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Frustration über unsinnige Ablehnungen bei Bildagenturen

Egal, ob im Stockfotografie-Foren, in Bildagentur-Foren oder bei mir im Email-Postfach, ständig schreiben dort frustrierte Fotografen, welche die Ablehnungen ihrer Bilder nicht verstehen können.

Meist zurecht. Aber: Jetzt kommt ein ganz großes Aber, so groß, dass es für einen eigenen Artikel reicht.

Die Frustration über abgelehnte Bilder kann von mehreren Seiten betrachtet werden, die sich teilweise ergänzen.

Der Zufall-Effekt

Wie ich schon zwei Mal hier und hier mit einer hochwissenschaftlichen Analyse herausgefunden habe, werden die Bilder eher zufällig abgelehnt. Das heißt, wer zehn Mal die gleichen Bilder bei zehn verschiedenen Agenturen hochlädt, erhält von jeder Agentur sicher ca. fünf Ablehnungen, aber jeweils für andere Bilder. Das trägt nicht dazu bei, eine Konsistenz bei den Ablehnungen zu erkennen.

Die Liebe zum Bild verhindert Einsicht

Vor allem am Anfang schmerzen Ablehnungen sehr. Der Fotograf investiert viel Zeit und Aufwand, um ein gelungenes Foto zu machen und noch mal viel Zeit und Mühen, um es am Computer zu entwickeln und zu retuschieren. Dann verbringt er Zeit mit dem Beschriften und Hochladen und – zack – wird das Bild abgelehnt. Und das bei einem Motiv, bei dem der Fotografen viel Herzblut reingesteckt hat. Leider sehen das nicht die Bildredakteure. Aber das ist auch gut so, denn die Bildkäufer interessiert es ebensowenig, ob sie sieben Tage oder zwei Minuten auf den perfekten Moment warten mussten, um das Bild zu machen. Was zählt, ist einzig, ob das Motiv zum passenden Preis für die gewünschte Verwendung erhältlich ist. Deshalb: Bau als Fotograf eine professionelle Distanz zu deinen Werken auf. Das ist neben der Zeitersparnis auch einer der Gründe, warum viele professionelle Stockfotografen das Hochladen der Bilder auslagern oder Assistenten überlassen. Ablehnungen sind nie persönliche Angriffe auf das Können der Fotografen, sondern meist betriebswirtschaftliche Entscheidungen.

Unzutreffene Textbausteine

Eine regelmäßige Quelle großen Frusts sind die Textbausteine, welche die Bildagenturen den Fotografen liefern, wenn sie überhaupt so gnädig sind, ihre Ablehnungsgründe mitzuteilen. Das reicht von „Model-Release fehlt“ bei 3D-Bildern über „Zu starke Nutzung von Foto-Filtern“ bei Bildern, die direkt aus der Kamera kommen und so weiter. Die Textbausteine passen eben nicht immer genau auf die abgelehnten Bilder oder obwohl Bilder unter den gleichen (Studio-)Bedingungen aufgenommen wurden, werden einige davon wegen technischer Mängel abgelehnt und andere nicht.

Einige Agenturen wie Fotolia oder Dreamstime behelfen sich, indem sie bei Ablehnungen aus technischen Gründen einfach eine lange Liste an möglichen Ablehnunsgründen nennen, aus denen sich dann der Fotograf das passende raussuchen kann. Das wiederum führt zu neuen Problemen, weil vor allem unerfahrenere Fotografen nicht genau wissen, was sie falsch gemacht haben könnten oder denken „Ich habe doch 19 der 20 aufgeführten Punkte umgesetzt, das sollte doch reichen?

Aber sehen wir uns die Sache mal von der anderen Seite an.

Unerfahrende und gestresste Bildredakteure

Bei den Bildagenturen sitzen je nach Größe der Agentur ein bis zig Bildredakteure, die tagein, tagaus nichts anders machen als die neu eingetroffenen Fotos zu kontrollieren. Früher waren das Leute, die jahrelange Erfahrungen in der Bilderbranche hatten und oft auch selbst fotografiert haben. Durch die Flut der Digitalfotos und die schier unendlich scheinende Menge an neuen Fotos gibt es nicht genügend kompetente Leute. Deshalb wird diese Aufgabe – vor allem bei den Microstockagenturen – entweder von unterbezahlten Leuten erledigt, die mal kurz in die Materie eingearbeitet werden oder die Bildkontrolle wird gleich nach Asien ausgelagert, wo die Bedingungen garantiert nicht besser sind.

