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Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?

In letzter Zeit habe ich des öfteren Emails mit kurzen Fragen bekommen. Meist habe ich diese kurz beantwortet, bis ich gemerkt habe, dass sich einige Fragen doch wiederholen. Deswegen möchte ich die Fragen wieder vermehrt hier im Blog veröffentlichen, damit ich bei Bedarf auf die Antwort verlinken kann und ihr auch als Leser etwas davon habt.
Vor paar Tagen schrieb mir Thorsten:
„Hallo Robert,
ich habe gestern ausführlich deine Beiträge über Microstockagenturen studiert. Ich fand darin viele übereinstimmende und neue Informationen zu diesem Thema.
Ich selbst bin seit 2010 bei Fotolia und begann mit Fotos. Musste aber feststellen, dass ich mehr Talent in der Bildbearbeitung/Manipulierung, Illustrationen und Vektoren habe. Da ich das noch nebenbei mache, ist mein Portfolio bei weitem nicht so groß.  Aber ich scheine auf dem besten Weg zu sein, dass meine Grafiken immer mehr Zuspruch finden.
Aber weshalb wende ich mich an dich? Ich habe eine Frage: Welche Erfahrungen hast Du in puncto angebotene Credits? Ich sehe bei dir, dass du fast alle Bilder mit 1, max. 2 Credits anbietest. Ist es aus deiner Erfahrung sinnvoller, mit einem Credit die Bilder anfangs einzustellen? Oder welchen Tipp kannst du mir geben?  Ich wäre dir für eine kurze Antwort sehr dankbar.
Viele Grüße
Thorsten“
Wem der ganze Microstock-Bereich neu ist, der versteht vielleicht die Frage nicht, deshalb eine kurze Erklärung. Bei vielen Bildagenturen können die Bilder nur mit einer Kunstwährung namens „Credits“ bezahlt werden. Über den Daumen gepeilt ist ein Credit meist ca. ein Euro, aber wer viele Credits kauft, bekommt viel Rabatt.
Bei der Bildagentur Fotolia haben Fotografen in gewissen Grenzen die Möglichkeit, den Startpreis für ihre Bilder selbst festzulegen. Standard ist 1 Credit für die kleinste Größe und dann immer mehr Credits für die nächstgrößeren Auflösungen. In dieser Tabelle seht ihr, ab welcher Ranking-Stufe die (nichtexklusiven) Fotografen den Startpreis der Credits festlegen können. Exklusive Fotografen haben noch mehr Möglichkeiten.
Möglichkeiten der Preisgestaltung durch Credits

Wer ein Bild mit zwei oder drei Credits als Startpreis verkauft, der kann pro Verkauf das Doppelte oder Dreifache verdienen.

Deshalb ist die Frage von Thorsten legitim, was sinnvoller ist: Lieber Viele Verkäufe mit 1 Credits oder weniger Verkäufe mit 2-3 Credits?

Bei der Beantwortung gibt es vor hauptsächlich vier Punkte zu berücksichtigen: Angebot und Nachfrage, Ranking, Konkurrenz-Preise und die Rückstufung.

Angebot und Nachfrage

Es ist ein einfaches marktwirtschaftliches Prinzip: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Dieser wird durch die Credits gesteuert. Das heißt vereinfacht: Wer sehr generische Motive fotografiert, die viel Konkurrenz haben, zum Beispiel freigestellte junge Damen oder Obst oder niedliche Katzen, der sollte bei einem Credit bleiben. Wer aufwändigere Shootings macht, die nicht so leicht zu kopieren sind, kann auch zwei Credits ansetzen und wenn diese Motive dann noch stark nachgefragt werden, sogar drei Credits. Ich habe das mal in eine Kreuzmatrix gefasst:

Auch der eigene Verdienst sollte etwas berücksichtigt werden. Ich habe mal einen zweiteiligen Test gemacht (siehe hier und hier), der gezeigt hat, dass man trotz weniger Downloads mit höheren Credit-Preisen mehr verdient. Demnach würde es ja für jeden sinnvoll sein, die Preise so hoch wie möglich anzusetzen? Nein. Denn auch die folgenden Faktoren spielen eine Rolle.

