Schlagwort-Archive: Beispiel

Wie plane ich ein Outdoor-Shooting? Ein Praxisbeispiel

Mein erster Artikel darüber, wie genau ich ein Shooting plane, in dem Fall in einer Bibliothek, kam ganz gut an.

Deshalb heute eine Art Making-Of einiger Frühlingsbilder im Freien, von denen ich eins hier schon kurz vorgestellt hatte.

Frau schüttelt Kirschbaum

1. Das Model

Mit dem Model, einer jungen blonden Frau, habe ich vor einigen Wochen schon ein Shooting gehabt, was über eine Anfrage von mir über die Model-Kartei zustande kam. Wir kannten uns deshalb beim zweiten Shooting schon. Die meisten Bilder waren als Studio-Aufnahmen geplant, aber da das Wetter herrlich war, wollten wir es uns nicht nehmen lassen, zusätzlich einige Fotos im Freien zu machen.

2. Die Vorbereitung

Ich könnte jetzt behaupten, dass ich akribisch den Wetterbericht und den Stand der Kirschblüten verfolgt hätte, um den richtigen Termin zu finden. Ist aber Quatsch. Die Outdoor-Fotos waren nur „Bonus“, deshalb reichte ein Blick aus dem Fenster und die Erinnerung an meinen Spaziergang einen Tag vorher im gleichen Park.

Ich ließ das Model ein weißes Oberteil anziehen, weil das neutral, zeitlos und frisch wirkt. Im Studio nutze ich weiße Kleidung nicht so gern, da weißes Shirt auf weißem Hintergrund oft konturlos wirkt und schwierig auszuleuchten ist. Hier passte es jedoch.

Um Bewegung ins Bild zu bringen, hielt das Model die linke Hand am Ast des Kirschbaums, rüttelte paar Mal und dann drückte ich auf den Auslöser.

3. Die Ausrüstung

Fotografiert habe ich mit meiner Canon EOS 5D Mark II* und dem Canon 85mm IS USM L 1.2-Objektiv*. Neben dem vorhandenen Licht nutzte ich einen Speedlite 580EX II*-Blitz mit einem draufgesteckten Rayflash-Ringblitz-Adapter*. Ich hatte noch mein 50mm-1.8-Objektiv mit, was aber nicht zum Einsatz kam.

4. Die Technik

Das obige Bild wurde bei ISO 100 mit Blende 2.8 und 1/500 Sekunde Belichtungszeit aufgenommen. Die Tiefenschärfe sollte möglichst gering sein, um mehr räumliche Tiefe ins Bild zu bringen. Ich hätte zwar bis Blende 1.2 gehen können, aber das hätte mir einen Bereich von ca. 4 mm gegeben, der scharf geblieben wäre, das ist bei so einem bewegten Motiv (Model und Fotograf bewegen sich minimal vor und zurück) zuwenig. Mit Blende 2.8 hatte ich mit ca 9 mm über das Doppelte an Schärfe.

Weil die Blitzsynchronzeit nur bis 1/200 reicht, musste ich den High-Speed-Modus aktivieren. Das kostet Strom, deshalb hatte ich mehrere Packen Ersatz-Batterien bei, von denen ich auch zwei einwechseln musste. Der Ringblitz-Adapter vor dem Blitz sorgt dafür, dass das Licht auch auf der Kamera nicht flach wirkt, sondern die natürlich vorhandenen Schatten sanft und gleichmäßig reduziert. Da der Adapter etwas Licht schluckt, habe ich die Blitzleistung auf +1 erhöht, was ebenfalls mehr Batteriepower frisst.

Entspannung durch Blütenduft

5. Die Variationen

Während das erste Foto fast eine Art Wimmelbild ist, sollte das zweite gezeigte Bild einen schlichten, meditativen, reinen Charakter haben. Deshalb habe ich die geringere Blende 2 risikiert und die Belichtung manuell um eine 1/3 Blende erhöht, um das Bild ganz leicht überzubelichten. Auch sind viel weniger Details im Bild, fast nur der Kopf und die Blüten.

Insgesamt habe ich von den Kirschblüten 13 verschiedene Fotos ausgesucht, die ich über die Bildagenturen anbiete. Mit dabei sind Varianten mit blauem Himmel, mit springendem Model, horizontal, vertikal, gekippter Horizont, Draufsicht, leichte Froschperspektive, Blick in die Kamera, Blick weg von der Kamera und so weiter.