Meine Vermutung ist, dass vor allem bei den Microstock-Agenturen die Redakteure eine gewisse Zahl an Bildern pro Tag kontrollieren müssen, um von ihren Chefs nichts auf den Deckel zu kriegen. Bei diesem Zeitdruck entstehen erstens leicht Fehler, weil etwas übersehen wird und zweitens führt die Ablehnung eines Bildes schnell zur Ablehnungsorgie: Wenn ein Bildredakteur Fehler erkennt, wird bei den folgenden Bildern noch genauer hingeschaut, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Fehler gefunden werden und so weiter und plötzlich ist die gesamte Serie abgelehnt worden.

Durch den Stress verklicken sich die Bildredakteure auch mal, weshalb die genannten Ablehnungen nicht immer passen. Außerdem sind sie meist keine professionellen Fotografen und wissen deshalb nicht, dass es fast unmöglich ist, unter bestimmten Bedingungen zum Beispiel bei Gegenlicht mit starken Kontrasten und Weitwinkelobjektiv Bildfehler wie chromatische Abberationen zu vermeiden.

Die Früchte im Garten der anderen

Viele Fotografen machen sich über die Ablehnungen bei Bildagenturen lustig, wenn das abgelehnte Bild von einer anderen Agentur angenommen wurde und sich dort zu einem lukrativen Bestseller entwickelt. Im Nachhinein ist das einfach, aber auch unfair. Denn selbst Stockfotoprofis können meist nicht genau sagen, welches Bild aus einer Serie ein Topseller werden wird. Die Bildredakteure sehen die Downloadzahlen anderer Agenturen nicht und viele der abgelehnten Bilder, die woanders genommen wurden, liegen dort vielleicht auch wie Blei in den Regalen.

Die Tücken der Automatisierung

Durch den erwähnten Zeitdruck lassen sich die Agenturen Mittel und Wege einfallen, die Bearbeitung schneller vornehmen zu können. So bekommen Bildredakteure oft das Foto in einer kleinen Ansicht zu sehen und vier 100%-Ausschnitte. Wer das Pech hat, dass ein Bildfehler genau in diesem 100%-Ausschnitt liegt, wird eine Ablehnung bekommen, wenn der Bildfehler daneben liegt, kann es passieren, dass das Bild trotzdem angenommen wird, weil der Bildredakteur keine Zeit hat, ins Bild reinzuzoomen. Manchmal sind Ablehnungen deshalb auch kein Pech, sondern Annahmen nur Glück.

Bei Dreamstime werden auch die Bildtitel und Suchbegriffe im Hintergrund analysiert. das heißt, wenn ein neu hochgeladenes Bild den gleichen Bildtitel und die gleichen Suchbegriffe wie ein schon vorhandenes Foto des gleichen Fotografen hat, wird es sehr wahrscheinlich (vielleicht sogar automatisiert?) wegen „zu vieler ähnlicher Motive“ abgelehnt, auch wenn das Bildmotiv ein ganz anderes sein kann.

Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass die Bildredakteure die bisherige Ablehnungsquote eines Fotografen sehen. Wenn dort 55% Ablehnungen steht, werden die Kontrolleure deutlich genauer schauen als bei jemanden, der sich über die Jahre eine 2-3% Ablehnungsquote erarbeitet hat.

Bei rechtlichen Problem wird im Zweifel abgelehnt

Auch die rechtliche Seite führt zu viel Ablehnungsfrust. Wenn es auch nur den Hauch eines Zweifels geben sollte, lehnen Bildredakteure ein Bild lieber ab, weil immer mehr Agenturen eine Rechte-Garantie für deren Kunden übernehmen, die sie bei Fehlern teuer zu stehen kommen würde. Manche Fotografen verkennen aber auch die Rechtslage. Nur weil ein Foto in Deutschland aufgenommen wurde, wo bestimmte Gesetze gelten, setzt die Bildagentur oft aber deutlich strengere Regeln an, weil die Fotos eben weltweit verkauft werden und in anderen Ländern manchmal eben härtere Gesetze gelten. Zum Beispiel braucht man für das Fotografieren eines Tieres in Deutschland keine Genehmigung, weil es als „Sache“, nicht als „Person“ gilt, aber die Bildagenturen verlangen trotzdem einen Eigentumsfreigabe vom Tierbesitzer. Wer profesionell Stockfografie betreiben will, muss das akzeptieren.

