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Analyse der Situation von Microstockfotografen im Bildermarkt (Gastbeitrag)

Heute habe ich eine besondere Urlaubslektüre für Euch. Dieser Artikel kann wahrscheinlich den Anspruch erheben, der längste in der Geschichte dieses Blogs zu sein. Es ist aber auch einer der sehr wenigen Analysen, die versuchen, den Microstock-Bildermarkt betriebswirtschaftlich zu betrachten. Da das jedem, der professionell Stockfotografie betreibt, interessieren sollte, habe ich mich entschlossen, euch diese geballte Ladung Informationen am Stück zu servieren.

Der Text ist dankenswerterweise ein Gastbeitrag von Florian Loebermann, Fotograf und Doktorand an der LMU München. Ab hier schreibt jetzt Florian:

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Heute habe ich das Vergnügen euch mit einem längeren Artikel über Microstock zu beschäftigen. Zunächst ein paar Worte zu meiner Person: Mein Name ist Florian, und ich bin unter anderem selbständiger Fotograf in München. Meine Bilder können über die Agenturen plainpicture und Westend61 lizensiert werden.

Alle reden von Microstock. Sogar die Bildzeitung schreibt, wie leicht es ist, damit Geld zu verdienen. Man braucht nur eine knips-knaps Kamera, lädt die Schnappschüsse bei den Agenturen hoch und schon rollt der Rubel. Es gibt auch zahlreiche Beispiele von sehr erfolgreichen Fotografen, die sich auf Microstock spezialisiert haben. Yuri Arcurs ist Millionär geworden. Eine wahre Goldgrube also!

Doch wenn man ein bisschen an der Oberfläche kratzt merkt man schnell, dass es doch nicht so einfach ist, davon zu leben und daß diese Aussage vielleicht einmal gestimmt hat, sich der Markt aber rasant weiterentwickelt hat. Der Weg zum Erfolg ist doch steiniger und beschwerlicher als die Bildzeitung einen glauben machen will. Deswegen habe ich mir die theoretische Frage gestellt:

„Was ist eigentlich der Microstock-Markt und wie ist es um ihn bestellt? Wo entwickelt er sich hin und in welcher Situation befinden sich die Microstockfotografen tatsächlich?“

Alle reden zwar darüber, aber ich habe bisher noch keine Analyse gefunden, welche die bisher durchgemachten Entwicklungen untersucht und festgestellt hat, welchen Gesetzmäßigkeiten die Marktdynamik unterworfen ist. Zunächst jedoch erstmal eine Einschränkung: Ich habe mich dieser Thematik von einem sehr theoretischen Ausgangspunkt genähert. Alle Facetten können hierbei nicht beleuchtet werden. Was der Leser aus dieser Analyse mitnimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Ich nehme auch nicht für mich in Anspruch, dass dies der Wahrheit letzter Schluss ist – vielmehr soll dieser Artikel als Diskussionsgrundlage dienen.

Bevor es zur Sache geht, möchte ich auf ein paar einfach makroökonomische Zusammenhänge eingehen, die nötig sind, um den Markt zu analysieren. Der versierte Leser kann diese oberflächliche Einführung überspringen. Wer sich mit diesem Thema im Selbststudium intensiver auseinander setzen möchte, dem lege ich das hervorragende Lehrbuch der Makro- und Mikroökonomie* von Samuelson und Nordhaus ans Herz. Es muss bei der Lektüre berücksichtigt werden, dass die hier vorgestellten volkswirtschaftlichen Modelle immer eine Vereinfachung der Realität darstellen, diese deshalb selten exakt beschreiben.

Angebot- und Nachfragekurven

Jeder hat sicher schon einmal gehört, dass das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage den Preis bestimmt. Betrachten wir zunächst den Einfluss des Preises auf die Nachfrage. Die Nachfragekurve gibt die Beziehung zwischen Marktpreis und nachgefragter Menge wieder. Für die Nachfragefunktion gilt daher: je niedriger der Marktpreis eines Gutes, desto größere Stückzahlen werden durch die Konsumenten nachgefragt.[1]

Die Nachfrage nach einem Gut wird wesentlich von demographischen Faktoren (durschnittliches Einkommen, Bevölkerungszahl), Preise verwandter Güter (Folgekosten durch Nutzung des Gutes), persönlicher und gesellschaftlicher Vorlieben (z.B. gesteigerte Nachfrage nach Autos) sowie von sogenannten speziellen Einflüssen (Angebot von Ersatzprodukten, Produkteigenschaften) geprägt. Ändert sich nun einer oder mehrere dieser Einflussfaktoren, so folgt daraus eine Verschiebung der Nachfragekurve D (Demand).[1]

Abbildung 1: Nachfragesteigerung wird durch Verschieben der Nachfagekurven von D nach D` dargestellt.

In Abbildung 1 ist die Verschiebung einer Nachfragefunktion nach rechts aufgetragen. Das heißt durch Änderung der Einflussfaktoren (in diesem Fall wäre eine Erhöhung des durchschnittlichen Einkommens eine denkbare Erklärung) wird bei gleichem Preis eine größere Menge des Guts nachgefragt.

Umgekehrt beschreibt die Angebotsfunktion S (Supply) das Verhältnis zwischen Marktpreis und der zu diesem Preis angebotene Menge. Daher gilt: Je höher der Marktpreis für ein nachgefragtes Gut, desto größere Mengen stellen die Produzenten bereit. Ähnlich wie die Nachfragekurve ist die Angebotskurve das Ergebnis vom Zusammenspiel der bestimmenden Faktoren. Die verfügbaren Technologien, sowie die Faktorpreise (Arbeitslöhne und Rohstoffkosten) bestimmen entscheidend, zu welchen Kosten und in welchen Stückzahlen produziert werden kann. Preise von verwandten Gütern, wirtschaftspolitische Entwicklungen (z.B. Import- und Exportzölle), sowie spezielle Einflüsse (z.B. neue Vertriebswege) bestimmen zusätzlich in welcher Menge das Gut auf den jeweiligen Markt gebracht werden kann.[1]

Abbildung 2: Angebotssteigerung wird durch Verschieben der Angebotskurven von S nach S` dargestellt.

