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Shutterstock senkt Eintrittshürde für Fotografen

Die Bildagentur Shutterstock war eine der letz­ten, die eine rela­tiv stren­ge Hürde für neue Fotografen auf­recht hielt.

Bewerber muss­ten 10 Bilder hoch­la­den, davon muss­ten 7 ange­nom­men wer­den, um als Shutterstock-Lieferant akzep­tiert zu wer­den.

Damit ist jetzt Schluss.

Ab sofort reicht es, wenn eins die­ser zehn Bilder durch die Bildprüfung kommt.

Die bis­he­ri­gen Shutterstock-Fotografen reagie­ren dar­auf mit etwas Murren im Forum, aber die­se über­ra­schen­de Entscheidung ist nach­voll­zieh­bar.

iSto­ck hat­te vor zwei Jahren schon die Schleusen geöff­net und dort wird jetzt so gut wie jedes Bild akzep­tiert, wenn nicht gera­de der gro­ße Daumen vor der Linse hing.

Der offi­zi­el­le Hintergrund ist, dass Shutterstock akzep­tier­ten Fotografen mit den inter­nen Blogs, Foren und Email-Newsletter bes­ser dabei hel­fen kann, ver­käuf­li­che­re Fotos zu lie­fern.

Inoffiziell ist es sicher eine Reaktion dar­auf, dass die Menge der Bilder bei der Bewertung einer Bildagentur eine Rolle spielt, ob das nun gerecht­fer­tigt ist oder nicht. Ich ver­mu­te auch, dass Shutterstock den „Long Tail“ des Marktes bes­ser bedie­nen will und qua­li­ta­tiv schlech­te­re neue Bilder ansons­ten durch cle­vere Algorithmen kaum in den Suchen auf­tau­chen lässt.

shutterstock preview 03-12-2015 13-30-21Ende Oktober hat Shutterstock auch ein neu­es Wasserzeichen vor­ge­stellt und eine Zoom-Funktion ein­ge­führt, mit der Bildkäufer in das Bild rein­zoo­men kön­nen, um selbst die Qualität zu kon­trol­lie­ren.

Der Stockfotograf Michael Zwahlen ver­mu­tet des­halb, dass bei­des zusam­men zu einer weni­ger stren­gen Ablehnungspolitik füh­ren könn­te, weil die Käufer vor­her bes­ser sehen kön­nen, was sie kau­fen. Das wür­de die Bildermenge zusätz­li­ch erhö­hen.

Wie seht ihr das?

Falls ihr euch noch nicht bei Shutterstock bewor­ben habt, könnt ihr das auch über mei­nen Affiliate-Link hier machen.

Emails bei Fotografen-Bewerbung für Shutterstock verstehen

Wer sich als Fotograf bei der Bildagentur Shutterstock* bewirbt, muss zuer­st durch ein Auswahlverfahren. Das ist nicht immer ganz ein­deu­tig, wie mir eini­ge Mails zei­gen von Fotografen, die sich über hohe Ablehnungen wun­dern. Shutterstock ver­langt, dass der Fotograf zehn Bilder ein­sen­den muss, von denen min­des­tens sie­ben Fotos akzep­tiert wer­den müs­sen, damit er bei Shutterstock hoch­la­den darf. Die Email, wel­che über die Annahmen und Ablehnungen der Bewerbungsbilder infor­miert, ist lei­der etwas ver­wir­rend, des­we­gen hier eine kur­ze Erklärung:

Von den geschick­ten zehn Bildern müs­sen sie­ben oder mehr ange­nom­men wer­den. Wenn jedoch weni­ger als sie­ben Fotos akzep­tiert wur­den, steht neben jedem Foto „not appro­ved“. Das bedeu­tet jedoch nur, dass die Bewerbung ins­ge­samt noch kei­nen Erfolg hat­te. Erst die letz­te Spalte, in der ent­we­der „7 of 10 must be appro­ved“ oder eine ande­re Meldung steht, ver­rät, ob das Bild ange­nom­men wur­de oder nicht. Bei „7 of 10 must be appro­ved“ wur­de das Bild ange­nom­men, bei ande­ren Meldungen wie „Noise“, „Focus“ oder „Poor Lighting“ sind das die Ablehnungsgründe, wes­halb die Fotos nicht akzep­tiert wur­den.