Außerdem steht in den meisten Agenturverträgen mit den Fotografen, dass diese für rechtliche Konsequenzen selbst haften müssen. Eine Bildablehnung wegen möglicher rechtlicher Probleme kann dem Fotografen deshalb manchmal sogar den Hals und das Bankkonto retten.

Manchmal haben Bildredakteure sogar recht

Jeder Fotograf kann einige Geschichten von abstrusen Ablehnungsgründen erzählen. Darüber wird oft übersehen, dass die Bildredakteure manchmal auch recht haben. Einige Bilder sind entweder unscharf, schon zu oft verhanden, blaustichig oder einfach nicht verkäuflich. Da hilft dann auch kein Jammern und Meckern, sondern nur eine kritische Selbstbetrachtung und die Frage an sich selbst: „Wie kann ich besser werden und diese Fehler in Zukunft vermeiden?“

Alles buddhistisch sehen

Viele haben versucht, die unergründlichen Wege der Bildredakteure zu verstehen, kaum jemand hat es geschafft. Wer langfristig erfolgreich im Stockfotomarkt mitspielen will und sein Herz schon möchte, sollte alles etwas buddhistisch sehen. Nicht ärgern lassen, abhaken und weitermachen. Bei offensichtlichen Fehlern und potentiellen Bestseller-Motiven lohnt sich manchmal eine Korrektur und ein erneutes Einreiches, aber meist ist die Zeit besser angelegt, gleich neue Fotos zu machen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Ablehnungen gemacht? Wie geht ihr damit um?

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 13

In dieser Folge von „Pimp My Stock!“ gibt es etwas Neues. Heute schauen wir uns Bilder an, die allesamt von Fotolia in den letzten Wochen abgelehnt wurden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Spannender ist eher, dass ich auf den ersten Blick fast jedes Foto mit Kusshand aufgenommen hätte und ich mir bei den meisten Motiven auch sicher bin, dass sie sich gut verkaufen würden.

Der Fotograf Sebastian Reuter schrieb mir eine verzweifelte Mail, weil seine besten Fotos häufig abgelehnt würden. Er schickte mir auch die Fotos in voller Auflösung, damit ich in der 100%-Ansicht auf Fehlersuche gehen könne. Er schrieb u.a.

„Ich lade seit Dezember 2010 nach und nach meine besten Bilder bei Fotolia hoch. Es sind jetzt 117 Bilder und derzeit satte 38 Credits „Gewinn“. Okay, das dauert…

Aber was mich am meisten nervt ist, dass perfekte Bilder immer wieder abgelehnt werden. Perfekt weil: mit ISO 50 kann nichts rauschen, Blende 8 kann es keine chromatische Abberation sein, mit 2,5 sec Belichtung war es auch nicht frei Hand. Und so geht es weiter…“

Aber schauen wir, woran es liegen könnte. Seine bisher angenommenen Motive findet ihr hier.

Das Motiv sieht geil aus, oder? Eine Glühbirne im Moment des Zersplitterns. Gut beleuchtet, mit viel Platz für Text, ideal für Werbeplakate. Würde thematisch gut zu Themen wie „Energie sparen“, „Glasbruch“, „Ideenfindung“ und vielen anderen passen. Kommerziell sehr verwertbar. Am Motiv kann es nicht liegen, dass das Bild abgelehnt wurde. Zoomen wir mal ran:

Hier wird deutlicher, was Gründe sein könnten. Zum einen ist das Bild etwas verrauscht, außerdem gibt es ganz leichte Ansätze von chromatischer Abberation, der Lichtreflex sorgt für kleine ausgefressene Stellen und das Bild ist durch die schnelle Bewegung etwas unscharf. Würde es die Bildkäufer stören? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn sich ein Bildredakteur daran reibt, hilft das dem Fotografen nicht. Trotzdem könnte das Bild mittels Photoshop etwas gerettet werden. Eine leichte Rauschreduzierung (ich bevorzuge da Plugin Noise Ninja), die Farbsättigung reduzieren und manuelles Abwedeln der ausgefressenen Stellen würde einige Kritikpunkte abschwächen. Bei mir sähe das so aus:


Es sind noch paar JPG-Artefakte zu sehen, die vielleicht zu verhindern wären, wenn der Workflow vom RAW-Bild zum Endergebnis behutsam überprüft wird.