In Abbildung 2 ist illustriert, was passiert, wenn durch eine entscheidende Veränderung der Produktionsbedingungen zum gleichen Marktpreis eine größere Menge eines Guts angeboten wird. Die gesamte Angebotskurve ist nach rechts verschoben, was beispielsweise durch eine technologische Revolution zu erklären wäre. Bei diesen Überlegungen ist es wichtig, eine Verschiebung der gesamten Kurve, bzw. eine Verschiebung auf der Kurve durch eine Preisänderung sauber zu unterscheiden. Der Preis, welcher sich im sogenannten Marktgleichgewicht einstellt, wird als Gleichgewichtspreis bezeichnet. Graphisch wird dieser Preis als Schnittpunkt aus Angebots- und Nachfragekurve dargestellt. Da in diesem Punkt die Bedürfnisse von Konsumenten und Produzenten im gleichen Maße befriedigt werden, stellt sich bei freiem Wettbewerb das Marktgleichgewicht automatisch ein.[1]

Ein sehr wichtige Frage aus Anbietersicht ist, wie stark die Konsumenten auf eine Preiserhöhung reagieren. Der Einfluss auf die nachgefragte Menge durch eine Preisänderung lässt sich aus der Preiselastizität der Nachfrage ablesen. Ändert sich die Nachfrage bei einer 1% Preisänderung um mehr als einen Prozentpunkt, so handelt es sich um eine preiselastische Nachfrage. Von einer preisunelastischen Nachfrage spricht man, wenn sich die Nachfrage entsprechend um weniger als einen Prozentpunkt ändert. Analog gilt das Gleiche für die Preiselastizität des Angebots.

Graphisch lässt sich die Preiselastizität aus der Steigung der Angebots- bzw. Nachfragekurve ablesen. Je steiler die Steigung der Kurven, desto unelastischer die Preiselastizität (Grenzfall Senkrechte) und je flacher die Steigung, desto elastischer ist die Preiselastizität (Grenzfall Waagerechte). Ein sehr gutes Beispiel für ein Produkt mit einer sehr unelastischen Preiselastizität sind lebensnotwendige Medikamente oder Benzin. Sehr elastische Preiselastizitäten finden wir beispielsweise bei Luxugütern. Verschiedene Kundensegmente können unterschiedliche Nachfrageelastiziäten aufweisen. Bei Kenntnis der Nachfrageelastizität können Lieferanten dieses Wissen zur Preisdiskriminierung nutzen.[1] Mit diesen einfachen Analysetools lassen sich Entwicklungen in Märkten leicht qualitativ beschreiben und bei Kenntnis der marktspezifischen Hintergründe bewerten.

Abbildung 3: Einstellung des Marktgleichgewichts.

Vollkommener und unvollkommener Wettbewerb

Um die Wettbewerbssituation, die auf einem bestimmten Markt herrscht analysieren zu können, muss man sich zu Beginn mit dem Konzept des vollkommenen und unvollkommenen Wettbewerbs auseinander setzen.

Es wird in der Volkswirtschaftslehre zwischen vollständigem und unvollständigem Wettbewerb unterschieden. Dabei spricht man im vollständigem Wettbewerb von einem Polypol. Am Markt existieren also viele Anbieter und Nachfrager. Die Anbieter sind im Vergleich zum Gesamtmarkt so klein, dass sie keinen Einfluss auf den Marktpreis nehmen können und bieten ein homogenes Produkt an, was bei vollkommener Markttransparenz zu einem Preis gehandelt wird.

Unternehmen im vollkommenem Wettbewerb haben also keine Verhandlungsmacht, da die Nachfrage perfekt elastisch ist. Daher werden Anbieter in vollkommenen Märkten auch als Preisnehmer bezeichnet. Der maximale Output der Produzenten hängt, wie in Abbildung 4 gezeigt, von den Grenzkosten MC (das sind die Kosten, die für die zusätzliche Produktion einer weiteren Mengeneinheit anfallen).[1] Das bedeutet, dass sich bei veränderlichen Marktpreisen der Output der Unternehmung entlang der Grenzkostenkurve bewegt. Durch Innovationen im Produktionsprozess oder andere Änderung der Kostenstruktur kann sich die Grenzkostenkurve MC nach rechts verschieben; damit steigt auch der optimale Output des Unternehmens.


Abbildung 4: Angebotskurve eines Produzenten im vollkommenen Wettbewerb bei bekannten Kostenstrukturen.
(MC Grenzkosten, AC Durchschnittskosten, AVC durchschnittliche variable Kosten)

Unvollständiger Wettbewerb herrscht immer dann, wenn einzelne Anbieter zu einem gewissen Grad Einfluss auf den Marktpreis des von ihnen angebotenen Produktes nehmen können. Es wird zwischen Monopolen (nur ein Anbieter, freie Bestimmung von Preis und Menge), Oligopolen (wenige Anbieter, strategisches Verhalten) und monopolistischer Konkurrenz (viele Anbieter, differenzierte Produkte, keine strategische Preis- und Outputgestaltung) unterschieden.

Unvollkommene Märkte treten vor allem dann auf, wenn potentielle Konkurrenten durch Marktschranken (Markteintritts- und Marktaustrittsbarrieren) am Marktein- oder austritt gehindert werden.[2] Auch unternehmensspezifische Wettbewerbsvorteile, wie absolute Kostenvorteile oder Differenzierungsvorteile, wirken als Markteintrittsbarriere. Nach Schumpeter sind kapitalistische Märkte prinzipiell im Ungleichgewicht. Dieses Ungleichgewicht wird auf die Innovationskraft von Unternehmen, welche sich am Markt durchsetzen wollen, zurückgeführt: innovative Unternehmen können zunächst einen Monopolgewinn erzielen, bis durch Nachahmer der zusätzliche Gewinn durch den Wettbewerb aufgefressen wird.[3]

Im monopolistischen Wettbewerb spielen die Opportunitätskosten und die Produktqualität (Verarbeitung, Service) eine wichtige Rolle.[4] Auch positive Skaleneffekte (economies of scale) können zu einer Monopolisierung eines Marktes führen. Das heißt, eine große Firma kann effektiver wirtschaften als zwei Firmen mit je halber Größe. Das führt bei hinreichend großer Skalierbarkeit schließlich dazu, dass sich der Markt immer weiter konzentriert und somit der Wettbewerb abgeschwächt wird.

