Schlagwort-Archive: Auswahl

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern (Gastartikel)

Zwei Mal schon habe ich vom Buch „Grafik und Gestaltung“ des Grafikers Markus Wäger geschwärmt. Damit ihr euch selbst vom Inhalt überzugen könnt, hat mir Markus erlaubt, eine Leseprobe zu veröffentlichen und ich habe mir die Kapitel 5.3.5 und 5.3.6 rausgesucht, die meiner Meinung nach für uns Stockfotografen direkt hilfreich sind. Ich habe aber nicht alle Bilder übernommen, weil das zuviel gewesen wäre. Los geht’s, ab hier schreibt Markus:

Kriterien zur Auswahl von Imagebildern

Ich kann keine verbindlichen Rezepte für die Auswahl perfekt funktionierender Imagebilder liefern. Gerade wenn Menschen im Bild sind, sind die Emotionen, die sie auslösen, von Betrachter zu Betrachter verschieden. Genau wie jeder andere Mensch reagiere auch ich subjektiv auf die abgebildeten Personen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Sie hier Bilder von Personen finden, die ich als besonders ansprechend empfinde, die Ihnen unsympathisch sind. Ich kann aber ein paar Kriterien nennen, die ich zur Auswahl von Bildern heranziehe und die Sie als Basis für Ihre Bildbeurteilungen nutzen können. Wie so oft gilt : Schon die bewusste Auseinandersetzung mit einem Gestaltungsaspekt wird Sie zu besseren Resultaten führen.

Authentizität der Darsteller | Sind die Typen glaubwürdige Charaktere ? Nehmen Sie Ihnen ihre Rollen ab ? Kann sich Otto Normalverbraucher beziehungsweise die anvisierte Zielgruppe mit ihnen identifizieren? Auch wenn das Gesicht eines eingekauften Imagebildes für die Mitarbeiter des Unternehmens steht, sollte der Typ glaubwürdig sein und nicht zu sehr wie ein geschniegeltes Modell daher kommen. Nichts gegen gestylte Modelle, doch nicht jede Kommunikationsaufgabe lässt sich mit Ihnen authentisch illustrieren. Die Professionalität der Modelle hingegen ist Um und Auf. Nur Profis spielen ihre Rollen glaubwürdig ; mit Laien ist Authentizität schwer zu erreichen. Es geht vor allem darum, wie natürlich eine Szene inszeniert ist und das gelingt mit professionellen Modellen oft glaubwürdiger als mit echten Personen.

Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)
Abb. 5.98: Für die Betriebe meiner Region ein glaubwürdiges Imagebild (© Goodluz/Shutterstock)

Passend zu Region und Branche | Als Bewohner einer etwas ländlicheren Region mit Auftraggebern aus kleinen und mittleren Betrieben gestaltet sich für mich die Suche nach passenden Imagebildern bei Agenturen oft schwierig. Es dominieren Business People mit Anzug und Krawatte. Für London, Mailand oder Frankfurt wohl passend, doch hier im Vorarlberger Rheintal tragen nur Banker Anzug und Krawatte beziehungsweise Leute die einen Termin bei der Bank haben. Ansonsten ist die Geschäftswelt hier hemdsärmeliger und die Leute sind meist leger gekleidet. 90 % der Businessbilder sind für meine Gestaltungsaufgaben deshalb unbrauchbar – ein Problem, das wohl die meisten Gestalter teilen, die abseits von Ballungszentren arbeiten oder aber auch städtische Kunden abseits vom Big Business betreuen.

Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.99: Weniger authentisch, wo ich lebe und arbeite (© michaeljung/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)
Abb. 5.100: Blicken die Personen zur Kamera, ist Lächeln glaubhaft. ( (© Pressmaster/Shutterstock)

Ausdruck | Ein zweites Problem neben omnipräsenten Business-Uniformen stellt das unvermeidlich breite Lächeln der -Modelle dar. Wirklich gute Models schaffen es zwar auf Kommando das natürlichste Lächeln der Welt ins Gesicht zu zaubern und bei Motiven die ganz offensichtlich im Stile eines Porträt- oder Gruppenfotos inszeniert sind (Abb. 5.100) geht das wohl auch in Ordnung. Doch wenn vier Personen vor einem iPad sitzen und grinsen (Abb. 5.101), dann sind sie nicht an der Arbeit, sondern schauen sich ein Filmchen auf Youtube oder die Urlaubsfotos des Mannes mit dem Tablett in der Hand an. Was würden Sie von Leuten denken, die mit Ihnen am Besprechungstisch sitzen und pausenlos grundlos vor sich hin grinsten ? Genau ! Deshalb suche ich in den Gesichtern der Modelle zur Situation passende Gesichtsausdrücke – freundlich : meistens ja ; breit grinsend : das muss zur Szene passen.

Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.101: Ist das eine authentische Projektbesprechung? (© Edyta Pawlowska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.102: Direkter Blick (inklusive eines Lächelns) (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Blickrichtung | Über die Wirkung direkten Blickkontakts und wie man von der Kamera abgewandte Blicke nutzen kann haben wir uns bereits unterhalten. Abbildung 5.102 zeigt dazu noch einmal ein starkes Motiv, nämlich ein niedliches Tierkind. Verstärkt wird die Bildwirkung durch den Eindruck der Hund lächle, was ihm menschliche Züge verleiht, ohne seine Niedlichkeit zu untergraben. Abbildung 5.103 zeigt wie viel Kraft das Bild einbüßt, wenn derselbe Hund nicht mehr in die Kamera blickt.

Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)
Abb. 5.103: Der Blick zur Seite schwächt die Wirkung (© Mila Atkovska/Shutterstock)

Kindchenschema | Noch mehr Kraft als niedliche Tierkinder haben natürlich knuddlige Menschenkinder. Das Gesicht eines Babys ist ein Schlüsselreiz dem wir uns nicht entziehen können : Große Augen, Pausbäckchen, Stupsnase, kleines Kinn, großer Oberkopf. Vor allem Tiere die mehr oder weniger deutlich diesem Schema entsprechen empfinden wir als niedlich. Dem folgend sind auch Comic Figuren gezeichnet indem diese typischen Merkmale betont werden, jedenfalls so lange es um die guten Charaktere geht. Bei Bösewichten kann man das schon einmal umkehren.
Abbildung 5.105 und 5.106 demonstrieren ein weiteres mal den Unterschied der Bildwirkung ob das Subjekt – das Kleinkind – in die Kamera sieht und damit dem Betrachter in die Augen, oder ob der Blick zur Seite gerichtet ist.

Es gibt natürlich immer Gründe sich für Aufnahmen zu entscheiden, bei denen das Modell nicht zur Kamera blickt. Neben des Potenzials die Blickrichtung des Protagonisten zu nutzen, um Botschaften markant zu platzieren, vermitteln Bilder, auf denen der Blick und damit das Interesse nicht der Kamera gilt, eher den Eindruck, eine reale Szene zu beobachten und nicht eine gestellt – Aufnahmen können so also an Authentizität gewinnen. Blickt das Modell zu Kamera ist klar, dass es die Kamera gesehen hat und für das Foto posiert – wahrscheinlich sagte der Fotograf : »Hier ist das Vögelchen.« Und : »Say Cheese.«

Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)
Abb. 5.107: Visionärer Blick (© PT Images/Shutterstock)

Der in die Ferne gewandte Blick (Abb. 5.107) kann etwas Visionäres vermitteln – den Blick in die Zukunft oder Weisheit. Doch auch hier kommt es auf den Charakter des Blicks und der Aufnahme an. Bei Abbildung 5.108 scheint mir das Modell eher durch irgendetwas im Garten von der eigentlichen Aufnahme abgelenkt zu sein.

Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)
Abb. 5.108: Der Blick wirkt hier vor allem abgelenkt. (© Natalia Hirshfeld/Shutterstock)

Üblicherweise sollte man die Leserichtung berücksichtigen, wenn der Blick in die Ferne den visionären Blick in die Zukunft vermitteln soll – Blickrichtung nach links wird eher rückwärtsgewandt empfunden (Abb. 5.109), während der Blick nach rechts nach vorne geht und somit als in die Zukunft gerichtet assoziiert wird (Abb. 5.10).

Bildstil | Neben diesen inhaltlichen Fragen zu Authentizität, Ausdruck und Blickrichtung ist auch der Bildstil relevant. Für mich eine weitere Hürde Aufnahmen zu finden, mit denen ich rundum glücklich bin. Die Masse der Aufnahmen sind sehr clean inszeniert, fotografisch umgesetzt und nachbearbeitet. Dafür gibt es natürlich gute Argumente, denn wie ich weiter vorne bereits bemerkte ist professionelle Fotografie notwendig wenn dem Betrachter eines Folders, Inserats oder Internetauftritts ein professionell arbeitendes Unternehmen näher gebracht werden soll. Das Ganze hat allerdings den Nachteil, dass die Aufnahmen dann auch in Bezug auf den fotografischen Charakter austauschbar wirken.
Bereits in den 1970er Jahren entwickelten Fotografen Teils sehr natürliche Aufnahmestile. Ein Trend, der in den 80er Jahren zurück ging und durch einen sehr klinischen Bildstil ersetzt wurde. Seit den 1990er Jahren gibt es einen zunehmenden Trend zurück zu natürlich wirkenden Aufnahmen.

Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen - auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)
Abb. 5.112: Nicht nur die Aufnahme durch das Glas lässt das Bild so spontan erscheinen – auch der geringe Kontrast und die kühle Farbtönung (© vita khorzhevska/Shutterstock)

Viele vor allem junge Fotografen arbeiten bewusst mit farblichen Verfremdungen und fotografischen sowie digitalen Effekten, die an sich nach den Regeln der Kunst Fehler wären. Doch genau diese scheinbaren Fehler und Abweichungen von fotografischer Perfektion machen die Aufnahmen authentischer, weil sie ein bisschen wirken, als hätte sie Otto Normalverbraucher mit seiner -Kamera geknippst. Trotzdem sieht man den Bildern die professionelle Hand an – sie wirken wie exzellente Glückstreffer eines Schnappschussfotografen und vermitteln so den Eindruck ganz nahe am eigenen Leben aufgenommen worden zu sein.

Neben diesen Stilmitteln die Bildern eine spontane und natürliche Wirkung verleihen, gibt es auch eine Tendenz Schattierungen durch überbetonte Dynamik herauszuarbeiten was zu einem eher unnatürlich anmutenden Bildcharakter führt (Abb. 5.113) und manchmal beinahe wie gemalt wirkt. Dieser Trend folgt einer neuen Technologie der digitalen Fotografie, die sich High Dynamic Range (HDR) nennt. Nach der ersten Euphorie über den neuen Bildstil und die damit verbundenen Möglichkeiten kehrte bei professionellen Fotografen bald Ernüchterung ein, was meiner Ansicht nach vor allem an Unmengen laienhafter HDR-Aufnahmen lag, die soziale Netzwerke und Bilder-Communitys überfluteten. Mittlerweile gewinnt der Stil auch in der professionellen Fotografie wieder an Fahrt und ich habe den Eindruck, dass wir gerade eine Veränderung unseres Empfindens wie Fotos auszusehen haben, erleben.

Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder - ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)
Abb. 5.113: Das Bild erinnert an den Charakter sogennanter HDR-Bilder – ein Stil, der sehr stark im Kommen ist. (© BestPhotosStudio/Shutterstock)

Sowohl der HDR- als auch der natürliche Bildstil findet sich im Moment jedoch vor allem bei bestimmten Themenbereichen. Gerade der betont natürliche Bildstil mit seinen Teils verschobenen, verblassten und verwaschenen Farben, mit Blendenflecken, über- und unterbelichteten Bildbereichen und Unschärfen auch da, wo sie an sich nicht sein sollten, findet sich vor allem im Bereich jugendlichen Lifestyles. In vielen Bereichen jedoch tut man sich schwer Bildstile abseits eines cleanen Norm-Looks zu finden.

Maßgeschneiderte Lösungen 
vom Auftragsfotografen

Klar im Vorteil ist wer sich nicht im Angebot von Bildagenturen nach Aufnahmen von der Stange umsehen muss, sondern einen Profifotografen beauftragen kann. Ihm können Sie Vorlagen zeigen, die den Charakter, das Aussehen und die Stimmung der Aufnahme die sie wünschen zeigen. Mit ihm können Sie Modelle aussuchen die Ihren Vorstellungen entsprechen und Sie können bei der Aufnahme dabei sein, um Regieanweisungen zu geben. Ihm können Sie auch sagen, wie weit er bei der Retusche gehen soll.

Schön wäre natürlich man könnte für jedes Bild einen Profi engagieren der das gewünschte Bild nach Maß schneidert. Die Realität liefert aber oft Situationen, in denen das nicht möglich ist, sei es aus Zeit- oder Budgetmangel. Ich habe für dieses Buch hunderte Bilder benötigt um die Erklärungen zu illustrieren und das Layout lebendig zu gestalten. Nicht jedes Foto sieht genau so aus, wie ich es mir wünschte. Doch jede Aufnahme mit Modellen und Fotografen gesondert zu inszenieren, wäre weder zeitlich noch wirtschaftlich realistisch. Aus diesem Grund schätze ich das Angebot von Shutterstock, Fotolia, iStockphoto & Co als wertvolle Bereicherung für den Gestaltungsalltag, auch wenn die Arbeit damit Kompromisse fordert – Kompromisse die man bei der Arbeit mit einem Fotografen nicht eingehen muss.

(Leseprobe aus dem Buch „Grafik und Gestaltung„*, 2. Auflage von Markus Wäger, Galileo Verlag, 2014)

* Affiliate

Meine Jury-Auswahl für den Fotowettbewerb bei fotografr.de

Michael Kirchner (aka Omori) hatte mich vor paar Wochen gefragt, ob ich nicht helfen möchte, bei seinem Fotodreikampf in der Jury zusammen mit acht anderen Fotografen die besten Bilder rauszusuchen.

Na, das macht ein Fotograf doch gerne: Viele tolle Bilder sehen und dabei sogar entscheiden zu dürfen, welches prämiert wird.

