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Warum die neuen Filter von Google Bildagenturen bedrohen können

Ich sage es schon eine Weile, dass die größte Änderung im Stockfotografie-Markt vermutlich von einer Seite kommen könnte, die einige gar nicht im Blick haben.

Ich meine Technologiekonzerne, allem voran die – nicht nur – Suchmaschine Google. Viele vergessen, dass auch Bildagenturen wie Shutterstock, iStock und Fotolia in erster Linie Technologiefirmen sind, die mehr oder weniger zufällig eben mit der Ware „Bilder“ handeln. Genauso gut könnten sie auch Musik, Texte, Code-Schnipsel, Schulungsvideos und so weiter verkaufen. Agenturen wie Envato oder Pond5 versuchen das ja auch und auch Shutterstock hat kürzlich mit Skillfeed einen Marktplatz für Tutorials ins Leben gerufen. Den alteingesessenen Macrostock-Agenturen haben diese Firmen ganz schön zugesetzt, weil plötzlich viel Know-How ins aus unerwarteter Richtung ins Spiel kam.

Was bisher geschah…

Aber zurück zu Google. Schon 2009 schrieb ich, dass die neu eingeführte Google Bildersuche (heute als „Google Images“ bekannt), die Stockfotografie verändern würde. Schon kurz darauf waren die Suchergebnisse bei Google Images deutlich besser als von TinEye, um gleiche Bilder im Netz zu finden. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ein geheimer Deal zwischen Getty Images und Google bekannt, der auf jeden Fall zeigt, dass Google der Bildermarkt bekannt ist. Ca. ein halbes Jahr später führte eine grundlegende Layout-Änderung bei der Google Bildersuche zu ersten Umsatzeinbrüchen bei Bildagenturen.

Die letzte Ankündigung reiht sich damit fast nahtlos in eine Entwicklung ein, die immer bedrohlicher für Bildagenturen ist.

Was neu ist…

Google veröffentlichte vor paar Tagen eine neue Filter-Möglichkeit für die Bildersuche, bei der Bilder nach bestimmten Verwendungszwecken gefiltert werden können. So „neu“ ist die Funktion zwar nicht, denn sie ist seit ca. vier Jahren bekannt, aber bisher war sie sehr gut in den Tiefen eines Untermenüs versteckt.

Hierarchisch geordnet sehen die angebotenen Filtermöglichkeiten so aus:

  • nicht nach Lizenz gefiltert
  • zur Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet
  • zur Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet
  • zur kommerziellen Wiederverwendung mit Veränderung gekennzeichnet

Jetzt können diese Optionen relativ sichtbar unter dem Suchfeld bei „Suchoptionen/Nutzungsrechte“ eingeblendet werden.

Im Hinblick auf diese Neuerung werden aktuell hauptsächlich zwei Aspekte diskutiert. Die Genauigkeit dieser Filter sowie die langfristige Änderung von Suchgewohnheiten.

Wie genau die Nutzungsrechte gefiltert werden…

Aktuell speisen sich die meisten Bilder, welche überhaupt gefiltert werden, aus dem Pool von Flickr, Wikipedia, Deviantart, Fotocommunity und einigen anderen „Crowd Sourcing“-Bilderseiten.

Kritiker werfen unter anderem ein, dass die angezeigten Filter einerseits nicht genau genug sind, andererseits nicht dem üblichen „Branchenslang“ entsprechen (was angesichts der Verwirrung um Begriffe wie „lizenzfrei“ vielleicht sogar besser ist) und Google natürlich auch keine Haftung übernimmt, ob die Lizenzen korrekt vergeben wurden.

So behauptet Google gerne, dass ein Creative-Commons-Bild, welches unter die „CC BY-SA 2.0„-Lizenz gestellt wurde (Namensnennung und Wiedergabe unter gleichen Bedingungen), „zur kommerziellen Wiederverwendung gekennzeichnet“ wäre. Das ist zwar insofern korrekt, dass solche Bilder ausdrücklich kommerziell genutzt werden dürfen, aber eben nur, wenn der Urheber genannt wird und das Endprodukt (zum Beispiel die Werbeanzeige oder das Computerspiel mit dem Bild im Einsatz) ebenfalls mit der „CC BY-SA“-Lizenz veröffentlicht wird. Das sind praktisch so gravierende Einschränkungen, dass der (unabsichtliche) Missbrauch von CC-Lizenzen damit eher zunehmen als abnehmen wird.

Außerdem wissen die meisten Leute eben nicht, dass die Nutzungsrechte nur ein rechtlicher Aspekt bei der legalen Bildnutzung sind. Sind Personen auf dem Bild, müssen zusätzlich auch die Persönlichkeitsrechte der Person beachtet werden, es gibt noch den Patentschutz, Markenschutz, Designschutz und so weiter.

Tatsächlich halte ich das Problem aber für beherrschbar, weil Google durch seine ausgefeilten Algorithmen die Bilderkennung mittlerweile sehr gut beherrscht und sicher immer noch besser darin werden wird. So wäre es bestimmt technisch leicht lösbar, bei identischen Bildern an mehreren Stellen im Netz automatisch immer die strengstmögliche Nutzungskennzeichnung anzunehmen. Wenn also eine Bildagentur ein Bild mit Wasserzeichen veröffentlicht und jemand das Bild illegal bei Flickr als „Public Domain“-Bild einstellen würde, könnte Google – technisch gesehen – bestimmt schnell erkennen, dass es eigentlich urhebergeschützt ist. Wenn sie es nicht jetzt schon so machen.