Jetzt haben wir die nötigen Grundlagen gelegt, um uns dem Stockfotomarkt zu nähern.

Anwendung auf den Bildermarkt

Die Fotografie hat im Laufe ihrer Geschichte mehrere technologische Revolutionen durchgemacht. Ab den 1990er Jahren begann die digitale Revolution, welche die Fotografie beeinflusste wie kein anderer technologischer Fortschritt zuvor. Fotos waren plötzlich sofort verfügbar. Der Fotograf kann auf einem Display das Resultat sofort überprüfen und eventuelle Fehler noch vor Ort korrigieren. Die Kosten für Filmmaterial und Entwicklung fielen plötzlich weg. Auch Laien können nun über trial and error gute oder auch manchmal sehr gute Bilder machen.

Im Jahr 2005 haben die Deutschen allein mit 20 Mio Digitalkameras 460 Bilder pro Kopf geschossen.[5] Diese starke Durchdringung der Gesellschaft mit visuellen Reizen hat nicht nur die Angebotskurve von Fotos verschoben, sondern auch zu einer stark erhöhten Nachfrage nach Bildern geführt. Insbesondere das Internet hat dazu geführt, dass Fotografien nicht mehr auf einen Träger gebunden sind, sondern global frei verfügbar sind. Durch die neuen Medien ist der Bedarf an Bildmaterial zwar explodiert, aber wegen der größeren Masse an Bildern hat das Einzelbild einen anderen Stellenwert als noch vor 20 Jahren.[5]

Was hat das Ganze nun mit Microstock zu tun?

Zu Beginn des neuen Jahrtausends tauchte im Internet ein neues Phänomen auf, was von vielen Professionellen aus der Bilderbranche belächelt oder lange Zeit sogar ignoriert wurde. Allerdings wuchs dieses Phänomen binnen kürzester Zeit rasant und konnte den Etablierten relevante Marktanteile abnehmen, bevor diese überhaupt verstanden, was da passiert ist. Die Rede ist von sogenannten Microstockagenturen, welche von neuen Marktteilnehmern gegründet wurden, die mit dem klassischen Geschäft der Bildagenturen keine Berührungspunkte hatten und sich auch so nicht an marktübliche Konventionen hielten.[6]

Diese Agenturen vertreiben Bildlizenzen konsequent als Massenware. Eine RF-Bildlizenz mit fast uneingeschränkten Nutzungsrechten ist schon für einen Euro zu haben – im Vergleich dazu kostete eine RM-Lizenz mit eingeschränkter Nutzung bei einer klassischen Agentur wie Getty Images ab 100 EUR. Die bekannteste Microstockagentur iStockphoto wurde von Bruce Livingston im Jahr 2000 in Calgary, Kanada gegründet und mittlerweile von Getty Images für 50 Mio $ aufgekauft.

iStockphoto begann als Fotocommunity, wo Amateure Bilder hochladen und tauschen konnten. Aus dem sogenannten User Generated Content (UGC) entwickelte sich ein profitables Geschäftsmodel. Die hohen Markteintrittsbarrieren für Fotografen in die etablierten Bildagenturen existieren hier nicht. Jeder kann sich anmelden und Fotos hochladen. Die Anforderungen an Bildqualität und Kamera sind weniger streng als bei Getty und Co. (in diesem Zusammenhang auch oft als Macrostock bezeichnet). Das heisst, um als Marktteilnehmer auf dem Microstockmarkt aktiv zu werden, müssen relativ geringe Markteintrittsbarrieren überwunden werden. Man braucht lediglich eine digitale Kamera und etwas Zeit. Auch der Marktaustritt ist mit sehr geringen Kosten verbunden.

Die zu Beginn qualitativ schlechten Amateurbilder wurden relativ bald durch zunehmend professionelles Bildmaterial verdrängt. Die Art der Fotos in den Microstockagenturen ist im Gegensatz zu den Macrostockagenturen allerdings ziemlich homogen, da Microstockagenturen exklusives Bildmaterial nicht voraussetzen und so viele Fotografen ihr Bildmaterial über alle verfügbaren Agenturen streuen. Durch den geringen Preis konnten trotz zu Beginn massiver qualitativer Mängel und einer einfachen Bildsprache schnell neue Käuferschichten mobilisiert werden, z.B. private Blogger. Dieses neue Geschäftsmodell hat eine im Vergleich zum Macrostock stark nach rechts verschobene und wesentlich flachere Angebotskurve. Das bedeutet, dass sich Microstock und Macrostock immer der prinzipiell gleichen Nachfragekurve nach Bildmaterial gegenüber sehen. Kunden von Microstockagenturen sind also bereit, für den geringen Preis eine wesentlich größere Menge an Bildern zu konsumieren.

Abbildung 5: Vergleich der Angebotskurven von Macrostock und Microstock.

Warum ist diese Erkenntnis so wichtig? Aus Abbildung 5 lässt sich die Marktsituation von Microstock leicht ablesen. Wenn wir uns an den Abschnitt über die Preiselastizität erinnern, dann merken wir an der extrem flachen Nachfragekurve, der sich Microstockfotografen ausgesetzt sehen, dass die Nachfrage sehr elastisch auf eine Preisänderung reagiert (extremfall: waagerechte Nachfragekurve).

