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Täuschung? Getty Images & der Pinterest-Deal

Die von der Carlyle Group gehal­te­ne Bildagentur Getty Images agiert mög­li­cher­wei­se irre­füh­rend, wenn es um die Verlautbarungen über Einkommen, Verkäufe und Lizenzierung von Inhalten geht, die unter das kürz­li­ch ange­kün­dig­te Abkommen mit Pinterest fal­len. Jetzt im Besitz der pri­va­ten Carlyle Group, ist wenig bekannt über die Geschäftsbeziehungen von Getty Images, aber hin und wie­der gelan­gen inter­es­san­te Neuigkeiten an die Öffentlichkeit.

Schauen wir uns zuer­st den Blogbeitrag an, in wel­chem der Deal ange­kün­digt wird. Hier sind eini­ge rele­van­te Auszüge aus dem Blogbeitrag gera­de über das, wofür Pinterest Getty bezahlt – nur für Metadaten:

Getty Images und Pinterest haben ein Abkommen zu Wege gebracht, das die Welt in eine stär­ker visu­el­le Zukunft füh­ren wird, indem unse­re umfang­rei­chen Metadaten und attrak­ti­ver Inhalt kom­bi­niert wer­den …“

Der Begriff Metadaten taucht im obi­gen Zitat auf, gefolgt von einer hoch­tra­ben­den Äußerung über die „tol­len Fotografen von Getty Images…“ und Einzelheiten zu den Informationen (damit sind die Metadaten gemeint) über den Designer der Stiefel auf dem Foto:

Nehmen wir an, Sie stö­bern auf den Pinterest-Seiten und ent­de­cken ein Bild von Beyonce, auf wel­chem Sie die­se schar­fen Stiefel trägt. Aber es fehlt jeg­li­che Information dar­über, wer die Stiefel ent­wor­fen hat oder wo du sie kau­fen kann­st! Es könn­te auch schwer sein her­aus­zu­be­kom­men, dass ein tol­ler Fotograf bei Getty Images das Bild auf­ge­nom­men hat.“

Dann macht Getty klar, dass es Metadaten sind, die verkauft/lizenziert wer­den sol­len und dass das Foto dann einen Bildnachweis und einen Link bekommt.

Unsere neue Partnerschaft mit Pinterest bie­tet eine Lösung… wir ver­wen­den unse­re API-Schnittstelle „Connect“, um Pinterest wesent­li­che Informationen zur Verfügung zu stel­len – ein­schließ­li­ch Bildnachweisen von Getty Images, wann und wo das Bild ent­stan­den ist und mehr. Wir brin­gen einen Bildnachweis auf der Seite von Pinterest und einen Link zurück unter.“

An die­ser Stelle ver­deut­licht Getty, dass die Vergütung ein­zig für die Metadaten anfällt. Die fol­gen­de Aussage ist so klar umris­sen wie die Aussage von Präsident Obama: Wenn Sie mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsplan zufrie­den sind, kön­nen Sie ihn behal­ten. Da besteht kein Zweifel – Getty wird für „die­se umfang­rei­chen Metadaten“ bezahlt:

Pinterest wird Getty eine Gebühr für die­se umfang­rei­che Metadaten bezah­len, die wir mit den Anbietern tei­len wer­den.“

Wenn für ein Foto Lizenzgebühren in Höhe von 1,00 Dollar anfal­len, was schät­zen Sie, wäre die Lizenzgebühr für die Metadaten? 0,01 Dollar? 0,10 Dollar? Sicherlich ist der Betrag ein Bruchteil des­sen, was die Lizenzgebühr für das Bild aus­ma­chen wür­de, und dann wird die­ser Anteil des Lizenzeinkommens für das Bild zu einem unglei­chen Prozentsatz zu Gettys Gunsten auf­ge­teilt.

Nirgendwo sagt Getty, dass Pinterest Lizenzgebühren für das Bild bezahlt.

Warum ist es wich­tig, dass Getty unmiss­ver­ständ­li­ch klar­macht, dass es eine Gebühr für die Metadaten ist? Lassen Sie uns eini­ge Abschnitte des Vertrages genau­er beleuch­ten, den Getty mit sei­nen Anbietern abschließt.

Zuerst erläu­tert Getty, dass die Vereinbarung für „Akzeptierte Inhalte“ gilt, um dann zu defi­nie­ren was „Akzeptierte Inhalte“ sind:

“ Diese Vereinbarung betrifft alle Inhalte (gemäß der Definition im Abschnitt 1.2) , wel­che Sie frü­her ein­ge­reicht haben oder in Zukunft ein­rei­chen wer­den, die zum Vertrieb durch Getty akzep­tiert wur­den („Akzeptierte Inhalte“).“

1.2 Arten von Inhalten: Diese Vereinbarung gilt für fol­gen­de Arten von Inhalten („der Inhalt“):
(a) Fotografien, Illustrationen oder ande­re unbe­weg­te visu­el­le Darstellungen („unbe­weg­te Bilder“); (b) beweg­te visu­el­le Inhalte in jeg­li­cher Form, ein­schließ­li­ch Filme, Videobänder, digi­ta­le Dateien, Animationen und Clips („Filmmaterial“); und © Fonts, Audiodateien und jeg­li­che ande­re durch Copyright geschütz­te Werke, in allen Fällen, in wel­cher Weise und in wel­chem Format und mit wel­chem Werkzeug auch immer erzeugt, ein­schließ­li­ch von Reproduktionen, Bearbeitungen und abge­lei­te­ten Werke davon. “

Es wird in den vor­an­ge­hen­den Ausführungen deut­li­ch, dass es sich bei „Inhalt“ (con­tent) um „Fotografien“, nicht um Metadaten han­delt. Im fol­gen­den Abschnitt erklärt Getty zuer­st, was selbst­ver­ständ­li­ch sein soll­te – dass Sie die Rechte an Ihrem „Akzeptierten Inhalt“ besit­zen, aller­dings macht Getty dann unmiss­ver­ständ­li­ch klar: „Getty Images besitzt alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche, ein­schließ­li­ch aller Copyright-Rechte, die neben Ihrem Copyright an Ihren „Akzeptierten Inhalten“ ent­ste­hen, an allen Arbeiten durch oder für Getty Images, die viel­fa­che Elemente „Akzeptierter Inhalte“ und/oder ande­re Inhalte ent­hal­ten.

