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Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 46

Heute gibt es wieder eine Folge von „Pimp My Stock„. Hier können mir Leser ihre Fotos schicken, welche ich dann auf ihre Verkäuflichkeit hin beurteile. Diesmal schrieb mir Constantin folgende Mail:

„Hallo Robert,

schon vor längerer Zeit bin ich auf der Recherche über Stockfotografie auf deine Seite und das interessante Format „Pimp my stock“ gestoßen. Da ich mich kürzlich auch entschlossen habe, meine Fotos bei Stock Agenturen einzureichen um die Gesamtkosten des Hobbys Fotografie ein wenig zu senken möchte ich nun auch 10 Bilder einreichen, mit der Bitte um ehrliche Kritik.

Ich fotografiere seit knapp einem Jahr mit mehr Einsatz und Leidenschaft. Seit diesem Zeitpunkt habe ich auch ein zumindest semiprofessionelles Equipment. Es besteht aus einer Sony a6000, zwei Autofokus Objektiven und ein paar finanziell begründeten Altglasexperimenten mit Adapter.

Fotografisch bin ich momentan „Allrounder“ oder etwas nüchterner betrachtet am Ausprobieren, wo sich mein Schwerpunkt finden wird. Die Fotos sind demnach auch im Urlaub entstanden, wobei ich nicht speziell Motive für die Stock-Fotografie gesucht habe.

Interessieren würde mich vor allem, ob Bilder in dieser Art, die quasi „ganz nebenbei“ entstehen, überhaupt für die Stock-Fotografie geeignet sind, oder ob der Markt derart übersättigt ist, dass man sich schon ein wenig mehr auf den späteren Verwendungszweck als Stock-Foto konzentrieren muss.

Die Bilder sind zu 90% in Lightroom/Capture One und vereinzelt in Photoshop nachbearbeitet.

Herzlichen Dank,
Constantin“

Werfen wir einen Blick auf seine Bilder:

20150825-0096Das erste Bild zeigt eine Katze. Schwieriges Thema. Katzen als eine der beliebtesten Haustiere sind ein sehr gern und häufig fotografiertes Sujet. Das Angebot übersteigt hier deutlich die Nachfrage. Die Katze wirkt auf mich jedoch etwas „struppig“ und vom Umfeld wirkt es mehr wie die Aufnahme einer „Straßenkatze“. Mit den passenden Keywords ist hier vielleicht noch etwas zu holen. Die beiden Getreidehülsen am unteren Ende der Katze würde ich noch retuschieren.

20150826-0010Das zweite Bild zeigt eine Tafel mit einer Inschrift. Das Foto selbst ist von der Perspektive und Komposition nicht umwerfend und es bedarf schon einer genauen Erklärung des Fotos im Titel und bei der Verschlagwortung, um einen Verwendungszweck für das Bild finden zu können.

20150826-0192Eine rote Rose vor einem alten Gebäude. Ebenfalls schwierig. Falls der Käufer das Bild wegen der Rose finden sollte, gäbe es genug weitaus bessere rote Rosen mit neutraleren Hintergründen, die sich besser zum Thema Liebe oder Valentinstag eignen. Sollte sich der Käufer jedoch für das Gebäude dahinter interessieren, gibt es sicher andere Motive, wo das Haus scharf abgebildet und vollständig zu sehen ist.

20150826-0229Das nächste Bild zeigt eine bemalte Decke mit einer Art Lampe, vermute ich mal. Gefällt mir generell, gute Bildaufteilung sowie grafisch interessant. Hier muss nur beachtet werden, wie alt das Design ist, damit es nicht eventuell geschützt ist und ob vielleicht ein Property Release benötigt wird, weil die Location durch das Muster leicht erkennbar ist.

20150826-0241Das gleiche gilt für das Foto der Couch: Inhaltlich und von der Komposition her ist es ein anständiges Stockfoto mit einigen möglichen Verwendungszwecken, jedoch stellt sich hier ebenfalls die Frage nach der Notwendigkeit einer Eigentumsfreigabe.