Bei diesem Foto einer Kuh auf der Weide brauchen wir nicht zu zoomen, um das Problem zu erkennen. Blendenflecken sind per Definition ein Bildfehler. Punkt. Klar, manchmal mag der Effekt zur Schönheit eines Fotos beitragen, aber hier stört vor allem der grüne Fleck in der Kopfmitte die Idylle. Vielleicht hätte es gereicht, diesen einen Fleck zu retuschieren. Dazu kommt jedoch, dass das Motiv zuhauf in Agenturen vorhanden ist und der Bedarf eher gering ist. Bei solchen Motiven sind Bildredakteure nun mal strenger. Da hilft es auch nicht, auf die zehntausend anderen Kuhfotos zu verweisen, die seit Jahren in den Agenturen sind und hunderte von Downloads erreicht haben. Mit jedem angenommenen Bild steigt das Risiko der Ablehnung für ähnliche Motive.


Auch bei diesem Laserfoto sind die Bildfehler schon in der Kleinansicht zu erkennen. Trotzdem mal eine 100%-Ansicht:


Die Farben laufen deutlich sichtbar zusammen, jedem Bildredakteur würden da die Haare zu Berge stehen. Aber: Wer schon mal probiert hat, eine superhelle Lichtquelle (und nichts andere ist ein Laserstrahl) mit dessen Reflexionen auf Metall (in diesem Fall die Laborgeräte) zu fotografieren, wird merken, dass es nahezu unmöglich ist, das ohne Überstrahlungen zu erreichen, die einen Lichthof erzeugen. Aber viele Bildredakteure in Microstock-Agenturen haben davon entweder keine Ahnung oder es ist ihnen egal. Erschwerend kommt beim Foto hinzu, dass die unterschiedlichen Neonfarben das Bild zwar kompositorisch spannend machen, aber durch ihre unterschiedlichen Wellenlängen digitale Sensoren zu schnell überfordern.

Das ist einer der Gründe, warum es wenige gute Laserfotos in Bildagenturen gibt, von digitalen Fotomontagen mal abgesehen. Das wäre ein Grund, das Foto trotzdem anzunehmen. Aber auch für ein Laserfoto ist es eher für spezielle Anwender interessant, weil es sehr dunkel ist und durch die vielen Einzelteile wirr erscheint. Ein anderes Laserfoto mit weiblicher Forscherin und einem ruhigeren Bildaufbau ist für Microstock-Kunden interessanter.

Stillleben mit Werkzeugen eines Zahnarztes. Ein typisches Microstock-Motiv, gut verkäuflich. Abgelehnt? Abgesehen von der dunklen Ecke links unten und dem mangelnden Kontrast ist auf den ersten Blick wenig zu bemängeln. Zoomen wir ran:

Der größte Kritikpunkt: Die schärfste Stelle im Bild ist noch nicht richtig scharf. Außerdem ist eine leichte chromatische Abberation (CA) zu erkennen. Ihr seht nicht, was ich meine? Speichert das Bild ab, öffnet es in Photoshop, wählt das Werkzeug „Farbton/Sättigung“, klickt auf „Bearbeiten: Magentatöne“ und zieht den Regler „Sättigung“ auf +100. Seht ihr die lila Linie? Um sie zu entfernen, jetzt einfach den Sättigungsregler auf -100 ziehen. Fertig.

Ich habe mal den Kontrast etwas angehoben, die CA entfernt und das Bild leicht geschärft. Das Ganze sieht dann so aus. Wer will, kann ja beide Versionen als Ebenen übereinander legen und direkt vergleichen:


So würde das Foto schon eher angenommen werden.