Das Ranking

Bei Fotolia steigen die Fotografen umso höher im Ranking, je mehr Fotos sie verkauft haben. Mit jeder weiteren Ranking-Stufe erhalten sie mehr Prozent vom Verkaufspreis (erkennbar als „Lizenzgebühr“ in der ersten Grafik oben). Die Fotografen beginnen bei 20% und können bis 46% erhalten. Wer seine Fotos nicht mit dem Startpreis von 1 Credit, sondern mit 2 oder 3 anbieten will, sollte bedenken, dass diese Bilder dann seltener verkauft werden. Das ist unter dem Strich durch den doppelten Verkaufspreis zwar trotzdem lukrativ, aber zu bedenken ist, dass der Fotograf auch mit jeder höheren Ranking-Stufe zwischen zwei bis sechs Prozentpunkte mehr Umsatz erhält. Auch dadurch erhält der Fotograf mehr Geld.

Meine Empfehlung ist daher, dass mindestens bis zum Erreichen des Gold-Status die Preise bei 1 Credit belassen werden sollten. Danach kann man selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, zu versuchen, die nächsthöhere Stufe durch mehr Verkäufe erreichen zu wollen, oder lieber direkt mehr abkassiert. Nicht ganz so relevant, aber unter ungünstigen Bedingungen entscheidend sind zwei weitere Punkte.

Konkurrenz-Preise

Fotolia weist Anbieter ab dem Smaragd-Ranking auf eine „Anpassung der Preisgestaltung“ hin:

„Erhält Fotolia Kenntnis, dass ein nicht exklusiver Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking seine Bilder, Vektoren oder Videos (die „Werke“) über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreibt (von denen mindestens einige Werke die selben sind wie die über Fotolia angebotenen), und sind die für diese Werke erhobenen Downloadpreise der anderen Stockagenturen oder Webseiten im Vergleich niedriger als die für das Level „Weiss“ im Fotolia Ranking geltenden Downloadpreise, dann behält sich Fotolia gemäß der anwendbaren Gesetze vor, die Preise nach eigenem Ermessen und entsprechend der Konditionen für Anbieter mit dem Level „Weiss“ im Fotolia Ranking anzupassen. Im Rahmen der anwendbaren Gesetze ist Fotolia berechtigt aber nicht verpflichtet, sich von Zeit zu Zeit zu erkundigen, ob einzelne Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking ihre Werke über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreiben, wobei diese Anbieter verpflichtet sind, Fotolia unmittelbar auf Anfrage mit diesen Informationen zu versorgen.“

Wer also bei Fotolia das Smaragd-Ranking erreicht hat und seine Bilder für 2 oder 3 Credits anbietet, gleichzeitig aber Bildagenturen beliefert, die für die XXL-größe weniger als 10 Euro/Credits verlangen, könnte von Fotolia auf das Level „Weiß“ zurückgestuft werden. Preislich betrifft das zum Beispiel Agenturen wie 123rf, Canstock oder PhotoDune und nach der jüngsten Preissenkung sogar iStockphoto.

Es scheint von Fotolia jedoch nicht streng gehandhabt zu werden. In der Praxis ist nur bekannt, dass Yuri Arcurs damit gezwungen wurde, von 4 Credits Startpreis auf 3 zurückzuschrauben, bevor er sich endgültig zurückzog. Diese Option sollte man aber im Hinterkopf behalten. Etwas realer ist dagegen folgendes Szenario:

Rückstufung wegen geringer Verkäufe

Ende Juli führte Fotolia eine neue Änderung ein. Bilder, die sich seit sechs Monaten nicht mehr verkauft haben, werden preislich auf den normalen 1-Credit-Startpreis runtergestuft. Nach 24 Monaten ohne Verkäufe erfolgt eine nochmalige Preisreduzierung. Hier die Preise nach einer solchen Rückstufung:

Wenn sich so ein runtergestuftes Bild wieder drei Mal verkauft hat, werden die Preise wieder auf den normalen Standard von 1 Credit bis 10 bzw. 12 Credits (ab Gold-Ranking) gesetzt. Das heißt für die Entscheidung beim Setzen des Startpreises: Wer sein Bild zu teuer anbietet, riskiert, dass es sich seltener verkauft und dann noch billiger als ohnehin schon angeboten wird.

Wie mache ich es?