Update: Da es eini­ge Unklarheiten gab, noch mal zur Klarstellung: Es müs­sen min­des­tens 7 von 10 Bewerbungsfotos akzep­tiert wer­den, damit die Bewerbung erfolg­reich ist. Wenn weni­ger Fotos akzep­tiert wer­den (die akzep­tier­ten Fotos erkennt man an der letz­ten Spalt, in der dann „7 of 10 must be appro­ved“ steht), wer­den die­se bei der ers­ten Bewerbung nicht ange­nom­men, kön­nen aber bei der zwei­ten Bewerbung wie­der mit­ge­schickt wer­den. Details auch in den Kommentaren unter dem Artikel.

Gesamt kann das dann so aus­se­hen:

Bei der gezeig­ten Mail wur­den also 6 von 10 Bildern ange­nom­men, wes­halb die Bewerbung als Ganzes nicht erfolg­reich war. Aber der Fotograf kann beim nächs­ten Versuch die sechs ange­nom­me­nen Bilder noch mal schi­cken und vier zusätz­li­che neue Motive mit­lie­fern. Da die Annahmen und Ablehnungen jedoch je nach Bildredakteur sub­jek­tiv sein kön­nen, kann es pas­sie­ren, dass beim zwei­ten Versuch auch von den zuvor ange­nom­me­nen Bildern eini­ge abge­lehnt wer­den.

Ein wei­te­rer häu­fi­ger Fehler ist, dass nicht gen­au 10 Fotos hoch­ge­la­den wer­den, son­dern nur neun oder mehr als zehn.

Wie oft muss­tet ihr euch bewer­ben, um von Shutterstock als Fotograf akzep­tiert zu wer­den?

* Affiliate

Kostenlose Foto-Kritiken in der Serie „Pimp My Stock!“

Seit einer Weile bie­te ich schon kos­ten­lo­se Foto-Kritiken in mei­ner Rubrik „Pimp My Stock!“ an.

Bisher hat­te ich noch kei­ne offi­zi­el­le Anleitung geschrie­ben, wie die Teilnahme funk­tio­niert, des­we­gen hole ich das heu­te nach.


Was ist „Pimp My Stock!“?

In die­ser Serie bespre­che ich gra­tis ein­ge­sand­te Leserfotos und bewer­te sie basie­rend auf mei­ner pro­fes­sio­nel­len Erfahrung. Dabei geht es weni­ger dar­um, ob ein Foto „schön“ oder „gelun­gen“ ist, son­dern viel­mehr dar­um, ob das Foto Verkaufschancen bei Bildagenturen (oder auf ande­ren Wegen) hät­te und was der Fotograf tun könn­te, um die­se Verkaufschancen zu erhö­hen, zum Beispiel durch ande­re Motive, Aufnahmetechnik oder Bildbearbeitung.

Je nach­dem, was der Fotograf wünscht, kann ich mein Augenmerk auf gezielt auf bekann­te Probleme rich­ten, zum Beispiel, war­um bestimm­te Fotos von Bildagenturen abge­lehnt wur­den.

Ich wer­de bei den Bildbesprechungen nicht nur „Honig ums Maul“ schmie­ren, son­dern ehr­li­ch Kritikpunkte auf­zei­gen, aber natür­li­ch auch bis­her gelun­ge­ne Elemente erwäh­nen.

Das Ganze kann als eine Art kos­ten­lo­se Portfolio-Sichtung gese­hen wer­den, für die ande­re Experten hohe Summen ver­lan­gen oder bei denen lan­ge Wartezeiten ent­ste­hen.

Wie kann ich an „Pimp My Stock!“ teil­neh­men?