20150827-0453Dieses Foto der alten Säulen hat auf den ersten Blick einen deutlichen Farbstich durch den inkorrekten Weißabgleich, außerdem fressen unten die Lichter an den Säulen aus. Ich weiß, dass sich solche Szenen nur schwer anders fotografieren lassen, aber das interessiert leider die meisten Bildredakteure nicht. Außerdem hier ebenfalls wieder die Frage, ob nicht sogar ein Property Release benötigt wird.

20150827-0511Das Bild zeigt an altes Fahrrad an einer Hauswand. Hier sollte zuerst die Schrift auf dem Fahrrad (am Kettenschutz) retuschiert werden sowie das Schild rechts oben im Fenster. Einige Bildredakteure könnten sich je nach Tagesform vielleicht auch am Graffito stören. Ansonsten aber eine nette Detailaufnahme, die einige Käufer finden könnte. Da beide Reifen aber platt sind, eignet es sich nicht für Konzepte wie „Sport“ oder „Fitness“ sondern es muss bei der Verschlagwortung eher in Richtung „Reparatur“, „Alter“ oder „Pech“ gedacht werden.

20150829-0580Eine schöne Aufnahme, die für die Tourismusbranche sicher interessant sein kann. Dafür würde ich jedoch noch etwas mehr Arbeit in den Himmel stecken, damit dieser nicht so blass aussieht. Außerdem muss zumindest der große „Bersaadet“-Schriftzug rechts retuschiert werden, weil es sonst garantiert abgelehnt wird.

20150831-0725Das Foto zeigt eine Stadtaufnahme von oben. Mit der korrekten Verschlagwortung der Stadt und Region ist es ein sehr gutes Stockfoto, was zugleich schlicht und grafisch interessant ist sowie die architektonische Struktur der Stadt gut visuell darstellen.

20150831-0832Das letzte Foto zeigt eine Landschaft. Technisch habe ich an dem Foto nichts zu beanstanden, wobei hier mit etwas Geschick aus einem RAW sicher noch mehr „Pepp“ hinsichtlich Sättigung, Kontrast und Dynamikumfang herausgeholt werden könnte, um einen besseren Microstock-Look zu erhalten. Absolut notwendig ist wieder die passende Verschlagwortung mit dem korrekten Aufnahmeort.

Insgesamt zeigt die heutige Serie wieder, dass es schwierig ist, existierende „Archivaufnahmen“ aus dem Urlaub als Stockfotos zu verkaufen, weil viele Aspekte wie Textfreiraum, Verwendungsmöglichkeiten oder rechtliche Besonderheiten nicht genügend berücksichtigt wurden. Da das fotografische Können und der Blick eine gute Bildkomposition jedoch vorhanden zu sein scheint, sehe ich bei Constantin Potential, mit etwas Übung und Training auch verkäufliche Bilder sehen zu können.

Wie schätzt ihr die Bilder ein?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 44

Heute gibt es die nächste Folge von „Pimp My Stock!“, in der ich Fotos kommentiere, ob sich diese gut verkaufen lassen würden. Wer ebenfalls kostenlos mitmachen will, findet hier alle Informationen. Diesmal gibt es einen besondern Dreh, denn es geht um eingescannte Dias.

Walter schrieb mir:

„Guten Tag Robert,
in der Anlage sende ich Dir div. Fotos für Deine Rubrik „Pimp my stock“.

Ich habe diese Fotos ausgesucht, da ich Sie bei Fotolia einreichen möchte. Ich bin zwar ein Neuling was Fotoagenturen betrifft, fotografiere aber schon länger. Für diese Art von Fotos die ich Dir zum Besprechen schicke, benutze ich Mittelformat. Bei Reportagen ist Kleinbild angesagt. Wie Du erkennen kannst ist ein Grossteil der Fotos im Herbst enstanden,wenn die Natur sich in ihrer Farbenpracht zeigt.

Ich muss noch erwähnen, dass ich noch auf Nagativ-bzw. Diamaterial arbeite. Zum Scannen gebe ich diese dann zu einem Dienstleister. Die Originaldateien sind ca. 17MB gross.
Mich würde nun interessieren wie Du meine Chancen sieht solche Art von Fotos bei Agenturen anzubieten?
Ob ich da auf dem richtigen Weg bin bzw. was ich noch beachten sollte beim Anbieten?

