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Getty Connect – Wie Fotografen mit Cent-Beträgen abgespeist werden (oder gar nicht)

Die weltweit führende Bildagentur, Getty Images, ist immer für eine Überraschung gut. Erst vor paar Wochen brüskierte sie Fotografen mit einem Deal, bei dem Fotos fast verschenkt wurden. Jetzt stellt sich heraus: Getty ist schon einen Schritt weiter und verschenkt die Bilder wirklich! Oder na ja, die Agentur bekommt was, aber die Fotografen nicht.

Doch schauen wir uns die Details an:

Es geht um die API-Schnittstelle „Getty Connect„. Eine API ist eine Programmierschnittstelle, mit der webseitenübergreifend automatisiert einfach Inhalte ausgetauscht werden können. Im Falle von Getty Connect können Kunden zum Beispiel automatisiert Bildstrecken zu bestimmten Themen für ihre News-Webseiten generieren lassen, um so mehr Klicks zu bekommen. Schon im Juni 2012 stellte Getty Images „Connect“ vor und gleichzeitig eine Partnerschaft mit Yahoo, welche die Getty-Bilder gleich nutzen will. In diesem Artikel bei iStockphoto wird die Zusammenarbeit halbwegs erklärt.

Einige – sehr wichtige – Fragen bleiben jedoch unklar, auch nach der Lektüre der FAQ auf der Getty-Webseite.

  1. Zum Beispiel scheint es, als ob auch RM-Bilder dafür genutzt werden können. Das würde sich zwar mit einer eventuellen Exklusivnutzung überschneiden, aber bisher konnte ich nichts finden, wo RM-Bilder explizit von der API-Nutzung ausgeschlossen werden.
  2. Außerdem redet Getty Images davon, dass „neue Märkte“ erschlossen werden würden und so weiter, aber solche Bildermarkt-Phrasen glaube ich schon lange nicht mehr.
  3. Es ist als Fotograf auch nicht möglich, die Teilnahme am Connect-Programm zu verweigern. Das heißt, jeder, der Bilder bei Getty Images hat, kann davon betroffen sein. Das betrift zum Beispiel auch iStock-Bilder aus der Vetta- oder E+-Kollektion.
  4. Die Fotografen sehen auf der Abrechnung nicht, welche Bilder gezeigt wurden, da zur Zeit nur die „Yahoo order number“ als Identifikationsmerkmal angezeigt wird. Es besteht aber die Möglichkeit, sich mehr Informationen als unformatierte Textdatei runterzuladen, wo dann unter anderem auch die Fotonummer und der Bildtitel erwähnt werden.

Viel wichtiger ist aber die Frage der Bezahlung: Was kriegen die Fotografen dafür? Spannenderweise wird es genau hier mysteriös. Das „Getty Connect“-Programm soll neben den Bildern Werbung einblenden und je nach Anzahl der Klicks auf die benutzten Bilder sollen sich die Agentur und die Fotografen die erzielten Werbeeinnahmen teilen. Erster Kritikpunkt: Nach welchem Prozentschlüssel die Einnahmen verteilt werden, wird nicht genannt, bei „royalty rate“ wird nur „varies“ angegeben. Die Vermutung liegt nahe, dass die ansonsten üblichen Kommissionen verwendet werden, also z.B. 20% Fotografenanteil bei der Flickr-Kollektion oder RF-Bildern je nach Vertrag und so weiter, aber es würde mich auch nicht wundern, wenn Getty einfach entscheidet, z.B. nur 10% auszuschütten.