Wer mit­ma­chen will, schickt mir am bes­ten eine Email, in der ihr Euch vor­stellt, z. B. wie lan­ge ihr Fotos macht, mit wel­cher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos ver­kauft und was ihr in Zukunft in der (Stockfotografie-)Branche vor­habt. Es soll­te auch deut­li­ch her­vor­ge­hen, dass ihr Eure Bilder für „Pimp My Stock!“ ein­rei­chen wollt. Im Anhang schickt bit­te 5–10 (nicht mehr!) Fotos in klei­ner Auflösung (ca. 600x800 Pixel).

Wer will, kann sei­ne Bilder ger­ne mit Wasserzeichen ver­se­hen.

Was ist son­st noch zu beach­ten?

Eine anony­me Teilnahme ist auch mög­li­ch, jedoch soll­tet ihr mir gegen­über auch euren Namen nen­nen und dar­auf hin­wei­sen, dass die­ser dann nicht im Blog erschei­nen soll. Die Angabe eines Pseudonyms oder Künstlernamens ist eben­falls mög­li­ch. Wenn ihr wollt, ver­lin­ke ich auch auf Eure Webseite oder Euer Portfolio.

Mit der Bewerbung für die Serie „Pimp My Stock!“ erklärt ihr Euch damit ein­ver­stan­den, dass ich Eure Fotos in mei­nem Blog in der Rubrik „Pimp My Stock!“ ver­öf­fent­li­chen darf.

Wenn ihr erkenn­ba­re Personen foto­gra­fiert habt, müsst ihr vor der Teilnahme die Erlaubnis der Personen zur Veröffentlichung ein­ho­len.

Was habe ich von der Teilnahme?

Wenn ihr Eure Fotos für die „Pimp My Stock!“-Serie ein­sen­det, erhal­tet ihr ehr­li­ches, kos­ten­lo­ses und kon­struk­ti­ves Feedback, mit dem ihr viel bes­ser ein­schät­zen könnt, ob Eure Fotos rea­lis­ti­sche Chancen im Bildermarkt haben als wenn ihr nur Freunde und Verwandte fra­gen wür­det. So ver­mei­det ihr unnö­ti­ge Ablehnungen bei Bildagenturen, spart Geld und ver­bes­sert Eurer Können.

Ein net­ter Nebeneffekt: Ab und zu bekom­me ich auch Anfragen, ob die gezeig­ten Fotos ver­käuf­li­ch sind, wel­che ich dann an die jewei­li­gen Fotografen wei­ter­lei­te.

Ich freue mich auf Eure Einsendungen.

Wer will über Flickr zu Getty Images?

Schon vor Wochen habe ich im Blog gefragt, ob sich der Vertrag mit Getty Images lohnt, nach­dem die welt­weit größ­te BIldagentur ange­fan­gen hat, in der Fotocommunity Flickr nach neu­en Fotografen zu suchen. Wer die­se Frage für sich mit „ja“ beant­wor­tet hat und wen die bis­he­ri­gen ers­ten Verkaufszahlen über­zeu­gen konn­ten, bekommt nun eine wei­te­re Möglichkeit, sich Getty Images zu prä­sen­tie­ren, anstatt wie bis­her dar­auf war­ten zu müs­sen, von denen ent­deckt zu wer­den.

Ambitionierte Amateur-Fotografen kön­nen sich und ihre Bilder nun auch aktiv bei Getty Images bewer­ben, um Teil der Flickr Kollektion zu wer­den. Nach Anmeldung auf Flickr kön­nen Fotografen ein Portfolio mit ihren zehn bes­ten Bildern – Fotos oder Illustrationen – erstel­len und den Link an myflickr@gettyimages.com sen­den. Getty Images prüft dar­auf­hin die Aufnahmen und ach­tet auf Stil, tech­ni­sche Umsetzung und Thema. Bei Gefallen wird den Fotografen ein Vertrag mit Getty Images ange­bo­ten.