Vielen Dank!
Walter“

36920004Es gab eine Zeit, da lieferten Digitalkameras lange nicht die Qualität einer Kleinbild- oder sogar Mittelformatkamera. Diese sind jedoch zumindest beim Kleinbildformat lange vorbei und auch das Mittelformat gerät mit der neusten Generation von Megaformat-Kameras in Bedrängnis.

36920002Deshalb ist die Frage: „Lohnt es sich, Dias einzuscannen und anzubieten?“ sehr interessant.36920003

Ich würde jedoch sagen, dass es nur wenige Gründe gibt, Dias zu verkaufen. Bei den gezeigten Fotos von Walter sind hauptsächlich Herbstthemen zu sehen, die jedes Jahr regelmäßig wieder – mit der neusten Kameratechnik – fotografiert werden können. Selbst der leichte Vintage-Look durch die Dia-Farben kann heutzutage kinderleicht durch einen Filter oder ein Plugin simuliert werden.36920005

Das Scannen von Fotos kostet immer Geld, was den Druck erhöht, diese Investition wieder reinzubekommen und führt auch zu Qualitätseinbußen, die sich ebenfalls negativ auf die Verkäuflichkeit auswirken können.36920006

Dia-Scans lohnen sich aus meiner Sicht wirklich nur, wenn extrem seltene Motive fotografiert wurden, die auch heue nicht mehr neu fotografiert werden können. Dazu zählen zum Beispiel längst verstorbene Personen der Zeitgeschichte oder im Krieg zerstörte Wahrzeichen. Und selbst hier würde ich solche Motive auch eher bei einer Bildagentur anbieten, welche sich darauf spezialisiert hat und hohe Preise verlangt statt bei einer Universalagentur.36920007

Unabhängig vom verwendeten Material halte ich die Motive leider auch für zu „banal“, um damit bei einer Bildagentur viel Verkäufe zu erzielen. Da das Thema „Herbst“ lautet, sind mir zu viele störende städtische Elemente wie Masten, Geländer oder Stadtmöbel zu sehen. Bei einigen Bildern sind die Bäume noch zu grün (vor allem ohne rote Blätter), bei anderen Bildern sind die Blätter schon zu sehr abgefallen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Verkauf von eingescannten Dias gemacht? Lohnt sich das?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 35

Es ist wieder soweit. Eine weitere Folge „Pimp My Stock!„, um zu sehen, wie verkäuflich die eingesandten Bilder sein können. Wer das ebenfalls von seinen eigenen Bildern sehen will, findet ihr alle Details. Diesmal bittet Sepp um eine Beurteilung seiner Fotos.

„Hallo Robert,

meine Name ist Josef Lindhuber, genannt Sepp. Ich bin 63 Jahre alt und werde demnächst in Rente gehen. Da fotografieren ein Hobby seit meiner frühesten Jugend ist möchte ich gerne etwas Zeit in die Stockfotografie verwenden und eventuell meine Rente etwas aufbessern.

Meine erste Spiegelreflex war eine Praktika Super TL im Jahre 1965. In den 80zigern habe ich mit einer Mamya 645 fotografiert bevor ich dann in das EOS System (damals noch Analog) eingestiegen bin. Zur Zeit entstehen meine Fotos hauptsächlich mit einer Canon EOS 7D und diversen Objektiven vom Weitwinkel bis hin zum 100-400 mm Zoom. Im Keller habe ich mir ein kleines Studio eingerichtet und schon die ersten Probeaufnahmen gemacht. Allerdings sind mir die Bilder noch nicht gut genug für eine Veröffentlichung.

Ich bitte um eine schonungslose Kritik, da ich gerne wissen würde ob ich mit meinen Bildern Chancen bei einer Agentur habe.

Mit der Bewerbung für die Serie “Pimp My Stock!” erkläre ich mich damit einverstanden, dass meine Fotos im Blog in der Rubrik “Pimp My Stock!” veröffentlicht werden.