Ein mutmaßliches Beispiel für den Connect-Deal mit Yahoo: Eine Klickstrecke mit Bildern von Getty Images, neben denen Werbung eingeblendet wird:

Jetzt, nach ca. sieben Monaten, sind bei den Getty-Fotografen die ersten Abrechnungen eingegangen mit Einnahmen aus „Getty Connect“. In einer geschlossenen iStockphoto-Facebook-Gruppe berichteten Fotografen, dass sie haufenweise Abrechnungen pro Bild für ca. 0.01 $ sehen, ganz wenige haben auch 0.02 $ auf der Abrechnung, der bisher höchste gemeldete Betrag ist 4 US-Cent. Viel schlimmer ist aber, dass zwischen den ganzen 0.01 $-Meldungen oft ebensoviele 0.00 $-Meldungen auftauchen. Im Contributors-Forum von Getty berichten einige, dass sie über 100 dieser Null-Cent-Meldungen auf ihren Abrechnungen gehabt hätten. Ja, Null! Das scheint kein Technik-Fehler zu sein, denn in einer Getty-Email heißt es:

„[…] the images that are showing an 0 amount were were not viewed enough times to reach the .01 cent minimum threshold.“

Das heißt grob übersetzt: „Ja, wir haben deine Bilder benutzt, aber bezahlen dich nicht!“ Oder anders formuliert: Getty Images hat endlich einen Weg gefunden, um Geld mit Fotos zu verdienen, während die Fotografen nur mit einem Cent oder im Extremfall eben gar nicht bezahlt werden. Damit das fast unmöglich zu kontrollieren ist, werden auch die Klicks und eben die Kommissionsrate nicht angegeben.

Ultimago verschenkt auch Bilder

Weil es so schön passt, gleich eine Nachricht, welche in eine ähnliche Kerbe schlägt: PantherMedia hat in Zusammenarbeit mit Fineartprint die Plattform Ultimago angekündigt, bei der Fotos verschenkt werden. Auch hier ist die Rede von „Zweitverwertung“, „Upselling“ und „Cross-Selling“, aber unter dem Strich werden die Bilder verschenkt. Das mag für die beteiligten Agenturen lukrativ sein, für Fotografen vermutlich nicht. Panthermedia sagt, dass Fotografen anteilig je nach Anzahl der Downloads an eventuellen Werbeeinnahmen und anderen Umsatzmöglichkeiten beteiligt werden. Ich schreibe bewusst nicht „mit 50%“ beteiligt, denn wir alle wissen, wie gerne diese Kommissionen in der Vergangenheit nach unten korrigiert wurden. Diese „anderen Umsätze“ sollen zum Beispiel durch „Premium-Mitgliedschaften“ reinkommen, mit denen Firmen sich die kommerziellen Nutzungsrechte für die kostenlosen Bilder kaufen können (Ja, mir ist die Ironie von „kostenlose Bilder kaufen“ bewusst). Die Bilder müssen selbst von Fotografen dort hochgeladen werden, eine Zwangsteilnahme für bisher nicht verkaufte PantherMedia-Bilder ist momentan nicht geplant.

Der geplante Preis liegt aktuell bei 49 Euro pro Monat oder 499 Euro im Jahr. Für den Preis könnte man sich bei Shutterstock über 12 Bilder im Monat in mittlerer Größe runterladen oder 25 Bilder pro Monat bei Fotolia. Insofern verstehe ich nicht, welche Firmen blöd genug sind, das Geld für Ramsch-Fotos auszugeben, die „nicht gut genug für den Verkauf über Bildagenturen“ (Zitat PantherMedia) sind? Fotografen, die freiwillig bei Ultimago teilnehmen, sollten berücksichtigen, dass sie mit ihrem „Schrottbildern“ dann auch in der Google-Suche erscheinen, wenn nach dem Fotografennamen suchen. Ohne Alias ist sicher nicht die beste Werbung für einen Fotografen.

Zu bedenken ist, dass die Privatkunden auf der Seite nichts zahlen müssen und damit eine weitere Konkurrenz zu den Bezahlangeboten im Internet aufgebaut wird. Die Qualität wird anfangs sicher deutlich niedriger als bei den Bezahlagenturen liegen, aber genauso hatte Microstock auch angefangen. PantherMedia argumentiert, dass Kunden, die ein gewünschtes Bild nicht finden, es dann wahrscheinlich bei PantherMedia kaufen, aber andersrum gäbe es genug Leute, die sich dort den Kauf sparen können, wenn sie ein passendes Bild gratis finden.