Dies ist ein sehr wichtiges Kriterium, über den ein Markt mit vollkommenen Wettbewerb charakterisiert wird. Es sprechen aber noch andere Kriterien dafür, dass sich die Fotografen auf dem Microstockmarkt einem vollkommenen Wettbewerb ausgesetzt sehen:

  • Die Anbieter haben keine Marktmacht
    Der einzelne Fotograf mit seinen kleinen Portfolios kann gegenüber den Agenturen keine Forderungen durchsetzen. Er muss sogar Kommissionskürzungen kompromisslos hinnehmen, wenn er nicht aus dem Markt aussteigen möchte.
  • Vollkommene Markttransparenz
    Man kann in den Bildagenturen sehr genau analysieren, welches Bild wie oft und zu welchem Preis gekauft oder angeklickt wurde etc. Bestseller lassen sich leicht identifizieren. Für Anbieter ist es langfristig unmöglich, sich durch Innovation einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.
  • Alle Marktteilnehmer reagieren schnell auf Änderungen
    Diese Voraussetzung ist am schlechtesten erfüllt, da jeder natürliche Markt per se eine gewisse Trägheit aufweist. Jedoch passt das auch hier ganz gut: Kürzt iStock die Kommissionen, zieht Fotolia bald nach.
  • Die angebotenen Güter sind gleich
    Durch die Transparenz lassen sich die Bestseller identifizieren und diese werden dann bald 100fach kopiert. Hinzu kommt, dass auf dem Microstockmarkt eine flache, synthetische Bildsprache herrscht (alles vor weißem Hintergrund, gestellte Szenen etc…).
  • Den Kunden ist egal, wo sie einkaufen
    Hauptsache, der Preis stimmt – das Material ist austauschbar. Daher ist es den Kunden auch egal, von welcher Agentur sie ihre Bilder beziehen.

Was sind die Folgen aus einem vollkommenen Wettbewerb?

Zunächst einmal bedeutet das für die Fotografen, dass sie prinzipiell keinerlei Marktmacht ausüben können. Sie sind dem vollkommenen Markt hilflos ausgeliefert und müssen jede Preis- und Kommissionssenkung schlucken. Deswegen kann man sie auch als Preisnehmer bezeichnen. Ein Beleg dafür bietet die Entwicklung der Fotografenbeteiligung bei Fotolia. Der nicht-exklusive Fotograf musste je nach Fotografenumsatz in den letzten fünf Jahren Kommissionskürzungen von mehr als 50% hinnehmen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Kürzung der Fotografenbeteiligung bei Fotolia (nicht-exklusiv, Einsteigerlevel).

Microstockfotografen können nur so lange Bilder mit Gewinn produzieren, bis der Preis der Bilder dem Schnittpunkt aus Grenzkosten- und Durchschnittskostenkurve entspricht (siehe Abbildung 4). Sinkt der Marktpreis weiter, dann werden die Fotografen mit einer ungünstigen Kostenstruktur schnell aus dem Markt gedrängt. Oder anders formuliert: Wwer zu teuer produziert, wird sich nicht lange halten können. All diese Dinge sind mehr oder weniger Fakten, die sich auch wegdiskutieren lassen.

Was sind mögliche Strategien von Microstockfotografen, um sich am Markt durchzusetzen?

Aus der Erkenntnis heraus, dass man sich in einem nahezu vollkommenen Markt bewegt, lassen sich einige Strategien ableiten, wie man als Microstockfotograf dennoch erfolgreich sein kann. Hierzu können alle Voraussetzungen, die zu einem vollkommenen Markt führen, als Ansatzpunkt für die Entwicklung der eigenen Strategien sein. Man muss seine Position so verändern, dass man nicht mehr dem vollkommenen Wettbewerb ausgesetzt ist.

Zunächst einmal der vermutlich wichtigste Punkt ist das kontinuierliche Senken der Produktionskosten. Diese Strategie ist auch für unvollkommene Märkte immer gültig. Ein großes Problem der Stockfotografie ist, dass dem Markt nicht nur Profis ihre Produkte anbieten, sondern diese durch Amateure immer stärkere Konkurrenz bekommen haben.

Warum ist das im Zusammenhang mit den Kosten ein Problem? Der rein profitorientierte Fotograf wird bei konstanten Kosten, wie vorhin dargelegt, nur solange Bilder anbieten können bis der Preis unter die Gewinnschwelle fällt. Für Amateure gilt dieses Verhalten nur bedingt. Da die Fotografie als Hobby ausgeübt wird, muss man bei dieser Betrachtung den emotionalen Wert berücksichtigen, den ein Fotograf einem Verkauf beimisst. Die Verkäufe sind in etwa so zu werten, wie ein positiver Kommentar in der Fotocummunity (oder Flickr, oder 500px etc.…). Da sich beim Microstock relativ leicht, schnell und häufig der Verkaufserfolg einstellt, bleiben diese Fotografen natürlich entsprechend motiviert. Der Gesamtwert einer verkauften Lizenz für den Fotografen setzt sich also aus der emotionalen Komponente (Belohnung, Zustimmung, Anerkennung etc.) und der finanziellen Komponente zusammen. Gegen diese „Kostenstruktur“ kann ein Profi nicht konkurrieren.

Wie die Grenzkosten für die Fotoproduktion effizient gesenkt werden können, haben erfolgreiche Microstockfotografen wie Yuri Arcurs vorgemacht. Sie nutzen die sogennanten economies of scale – also den Kostenvorteil, der sich durch eine Massenproduktion von Gütern ergibt. Um die economies of scale nutzen zu können, wird es wohl immer mehr Produktionsfirmen oder Zusammenschlüsse von Fotografen zu Gemeinschaften geben, da diese einen höheren Output bei geringeren Grenzkosten haben. Ein weiterer Vorteil von großen Produktionsfirmen wie Yuri Arcurs Productions oder Monkey Business Images ist die neue Marktmacht, die sich daraus ergibt.

Durch die Größe des einzelnen Anbieters ergibt sich nun eine Position der Stärke, so dass Forderungen gegenüber den Nachfragern (hier Agenturen) durchgesetzt werden können. Der erste Punkt für die Erfüllung eines vollkommenen Marktes wird also erfolgreich außer Kraft gesetzt. Die Tatsache, dass sich economies of scale auf Anbieterseite realisieren lassen, wird auf lange Sicht zu einer weiteren Konzentration der Anbieter führen. Das Bildangebot wird in der Zukunft noch stärker von wenigen Großproduzenten dominiert werden.