1.13 Copyright an „Akzeptiertem Inhalt“ oder ande­ren Werken. Gegenstand der in die­ser Vereinbarung gewähr­ten Rechte ist, dass Sie alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche ein­schließ­li­ch des Urheberrechts an allen „Akzeptierten Inhalten“ behal­ten, auch dann, wenn es Bestandteil abge­lei­te­ter Werke Dritter ist. Getty Images erhält alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche, ein­schließ­li­ch aller Copyright-Rechte, die neben Ihrem Copyright an Ihren „Akzeptierten Inhalten“ ent­ste­hen, für jeg­li­che Arbeiten durch oder für Getty Images, die­viel­fa­che Elemente „Akzeptierter Inhalte“ und/oder ande­re Inhalte ent­hal­ten. Sowohl Sie, als auch Getty Images in Ihrem Namen, kön­nen das Copyright an jeg­li­chem „Akzeptierten Inhalt“ bei der ent­spre­chen­den Behörde regis­trie­ren las­sen.“

Danach besitzt Getty alles, außer dem eigent­li­chen Foto als Teil des „Akzeptierten Inhalts“ – Metadaten „und/oder ande­re Inhalte“.

Noch ein­mal: Anbieter wer­den hono­riert mit einem Anteil an der Gebühr für die Metadaten anstatt für einen Anteil an den Lizenzgebühren für das Foto, denn Getty macht voll­kom­men klar, dass sie nur für Metadaten bezahlt wer­den.

Bis ges­tern [Anmerkung R.K.: Gemeint ist Donnerstag, der 12.12.2013].

Auf einer ein­tä­gi­gen Konferenz, die hier in der Nähe von Washington DC vom „US Patent and Trademark Office“ ver­an­stal­tet wur­de – „Copyright Policy, Creativity, and Innovation in the Digital Economy“ (Details fin­den sie hier). Ich habe mir den Webcast ange­se­hen, ein Teilnehmer der Konferenz war John Lapham, Senior Vice President und General Counsel bei Getty Images.

Hier ist das Video:

Wenn sie zur vor­spu­len zu Minute 19:10 im Video, beginnt die Diskussion über unser Thema.

Lapham bemerkt zuer­st bezüg­li­ch des Pinterest-Abkommens:

… ein geraum­er Teil ihres Inhalts steht den Anbietern von Getty zu, und anstatt einen Schlagabtausch zu füh­ren dar­über, was mit Bildern auf Ihrer Webseite pas­sie­ren soll­te und was nicht, sagen wir, wenn Bilder hin- und her gescho­ben wer­den, ver­liert man die Metadaten, die Attribute. Und statt laut­hals dar­über zu strei­ten, ob man Bilder lizen­zie­ren soll­te oder nicht, lasst uns doch die Metadaten wie­der kor­rekt mit die­sen Bilddateien ver­knüp­fen und lasst unse­ren Anbietern als Gegenleistung die Tantiemen zukom­men, die ihnen für die Nutzung ihrer Inhalte zuste­hen. Das war das Ziel beim Bemühen um ein der­ar­ti­ges Abkommen…“

Die Moderatorin Ann Chaitovitz, Berater-Anwältin für das us-amerikanische Patentamt USPTO, hak­te bei Lapham nach, weil alle frü­he­ren Aussagen von Getty dahin­ge­hend lau­te­ten, dass nur für Metadaten bezahlt wer­den soll­te. Sie wie­der­hol­te:

Danke, ähm, also kann ich, nur zu mei­nem bes­se­ren Verständnis, es geht um Metadaten – Sie ver­knüp­fen die Metadaten wie­der, gab es da auch irgend­ei­ne Bezahlung oder war das, um sie für zukünf­ti­ge Verwendung zu kenn­zeich­nen?“

Lapham ant­wort:

“ Ahh, die Vereinbarung funk­tio­niert so, dass äh, wir da eine Datenbank haben, eine Bilddatenbank, die, wis­sen Sie, Millionen von Bildern ent­hält, nicht nur unse­re, son­dern von Wettbewerbern, ande­ren Unternehmen, und wir kön­nen die Bilddatenbank abglei­chen mit einer Webseite, um her­aus­zu­fin­den, wel­che Übereinstimmungen es gibt. Und durch die Anwendung die­ser Erkennungstechnologie kön­nen wir sagen, wis­sen Sie, wir kön­nen sagen, wenn wir bei­spiels­wei­se die UPSTO-Webseite neh­men, dass Sie dort 110.000 Fotos von Getty Images vor­hal­ten, und die­se Bilddateien haben kei­ne Metadaten mehr, wir ver­knüp­fen die­se Metadaten wie­der und die Gebühr, die dafür ver­langt wer­den kann, könn­te auf einer Basis pro Bild pro Monat erfol­gen, so dass die Person, die das Werk geschaf­fen hat, im Gegenzug dafür ent­lohnt wer­den kann.“

Lapham bringt meh­re­re Argumente. In sei­nem Eingangsstatement:

“ lasst unse­ren Anbietern als Gegenleistung die Tantiemen zukom­men, die ihnen für die Nutzung ihrer Inhalte zuste­hen.“

In sei­nem Folgebeitrag führt er aus:

“ wir ver­knüp­fen die­se Metadaten wie­der, und die Gebühr, die dafür ver­langt wer­den kann, könn­te auf einer Basis pro Bild pro Monat erfol­gen, so dass die Person, die das Werk geschaf­fen hat, im Gegenzug dafür ent­lohnt wer­den kann.“

Demnach ist die ver­lang­te Gebühr für das Wiederverknüpfen der Metadaten? Wenn er sagt, „die Gebühr die dafür ver­langt wer­den kann“, dann bezieht er sich offen­sicht­li­ch auf die Tätigkeit im glei­chen Satz davor: “ wir ver­knüp­fen die­se Metadaten wie­der“ und dann, bezieht sich das „dafür ent­lohnt wer­den kann“, bezieht sich das „dafür“ auf das „die­ses Werk geschaf­fen haben“ oder auf das Wiederverknüpfen?

Warum ist das wich­tig?

Nun, in dem Vertrag von Getty Images über­tra­gen die Anbieter ihr Recht, gegen eine Rechtsverletzung zu kla­gen oder Ansprüche zu erhe­ben:

1.11 Recht auf Wahrnehmung von Rechtsansprüchen. Getty Images erhält das Recht nach bes­tem kauf­män­ni­schem Ermessen zu ent­schei­den, ob und in wel­chem Umfang gegen Dritte wegen unbe­fug­ter Verwendung „Akzeptierter Inhalte“ vor­ge­gan­gen wer­den soll. Sie ermäch­ti­gen Getty Images und die Vertriebspartner, auf deren Kosten das exklu­si­ve Recht, jed­we­de Ansprüche im Zusammenhang mit Verletzungen des Copyrights an „Akzeptierten Inhalten“ und einem dazu­ge­hö­ren­den geis­ti­gen Eigentum („Ansprüche“) gel­tend zu machen, zu regeln, bei­zu­le­gen und abzu­weh­ren.“

Wir stel­len hier eine fein­sin­ni­ge, aber schwer­wie­gen­de Frage. Lapham ver­deut­licht, dass Bilder von Anbietern von Getty Images einen guten Teil der Bilder bei Pinterest aus­ma­chen. Bis zu dem Abkommen war die Existenz die­ser Bilder ein Verstoß gegen das Copyright der Eigentümer der Bilder.

Getty stellt fest, dass man nicht in einen Schlagabtausch mit Pinterest gehen will. Wir spre­chen von Millionen von Bildern, und der Unterschied, was ein Fotograf als Anteil an der Metadaten-Gebühr im Gegensatz zu einem Einkommensanteil an einer Bild-Lizenz erhal­ten wür­de, könn­te Millionen von Dollar aus­ma­chen, die auf Kosten der Anbieter im Säckel von Getty lan­den, nur auf­grund der Art und Weise, wie die Vereinbarungen zwi­schen Getty und Pinterest sowie zwi­schen Getty und sei­nen Anbietern abge­fasst sind.

Es scheint mir hin­ter­sin­nig, ein Abkommen anzu­kün­di­gen, bei wel­chem sich das Einkommen nach den Metadaten rich­tet, aber dann – auf einer kei­nem all­zu brei­ten Publikum bekann­ten Veranstaltung, deren Beiträge nicht in zahl­lo­sen Presseartikeln wie­der­holt wer­den – eine abwei­chen­de Antwort dahin­ge­hend zu erhal­ten, dass Getty tat­säch­li­ch für Bildlizenzen bezahlt wird, was sie wie­der­um zu einem höhe­ren Anteil den Anbietern ver­dan­ken. Offensichtlich hat­te die Moderatorin ein ande­res Verständnis, als sie die Frage stell­te, und sie ist eine hoch­ge­schätz­te Anwältin, die die Regierung in Fragen des geis­ti­gen Eigentums berät, wes­halb es durch­aus von Bedeutung ist, dass sie ver­wirrt war von dem, was Lapham im Widerspruch zu dem zuvor ange­kün­dig­ten Abkommen sag­te.

So lau­tet die offe­ne Frage, auf deren Beantwortung die Anbieter von Getty Images einen Anspruch haben:
„Erhalten wir eine Vergütung für unse­ren „Akzeptierten Inhalt“ (d.h. Fotografien) oder erhal­ten wir eine Vergütung für Metadaten?“

Lapham ver­deut­lich­te, dass die­se bedingt sind durch deren Abgaben für die Nutzung ihrer Inhalte.

Die Frage die sich dar­aus ergibt, ist:
„Wie hoch sind die Bruttoeinnahmen pro lizen­zier­tem Foto und wie hoch sind die Bruttoeinnahmen für das Wiederverknüpfen und die Anzeige der Metadaten.?“

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Dieser Artikel ist eine Übersetzung des Artikels „Deception? Getty Images & The Pinterest Deal“ aus dem Blog „Photo Business News“ von John Harrington. Die Übersetzung erfolg­te mit freund­li­cher Genehmigung des Autors. Ich habe zum bes­se­ren Verständnis eini­ge Links ein­ge­fügt und teil­wei­se eini­ge Stellen anders mar­kiert.

Kann man mit der Scoopshot App Geld verdienen?

Welche Zukunft hat der Bildermarkt im Bereich der Smartphone-Fotografie?

Im ers­ten Teil die­ses Artikels ging es um die Abkehr des bekann­ten Microstock-Fotografen Yuri Arcurs vom Microstock-Markt. Gleichzeitig kün­dig­te er sei­nen Einstieg mit einer 1,2 Millionen-Investition in die Start-Up Firma Scoopshot an.

