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Täuschung? Getty Images & der Pinterest-Deal

Die von der Carlyle Group gehaltene Bildagentur Getty Images agiert möglicherweise irreführend, wenn es um die Verlautbarungen über Einkommen, Verkäufe und Lizenzierung von Inhalten geht, die unter das kürzlich angekündigte Abkommen mit Pinterest fallen. Jetzt im Besitz der privaten Carlyle Group, ist wenig bekannt über die Geschäftsbeziehungen von Getty Images, aber hin und wieder gelangen interessante Neuigkeiten an die Öffentlichkeit.

Schauen wir uns zuerst den Blogbeitrag an, in welchem der Deal angekündigt wird. Hier sind einige relevante Auszüge aus dem Blogbeitrag gerade über das, wofür Pinterest Getty bezahlt – nur für Metadaten:

„Getty Images und Pinterest haben ein Abkommen zu Wege gebracht, das die Welt in eine stärker visuelle Zukunft führen wird, indem unsere umfangreichen Metadaten und attraktiver Inhalt kombiniert werden …“

Der Begriff Metadaten taucht im obigen Zitat auf, gefolgt von einer hochtrabenden Äußerung über die „tollen Fotografen von Getty Images…“ und Einzelheiten zu den Informationen (damit sind die Metadaten gemeint) über den Designer der Stiefel auf dem Foto:

„Nehmen wir an, Sie stöbern auf den Pinterest-Seiten und entdecken ein Bild von Beyonce, auf welchem Sie diese scharfen Stiefel trägt. Aber es fehlt jegliche Information darüber, wer die Stiefel entworfen hat oder wo du sie kaufen kannst! Es könnte auch schwer sein herauszubekommen, dass ein toller Fotograf bei Getty Images das Bild aufgenommen hat.“

Dann macht Getty klar, dass es Metadaten sind, die verkauft/lizenziert werden sollen und dass das Foto dann einen Bildnachweis und einen Link bekommt.

„Unsere neue Partnerschaft mit Pinterest bietet eine Lösung… wir verwenden unsere API-Schnittstelle „Connect“, um Pinterest wesentliche Informationen zur Verfügung zu stellen – einschließlich Bildnachweisen von Getty Images, wann und wo das Bild entstanden ist und mehr. Wir bringen einen Bildnachweis auf der Seite von Pinterest und einen Link zurück unter.“

An dieser Stelle verdeutlicht Getty, dass die Vergütung einzig für die Metadaten anfällt. Die folgende Aussage ist so klar umrissen wie die Aussage von Präsident Obama: Wenn Sie mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsplan zufrieden sind, können Sie ihn behalten. Da besteht kein Zweifel – Getty wird für „diese umfangreichen Metadaten“ bezahlt:

„Pinterest wird Getty eine Gebühr für diese umfangreiche Metadaten bezahlen, die wir mit den Anbietern teilen werden.“

Wenn für ein Foto Lizenzgebühren in Höhe von 1,00 Dollar anfallen, was schätzen Sie, wäre die Lizenzgebühr für die Metadaten? 0,01 Dollar? 0,10 Dollar? Sicherlich ist der Betrag ein Bruchteil dessen, was die Lizenzgebühr für das Bild ausmachen würde, und dann wird dieser Anteil des Lizenzeinkommens für das Bild zu einem ungleichen Prozentsatz zu Gettys Gunsten aufgeteilt.

Nirgendwo sagt Getty, dass Pinterest Lizenzgebühren für das Bild bezahlt.

Warum ist es wichtig, dass Getty unmissverständlich klarmacht, dass es eine Gebühr für die Metadaten ist? Lassen Sie uns einige Abschnitte des Vertrages genauer beleuchten, den Getty mit seinen Anbietern abschließt.

Zuerst erläutert Getty, dass die Vereinbarung für „Akzeptierte Inhalte“ gilt, um dann zu definieren was „Akzeptierte Inhalte“ sind:

“ Diese Vereinbarung betrifft alle Inhalte (gemäß der Definition im Abschnitt 1.2) , welche Sie früher eingereicht haben oder in Zukunft einreichen werden, die zum Vertrieb durch Getty akzeptiert wurden („Akzeptierte Inhalte„).“

1.2 Arten von Inhalten: Diese Vereinbarung gilt für folgende Arten von Inhalten („der Inhalt„):
(a) Fotografien, Illustrationen oder andere unbewegte visuelle Darstellungen („unbewegte Bilder„); (b) bewegte visuelle Inhalte in jeglicher Form, einschließlich Filme, Videobänder, digitale Dateien, Animationen und Clips („Filmmaterial„); und (c) Fonts, Audiodateien und jegliche andere durch Copyright geschützte Werke, in allen Fällen, in welcher Weise und in welchem Format und mit welchem Werkzeug auch immer erzeugt, einschließlich von Reproduktionen, Bearbeitungen und abgeleiteten Werke davon. „

Es wird in den vorangehenden Ausführungen deutlich, dass es sich bei „Inhalt“ (content) um „Fotografien“, nicht um Metadaten handelt. Im folgenden Abschnitt erklärt Getty zuerst, was selbstverständlich sein sollte – dass Sie die Rechte an Ihrem „Akzeptierten Inhalt“ besitzen, allerdings macht Getty dann unmissverständlich klar: „Getty Images besitzt alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche, einschließlich aller Copyright-Rechte, die neben Ihrem Copyright an Ihren „Akzeptierten Inhalten“ entstehen, an allen Arbeiten durch oder für Getty Images, die vielfache Elemente „Akzeptierter Inhalte“ und/oder andere Inhalte enthalten.