6. Die Fehler

Ja, ich mache immer noch welche. In diesem Fall war es Bequemlichkeit. Obwohl ich mein 50mm-Objektiv dabei hatte, wollte ich nicht ständig die Objektive wechseln, was dazu führte, dass die Ausschnitte relativ ähnlich sind und wie beim unteren Bild etwas zu oft die Arme angeschnitten sind. Außerdem habe ich anfangs erst spät gemerkt, dass die Batterien schlapp machen, weshalb ich einige schöne Motive habe, auf denen der Aufhellblitz fehlt und dadurch die Schatten zu stark sind.

Kein richtiger Fehler, aber nicht optimal war der Blütezeitraum der Kirschen. Ein oder zwei Tage früher hätten die Kirschbäume noch romantischer ausgesehen.

Frau wirft Blütenblätter

7. Die Nachbearbeitung

Bei diesen Outdoor-Bildern habe ich deutlich die Farbsättigung nach oben gedreht, den Kontrast und die Helligkeit leicht angehoben, die chromatische Abberation rausrechnen lassen und die rosa/lila-Töne etwas abgedunkelt, damit auch diese Farben satter wirken. Beim Model gab es kaum etwas zu retuschieren. Nur auf einigen Bildern blitzten schwarze BH-Träger unter dem Oberteil hervor, was unpassend aussah und ich entfernen musste.

8. Die Verschlagwortung

Das obige Bild habe ich dann mit folgenden Suchbegriffen versehen:

„Frau; Frühling; Spaß; Kirschbaum; rosa; fliegen; Bewegung; Frische; Blüte; lachen; Kirschblüte; Natur; frisch; Baum; werfen; Blütenblätter; Heiterkeit; blühen; Park; schütteln; Zweig; Ast; Japanische Blütenkirsche; Portrait; Blütenblatt; Umwelt; Freude; Freiheit; Kirschblüten; glücklich; grün; Freizeit; Garten; Landschaft; Lebensfreude; Schönheit; schön; lächeln; jung; Mensch; Kopf; Gesicht; blond; 20-30; Jahre; Europäer; Außenaufnahme; draußen; Tag“

Das zweite Foto enthält die Keywords:

„Frau; Blüte; Baum; Frühling; Duft; riechen; Kirschblüte; Garten; Kirsche; Natur; Gesicht; glücklich; Genuss; Entspannung; Schönheit; Park; frisch; Zweig; Portrait; rosa; duften; Kirschblüten; Blüten; Ast; Geruch; grün; Reinheit; Harmonie; Sommer; Romantik; Umwelt; Wellness; schön; Saison; attraktiv; jung; weiblich; Mensch; Person; Kopf; blond; 20-30; Jahre; Europäer; Außenaufnahme; sonnig; im Freien; draußen; Tag“

Bei der Baumsorte habe ich im Internet recherchiert, welche Sorte wahrscheinlich die richtige ist (Japanische Blütenkirsche). Ganz sicher bin ich mir jedoch immer noch nicht. Da fehlt halt das Botanik-Studium. Es sind jeweils ca. 50 Begriffe, je nach Bildagentur lösche ich jedoch auch die Hälfte. Jetzt nur noch hochladen und die Bilder verkaufen.

Mehr Informationen für gelungene Stockfotos findet ihr übrigens in meinem Buch „Stockfotografie. Geld verdienen mit eigenen Fotos„*.

* = Affiliate-Link

Wie plane ich ein Foto-Shooting? Ein Praxisbeispiel

Ein Studioshooting mit einem Model ist einfach. Habe ich hundertfach gemacht. Ein Shooting vor Ort mit fünf Models ist anders. Deswegen möchte ich beschreiben, wie ich ein solches Shooting geplant habe.

Heitere Lerngruppe

1. Location
Am Anfang stand die Idee, Fotos zum Thema Bildung zu machen. In einer Universität oder einer Bibliothek vielleicht. Oder in einer Uni-Bibliothek? Da ich während meines Studiums an der FU Berlin in der Uni-Bibliothek eine Ausstellung zum Thema „Berlin“ hatte, kannte ich eine erste Ansprechpartnerin. Diese arbeitete zwar nicht mehr dort, empfahl mich jedoch ihrer Nachfolgerin. Ich erklärte ihr kurz per Email mein Anliegen und vereinbarte ein Treffen, bei dem ich ihr meine bisherigen Fotos und Veröffentlichungen zeigte, den „Property Release“ erklärte und einen Termin absprach. Es passte gut, dass bald die Semesterferien waren, denn dort ist die Bibliothek deutlich weniger besucht. Die Bibliotheksmitarbeiterin musste den Vertrag noch mit ihren Chef absprechen und gab dann grünes Licht. Hilfreich war auch, dass ich eine Berufshaftpflicht hatte, die eventuelle Schäden abdecken würde.

