.
  • Gabi Wejat-Zaretzke wies mich auf etwas hin, was für Fotografen interessant ist, die eine öffentliche Facebook-Seite als Marketing-Instrument nutzen. Einem aktuellen Urteil eines Landesgerichts zufolge muss der Betreiber der Seiten auch dort ein Impressum oder Vergleichbares vorweisen, sonst drohen Ordnungsgelder oder Ordnungshaft.
  • Ich weiß, dass viele Bildagenturen hier mitlesen, auch wenn sie sich selten zu Wort melden: Die Berliner Firma pixolution GmbH stellt in den nächsten Tagen zwei visuelle neue Suchmethoden vor, mit denen die Bildersuche intuitiver werden soll. Das White Paper zu deren Technologie gibt es hier als PDF-Download.
  • Die Microstock-Bildagentur 123rf plant den Verkauf von Footage und sammelt dafür die ersten Videos von ihren Fotografen.
  • Auch bei der Bildagentur Panthermedia gibt es viele Änderungen. Zum einen wird auf feste Abo-Kommissionen umgestellt statt wie bisher nach einem Verteilungsschlüssel auszuzahlen. Außerdem werden im November 2011 zwei neue erweiterte Lizenzen eingeführt, eine Template-Lizenz (50 Euro) und eine Pressemitteilung-Lizenz (20 Euro). Mir sind die Preise dafür jedoch immer noch zu gering, weshalb ich die Lizenzen deaktiviert lasse. Ein neues Sonderprojekt namens La Melle gibt es auch, bei dem Kunden Panthermedia-Bilder auf Sonnenschutz drucken können.
  • Alamy führt einen neuen „Push-FTP“-Service ein, um tagesaktuelle Newsbilder wie Sportfotos oder Celebritiy-Bilder besser an Redaktionen verkaufen zu können.
  • Von der Bildagentur-Software ImagePro gibt es jetzt die neue Version 1.7. Das ist übrigens auch die Software, welche ich für meinen Bildershop nutze.
  • Puh, langsam geht mir die Puste aus. Einer noch: Getty Images präsentiert jetzt die neue Masters Collection, eine Bildsammlung, welche aus den besten ikonischen Fotografien des Getty-Archivs bestehen soll. Wer auf klassische Fotografie steht, dem empfehle ich einen Blick in diese Auswahl als PDF.
  • Nach Zoonar bietet jetzt auch Imagebroker seinen Fotografen die Möglichkeit, ihre Bilder über Thinkstock im Abo vertreiben zu lassen. Mein Fazit bleibt bei Honoraren von bis zu 12,5 US-Cent pro Verkauf gleich.

 Wenn ich trotz dieser Fülle etwas übersehen haben sollte, könnt ihr es gerne in den Kommentaren ergänzen.

*Affiliate

Die Geschichte eines Internet-Fotos – Kopiert, geklaut, benutzt

Es war einmal ein Fotograf, der auf einem Konzert ein Foto machte. Das Konzert des Musikers Casper fand im November in Köln statt und der Fotograf machte die Bilder für ein Musikmagazin. Eins der Bilder war dieses, was er in seinem Blog und dem Musikmagazin zeigte:

Casper im Underground, Köln (1/400s, 24mm, f2.8, ISO 3200)

Das Bild bearbeitete er auch mit einem Retro-Filter in Photoshop und das Ergebnis sah so aus, was er ebenfalls in seinem Blog-Artikel zeigte.

Casper im Underground, Köln (Retro-Look)

Okay, ihr ahnt sicher, wer dieser Fotograf gewesen ist. Ich habe das Foto gemacht und will Euch erzählen, was seit der Veröffentlichung im Musikmagazin und meinem Blog geschehen ist.

Casper fand das Foto so cool, dass er es am 11. April 2011 hier auf seine Facebook-Seite packte. Leider schrieb er nur dazu: „wisst ihr noch letztes jahr? köln 2010? hammerbild. keine ahnung wer das gemacht hat, aber es ist ein wahnsinnig superes bild! und genau so wie das da drauf aussieht, so werden die festivals auch! ich freu mich!“

Noch am gleichen Tag wies mich der Fotograf und Blog-Leser Gerd Dörfler darauf hin, dass das Foto auf der Facebook-Seite zu sehen sei und er schrieb dort auch gleich als Kommentar: „Für alle die es interessiert: das bild stammt von robert kneschke aus köln. Er hat auch noch mehr fotos an dem abend gemacht. Mehr über ihn: www.alltageinesfotoproduzenten.de“ Das brachte immerhin etwas mehr Klicks für meinen Blog.