Ich lasse alle meine Fotos standardmäßig auf 1 Credit. Nur exklusive Bilder fangen mit 2 Credits an. Wenn sich ein Bild besonders gut verkauft hat, mindestens 100x, dann setze ich es je nach Motiv auf 2 Credits hoch. Den Startpreis von 3 Credits darf ich ja erst seit meinem Erreichen des Saphir-Rankings vor einigen Wochen festsetzen, deswegen habe ich damit noch keine Erfahrungen gemacht.

Mit diesen vier Faktoren im Hinterkopf sollte jetzt jeder in der Lage sein, selbst entscheiden zu können, welcher Startpreis für welche Bilder der richtige ist.

Wie macht ihr das? Nach welchen Kriterien legt ihr eure Startpreise fest?

Auswirkungen von Preiserhöhungen für Fotos bei Fotolia

Fotografen bei der Microstock-Bildagentur Fotolia* haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, den Startpreis ihrer Bilder zu ändern. Standardmäßig werden Fotos für 1 Credit in kleinster Größe verkauft. Wer Bilder exklusiv oder teilexklusiv dort anbietet, kann ab dem Ranking-Level „Bronze“ den Startpreis auf zwei Credits erhöhen, nicht-exklusive Anbieter können das am dem Ranking-Status „Smaragd“. Ab dem Ranking „Silber“ (bzw. „Saphir für nicht-exklusive Fotografen) kann der Startpreis auch bis drei Credits erhöht werden.

Wer dazu die Möglichkeit hat, fragt sich oft: Ist das sinnvoll? Ist es lukrativ, den Preis zu erhöhen? Einerseits bekommt man dann mehr Geld pro Verkauf, andererseits kaufen die Leute stattdessen vielleicht andere, günstigere Bilder und man erhält gar nichts.

Ich habe das letzten Monat mal mit zwei Fotos getestet: Am 01. März habe ich zwei relativ neue Fotos, die sich gut verkaufen, von 1 Credit auf 2 Credits gesetzt. Damit wurden sie schlagartig doppelt so „teuer“ (sofern man das bei Microstock-Bildern so nennen kann). Ich wollte sehen, wie sich die Verkäufe in diesem Monat mit dem neuen Preis entwickeln. Hier die Ergebnisse:

Die blauen Balken zeigen die Umsätze des Fotos pro Monat bei Fotolia. Die rote Linie zeigt den Verlauf der Verkäufe selbst an. Der letzte Balken ganz rechts ist für den Monat März, wo ich den Preis erhöht habe. Wie sehr deutlich zu sehen ist, konnte ich in diesem Monat die Einnahmen mit dem Foto im Vergleich zum Vormonat mehr als verdoppeln (genauer: 115% mehr Credits). Mehr noch: Im März hat das Foto mehr Einnahmen erzielt als die gesamten fünf Monate zuvor! Auch die Verkaufszahlen stiegen weiterhin an, wenn auch nicht mehr so stark wie in den drei Monaten zuvor (26% mehr Verkäufe).

Bei diesem zweiten Bild ist ein ähnliches Schema zu erkennen. Die Umsätze hier „nur“ fast verdoppelt (73% mehr Credits), die Downloads nahmen ebenfalls zu, auch wieder eine geringere Zunahme als die Monate zuvor (7% mehr Verkäufe).

Was sagt uns das? Unter dem Strich war es ein gelungenes Experiment. Ich konnte meine Umsätze mit den Bildern deutlich steigern und auch die Verkäufe selbst waren weniger davon betroffen als gedacht. Selbst wenn die Verkäufe auf dem Vormonatsniveau stagniert wären, wäre der Umsatz gestiegen, weil der Preis pro Download höher ist. Diese Zahlen sind auch relativ aussagekräftig, weil hier Verkäufe im dreistelligen Bereich ausgewertet wurden, wo zufällige Schwankungen weniger ins Gewicht fallen.

Die statistische Auswertung der Verkäufe übernahm wieder das hilfreiche Analysetool Stock Performer für mich.

Zusätzlich habe ich eine andere interessante Beobachtung gemacht: Ich hatte wie andere Fotografen die Vermutung, dass viele Bildkäufer wegen des höheren Preises lieber die nächstkleinere Bildgröße kaufen, also XS statt S, S statt M und so weiter. Selbst wenn das alle Käufer machen würden, würde ich mit der Preissteigerung trotzdem mehr verdienen, weil die Käufer bei jedem „Downgrade“ (außer von XS auf S) trotzdem mehr als vorher bezahlen würden, siehe hier: Grün bedeutet eine Preisersparnis, rot eine Preissteigerung.