Viele Grüße aus dem sonnigen München,
Sepp (Josef Lindhuber)“

Schauen wir uns seine Bilder an:

Alte Zahnräder mit Tautropfen
Das erste Foto heißt „Alte Zahnräder mit Tautropfen“, aber diese sind hier nur sehr klein und unscharf zu sehen. Ein Minuspunkt. Abgesehen davon suchen Kunden, welche mit einem Bild von Zahnrädern „Dynamik, Effizenz und Organisationstalent“ ausdrücken wollen, keine alten, eingerosteten Zahnräder, die eher Rückstand bis Stilstand symbolisieren. Und das Kaufinteresse für letztere Konzepte ist deutlich geringer.

Berge und Palmen in Nordthailand
Hm, das hier ist nix Halbes und nix Ganzes. Wir haben Palmen mit einer Basthütte im Vordergrund, die idyllische Natur und erdverbundenes Leben symbolisieren. Dahinter aber noch gut zu erkennen stehen modernere Bauten, die nicht nur häßlich aussehen, sondern auch das Symbol zerstören. Als Stockfoto deshalb weniger geeignet.

Hochgbirge mit Alm
Dieses Foto von einem Gebirge finde ich sehr gelungen. Schönes Licht, düstere, geheimnisvolle Stimmung, guter Bildaufbau durch den sich diagonal durchs Bild ziehenden Bach. Tendenziell ist das aber eher ein Foto für Macrostock-Agenturen, weil es eben eher dunkel ist. Eine genaue Orts- und Bergangabe erhöht noch die Verkaufschancen.

geländer reparatur
Dieses Foto zeigt die Reparatur einer Holzbrücke. Für mich ist das ein gutes Stockfoto. Es ist nicht sonderlich spektakulär, aber hat eine klare Aussage, die gebraucht wird, um Themen wie Bau, Infrastruktur, Handwerk etc. zu bebildern. Mir gefällt auch die Perspektive, obwohl ich so tief in der People-Fotografie drin stecke, dass ich wahrscheinlich eher den Fokus auf den Arbeiter rechts gelegt hätte und alles für einen Model Release gegeben hätte (oder gleich ein Model dahin gestellt hätte). Vom Weißabgleich scheint mir das Bild etwas zu kühl, ansonsten ist es sehr gelungen.

Rote Äpfel im Morgentau
Diese „Äpfel im Morgentau“ sehen zwar grafisch ganz interessant aus, sind aber aus Stockfotosicht zu „schmutzig“, haben zu viele faulige, dunkle Stellen und vorne und hinten franst die „Unendlichkeit“ der Äpfel leider etwas aus. Die Frage bei solchen Fotos lautet doch immer: „Möchte ich in diesen Apfel beißen?“

Schuhe für Touristen
Innenansichten von Einzelhandelsgeschäften verkaufen sich immer sehr gut. Das Motiv ist also richtig gewählt. Leider gibt es einige wichtige Kleinigkeiten, welche die Verkaufschancen zusammen stark schmälern. Erstens stimmt der Weißabgleich nicht richtig, links ist zuviel Neonlicht, hier würde es helfen, das RAW-Foto mit zwei verschiedenen Weißabgleichen (jeweils für den linken und rechten Rand) zu entwickeln und dann mit einer Verlaufsmaske zu überblenden. Außerdem stören die Schilder mit deutscher Sprache hin der Mitte, weil das die regionale Zuordnung erleichtert und die Verkäuflichkeit in allen anderen Sprachregionen behindert. Drittens gibt es einige markenrechtliche Probleme zu bedenken. So könnten sich Agenturen an den erkennbaren Buchstaben links hinter dem Regal stören und ich kann nicht erkennen, ob i der 100%-Ansicht auf den Schildern an einigen Schuhen noch Markennamen o.ä. lesbar sind. Zuletzt hätte ich nicht die untere Schuhreihe mitten durch die Schuhe hindurch abgeschnitten. Idee gut, Umsatz leider mangelhaft hier.