Die Gleichheit der Produkte lässt sich durch einen kreativen fotografischen Ansatz umgehen. Konzepte ungewöhnlich und neu umgesetzt oder das Bearbeiten von Nischen führt zu einer Differenzierung des eigenen Bildmaterials. Allerdings kann man der fast vollkommenen Markttransparenz eigentlich nicht entkommen. Die Bestseller sind für alle sichtbar und werden immer kopiert werden. Der Vorteil durch eine kreative Bildsprache wird meist von kurzer Dauer sein und bald vom Wettbewerb aufgeholt werden. Eine Ausnahme bilden hier Motive, die sehr schwierig oder teuer zu kopieren sind – allerdings ist hier auch das finanzielle Risiko ungleich höher einzuschätzen.

Eine mögliche Strategie, um den Kunden möglichst an sich zu binden, ist die Entwicklung einer eigenen Bildsprache in Kombination mit einem großen Portfolio, welches viele relevante Themen abbildet. Auch hier sind die großen Produktionsfirmen wieder im Vorteil, da diese eben auch ein sehr breites Spektrum abbilden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Microstockfotografen ihren Output erhöhen und gleichzeitig ihre Grenzkosten senken müssen, um in diesem Markt bestehen zu können. Dies kann beispielsweise durch den Zusammenschluss mehrerer Fotografen oder das Gründen von großen Produktionsfirmen erreicht werden. Kleinere, unabhängige Anbieter können sich auf Dauer wohl nur durch eine ungewöhnliche Bildsprache, die schwer zu kopieren ist, differenzieren. Das Bearbeiten von Nischen ist ebenfalls eine erfolgsversprechende Strategie.

Man darf dabei natürlich nie aus den Augen verlieren, dass der Markt immer dynamisch ist und auf Veränderungen reagiert. Egal welche Strategie man einschlägt, man darf sich nie zu lange auf dem Erfolg ausruhen, sonst wird man schnell von der Realität überholt.

Wohin wird sich der Microstockfotomarkt vermutlich entwickeln?

Neben der Konzentration der Fotografen wird es vermutlich zu einer Konzentration auf dem Markt der Microstockagenturen kommen. Der Markt für Microstock ist lange Zeit schnell gewachsen. Nun hat er jedoch einen Punkt der Reife erreicht, in dem es zum Zusammenschluss von Agenturen kommen wird. Einen ähnlichen Prozess haben unter anderem auch die klassischen Makrostockagenturen durchgemacht.

Durch die gesteigerte Rechenleistung von Computern war es Anfang der 1990er Jahre möglich, große Datenbestände digital zu verwalten und über das Internet zugänglich zu machen. In seinem Buch Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft* beschreibt Bill Gates das Potential des Informationszeitalters mit folgenden Worten:

„Der Information Highway wird den elektronischen Markt ausweiten und ihn zum entscheidenden Mittler, zum allgegenwärtigen Makler machen. Damit werden wir in eine neue Wirtschaftswelt eintreten, einen Kapitalismus mit geringer Reibung und niedrigen Gemeinkosten, mit einem überreichen Angebot an Marktinformationen und bescheidenen Transaktionskosten. Es wird ein Paradies für Konsumenten sein.“[7]

Entsprechend früh erkannte Gates das Potential von digitalen Bilddatenbanken und gründete 1989 die Firma Corbis. Mark Getty, etablierte ab 1995 die Firma Getty Images als zweiten globalen Player auf dem Bildermarkt. Beide Konzerne kauften auf dem bis dahin stark fragmentierten Markt der Bildagenturen zahlreiche Bildarchive auf und begannen das analoge Bildmaterial zu digitalisieren.[8] Da durch den Ausbau von Online-Diensten das Bildmaterial in hoher Qualität immer und überall verfügbar war, konnten die Bilder zu geringeren Kosten an den Markt gebracht werden. Der umständliche und teure Versand von Katalogen und originalen Bildträgern entfiel plötzlich. Bis zur Digitalisierung hatten die Bildarchive durch den hohen Verwaltungsaufwand des analogen Materials eine gewisse Grenze bis zu welcher sie wirtschaftlich arbeiten konnten.

Das Geschäftsmodell der digitalen Bilddatenbanken war durch Standardisierung und Vereinfachung der Vertriebswege plötzlich leicht auf globalem Maßstab skalierbar. Diese durch technologischen Fortschritt getriebenen Konzentrationsprozesse führten zu einer nachhaltigen Veränderung der gesamten Marktstruktur. Der Bildermarkt ist mittlerweile stark von dem Duopol Corbis und Getty Images geprägt. Diese Marktmacht bekommen nicht nur die Kunden und Konkurrenten aber auch vor allem die Lieferanten der beiden Bildgiganten zu spüren. Zum einen wurden Verträge mit Fotografen gekündigt, zum anderen wurde das Verhältnis in dem die Einnahmen geteilt werden zu ihren Ungunsten beschnitten. Aber nicht nur die finanzielle Freiheit wurde eingeschränkt, den Lieferanten wurde auch für den kreativen Prozess über agenturinterne Richtlinien genaue Vorgaben über das zu produzierende Bildmaterial gemacht. Diese Größenvorteile und die Finanzmacht schrecken neue Bildagenturen vor einem Markteintritt zunehmend ab, was die Monopolisierung der Bildvermarktung weiter voran treibt.[9]

Diese positiven Skaleneffekte können analog auch bei Microstockagenturen realisiert werden. Es wird außerdem der Punkt kommen, in dem die Microstockagenturen Marktanteile nicht alleine durch ein wachsendes Bildarchiv gewinnen können, sondern nur durch gezielte Übernahme von Konkurrenten. Ein sehr starker Hinweis, dass in diesen Prozess bald mehr Dynamik kommen wird, ist die Tatsache, dass sich beispielsweise Fotolia und Shutterstock mit frischem Kapital versorgt haben. Durch die niedrigen Marktein- und austrittsbarrieren können natürlich immer wieder neue Agenturen in den Markt treten. Allerdings werden diese es schwer haben, sich gegen die enorme Marktmacht eines Oligopols durchzusetzen.