Man könnte auch diese Meldung anders formulieren: Im Grunde ist das der Versuch, eine Abo-Webseite aufzubauen, bei dem den Fotografen keine minimale Download-Honorare garantiert werden, sondern diese im Gegenteil an den Risiken der Geschäftsplattform mit beteiligt werden. Läuft sie schlecht, gibt es kein Geld – trotz verwendeter Fotos. Das scheint wohl der neue Agentur-Trend zu sein.

Der nächste Schritt wäre das Bezahlen für bessere Position in den Suchergebnissen oder pro Bild-Upload. Ach was, das gibt’s es auch schon: Um Bilder in die Kollektion „Photographer’s Choice“ hochzuladen, müssen Fotografen pro Bild 50 US-Dollar bezahlen. Welche Agentur dahinter steht? Getty Images natürlich!

Was sagt ihr? Wohin wird die Reise gehen?

Geld verdienen mit Pinterest am Beispiel von Spotify

Beim Thema Urheberrecht schlagen die Wellen derzeit hoch.

So wundert es nicht, dass die Kommentare zu meinem Artikel über die systematischen Urheberrechtsverletzungen bei Pinterest sehr heftig ausfallen. In beide Richtungen.


Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen, da ich als Digital Native einerseits mit digitalen Nutzungsrechten andererseits mein Geld verdiene.

Einer der Argumentationsstränge zum Thema Pinterest ist ja, dass die Daten nur digital vorliegen und man sie deshalb nicht „stehlen“, „rauben“ oder „klauen“ könne, sondern nur „kopieren“. Da würde keinem ein Schaden entstehen und deshalb sei das alles halb so wild. Exemplarisch dafür steht zum Beispiel dieser Kommentar:

„Es gibt nur Kopien. Der Computer kann nicht mal “öffnen” ohne Kopien. Die Kopie ist der natürliche Zustand digitaler Daten.

Es ist also ziemlich zwecklos, sich über digitale Kopien aufzuregen. Sie sind unvermeidlich und jedes Geschäftsmodell, dass auf der Einschränkung von Kopien aufbaut, muss notwendigerweise scheitern.

Das ist sicher nicht schön zu hören, aber irgendwer muss euch doch mal dezent darauf hinweisen.

Gesetze im Staat werden nicht dauerhaft gegen Produktivitätssteigerung erlassen. Und wer gegen Kopien ist, muss Rechner wegschmeißen. Das kann sich aber keiner leisten. So wichtig sind Fotograf_innen nicht.“

Dabei zieht die Analogie nicht.

Denken wir mal an ein Buch. Niemand fordert ernsthaft, dass gedruckte Bücher nichts mehr kosten dürften, weil da nur Informationen drin stünden. Bücher werden verkauft und gekauft und alle finden das normal. Nun nimmt aber die Verbreitung von Ebooks zu. Diese Bücher sind komplett digital und durch eine Kopie verliert die Ausgangsdatei nichts von ihrem Nutzwert. Nach der Logik der Pinterest-Fans und Urheberrecht-Piraten würden digitale Bücher nun für jeden kostenlos sein müssen, weil… siehe oben. Liegt der Unterschied zwischen dem Ebook und dem gedruckten Buch demnach nur in dem Papier, auf dem es gedruckt ist? Ist nur das Papier Geld wert? Der Autor, ohne den es weder Buch noch Ebook geben würde, kommt da überhaupt nicht vor, was – zumindest mir – zeigt, dass dieser Denkweise irgendetwas fehlt.

Aber lassen wir das.

Nehmen wir an, Pinterest wird nicht so ohne weiteres verschwinden. Wenn den Fotografen vorgeworfen wird, sie sollten sich gefälligst der neuen Zeit anpassen, möchte ich ein weiteres Denkmodell vorschlagen.

Vor paar Wochen startete der Musikstreaming-Dienst Spotify in Deutschland. Es gibt vergleichbare Anbieter, aber bleiben wir der Einfachheit halber bei Spotify.