See mit Strand und Wiese
Dises Bild erinnert mich stark an „Rhein II“ von Andreas Gursky, momentan das teuerste Foto der Welt. Das ist schon mal keine schlechte Voraussetzung. Leider verkauft Gursky über Galerien, nicht über Bildagenturen, wo ganz andere Regeln gelten. Für die Agenturen könnte das „Gras grüner“ und das „Wasser blauer“ gefärbt werden und ich würde den Baumstamm neben dem Fahrrad retuschieren. Aus klassischer Stock-Perspektive hat die Frau rechts im Bild auch nicht die richtige Strand-Kleidung.

Sommerwiese mit Fliege
Für das letzte Bild mit der „Sommerwiese mit Fliege“ gilt wieder das Gleiche wie für das erste Bild. Was angeblich das Hauptmotiv – die Fliege – sein soll, ist hier kaum zu erkennen. Zudem sind Fliegen generell nicht der Renner bei Bildagenturen, egal ob es um Insekten, Schädlingsbekämpfung oder Haustiere geht.

Was sagt ihr zu den Bildern? Welchen räumt ihr die meisten Chancen ein?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 34

Um meinen Rückstand aufzuarbeiten, gibt es nach kurzer Wartepause eine weitere Folge „Pimp My Stock!“ zu lesen. Wer daran arbeiten will, diese wieder zu verlängern, findet hier alle Infos. Wer die Serie noch nicht kennt: Bei „Pimp My Stock!“ können Leserinnen und Leser mit Fotos einschicken für eine Bildbesprechung. Ich sage jedoch nicht, ob ein Bild „hübsch“ oder „interessant“ ist, sondern lege meinen Fokus darauf, ob und warum es sich als Stockfoto verkaufen könnte bzw. warum eben nicht. Wenn es passt, gebe ich auch Tipps zur Verbesserung der Bilder.

Nach Michael und Michaela ist heute ist Mischa an der Reihe. Ich verspreche, danach kommt mal ein anderer Vorname.

„Hallo Robert,

ich bin 27 Jahre alt, ich habe vor etwa 5 Jahren angefangen mit der Fotografie und mir damals eine 450D gekauft. Zwischendurch hatte ich dann komplett wegen Krankheit mit dem Fotografieren aufgehört, bis Februar 2013 als ich mir eine Canon 7D zulegte und 2 Objektive. Ich weiß, es gibt viele, die von den Tamronobjektiven nichts halten, jedoch habe ich mich nach längerem Durchlesen von Foren und Testberichten dazu entscheiden, mir diese zu kaufen.

Meine Ausrüstung besteht aus:
Canon 7D
Tamron 90mm f/2.8 DI VC
Tamron 70-200 f/2.8 DI VC
Canon Speedlight 430 EX II

Vor ein paar Wochen bin ich durch Zufall auf Stockfoto-Seiten und auf deine Seite gestoßen, was mich nach Lesen und Informieren dazu brachte, mir dein Buch zu kaufen.  Ich habe auch damit angefangen, bei 1-2 Agenturen Bilder hochzuladen und diese sind auch angenommen worden.

Doch ich frage mich, warum ich z.B. bei Fotolia so wenige Views habe, habe ich beschissen verschlagwortet oder einfach nur schlechte Motive?

Deswegen wollte ich dir für deinen Blog zur Bewertung einige Fotos zukommen lassen, um von deinen Lesern und natürlich auch Dir mal kritisiert zu werden.

Nachtrag:
Ich habe eben gesehen, dass ich bei Fotolia ein Bild verkauft habe und bei 123rf gleich 4 🙂

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich bei Pimp my Stock aufnehmen würdest, damit ich bewertet werde und auch Kritik bekomme, die ich natürlich positiv verwerten werde.

Die Bilder die ich dir zukommen lasse sind alle bei den Agenturen aktiv.

Bei Fotolia wurde das Bild „folder 10“ einmal verkauft, bei 123rf wurde „folder 17“ 2 mal verkauft, „ahorn“ 1 mal und „raindrops_leaf“ 1 mal.