Beunruhigender finde ich den zweiten Aspekt:

Wie sich die Suchgewohnheiten ändern können…

Wir leben – nicht nur digital – in einer Filterblase und nehmen die Umwelt um uns herum nach bestimmten Kriterien wahr. Jemand, der in der Bilderbranche arbeitet, sieht überall Stockfotos und erkennt seine Models wieder, während Menschen mit anderen Berufen die meisten Motive spätestens nach paar Sekunden wieder vergessen haben. Deshalb denken wir Stockfotografen auch, dass viele Leute ja Bildagenturen kennen müssten, wo sie Fotos günstig einkaufen können. Unter dem Strich wissen jedoch mehr Menschen nicht, dass Bildagenturen existieren und was diese verkaufen als andersrum. Wer auf der Suche nach Bildern ist, geht viel häufiger zu Google und schaut sich dort die Ergebnisse an.

Deswegen geben Bildagenturen auch sehr viel Geld aus, um entweder direkt bei Google Werbung zu schalten oder indirekt, um mittels ausgefeilter SEO-Maßnahmen die eigenen Bilder in die obersten Reihen der Google-Bildersuche zu drücken. Das funktionierte lange sehr gut, bis Google, wie erwähnt, das Layout umstellte. Jetzt geht Google noch einen Schritt weiter. Sobald der Bildsucher auch nur nach irgendeiner Lizenz sucht, fallen praktisch alle Agenturbilder, egal ob Microstock oder Macrostock, aus dem Raster. Übrig bleiben Amateurbilder.

Das kann einerseits dazu führen, dass auch professionelle Bildkäufer sich vermehrt bei den kostenlosen Bildern bedienen. Das wiederum schwächt die Profis, wenn sie nicht in der Lage sind, sich durch Motivwahl, Qualität oder andere Unterschiede von den Hobbyfotos abzugrenzen.

Andererseits lernen vielleicht weniger Menschen, die noch keine Bildkäufer sind, überhaupt Bildagenturen kennen und gewöhnen sich daran, dort bequem und rechtssicher Fotos lizenzieren zu können. Denn wie die meisten Bildagenturen bestätigen werden, ist eine der größten Trafficquellen jeder Agentur die Google Bildersuche. Gewesen, müsste ich in Zukunft vielleicht schreiben müssen.

Was ebenfalls passieren könnte…

Es könnte sein, dass Google mit dem Nutzungsrechte-Filter die Bildsucher auch dafür sensibilisieren will, dass nicht jedes Bild einfach beliebig genutzt werden darf. Wenn das klar ist, erscheint logischer, dass für eine Nutzung was gezahlt werden müsste. Wenn jetzt Google Rechteinhabern anbieten würde, ihre Bilder ebenfalls unter „für kommerzielle Weiterwendung gekennzeichnet“ anzuzeigen und ein kleines Warenkorb-Symbol unter das Foto packt, damit klar ist, dass für diese Fotos eine kleine Gebühr bezahlt werden muss, wäre das für die Bilderbranche eine Revolution.

Abwegig wäre es keinesfalls. Google verkauft über den Playstore schon eine Weile digitale Inhalte, hat das Vertriebsnetz und die Bezahlmöglichkeiten also praktisch getestet. Google hätte von allen Bildagenturen von Anhang an die größte Nutzerbasis. Google hat das technische Know-How, um doppelte Bilder wegzufiltern, ähnliche Bilder anzubieten, Keyword-Vorschläge zu machen und so weiter. Selbst für die Rechteinhaber, also die Fotografen oder Grafikdesigner, wäre ein Angebot von Google verlockend: Immerhin nimmt Google Play nur 30% Kommission von den Anbietern, während es bei iStock bis zu 85% sind.

Die Leidtragenden wären die bisherigen Bildagenturen. Der Markt bleibt also sehr spannend.

Was sagt ihr? Wie könnte Google den Bildermarkt umkrempeln?

Warum Fotos kaufen? Abgrenzung von Microstock- zu Gratis-Angeboten

Was ist Stockfotografie und Microstock?

Stockfotografie bedeutet, dass ein Fotograf Fotos macht, ohne dass er einen Auftrag von einer Werbeagentur oder anderen Kunden hat. Er macht Fotos von Motiven, von denen er glaubt, dass es genug Kunden geben wird, die ihm dafür Geld geben wollen. Diese Fotos kommen dann online in Archive, vergleichbar mit Wikimedia-Commons, Flickr oder Youtube, nur dass diese Inhalte über die Agenturen gekauft werden müssen, wenn Kunden diese benutzen wollen.

Microstock ist eine Teilbereich der Stockfotografie. Wie der Name anklingen lässt, sind die Preise „micro“, also niedrig. Dort kostet ein Bild ab ein Euro bis durchschnittlich 50 Euro, während es im Macrostock-Bereich üblich ist, Fotos für 50 Euro bis zu vierstelligen Summen zu verkaufen. Neben Fotos werden auch Illustrationen, Vektorgrafiken, Videos, Audiodaten oder 3D-Bilder angeboten. Die bekanntesten Anbieter in diesem Bereich sind beispielsweise Fotolia*, Shutterstock* oder iStockphoto.