Hilfe am Computer

2. Recherche
Mir war außerdem klar, dass ich eine Gruppe von Models haben wollte. So würde ich viel mehr Varianten fotografieren können und die kurze Zeit in der Bibliothek besser nutzen können. Außerdem habe ich die Mitarbeiterin gefragt, welche Fotos sie sich wünschen würde. Sie klärte mich auf, dass die Bibliotheken im Zeitalter des Internets ihre Rolle weg vom „Buchlieferanten“ hin zu einer dienstleistungsorientierteren „Recherche-Quelle mit Lernmöglichkeiten“ definieren würden. Sie wollte gerne Fotos von Lerngruppen am Tisch haben, von Studenten an der Info-Theke und bei der Suche im Internet haben. Damit hatte ich auch gleich meine Trend-Recherche.

Außerdem habe ich die Begriffe „Student Universität“ bei einigen Bildagenturen eingegeben und geschaut, was für Bilder schon im Angebot waren und welche Motive sich davon am besten verkauften. ich erstellte meine Themenliste und ein Moodboard, das ist ein Blatt mit Beispielbildern, damit sich die Models (und in meinem Fall auch die Bibliotheksmitarbeiter) vorstellen können, was ich vorhabe.

Jubel in der Bibliothek

3. Models
Ich schrieb bei der Model-Kartei eine Shooting-Anfrage aus. Leider weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr, aber ich definierte auf jeden Fall die Model-Kriterien (Alter 18-28 Jahre, männlich und weiblich, gerne auch asiatische oder afrikanische Models, schönes Lachen), erklärte die geplante Nutzung der Fotos, verlinkte meinen Vertrag und erwähnte die Bezahlung. Für ca. 3-4 Stunden habe ich 60 Euro pro Model plus die fertigen Bilder auf CD gezahlt, bei fünf Leuten insgesamt 300 Euro.

Es meldeten sich knapp 30 Models, nur wenige Männer, fast nur Frauen, teilweise deutlich über 35, wo ich mich gefragt habe, ob sie auch gelesen haben, dass sie als „Studierende“ durchgehen sollten. Im Zuge des Bologna-Prozesses werden die Studienzeiten ja eher kürzer als länger. Ich richtete in meinem Email-Account einen eigenen Ordner für die Bewerbungen ein. Die beiden Männer waren schnell ausgesucht, bei den Frauen war es schwieriger. Ich wollte sowohl eine gute Mischung an Haarfarben (blond, brünett, schwarzhaarig) als auch interkulturell. Im Zuge des „Castings“ stellte sich heraus, dass eine Frau die Partnerin von einem der männlichen Models war. Das war ein guter Vorteil, weil ich mir sicher sein konnte, dass zumindest bei einem Teil der Models „die Chemie stimmen“ würde.

Ich entschied mich für fünf statt wie anfangs geplant für vier Models, da die Absage-Quote der Model-Kartei relativ hoch ist und ich einen Ausfall von ein bis zwei Models einplanen müsste. Bei vier Models hätte es dadurch passieren können, dass nur zwei erscheinen würden. Das wäre für eine Gruppe zu wenig. Außerdem achtete ich bei den Models darauf, dass sie einige Referenzen vorweisen konnten und schon viele Shootings und gute Shootingbewertungen hatten. Das alles ist keine Garantie für gute Models, zeugt aber von Ehrgeiz und zum Teil auch von Zuverlässigkeit. Ich legte einen Tag fest, an dem alle Models Zeit hatten und schickte den Models vorab eine Liste mit gewünschter Kleidung, die Motivliste, das Moodboard, den Model-Vertrag und unseren Treffpunkt.