1.13 Copyright an „Akzeptiertem Inhalt“ oder anderen Werken. Gegenstand der in dieser Vereinbarung gewährten Rechte ist, dass Sie alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche einschließlich des Urheberrechts an allen „Akzeptierten Inhalten“ behalten, auch dann, wenn es Bestandteil abgeleiteter Werke Dritter ist. Getty Images erhält alle Rechte, Titel und Rechtsansprüche, einschließlich aller Copyright-Rechte, die neben Ihrem Copyright an Ihren „Akzeptierten Inhalten“ entstehen, für jegliche Arbeiten durch oder für Getty Images, dievielfache Elemente „Akzeptierter Inhalte“ und/oder andere Inhalte enthalten. Sowohl Sie, als auch Getty Images in Ihrem Namen, können das Copyright an jeglichem „Akzeptierten Inhalt“ bei der entsprechenden Behörde registrieren lassen.“

Danach besitzt Getty alles, außer dem eigentlichen Foto als Teil des „Akzeptierten Inhalts“ – Metadaten „und/oder andere Inhalte“.

Noch einmal: Anbieter werden honoriert mit einem Anteil an der Gebühr für die Metadaten anstatt für einen Anteil an den Lizenzgebühren für das Foto, denn Getty macht vollkommen klar, dass sie nur für Metadaten bezahlt werden.

Bis gestern [Anmerkung R.K.: Gemeint ist Donnerstag, der 12.12.2013].

Auf einer eintägigen Konferenz, die hier in der Nähe von Washington DC vom „US Patent and Trademark Office“ veranstaltet wurde – „Copyright Policy, Creativity, and Innovation in the Digital Economy“ (Details finden sie hier). Ich habe mir den Webcast angesehen, ein Teilnehmer der Konferenz war John Lapham, Senior Vice President und General Counsel bei Getty Images.

Hier ist das Video:

Wenn sie zur vorspulen zu Minute 19:10 im Video, beginnt die Diskussion über unser Thema.

Lapham bemerkt zuerst bezüglich des Pinterest-Abkommens:

„… ein geraumer Teil ihres Inhalts steht den Anbietern von Getty zu, und anstatt einen Schlagabtausch zu führen darüber, was mit Bildern auf Ihrer Webseite passieren sollte und was nicht, sagen wir, wenn Bilder hin- und her geschoben werden, verliert man die Metadaten, die Attribute. Und statt lauthals darüber zu streiten, ob man Bilder lizenzieren sollte oder nicht, lasst uns doch die Metadaten wieder korrekt mit diesen Bilddateien verknüpfen und lasst unseren Anbietern als Gegenleistung die Tantiemen zukommen, die ihnen für die Nutzung ihrer Inhalte zustehen. Das war das Ziel beim Bemühen um ein derartiges Abkommen…“

Die Moderatorin Ann Chaitovitz, Berater-Anwältin für das us-amerikanische Patentamt USPTO, hakte bei Lapham nach, weil alle früheren Aussagen von Getty dahingehend lauteten, dass nur für Metadaten bezahlt werden sollte. Sie wiederholte:

„Danke, ähm, also kann ich, nur zu meinem besseren Verständnis, es geht um Metadaten – Sie verknüpfen die Metadaten wieder, gab es da auch irgendeine Bezahlung oder war das, um sie für zukünftige Verwendung zu kennzeichnen?“

Lapham antwort:

“ Ahh, die Vereinbarung funktioniert so, dass äh, wir da eine Datenbank haben, eine Bilddatenbank, die, wissen Sie, Millionen von Bildern enthält, nicht nur unsere, sondern von Wettbewerbern, anderen Unternehmen, und wir können die Bilddatenbank abgleichen mit einer Webseite, um herauszufinden, welche Übereinstimmungen es gibt. Und durch die Anwendung dieser Erkennungstechnologie können wir sagen, wissen Sie, wir können sagen, wenn wir beispielsweise die UPSTO-Webseite nehmen, dass Sie dort 110.000 Fotos von Getty Images vorhalten, und diese Bilddateien haben keine Metadaten mehr, wir verknüpfen diese Metadaten wieder und die Gebühr, die dafür verlangt werden kann, könnte auf einer Basis pro Bild pro Monat erfolgen, so dass die Person, die das Werk geschaffen hat, im Gegenzug dafür entlohnt werden kann.“