Das ist noch nicht alles. Es gibt einen wei­te­ren Weg. Dazu las­se ich am bes­ten Andy Saunders, Vizepräsident des Kreativbereichs von Getty, zu Wort kom­men:

Flickr-Getty-Images-Call-for-Artists

Seit der Bekanntgabe unse­rer Partnerschaft haben Bildredakteure bei Getty Images das ‚Flickrversum’ durch­fors­tet, um die pas­sen­den Fotos für die Kollektion zu fin­den. Doch auch wenn wir wis­sen, wie viel Spaß ihnen die Durchsicht Ihrer Arbeiten macht: Die schie­re Menge – mehr als vier Milliarden Fotos – kann einen gele­gent­li­ch doch ein wenig über­wäl­ti­gen!

Bisher konn­ten Flickr-Mitglieder zwar über ihre Account-Einstellungen signa­li­sie­ren, dass sie von Getty Images kon­tak­tiert wer­den möch­ten, jedoch nicht aktiv Foto-Portfolios zur Begutachtung vor­le­gen. Aber da wir wis­sen, wie sehr die mehr als 40 Millionen Flickr-Mitglieder dar­auf bren­nen, uns ihre Arbeiten zu prä­sen­tie­ren, woll­ten wir eine ent­spre­chen­de Lösung ent­wi­ckeln.

Und so freu­en wir uns sehr, heu­te einen offi­zi­el­len Aufruf an die Flickr-Community star­ten zu kön­nen: ALLE Flickr-Mitglieder kön­nen ab sofort über die Call for Artists-Gruppe auf Flickr mit ihren Bilder für die Kollektion bewer­ben.

Ausführliche Hinweise dazu fin­den Sie auf der Gruppen-Seite, doch an die­ser Stelle möch­ten wir Ihnen einen kur­zen Überblick über den Ablauf geben. Eine Einreichung soll­te gen­au zehn Bilder umfas­sen, die nach Sie für Ihre bes­ten Arbeiten hal­ten. Das Kreativteam von Getty Images wird die Bilder im Hinblick auf sti­lis­ti­sche Aspekte, the­ma­ti­scher Inhalt und tech­ni­sche Umsetzung prü­fen. Sollten eini­ge oder alle Fotografien – oder auch ande­re Fotos aus Ihrem Fotostream – für die Flickr-Kollektion auf Getty Images aus­ge­wählt wer­den, erhal­ten Sie eine Einladung via Flickrmail. Aus die­ser Einladung geht gen­au her­vor, wel­che Bilder Getty Images aus­ge­wählt hat und wie der Aufnahmeprozess aus­sieht.“

Ach ja: Wer eini­ge Bilder hat, die von Getty Images aus­ge­wählt wur­den, kann ger­ne sei­nen Link zum Foto auf Flickr in den Kommentaren pos­ten.

Wie Models sich bei mir bewerben

Auf mei­ner Webseite, in mei­nem Blog und bei Model-Plattformen wie der Model-Kartei suche ich regel­mä­ßig nach Menschen, die von mir foto­gra­fiert wer­den möch­ten.

Ich schrei­be bewußt nicht Models, da ich auch ger­ne mit Anfängern arbei­te oder Leuten, die kein Interesse an einer Model-Karriere haben, son­dern vor allem pro­fes­sio­nel­le Fotos von sich haben möch­ten. Bildagenturen lie­ben Fotos mit natür­li­ch wir­ken­den Menschen, des­halb risikie­re ich ger­ne, jeman­den zu foto­gra­fie­ren, der viel­leicht kei­ne guten „Standard-Posen“ drauf hat, dafür aber eine gewin­nen­de Ausstrahlung.

Regelmäßig bekom­me ich des­halb Emails von Leuten, die sich als Model bei mir bewer­ben. Vor einer Weile hat­te ich im Blog ja geschrie­ben, was typi­sche Fehler bei Model-Bewerbungen sind und auch der Fotograf Omori hat vie­le Hinweise dazu ver­öf­fent­licht.

Blick durch Rahmen

Heute will ich anhand eini­ger Beispiele zei­gen, was bei einer Bewerbung wirkt und was stört. Die Mails sind alle echt und unver­än­dert, aber ich habe alle Daten, wel­che die Identität des Absenders ver­ra­ten könn­ten, umge­wan­delt oder gelöscht.