Gemeinsam lernen

4. Requisiten
Am Tag vor dem Shooting galt es für mich noch Vorbereitungen zu treffen. Ich traf mich mit einem Bibliotheks-Mitarbeiter, bei dem ich schon einen Teil meiner Ausrüstung lagerte (nicht die teuren, aber die sperrigen Sachen). Er stellte mich den Angestellten vor, die am nächsten Tag im Lesesaal Dienst haben würden und ich erklärte noch mal mein Vorhaben und versprach, so leise und so wenig störend wie möglich zu sein. Außerdem ging ich mit der Kamera umher, um Plätze innerhalb des Lesesaals und Archivs zu finden, die am fotogensten sind. Diese Stunde war eine lohnende Investition, da ich einige Blickwinkel entdeckte, die mir am hektischen Shooting-Tag vielleicht entgangen wären.

Außerdem nahm ich mir die Zeit, die anderen Besucher der Bibliothek zu beobachten, vor allem jene, die dort lernten. Was hatten sie bei sich? Laptop, Schreibblock, einige Stifte, paar Bücher daneben gestapelt. Also packte ich mir Schreibblöcke, Stifte und mein Laptop ein, Bücher gab es ja genug vor Ort. Eins der Models bat ich auch, ihr neues Netbook mitzubringen. Das wäre etwas, was auf älteren Bibliotheksfotos fehlt und meine Fotos davon abheben würde. Am Computer druckte ich alle benötigen Model-Verträge noch mal aus (wie erwartet hatten einige Models ihren Vertrag vergessen) und einen großen Zettel mit der Aufschrift „Aufgrund eines Fotoshootings kann es heute in der Bibliothek vorübergehend zu einigen Beeinträchtigungen kommen. Wir bitten um ihr Verständnis. Vielen Dank.“). Den klebte ich vor dem Shooting an den Eingang der Bibliothek.

Warteschlange

5. Shooting
Der große Tag war da. Ein Shooting in dieser Größenordnung – neue Location mit Publikumsverkehr und fünf mir unbekannten Models – hatte ich noch nie umgesetzt. Rekord war bisher fünf Models im Studio oder drei Models in neuer Location. Als ich zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt vor der Bibliothek ankam, waren schon zwei der fünf Models anwesend. Die Uhrzeit war 8:30 Uhr, eine halbe Stunde vor Öffnung des Lesesaals. Kurz darauf kamen zwei weitere Models. Während wir auf das letzte Model warteten, ließ ich mir die mitgebrachte Kleidung zeigen und wählte für jede Person etwas aus, was halbwegs mit der Kleidung der anderen harmonieren würde. Dazu bestimmte ich ein zweites Outfit, in das die Models während einer Pause wechseln sollten. Die Models schminkten sich in der Toilette und schlossen ihre Sachen in die Schließfächer.

Ich schraubte einen Aufsteckblitz auf ein Stativ (ähnlich wie hier beschrieben, nur mit Durchlichtschirm statt Mini-Softbox) und verband das Ganze mit Pocket Wizards mit meiner Kamera. Der Blitz kam in die Nähe der Models, auf die andere Seite stellte ich einen California Sunbounce Pro als Diffusor auf. Wem der zu teuer ist, findet hier übrigens einen günstige Bastel-Anleitung. Nach kurzer Licht-Einstellung fotografierte ich die geplanten Motive der Shooting-Liste zügig ab. Als Objektiv nutzte ich abwechselnd das 85mm f1.2 und das 50mm f1.8 bei ca. Blende 2.2 bis 2.8. Das war schon sehr gering von der Schärfentiefe, ging aber nicht anders, da ich die ganze Halle nicht mit Blitzen ausgeleuchtet bekommen hätte und sie nicht im Dunkeln verschwinden lassen wollte.

Beim Fotografieren achtete ich darauf, dass ich abwechselnd verschiedene Konstellationen der Models hatte (einzeln, Paare, Dreier-Gruppen, alle). Nach ca. zwei Stunde ließ ich zwei Models eine Pause machen, fotografierte die anderen und so weiter, bis alle eine Pause hatten. Während der Pause sollten die Models auch in das zweite vorher bestimmte Outfit wechseln, damit sie nicht auf allen Bildern die gleiche Kleidung tragen. Am Ende des Shootings unterschrieben wir die Verträge, ich machte je ein Foto von den Models mit ihrem Personalausweis und zahlte das Geld gegen eine Quittung aus. Außerdem hatte ich spontan die Idee, auf dem Rückweg zur U-Bahn im daneben gelegenen Park einige Gruppen-Fotos im Park zu machen. Alle Models stimmten zu und es sind zusätzlich zu den Bildungsfotos einige nette Fun-Fotos entstanden.