Lapham bringt mehrere Argumente. In seinem Eingangsstatement:

“ lasst unseren Anbietern als Gegenleistung die Tantiemen zukommen, die ihnen für die Nutzung ihrer Inhalte zustehen.“

In seinem Folgebeitrag führt er aus:

“ wir verknüpfen diese Metadaten wieder, und die Gebühr, die dafür verlangt werden kann, könnte auf einer Basis pro Bild pro Monat erfolgen, so dass die Person, die das Werk geschaffen hat, im Gegenzug dafür entlohnt werden kann.“

Demnach ist die verlangte Gebühr für das Wiederverknüpfen der Metadaten? Wenn er sagt, „die Gebühr die dafür verlangt werden kann„, dann bezieht er sich offensichtlich auf die Tätigkeit im gleichen Satz davor: “ wir verknüpfen diese Metadaten wieder“ und dann, bezieht sich das „dafür entlohnt werden kann„, bezieht sich das „dafür“ auf das „dieses Werk geschaffen haben“ oder auf das Wiederverknüpfen?

Warum ist das wichtig?

Nun, in dem Vertrag von Getty Images übertragen die Anbieter ihr Recht, gegen eine Rechtsverletzung zu klagen oder Ansprüche zu erheben:

1.11 Recht auf Wahrnehmung von Rechtsansprüchen. Getty Images erhält das Recht nach bestem kaufmännischem Ermessen zu entscheiden, ob und in welchem Umfang gegen Dritte wegen unbefugter Verwendung „Akzeptierter Inhalte“ vorgegangen werden soll. Sie ermächtigen Getty Images und die Vertriebspartner, auf deren Kosten das exklusive Recht, jedwede Ansprüche im Zusammenhang mit Verletzungen des Copyrights an „Akzeptierten Inhalten“ und einem dazugehörenden geistigen Eigentum („Ansprüche“) geltend zu machen, zu regeln, beizulegen und abzuwehren.“

Wir stellen hier eine feinsinnige, aber schwerwiegende Frage. Lapham verdeutlicht, dass Bilder von Anbietern von Getty Images einen guten Teil der Bilder bei Pinterest ausmachen. Bis zu dem Abkommen war die Existenz dieser Bilder ein Verstoß gegen das Copyright der Eigentümer der Bilder.

Getty stellt fest, dass man nicht in einen Schlagabtausch mit Pinterest gehen will. Wir sprechen von Millionen von Bildern, und der Unterschied, was ein Fotograf als Anteil an der Metadaten-Gebühr im Gegensatz zu einem Einkommensanteil an einer Bild-Lizenz erhalten würde, könnte Millionen von Dollar ausmachen, die auf Kosten der Anbieter im Säckel von Getty landen, nur aufgrund der Art und Weise, wie die Vereinbarungen zwischen Getty und Pinterest sowie zwischen Getty und seinen Anbietern abgefasst sind.

Es scheint mir hintersinnig, ein Abkommen anzukündigen, bei welchem sich das Einkommen nach den Metadaten richtet, aber dann – auf einer keinem allzu breiten Publikum bekannten Veranstaltung, deren Beiträge nicht in zahllosen Presseartikeln wiederholt werden – eine abweichende Antwort dahingehend zu erhalten, dass Getty tatsächlich für Bildlizenzen bezahlt wird, was sie wiederum zu einem höheren Anteil den Anbietern verdanken. Offensichtlich hatte die Moderatorin ein anderes Verständnis, als sie die Frage stellte, und sie ist eine hochgeschätzte Anwältin, die die Regierung in Fragen des geistigen Eigentums berät, weshalb es durchaus von Bedeutung ist, dass sie verwirrt war von dem, was Lapham im Widerspruch zu dem zuvor angekündigten Abkommen sagte.

So lautet die offene Frage, auf deren Beantwortung die Anbieter von Getty Images einen Anspruch haben:
„Erhalten wir eine Vergütung für unseren „Akzeptierten Inhalt“ (d.h. Fotografien) oder erhalten wir eine Vergütung für Metadaten?“

Lapham verdeutlichte, dass diese bedingt sind durch deren Abgaben für die Nutzung ihrer Inhalte.

Die Frage die sich daraus ergibt, ist:
„Wie hoch sind die Bruttoeinnahmen pro lizenziertem Foto und wie hoch sind die Bruttoeinnahmen für das Wiederverknüpfen und die Anzeige der Metadaten.?“

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Dieser Artikel ist eine Übersetzung des Artikels „Deception? Getty Images & The Pinterest Deal“ aus dem Blog „Photo Business News“ von John Harrington. Die Übersetzung erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors. Ich habe zum besseren Verständnis einige Links eingefügt und teilweise einige Stellen anders markiert.

Kann man mit der Scoopshot App Geld verdienen?

Welche Zukunft hat der Bildermarkt im Bereich der Smartphone-Fotografie?