Die Vorteile von Bezahlangeboten gegenüber kostenlosen Inhalten

Kostenlose Angebote sind nicht nur freie Lizenzen wie sie bei Wikipedia oder Wikimedia verfügbar sind, sondern zum Beispiel auch bei Flickr, wo ebenfalls zum Teil Creative-Commons-Bilder zu finden sind, oder bei anderen Datenbanken wie beispielsweise Pixelio oder AboutPixel, wo auch Fotos kostenfrei lizenziert werden können. Die Lizenzen den Creative-Commons-Lizenzen ähnlich, meist aber nicht identisch.

Vorteil 1: Mehr Motive

Stellen sie sich gedanklich ein Bild von einer Frau vor. Sie haben einen Artikel und brauchen dafür ein Bild einer jungen, hübschen Frau zur Illustration. Sie können nun in verschieden Datenbanken danach suchen. Wenn ich bei der kostenlosen Agentur Pixelio suche, erhalte ich zirka 5.100 Treffer. Wenn ich auf englisch bei Wikimedia nach „woman“ suche, erhalte ich knapp 16.000 Treffer. Dort gibt es sogar noch mehr passende Inhalte, aber diese sind so unzureichend verschlagwortet, dass sie nicht mit diesem Begriff gefunden werden.

Bei Flickr unter der Creative-Commons-BY-Lizenz finde ich 0,75 Millionen Frauenfotos. Davon sind 200.000 ausdrücklich kommerziell nutzbar. Bei der kommerziellen Microstock-Agentur iStockphoto erhalte ich jedoch schon 1,2 Millionen Treffer, bei Fotolia 1,9 Millionen und bei Shutterstock 2,2, Millionen.

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Brauche ich so viel Auswahl? Ja. Sie suchen ja meist nicht irgendeine Frau, sondern sie wollen entweder eine blonde, eine alte oder eine Frau, die gerade Mangos isst. Durch diese zusätzlichen Einschränkungen werden aus den mehreren Millionen Treffern auf einmal nur ein paar hundert. Wenn man zu Beginn nur ein paar tausend hat, bleibt am Ende vielleicht gar kein passendes Bild übrig.

Bei allen Bildern, für die Erlaubnisse in irgendeiner Art benötigt werden, empfiehlt es sich, bei den kommerziellen Bildagenturen zu suchen, da dort die Rechte im Vorfeld geklärt wurden.

Bei Personenfotos beispielsweise haben sowohl der Fotograf als auch die abgebildete Person Rechte an der Aufnahme. Wenn der Fotograf das Bild unter eine „freie Lizenz“ stellt, erklärt er sich damit einverstanden, auf seine Rechte an dem Bild zu verzichten. Das heißt aber nicht, dass die gezeigte Person damit ebenfalls einverstanden ist. Das betrifft vor allem Gruppenfotos, wo viele Personen darauf sind oder Kinder, weil dann noch der Schutz Minderjähriger dazu kommt. Das heißt: Wenn sie Gruppen- oder Kinderfotos brauchen, ist es einfacher und durch die Zeitersparnis günstiger, diese Motive bei kommerziellen Anbietern zu suchen.

Andere Beispiele sind Aufnahmen von einem Privatgelände, wie Innenaufnahmen einer Fabrik, auf dem Golfplatz, Freizeitpark und so weiter. Da können noch Rechte (Markenrecht, Designschutz, etc.) in einem Bild stecken, die nicht ohne weiteres erkennbar sind.

Außerdem ist bei den kommerziellen Anbietern immer eine bestimmte technische Qualität gegeben, die vorher geprüft wurde. Sie können sich sicher sein, dass ein Bild in Postergröße XXL gedruckt werden kann, wenn die Bildagentur das anzeigt, während bei den freien Lizenzen die Bildgröße oft kleiner, schlechter oder das Foto verrauschter und unschärfer ist.

Vorteil 2: Bessere Verschlagwortung und Suchmöglichkeiten

Weil sie oft Millionen von Suchergebnissen bei einer Bildagentur haben, bekommen sie bei kommerziellen Agenturen viel mehr Suchmöglichkeiten an die Hand, um trotzdem ein geeignetes Bild zu finden.

Bleiben wir bei dem Beispiel Frau. Das sind die Ergebnisse der Webseite von Pixelio, sortiert nach Relevanz. Sie sehen ganz oben die drei Bilder. Das sind schon Frauenbilder, wie man sie sich vorstellen würde, aber es sind auch Hochzeitsringe, Aktaufnahmen, Wolkenfotos oder einfach Nahaufnahmen von einem Auge zu sehen, die weniger passen.

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Das ist ein Screenshot von Wikimedia-Commons, wo ich nach „woman“ gesucht habe. Da gibt es keine Sortierfunktion, was die Suche schwieriger macht, wenn man etwas Spezielles sucht. Bei den Beispielen sehen sie Frauen, aber auch Gemälde, wieder Nahaufnahmen von Augen oder ganz unten irgendeinen Text, den eine Frau geschrieben hat oder eine Kleidung, die von einer Frau getragen wurde, was sie aber als Ergebniss nicht unbedingt erwarten, wenn sie nach Frau suchen (Nachtrag: Der Text entstand im November 2011, im Februar 2012 wurde die Bildanzeige bei Wikimedia etwas verbessert, der Screenshot unten ist vom Mai 2012).