Die 1. Mail:

Hallo
Ich habe gele­sen, dass Sie Modele suchen.
Ich bin Schauspielerin und arbei­te neben­bei als Model. Über eine Antwort, wür­de ich mich freu­en.
Mit freund­li­chem Gruss
[vol­ler Name + Handynummer]

———————
[Adresse/Handynummer]
konf.- gr. 38- 40
21 jah­re
171cm
90- 66- 95
ein­satz­ge­bie­te:
por­trait, fashion, gla­mour, edi­to­ri­al“

Gut fin­de ich die Aufzählung der wich­ti­gen Daten wie Adresse, Alter, Größe, etc. in Stichwortform unter­ein­an­der. Nachteilig ist, dass mir so eine Mail nichts über das Model ver­rät. Warum sie modelt, wie lan­ge schon, wel­che Erfahrungen sie hat, wie sie auf mich auf­merk­sam gewor­den ist und was gen­au sie von mir möch­te. Wer die Mail auf­merk­sam liest, kann letz­te­res viel­leicht kom­bi­nie­ren, expli­zit steht aber nir­gends, dass sie z.B. mit mir zusam­men­ar­bei­ten möch­te oder nicht doch ihre Schwester vor­schla­gen will. Sie hat auch zwei Fotos ange­han­gen, die jedoch so ähn­li­ch waren, dass eins gereicht hät­te.

Die nächs­te Mail:

guten abend,
mein name ist [Name] ‚ich habe im intenet durch zufall gele­sen das sie immer models suchen .
hier­mit möch­te ich ger­ne mei­ne toch­ter [Name] als kin­der­mo­del bei ihnen bewer­ben!

name: […]
wohn­ort: […]
tele­fon: […]
geburts­tag: […].2005
haar­far­be: braun
augen­far­be: dun­kel braun/fast schwarz
kon­fek­ti­ons­grös­se: 92
schuh­grös­se: 24
kör­per­grös­se: 93 cm
natio­na­li­tät: […]

erfah­run­gen:
[Name] hat schon eini­ge erfah­run­gen gesam­melt als foto­mo­del.
sie wur­de schon 3mal für […] foto­gra­fiert.
für das geschäft […] in […] (herbst/winter collec­tion).
für 2 fotoläden(bilder fürs schau­fens­ter und diver­se shoo­tings für privat(familie)

zur per­son:
sie ist ein auf­ge­wäck­tes kind ‚freundlich,wandelbar und hat wie man auch auf den bil­dern erken­nen kann regel­recht viel spass am posen,sie lässt sich all­ge­mein gern foto­gra­fie­ren.
sie fällt durch ihren gros­sen run­den fast schwar­zen augen auf,und hat immer ein lächeln im gesicht.

sie ist bei der wer­be­agen­tur […] gemeldet(nichts ver­trag­li­ch)
und bei […] in ham­burg

wir sind sehr flexibel,haben bus bahn und auto direkt vor der tür:-) !!!
wir wür­den uns sehr über ihre mail freuen,lg [Name der Mutter]

in der nächs­ten mail sen­de ich ihnen eini­ge bil­der von mei­ner toch­ter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Inhaltlich fand ich die Mail aus­rei­chend, sie ent­hält alles Wesentliche, was mich inter­es­siert und nütz­li­ch ist. Aber die Form. Wenn ich „auf­ge­wäckt“ lese oder mehr als ein Ausrufezeichen hin­ter­ein­an­der sehe, ver­kramp­fen sich mei­ne Augen und ich kann die anghäng­ten Fotos kaum noch wür­di­gen. Ich ver­lan­ge von Models ja nicht, dass sie einen Universitätsabschluss haben, aber die Grundlagen von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung wären doch schön. Ansonsten wirkt der Absender dumm und das ist kein Eindruck, den jemand von sich erzeu­gen will, oder? Auch Mail-Adressen wie „hasimausi87“, „schnu­ten­gir­lie“ oder „cra­zy­girl“ wir­ken unse­riös. Am bes­ten sind da immer noch Vorname und Nachname.