Im ersten Teil dieses Artikels ging es um die Abkehr des bekannten Microstock-Fotografen Yuri Arcurs vom Microstock-Markt. Gleichzeitig kündigte er seinen Einstieg mit einer 1,2 Millionen-Investition in die Start-Up Firma Scoopshot an.

Logischerweise pries Yuri in seinem Blogartikel deswegen die Zukunft der Smartphone-Fotos als lukrative Einkommensquelle, die nur auf ihn warte, um ausgeschöpft zu werden. Es liegt auf der Hand, dass jemand, der gerade über eine Million Dollar in eine Firma gesteckt hat, mit allen Mitteln versuchen wird, deren Geschäftsmodell über den grünen Klee zu loben.

Auch wenn wir das im Hinterkopf behalten, sollten die Teilnehmer des Bildermarkts nicht den Fehler begehen, neue Geschäftsideen nur deshalb für tot zu erklären, weil es andere als die aktuellen sind. Dieser Fehler hatte einigen Macrostock-Agenturen und -Fotografen die finanzielle Existenz gekostet, andere haben nur mit Mühe die Kurve bekommen.

Diesen Fehler will ich nicht begehen, weshalb ich mir die Scoopshot-App und Webseite (sowie andere „Geld verdienen mit Fotos“-Apps“, aber dazu bald mehr) genauer angeschaut habe.

Scoopshot funktioniert nach dem Prinzip, dass Bildsucher „Aufgaben“ kostenlos ausschreiben können, um nach Fotos zu suchen. Diese Ausschreibungen werden allen Scoopshot-Fotografen im Umkreis von 20 km einer gewünschten Stadt für eine Woche angezeigt. Wer eine Aufgabe bundesweit oder gar weltweit ausschreiben will oder die Aufgabenzeit verlängern will, muss zahlen. Wer seine Aufgabe prominenter anzeigen lassen will, sei es Durch ein Logo, Web-Banner oder eine Push-Mitteilung der App, muss schnell mittlere dreistellige Beträge zahlen.

Die Fotografen können dann mit ihrem Smartphone über die App Fotos zu den Aufgaben hochladen. Wird eins verkauft, bekommen sie vom 5 US-Dollar Verkaufspreis die Hälfte, also 2,50 US-Dollar. Von den oben genannten mittleren dreistelligen Beträgen sieht der Fotograf nichts. Außerdem muss der Bildsucher auch keins der ihm angebotenen Fotos kaufen, dann bekommt der Fotograf für seine Arbeit nichts. Das nennt sich in der Fachsprache „Work on spec„, also eine Auftragsarbeit auf den puren Verdacht hin abliefern, vielleicht doch Geld dafür zu bekommen. Warum das dumm ist, wird hier erklärt.

Selbst Yuri Arcurs gibt es zu und schreibt, dass die Bezahlung „lächerlich“ sei:

„I agree that 5 USD per task is ridiculous, but so was 1 USD per download for Istockphoto.com back 7 years ago. We are looking at the birth of a new industry. It’s not refined like microstock is today. Mistakes are ok, small income is ok, bad images are ok, it does not mean it is where it will end. You have to see the potential long term.“

Doch diesmal sitzt er als Investor ja auf der anderen Seite des Tisches, und zwar auf der, wo von der lächerlichen Bezahlung der Gegenseite profitiert wird.

Aber wie ist aktuell die Qualität der eingesandten Bilder? Ich habe es mal mit zwei Aufgaben getestet, die ich im Raum Berlin für sieben Tage veröffentlicht habe. Einmal sollten die Fotografen selbstgemachtes Eis fotografieren und idealerweise gleich das Rezept im Kommentarfeld mitliefern. Das könnte ich super für meinen Eis-Blog nutzen. Vielleicht etwas anmaßend von mir, für 5 Dollar eine komplettes Rezept mit Bildern zu bekommen. So sahen drei einzigen Ergebnisse (ein Tag vor Aufgabenende) auch aus:

Das erste Foto ist sogar ganz witzig und originell, was mich gleich stutzig machte. Deshalb kurz mit Google Images eine Bildersuche gemacht und siehe da, das Foto kursiert seit Jahren im Internet auf Witz-Seiten und wurde garantiert nicht vom Einsender aufgenommen. Deshalb habe ich es mal als „verletzt Copyright“ gemeldet, aber nach mehr als fünf Tagen war das Bild immer noch online. Der unwissendere Bildkäufer hätte das Foto vielleicht gekauft, benutzt und im Falle einer Klage ein großes Problem gehabt, denn Unwissenheit schützt ja vor Strafe nicht.

Scoopshot hält sich im Kleingedruckten fein raus und schreibt:

„The Buyer is responsible for obtaining all Releases and it agrees that its publication of a Photo is conditional on obtaining all Releases. Should the Buyer have reason to believe that permission or consent for publishing is required under any applicable law the Buyer shall not publish the Photo.“

Das heißt grob übersetzt: Du darfst gerne Fotos kaufen, aber vielleicht darfst Du es nicht nutzen, weil es Rechte anderer verletzen würde. Du musst Dich nach dem Kauf selbst darum kümmern, dafür Freigaben zu erhalten und wir helfen Dir dabei kein bisschen. Soviel zum Thema Rechtssicherheit.