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Das ist jetzt die Seite bei Flickr. Angezeigt werden nur offiziell kommerziell nutzbare Bilder unter einer CC-Lizenz. Sie sehen, vor allem sind das Urlaubsfotos, Reisefotos, private Familienfotos und so weiter, wo nicht immer automatisch klar ist, ob sie diese Fotos wirklich kommerziell nutzen dürfen.

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Das hingegen ist der Screenshot bei Fotolia, wenn sie nach dem Suchbegriff Frau suchen. Sie sehen, die Bildqualität ist deutlich professioneller mit einer großen Vielfalt. Sie erhalten klassische Frauenportraits, Bilder von jungen Frauen, alten Frauen, Gruppenaufnahmen, Innenaufnahmen, Außenaufnahmen und so weiter.

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Das sind die Suchergebnisse der Bildagentur Shutterstock. Auch hier sehen sie viele klassische Frauenportraits, wie man sie sich bei der Suche nach einem Frauenbild vorstellen würde. Es gibt dazu viele Beauty-Aufnahmen und auch wieder sehr professionelle Qualität.

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Um in diesem Wust aus Bildern nicht erschlagen zu werden, gibt es Sortier- und Filtermöglichkeiten. Die üblichsten sind nach Ausrichtung (horizontal, vertikal, quadratisch) , Farbe und nach der Bildgröße, was zum Beispiel wichtig ist, wenn sie große Poster drucken wollen.

Weitere Filtermöglichkeiten: Nach Bildart (Foto, Vektorgrafik, Illustration), mit oder ohne Personen, die genaue Anzahl der Personen, das Alter der Person, das Geschlecht der Person und man kann danach suchen, ob auf dem Bild irgendwo Textfreiraum sein soll, wo Text oder ein Logo platziert werden kann.

Es gibt auch Sortierungsmöglichkeiten nach dem Alter der Bilder, nach der Anzahl der Verkäufe, nach dem Preis oder nach der Relevanz, was meistens eine Kombination aus verschiedenen Faktoren ist. Das werden sie bei vielen nicht-kommerziellen Anbietern nicht finden. Manchmal lohnt es sich deshalb schon, bei Microstock-Agenturen zu kaufen, weil die gesparte Zeit das ausgegebene Geld mehr als kompensiert.

Erweiterte Suchfunktionen bei Fotolia, Shutterstock und istockphoto

Zwischendurch ein Einwurf: Es kommt immer auf die Motive an. Wenn sie was ganz Historisches suchen, zum Beispiel Fotos vom zweiten Weltkrieg oder von Albert Einstein, wie er die Zunge rausstreckt, dann ist es möglich, in Bildarchiven von Museen oder bei Wikimedia Commons zu suchen. Aber wenn sie eher kommerziell orientierte Bilder brauchen, weil sie zum Beispiel eine Vereinbroschüre gestalten wollen, dann lohnen sich eher die kommerziellen Anbieter.

Vorteil 3: Rechtliche Absicherung

Hobbyfotografen oder Amateurfotografen, die bei Flickr oder einer anderen kostenfreien Bilddatenbank Fotos unter eine CC-Lizenz stellen, sind sich oft gar nicht bewusst, was bei dieser Vielfalt an Lizenzen alles erlaubt ist oder nicht. Deshalb sind oft Bilder unter einer kostenfreien CC-Lizenz zu finden, bei der nicht alle Rechte geklärt sind. Als Beispiel drei Fotos bei Flickr.


Erstes Szenario: Ein Fotograf lädt bei Flickr Bilder hoch unter einer CC-BY-Lizenz, das heißt, ein kommerzielle Nutzung ist erlaubt, Namensnennung erforderlich. Sie sehen hier drei Frauen. Links eine Frau von den Philippinen, in der Mitte aus Madagaskar, rechts aus Indien. Die Fotografen sitzen meist in den USA oder Großbritannien, was nahe legt, dass das Reisefotos oder Urlaubsfotos sind. Bei dem Foto in der Mitte stand als Kommentar bei Flickr sogar sinngemäß: „Unser Fahrer hielt kurz an, damit wir ein Foto der Familie auf dem Ochsenkarren machen konnten.“ Deshalb vermute ich, dass die Person nicht um Erlaubnis gefragt wurde, ob sie jetzt auf dem Foto sein will. Kann sein, muss nicht sein: Deswegen ist der Bildnutzer in der Pflicht, beim Urheber nachzufragen, ob wirklich alle Rechte für dieses Bild geklärt sind. Wer für ein Projekt risikofrei Bilder nutzen will, hat dadurch unter dem Strich mehr Aufwand und Kosten als ursprünglich gedacht, wenn es heißt: „Ich google mal schnell paar kostenlose Fotos“.

Ein anderes Beispiel direkt von der Wikimedia-Commons-Seite. Sie sehen einen us-amerikanischen Rapper. Unten bei der Lizenzierung steht ausdrücklich: Das Foto darf für jeden Zweck und auch kommerziell benutzt werden. Cool! Ich kann das als Poster drucken und beim Konzert der Band verkaufen und damit Geld verdienen. Sicherheitshalber habe ich beim Management des Rappers nachgefragt, der sofort meinte, das sei nicht erlaubt. Hier sind wir wieder beim Widerspruch zwischen den Rechten des Fotografen, der darauf verzichtet und den Rechten der abgebildeten Person, der die Nutzung nicht erlaubt. Dieser Widerspruch kann bei freien Lizenzen schnell auftreten. Die angegebene freie Lizenz ist deshalb in der Praxis manchmal wertlos (Nachtrag: Das Bild wurde mittlerweile bei Wikimedia entfernt).