Würde mich über eine positive Rückmeldung freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mischa“

Dann legen wir los:ahornDas erste Bild zeigt einen Bonsai-Ahorn. Perfekt freigestellt gibt es sicher einige Designer, welche damit etwas anfangen können. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, das können andere Leute besser, aber auf den ersten Blick wirkt für mich der Wachstum der Pflanze nicht harmonisch und das Gefäß gefällt mir nicht. Das Bild wird somit kein Bestseller werden, aber es ist solide genug, um die Chance auf einige Verkäufe zu haben.

Candy
Dieses Foto zeigt bunte Fruchtgummis. Jedoch sind diese weder liebevoll arrangiert noch spannend beleuchtet. Auch bei der Auswahl selbst hätte sorgfältiger gearbeitet werden müssen: Rechts unten ist am grünen Fruchtgummi zu erkennen, wie die Oberfläche aussehen sollte, bei den anderen grünen rechts ist das aber nicht der Fall. So wirkt das Foto mehr wie ein Schnappschuss als ein gutes Stockfoto. Liebevoll arrangierte Süßigkeiten sehen so oder so aus.

folder10
Die Ecke eines blauen Aktenordners: Kann man mal machen, ist technisch okay, aber was sich hier eindeutig besser verkaufen würde, wäre eine Serie, wo statt „Ordner“ verschiedene Konzepte wie „Finanzen“, „Versicherung“, „Vorsorge“ oder „Kredit“ auf den Ordnerrücken geschrieben worden wären. Warum das Foto eher „so lala“ ist, erkläre ich am Ende des Artikels.

folder17
Ein gutes Symbolfoto zum Thema Chaos, Bürokratie und Überarbeitung: Viele volle Aktenordner auf einem Haufen. Kann sich verkaufen, die Einschränkung wie schon erwähnt kommt gleich.

garlic
Drei Knoblauchknollen vor einem grauen Hintergrund. Alle Fotos wurden mir von Mischa sehr komprimiert geliefert, deswegen gehe ich davon aus, dass die Treppcheneffekte im Originalbild nicht vorhanden sind. Denn insgesamt gefällt mir der Bildaufbau und das Licht. Für ein gutes Stockfoto jedoch hat das Bild vielleicht schon etwas zuviel vom Vanitas-Gedanken, sprich: Man sieht dem Knoblauch seine irdische Vergänglichkeit an. Üblicher bei solchen Fotos ist es, zusätzlich eine einzelne Knoblauchzehe aus der Knolle zu lösen, weil es den Aufbau der Gewürzpflanze besser illustriert.

grinderEine Schleifmaschine bei der Arbeit: Das Motiv ist ein gutes Stockfoto, weil es für Handwerk und Industrie steht, aber die Umsetzung hier kann noch verbessert werden. Zum einen wäre es nicht nötig gewesen, die Hand abzuschneiden und zweitens ist leider auch nicht so gut erkennbar, was genau geschliffen wird. Außerdem bin ich mir auch nicht sicher, ob der Arbeitsschutz hier keine Handschuhe verlangt hätte. Am linken Rand hätte ich die Maschine digital vom Schmutz befreit, aber bei einer redaktionellen Nutzung kann dieser sogar erwünscht sein, weil das Bild dann „echter“ aussieht. Im kommerziellen Bereich wird der saubere Look bevorzugt.

raindrops_leaf
Wassertropfen auf einem grünen Blatt: Ganz nett, aber weder spektakulär noch gut verkäuflich. Solche ähnlichen Motive gibt es bei kostenlosen Bilddatenbanken wie Flickr oder Pixelio zuhauf, weil sich gerne Hobbyfotografen daran versuchen.

roses
Rose mit Wassertropfen? Bitte nicht. Und wenn, dann bitte wenigstens die braunen Stellen an den Blüten retuschieren.

tools
Das Wort „Tools“ aus Werkzeugen auf einer USA-Fahne: Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut, es kann sicher zu Themen wie „Made in the USA“, „Do It Yourself“ und so weiter eingesetzt werden. Von diesem Motiv bieten sich auch verschiedene Varianten an, wo die Werkzeuge andere Wörter wie „USA“, „DIY“, „Work“ etc. bilden. Mich stört im Detail nur, dass beim zweiten „O“ oben und unten die Schraubenschlüssel so klein sind, dass der Buchstabe nicht so gut erkennbar ist.