Ähnliche Qualitätsprobleme gab bei meiner zweiten Aufgabe: Ich hatte die Idee, diesen Artikel mit einem Scoopshot-Foto zu illustrieren und fragte die Fotografen, mir Bilder von „Smartphone-Fotografen beim Geld verdienen“ zu schicken. Als typischer Microstock-Fotograf hatte ich erwartet, mit Bildern von jungen Leuten zugeschüttet zu werden, die sich selbst mit ihrem Handy im Spiegel fotografieren und dabei ein paar Geldscheine in der Hand halten. Stattdessen gab es diese Auswahl:

Blumen, Katzen, Kakteen und Topfpflanzen. Das erste Bild des Strudels in Augenform war wieder ganz witzig, aber auch wieder aus den Untiefen des Internet kopiert und geklaut. Das vollmundige Versprechen von Authentizität und Echtheit von Scoopshot wegen zum Patent angemeldeter Technologien lässt einen da glatt sprachlos. Vor allem der letzte Satz:

„Therefore we have developed a patent-pending technology that automatically analyzes the authenticity of user-generated content (UGC). From the time a photo or video is captured with the app, we know the „who, when, where“ of its existence. This helps media companies focus upon content itself, not spending effort in authentication.“

Testweise habe ich mal ein Foto in den Warenkorb gelegt und im Grunde musste ich nur auf „Checkout klicken“ und meine PayPal-Adresse angeben, um den Kauf abzuschließen. Nirgends wird ein Wort über die Bildlizenz verloren, also was der Käufer mit dem Bild machen darf und was nicht.

In den allgemeinen Nutzungsbedingungen hingegen werden gleich mehrere vorhandene Lizenzen aufgelistet, von einer „Publishing Licence“, die nur redaktionelle Nutzung erlaubt bis hin zu einer „Unlimited Licence“, die nach meinem Verständnis auch Werbezwecke einschließen würde. Welche Lizenz beim Kauf nun gültig ist, ist unklar. Wenn Scoopshot den Bildkäufern gewerbliche Nutzungen erlaubt, ohne sich um die Rechteklärung zu kümmern, steht das ganze Geschäftsmodell wieder auf sehr wackligen Füßen.

Meine beiden Aufgaben haben – zumindest mir – gezeigt, dass Scoopshot für typische Bildagenturen auf lange Zeit hin bestimmt keine Konkurrenz ist.

Das versucht die Firma aber anscheinend auch nicht. Die Stärke von Scoopshot liegt woanders und wird auf deren Webseite als „Content Marketingbeschrieben:

„Crowdsource unique content for marketing purposes, market research and to engage and interact with consumers.“

Das wären dann Aufgaben wie „Fotografiere Dich mit unserer Tageszeitung im Urlaub“ oder „Fotografiere Dich mit unserer Supermarkt-Tüte auf Reisen“ und so weiter. Oder die Geodaten der Fotos werden für Marktforschungszwecke ausgewertet? Die Firma bekommt dann für einige hundert Euro (ohne ein Foto kaufen zu müssen) viele Leute, die sich die Zeit nehmen und Mühe machen, sich mit dem beworbenen Produkt in Szene zu setzen, Scoopshot bekommt das Geld und die Fotografen bekommen bestenfalls 2,50 Dollar.

Nach dem ersten Test von Scoopshot wollte ich allgemeiner werden und einen Blick auf vergleichbare Geschäftsmodelle in der Vergangenheit werfen und einen Ausblick in die Zukunft wagen, aber das hebe ich mir jetzt doch für den nächsten dritten Teil auf.

Wie schätzt ihr die Chancen von Scoopshot ein?

Argumente für und gegen Wasserzeichen in Online-Fotos

Der Fotograf Till Erdmenger hatte vor einigen Wochen in seinem Blog einen Artikel über das Auffinden nicht lizenzierter Fotos geschrieben.

Darin fiel mir folgender Absatz besonders auf:

„[…] Bei Fotografen wird immer wieder darüber diskutiert, wie man sich vor dem Bilder-Klau schützen kann. Oft lautet der Tenor: Man müsse ein Wasserzeichen auf die Bilder montieren. Stimmt grundsätzlich, ist aber vollkommen kontraproduktiv. Mit einem dicken Copyright-Hinweis schrecke ich vielleicht einige Bilderdiebe ab, es wird aber noch immer genug andere geben, die diese Bilder vollkommen schmerzfrei für eigene Zwecke einsetzen. Wichtigster Punkt: Wasserzeichen sind eine würdelose Verschandelung schöner Fotos.