Kommen wir zu Nummer 3:

guten tag

mein name ist [Name] ich woh­ne in [Ort] und bin 18 jah­re alt
ich bin 1,71 groß und bin ein süddlän­di­scher typ ich habe model­erfa­hun­gen vor der kama­ra mei­ne kon­tat­da­ten sind ein­mal mei­ne num­mer [Handynummer] und ein­mal mei­ne email mit der ich ihnen gra­de schrei­be ich bin sehr dizi­pli­niert und gehe immer auf den foto­gra­phen ein und ver­wei­ge­re nicht die anfor­de­run­gen die an mir gestellt wer­den ich­ha­be eine sehr star­ke aus­dau­er und wer­de nicht so schnell stres­sig von einem sehr lan­gen arbeits­tag ich hal­te durch bis zum ende
ich schi­cke ihnen noch ein paar bil­der von mir mit
mit freund­lis­hen grü­ßen [Name]“

Ich habe zwar schon von eini­gen Models gehört, dass mei­ne Foto-Shootings ent­pann­ter ablau­fen als bei eini­gen ande­ren Fotografen, aber sol­che Mails machen mir etwas Angst. Für mich klingt das als ob für den Absender das Modeln eine Strafe sei, der er sich beu­gen muss. Es gel­ten auch die Anmerkungen zur Rechtschreibung zur letz­ten Email. Zusätzlich war kein Betreff ange­ge­ben und als Absender nur eine kryp­ti­sche Zahlenkombination (à la 6453 29484746383) zu lesen. Ein Wunder, dass mein Spam-Filter die Mail nicht aus­sor­tiert hat. Die ange­häng­ten Fotos waren okay: klein, ver­schie­de­ne Outfits und Gesichtsausdrücke. Was er von mir möch­te, steht jedoch nicht in der Mail. Soll ich sei­ne Fotos kom­men­tie­ren oder ihn als Model buchen? Oder ihn wegen zu vie­ler har­ter Shootings trös­ten?

Die 4. Mail geht da anders ran:

sehr­te Damen u. Herren ,
ich wür­de mich ger­ne bei ihnen Bewerben as Model.

da ich mei­ne Ganzen bil­der auf einer CD habe und eine Fertige Set Card und nur 4 bis 5 Fotos klein genug sind um sie per e-mail zu schi­cken wer­de ich dies­we fotos abschi­cken dazu tue ich noch ein drei ganz nor­ma­le bil­der mit rein die nicht bear­bei­tet wor­den sind. dait sie ein gutes bid von mir machen können.….ich wür­de mich wirk­li­ch sehr freu­en wenn sie mir die mög­lich­keit geben mich bei ihnen per­söhn­li­ch vor­zu­stel­len um ihnen zu bewe­sen das ich das zeug dazu habe mit ihrer hil­fe an vie­le auf­trä­ge ran zu kom­men.

Grösse: (1.87cm)
Augen Farbe: (Grünbraun)
Haar Farbe: (Schwarz)
Konfektionsgrösse: (48)…(102/(84/86)
Jeans Grösse: (31/34)
Schuh Grösse: (42)

Referenzen:
[Firma] […]par­füm pre­sen­ta­ti­on Deutschland weit.
[Firma] (foto shoot mit [Name] u. Laufsteg).
[Firma] (win­ter mode Laufsteg).
[Firma] (desi­gner Anzug Laufsteg).
[Firma] (Designer AnzugLaufsteg).
[Firma] (som­mer mode Laufsteg).