Bis auf dieses Bild und das mit der Hand wirken alle Bilder auf mich so, als hätte jemand nur in seiner unmittelbaren Umgebung paar Schnappschüsse gemacht, um seine neue Kamera zu testen. Das ist ein sehr übliches Vorgehen, führt aber logischerweise dazu, dass genau diese Motive, die viele Leute in greifbarer Reichweite haben (Ordner, Rose, Süßigkeiten, Gewürze) im Überfluss vorhanden sind, meist auch in sehr guter Qualität.

Um sich davon abzugrenzen, muss sich ein Stockfotograf etwas mehr Mühe geben, zum Beispiel, indem – wie schon erwähnt – bei dem Ordner die Konzepte auf den Rücken geschrieben werden oder die Süßigkeiten aufwändiger und sorgfältiger zusammengestellt werden.

Wie findet ihr die Fotos? Welche Tipps könnt ihr Mischa geben?

Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 33

Schnapszahl! Nie hätte ich gedacht, dass wir auf so viele Folgen kommen würden, als ich vor sechs Jahren die erste „Pimp My Stock!“-Folge geschrieben habe.

Dieses Mal ist Michaela an der Reihe und sie hat sogar – vielleicht zur Feier des Tages – einige sehr schöne Fotos mitgebracht. Sie schreibt:

„Hallo Robert,

mein Name ist Michaela Brandl. Ich fotografiere seit 8 Jahren und seid geraumer Zeit stelle ich meine Bilder bei diversen Microstockagenturen ein (iStock, Fotolia, Shutterstock, usw.). Ich verwende eine Canon EOS 60D. Ich würde gerne einmal eine Fachmeinung zu meinen Bildern hören und würde mich freuen, wenn du sie in deine Pimp my Stock Serie aufnehmen würdest.

Vielen Dank schonmal vorab und mit freundlichen Grüßen,
Michaela Brandl“

Fangen wir mit dem ersten Bild an:

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Einige Tulpen mit gezacktem Rand: Generell sind Blümchenbilder ein schwieriges Stockmotiv, weil das Angebot die Nachfrage deutlich überwiegt, aber durch den Kniff mit der kleinen Tafel im Bild erleichtert das Foto den Designern das Einfügen von Text und somit räume ich dem Foto trotzdem einige Verkaufschancen ein.

Die Tafel hätte im Bild sogar noch größer sein können und andere Fotografen haben auch finanziellen Erfolg damit, den Designern auf den Tafeln gleich Textvorschläge mitzuliefern wie „Am 11. Mai ist Muttertag“, „Frohe Ostern“ oder „Alles Liebe!“. Damit vergrößert man das Portfolio und erreicht auch Kunden, welche den Text nicht selbst einfügen können oder aus Zeitgründen nicht wollen.

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Die leuchtende Straßenlaterne ist ein schwierigeres Motiv. Der Bildaufbau passt und links ist genug Textfreiraum. Irgendwie werde ich aber den Eindruck nicht los, dass das Foto leicht nach rechts kippt. Der Hintergrund ist mir auch schon etwas zu dunkel und durch den starken Kontrast zwischen der strahlenden Lampe und dem dunklen Hintergrund kann es leicht zu Bildfehlern kommen, welche die Bildredakteure gerne als Vorwand nehmen, um so ein Foto abzulehnen.

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Dieser Waldbeeren-Joghurt ergibt ein sehr schönes Stockfoto. In meinen Augen ist er fast perfekt: Spannender Bildaufbau, dezentes Licht und moderne Food-Bildsprache. Spontan sehe ich nur zwei kleine Details, die verbessert werden könnten. Die Gabel links unten in der Ecke ist als solche nicht zu erkennen und lenkt dadurch etwas ab und das Metall ist sowieso überstrahlt. Auch bei der Auswahl des Minzblattes hätte Manuela etwas mehr Vorsicht walten lassen können, weil sich das linke Blatt unschön rollt.