Hätte ich meinen Mund mal nicht so voll genommen, denn bei ca. 150 Einsendungen fiel es mir doch sehr schwer, eine gute Wahl zu treffen.

Meine drei Favoriten sind (wer wider Erwarten sein Bild nicht hier sehen will, bitte kurze Nachricht an mich):

Gargoyle von Marcel Felbor
Gargoyle

Hier faszinieren mich einerseits der Widerspruch zwischen dem lebendig anmutenden Fabelwesen und dem starren Material Stein sowie andererseits das Größenverhältnis zwischen dem Wasserspeier und dem Eiffelturm im Hintergrund. Die Bearbeitung des Fotos mit der Randabdunklung und der Körnung wirkt wie der letzte Schliff, um dem Bild einen Hauch von Mystik zu geben. Nur der Rücken des Tieres wurde leider eindeutig überschärft.

Außenseiter von anune
Außenseiter

Okay, ich gebe zu, dass ich dieses Foto ohne den passenden Titel keines zweiten Blickes gewürdigt hätte. Aber mit diesem Titel „Außenseiter“ wird das Foto ganz anders aufgeladen. Auf einmal sehe ich, wie der alte, knorrige Baum sich verzweifelt mit letzter Kraft nach links neigt, um den drei großen, coolen, behaarten (belaubten) Bäumen näher sein zu können, die auch noch von der Sonne beschienen werden. Aber ach, die Kraft reicht nicht und der Zaun ist auch noch dazwischen. Genial gesehen, sag ich da nur. Und die kühle Pastelltönung finde ich auch sympathisch.

Wüstenwind von MinestMinimal
Wüstenwind

Da ich fast nur Menschen fotografiere, bin ich bei der Beurteilung von People-Fotos zwar besonders kritisch, aber umso mehr freue ich mich, dass es eins geschafft hat, mich zu überzeugen, auch wenn der Fotograf seinem Kommentar nach mit dem Shooting gar nicht zufrieden war. Fangen wir mit dem Model an: Die Haltung ist super, Beine elegant überkreuzt, Hände locker in den Taschen, leicht verträumter Blick nach unten. Ich hätte zwar den linken Ellenbogen etwas symmetrischer nach außen dirigiert, aber das spielt jetzt keine große Rolle. Die Haare liegen auch sehr beeindruckend, da geht von hier ein riesiges Lob an die Visagistin.

Vollends überzeugt hat mich aber das von hinten kommende gleißende Licht zusammen mit den überlagerten Feldblumen unten, die das Bild erst recht in das Traumhafte rücken. Sehr geschickt, wie die Blumenblüten genau über dem Saum des Kleides enden.

Was sagt ihr zur Auswahl?

Wer sehen will, wie die vielen anderen Einsendungen ausgesehen haben und für welche Bilder die anderen Jury-Mitglieder entschieden haben, könnt ihr hier in den Kommentaren bei fotografr.de lesen.

Das Alter der Models in der Stockfotografie

Jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitze und mich die Zahnärztin lächelnd begrüßt, bin ich kurz irritiert. Wenn ich sie beschreiben müsste, würde ich sagen, dass sie eine attraktive, junge Frau mit langen, schwarzen Haaren ist, schätzungsweise Mitte 20, in einem engen weißen Top und mit einem Pferdeschwanz.

Erkennt ihr den Fehler?  Die Wahrscheinlichkeit, dass eine junge Frau Mitte 20 noch in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung steckt, ist sehr hoch. Normalerweise fangen die jüngsten Zahnärzte mit ca. 25-27 Jahren ihre Arbeit an.

Es kann natürlich sein, dass meine Zahnärztin schon älter ist, aber immer noch jung aussieht, doch in der Stockfotografie geht es eben um den „Schein“ nicht das „Sein“. Niemand interessiert sich dafür, was meine Models außerhalb eines Fotoshootings machen (wenn sie nicht gerade Erotikstars sind), wenn sie die Rolle, die sie auf den Stockfotos verkörpern sollen, glaubwürdig darstellen können.

Diese Glaubwürdigkeit eines Models entsteht hauptsächlich durch drei Faktoren: Geschlecht, Alter und Requisiten. Die Requisiten sind ein eigenes Thema und wer Interesse daran hat, dem empfehle ich das Kapitel 10 in meinem „Stockfotografie“-Buch*. Auch beim Geschlecht gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Beim Alter gibt es deutlich mehr Variationen.

Es ist aber nicht schwer, das richtige Alter eines Models für ein bestimmtes Fotomotiv festzulegen, wenn ihr in Wahrscheinlichkeiten denkt. Wie häufig kommt die geplante Konstellation von Alter/Geschlecht vor und welche anderen Konstellationen sind wahrscheinlicher? In diesem Blogartikel hatte ich beschrieben, wie mich die Chefin eines Fitnesscenters darauf hinwies, was die typische Zielgruppe ihres Sportstudios sei. Daran habe ich mich bei der Modellauswahl gehalten.