Bei diesem Foto aus einer Eisengießerei tritt ein ähnliches Problem auf wie beim Laserfoto. Geschmolzenes Metall ist per Definition sehr hell und erzeugt damit automatisch Lichthöfe auf Fotos, die unvermeidlich sind. Bei der 100%-Ansicht tritt noch ein anderes Problem zu Tage:


Es gibt eine leichte Bewegungsunschärfe und ein unschönes Bildrauschen. Ein Blick in die EXIF-Daten gibt Aufschluss: Das Foto wurde mit einer Canon EOS 1Ds Mark III und dem Canon 24-70mm-Objektiv (f2.8) aufgenommen, die Blende betrug 3.5, die Brennweite 45mm, Verschlusszeit war 1/60 Sekunde und – jetzt kommt’s – der ISO-Wert war 800. Für eine „available light“-Aufnahme ist das Foto zweifelsfrei gut gelungen, aber die Microstock-Bildredakteure sind da sehr verwöhnt. Entweder wäre ein mobiler Blitz hilfreich gewesen, der einen geringeren ISO-Wert erlaubt hätte oder das Rauschen könnte mit Photoshop dezent reduziert werden.

Trotzdem: Wäre ich Chef einer Bildagentur und würde sehen, wie mein Bildredakteur so ein Foto ablehnt, würde ich ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben und fragen: „Sag mal, spinnst Du? Das Foto wird sich wie geschnitten Brot verkaufen, scheiß auf die Bildfehler!“


Bei diesem Foto sind so gut wie keine Bildfehler zu erkennen, auch in der 100%-Ansicht nicht. Das Foto eines Reinraums könnte einen Hauch mehr Schärfe vertragen, aber das wäre hier noch kein Ablehnungsgrund. Viel wahrscheinlicher ist es, dass den Bildredakteuren diese vertikale Variante gereicht hat, welche von Fotolia angenommen wurde. Vom Motiv her würden sich beide Varianten gut verkaufen lassen.


Wieder ein Labor, wieder abgelehnt. Für den Microstock-Markt ist das Motiv vielleicht etwas zu spezifisch, da die abgebildeten Geräte dem Fachkunden sehr genaue Rückschlüsse über die Art der Forschung erlauben würden. Hier bietet sich die Vermarktung über eine Macrostock-Agentur auf RM-Basis an, weil das Bildmaterial in diesem Bereich sehr selten ist und die Firmen deshalb für solche Motive auch mehr Geld ausgeben. Abgesehen davon, dass der Aufsteckblitz sich in der vorderen Maschine spiegelt, sind in der kleinen Ansicht kaum Fehler zu erkennen. Bei 200% wird es jedoch anders:


Zum einen häufen sich in dem Bild verschiedene Logos, für die der Fotograf garantiert nicht alle schriftliche Erlaubnisse hat. Eins der Logos ist in der 200%-Ansicht zu sehen, aber auch auf dem kleinen Monitor in der Bildmitte ist Philips zu lesen, auf der Rückseite des Mikroskops ist deren Firmenlogo zu sehen und so weiter. Für „royalty free“-Motive ein „No Go“! Zusätzlich ist wieder chromatische Abberation zu erkennen, die jedoch einfach mit Photoshop zu unterdrücken wäre.


Bei diesem Foto eines Präzisionsinstruments ist es ähnlich. Der Bildaufbau ist gut und agenturtauglich, aber das abgebildete Verfahren ist für Microstock meines Erachtens zu speziell. Bei Macrostock-Agenturen wäre es besser aufgehoben. Um die Annahmewahrscheinlichkeit zu erhöhen, würde ich das Bild aber noch entrauschen und minimal schärfen. Zum Vergleich hier wieder ein 100%-Ausschnitt und meine retuschierte Version danach:


Ihr seht deutlich, dass der Hintergrund durch das Entrauschen viel ruhiger geworden ist, ohne dass die Schärfe im Vordergrund darunter leidet.