Logischerweise pries Yuri in sei­nem Blogartikel des­we­gen die Zukunft der Smartphone-Fotos als lukra­ti­ve Einkommensquelle, die nur auf ihn war­te, um aus­ge­schöpft zu wer­den. Es liegt auf der Hand, dass jemand, der gera­de über eine Million Dollar in eine Firma gesteckt hat, mit allen Mitteln ver­su­chen wird, deren Geschäftsmodell über den grü­nen Klee zu loben.

Auch wenn wir das im Hinterkopf behal­ten, soll­ten die Teilnehmer des Bildermarkts nicht den Fehler bege­hen, neue Geschäftsideen nur des­halb für tot zu erklä­ren, weil es ande­re als die aktu­el­len sind. Dieser Fehler hat­te eini­gen Macrostock-Agenturen und –Fotografen die finan­zi­el­le Existenz gekos­tet, ande­re haben nur mit Mühe die Kurve bekom­men.

Diesen Fehler will ich nicht bege­hen, wes­halb ich mir die Scoopshot-App und Webseite (sowie ande­re „Geld ver­die­nen mit Fotos“-Apps“, aber dazu bald mehr) genau­er ange­schaut habe.

Scoopshot funk­tio­niert nach dem Prinzip, dass Bildsucher „Aufgaben“ kos­ten­los aus­schrei­ben kön­nen, um nach Fotos zu suchen. Diese Ausschreibungen wer­den allen Scoopshot-Fotografen im Umkreis von 20 km einer gewünsch­ten Stadt für eine Woche ange­zeigt. Wer eine Aufgabe bun­des­weit oder gar welt­weit aus­schrei­ben will oder die Aufgabenzeit ver­län­gern will, muss zah­len. Wer sei­ne Aufgabe pro­mi­nen­ter anzei­gen las­sen will, sei es Durch ein Logo, Web-Banner oder eine Push-Mitteilung der App, muss schnell mitt­le­re drei­stel­li­ge Beträge zah­len.

Die Fotografen kön­nen dann mit ihrem Smartphone über die App Fotos zu den Aufgaben hoch­la­den. Wird eins ver­kauft, bekom­men sie vom 5 US-Dollar Verkaufspreis die Hälfte, also 2,50 US-Dollar. Von den oben genann­ten mitt­le­ren drei­stel­li­gen Beträgen sieht der Fotograf nichts. Außerdem muss der Bildsucher auch keins der ihm ange­bo­te­nen Fotos kau­fen, dann bekommt der Fotograf für sei­ne Arbeit nichts. Das nennt sich in der Fachsprache „Work on spec“, also eine Auftragsarbeit auf den puren Verdacht hin ablie­fern, viel­leicht doch Geld dafür zu bekom­men. Warum das dumm ist, wird hier erklärt.

Selbst Yuri Arcurs gibt es zu und schreibt, dass die Bezahlung „lächer­li­ch“ sei:

I agree that 5 USD per task is ridi­cu­lous, but so was 1 USD per down­load for Istockphoto.com back 7 years ago. We are loo­king at the bir­th of a new indus­try. It’s not refi­ned like micros­to­ck is today. Mistakes are ok, small inco­me is ok, bad images are ok, it does not mean it is whe­re it will end. You have to see the poten­ti­al long term.“

Doch dies­mal sitzt er als Investor ja auf der ande­ren Seite des Tisches, und zwar auf der, wo von der lächer­li­chen Bezahlung der Gegenseite pro­fi­tiert wird.

Aber wie ist aktu­ell die Qualität der ein­ge­sand­ten Bilder? Ich habe es mal mit zwei Aufgaben getes­tet, die ich im Raum Berlin für sie­ben Tage ver­öf­fent­licht habe. Einmal soll­ten die Fotografen selbst­ge­mach­tes Eis foto­gra­fie­ren und idea­ler­wei­se gleich das Rezept im Kommentarfeld mit­lie­fern. Das könn­te ich super für mei­nen Eis-Blog nut­zen. Vielleicht etwas anma­ßend von mir, für 5 Dollar eine kom­plet­tes Rezept mit Bildern zu bekom­men. So sahen drei ein­zi­gen Ergebnisse (ein Tag vor Aufgabenende) auch aus:

Das ers­te Foto ist sogar ganz wit­zig und ori­gi­nell, was mich gleich stut­zig mach­te. Deshalb kurz mit Google Images eine Bildersuche gemacht und sie­he da, das Foto kur­siert seit Jahren im Internet auf Witz-Seiten und wur­de garan­tiert nicht vom Einsender auf­ge­nom­men. Deshalb habe ich es mal als „ver­letzt Copyright“ gemel­det, aber nach mehr als fünf Tagen war das Bild immer noch online. Der unwis­sen­de­re Bildkäufer hät­te das Foto viel­leicht gekauft, benutzt und im Falle einer Klage ein gro­ßes Problem gehabt, denn Unwissenheit schützt ja vor Strafe nicht.

Scoopshot hält sich im Kleingedruckten fein raus und schreibt:

The Buyer is res­pon­si­ble for obtai­ning all Releases and it agrees that its publi­ca­ti­on of a Photo is con­di­tio­nal on obtai­ning all Releases. Should the Buyer have rea­son to belie­ve that per­mis­si­on or con­s­ent for publis­hing is requi­red under any app­lica­ble law the Buyer shall not publish the Photo.“

Das heißt grob über­setzt: Du darfst ger­ne Fotos kau­fen, aber viel­leicht darfst Du es nicht nut­zen, weil es Rechte ande­rer ver­let­zen wür­de. Du mus­st Dich nach dem Kauf selbst dar­um küm­mern, dafür Freigaben zu erhal­ten und wir hel­fen Dir dabei kein biss­chen. Soviel zum Thema Rechtssicherheit.