Luis Alvarez von Stock Performer war so freundlich, extra für mich tiefer in seiner Datenbank zu wühlen und mir rauszusuchen, wie sich die prozentuale Verteilung der gekauften Bildgrößen geändert hat (das geht noch nicht automatisch, aber ist in Arbeit). Schauen wir uns das zuerst grafisch an:

Die obere Grafik ist für das „Daumen hoch„-Bild*, die untere für das „Studenten beim Lernen„-Bild*. Die blauen Balken zeigen die prozentuale Verteilung der gekauften Bildgrößen für Februar, die lila Balken die Verteilung für März.

Es ist klar zu sehen, dass meine Vermutung vollkommen falsch war: Die Bildkäufer kaufen keine kleineren Größen, wenn das Bild teurer ist, im Gegenteil. Sie kaufen stattdessen vermehrt größere Lizenzen. Warum das so ist, ist mir noch unklar. Es könnte sein, dass die „Schnäppchenjäger“, die vor allem für Blogs und Internetseiten billiges Fotomaterial brauchen, durch die höheren Preise abgeschreckt sind und deshalb vermehrt die Leute kaufen, welche die Fotos drucken wollen. Das würde zwar die Verschiebung hin zu den größeren Lizenzen erklären, aber nicht die absolute Steigerung der Downloads. Vielleicht rankt Fotolia die Bilder besser, wenn vermehrt mehr Geld dafür ausgegeben wird?

All diese Erkenntnisse bedeuten, dass es kurzfristig finanziell betrachtet oft sinnvoll sein kann, die Preise von Bildern zu erhöhen.

Trotzdem gibt es vor allem zwei Faktoren zu berücksichtigen, welche diese optimistische Annahme etwas relativieren.

Erstens ist das der Ranking-Status: Bei Fotolia verdienen die Fotografen umso mehr Kommissionen, je höher sie im Ranking aufsteigen. Das ist in der Tabelle obven gut sichtbar. Es fängt bei 20% an und geht bis 46%. Für das Ranking werden jedoch nur die reinen Verkaufszahlen berücksichtigt, aber nicht die Umsätze. Wie ganz oben ersichtlich ist, nehmen die Verkäufe nicht so schnell zu, wenn der Preis erhöht wird. Das bedeutet, dass es länger dauert, bis ein Fotograf den nächsten Rang und damit eine generelle Kommissionserhöhung erhält. In der Praxis deshalb mein Tipp: Die Erhöhung der Startpreise ist vor allem für nicht-exklusive Fotografen ab Smaragd-Status und für exklusive-Fotografen ab Gold-Status empfehlenswert, weil ab dann die Prozentpunkte bei den Kommissionen nur wenig erhöht werden und die Verweildauer auf der gleichen Rankingstufe deutlich länger ist.

Zweitens spielt der Suchalgorithmus eine Rolle: Neben enigen anderen Faktoren ist vor allem die Anzahl der Verkäufe eines Bildes ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung, wie weit oben es bei Suchanfragen angezeigt wird. Je öfter und je höher ein Foto den Käufern bei den Suchtreffern gezeigt wird, desto öfter verkauft es sich. Das kann gerade am Anfang des Lebenszyklus‘ eines Bildes entscheidend sein, ob das Bild ein Bestseller oder ein Ladenhüter wird. Außerdem gibt es bei Fotolia einen Preisfilter, mit dem Leute sich nur Bilder für 1 Credit Startpreis anzeigen lassen können. Da wären 2 Credit-Bilder dann nicht dabei. Deswegen erhöhe ich die Preise meiner Bilder nur, wenn sie sich „bewiesen“ haben, das heißt, schon häufig verkauft wurden. Außerdem kann es sein, dass sich das Verhältnis von Bildansichten und Verkäufen bei einer Preiserhöhung verschlechtert, was wiederum ebenfalls zu einer Benachteilung der Bilder im Suchalgorithmus führen kann. Das müsste ich etwas beobachten.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Veränderungen eurer Bildpreise gemacht?