Eine weitere Konzentration des Microstockmarktes wird zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Position von kleinen Produzenten und der Kunden führen. Vermutlich werden die Preise für Microstockbilder weiter steigen, die Beteiligung der Fotografen höchst wahrscheinlich nicht.

Was ist eure Meinung zu dieser Thematik?

Quellen:
[1] P. A. Samuleson, W. D. Nordhaus, Volkswirtschaftlehre, mi-Wirtschaftsbuch, FinanzBuch GmbH, München, 4. Auflg. 2010.
[2] Hartmut Berg, Wettbewerbspolitik. In: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik. Band 2.; Vahlen-Verlag, München; 7. Auflg., 1999.
[3] J. Röpke, O. Stiller (Hrsg.), Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung*, Berlin 1911; Berlin; Neuauflg. 2006.
[4] P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflg., München, 2006.
[5] Radiopodcast: Treffpunkt vom Freitag, 26.9.2008, 09.05 Uhr, DRS 1 http://pod.drs.ch/mp3/treffpunkt/treffpunkt_200809261155.mp3.
[6] http://www.freelens.com/freelens-magazin-23/auf-dem-weg-zum-bildermonopol.
[7] Bill Gates, Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft*, Hamburg 1995, S. 230.
[8] M. Bruhn, Bildwirtschaft. Verwaltung und Verwertung der Sichtbarkeit*. Weimar [VDG] 2003.
[9] E. Grittmann, I. Neverla, I. Ammann (Hrsg.), Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute*. Köln 2008.

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Das Henne-Ei-Problem neuer Bildagenturen aus zwei Sichtweisen

Es gibt unzählige Bildagenturen, über die Fotografen ihre Fotos verkaufen können. Allein im Microstock-Bereich listet die Microstockgroup neben den vier großen Agenturen Shutterstock, Fotolia, Dreamstime und iStockphoto 41 weitere auf und selbst das deckt nicht alles ab. Dazu kommen noch mindestens ebensoviele Macrostock-Bildagenturen, allen voran Getty Images und Corbis und etliche Nischenagenturen, die sich mehr oder minder bequem auf spezielle Themen konzentrieren.


Bei dieser Auswahl an Bildagenturen ist klar: Es gibt deutlich mehr Agenturen als sie von Käufern benötigt würden, das gleiche gilt für die Bilder und Motive selbst. Wenn eine neue Bildagentur versucht, in diesen übersättigten Markt einzudringen, steht sie deshalb vor mehreren Problemen, die alle miteinander verzahnt sind und gebündelt als das „Henne-Ei“-Problem bezeichnet werden können.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Jede neue Firma braucht etwas, was sie verkaufen kann: Produkte, Dienstleistungen, Inhalte. Bei Bildagenturen sind diese Produkte Fotos, Bilder, Vekoren, Illustrationen und so weiter. Jeder Fotograf gibt seine Bilder gerne einer Agentur, welche viele Verkäufe erzielen kann, da so auch immer der Fotograf verdient. Diese Verkäufe kann eine Agentur nur generieren, wenn die Kunden das passende Bild finden. Ohne Bilder keine Verkäufe, ohne Verkäufe keine Bilder. Das klassische „Henne-Ei“-Problem.

Für neue Bildagenturen gibt es deshalb verschiedene Wege, sich auf dem Markt zu etablieren und neues Material anzuwerben, die jedoch immer steinig sind. Wir wollen diese sowohl aus der Sicht der Agenturen als auch der Bildlieferanten betrachten.

Ein sehr einfacher Weg ist die Nutzung von API-Material. API steht für „Application Programming Interface“ und ist die Abkürzung für eine standarisierte Schnittstelle zum Datenaustausch zwischen verschiedenen Programmen und im Bildermarkt auch Firmen. Fotolia bietet beispielsweise APIs für verschiedene Zwecke an. Eine neue Agentur könnte die Bilder einer etablierten Bildagentur mittels einer API-Schnittstelle bequem übernehmen und hätte auf einen Schlag Millionen Bilder im Angebot. Der große Nachteil daran ist, dass daran vor allem die etablierte Bildagentur verdient. Das ist gut und bequem für die Fotografen, weil sie im Grunde nichts tun müssen, kann jedoch zu einer unkontrollierbaren Verbreitung der Bilder führen. So geschehen bei Pixmac, die zudem mit Zuordnungsproblemen und Abrechnungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten, weshalb Fotolia und Dreamstime der Agentur die API-Nutzung untersagten.

Der zweite Weg zeigt ebenfalls gut das „Henne-Ei“-Problem. Neue Agenturen sind gerne versucht, über den niedrigsten Preis Kunden zu gewinnen. Das ist im Microstock-Bereich zwar schwer, aber Firmen wie Canstock oder Depositphotos haben gezeigt, dass auch diese Preise unterboten werden können. Wer als Agentur jedoch über den Preis in den Markt eindringen will, wird Probleme haben, schnell genügend gute Bilder zu bekommen, da Fotografen, die rechnen können, schnell merken, dass sie einerseits noch weniger verdienen als bei den etablierten Agenturen und andererseits Kunden von etablierten Agenturen zu den Billig-Newcomern abwandern, was längerfristig ebenfalls die eigenen Umsätze schmälert. Als Microstock-Agenturen Mitte der 1990er Jahre den Bildermarkt umkrempelten, gab es preislich noch einen großen Spielraum nach unten, der tatsächlich dazu führte, dass der Markt erst für neue Kunden geöffnet wurde, die sich vorher schlicht kein gekauftes Bild leisten konnten. Die Feilscherei um einige Cent bei neuen Microstock-Agenturen oder, noch schlimmer, bei Abo-Paketen bringt aber keine Neukunden, sondern gewährt nur bestehenden Marktteilnehmern einen Rabatt auf Kosten der Bildlieferanten.