Jemanden zu fragen, der Ahnung von der zu fotografierenden Branche hat, ist eine einfache und unfehlbare Methode, die richtige Altersspanne der Models herauszufinden.

Trotzdem sehe ich ständig Stockfotos, die unfreiwillig komisch wirken, weil das Model nicht passt.  Ein typisches Beispiel ist die junge, gertenschlanke Blondine im Blaumann und Schutzhelm, die Anfang 20 ist. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine attraktive junge Frau, die aussieht, als könne sie keine fünfzehn Kilo stemmen, einen Beruf ergreift, der es erfordert, einen Blaumann anzuziehen? Sehr gering. Viel realistischer ist ein unrasierter, muskulöser, braungebrannter Mann ab Ende 20.

Ebenfalls berüchtigt in den Microstock-Portfolios sind die halbnackten jungen Frauen mit großer Oberweite im Nikolauskostüm, die mehr Haut als Stoff zeigen. Das mag oft die Fantasien der älteren, männlichen Fotografen bedienen. Aber wenn ihr Kinder – immerhin die größte Zielgruppe für Fotos mit Weihnachtsmännern – bittet, ein Bild vom Nikolaus oder Weihnachtsmann zu malen, werden die Bilder kaum wie die der beschriebenen Weihnachtsbunnies aussehen. Und vergesst Klebebart und Kopfkissen: Nehmt gleich einen dickeren älteren Herren mit ergrautem Vollbart.

Ich gebe zu, dass ich in meiner Anfangszeit auch oft den Fehler gemacht habe, das Alter der Modelle zu ignorieren. Jetzt im Nachhinein frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, eine Siebzehnjährige im Anzug zu fotografieren? Das würde höchstens zu einer Konfirmation passen und auch nur, wenn die Requisiten und das Umfeld stimmen. Ein Mann Anfang 40 im Anzug hingegen kann alles sein: Rechtsanwalt, Manager, Lehrer, Berater, Chef, Politiker, Beamter und so weiter. Das heißt für den Fotografen: Deutlich höhere Chancen, mit diesen Fotos Geld zu verdienen.

Für das Motiv nicht ganz geeignet vom Alter.

Meine Erfahrung zeigt, dass es im Zweifel sinnvoller ist, eher Models zu wählen, die etwas älter als etwas zu jung sind. In diesem Blogartikel hatte ich über ein Shooting von mir in einer Universität geschrieben. Als Models hatte ich Leute Anfang bis Mitte 20 gewählt. Es kam der Kommentar, dass im Zuge der Bologna-Reform und der Bachelor-Studiengänge die Studierenden heute immer jünger würden und ich jüngere Models hätte wählen sollen. Dem kann ich zustimmen. Kürzlich habe ich aber festgestellt, dass die Motive meines Uni-Shootings auch gerne  in der Werbung für Erwachsenenbildung oder für Weiterbildungsmaßnahmen benutzt werden.  Wären die Models alle einige Jahre jünger gewesen, hätte es besser zum Thema Studium gepasst, aber die zusätzliche Zielgruppe der Erwachsenenbildung hätte ich dann mit meinen Bildern vielleicht nicht erreicht.

Übrigens: Ich habe gestern meine Zahnärztin nach ihrem Alter gefragt. Sie meinte, sie sei 32, fühle sich aber geschmeichelt, dass ich sie auf Mitte 20 schätze.

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr euch beim Alter eurer Models?

* Affiliate-Link

Die perfekte Bildagentur – Teil 2: Bilder hochladen

Auf der Suche nach der „perfekten Bildagentur“ wollen wir uns in diesem Teil dem ersten logischen Schritt aus Fotografensicht widmen. Das Hochladen der fertig bearbeiteten und verschlagworteten Bilder.

FTP und IPTC

Die meisten Bildagenturen bieten als Möglichkeiten das Hochladen per Webseite, Java-Formular oder FTP an, einige auch über Software-Tools, die meist nur aufgehübschte Java-Skripte sind.

Die Java- oder Webseiten-Option eignet sich nur für einzelne sporadische Uploads und ist generell kaum empfehlenswert, vor allem, weil es sehr zeitaufwändig ist. Wer einmal FTP probiert hat, will es nicht mehr missen.