Der Potsdamer Platz in Berlin bei Nacht. Nicht das seltenste Motiv, aber durch den auffällig gelben Sightseeing-Bus ein gelungenes Motiv, das viele Reiseveranstalter mit Kusshand kaufen würden. Abgelehnt. Ein deutliches K.O.Kriterium für Microstock-Agenturen sind natürlich die Firmennamen oben an den Wolkenkratzern, zum Beispiel von der Deutschen Bahn in der Mitte. Aber auch hier gibt es wieder das Problem mit den Lichthöfen, wie eine 100%-Ansicht offenbart:


Hier wirkt es fast so, als wäre das Foto zu stark entrauscht worden. Aber wieder die Sinnfrage: Würde das die Bildkäufer stören? Sehr wahrscheinlich nicht.


Von den zehn eingesandten Fotos ist das hier mit dem frühlingshaft gedeckten Tisch mein Favorit. Umso blöder, dass das Bild abgelehnt wurde. Aber Mr. Pingelig findet auch hier zwei Gründe. Einerseits wurde wie schon beim Laborbild eine vertikale Variante angenommen, andererseits ist ein Farbsaum bei den roten Tulpen zu erkennen:

Selbst bei einem Posterdruck des Motivs würde das sicher kaum störend ins Gewicht fallen, aber Bildredakteure haben leider ihre Vorgaben.

Zusammenfassend ein Hinweis: Hätte Sebastian diese Fotos vor 3-4 Jahren bei Microstock-Agenturen angeboten, wären sie sehr wahrscheinlich angenommen worden und hätten sich auch gut verkauft. Aber mit der Masse der Motive steigt der Qualitätsanspruch bei neuen Bildern. Da hilft es auch nichts, haufenweise alte Bilder aus den Agentur-Portfolios zu ziehen, die oft wirklich nur – ähm, na ja – formulieren wir es so: ungewöhnlich sind. Natürlich wäre es sinnvoller, einen Haufen alter Bilder aus dem Agenturbestand zu entfernen und dafür ähnliche Motive mit besserer Qualität anzunehmen. Aber so ein Schritt kostet Zeit, Geld und viel Arbeit, den viele Agenturen scheuen.

Auch die Position des Fotografen muss berücksichtigt werden. Würde ein Smaragd-Fotograf bei Fotolia obige Fotos bei sich hochladen, vermute ich, dass die Annahmequoten höher wären als bei einem Neuling. Bei alteingesessenen Fotografen mit vielen Verkäufen wissen die Bildredakteure zwei Dinge: 1. Der Typ verkauft viel, er wird also wissen, was für Motive laufen und 2. Die Kunden kaufen die Bilder, sie scheinen also mit der Qualität zufrieden zu sein. Diesen Ruf muss sich ein neuer Fotograf innerhalb einer Agentur erst aufbauen. Das ist ungerecht, weil hier nicht objektiv nach Bildqualität, sondern nach „Marktmacht“ entschieden wird, aber diese Gewichtung bringt der Agentur Geld, weshalb sie sich vermutlich kaum ändern wird.

Ein kleiner Trost für Fotografen ist vielleicht, dass beim Hochladen der gleichen Motive bei vielen Agenturen sichtbar wird, dass manche Ablehnungen einfach purer Zufall sind.

Die heute gezeigten Bilder beweisen aber auch, dass bei oberflächlicher Betrachtung der Fotos Fehler verborgen bleiben können, die erst bei genauer Ansicht in Auge springen. Darum predigt jeder Bildredakteur: Bildbearbeitung bei 100%!

Ich bin gespannt: Was meint ihr? Liege ich mit meinen Vermutungen richtig? Oder warum würdet ihr die Fotos ablehnen? Oder hättet ihr sie – wie ich – trotzdem angenommen?

Wer von mir auch kostenlos Tipps haben will, ob seine Fotos „stocktauglich“ sind, kann gerne ebenfalls mitmachen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kurze Mail, in der ihr Euch vorstellt, z. B. wie lange ihr Fotos macht, mit welcher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos verkauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vorhabt.
– Wenn ich ausreichend Zeit habe für Bildbesprechungen, bitte ich Euch, mir 5-10 Bilder in kleiner Auflösung (ca. 600×800 Pixel) zu schicken.
– Diese werde ich dann in einem Blogbeitrag wie diesem veröffentlichen (auf Wunsch auch anonym) und meine Kommentare abgeben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, sondern wie verkäuflich das Foto sein könnte oder wie es verkäuflicher gemacht werden könnte.
– Mit Wartezeit von einigen Wochen bis zur Veröffentlichung ist leider zu rechnen.