Der nächste Weg scheint sehr glänzend, zumindest für die Fotografen. Einige neue Bildagenturen nehmen viel Geld in die Hand und bezahlen anfangs für jedes Bild eine „Upload-Prämie“, um so schnell ihren Bildbestand zu vermehren. das hatten sowohl Veer als auch Polylooks 2010 gemacht, die einen erfolgreich, die anderen nicht. Diese Strategie führt zwar relativ sicher zu vielen Bildern, ist aber logischerweise sehr teuer, weshalb vor allem neue Agenturen das nur schwer stemmen können.

Mindestens ebenso teuer, aber dafür von der finanziellen Belastung besser verteilt ist das Versprechen hoher Fotografen-Kommissionen. Neue Agenturen werben gerne mit 50% oder mehr Fotografenanteil, die aber nur dann fällig werden, wenn tatsächlich Bilder verkauft werden. Insofern ist das anfangs eine risikoarme Variante für neue Bildagenturen, aber falls wider Erwarten die neue Bildagentur sich doch auf dem Markt behaupten kann, wird sie die hohen Kommissionen schnell leid werden, weil sie im Gegensatz zur kurzfristigen Belastung durch zeitlich begrenzte Upload-Prämien langfristig den Agentur-Gewinn schmälern. Deshalb haben fast alle Bildagenturen im Laufe ihrer Geschichte die Fotografenanteile gekürzt. Eine Agentur, die durchschnittlich Anteile erhöht hat, ist mir nicht bekannt. Selbst Versprechen neuer Agenturen, die Kommissionen würden für immer gleich bleiben, nehme ich mittlerweile nicht mehr ernst.

Lohnt es sich für Fotografen deshalb überhaupt, Zeit in neue Bildagenturen zu investieren? Neue Agenturen behaupten oft, weitere Spieler im Feld würden mehr Fairness und bessere Umsätze bringen. Der Bildermarkt ist jedoch kein Nachfragemarkt, sondern ein Angebotsmarkt, das heißt, es müssen vor allem die Käufer zufrieden gestellt werden, durch gute Qualität und niedrige Preise, während die Lieferanten (Fotografen) kaum Ansprüche stellen können. Deshalb sorgen neue Bildagenturen meist auch nur für mehr Arbeit bei den Fotografen durch das Hochladen und die Bildkontrolle, während der Konkurrenzkampf härter wird und damit die Preise mit jeder neuen Agentur eher sinken. Das führt dann wieder zu sinkenden Fotografenhonoraren.

Mit ca. zehn Microstock-Agenturen, die sich dann durch verschiedene Stärken wie exklusive Inhalte, viel Auswahl, niedriger Preis, Service und hohe Qualität unterschieden, wäre der Bildermarkt sicher ausreichend bedient.

Wie seht ihr das? Brauchen Fotografen noch neue Bildagenturen oder sollten eher einige leise verschwinden? Und was sollten die Kriterien sein?

Stockfotografie-News 2011-06-10

Na, habt ihr sie vermisst? Hier sind sie wieder, frisch von mir aus dem Fotodschungel an die Oberfläche gezehrt: Die neusten Bildermarkt-Nachrichten.

  • Die Bildagentur Bigstock bietet jetzt gegen einen geringen Aufpreis „Pay as you go„-Käufe an. Das bedeutet, dass ein Käufer keine Credit-Pakete kaufen muss, wenn er nur ein bestimmtes Bild kaufen will. Da der Preis etwas höher ist, erhält auch der Fotograf eine höhere Summe beim Verkauf. Was ist von so einem Modell zu halten? Ich bin noch unschlüssig. Zum einen ist es ein Marketing-Werkzeug, welches vor allem Kunden anspricht, die selten ein Bild kaufen. Die aber sind finanziell kaum lohnend für Agenturen. Andererseits erzielen vor allem kleinere Agenturen damit vielleicht etwas mehr Verkäufe als sie sonst mit Credits erzielen würden. Aus Fotografensicht kann ich wenig Negatives erkennen: Der Fotograf bekommt mehr Geld bei einem „Pay as you go Verkauf“ und da eventuell ungenutzte Credits ihm sowieso nicht zugute gekommen wären, hat er auch da keinen Nachteil. Könnte natürlich sein, dass ein Bildkäufer mit Credits lieber mehr Bilder nimmt, um die Credits nicht verfallen zu lassen. Diese Strategie fährt ja Shutterstock recht erfolgreich. Was meint ihr? Gut oder schlecht für Fotografen?
  • Die Agentur Pitopia führt eine Preis-Exklusivität ein. Konkret heißt das, dass ein Bild in voller Auflösung jetzt 59,90 Euro statt 29,95 Euro kostet, wenn der Fotograf garantiert, dass das Bild nirgendwo anders für weniger als 15 Euro in voller Auflösung erhältlich ist. Etwas unglücklich finde ich die dafür gewählte Formulierung „Microstock-Exklusivität“, unter der ich mir das genaue Gegenteil vorstelle.
  • Istockphoto senkt die Fotografenhonorare… mal wieder, muss man sagen. Aber es ist geschickt gemacht, die Verwirrung ist fast perfekt: Um seine Prozentsätze zu halten, muss ein Fotograf 2012 genau so viel verkaufen, wie er 2011 verkauft hätte, wenn nicht für 2011 die Zahlen etwas nach unten korrigiert worden wären. Kompliziert? Ja. Absicht? Vermutlich.
  • Übrigens hat Dreamstime ihr strenges Upload-Limit wieder gelockert. Fotografen dürfen jetzt wieder 12 Bilder pro Tag, also 84 Bilder pro Woche hochladen statt wie vorher 35 Bilder.
  • Irritiert hat mich auch der Blogpost „Shaking The Long Tail“ vom Kollegen Paul Melcher: Darin berichtet er von der Firma Fotomoto, welche ein kostenloses Javascript-Tool anbietet, mit dem Fotografen und Designer mit einfachen Handgriffen eine E-Commerce-Funktion zu ihrer Webseite hinzufügen können, mit der Kunden Bilder lizenzieren oder als Abzüge kaufen können. Fotomoto erhält dann 15% Provision pro Verkauf. Während ich dachte, diese Möglichkeit, von Bildagenturen unabhängiger zu werden, würde große Begeisterung auslösen, schimpft er mit Argumenten, die jedem Fotografen lächerlich vorkommen müssen, der seine Bilder bisher bei Bildagenturen anbietet, vor allem im Microstock-Bereich.