Spotify basiert auf einem Freemium-Geschäftsmodell, wie auch Skype, Flickr oder XING. Das bedeutet, die Basis-Funktionen des Dienstes können kostenlos genutzt werden, wer Zusatzfunktionen oder Werbefreiheit haben will, zahlt eine monatliche Gebühr, bei Spotify 4,99 Euro oder 9,99 Euro im Monat.

Was hat das hier im Artikel zu suchen? Ganz einfach. Von digitaler Musik hieß es schon lange, dass sie sich nicht verkaufen lasse. Sie könne auch nicht geklaut werden, weil es alles nur Kopien seien. Erst kam Napster, dann Emule, Soulseek, Piratebay und wie die Filesharing-Netzwerke alle hießen. Trotzdem verdient sich Apple mit iTunes eine goldene Nase und auch bei Spotify scheint es möglich zu sein.

Die t3n hat vor einer Weile eine Beispiel-Rechnung über die Lukrativität von Spotify aufgestellt, die eher negativ ausfiel, aber in den Kommentaren zum Artikel wird das deutlich relativiert. Ich selbst habe mir nach drei Wochen Spotify-Gratishören einen Premium-Account gekauft, weil ich die Musik beim Arbeiten ohne Werbung und in besserer Soundqualität (320 kbs statt nur 160 kbs) hören will. Die Künstler, die bei Spotify gehört werden können, bekommen vom Kuchen auch etwas ab. Auf den ersten Blick wirken ca. 4 Cent pro gestreamten Album (für Musiker mit eigenem Label), aber das wären ca. 78 Album-Plays, bis das gleiche wie für einen CD-Verkauf verdient worden wäre. Das klingt nicht mehr ganz so unrealistisch, zumal berücksichtigt werden muss, das die Spotify-Hörer für ihr Geld die Songs nur so lange besitzen, wie sie ihr Abonnement haben. Beim CD-Kauf könnten sie die CD weiterverkaufen, verschenken oder deutlich häufiger hören als 78 Mal, ohne den Künstler extra bezahlen zu müssen. Insgesamt ist das Abrechnungsmodell vielleicht noch nicht perfekt oder 100% fair, aber die Urheber bekommen Geld. Immerhin.

Anders sieht es bei Pinterest aus. Dabei gäbe es keinen Grund, das Spotify-Freemium-Modell nicht auf den Bildertausch-Service zu übertragen.

Stellen wir uns das vor:
Pinterest bietet einen kostenlosen Gratis-Dienst, der mit Werbeinblendungen und -anzeigen ist und außerdem die Anzahl der Pin-Boards und der gesamten eigenen Pins limitiert und nur eine begrenzte Zahl an „Re-Pins“ pro Monat erlaubt. Gegen Zahlung von 9,99 Euro im Monat fällt die Werbung weg und die Einschränkungen ebenso. Im Gegenzug würde jeder Urheber eines gepinnten Bildes pro „Pin“ 2 Cent erhalten. Das ist jetzt noch nicht komplett ausgereift, aber warum sollte es nicht möglich sein? Spotify, Flickr und viele andere Dienste etc. zeigen doch, dass Kunden durchaus bereit sind, Geld für urheberrechtlich geschützte Werke auszugeben, wenn das Angebot stimmt.

Interessanterweise gibt es Abo-Modelle für Bilder bei Bildagenturen auch schon lange, aber kein Privatnutzer kommt auf die Idee, ein solches Abo abzuschließen, um diese Bilder bei Pinterest einstellen zu können. Vielleicht sollten Bildagenturen Web-Auflösungen von Bildern mit dezenten Wasserzeichen für die Privatnutzung im Internet als günstiges Jahresabo anbieten?

Hier schließt sich übrigens der Kreis: Für gedruckte Bücher gibt es seit langem ein sehr ähnliches System: Benutzer können beliebig viele Bücher gratis ausleihen, wenn sie eine monatliche Gebühr bezahlen. Das nennt sich dann Bibliothek.