FTP steht für „File Transfer Protocol“ und ist eine sehr bequeme Möglichkeit, viele Daten auf einmal einer oder sogar mehreren Agenturen zu senden. Einfach in einer Art Dateibrowser (erinnert ihr Euch an den „Norton Commander„?) die Daten von links nach rechts ziehen und das Programm arbeitet die so entstandene Warteschlange nacheinander ab. Ich beginne meist vor dem Schlafengehen den Ladevorgang einer fertigen Fotosession an alle betreffenden Agenturen, das sind insgesamt ca. 2-4 Gigabyte. Morgens ist dann alles erledigt, ein Fehlerprotokoll des FTP-Programms meldet eventuelle Fehler und ich kann zum Import der Bilder auf der Agenturseite übergehen. Etwas aus dem Rahmen fällt die Agentur Bildunion, welche zwar FTP-Uploads unterstützt, aber vorher eine bestimmte Ordnerstruktur verlangt, die für jede Fotosession vorher im Fotografenbereich einzeln eingerichtet werden muss. Auch das ist unnötiger Aufwand.

Halten wir kurz fest: Eine perfekte Bildagentur unterstützt den Dateiupload per FTP. Die meisten machen das auch, eine berühmte Ausnahme ist istockphoto und manche neugegründeten Agenturen, welche befürchten, dem gewaltigen Ansturm an Datenmengen nicht gewachsen zu sein.

Manche Agenturen kontrollieren regelmäßig ihren FTP-Eingang. Einige alle paar Minuten, andere nur jede 24 Stunden (z.B. Pitopia oder Adpic). Praktisch ist es, wenn dann wie bei Pitopia ein Knopf zum „manuellen Einlesen“ vorhanden ist, mit dem das Einlesen selbst gestartet werden kann. Andere Agenturen wiederum erfordern immer das Starten des Einlesens durch den Fotografen. Das ist aus meiner Sicht ein unnötiger Schritt, da es Ziel jeder Agentur sein sollte, das Hochladen der Bilder so kurz und mit so wenig Eingaben wie möglich zu gestalten.

Fast alle Agenturen unterstützen auch das Einlesen der IPTC-Daten. IPTC bedeutet, dass der Fotografen den Bildtitel, Bildbeschreibung und Schlagworte als Metadaten dem Bild hinzufügt. Das hat den großen Vorteil, dass der Fotograf nicht bei jeder Agentur die gleichen Daten per Hand eintragen muss. Das spart viel Zeit. Leider gibt es bisher keinen Standard für mehrsprachige Verschlagwortung, die von mehreren Agenturen unterstützt würde. Deshalb lege ich zwei Foto-Sets an: Einmal mit deutscher und einmal mit englischer Verschlagwortung, je nach zu beliefernder Agentur.

Kommunikation

Kommunikation ist ein Modewort, welches sich viele Firmen auf die Fahnen schreiben. In der Praxis sieht das jedoch auch bei Bildagenturen ganz unterschiedlich aus. Ideal ist aus meiner Sicht immer, wenn eine Bildagentur für jede erdenkliche Information anbietet, eine passende Email zu schicken. Das sollte aber nur eine Option sein, die der Fotograf einzeln aktivieren oder deaktivieren kann, je nachdem, was er für seinen Workflow braucht.

Dazu gehören zum Beispiel folgende Informationen: Wenn das Importieren der Fotos zeitverzögert erfolgt, ist eine Nachricht hilfreich, wenn die Bilder fertig importiert wurden. Wenn Bilder nicht angenommen oder nachträglich gelöscht wurden, sollte eine Nachricht möglich sein, idealerweise auch eine Art Archiv im System hinterlegt sein, wie das zum Beispiel sehr gut bei Shutterstock oder Fotolia ersichtlich ist. Einige Agenturen bieten nur eine kombinierte Mail an, welche zusammen über angenommene und abgelehnte Bilder informiert. Ich finde zwei separate Mails besser, weil mich mehr interessiert, was abgelehnt wurde.

Thumbnails und Dateinamen

Ein Unding, was sich leider zu viele Bildagenturen erlauben: Der Fotograf ist nicht in der Lage, den Original-Dateinamen eines Fotos zu sehen, welchen er vergeben hat. Dabei sind diese bei routinierten Stockfotografen der beste Weg, eine einwandfreie Zuordnung zu ermöglichen. Zum Beispiel verschickt Digitalstock zwar Emails, wenn Bilder abgelehnt oder gelöscht wurden, gibt in der Mail aber nur den Bildtitel (aus den IPTC-Daten) an. Wenn ich dann mehrmals „Manager hält Daumen hoch“ lese, hilft mir das sehr wenig. Die Annahme/Ablehnungsmails von Shutterstock sind dagegen sehr übersichtlich mit Original-Dateinamen und Thumbnail, wobei die Thumbnails der abgelehnten Bilder leider nach paar Wochen gelöscht werden. Bei Fotolia hingegen bleiben die Thumbsnails auch von gelöschten Bildern immer im System, was ich als hilfreicher empfinde.