Okay, was haltet ihr von all dem? Oder habe ich was vergessen?

Stockfotografie-News 2009-06-26

Es ist der letzte Freitag im Juni und die Bildagenturen waren wieder fleißig. Fangen wir an.

  • Die Bildagentur Moodboard veröffentlicht die zweite Ausgabe ihres PDF-Magazin. Wer wie ich als Bilderjunkie ständig frische Fotos braucht und nebenbei noch paar Tipps bekommen will, sollte mal reinlesen.
  • Die Microstock-Agentur istockphoto wartet diese Woche mit einer ganzen Palette an Neuigkeiten auf. Zuerst weisen sie darauf hin, dass ihr „Best Match 2.0„-Suchalgorithmus nun aktiv ist. Ich dachte zwar, der wäre vorher schon aktiv gewesen, aber kann sein, dass es nur die Testphase war. Neu ist ein „Regler“, mit dem bestimmt werden kann, wie stark die Suchbegriffe berücksichtigt werden sollen. Außerdem wird daran gearbeitet, lokale Besonderheiten der Bildkäufer besser zu berücksichtigen. Außerdem haben sie die „Vetta“-Bildkollektion mit über 35.000 Fotos gestartet, die ähnlich wie bei Fotolia die „Infinite“-Kollektion nur das Beste der Bildagentur enthalten soll. Das hat auch seinen Preis: 20-70 US-Dollar kostet dort ein Bild.
  • Google ist weiter dabei, seine Bildersuche mit neuen Technologien zu verfeinern und sorgt dafür, dass sich die Bildagenturen nicht ausruhen können. In einem „White Paper“ erklärt Google, wie sie zukünftig automatisch Inhalte auf Fotos erkennen wollen – ohne Suchbegriffe.
  • Die deutsche Bildagentur Pitopia will bald Credits einführen.
  • images.com verkauft jetzt auch knapp 1.000 Illustrationen aus dem Lexikon „Encyclopaedia Britannica“.
  • In eigener Sache: Wegen eines technischen Fehlers ging bisher das Email-Abo meines Blogs nicht. Nun aber: Wer regelmäßig die Blog-Artikel per Email erhalten will, dann diese nun in der rechten Spalte abonnieren.

Wenn ihr noch was habt, wie immer rein in die Kommentare damit. Ansonsten: Schönes Wochenende!

Antworte dem Fotograf: Erste Bildagentur-Erfahrungen

Seit einem halben Jahr beantworte ich in meiner Blog-Rubrik „Frag den Fotograf“ Fragen meiner Leserinnen und Leser. Umso mehr freut es mich, dass ich letzte Woche die erste Antwort bekommen habe von der Fotografin, mit der ich die Rubrik gestartet hatte. Sie bat mich hier um Hilfe bei der Agentursuche. Meine Tipps haben geholfen und ich möchte Ihre Mail mit Euch teilen.

„Vielleicht erinnern Sie sich? Am 15.01. haben Sie in Ihrem Blog meine Frage nach bestmöglicher Vermarktung von Tier- und Kinderfotos veroeffentlicht (RM oder RF)? Hier meine Zwischenbilanz und was ich aus den hilfreichen Anregungen für mich so „gezogen“ habe:

Die Tierfotos gehen fast ausschliesslich an eine spezielle Tierfotoagentur. Dort habe ich auf Anhieb auch gleich einige wirklich gute Verkäufe (Kalenderbilder) erzielen koennen. Zur Zeit halte ich es so, dass ich mir beim Shooting gegen Preisnachlass eine Freigabe unterzeichnen lasse und die Fotos direkt beim Sichten auswähle und auf den Server der Agentur lade. So landen die Fotos zeitnah dort und der „Stock“ wächst und wächst 🙂 Diese Agentur vermarktet RM.

Meine Kinderfotos zeigen entweder meine Kinder oder ich mache inzwischen Shootings direkt für den „Verkauf“ mit entsprechender Freigabe gegen Fotos (TfP).  Diese gehen überwiegend in den Microstock-Bereich, wobei sich dies momentan noch auf 2-3 Agenturen beschränkt, da ich zeitlich mehr nicht schaffe. Ich bin ja selbst noch im Babyjahr und mit zwei Kleinkindern „eigentlich“ voll ausgelastet.

Interessant finde ich den anscheinend sehr unterschiedlichen Geschmack des deutschen und des amerikanischen Marktes:

In „good old germany“ verkaufen sich  – zumindest ich – eher „natürliche“ Fotos, wobei es in Amerika gerne schon mal ein wenig „kitschig“ sein darf. Hier ein Foto, das sich in Deutschland wirklich gut verkauft:

2009-sam-0328-007
Das gleiche Foto hat bei einer amerikanischen Agentur noch „nix“ gebracht. Hier ein Foto, das wiederum in Amerika gut geht, in Deutschland aber ein Ladenhüter ist:

2009-sam-0328-093

Am Model kann es nicht liegen, ist nämlich das gleiche, mein süsser  Samuel 🙂

Erstaunlich ist auch, das eine grosse amerikanische Agentur Fotos ablehnte, die sich hier schon definitiv „gut“ verkauft haben. Die Geschmäcker scheinen zumindest bei der Baby-/Kinderfotografie doch sehr unterschiedlich zu sein.

Sobald meine Zeit es zulässt, plane ich eine regelmässige Belieferung der einzelnen Agenturen in folgender Aufteilung:

Baby-/Kinderfotos – Microstock bzw. Macrostock (niemals jedoch aus dem gleichen Shooting gemischt!)
Tierfotografie – spezielle Tierfotoagentur als RM
Szenen des täglichen Familienlebens (davon gibt es hier ja mit zwei Kindern und zwei Hunden genug) – Microstock“

Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit den Unterschieden des deutschen und us-amerikanischen Marktes machen können?