Gemeinsame Umarmung

6. Nachbearbeitung
Das größte Problem bei der Retusche waren trotz geringer Tiefenschärfe einige Buchrücken, die ich in Fleißarbeit wegstempeln musste. Aufgrund der ähnlichen Motive konnte ich einen großen Grundwortschatz für alle Bilder übernehmen und musste vor allem bei den Personenbeschreibungen je nach Anzahl, Geschlecht etc. Anpassungen vornehmen. Inklusive Pausen und Vertragsunterzeichnung (immerhin insgesamt 20 Blatt Papier: 2x Vertrag und 2x Quittung x 5 Models) haben wir ca. vier Stunden fotografiert und ich habe an dem Tag 100 Fotos erhalten. Die fertigen Fotos schickte ich jedem Model auf CD mit 1-2 Abzügen in einer schönen Präsentationsmappe. Auch die Universitätsmitarbeiterin bekam eine solche CD und ein Dankesschreiben per Mail.

Die Annahmequote bei den Microstock-Bildagenturen betrug zwischen 83% und 100%, durchschnittlich ca. 94%. Mir war klar, bei welchen 5-10 Fotos die meisten Ablehnungen erfolgen würden. Da werde ich nächstes Mal strenger bei der Auswahl sein müssen. Bei über der Hälfte der Bildagenturen waren die Bilder noch nicht online, da haben die anderen Bildagenturen innerhalb der ersten Woche mindestens die Kosten für ein Model wieder eingespielt. Ich bin zuversichtlich, dass sich das Shooting bald rentiert haben wird.

Hände fassen sich an

7. Aus Fehlern lernen
Einige großartige Motive konnte ich nicht gebrauchen, weil sie schlicht zu verwackelt waren. Bei Belichtungszeiten zwischen 1/30 und 1/80 hätte ich auf jeden Fall mein Einbeinstativ mitnehmen müssen. Das hatte ich in Köln gelassen, weil es mir neben der Kameraausrüstung, zwei Lichtstativen und dem riesigen Reflektor zu viel war. Ein deutlicher Fehler. Ein weiterer Fehler war, dass ich die ganze Zeit mit ISO 100 fotografierte. Einige der verwackelten Bilder wären sicher zu retten gewesen, wenn ich auf ISO 200 gegangen wäre. Selbst wenn meine Belichtungszeiten kurz genug gewesen wären, hätte ich etwas mehr Tiefenschärfe erhalten und einige Ablehnungen wegen zu geringer Schärfe vermieden.

Lerngruppe im Archiv

Was war Euer aufwändigstes Shooting bisher? Und was habt ihr daraus lernen können?

Wie Models sich bei mir bewerben

Auf meiner Webseite, in meinem Blog und bei Model-Plattformen wie der Model-Kartei suche ich regelmäßig nach Menschen, die von mir fotografiert werden möchten.

Ich schreibe bewußt nicht Models, da ich auch gerne mit Anfängern arbeite oder Leuten, die kein Interesse an einer Model-Karriere haben, sondern vor allem professionelle Fotos von sich haben möchten. Bildagenturen lieben Fotos mit natürlich wirkenden Menschen, deshalb risikiere ich gerne, jemanden zu fotografieren, der vielleicht keine guten „Standard-Posen“ drauf hat, dafür aber eine gewinnende Ausstrahlung.

Regelmäßig bekomme ich deshalb Emails von Leuten, die sich als Model bei mir bewerben. Vor einer Weile hatte ich im Blog ja geschrieben, was typische Fehler bei Model-Bewerbungen sind und auch der Fotograf Omori hat viele Hinweise dazu veröffentlicht.

Blick durch Rahmen

Heute will ich anhand einiger Beispiele zeigen, was bei einer Bewerbung wirkt und was stört. Die Mails sind alle echt und unverändert, aber ich habe alle Daten, welche die Identität des Absenders verraten könnten, umgewandelt oder gelöscht.