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Drittes Beispiel: Das ist eine us-amerikanische Band namens Birdeater. Die haben ihr Bandfoto sogar unter eine Public-Domain-Lizens gestellt und damit das Bild gemeinfrei gemacht. Kurz gefasst heißt es, ihr dürft mit dem Bild machen, was ihr wollt. Ich bezweifle auch hier stark, dass die Band einen Posterverkauf gutheißen würde. Deswegen habe ich wieder per Email nachgefragt. Seit sechs Wochen habe ich keine Antwort erhalten. Wer einen engen Terminplan hat, könnte dieses Bild deshalb ebenfalls nicht nutzen, wenn er auf der rechtlich sicheren Seite sein will.

Wie handhaben das im Gegensatz Microstock-Agenturen? Jeder Fotograf muss zu jedem Foto schriftlich die dazugehörigen Modelverträge und Eigentumsfreigaben hochladen. Das führt bei mir teilweise dazu, dass ich zu einem Gruppenfoto zehn Verträge mit zwölf Unterschriften habe, nur um nachweisen zu können, dass ich alle Rechte an diesem Foto habe. Als Bildkäufer kann man sich dann sicher sein, das die Rechtefreigabe vorher durch mich geklärt wurde.

Einige Agenturen wie zum Beispiel Shutterstock, iStockphoto oder Vivozoom bieten sogar eine „Rechtegarantie“ an für rechtliche Unbedenklichkeit und haften selbst als Agentur bis zu 10.000 US-Dollar, falls doch mal etwas schief gehen sollte. Gegen Aufpreis kann diese Summe auf bis zu 250.000 US-Dollar erhöht werden. Falls man zum Beispiel eine Millionen Flyer druckt und diese müssen eingestampft werden, weil irgendwo ein unerlaubtes Logo zu sehen ist, was weder vom Fotograf noch von der Agentur entdeckt wurde, dann bezahlt die Bildagentur das.

Deshalb: Bilder bei Bildagenturen kosten zwar etwas, dafür spart man Zeit und Nerven und bekommt für das Geld auch Rechtssicherheit und eine größere Auswahl.

Hinweis: Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form meines Vortrags vom Mai 2011 auf der Frühjahrstagung “Mediale Werte” des Verein für Medieninformation und Mediendokumentation (vfm) in Dresden. Die Zahlen sind demnach ca. ein Jahr alt, die Screenshots wurden teilweise erneuert.

Stockfotografie-News 2012-04-13

Nach einigen Wochen wird es mal wieder Zeit, meine Notizen zusammenzusuchen und Euch einen Überblick über die Bilderbranche zu verschaffen.

Seltsamerweise gibt es seit Jahresbeginn kaum wirklich wichtige Nachrichten, was mir etwas Angst macht, da die Ruhe vor dem Sturm bisher kein gutes Zeichen war.

Aber freuen wir uns bis dahin, dass mal für paar Wochen alles beim Alten bleibt und schauen uns an, was es trotzdem Neues gibt:

  • Die Firma PocketWizard hat ihre bei Profifotografen beliebten Funkauslöser Plus II verbessert: Die neue „Plus III“-Reihe hat mehr Funktionen und ist sogar billiger. Einziger Haken: E-TTL wird nicht unterstützt, wer darauf verzichten kann, sollte zugreifen.
  • Getty Images vertreibt jetzt über 800.000 Videos über die Mediensuchmaschine my-picturemaxx.
  • Fotolia-Fotos können mit dem neuen Adobe-Plugin jetzt auch direkt aus der Adobe Creative Suite CS5 abgerufen werden.
  • Noch mal Fotolia: Die Bildagentur hat jetzt die Crowdsourcing-Logo-Webseite wilogo.com aufgekauft. Damit dehnt die Agentur das „User Generated Content“-Modell auf einen weiteren Geschäftsbereich aus.
  • Fotolia die dritte: Heute am Freitag, den 13.4. findet in Berlin die Vernissage um 18 Uhr für die Ausstellung „Me Myself & I. Stockfotografen im Selbstportrait“ statt, welche bis zum 13. Juli 2012 im FotoliaLAB zu sehen ist. Ich bin dort ebenfalls mit einem amüsanten Selbstportrait zu sehen.
  • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellt jetzt seine Fotos und Videos, zum Beispiel Weltraumaufnahmen, unter einer Creative Commons CC-BY 3.0-Lizenz gratis zur Verfügung. Über die Erfahrungen des Bundesarchivs mit einer ähnlichen Entscheidung habe ich hier berichtet.
  • Für Android-Smartphones gibt es jetzt eine App namens „Microstock Report„, welche die Fotografen-Einnahmen bei 29 Microstock-Bildagenturen anzeigt und auswertet.
  • Dreamstime experimentiert gerade mit Preisänderungen.
  • Zoonar bietet jetzt Getty Images als Partneragentur an. Fotografen sollten sich jedoch nicht der Illusion hingeben, ihre Bilder in eine hochwertige Getty-Kollektion zu bekommen, viel wahrscheinlicher ist es, dass die Bilder für Abo-Verkäufe via Thinkstock und photos.com genutzt werden.
  • Außerdem kündigte Zoonar an, dass die Kommissionen für Partnerverkäufe von 60% auf 50% reduziert werden. Damit scheint leider auch bei Zoonar das Rennen nach unten zu beginnen.
  • Panthermedia hat jetzt ein Vertriebsbüro in Mailand, Italien, aufgemacht und deren Webseite gibt es nun auch in italienisch.
  • Bei Birgit Engelhardt gibt es ihre Hausarbeit zum Thema „Urheberrecht und Fotografie“ zum kostenlosen Download.
  • Wo wir beim Thema Recht sind: Bildersuchmaschinen wie Google Images dürfen nun auch widerrechtlich veröffentlichte Fotos anzeigen. Das Internet sorgt schon für seltsame Rechtssprechungen…
  • Ebenfalls lesenswert ist der Beitrag im Blog des Journalisten-Verbands DJV, der sich in der aktuellen Debatte zum Urheberrecht für letzteres stark macht.
  • Die Keywording-Firma DokFünf veranstaltet gerade einen Fotowettbewerb zum Thema „Schlagwort Copy Space: Wer hat das Blaue vom Himmel verkauft„. Ich sitze mit in der Jury, also strengt euch an.
  • Die Statistik-Seite istockcharts.de wurde leider eingestellt, weil immer mehr Fotografen nur anonymisiert angezeigt werden wollten, was einerseits die Anzeige immer nutzloser machte und andererseits unfair gegenüber den Fotografen war, die ihre Daten weiterhin öffentlich anzeigen lassen haben. Details gibts hier in der Facebook-Gruppe „United Stock Artists“.
  • Als Erinnerung: Ich habe meinen Facebook-Account radikal aufgeräumt und akzeptiere jetzt nur noch Leute, die ich persönlich kennengelernt habe und werde dort auch eher private Dinge posten. Wer weiterhin über Facebook über meine beruflichen Aktivitäten informiert werden will, dem empfehle ich, meiner „Facebook-Seite“ zu folgen.
  • Das deutsche Foto-Forum „Foto-Talk Relota“ hat „wegen eines amtsmüden Administrators“ endgültig die Pforten geschlossen. ursprünglich hatte Thomas Seegers geplant, das Forum jemand anderem anzuvertrauen, aber er hat sich aus Datenschutzgründen anders entschieden. Ich bastle bereits an einem neuen deutschen Microstock-Forum, welches ich in paar Tagen im Blog vorstellen werde.
  • Übrigens: Ich habe gerade eine Teilzeit-Stelle als Produktions-Assistenz in Köln zu vergeben. Bewerbungen sind willkommen.

Habe ich etwas vergessen? Dann tragt das gerne in den Kommentaren nach.

 

Creative Commons Lizenzen (CC) richtig nutzen – Wie gebe ich den Urheber korrekt an?

Leute, welche Fotos aus dem Internet nutzen, stolpern immer wieder mal über Bilder unter einer sogenannten „Creative Commons“-Lizenz (CC-Lizenz). Eins der größten Probleme dabei: Wie gebe ich den Urheber richtig an, damit meine Nutzung von der Lizenzvereinbarung korrekt abgedeckt wird?

Eine Untersuchung des Deutschen Bundesarchivs zusammen mit Wikimedia ergab, dass ca. 95% aller Bildnutzungen aus dem Bundesarchiv unter einer CC-Lizenz nicht den Nutzungsbedingungen entsprechen und damit – salopp gesagt – illegal sind.

Oder anders formuliert: Wer ein Bild mit einer CC-Lizenz nutzt, muss sicherstellen, alle Regeln korrekt einzuhalten, sonst könnte er trotzdem kostenpflichtig abgemahnt werden.

Doch zuerst: Was ist überhaupt eine Creative Commons Lizenz?

Creative Commons“ ist eine gemeinnützige  Organisation, welche sechs verschiedene Lizenzverträge formuliert hat, die im Gegensatz zu den meist üblichen Paragraphen-Wüsten sehr einfach formuliert sind und den Nutzern meist auch mehr Freiheiten erlauben als es normalerweise das Urheberrecht erlauben würde.

Diese sechs Lizenzen sind durch kleine Symbole gekennzeichnet, wie sie Fotografen sicher schon bei Flickr, Wikipedia oder anderen Webseiten gesehen haben:


Die sechs Lizenzen setzen sich in einer Art Baukastensystem aus vier Elementen zusammen: „Namensnennung“ (BY), „Keine Bearbeitung“ (ND), „Nicht Kommerziell“ (NC) und „Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ (SA). Die Buchstabenkürzel in Klammern kürzen die englischen Bezeichnungen ab und zusammen mit dem CC-Zusatz heißen die Lizenzen in Kurzform beispielsweise CC-BY, CC-NC-ND oder CC-SA.

Laut einer Statistik von Creative Commons sind die drei häufigsten benutzten Lizenzformen CC-BY-NC-SA (Namensnennung, nichtkommerziell, gleiche Weitergabe) mit ca. 30%, CC-BY-NC-ND (Namensnennung, nichtkommerziell, keine Bearbeitung) mit ca. 18% und CC-BY-NC (Namensnennung, nichtkommerziell) mit ebenfalls knapp 18%.

Keine Bearbeitung“ heißt, dass Nutzer das Bild nicht für Fotomontagen oder ähnliches verwenden dürfen. Strittig ist hingegen, ob schon Bearbeitungen wie Beschnitt oder Umwandlung in Schwarz/Weiß ebenfalls verboten sind.