* Affiliate

Auswirkungen der Preisänderungen bei Fotolia

Zum Beginn des Jahres hatte die Microstock-Bildagentur Fotolia ihre Preisstruktur geändert. Kurz gesagt wurden die Preise etwas erhöht und Bildgrößen zusammengefasst und die Fotografenhonorare meist etwas gesenkt. Fotolia hat behauptet, dass unter dem Strich mehr Geld für die Fotografen bleiben würde, was in Fotografen-Foren eher bezweifelt wurde. Deswegen habe ich mal wieder in meine Zahlen geschaut und kann euch handfeste Ergebnisse nennen.

Mein Verdienst bei Fotolia pro Verkauf (RPD = Revenue per Download) lag in den letzten drei Monaten 2009 zwischen 1,06 und 1,08 Euro. Im Januar 2010 lag mein Verdienst pro Verkauf bei 1,11 Euro. Das ist eine minimale Steigerung. Als Grundlage habe ich nur die „normalen“ Verkäufe genommen, einige Erweiterte Lizenzen habe ich nicht berücksichtigt, da sie die RPD-Werte verfälschen würden. Da sich sowohl meine Verkäufe als auch meine Einnahmen im hohen dreistelligen Bereich bewegen, sind diese Werte statistisch gesehen sehr „sicher“. Fairerweise muss ich jedoch sagen, dass meine RPD-Werte Anfang 2009 eher um 1,25 Euro lagen, was sicher damit zu tun hat, dass ich zu der Zeit mehr exklusive Fotos eingestellt hatte, die höhere Einnahmen erzielen.

Revenue per Download bei Fotolia

Übrigens hat Fotolia am Montag den Wert eines Credits von 1 Euro auf 1,20 Euro angehoben. Wie es scheint, betrifft das aber nur den Wert der Credits für Käufer, die Fotografen tauschen die Credits 1:1 zurück.


Habt ihr mal nachgerechnet, wie sich Euer RPD bei Fotolia entwickelt hat?

Neues von Fotolia: Steuern, Preise und Honorare

Alles neu macht diesmal nicht der Mai, sondern der Januar.

Bei der Microstock-Bildagentur Fotolia gibt es gleich drei – mehr oder weniger erfreuliche – Nachrichten zum Jahresbeginn. Wenn die Meldung, dass die Bilder im Fotolia-Portfolio jetzt die 8-Millionen-Marke überschritten haben, mitgerechnet wird, sind es sogar vier Neuigkeiten.

Sparen und recnen

1. Steuern auf US-Verkäufe

Schon im November habe ich hier gemeldet, dass Fotolia wie die Agentur Shutterstock einige Monate vorher das Ausfüllen des W-8BEN-Formulares verlangt, um Steuern von us-amerikanischen Käufern korrekt abrechnen zu können. Zuerst schien es, das sei ausreichend. Aber im Fotolia-Forum schälte sich nun heraus, dass das nicht stimmt. Zur Zeit ist der Stand (nur für deutsche Fotografen gültig) folgender: Wer kein Formular ausfüllt, dem werden von allen Verkäufen 30% Quellensteuer abgezogen. Wer nur das W8-BEN-Formular ausfüllt, dem werden nur auf die US-Verkäufe 30% Steuern abgezogen.

Wer sehen will, wie viel seiner Verkäufe in die USA gingen und wie viel Steuern momentan zurückgehalten werden, kann das im Mitgliedsbereich von Fotolia unter „Statistik“ sehen. Dort gibt es die zwei neuen Auswahl-Möglichkeiten „Einkünfte durch US-Käufer“ und „Summe Withholding Tax“.

Wer verhindern will, dass auf seine US-Verkäufe die Steuern abgezogen werden, der muss zusätzlich zum W8-BEN-Formular eine ITIN (Individual Taxpayer Identification Number) beantragt werden, die dann in das W8-Formular eingetragen wird. Um die ITIN zu erhalten, muss das W7-Formular ausgefüllt werden. Wie das genau steht, steht ausführlich hier. Vermutlich wird auch eine schriftliche Bestätigung der Bildagentur benötigt, warum man die ITIN braucht, deshalb bietet Fotolia an, über das Kontaktformular eine solche Bestätigung anzufordern. Ich habe das gestern gemacht und mal sehen, wann ich diese erhalte.