Die 1. Mail:

„Hallo
Ich habe gelesen, dass Sie Modele suchen.
Ich bin Schauspielerin und arbeite nebenbei als Model. Über eine Antwort, würde ich mich freuen.
Mit freundlichem Gruss
[voller Name + Handynummer]

———————
[Adresse/Handynummer]
konf.- gr. 38- 40
21 jahre
171cm
90- 66- 95
einsatzgebiete:
portrait, fashion, glamour, editorial“

Gut finde ich die Aufzählung der wichtigen Daten wie Adresse, Alter, Größe, etc. in Stichwortform untereinander. Nachteilig ist, dass mir so eine Mail nichts über das Model verrät. Warum sie modelt, wie lange schon, welche Erfahrungen sie hat, wie sie auf mich aufmerksam geworden ist und was genau sie von mir möchte. Wer die Mail aufmerksam liest, kann letzteres vielleicht kombinieren, explizit steht aber nirgends, dass sie z.B. mit mir zusammenarbeiten möchte oder nicht doch ihre Schwester vorschlagen will. Sie hat auch zwei Fotos angehangen, die jedoch so ähnlich waren, dass eins gereicht hätte.

Die nächste Mail:

„guten abend,
mein name ist [Name] ,ich habe im intenet durch zufall gelesen das sie immer models suchen .
hiermit möchte ich gerne meine tochter [Name] als kindermodel bei ihnen bewerben!

name: […]
wohnort: […]
telefon: […]
geburtstag: […].2005
haarfarbe: braun
augenfarbe: dunkel braun/fast schwarz
konfektionsgrösse: 92
schuhgrösse: 24
körpergrösse: 93 cm
nationalität: […]

erfahrungen:
[Name] hat schon einige erfahrungen gesammelt als fotomodel.
sie wurde schon 3mal für […] fotografiert.
für das geschäft […] in […] (herbst/winter collection).
für 2 fotoläden(bilder fürs schaufenster und diverse shootings für privat(familie)

zur person:
sie ist ein aufgewäcktes kind ,freundlich,wandelbar und hat wie man auch auf den bildern erkennen kann regelrecht viel spass am posen,sie lässt sich allgemein gern fotografieren.
sie fällt durch ihren grossen runden fast schwarzen augen auf,und hat immer ein lächeln im gesicht.

sie ist bei der werbeagentur […] gemeldet(nichts vertraglich)
und bei […] in hamburg

wir sind sehr flexibel,haben bus bahn und auto direkt vor der tür:-) !!!
wir würden uns sehr über ihre mail freuen,lg [Name der Mutter]

in der nächsten mail sende ich ihnen einige bilder von meiner tochter!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“

Inhaltlich fand ich die Mail ausreichend, sie enthält alles Wesentliche, was mich interessiert und nützlich ist. Aber die Form. Wenn ich „aufgewäckt“ lese oder mehr als ein Ausrufezeichen hintereinander sehe, verkrampfen sich meine Augen und ich kann die anghängten Fotos kaum noch würdigen. Ich verlange von Models ja nicht, dass sie einen Universitätsabschluss haben, aber die Grundlagen von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung wären doch schön. Ansonsten wirkt der Absender dumm und das ist kein Eindruck, den jemand von sich erzeugen will, oder? Auch Mail-Adressen wie „hasimausi87“, „schnutengirlie“ oder „crazygirl“ wirken unseriös. Am besten sind da immer noch Vorname und Nachname.

Kommen wir zu Nummer 3:

„guten tag

mein name ist [Name] ich wohne in [Ort] und bin 18 jahre alt
ich bin 1,71 groß und bin ein süddländischer typ ich habe modelerfahungen vor der kamara meine kontatdaten sind einmal meine nummer [Handynummer] und einmal meine email mit der ich ihnen grade schreibe ich bin sehr dizipliniert und gehe immer auf den fotographen ein und verweigere nicht die anforderungen die an mir gestellt werden ichhabe eine sehr starke ausdauer und werde nicht so schnell stressig von einem sehr langen arbeitstag ich halte durch bis zum ende
ich schicke ihnen noch ein paar bilder von mir mit
mit freundlishen grüßen [Name]“

Ich habe zwar schon von einigen Models gehört, dass meine Foto-Shootings entpannter ablaufen als bei einigen anderen Fotografen, aber solche Mails machen mir etwas Angst. Für mich klingt das als ob für den Absender das Modeln eine Strafe sei, der er sich beugen muss. Es gelten auch die Anmerkungen zur Rechtschreibung zur letzten Email. Zusätzlich war kein Betreff angegeben und als Absender nur eine kryptische Zahlenkombination (à la 6453 29484746383) zu lesen. Ein Wunder, dass mein Spam-Filter die Mail nicht aussortiert hat. Die angehängten Fotos waren okay: klein, verschiedene Outfits und Gesichtsausdrücke. Was er von mir möchte, steht jedoch nicht in der Mail. Soll ich seine Fotos kommentieren oder ihn als Model buchen? Oder ihn wegen zu vieler harter Shootings trösten?