Nachdem ich freundlich bei dem Management von Casper angerufen hatte und darauf hinwies, dass ich das Bild gemacht hatte, baten sie um Entschuldigung für den ungestümen Künstler und Casper ergänzte seine Bildunterschrift um „(Foto wurde bereitgestellt von Robert Kneschke, besuche: www.robertkneschke.de)“. Das war auch okay für mich, immerhin hat der Musiker als Abgebildeter ja auch Rechte an dem Bild.

In der Folge bekam ich paar Emails, in denen mich Fans baten, ob ich ihnen das Bild in voller Auflösung schicken könne, damit sie es sich als Poster drucken könnten. Mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte des Musikers lehnte ich ab.

Bei Facebook bekam das Foto mittlerweile über 100 – durchweg positive – Kommentare und 862 Personen „gefällt das“. Das führte leider auch zu einer inflationären Verbreitung des Bildes.

Viele Bildfunde bei Google Images

Dank der neuen Google Images Bildersuche fand ich einige Webseiten, welche das Foto ohne meine Erlaubnis nutzten, geschweige denn einen Link oder eine Quelle angaben. Anfangs schrieb ich einige der Seiten an und bat um eine nachträgliche Verlinkung, was auch prompt umgesetzt wurde. Blöderweise gab es bei einigen Seiten kein Impressum und ich verschwendete viel Arbeitszeit, die Verantwortlichen rauszusuchen. Als ich dann auf eine Mail mit dem sinngemäßen Inhalt „Bitte entferne das Foto, da ich der Urheber bin und keine Nutzungserlaubnis erteilt habe, andernfalls muss ich mir weitere Schritte vorbehalten“ eine sehr pampige Antwort zurück kam à la: „Was willst du, du hättest auch höflich fragen können, ohne mir mit ‚weiteren Schritten‘ zu drohen, ich nehm das Bild mal runter, aber nur ausnahmweise„, wurde es mir zu blöd. Ich bin doch kein Bittsteller, dem andere einen Gefallen tun, sondern andersrum.

Deshalb ging ich zwei Wege. An alle Seiten, mit dem Bild, die nicht aus Deutschland waren und deswegen kein Impressum enthalten mussten, verschickte ich „DMCA Takedown Notices„. Das ist eine Möglichkeit nach dem us-amerikanischen Urheberrecht, als Urheber seine Werke schnell entfernen zu lassen. Betroffen waren meist Blogging-Hoster wie Tumblr.com, blogger.com oder andere Facebook-Seiten. Als Vorlage benutzte ich dieses Beispielschreiben, wo ich nur meinen Namen und die Linkadressen austauschen musste.

Auszug meiner Mail-Korrespondenz wegen des Casper-Bildes

Positiv war, dass auf die DMCA-Meldungen sehr schnell reagiert wurde und die betreffenden Blogeinträge mit meinem Foto gelöscht wurden. In einem Forum nutzte ein User mein Foto sogar als Signatur und bat im Forum auch darum, ob ihm jemand aus meinem Foto ein cooles Hintergrundbild für seinen Youtube-Kanal basteln könne. Jemand erfüllte ihm diesen Wunsch und ich musste feststellen, dass es bei YouTube nicht so leicht ist, Hintergrundbilder entfernen zu lassen. Videos, ja, kein Problem, aber Hintergründe scheinen schwieriger zu sein.

Während ich bisher bei privaten Webseiten beide Augen zugedrückt hatte, gab es auch einige Webseite wie Musikmagazine, welche das Foto unerlaubt nutzten. Hier übergebe ich die Fälle an meinen Anwalt, da Medien oder kommerzielle Nutzer die Grundzüge des Urheberrechts kennen sollten.

Vor paar Tagen war ich dann auf einem Konzert von Auletta in Köln, um wieder Fotos für das Musikmagazin zu machen. Ein Mädchen vor mir im Publikum holte kurz ihr Handy raus, um die Uhrzeit zu sehen und was sah ich da? Mein Casper-Foto als Hintergrundbild auf ihrem Handy! Ich habe mal ein „Beweisfoto“ gemacht:

Mein Casper-Foto auf einem Handy

Ich hab mich gefreut, ihr eine Visitenkarte in die Hand gedrückt und gesagt, dass das Foto von mir sei. Keine Ahnung, ob sie mir geglaubt hat, ich hatte immerhin eine dicke Kamera umhängen. Bei Google+, wo ich den Zwischenfall kurz gepostet hatte, meinte jemand: „Ich glaube, auch ein Profi sollte die Freude, die einstmals im Vordergrund stand, wenn ein eigenes Foto wertgeschätzt wurde, nicht darüber vergessen, daß es geklaut wurde.“ Stimmt schon. Aber hätte ich ihr eine Standpauke über das Urheberrecht halten sollen, während uns eine Rockband beschallt?

Wie reagiert ihr in solchen Fällen? Bestrafen oder sein lassen? Und was sind Eure schrägsten Erlebnisse mit Euren Fotos im Netz?