Das Jahr 2008 habe ich nicht mehr Gemodelt da ich Vater wur­de und ich viel zeit mit mein Sohn und mei­ner Frau ver­bracht habe…aber ich wür­de so ger­ne wie­der anfan­gen und wür­de mich ger­ne bei ihnen vor­stel­len ich weiss eigent­li­ch macht man die bewer­bu­ung anders aber ich woll­te damit nur zei­gen das ich es wirk­li­ch sehr möcht…
wür­de mich sehr freu­en wenn sie sich melden..mir die mög­lich­keit geben…
mit freund­li­chen grüs­sen [Name]“

Bei einer Bewerbung gilt wie bei ande­ren Bewerbungen auch, dass sich das Model von sei­ner bes­ten Seite zei­gen soll­te. In die­ser Mail wer­de ich jedoch in jeder Zeile auf die Fehler hin­ge­wie­sen, die das Model eben gemacht hat und die ich son­st nie bemerkt hät­te: Fotos nicht fer­tig, lan­ge Auszeit, Bewerbung anders geplant. Außerdem ist der Grundtenor der Mail: „Was ich als Model will“. Die Vorteile für den Fotografen wer­den nir­gends erwähnt. Immerhin waren die Fotos im Angang aus­rei­chend und die Referenzen sind eben­falls von gro­ßen Firmen. Aber da alle Referenzen Laufsteg-Jobs sind, wäre eine Erklärung schön gewe­sen, war­um das Model Stockfotografie machen möch­te. Außerdem fehlt der Ort in der Mail und so sehe ich nicht, wel­che Entfernung zwi­schen mir und dem Model liegt.

Wie schrei­be ich eine gute Model-Bewerbung?

Liebe Models, ich bei­ße Euch kei­nen Kopf ab, wenn ihr eini­ge Fehler in der Bewerbung macht. Wenn ich einen guten Eindruck habe und eini­ge Daten feh­len, fra­ge ich auch noch mal nach. Aber ich möch­te doch die Gewissheit haben, dass ihr vor der Bewerbung über­legt habt, was ihr wollt.

Schreibt mir, wie und war­um ihr mich gefun­den hat und was gen­au ihr Euch vor­stel­len könnt (Kennenlern-Gespräch, Test-Shooting, nur bezahl­te Aufträge, etc.). Lest Euch die Mail vor dem Abschicken noch mal durch, um klei­ne Tippfehler zu kor­ri­gie­ren. Ja, ist läs­tig und dau­ert, macht aber einen bes­se­ren Eindruck. Und es es gibt nur einen ers­ten Eindruck. Außerdem wirkt eine Massen-Anrede wie „sehr geehr­te Damen und Herren“ oder „Hallo“ sehr unper­sön­li­ch. das haben bis­her alle vier Kandidaten fal­sch gemacht.

Aber nun zu den posi­ti­ven Beispielen. Davon will ich mehr lesen.

Die fünf­te Mail:

Sehr geehr­ter Herr Kneschke,

Hiermit bewer­be ich mich bei ihnen als Modell ,
Erfahrungen brin­ge ich mit da ich schon mehr­mals in mei­ner Umgebung für eine Modeagentur gear­bei­tet habe.
Und das Modeln mir neben bei Spaß macht.
Leider bin ich nicht die Größte und bin des­we­gen etwas ein­ge­schränkt.
Aber ich habe Spaß am leben und bin offen für neu­es!

Meine Angaben hier­zu sind:
Größe : 167
Gewicht : 53

Brustumfang: 80
Tailenumfang: 70
Hüftumfang: 80

Konvektionsgröße :34 /36
Schuhgröße: 39

Meine Adresse lau­tet:
[Name+Adresse]

Die Bewerbung ist okay, die ange­häng­ten Fotos waren auch nütz­li­ch und es ist die ers­te Mal mit direk­ter Anrede. Da das Model sehr jung aus­sieht, fehlt mir nur eine Altersangabe, da ich bei Minderjährigen eine Einverständniserklärung der Eltern brau­che und das vor einem Shooting klä­ren will. Da der Wohnort der Bewerberin weit von Köln ent­fernt ist, hät­te ich mir noch einen Satz dazu gewünscht, wie fle­xi­bel das Model beim Reisen ist.

Hier noch eine gelun­ge­ne Bewerbung:

Sehr geehr­ter Herr Kneschke,
mein Name ist [Name], ich bin 20 Jahre alt und kom­me aus […].