* Affiliate

Stockfotografie-Interview: Jenja Doerig (Bildredakteur bei ImagePoint)

Damit in diesem Blog auch mal andere Sichtweisen zu Wort kommen, präsentiere ich von Zeit zu Zeit Interviews mit anderen Personen aus der Branche: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.

Diesmal ist Jenja Roman Doerig an der Reihe, der Leiter der Bildredaktion bei der Schweizer Bildagentur ImagePoint.

Jenja Roman Doerig

Foto: www.nikkolrot.com

Stelle Dich doch bitte mal kurz vor…

Jenja Doerig, Leiter der Bildredaktion bei ImagePoint. Jenja ist die russische Kurzform von Jewgenij, was sich meine Eltern dabei gedacht haben – keine Ahnung. Ich lebe ohne Haustiere in Zürich.

Wie sieht Dein Schreibtisch ungefähr aus? Was sind Deine wichtigsten Arbeitsgeräte/Werkzeuge?

Maus, Mausmatte, PC, Tastatur und Bildschirm. Bei ImagePoint funktioniert alles online.

Wieviele Bilder siehst Du auf der Arbeit täglich?

Zwischen 500 und 700 – je nach Qualität.

Und, macht’s noch Spaß?

Je nach Qualität…

Beschreibe bitte mal kurz den Ablauf, wenn Du entscheidest, ob ein Foto angenommen wird oder nicht?

Zuerst entscheide ich, ob sich das Motiv verkaufen lässt. Danach beurteile ich die technische Qualität in der 100-Prozent-Ansicht. Anschließend kontrolliere ich die Informationen bezüglich der Drittrechte.

Hörst Du Musik bei der Arbeit? Wenn ja, welche?

Diesbezüglich herrscht ein liebevoller Kleinkrieg im Büro. Aber meistens hören wir Radio.

Was sind die drei häufigsten Ablehnungsgründe?

Erstens: Motiv. Zweitens: Qualität – viel zu oft müssen wir leider motivisch gute Bilder aufgrund der schlechten Qualität ablehnen. Drittens:  Siehe erstens.

Wieviel Prozent der Bilder werden durchschnittlich abgelehnt?

Knapp über 50 Prozent. Tendenz steigend aufgrund der sehr hohen Kundenansprüche und des hohen Konkurrenzdrucks.

Welche Motive bekommst Du am häufigsten zu sehen?

Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Rapsfelder und bald wieder aktuell: Tulpenbilder.

Welche Motive sind Dir am liebsten?

Naturalistisch inszenierte Lebenssituationen – Stichwort: Available Light – mit Charaktermenschen.

Erkennst Du einige Fotografen schon am Stil?

Oh ja. Die sehr guten Fotografen. Und die eher schlechten.

Gibt es noch Fotos von Sonnenuntergängen oder Blumen, die Dich begeistern können?

Nein. Außer vielleicht wirklich gut inszenierte Blumenbilder.

Hast Du einige Empfehlungen, welche Fotografen-Portfolios einen längeren Blick wert sind?

Spontan fallen mir da Tina Steinauer, Karsten Jipp, Ramesh Amruth, Nikkol Rot, Stefan Kubli, Sandra Kawohl und Andrea Diefenbach ein. Es gibt aber noch viele andere sehr gute Portfolios.

Fotografierst Du auch selbst?

Nein.

Was ist der angenehmste Teil Deiner Arbeit?

Neue Fotografen zu entdecken und im Rahmen der Möglichkeiten fördern zu können.

Was ist der unangenehmste?

Einer Fotografin, einem Fotografen zu künden.

Wie können Dir Fotografen den größten Gefallen tun?

Auch ich bin bestechlich. Im Ernst: Keine allzu großen Bildserien hochladen, technisch unzulängliche Bilder im Vorfeld verwerfen, abgelehnte Bilder kein zweites Mal hochladen – lieber anrufen und fragen: Weshalb bloß? – und, sollten Bilder abgelehnt werden: Nicht persönlich nehmen.

Vielen Dank für das Interview.

Weitere Interviews:
Elisabeth Cölfen (Fotografin)