Nicht Kommerziell“ bedeutet, dass mit Werken mit diesem Lizenz-Merkmal kein Geld verdient werden darf. Genau definiert der Lizenzvertrag das so: Das Werk darf „nur für Handlungen, die nicht vorrangig auf einen geschäftlichen Vorteil oder eine geldwerte Vergütung gerichtet sind“, benutzt werden.

Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ heißt, dass Werke, welche mit Hilfe dieses Lizenz-Merkmals erstellt wurden, ebenfalls unter der gleichen Creative Commons Lizenz angeboten werden müssen. Wenn ich beispielsweise einen Bildband mit solchen Fotos erstelle, muss ich den Bildband ebenfalls unter diese CC-Lizenz stellen.

Namensnennung“ In der aktuellen Version 3 der Creative Commons Lizenzen wird jede Lizenz nur zusammen mit dem „Namensnennung“-Element angeboten. Das heißt, das der Urheber des Werkes „in der von ihm festgelegten Weise“ genannt werden muss. Aber: Im Kleingedruckten verstecken sich weitere Bedingungen.

Wie gebe die den Namen bei einer Creative Commons Lizenz richtig an?

Als erstes muss der Name des Urhebers und der Titel des Werkes genannt werden. Falls der Urheber das Werk Dritten zugeschrieben hat, z.B. einer Zeitung oder Stiftung, muss diese ebenfalls genannt werden. Es sollte ein Link zum Werk bzw. zu den Rechteinformationen oder der Lizenzvereinbarung des Werkes angegeben werden, auch in gedruckten Werken. Alternativ muss als Minimalforderung die Art der Lizenz angegeben werden, unter der das Werk lizenziert wurde.

Falls das Werk bearbeitet wurde, muss gekennzeichnet werden, dass eine Bearbeitung erfolgt ist.

Die Webseite für Creative Commons-Musik CCMixter bietet als Service zu jedem Werk praktischerweise die Angaben zur korrekten Namensnennung als „Copy&Paste“-Schnipsel an. Das sieht dann beispielsweise so aus:

„Hornet“ by George_Ellinas
http://ccmixter.org/files/George_Ellinas/15924
is licensed under a Creative Commons license:
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Name, Titel, Link und Art der Lizenz: Alles drin.

Worauf muss ich bei der Nutzung eines Bildes mit Creative Commons Lizenz noch achten?

Creative Commons bietet nur Lizenzverträge an, welche Rechte regeln, die durch das Urheberrecht entstehen. Bei vielen Werken, zum Beispiels Fotos kommen jedoch noch viele andere Rechte hinzu, welche nicht berücksichtigt sind. Das heißt konkret: Nur weil ein Foto unter einer CC-Lizenz steht, die kommerzielle Nutzung erlaubt, heißt das noch lange nicht, dass das Foto ohne Probleme kommerziell genutzt werden darf!

Einige dieser anderen Rechte betreffen beispielsweise das „Recht am eigenen Bild“ (Persönlichkeitsrechte von fotografierten Personen), das Markenrecht, Geschmacksmusterschutz, Patentrecht, das Urheberpersönlichkeitsrecht und weitere. Zum Beispiel hatte ich bei Wikipedia das Foto eines Rappers gefunden, was unter einer CC-BY-Lizenz stand, das heißt, ich hätte es kommerziell nutzen dürfen. Auf Anfrage an das Management erhielt ich jedoch die Antwort, dass das vom Künstler nicht gewünscht wäre. Das ist trotz der Lizenz sein gutes Recht, nämlich sein Persönlichkeitsrecht.

Jeder, der Werke unter einer Creative Commons-Lizenz nutzen will, ist deswegen in der Pflicht, vor der Nutzung zu prüfen, ob mit der geplanten Nutzung die Rechte anderer Personen oder Firmen verletzt werden.

Kleiner Hinweis zu Rechtsthemen: Alle Angaben in diesem Artikel ohne Gewähr. Vor einer konkreten Nutzung sollte sich jeder Nutzer selbst informieren, alle notwendigen Rechte zu besitzen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Creative Commons-Lizenzen gemacht? Nutzt ihr die? Bietet ihr Eure Fotos als CC an?

Das Bundesarchiv und Wikimedia: Erfolge und Probleme einer Zusammenarbeit

Vor paar Wochen hielt ich einen Vortrag auf der Frühjahrstagung “Mediale Werte” des Vereins für Medieninformation und Mediendokumentation (vfm) in Dresden. Mit dabei war auch Dr. Oliver Sander, der als Leiter des Bundesarchivs über die Zusammenarbeit seines Archivs mit Wikimedia Deutschland berichtete.

Kernpunkt dieser Kooperation war folgender „Deal“, den ich selbst nicht so knackig zusammenfassen könnte wie es in der Tagungsbeschreibung stand:

„Im Dezember 2008 hat das Bundesarchiv – als erstes Staatsarchiv weltweit – eine Kooperation mit Wikimedia bekannt gegeben. Knapp 90 000 Fotos wurden für Wikimedia Commons unter der Lizenz CC-BY-SA kostenfrei bereit gestellt. Im Gegenzug haben viele „Wikipedianer“ mit Hilfe eines ebenfalls von Wikipedia-Mitarbeitern entwickelten Werkzeugs die Personenliste des Bundesarchivs mit der so genannten  Personennamendatei (PND) verknüpft.“

ADN-ZB/ Archiv Berlin, Juni 1924: Vorbereitung zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung. (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-S29554 / CC-BY-SA)

Diese Fotos können beispielsweise hier eingesehen werden. Warum berichte ich an dieser Stelle über das Bundesarchiv und Wikimedia? Was hat das mit kommerzieller Fotografie zu tun?