Ähnliche Qualitätsprobleme gab bei mei­ner zwei­ten Aufgabe: Ich hat­te die Idee, die­sen Artikel mit einem Scoopshot-Foto zu illus­trie­ren und frag­te die Fotografen, mir Bilder von „Smartphone-Fotografen beim Geld ver­die­nen“ zu schi­cken. Als typi­scher Microstock-Fotograf hat­te ich erwar­tet, mit Bildern von jun­gen Leuten zuge­schüt­tet zu wer­den, die sich selbst mit ihrem Handy im Spiegel foto­gra­fie­ren und dabei ein paar Geldscheine in der Hand hal­ten. Stattdessen gab es die­se Auswahl:

Blumen, Katzen, Kakteen und Topfpflanzen. Das ers­te Bild des Strudels in Augenform war wie­der ganz wit­zig, aber auch wie­der aus den Untiefen des Internet kopiert und geklaut. Das voll­mun­di­ge Versprechen von Authentizität und Echtheit von Scoopshot wegen zum Patent ange­mel­de­ter Technologien lässt einen da glatt sprach­los. Vor allem der letz­te Satz:

Therefore we have deve­lo­ped a patent-pending tech­no­lo­gy that auto­ma­ti­cal­ly ana­ly­zes the authenti­ci­ty of user-generated con­tent (UGC). From the time a pho­to or video is cap­tu­red with the app, we know the „who, when, whe­re“ of its exis­ten­ce. This helps media com­pa­nies focus upon con­tent its­elf, not spen­ding effort in authenti­ca­ti­on.“

Testweise habe ich mal ein Foto in den Warenkorb gelegt und im Grunde mus­s­te ich nur auf „Checkout kli­cken“ und mei­ne PayPal-Adresse ange­ben, um den Kauf abzu­schlie­ßen. Nirgends wird ein Wort über die Bildlizenz ver­lo­ren, also was der Käufer mit dem Bild machen darf und was nicht.

In den all­ge­mei­nen Nutzungsbedingungen hin­ge­gen wer­den gleich meh­re­re vor­han­de­ne Lizenzen auf­ge­lis­tet, von einer „Publishing Licence“, die nur redak­tio­nel­le Nutzung erlaubt bis hin zu einer „Unlimited Licence“, die nach mei­nem Verständnis auch Werbezwecke ein­schlie­ßen wür­de. Welche Lizenz beim Kauf nun gül­tig ist, ist unklar. Wenn Scoopshot den Bildkäufern gewerb­li­che Nutzungen erlaubt, ohne sich um die Rechteklärung zu küm­mern, steht das gan­ze Geschäftsmodell wie­der auf sehr wack­li­gen Füßen.

Meine bei­den Aufgaben haben – zumin­dest mir – gezeigt, dass Scoopshot für typi­sche Bildagenturen auf lan­ge Zeit hin bestimmt kei­ne Konkurrenz ist.

Das ver­sucht die Firma aber anschei­nend auch nicht. Die Stärke von Scoopshot liegt woan­ders und wird auf deren Webseite als „Content Marketingbeschrie­ben:

Crowdsource uni­que con­tent for mar­ke­ting pur­po­ses, mar­ket rese­ar­ch and to enga­ge and inter­act with con­su­mers.“

Das wären dann Aufgaben wie „Fotografiere Dich mit unse­rer Tageszeitung im Urlaub“ oder „Fotografiere Dich mit unse­rer Supermarkt-Tüte auf Reisen“ und so wei­ter. Oder die Geodaten der Fotos wer­den für Marktforschungszwecke aus­ge­wer­tet? Die Firma bekommt dann für eini­ge hun­dert Euro (ohne ein Foto kau­fen zu müs­sen) vie­le Leute, die sich die Zeit neh­men und Mühe machen, sich mit dem bewor­be­nen Produkt in Szene zu set­zen, Scoopshot bekommt das Geld und die Fotografen bekom­men bes­ten­falls 2,50 Dollar.

Nach dem ers­ten Test von Scoopshot woll­te ich all­ge­mei­ner wer­den und einen Blick auf ver­gleich­ba­re Geschäftsmodelle in der Vergangenheit wer­fen und einen Ausblick in die Zukunft wagen, aber das hebe ich mir jetzt doch für den nächs­ten drit­ten Teil auf.

Wie schätzt ihr die Chancen von Scoopshot ein?

Argumente für und gegen Wasserzeichen in Online-Fotos

Der Fotograf Till Erdmenger hat­te vor eini­gen Wochen in sei­nem Blog einen Artikel über das Auffinden nicht lizen­zier­ter Fotos geschrie­ben.

Darin fiel mir fol­gen­der Absatz beson­ders auf:

[…] Bei Fotografen wird immer wie­der dar­über dis­ku­tiert, wie man sich vor dem Bilder-Klau schüt­zen kann. Oft lau­tet der Tenor: Man müs­se ein Wasserzeichen auf die Bilder mon­tie­ren. Stimmt grund­sätz­li­ch, ist aber voll­kom­men kon­tra­pro­duk­tiv. Mit einem dicken Copyright-Hinweis schre­cke ich viel­leicht eini­ge Bilderdiebe ab, es wird aber noch immer genug ande­re geben, die die­se Bilder voll­kom­men schmerz­frei für eige­ne Zwecke ein­set­zen. Wichtigster Punkt: Wasserzeichen sind eine wür­de­lo­se Verschandelung schö­ner Fotos.