Wenn es mit Büchern und Musik funktioniert, warum dann nicht auch für Bilder? Was meint ihr?

Gratis-Ebook: Aktuelle Modelhonorare für Stockfotos

Vor paar Monaten erhielt ich das Buch „Honorare und Recht für Models„*. Ich staunte nicht schlecht, dass dort als Tagesgage für ein Stockmodel 800 Euro oder mehr aufgeführt wurden. Zwar weiß ich, dass das die Preise sind, die klassische Model-Agenturen verlangen, aber genau das ist einer der Gründe, warum ich nicht mit diesen Model-Agenturen arbeiten kann. Weil das Buch den Anschein erweckt oder die Hoffnung hat, analog zur MFM-Liste für Bildhonorare ein Standard-Nachschlagewerk zu sein und behauptet, nur die tatsächlichen Marktpreise wiederzugeben, wollte ich es genauer wissen.

Ich schrieb 50 Fotografinnen und Fotografen an, die ich kannte und von denen ich wusste, dass sie des öfteren Models für Bildagenturen fotografieren. Davon haben 30 geantwortet. Basierend auf dieser Umfrage habe ich ein kleines Ebook als PDF mit dem Titel „Analyse: Modelhonorare für Stockfotos – Aktuelle Marktwerte für Deutschland“ verfasst, was ich hier als kostenloser Download anbiete:

(auf das Bild klicken zum Downloaden oder auf dem Bild rechte Maustaste und „Ziel speichern unter…“ wählen)

In dieser PDF findet ihr alle meine Fragen zu Model-Honoraren und die jeweiligen Antworten der Kollegen darauf. Neben einer grafischen Übersicht habe ich versucht, die Antworten zu analysieren und zum Beispiel geschaut, welche Kriterien die Höhe des Modelhonorars beeinflußen. Wie erwartet liegen die tatsächlichen Honorare für Stockmodels deutlich unter den zitierten Summen des Buches.

Da in Deutschland nicht so gern über Geld geredet wird, bevorzugten es die meisten Fotografen, anonym zu bleiben. Da ich jedoch die Arbeiten aller angeschriebenen Fotografen kenne, kann ich mir zumindest sicher sein, dass alle Teilnehmer genug Model-Erfahrung hatten, um die Umfrage fundiert zu beantworten.

Ein kleines Manko bisher ist, dass die meisten Fotografen nur im Microstock-Bereich ihre Bilder anbieten. Hier wäre es langfristig interessant zu sehen, ob im Macrostock-Bereich höhere Model-Honorare gezahlt werden und in welchen Bereichen sich diese bewegen.

Deswegen bin ich auch auf Eure Kommentare gespannt. Ist das Ebook hilfreich für Euch? Wie viel zahlt ihr Euren Stockmodels?

* Affiliate-Link

Bezahlung der Models

Wie läuft das? Oft bekomme ich Mails von anderen Fotografen, wie ich meine Models bezahle. Um einige der Fragen zu beanworten, stelle ich in diesem Beitrag einige Wege vor, wie Models bezahlt werden. Ich versuche, den Beitrag allgemeiner zu halten und auch die Honorierungen anderer Fotografen mit einfließen zu lassen.

Grundsätzlich lassen sich in der Stockfotografie drei Arten der Bezahlung unterscheiden:

1. Kommerzielles TfP (Bezahlung durch Fotos)
2. Gemeinsames Risiko (Prozentuale Beteiligung)
3. Cash auf die Kralle (Stundenlohn oder Pauschale)

1. Kommerzielles TfP (Bezahlung durch Fotos)
TfP bedeutet „Time for Prints“ oder frei erklärt: Der Fotograf und das Model bringen ihre Zeit für das Fotoshooting ein und beide bekommen danach als Bezahlung die fertigen Fotos. Mittlerweile gibt es auch „TfCD“ oder „TfDVD„, wo das Model die Fotos nicht mehr als Abzug, sondern nur noch als CD oder DVD bekommt.