Merke: Die perfekte Bildagentur zeigt dem Fotografen im Fotografenbereich und bei jeder Kommunikation über konkrete Bilder immer den Original-Dateinamen und ein Thumbnail des Bildes.

Logische Upload-Reihenfolge

Manche Agenturen wollen, dass die Fotografen erst alle Bilder fertig verschlagworten und entscheiden dann, welche sie nehmen. Andere Agenturen wie Pitopia oder ImagePoint trennen die Bildkontrolle von der Kontrolle der Suchbegriffe. Dann müssen nur die angenommenen Bilder weiter „verarbeitet“ werden. Diese Herangehensweise ist umso sinnvoller, je höher die Ablehnungsquoten einer Bildagentur sind. Vor allem bei Shotshop ärgert mich das oft, da sie ziemlich viele meiner Bilder ablehnen, gleichzeitig aber eins der aufwändigsten Annahmeverfahren haben. Käme die Bildkontrolle vorher, würde ich viel Zeit sparen.

Piopia bietet ausgewählten Fotografen sogar an, die technische Bildkontrolle automatisch zu überspringen, wenn sich alle Bilder in der Vergangenheit durchgehend als qualitativ hochwertig eingestuft wurden.

Fast in Vergessenheit geraten ist die Möglichkeit, dass die Bildagentur selbst die Verschlagwortung übernimmt. Das bieten heute fast nur noch Macrostock-Agenturen an, während einige Microstock-Agenturen wie Dreamstime oder Adpic diesen Service gegen Gebühr anbieten – mit schwankenden Ergebnissen.

Nervtötend finde ich, wenn Bildagenturen den Annahmeprozess eines Bildes unnötig in die Länge ziehen, indem sie die erforderlichen Informationen auf mehrere Seiten aufteilen. Erst eine Seite mit Model Release- und Property Release-Informationen, dann eine für die Kategorien, dann für die Eingabe oder Kontrolle von Titel, Beschreibung und Suchbegriffen, manchmal sogar noch ein vollkommen nutzlose Bestätigungsseite, dass der Upload beendet ist, anstatt wie bei den meisten Agenturen direkt das nächste unfertige Bild anzuzeigen. Schuldig in diesem Sinne sind zum Beispiel Digitalstock, Dreamstime oder Shotshop. Immerhin lässt sich bei Dreamstime eine frei gewählte Zeit angeben, wie lange die Bestätigungsseite angezeigt wird, bevor das nächste Bild an die Reihe kommt. So wird ein Klick gespart, aber Zeit verschwendet es trotzdem.

Deshalb: Die perfekte Bildagentur bündelt die Informationen, die sie für die Freigabe von Bildern braucht, so kompakt und übersichtlich wie möglich. So oft es geht, sollten auch Batch-Funktionen angeboten werden, bei der Fotografen identische Infos für mehrere Bilder gleichzeitig zuordnen können. Das klappt zum Beispiel bei Shutterstock oder Bigstock sehr gut, Fotolia oder Clipdealer hingegen haben leider so gut wie keine Batch-Funktionen, Dreamstime erlaubt zwar die Übernahme von Infos aus vorherigen Bildern, diese müssen jedoch vorher noch mal umständlich ausgewählt werden. Panthermedia hat mit der Einführung eines neuen Anbieter-Portals jetzt ebenfalls viele Batch-Funktionen für Fotografen im Angebot.

Upload-Limits

Die Kurzform: Upload-Limits gibt es oft, aus Fotografensicht sind sie unnötig und behindern den Workflow.

Aber auch hier gibt es Unterschiede im Detail. Einige Agenturen wie istockphoto erlauben umso mehr Uploads pro Woche, je mehr der Fotograf bisher verkauft hat. Andere Agenturen wie Dreamstime oder Shotshop machen das Upload-Volumen von der Annahmequote abhängig. Je weniger Fotos des Fotografen abgelehnt werden, desto mehr darf er regelmäßig hochladen. Das halte ich für einen fairen Kompromiss.

Einen anderen Weg geht beispielsweise ImagePoint. Dort wird Fotografen eine bestimmte Bildmenge zugewiesen, die sie hochladen dürfen. Wenn diese erreicht ist, muss der Fotograf per Kontaktformular um eine Erhöhung des Kontingents bitten, die je nach Qualität seines Portfolios größer oder kleiner ausfällt. Klingt unbequem, ist zumindest bei mir in der Praxis jedoch unkompliziert.