Interessanterweise kommt in Unternehmen – völ­lig zu recht – nie­mand dar­auf, die auf­wän­dig pro­du­zier­ten Werbefotos oder Imagemotive mit rie­si­gen Urheberrechtshinweisen zu „ver­schö­nern“. An die­ser Stelle ist man sich offen­bar voll­kom­men einig, dass sol­che Wasserzeichen nichts auf einem Foto zu suchen haben. […]“


Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass sich ein pro­fes­sio­nel­ler Fotograf gegen die Verwendung sicht­ba­rer Wasserzeichen im Bild aus­spricht. Aber nach­dem ich im zwei­ten Absatz den Vergleich mit Werbefotos gele­sen habe, wur­de mir lang­sam klar, war­um er zu die­sem Thema viel­leicht eine ande­re Meinung hat als ich.

Till ist „Businessfotograf“, er ver­dient sein Geld also haupt­säch­li­ch durch Fotoaufträge von Firmen, für die er Portraitfotos der Mitarbeiter, Bilder der Betriebsfeier und so wei­ter foto­gra­fie­ren soll. Er bekommt sein Geld also von den Firmen, lie­fert die Bilder ab und hat kei­ne Verluste, wenn das Bild von der Firmenwebseite uner­laubt im Netz ver­viel­fäl­tigt wird.

Selbst bei Beispielfotos auf sei­ner Webseite braucht er wenig Angst zu haben, dass die­se kopiert wer­den. Denn selbst wenn das der Fall wäre, wer­de er dadurch ver­mut­li­ch nicht weni­ger Aufträge erhal­ten, denn die Referenzfotos auf sei­ner Webseite blei­ben ihm ja erhal­ten.

Ähnlich sieht das bei den Werbekunden in sei­nem Blog-Beispiel aus. Die Firmen bezah­len viel Geld für ihre Werbefotos und bezah­len noch mal viel Geld, um die­se Werbebilder mög­lichst attrak­tiv in Zeitungen, auf Litfaßsäulen, Plakatwänden und im Internet zu plat­zie­ren. Jeder, der ein Werbefotos irgend­wo – uner­laubt – im Netz pos­tet, hilft dem Unternehmen dadurch etwas, weil es bei Werbefotos, wie der Name schon sagt, kos­ten­lo­se Werbung ist, wenn die­se irgend­wo gezeigt wird, ohne dass das Unternehmen dafür zur Kasse gebe­ten wird. Neuerdings geben Firmen ja sogar viel Geld aus, um die­se orga­ni­sche Verbreitung im Internet durch zufäl­li­ge Webnutzer mög­lichst echt aus­se­hen zu las­sen (Stichwort „vira­les Marketing“)

Bei eini­gen Fotografen liegt der Fall jedoch anders. Wenn Fotografen weni­ger durch Fotoaufträge Geld ver­die­nen, son­dern mehr durch den Verkauf ihrer foto­gra­fi­schen Werke selbst, wird die uner­laub­te Nutzung im Internet zu einem grö­ße­ren Problem. Betroffen hier­von sind zum Beispiel ganz stark die Stockfotografen, aber auch Fotografen, die ihre Bilder als Poster, Postkarten, Kalender etc. ver­kau­fen.

Ein sicht­ba­res Wasserzeichen auf dem Foto mar­kiert damit das zu ver­kau­fen­de Produkt, ähn­li­ch wie es eine elek­tro­ni­sche Diebstahlsicherung im Laden macht. Wird das Bild mit der Markierung benutzt, kann ers­tens davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die betref­fen­de Person das Foto nicht legal lizen­ziert hat (wobei ich in letz­ter Zeit eini­ge Fälle hat­te, bei denen selbst das nicht zutraf) und zwei­tens wirkt dann das Wasserzeichen wie eine Art Hinweis, wo das „Originalprodukt“ ohne die unschö­ne Markierung gegen Bezahlung erhält­li­ch ist.

Diesen „Werbeeffekt“ eines sicht­ba­ren Wasserzeichens ver­schen­ken Profi-Fotografen, die ihre Bilder ohne Wasserzeichen ins Netz stel­len. Damit hät­ten sie selbst im Falle einer uner­laub­ten Verbreitung im Internet trotz­dem noch einen klei­nen Vorteil, der die uner­laub­te Handlung zwar nicht auf­wiegt, aber immer­hin in ihrer nega­ti­ven Wirkung etwas mil­dert.

Ob ein Fotograf lie­ber die­se Werbewirkung und einen rudi­men­tä­ren Schutz ihrer Bilder mit Wasserzeichen haben mögen oder lie­ber dar­auf ver­zich­ten und sich gegen die „wür­de­lo­se Verschandelung“ der eige­nen Bilder ent­schei­den, damit die Fotos schö­ner wir­ken, dass muss jeder selbst ent­schei­den.

Wie macht ihr das: Bilder mit sicht­ba­ren Wasserzeichen oder ohne? Und war­um?

Studie: Social Media Webseiten entfernen Copyright-Informationen

Viele Social Media-Webseiten, wel­che das Hochladen von Bildern anbie­ten, ent­fer­nen dabei Copyright–Informationen und ande­re Metadaten. Zu die­sem Schluss kommt eine Praxis-Studie des IPTC-Councils, wel­ches für die Einhaltung des IPTC-Metadaten–Standards ver­ant­wort­li­ch ist.

Für Fotografen ist die Erkenntnis nicht mehr über­ra­schend, aber die­se geball­ten Dreistigkeiten als Übersicht prä­sen­tiert zu bekom­men, zeigt gut, wie igno­rant vie­le deser Seiten mit Urhebern umge­hen.