In der Regel sind diese Vereinbarungen nichtkommerziell. Es gibt aber Stockfotografen, die sich im Modelvertrag alle kommerziellen Nutzungsrechte für die Fotos sichern. Das Model darf die Fotos nur unkommerziell nutzen. Wenige – ich behaupte mal, nur die unerfahrenen – Fotografen haben in ihren Verträgen stehen, dass sowohl Fotograf als auch Model die Fotos kommerziell nutzen können. Für die Nutzung in Bildagenturen sind solche Verträge jedoch schwierig, da der Fotograf dann nicht sicher sein kann, dass seine Fotos „frei von Rechten Dritter“ sind.

Ich selbst nutze diese Zahlungsvariante eher selten und auch nur, falls das Model auf mich zukommt und um Fotos bittet. Auch andere Kriterien spielen eine Rolle, die ich unten erläutere.

2. Gemeinsames Risiko (Prozentuale Beteiligung)
Bei dieser Zahlungsvariante werden die Models an den Verkaufserlösen der Fotos beteiligt.
Im Model-Vertrag wird hier festgehalten, wieviel Prozent das Model von dem Gewinn erhält. Das beginnt bei 10%, aber es gibt auch Models, die 80% fordern – meist aber nicht erhalten. Üblich sind 25% bis 50%. Der genaue Satz richtet sich unter anderem nach den schon erwähnten Kriterien.

Bei mehreren Models auf einem Foto ist empfehlenswert, den Prozentsatz zu reduzieren. Sonst kann es passieren, dass der Fotograf drei Models je 40% zahlen muß und im Grund mehr ausgibt als einnimmt.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Fotograf kein Risiko eingeht, wenn sich die Fotos nicht so gut verkaufen wie erhofft. Das ist besonders bei „verrückteren“ Shooting-Ideen sinnvoll, für die der Fotograf keine Erfahrungen im Verkauf hat. Für mich ist ein netter Nebenaspekt auch, dass ich öfter mit den Models in Kontakt stehe.

Das kann aber auch ein Nachteil sein. Der Verwaltungsaufwand ist viel größer, da jeder Verkauf gut nachgewiesen werden muss und die Models dann Rechnungen stellen müssen bzw. Gutschriften erhalten. Vor allem für die Microstock-Fotografie ist das sehr unhandlich, bei Mid- und Macrostock-Agenturen aber gut machbar. Viele Fotografen nutzen für die Verwaltung Datenbanken wie Access oder einfach eine gut sortierte Excel-Tabelle. Meine Excel-Tabelle listet z.B. die Dateinamen der Fotos, Verkaufsdatum, die Agentur, den Kunden (wenn bekannt), den Preis der Agentur, meinen Anteil und den Anteil der Models. Mit Visual Basic-Skripten lassen sich die Prozente automatisch per Knopfdruck ausrechnen. Damit nicht an zig Models monatlich einige Euro überwiesen werden müssen, bieten sich gesammelte Auszahlungen pro Quartal an.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Zahlungen theoretisch endlos laufen und so mit immer mehr Models der Verwaltungs- und Zeitaufwand exponential steigt. Einige Fotografen lösen das, indem sie die Zahlungen zeitlich begrenzen (z.B. auf ein oder zwei Jahre), andere Fotografen setzen eine Obergrenze, bis zu welchem Betrag sie die Beteiligung auszahlen.

Ein Vertrauen seitens des Models in den Fotografen und Geduld muss natürlich vorhanden sein. So kommt es in der Praxis vor, dass ein Foto in einer Zeitschrift gedruckt – und vom Model gesehen wird – und der Fotograf die Abrechnung der Agentur aber erst danach erhält und das Model informieren kann.

Diese Zahlungsweise habe ich am Anfang sehr häufig genutzt, da ich meine Investitionen damit gering halten konnte. Die Nachteile sind in der Praxis aber schnell bewußt geworden, sodaß ich nun öfter einen Stundenlohn vereinbare. Für „Testshootings“ mit neuen Models oder ungewöhnlichen Typen finde ich diese oder die erste Variante aber immer noch praktisch.