Interessanterweise kommt in Unternehmen – völlig zu recht – niemand darauf, die aufwändig produzierten Werbefotos oder Imagemotive mit riesigen Urheberrechtshinweisen zu „verschönern“. An dieser Stelle ist man sich offenbar vollkommen einig, dass solche Wasserzeichen nichts auf einem Foto zu suchen haben. […]“


Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass sich ein professioneller Fotograf gegen die Verwendung sichtbarer Wasserzeichen im Bild ausspricht. Aber nachdem ich im zweiten Absatz den Vergleich mit Werbefotos gelesen habe, wurde mir langsam klar, warum er zu diesem Thema vielleicht eine andere Meinung hat als ich.

Till ist „Businessfotograf“, er verdient sein Geld also hauptsächlich durch Fotoaufträge von Firmen, für die er Portraitfotos der Mitarbeiter, Bilder der Betriebsfeier und so weiter fotografieren soll. Er bekommt sein Geld also von den Firmen, liefert die Bilder ab und hat keine Verluste, wenn das Bild von der Firmenwebseite unerlaubt im Netz vervielfältigt wird.

Selbst bei Beispielfotos auf seiner Webseite braucht er wenig Angst zu haben, dass diese kopiert werden. Denn selbst wenn das der Fall wäre, werde er dadurch vermutlich nicht weniger Aufträge erhalten, denn die Referenzfotos auf seiner Webseite bleiben ihm ja erhalten.

Ähnlich sieht das bei den Werbekunden in seinem Blog-Beispiel aus. Die Firmen bezahlen viel Geld für ihre Werbefotos und bezahlen noch mal viel Geld, um diese Werbebilder möglichst attraktiv in Zeitungen, auf Litfaßsäulen, Plakatwänden und im Internet zu platzieren. Jeder, der ein Werbefotos irgendwo – unerlaubt – im Netz postet, hilft dem Unternehmen dadurch etwas, weil es bei Werbefotos, wie der Name schon sagt, kostenlose Werbung ist, wenn diese irgendwo gezeigt wird, ohne dass das Unternehmen dafür zur Kasse gebeten wird. Neuerdings geben Firmen ja sogar viel Geld aus, um diese organische Verbreitung im Internet durch zufällige Webnutzer möglichst echt aussehen zu lassen (Stichwort „virales Marketing“)

Bei einigen Fotografen liegt der Fall jedoch anders. Wenn Fotografen weniger durch Fotoaufträge Geld verdienen, sondern mehr durch den Verkauf ihrer fotografischen Werke selbst, wird die unerlaubte Nutzung im Internet zu einem größeren Problem. Betroffen hiervon sind zum Beispiel ganz stark die Stockfotografen, aber auch Fotografen, die ihre Bilder als Poster, Postkarten, Kalender etc. verkaufen.

Ein sichtbares Wasserzeichen auf dem Foto markiert damit das zu verkaufende Produkt, ähnlich wie es eine elektronische Diebstahlsicherung im Laden macht. Wird das Bild mit der Markierung benutzt, kann erstens davon ausgegangen werden, dass die betreffende Person das Foto nicht legal lizenziert hat (wobei ich in letzter Zeit einige Fälle hatte, bei denen selbst das nicht zutraf) und zweitens wirkt dann das Wasserzeichen wie eine Art Hinweis, wo das „Originalprodukt“ ohne die unschöne Markierung gegen Bezahlung erhältlich ist.

Diesen „Werbeeffekt“ eines sichtbaren Wasserzeichens verschenken Profi-Fotografen, die ihre Bilder ohne Wasserzeichen ins Netz stellen. Damit hätten sie selbst im Falle einer unerlaubten Verbreitung im Internet trotzdem noch einen kleinen Vorteil, der die unerlaubte Handlung zwar nicht aufwiegt, aber immerhin in ihrer negativen Wirkung etwas mildert.

Ob ein Fotograf lieber diese Werbewirkung und einen rudimentären Schutz ihrer Bilder mit Wasserzeichen haben mögen oder lieber darauf verzichten und sich gegen die „würdelose Verschandelung“ der eigenen Bilder entscheiden, damit die Fotos schöner wirken, dass muss jeder selbst entscheiden.

Wie macht ihr das: Bilder mit sichtbaren Wasserzeichen oder ohne? Und warum?

Studie: Social Media Webseiten entfernen Copyright-Informationen

Viele Social Media-Webseiten, welche das Hochladen von Bildern anbieten, entfernen dabei Copyright-Informationen und andere Metadaten. Zu diesem Schluss kommt eine Praxis-Studie des IPTC-Councils, welches für die Einhaltung des IPTC-Metadaten-Standards verantwortlich ist.

Für Fotografen ist die Erkenntnis nicht mehr überraschend, aber diese geballten Dreistigkeiten als Übersicht präsentiert zu bekommen, zeigt gut, wie ignorant viele deser Seiten mit Urhebern umgehen.

Zum Vergrößern das Bild anklicken

Im Zeitraum vom Oktober 2012 bis März 2013 hat eine Arbeitsgruppe des IPTC-Councils fünfzehn Webseiten getestet, indem dort mit Metadaten (EXIF/IPTC) versehene Bilder hoch- und runtergeladen wurden. Danach wurde geschaut, welche Metadaten auf der Webseite selbst angezeigt werden und welche nach dem Runterladen noch im Bild vorhanden waren. Getestet wurden unter anderem Facebook, Twitter, Flickr, Google+, Pinterest, 500px, Tumblr und mehr.