Übrigens habe ich weitere Informationen von den Fotolia-Mitarbeitern erhalten. Ich zitiere: „Immer auf Deutschland bezogen: Ja, laut Finance Dept wird die ITIN benötigt, um vom Steuerabzug befreit werden zu können. Mit ITIN wird im Falle von Deutschland bei US-Umsätzen nichts (0) abgezogen. Ohne ITIN werden die US-Umsätze besteuert. Jedoch sollten die Abzüge in dem Fall auch gegenüber den deutschen Steuerbehörden anrechenbar sein – denn Steuer wurde bezahlt – und exakt hierfür gibt es das Besteuerungsabkommen zwischen den Ländern.“

Was passiert, wenn die ITIN erst nachträglich eingereicht wird? „Die US Withholding Tax wird auf alle Umsätze ab dem 1. Januar 2010 angerechnet. Mit dem Nachweis der ITIN (neues Formular ausfüllen / ersetzt vorheriges, falls vorhanden) wird der Steuerabzug auf US-Umsätze (im Falle von in Deutschland Steuerpflichtigen) auf 0 gesetzt.“

Ich hoffe, das bringt etwas Klarheit in die Sache.

2. Preiserhöhung

Zum Jahreswechsel hat Fotolia auch die Preise erhöht. Die kleinste Lizenz (XS) ist mit einem Credit unverändert geblieben, alle anderen Lizenzen wurden um 1-3 Credits angehoben. Die XXXL-Lizenz für Bilder über 30 Megapixel fällt weg und wird mit der XXL-Lizenz für Bilder über 16 Megapixel zusammengelegt. Das betrifft vor allem Mittelformat-Fotografen wie Yuri Arcurs oder Illustratoren, die beliebig große Dateigrößen erstellen können.

Credits pro Lizenz alt/neu

  • XS: 1/1
  • S: 2/3
  • M: 4/5
  • L: 5/7
  • XL: 6/8
  • XXL: 7/10
  • XXXL: 8/fällt weg

3. Honoraranpassung

Während die Preiserhöhung eine gute Nachricht ist, folgt nun der saure Apfel. Die Fotografenhonorare wurden „angepasst“. Das ist Orwellsches Neusprech dafür, dass für die meisten Fotografen die prozentualen Honoraranteile sinken. Hier mal der Vergleich:

Fotografenanteil pro Rank alt/neu

  • Weiß: 30/25
  • Bronze: 32/28
  • Silber: 34/31
  • Gold: 36/34
  • Smaragd: 38/37
  • Saphir: 40/40
  • Rubin: 42/43
  • Diamant: 43/46

Für Fotografen mit dem Saphir-Rank (100.000-250.000 Verkäufe) ändert sich nichts, alle mit niederen Rängen erhalten weniger Anteile, die (meines Wissens nur drei) Fotografen darüber erhalten etwas mehr. Es ist natürlich clever, die Preiserhöhung mit einer „Honoraränderung“ zu kombinieren, so wie es auch schon istockphoto, Dreamstime usw. gemacht haben. Aber mir als Fotograf wäre es lieber gewesen, von der Preiserhöhung zu profitieren, ohne Prozente abgeben zu müssen. Unter dem Strich kann es aber passieren, dass die Fotografen trotzdem mehr pro Verkauf verdienen, da sie nur bei den XS-Verkäufen weniger erhalten, bei fast allen anderen aber mehr. Je mehr große Lizenzen gemacht verkauft, desto zufriedener sollte er sein. Nach kann ich diese Aussage nicht mit eigenen Zahlen bestätigen, aber ich hoffe, dass ich in 1-2 Monaten berichten kann, wie sich die Änderungen auf meinen RPI (Return per Image) ausgewirkt haben werden. Mehr Zahlenspiele zu den Änderungen finden sich auch hier in der Microstock-Group.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Alle Informationen (einschließlich der Zitate) sind ohne Gewähr. Ich bin kein Steuerexperte und darf keine rechtlich verbindlichen Aussagen in dieser Hinsicht treffen.

Wie sind Eure ersten Erfahrungen mit den Neuerungen bei Fotolia?

Update 12.01.2010: Fotolia informiert in deren Forum – vorläufig und unter Vorbehalt – dass zur Zeit bei ausgefüllten W8-BEN-Formular doch keine ITIN erforderlich ist.