Die 4. Mail geht da anders ran:

„sehrte Damen u. Herren ,
ich würde mich gerne bei ihnen Bewerben as Model.

da ich meine Ganzen bilder auf einer CD habe und eine Fertige Set Card und nur 4 bis 5 Fotos klein genug sind um sie per e-mail zu schicken werde ich dieswe fotos abschicken dazu tue ich noch ein drei ganz normale bilder mit rein die nicht bearbeitet worden sind. dait sie ein gutes bid von mir machen können…..ich würde mich wirklich sehr freuen wenn sie mir die möglichkeit geben mich bei ihnen persöhnlich vorzustellen um ihnen zu bewesen das ich das zeug dazu habe mit ihrer hilfe an viele aufträge ran zu kommen.

Grösse: (1.87cm)
Augen Farbe: (Grünbraun)
Haar Farbe: (Schwarz)
Konfektionsgrösse: (48)…(102/(84/86)
Jeans Grösse: (31/34)
Schuh Grösse: (42)

Referenzen:
[Firma] […]parfüm presentation Deutschland weit.
[Firma] (foto shoot mit [Name] u. Laufsteg).
[Firma] (winter mode Laufsteg).
[Firma] (designer Anzug Laufsteg).
[Firma] (Designer AnzugLaufsteg).
[Firma] (sommer mode Laufsteg).

Das Jahr 2008 habe ich nicht mehr Gemodelt da ich Vater wurde und ich viel zeit mit mein Sohn und meiner Frau verbracht habe…aber ich würde so gerne wieder anfangen und würde mich gerne bei ihnen vorstellen ich weiss eigentlich macht man die bewerbuung anders aber ich wollte damit nur zeigen das ich es wirklich sehr möcht…
würde mich sehr freuen wenn sie sich melden..mir die möglichkeit geben…
mit freundlichen grüssen [Name]“

Bei einer Bewerbung gilt wie bei anderen Bewerbungen auch, dass sich das Model von seiner besten Seite zeigen sollte. In dieser Mail werde ich jedoch in jeder Zeile auf die Fehler hingewiesen, die das Model eben gemacht hat und die ich sonst nie bemerkt hätte: Fotos nicht fertig, lange Auszeit, Bewerbung anders geplant. Außerdem ist der Grundtenor der Mail: „Was ich als Model will“. Die Vorteile für den Fotografen werden nirgends erwähnt. Immerhin waren die Fotos im Angang ausreichend und die Referenzen sind ebenfalls von großen Firmen. Aber da alle Referenzen Laufsteg-Jobs sind, wäre eine Erklärung schön gewesen, warum das Model Stockfotografie machen möchte. Außerdem fehlt der Ort in der Mail und so sehe ich nicht, welche Entfernung zwischen mir und dem Model liegt.

Wie schreibe ich eine gute Model-Bewerbung?

Liebe Models, ich beiße Euch keinen Kopf ab, wenn ihr einige Fehler in der Bewerbung macht. Wenn ich einen guten Eindruck habe und einige Daten fehlen, frage ich auch noch mal nach. Aber ich möchte doch die Gewissheit haben, dass ihr vor der Bewerbung überlegt habt, was ihr wollt.

Schreibt mir, wie und warum ihr mich gefunden hat und was genau ihr Euch vorstellen könnt (Kennenlern-Gespräch, Test-Shooting, nur bezahlte Aufträge, etc.). Lest Euch die Mail vor dem Abschicken noch mal durch, um kleine Tippfehler zu korrigieren. Ja, ist lästig und dauert, macht aber einen besseren Eindruck. Und es es gibt nur einen ersten Eindruck. Außerdem wirkt eine Massen-Anrede wie „sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Hallo“ sehr unpersönlich. das haben bisher alle vier Kandidaten falsch gemacht.

Aber nun zu den positiven Beispielen. Davon will ich mehr lesen.

Die fünfte Mail:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,

Hiermit bewerbe ich mich bei ihnen als Modell ,
Erfahrungen bringe ich mit da ich schon mehrmals in meiner Umgebung für eine Modeagentur gearbeitet habe.
Und das Modeln mir neben bei Spaß macht.
Leider bin ich nicht die Größte und bin deswegen etwas eingeschränkt.
Aber ich habe Spaß am leben und bin offen für neues!