Zum Vergrößern das Bild anklicken

Im Zeitraum vom Oktober 2012 bis März 2013 hat eine Arbeitsgruppe des IPTC-Councils fünf­zehn Webseiten getes­tet, indem dort mit Metadaten (EXIF/IPTC) ver­se­he­ne Bilder hoch- und run­ter­ge­la­den wur­den. Danach wur­de geschaut, wel­che Metadaten auf der Webseite selbst ange­zeigt wer­den und wel­che nach dem Runterladen noch im Bild vor­han­den waren. Getestet wur­den unter ande­rem Facebook, Twitter, Flickr, Google+, Pinterest, 500px, Tumblr und mehr.

Die Ergebnisse

Die lin­ke Spalte zeigt an, wel­che Daten auf der Webseite kor­rekt ange­zeigt wer­den, die mitt­le­re Spalte zeigt, wel­che Daten im Bild blie­ben, wenn das Bild mit der Funktion „Speichern als…“ run­ter­ge­la­den wur­de und die rech­te Spalte zeigt, wel­che Informationen erhal­ten blie­ben, wenn ein Download-Button o.ä. genutzt wur­de, sofern die­ser auf der Webseite ange­bo­ten wird.

Ein grü­ner Kreis zeigt an, dass alle Anforderungen erfüllt wur­den, ein gel­ber Kreis zeigt, dass eini­ge Anforderungen erfüllt wur­den und der rote Kreis mar­kiert unge­nü­gen­de Ergebnisse, die ver­bes­sert wer­den soll­ten. Grau bedeu­tet, dass die­ser Bereich nicht getes­tet wur­de.

Die Auswertung

Erstaunlich ist, dass KEINE ein­zi­ge Webseite kom­plett im grü­nen Bereich liegt. Bei genau­e­rer Betrachtung der Versuchsanordnung wür­de ich das aber auch nicht so eng sehen, weil zum Beispiel der grü­ne Punkt bei der Copyright-Anzeige nur ver­ge­ben wur­de, wenn alle vier IPTC-Copyright-Felder (Titel, Ersteller, Copyright-Vermerk und Credit) ange­zeigt wer­den. Da bei mir zum Beispiel Ersteller, Copyright und Credit sehr ähn­li­ch sind, reicht mir da schon die gel­be Markierung.

Insofern hat Google+ am bes­ten abge­schnit­ten was die Beibehaltung der Metadaten angeht, gefolgt von Dropbox. Am schlimms­ten sieht iro­ni­scher­wei­se bei den meist­ge­nutz­ten Diensten Facebook, Flickr und Twitter aus. Dort wer­den Metadaten und Copyright-Informationen gna­den­los aus den Fotos gelöscht. Dabei schrei­ben sowohl Vorschriften der Europäischen Union als auch der USA ver­meint­li­ch klar vor, dass Urheberrechtsinformationen nicht aus digi­ta­len Medien ent­fernt wer­den dür­fen. Leider hat sich schon bei ande­ren Themen wie Datenschutz gezeigt, dass Facebook & Co. sich recht wenig um Gesetze sche­ren.

Die Lösung

Eine Lösung für das Problem liegt auf der Hand: Die betref­fen­den Webseiten nicht nut­zen. Da aber Fotografen Social Media-Webseiten vor­teil­haft für die Kundenpflege oder das Akquirieren von Aufträgen nut­zen kön­nen, ist das nicht immer der bes­te Weg. Bis dahin bleibt wohl nur die Möglichkeit, eige­ne Fotos immer nur in klei­ner Auflösung und mit einem sicht­ba­ren Urheberrechtsvermerk auf den Bildern auf sol­che Webseiten zu laden. Ich habe ein­mal den Fehler gemacht, das nicht zu tun und sofort wur­de das Bild mas­sen­haft ille­gal im Netz ver­brei­tet.

Wie geht ihr mit Social Media-Seiten um?

Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bun­ten Welt der Bilder gibt es einen neu­en Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web-Service, mit dem Leute belie­bi­ge Fotos aus dem Internet an ihre eige­ne Pinterest-Seite „pin­nen“ kön­nen. Es ist also – wie der Name ver­mu­ten lässt – eine Art digi­ta­le Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke prä­sen­tie­ren kön­nen. Vor allem Fotografen ken­nen das sicher, dass sie ger­ne inspi­rie­ren­de Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sam­meln.

Das Besondere – und mei­nes Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinn­ten Bilder für alle sicht­bar sind – nicht nur für Mitglieder, son­dern alle Internet-Nutzer. Die „Pins“, also die mar­kier­ten Fotos, kön­nen die Nutzer in „Boards“ anle­gen, ver­gleich­bar mit ver­schie­de­nen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder ande­ren Kriterien zu sor­tie­ren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aus­se­hen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehal­ten, erscheint gleich ein klei­nes Pop-Up-Fenster, mit dem Pinterest-Nutzer das Bild sofort auf ihre eige­ne Pinnwand „re-pinnen“ kön­nen. Wird auf eins der Bilder geklickt, erschei­nen Detailinformationen, Kommentare ande­rer Nutzer zum Bild, und ähn­li­che Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sicht­bar.  Das Foto des jun­gen Geschäftsmann oben ist bei­spiels­wei­se ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wur­de von der ita­lie­ni­schen Fotolia-Webseite kopiert, ohne es zu kau­fen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen pro­pa­gie­ren Pinterest als krea­ti­ven neu­en Weg zum Selbst-Marketing. Durch das Pinnen eige­ner Bilder wür­den Fotografen einen gro­ßen Kundenstamm errei­chen kön­nen, der son­st viel­leicht nie von dem jewei­li­gen Fotografen gehört hät­te oder sie erzeu­gen Traffic auf die eige­ne Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wie­der ande­re raten Fotografen strikt von der Pinterest-Nutzung ab. Ich ten­die­re eher zur letz­te­ren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begrün­den.