Fotografen-Einnahmen bei Microstock-Bildagentur Polylooks

Vor ungefähr einem halben Jahr startete die Microstock-Bildagentur der Deutschen Telekom: Polylooks.
Jetzt ist es an der Zeit, kurz zurückzublicken. Wie viel können Fotografen da verdienen? Die bisherige Antwort lautet: Leider wenig.

Seit vier Monaten habe ich ca. 1000 Bilder online. Bisher kann ich 35 Verkäufe verzeichnen, die mir 14,92 Euro gebracht haben. Das macht pro Verkauf 0,42 Euro. Selbst im Vergleich zu den führenden Microstock-Agenturen ist das wenig. Bei iStockphoto und Fotolia erhalte ich umgerechnet ca. 0,75 bis 0,85 Euro pro Verkauf, bei Dreamstime noch 0,53 Euro. Bei allen Agenturen werden sowohl Abo- als auch On-Demand-Downloads angeboten.

polylooks-royalties

Vor wenigen Tagen erzielte ich mit zwei Verkäufen der Bildgröße Small (S) nur je 0,08 Euro. Davor waren meine niedrigesten Anteile 0,14 Euro. Die Mitarbeiter von Polylooks konnten mich über die geringen Summen aufklären. Im September gab es eine große Rabatt-Aktion, bei der Kunden bis 50% Rabatt erhielten. Dieser Rabatt wird jedoch nicht von der Bildagentur getragen, sondern mit den Fotografen geteilt. Das bedeutet, dass ein Kunde beim größten Credit-Paket mit 5000 Credits für knapp 3700 Euro nur 1850 Euro zahlen musste. Das ergibt einen Credit-Wert von 0,37 Euro. Die 35%-Fotografen-Anteil lägen dann bei 0,12 Euro. Mir wurde versichert, dass die 50% Rabatt eine einmalige Aktion zur Markteinführung waren. Hoffen wir es.

Die 8 Cent erklären sich anders. Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Drei-Monats-Abo mit 30 Credits pro Tag kauft, kostet das 222 Euro im Monat und damit ca. 7 Euro pro Tag. Ein Credit ist dann 0,23 Euro wert, die 35%-Fotografen-Anteil sind dann 8 Cent. Wenn ein Kunde mehr kauft, könnte der Anteil auf bis zu 6 oder 7 Cent fallen. Da kann ich froh sein, dass der Kunde keine 50% Rabatt erhalten hat.

Fairerweise muss ich anmerken, dass laut Agentur-Aussagen diese Werte nur zustande kämen, wenn ein Kunde sein gesamtes Abo-Kontingent aufbraucht. Sei das nicht der Fall, würden sich z.B. die 7 Euro pro Tag auf weniger Download-Credits verteilen und der Fotografen-Anteil steigen. Das kann ich leider nicht überprüfen, da in der internen Abrechnung für die Polylooks-Fotografen bisher nicht angezeigt wird, ob ein Verkauf auf einem Abo basiert oder nicht. Diese Anzeige-Option wurde als Verbesserungsvorschlag aufgenommen, ich bin gespannt, ob er umgesetzt wird.

Was mich etwas verwundert, ist, dass die Abo-Modelle der Konkurrenz teilweise ähnliche oder niedrigere Preise pro Bild bzw. deren Gegenwert in Credits haben, die Fotografen aber deutlich mehr erhalten. Die Polylooks-Mitarbeiter meinten, dass die Analyse der Preise und Honorare läuft und diese vielleicht angepasst werden. Wann und ob nach oben oder unten, steht noch nicht fest. Die Umsatzsteuer scheint übrigens in den Fotografen-Honoraren schon enthalten zu sein. Wer demnach als freier Fotograf 7% Umsatzsteuer für diese Einnahmen abziehen muss, kann noch geringere Honorare erwarten.

Für mich bedeuten diese einstelligen Abrechnungen, dass ich vorerst keine neuen Fotos zu Polylooks hochladen werde, bis meine dort schon vorhandenen Fotos einen höheren Umsatz pro Verkauf erzielen. Damit meine ich nicht nur die vereinzelten Mini-Abrechnungen, sondern die Durchschnittswerte.

Wie sind Eure ersten Erfahrungen mit Polylooks?