Im Vortrag kamen einige Punkte zur Sprache, die für Fotografen sehr interessant sind.

Vor einer Weile hatte ich im Blog einen Artikel namens „Acht Gründe, warum Fotografen kostenlose Fotos anbieten“ geschrieben. Einer dieser Gründe war, dass man auch mit kostenlosen Fotos Geld verdienen könne. Das Bundesarchiv hat ähnliche Erfahrungen gemacht.

Durch die Bereitstellung der knapp 90.000 kostenlosen Fotos gab es:

  • 2-5 neue Nutzer am Tag
  • 9 Bestellungen am Tag, davon 81,45% kostenfrei
  • eine Verdoppelung der Besucherzahlen (49.000 Visits pro Monat)
  • 230%ige Zunahme von schriftlichen Anfragen
  • 193%ige Zunahme der Einnahmen

Auf die Einnahmen und Kritik an der Höhe der verlangten Nutzungsgebühren ging Dr. Sander in der schriftlichen Fassung seines Vortrags genauer ein:

„Infolge der erhöhten Zugriffe und Bestellungen wurden erstaunlicherweise auch die Einnahmen um 193% gesteigert. Und das obwohl 81% der Bild-Downloads kostenfrei sind, da für amtliche Zwecke, Ausstellungen, bestimmte Veröffentlichungen unter 500 Exemplare und „LowRes“-Bildern für private Zwecke keine Gebühren erhoben werden und die Nutzung von Bundesarchiv-Bildern via Wikimedia Commons prinzipiell kostenfrei ist. Während gerade nach der Onlinestellung des Digitalen Bildarchivs von vielen Internetusern Kritik an den angeblich unangemessen hohen Gebühren geübt wurde, kritisierte der Bundesverband der Pressebild-Agenturen und Bildarchive (BVPA) hingegen die „niedrigen Beträge“ als „erheblich wettbewerbsverzerrend“. Allerdings war, ist und wird das Bundesarchiv keine Bildagentur und ist zuallererst dem Bundesarchivgesetz und dessen Zielen verpflichtet und nicht der Steigerung von Einnahmen!“

Ebenfalls interessant, aber eher bedenklich fand ich eine weitere Zahl, die während des Vortrags fiel. Es gab viel Bildmissbrauch, das heißt zahlreiche unerlaubte Verkäufe von Fotos bei Ebay, Probleme für das Bundesarchivs mit Fotografen oder anderen Rechteinhabern wegen fehlender Urheberrechtsnachweise und zahlreiche Verstöße gegen die Creative Commons-BY-SA-Lizenz. Bei fast 95% der Nutzungen wurden die Lizenzvereinbarungen nicht korrekt eingehalten:

„Bei Nutzungen von Bundesarchiv-Fotos via Wikimedia Commons halten schätzungsweise 5% der Nutzer die Bedingungen der Lizenz CC-BY-SA inklusive Nennung des Urhebers ein oder anders formuliert: bei ca. 95% der Nutzungen sind Verstöße gegen die Lizenz und das Urheberrechtsgesetz festzustellen! Zwar hat das Bundesarchiv alle Fotos mit einem weißen „Quellenstreifen“ versehen, in dem die Quelle Bundesarchiv, die Bildsignatur und der Urheber genannt sind, doch ermöglicht es die Lizenz CC-BY-SA diesen Quellennachweis zu entfernen. Bei den Fotos auf Wikimedia Commons ist das insofern unproblematisch, weil hier alle notwendigen Angaben vorhanden sind. Sobald ein Foto aber (mit rechter Maustaste) herunter geladen wird, sind diese Angaben jedoch nicht mehr vorhanden und werden von Wikimedia-Nutzern – wie oben dargestellt – so gut wie nie angegeben.

Dementsprechend sieht sich das Bundesarchiv mittlerweile außerstande weitere Bilder auf Wikimedia Commons freizugeben, da dies bedeuteten würde, dass das Bundesarchiv wissentlich Lizenz- und Rechtsbrüchen Vorschub leisten würde.“

95%! Das heißt, nur eine verschwindend geringe Anzahl von Leuten hat die kostenfreien Fotos wirklich legal genutzt. Das war einer von mehren Gründen, warum sich das Bundesarchiv schweren Herzens entschieden hat, die Kooperation nicht fortzuführen. Die bisherigen Bilder bleiben jedoch im Bestand von Wikimedia.

Frei aus dem Gedächtnis zitiert meinte Dr. Sander: „Es gab einige Probleme mit der Kooperation, aber unser Schatzmeister war nach anfänglichen Vorbehalten später derjenige, der als Erster uneingeschränkt für eine Fortsetzung der Kooperation war„.

Die Präsentation seines Vortrags stelle ich mit der freundlichen Erlaubnis von Dr. Oliver Sander hier zum Nachlesen zur Verfügung.

Sagt sagt ihr zu den Zahlen und Erfahrungen?