3. Cash auf die Kralle (Stundenlohn oder Pauschale)
Wie der Name schon sagt, gibt es hier Bargeld. Entweder wird mit dem Model ein Stundenlohn vereinbart oder eine Pauschale, z.B. für einen halben Tag (4 Stunden) oder eine Tagesgage (8 Stunden). Die Werte können hier stark schwanken und reichen von 10 bis 80 Euro die Stunde oder 100 bis 500 Euro Tagesgage. Was vereinbart wird, hängt wieder von verschiedenen Kriterien ab.
Wichtig ist, dass im Vertrag festgehalten wird, für was der Betrag gezahlt wird (in der Regel für „Fotos vom [DATUM]“) und eine Quittung geschrieben wird, um es in der Buchhaltung richtig abzurechnen.

Wie machen es die Profis?
Yuri Arcurs, ein Microstock-Fotograf, welcher sich rühmt, der Fotograf mit den meistverkauften Bildern der Welt zu sein, zahlt seinen Models 50 bis 100 US-Dollar pro Stunde. Vorher verlangt er jedoch von neuen Models, dass sie drei Fotoshootings kostenlos machen, da die Einarbeitung Zeit kostet.

Der ebenfalls sehr erfolgreiche Microstock-Fotograf Andres Rodriguez arbeit auf TfP-Basis und zahlt seine Models mit 10 ausgedruckten Fotos bzw. einem Fotobuch mit 20 Fotos aus und den bearbeiteten Fotos auf CD.

Der Fotograf und Inhaber der Bildagentur Adpic, Martin Baumann, zahlt seinen Models “ je nach Thema, Verwertbarkeit sowie Zeitaufwand der Aufnahmen“ 30 bis 100 Euro.

Der Stockfotograf Ron Chapple bezahlt seine Models aus buchhalterischen Gründen per Scheck. Die Höhe des Honorars hängt vom Alter und der Erfahrung der Models und dem Budget für das entsprechende Shooting ab.

Einige Werbefotografen lassen für Aufträge auch die Kunden das Model bezahlen, sichern sich aber das Recht zu, zusätzliche Aufnahmen (sogenannte „Outtakes„) für Bildagenturen nutzen zu dürfen.

Kriterien für die Bezahlung
Wieviel ein Model verlangen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt vor allem, wie viel Erfahrung das Model vor der Kamera hat. Auch nachweisbares Schauspieltalent kann honoriert werden. Je gefragter der Look des Models ist, sowohl vom Fotografen als auch von Bildagentur-Kunden, desto mehr ist der Fotograf bereit zu zahlen.

Je mehr Models bei einer Fotosession mitmachen, desto geringer ist oft die Gage pro Model. Zum einen sind die Models dann nicht ständig Hauptbestandteil der Fotos und zum anderen gibt es mehr Wartezeiten, wenn Einzelaufnahmen der anderen Models anstehen. Viele Fotografen handeln auch Halbtages- oder Tagesgagen aus, bei denen der Stundensatz in der Regel niedriger ist als bei einer Buchung von z.B. zwei Stunden.
Wenn das Model einige oder sogar alle bearbeiteten Fotos eines Shootings erhält, fällt die Bezahlung meist geringer aus (siehe 1.). Dazu kommen noch viele andere Faktoren wie beispielsweise Anfahrtsweg oder Übernachtungskosten.

Unterm Strich
Letztendlich ist alles Verhandlungssache zwischen dem Fotograf und dem Model. Wenn ein Fotograf unbedingt mit einem Model arbeiten will, wird er hohe Gagen akzeptieren, umgekehrt geben sich Newcomer-Models gerne mit Fotos zufrieden, wenn die Bilder des Fotografen die Sedcard oder das Portfolio des Models aufbessern. Dazwischen ist – mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen – alles möglich.

Wie handhabt ihr als Fotografen die Bezahlung Eurer Models? Worauf achtet ihr? Was sind Eure Erfahrungen als Model?

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