Die Ergebnisse

Die linke Spalte zeigt an, welche Daten auf der Webseite korrekt angezeigt werden, die mittlere Spalte zeigt, welche Daten im Bild blieben, wenn das Bild mit der Funktion „Speichern als…“ runtergeladen wurde und die rechte Spalte zeigt, welche Informationen erhalten blieben, wenn ein Download-Button o.ä. genutzt wurde, sofern dieser auf der Webseite angeboten wird.

Ein grüner Kreis zeigt an, dass alle Anforderungen erfüllt wurden, ein gelber Kreis zeigt, dass einige Anforderungen erfüllt wurden und der rote Kreis markiert ungenügende Ergebnisse, die verbessert werden sollten. Grau bedeutet, dass dieser Bereich nicht getestet wurde.

Die Auswertung

Erstaunlich ist, dass KEINE einzige Webseite komplett im grünen Bereich liegt. Bei genauerer Betrachtung der Versuchsanordnung würde ich das aber auch nicht so eng sehen, weil zum Beispiel der grüne Punkt bei der Copyright-Anzeige nur vergeben wurde, wenn alle vier IPTC-Copyright-Felder (Titel, Ersteller, Copyright-Vermerk und Credit) angezeigt werden. Da bei mir zum Beispiel Ersteller, Copyright und Credit sehr ähnlich sind, reicht mir da schon die gelbe Markierung.

Insofern hat Google+ am besten abgeschnitten was die Beibehaltung der Metadaten angeht, gefolgt von Dropbox. Am schlimmsten sieht ironischerweise bei den meistgenutzten Diensten Facebook, Flickr und Twitter aus. Dort werden Metadaten und Copyright-Informationen gnadenlos aus den Fotos gelöscht. Dabei schreiben sowohl Vorschriften der Europäischen Union als auch der USA vermeintlich klar vor, dass Urheberrechtsinformationen nicht aus digitalen Medien entfernt werden dürfen. Leider hat sich schon bei anderen Themen wie Datenschutz gezeigt, dass Facebook & Co. sich recht wenig um Gesetze scheren.

Die Lösung

Eine Lösung für das Problem liegt auf der Hand: Die betreffenden Webseiten nicht nutzen. Da aber Fotografen Social Media-Webseiten vorteilhaft für die Kundenpflege oder das Akquirieren von Aufträgen nutzen können, ist das nicht immer der beste Weg. Bis dahin bleibt wohl nur die Möglichkeit, eigene Fotos immer nur in kleiner Auflösung und mit einem sichtbaren Urheberrechtsvermerk auf den Bildern auf solche Webseiten zu laden. Ich habe einmal den Fehler gemacht, das nicht zu tun und sofort wurde das Bild massenhaft illegal im Netz verbreitet.

Wie geht ihr mit Social Media-Seiten um?

Warum Pinterest Fotografen eher schaden als helfen wird

In der bunten Welt der Bilder gibt es einen neuen Hype: Pinterest!

Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web-Service, mit dem Leute beliebige Fotos aus dem Internet an ihre eigene Pinterest-Seite „pinnen“ können. Es ist also – wie der Name vermuten lässt – eine Art digitale Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke präsentieren können. Vor allem Fotografen kennen das sicher, dass sie gerne inspirierende Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sammeln.

Das Besondere – und meines Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinnten Bilder für alle sichtbar sind – nicht nur für Mitglieder, sondern alle Internet-Nutzer. Die „Pins“, also die markierten Fotos, können die Nutzer in „Boards“ anlegen, vergleichbar mit verschiedenen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder anderen Kriterien zu sortieren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aussehen:

oder auch so:

 


Wird die Maus auf eins der Bilder gehalten, erscheint gleich ein kleines Pop-Up-Fenster, mit dem Pinterest-Nutzer das Bild sofort auf ihre eigene Pinnwand „re-pinnen“ können. Wird auf eins der Bilder geklickt, erscheinen Detailinformationen, Kommentare anderer Nutzer zum Bild, und ähnliche Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:

Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sichtbar.  Das Foto des jungen Geschäftsmann oben ist beispielsweise ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wurde von der italienischen Fotolia-Webseite kopiert, ohne es zu kaufen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.

Einige Fotografen propagieren Pinterest als kreativen neuen Weg zum Selbst-Marketing. Durch das Pinnen eigener Bilder würden Fotografen einen großen Kundenstamm erreichen können, der sonst vielleicht nie von dem jeweiligen Fotografen gehört hätte oder sie erzeugen Traffic auf die eigene Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wieder andere raten Fotografen strikt von der Pinterest-Nutzung ab. Ich tendiere eher zur letzteren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begründen.