1. Ebene: Das Pinterest-Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur sei­ne eige­nen Fotos dort ver­öf­fent­licht. Die „Pinterest-Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer ange­ge­ben wer­den soll­te. Das ist aber kei­ne Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hoch­lädt und es von dort oft wei­ter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass mas­sen­haft Fotos des Fotografen im Netz her­um­schwir­ren, ohne dass der gewünsch­te Werbeeffekt ein­tre­ten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgend­wann gilt das Bild als „ver­wais­tes Werk“ (orphan work), wel­ches legal genutzt wer­den kann, ohne den Fotografen zu fra­gen, weil der Urheber nicht mehr zu ermit­teln sei.

Deshalb gilt: Wer unbe­dingt eige­ne Bilder bei Pinterest ein­stel­len will, soll­te das immer nur mit sicht­ba­ren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesens­wer­ten Blogbeitrag auch fest­ge­stellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest jun­ge Frauen mit wenig Geld sind, wel­che „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby ange­ben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und war­um soll­ten die­se Leute Fotos kau­fen, wenn sie die­se doch kos­ten­los bei Pinterest ver­öf­fent­li­chen kön­nen? Das führt lang­fris­tig zum Problem auf der drit­ten Ebene, aber zuer­st kommt die zwei­te Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest-Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas aus­kennt, wird beim Blick auf Pinterest inner­halb von Sekunden vie­le Urheberrechtsverstöße erken­nen. Anders for­mu­liert: Viele Bilder wer­den dort ille­ga­ler­wei­se gezeigt. Im ver­klau­su­lier­ten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass ver­öf­fent­lich­te Bilder frei von Rechten Dritter sein müs­sen:

You agree not to do any of the fol­lo­wing: Post, upload, publish, sub­mit, pro­vi­de access to or trans­mit any Content that: (i) infrin­ges, misap­pro­pria­tes or vio­la­tes a third party’s patent, copy­right, trade­mark, tra­de secret, moral rights or other intel­lec­tual pro­per­ty rights, or rights of publi­ci­ty or pri­va­cy“

Viele Nutzer hal­ten sich jedoch nicht dar­an. So brauch­te ich wie­der nur Sekunden, um für jede der gro­ßen Bildagenturen hun­der­te von Fotos zu fin­den, die dort gezeigt wer­den, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, ver­mut­li­ch oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istock­pho­to oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tau­sen­de ille­ga­le Bilder, gefun­den inner­halb von weni­ger als paar Minuten.

Auf mei­ne Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen sol­che mas­si­ven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapi­da­re Antwort, dass ein Urheber ers­tens sein Werk nach dem DMCA-Gesetz ger­ne mel­den kön­ne, wenn er es irgend­wo auf Pinterest fin­de. Zweitens kön­nen Webseiten-Betreiber auf ihren Seiten die­sen Meta-Tag ein­bin­den, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt wer­den kön­nen:

<meta name=„pinterest“ content=„nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht-Inhaber wird so als auto­ma­ti­sche Zustimmung gewer­tet. Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperr­ten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest ver­öf­fent­li­chen.

Besonders per­fi­de klingt das ange­sichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht her­aus­nimmt, die ver­öf­fent­lich­ten Bilder ver­kau­fen zu dür­fen:

By making avail­able any Member Content through the Site, Application or Services, you her­e­by grant to Cold Brew Labs a world­wi­de, irre­vo­ca­ble, per­pe­tual, non-exclusive, trans­fe­ra­ble, royalty-free licen­se, with the right to sub­li­cen­se, to use, copy, adapt, modi­fy, dis­tri­bu­te, licen­se, sell, trans­fer, publi­cly dis­play, publi­cly per­form, trans­mit, stream, broad­cast, access, view, and other­wi­se exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argu­men­tie­ren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel beru­fen kön­ne, nach der die urhe­ber­recht­li­ch geschütz­ten Bilder bei Pinterest zu einem „neu­en Werk“ trans­for­miert wer­den, ähn­li­ch wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argu­men­tiert wur­de, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal wider­spricht dem jedoch, der deut­sche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine ein­zi­ge Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur drit­ten und lang­fris­tig gefähr­lichs­ten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen-Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hin­stel­len und auf ordent­li­che Quellenangaben pochen und not­falls ihren Anspruch mit teu­ren Abmahnungen ein­kla­gen. Angesichts der oben auf­ge­zeig­ten tau­sen­den Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den hei­ßen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet-Nutzern ein­stellt. Fotografen ver­die­nen ihr Geld haupt­säch­li­ch damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezah­len. Internetnutzer glau­ben jedoch sehr häu­fig, dass Bilder im Internet kos­ten­los sind. Dazu tra­gen Web-Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen die­se Dienste nut­zen, desto eher nut­zen auch Firmen und ande­re kom­mer­zi­el­le Anbieter sol­che Seiten. Diese wie­der­um wer­ben dann auch mit urhe­ber­recht­li­ch geschütz­ten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz kon­kret auch Einnahmen und Folgeaufträge ver­lo­ren. Kleines Beispiel? Gefunden inner­halb einer Minute: Auf der Pinterest-Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urtei­len, wur­de es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprüng­li­ch kommt, son­dern ein­fach das Layoutbild ver­wen­det:


Wenn Fotografen nicht auf­pas­sen, kommt irgend­wann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwis­sen­den Internet-Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neu­en „Lebensstil“ anpas­sen müs­sen und ein­fach geän­dert wer­den. Die Piratenpartei arbei­tet schon dar­auf hin und da sie vor allem von jun­gen Leuten gewählt wird, stei­gen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kos­ten­lo­ses Treibgut im Internet sind, dass jeder auf­sam­meln und aus­stel­len kann? Am bes­ten, ohne Privatpersonen ver­kla­gen zu müs­sen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?