Meine Angaben hierzu sind:
Größe : 167
Gewicht : 53

Brustumfang: 80
Tailenumfang: 70
Hüftumfang: 80

Konvektionsgröße :34 /36
Schuhgröße: 39

Meine Adresse lautet:
[Name+Adresse]

Die Bewerbung ist okay, die angehängten Fotos waren auch nützlich und es ist die erste Mal mit direkter Anrede. Da das Model sehr jung aussieht, fehlt mir nur eine Altersangabe, da ich bei Minderjährigen eine Einverständniserklärung der Eltern brauche und das vor einem Shooting klären will. Da der Wohnort der Bewerberin weit von Köln entfernt ist, hätte ich mir noch einen Satz dazu gewünscht, wie flexibel das Model beim Reisen ist.

Hier noch eine gelungene Bewerbung:

„Sehr geehrter Herr Kneschke,
mein Name ist [Name], ich bin 20 Jahre alt und komme aus […].

Über Ihre Internetseite habe ich erfahren, dass Sie ständig neue Gesichter für diverse Fotoproduktionen suchen.
Sehr gerne würde ich mich dafür bewerben.
Ich habe schon einige Shootings absolviert und fühle mich vor der Kamera sehr wohl.
Besuchen Sie doch auch meine Internetseite www.[Webseite].de .

Im Anhang sende ich Ihnen meine Setcard.

Wenn Sie Interesse an meiner Person haben, dann melden Sie sich doch einfach bei mir.

Mit freundlichen Grüßen
[voller Name]“

Premiere! Die erste komplett fehlerfreie Email an mich. Außerdem ist sie kurz und knapp, freundlich formuliert, der Hinweis auf eine Webseite mit mehr Informationen und im Anhang eine Sedcard als JPG mit sieben professionellen Fotos, die das Model auch lachend und in Aktion zeigen. In der Sedcard stehen auch die Daten wie Alter, Größe, Konfektionsgröße etc., die in der Mail fehlen. Nur ein kleiner Minuspunkt: Die genannte Webseite führt zu einer Seite, wo sich das Model als Sängerin präsentiert. Eine Darstellung als Model wäre angebrachter und ist mit einer einfachen Unterseite leicht umzusetzen.

Zuletzt noch eine Mail, die heute in meinem Postfach lag:

„Hallo Robert,

ich bin eben auf deine Website gestoßen, und habe Gefallen an deinen Fotos (und dem Video) gefunden.
Falls ich für ein Projekt in Frage kommen sollte, würde ich mich sehr freuen.
Jetzt mal zu den Daten, die nicht fehlen dürfen (Smiley)

Alter: 21 / Studentin
Wohnort: [Ort] (Reisen ist prinipiell kein Problem, kommt immer auf die Planung an – und inwieweit es sich finanziell lohnt)
Größe: 1,64m
Konfektionsgröße: 35
Kontaktdaten: Mail (steht oben *g*) Handy: [Nummer] (D2)
Erfahrungen / Referenzen:
Ich hatte bis jetzt 7 Fotoshootings mit (meiner Meinung nach) tollen Ergebnissen (Bilder sind im Anhang). Mit Stockfotografie hatte ich bisher noch keinen Kontakt, würde das aber gerne ändern. Ob ich dafür in Frage komme, kannst du sicher am besten entscheiden.

Über eine Rückmeldung (egal ob positiv oder negativ) würde ich mich freuen!
Mit freundlichen Grüßen,
[voller Name]“

Auch hier hat das Model alles richtig gemacht. Die mitgeschickten Fotos waren etwas zu groß, aber die Auswahl der Bilder war passend. Übrigens ist dieses Model das erste, welche die große Entfernung zwischen Köln und dem Wohnort des Models kommentiert und darauf hingewiesen hat, unter welchen Bedingungen das kein Problem wäre.

Erfolg mit der Bewerbung?

Ja, ich habe schon Models fotografiert, deren Bewerbung mir nicht gefallen hat. Ja, ich habe auch Models ablehnen müssen, deren Bewerbung gut war. Fotogenes Aussehen des Models ist Pflicht, eine gute Bewerbung die Kür. Aber ja, ich habe schon Models abgelehnt, die ganz passend gewesen wären, weil die Bewerbung sehr schlampig oder unhöflich war.

Was sind Eure Erfahrungen? Was stört Euch bei Bewerbungen von Models am meisten? Worüber freut ihr Euch am meisten bei Bewerbungsmails?