1. Ebene: Das Pinterest-Problem der Quellenangaben

Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur seine eigenen Fotos dort veröffentlicht. Die „Pinterest-Etikette“ besagt, dass die Originalquelle immer angegeben werden sollte. Das ist aber keine Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hochlädt und es von dort oft weiter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass massenhaft Fotos des Fotografen im Netz herumschwirren, ohne dass der gewünschte Werbeeffekt eintreten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgendwann gilt das Bild als „verwaistes Werk“ (orphan work), welches legal genutzt werden kann, ohne den Fotografen zu fragen, weil der Urheber nicht mehr zu ermitteln sei.

Deshalb gilt: Wer unbedingt eigene Bilder bei Pinterest einstellen will, sollte das immer nur mit sichtbaren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.

Die Macher von Photoshelter haben in einem lesenswerten Blogbeitrag auch festgestellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest junge Frauen mit wenig Geld sind, welche „Design“ oder „Handarbeit“ als ihr Hobby angeben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und warum sollten diese Leute Fotos kaufen, wenn sie diese doch kostenlos bei Pinterest veröffentlichen können? Das führt langfristig zum Problem auf der dritten Ebene, aber zuerst kommt die zweite Ebene:

2. Ebene: Das Pinterest-Problem der Urheberrechte

Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas auskennt, wird beim Blick auf Pinterest innerhalb von Sekunden viele Urheberrechtsverstöße erkennen. Anders formuliert: Viele Bilder werden dort illegalerweise gezeigt. Im verklausulierten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass veröffentlichte Bilder frei von Rechten Dritter sein müssen:

„You agree not to do any of the following: Post, upload, publish, submit, provide access to or transmit any Content that: (i) infringes, misappropriates or violates a third party’s patent, copyright, trademark, trade secret, moral rights or other intellectual property rights, or rights of publicity or privacy“

Viele Nutzer halten sich jedoch nicht daran. So brauchte ich wieder nur Sekunden, um für jede der großen Bildagenturen hunderte von Fotos zu finden, die dort gezeigt werden, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, vermutlich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock,  von istockphoto oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.

Zusammen sind das schnell tausende illegale Bilder, gefunden innerhalb von weniger als paar Minuten.

Auf meine Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen solche massiven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapidare Antwort, dass ein Urheber erstens sein Werk nach dem DMCA-Gesetz gerne melden könne, wenn er es irgendwo auf Pinterest finde. Zweitens können Webseiten-Betreiber auf ihren Seiten diesen Meta-Tag einbinden, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt werden können:

„<meta name=“pinterest“ content=“nopin“ />“

Ein Schweigen der Urheberrecht-Inhaber wird so als automatische Zustimmung gewertet. Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperrten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest veröffentlichen.

Besonders perfide klingt das angesichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht herausnimmt, die veröffentlichten Bilder verkaufen zu dürfen:

„By making available any Member Content through the Site, Application or Services, you hereby grant to Cold Brew Labs a worldwide, irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, royalty-free license, with the right to sublicense, to use, copy, adapt, modify, distribute, license, sell, transfer, publicly display, publicly perform, transmit, stream, broadcast, access, view, and otherwise exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services“ [Hervorhebung von mir]

Einige Leute argumentieren, dass Pinterest sich auf die „Fair Use“-Klausel berufen könne, nach der die urheberrechtlich geschützten Bilder bei Pinterest zu einem „neuen Werk“ transformiert werden, ähnlich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argumentiert wurde, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal widerspricht dem jedoch, der deutsche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar „eine einzige Urheberrechtsverletzung“. Das alles führt uns zur dritten und langfristig gefährlichsten Ebenen für Fotografen.

3. Ebene: Das Fotografen-Problem des Gewöhnungseffekts

Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hinstellen und auf ordentliche Quellenangaben pochen und notfalls ihren Anspruch mit teuren Abmahnungen einklagen. Angesichts der oben aufgezeigten tausenden Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet-Nutzern einstellt. Fotografen verdienen ihr Geld hauptsächlich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezahlen. Internetnutzer glauben jedoch sehr häufig, dass Bilder im Internet kostenlos sind. Dazu tragen Web-Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch  Facebook und Konsorten stark bei.

Je mehr Privatpersonen diese Dienste nutzen, desto eher nutzen auch Firmen und andere kommerzielle Anbieter solche Seiten. Diese wiederum werben dann auch mit urheberrechtlich geschützten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz konkret auch Einnahmen und Folgeaufträge verloren. Kleines Beispiel? Gefunden innerhalb einer Minute: Auf der Pinterest-Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urteilen, wurde es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprünglich kommt, sondern einfach das Layoutbild verwendet:


Wenn Fotografen nicht aufpassen, kommt irgendwann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwissenden Internet-Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neuen „Lebensstil“ anpassen müssen und einfach geändert werden. Die Piratenpartei arbeitet schon darauf hin und da sie vor allem von jungen Leuten gewählt wird, steigen deren Chancen.

Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kostenloses Treibgut im Internet sind, dass jeder aufsammeln und ausstellen kann? Am besten, ohne Privatpersonen verklagen zu müssen?

Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?