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Der Flammkuchen mit Lachs hat ebenfalls gute Verkaufschancen. Auch hier sind Licht, Bildkomposition und Dekoration so, wie es in den aktuellen Food-Zeitschriften der Trend ist. Links stört mich wieder das überstrahlte Licht im Wasserglas, da hätte das Licht bzw. der Aufbau vielleicht etwas verrückt werden können.

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Die beiden Weingläser auf der Küchenzeile fallen wieder etwas ab. Das Bild ist – bis auf einen leichten Rotstich – technisch okay, was vor allem bei dem spiegelnden Glas nicht so einfach ist. Aber es fehlt die eindeutige Bildaussage, weil es weder für Catering, den gemütlichen Abend zu zweit, Alkoholismus oder den Abwasch richtig passt.

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Für den Erdbeer-Himbeer-Joghurt gilt das gleiche wie oben: Sehr zeitgenössisch fotografiert und damit sehr verkäuflich.

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Bei der Forelle mit Zitrone und Zwiebeln bin ich nicht ganz so enthusiastisch. Vom Bildaufbau gefällt es mir und sieht nach einem ansprechenden Food-Foto aus, aber irgendwie will mir das Licht nicht zusagen. Es ist weder dieses helle, sonnendurchflutete Bild, noch das dunkle, rustikale Licht, was bei diesen klassischen Gerichten gut passen würde.

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Die beiden Freundinnen im Café überzeugen mich nicht, aber da bin ich auch besonders kritisch durch meine eigenen Erfahrungen in der People-Fotografie. Zuerst fällt auch, dass das Lächeln der beiden Frauen gekünstelt wirkt, wie dieses „Schaut mal her, ich will ein Foto machen“. Hier ist es Aufgabe der Fotografin, Witze zu erzählen, sich selbst zum Affen zu machen oder einfach eine so heitere Stimmung zu erzeugen, dass das Lachen echt wirkt.

Bei der Kleidung lenken die Schals zu sehr vom Gesicht ab und die Verteilung passt nicht: Die blonde Person hätte das dunklere Oberteil und andersrum anhaben sollen, damit es nicht so ein starkes Hell-Dunkel-Gefälle im Bild gibt. Bei der blonden Frau lenkt auch der Schmuck im Haar, Ohr und am Hals ab. Die Haare sind ebenfalls nicht optimal: Bei der Brünetten fallen sie ungünstig auf die Schulter, bei der Blondine sind unschöne dunkle Ansätze am Ende zu erkennen. Hier ein Beispiel* von einer meiner Fotoshootings.

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Bei diesem Glamour-Foto einer Brünetten wirkt das Lachen auf jeden Fall besser. Aber weil es eben Glamour sein soll, stimmt dann doch einiges nicht: Der Hintergrund wirkt zu platt und unprätentiös, ist aber auch nicht hell genug für einen Freisteller mit den sichtbaren Schatten Für ein Lifestyle-Foto hingegen stört der gezackte Schmuck zu sehr und schwarz passt das nicht so gut, weil das zu viel Licht und Konturen schluckt. Also weder Fisch noch Fleisch.

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Das letzte Mädchen hat ebenfalls ein leicht gezwungenes Lächeln auf dem Gesicht. Hände und Haare gefallen mir ganz gut, aber ich hätte die Kamera 1-2 Zentimeter nach unten bewegt, um die Ellenbogen komplett aufs Bild zu bekommen. Auch fehlt mir etwas die Aussage. Im Hintergrund scheint ein Küche zu sein, aber weder das Thema „Essen“ noch „Essen zubereiten“, „Einkauf auspacken“ oder ähnliches werden angeschnitten.

An dieser Stelle kurz Werbung in eigener Sache: Viele Tipps zur Arbeit mit Models, damit die Fotos authentischer und überzeugender wirken, finden sich in meinem gleichnamigen Buch „Die Arbeit mit Models„*.

Vor allem die Food-Bilder gefallen mir schon ausgesprochen gut und kann mir diese auch gut in einer spezialisierten Macrostock-Agentur wie Stockfood vorstellen.

Was sagt ihr zu den Fotos?

* Affiliate