Über Ihre Internetseite habe ich erfah­ren, dass Sie stän­dig neue Gesichter für diver­se Fotoproduktionen suchen.
Sehr ger­ne wür­de ich mich dafür bewer­ben.
Ich habe schon eini­ge Shootings absol­viert und füh­le mich vor der Kamera sehr wohl.
Besuchen Sie doch auch mei­ne Internetseite www.[Webseite].de .

Im Anhang sen­de ich Ihnen mei­ne Setcard.

Wenn Sie Interesse an mei­ner Person haben, dann mel­den Sie sich doch ein­fach bei mir.

Mit freund­li­chen Grüßen
[vol­ler Name]“

Première! Die ers­te kom­plett feh­ler­freie Email an mich. Außerdem ist sie kurz und knapp, freund­li­ch for­mu­liert, der Hinweis auf eine Webseite mit mehr Informationen und im Anhang eine Sedcard als JPG mit sie­ben pro­fes­sio­nel­len Fotos, die das Model auch lachend und in Aktion zei­gen. In der Sedcard ste­hen auch die Daten wie Alter, Größe, Konfektionsgröße etc., die in der Mail feh­len. Nur ein klei­ner Minuspunkt: Die genann­te Webseite führt zu einer Seite, wo sich das Model als Sängerin prä­sen­tiert. Eine Darstellung als Model wäre ange­brach­ter und ist mit einer ein­fa­chen Unterseite leicht umzu­set­zen.

Zuletzt noch eine Mail, die heu­te in mei­nem Postfach lag:

Hallo Robert,

ich bin eben auf dei­ne Website gesto­ßen, und habe Gefallen an dei­nen Fotos (und dem Video) gefun­den.
Falls ich für ein Projekt in Frage kom­men soll­te, wür­de ich mich sehr freu­en.
Jetzt mal zu den Daten, die nicht feh­len dür­fen (Smiley)

Alter: 21 / Studentin
Wohnort: [Ort] (Reisen ist pri­ni­pi­ell kein Problem, kommt immer auf die Planung an – und inwie­weit es sich finan­zi­ell lohnt)
Größe: 1,64m
Konfektionsgröße: 35
Kontaktdaten: Mail (steht oben *g*) Handy: [Nummer] (D2)
Erfahrungen / Referenzen:
Ich hat­te bis jetzt 7 Fotoshootings mit (mei­ner Meinung nach) tol­len Ergebnissen (Bilder sind im Anhang). Mit Stockfotografie hat­te ich bis­her noch kei­nen Kontakt, wür­de das aber ger­ne ändern. Ob ich dafür in Frage kom­me, kann­st du sicher am bes­ten ent­schei­den.

Über eine Rückmeldung (egal ob posi­tiv oder nega­tiv) wür­de ich mich freu­en!
Mit freund­li­chen Grüßen,
[vol­ler Name]“

Auch hier hat das Model alles rich­tig gemacht. Die mit­ge­schick­ten Fotos waren etwas zu groß, aber die Auswahl der Bilder war pas­send. Übrigens ist die­ses Model das ers­te, wel­che die gro­ße Entfernung zwi­schen Köln und dem Wohnort des Models kom­men­tiert und dar­auf hin­ge­wie­sen hat, unter wel­chen Bedingungen das kein Problem wäre.

Erfolg mit der Bewerbung?

Ja, ich habe schon Models foto­gra­fiert, deren Bewerbung mir nicht gefal­len hat. Ja, ich habe auch Models ableh­nen müs­sen, deren Bewerbung gut war. Fotogenes Aussehen des Models ist Pflicht, eine gute Bewerbung die Kür. Aber ja, ich habe schon Models abge­lehnt, die ganz pas­send gewe­sen wären, weil die Bewerbung sehr schlam­pig oder unhöf­li­ch war.

Was sind Eure Erfahrungen? Was stört Euch bei Bewerbungen von Models am meis­ten? Worüber freut ihr Euch am meis­ten bei Bewerbungsmails?