Fassen wir kurz die Punkte zusammen, die eine perfekte Bildagentur erfüllen sollte:

  • Übernahme von IPTC-Daten
  • Unterstützung von FTP-Uploads
  • Automatischer, kurzfristiger Import der FTP-Daten
  • Beibehaltung des Original-Dateinamens
  • Beibehaltung des Bild-Thumbnails auch nach Löschung
  • Angabe des Original-Dateinamen bei jedem Bilds und in jeder Mail
  • Viele Auswahlmöglichkeiten für Email-Benachrichtungen
  • So viele Batch-Funktionen wie möglich
  • Erst Bildkontrolle, danach Ablehnung oder Annahme Suchbegriff-Kontrolle
  • Bequeme MR/PR-Verwaltung (auch per Batch)
  • Annahmeprozess auf einer Seite ohne Bestätigungsseite
  • Keine oder großzügige Upload-Limits

Der größte Zeitfresser beim Hochladen ist bei vielen Agenturen das Zuweisen der passenden Modelverträge und Eigentumsfreigaben, vor allem bei Gruppenfotos. Deshalb widme ich mich diesem Bereich im folgenden dritten Teil dieser Serie.

Welche Punkte sind für Euch beim Hochladen besonders wichtig? Was vermisst ihr? Was stört Euch am meisten?

Frag den Fotograf: Welche Bilder an welche Agenturen?

In meinem Postfach gab es wieder eine Frage:

„Bevor ich wirklich anfange, meine Bilder ins Internet zu stellen (zaghafte Versuche gab es bereits), habe ich mir überlegt eine ABC-Analyse zu machen. Da kommt wohl der Wirtschaftswissenschaftler in mir durch. Das bedeutet, dass ich meine Bilder in exzellente (A), gute (B) und mittelmäßige (C) Fotos bei der Auswahl klassifizieren möchte. Meine Strategie soll so aussehen, dass ich natürlich mit den wenigen sehr guten Aufnahmen, hohe Preise erzielen möchte. Also würde ich die gerne Makrostockagenturen anbieten, wo der Preis höher ist. Welche Agenturen kannst du empfehlen? Welche Erfahrungen hast du mit (herkömmlichen) Makrostockagenturen sammeln können? Die B-Fotos würde ich dann bei Mikrostockagenturen hochladen. Die mittelmäßigen Fotos hingegen würde ich einer Agentur anbieten, die fast alle Fotos akzeptiert. Welche Agentur könntest du mir da empfehlen? Oder findest du diese Vorgehensweise nicht geeignet? Wenn ja, warum nicht? Meine Bedenken sind nämlich, dass ich sehr hochwertige Fotos mache, die in Makroagenturen ggf. mehr Geld abwerfen könnten. Was meinst du?“

Grundsätzlich finde ich die Entscheidung richtig, zu überlegen, welche Fotos am besten zu welcher Agentur passen würden. Schwierig ist nur die Überlegung, welche Fotos genau das sein sollten. Denn oft sind „exzellente“ Fotos nicht unbedingt die, welche sich bei Makrostock-Agenturen am besten verkaufen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Aspekte, zu berücksichtigt werden müssen. Für mich sind das Fotosession, Aufwand, Motiv und Ertrag.

Fotosession
Wenn ich mit einem Model arbeite und eine Serie von Bildern mache, erübrigt sich die Frage meist, ob sich die Fotos für verschiedene Preisklassen eignen würden, da es vor allem die teureren Agenturen nicht gerne sehen, wenn ähnliche Bilder bei billigeren Agenturen zu sehen sind. Dann bleibt noch die Überlegung, welches Model insgesamt für welche Bildagentur geeignet wäre. Hier neige ich dazu, „sensible“ Themen oder Kinder- und Familienfotos eher den Makrostock-Agenturen zu geben, da die Kontrolle über die Bildnutzung in der Regel größer ist.

Aufwand und Motiv
Man könnte meinen, je größer der Aufwand, desto eher sollten die Fotos zu den teureren Agenturen. Aber so einfach ist es leider nicht. Denn wichtiger ist das Motiv, welches durch den Aufwand entstanden ist. Eine glückliche Familie mit zwei Kindern am Strand oder eine große Gruppe Menschen verschiedenen Geschlechts, Alters und Berufs sind zwei Motive, die sehr aufwändig in der Produktion sind, aber sich wegen ihres generischen Charakters besser bei Microstock-Agenturen verkaufen lassen. Ein eher simples Motiv wie Schimmel im Bad oder eine seltene Obstsorte können bei Macrostock-Agenturen größere Chancen haben, weil die Nachfrage zwar geringer ist, aber dafür der Kunde auch mehr zahlen würde und solche Bilder bei Microstock-Agenturen schwieriger findet.

Ertrag
Kommen wir zu einem ernüchternden Punkt: Die Annahme, dass man bei einer Agentur, die Fotos teurer verkauft, automatisch mehr verdiene, stimmt nicht immer. Klar, der Verdienst pro Verkauf ist immer höher und dreistellige Verkaufssummen habe ich bisher nur bei Macrostock-Agenturen erlebt. Aber: Diese hohen Verkäufe sind viel seltener. Für den Fotograf ist letztendlich entscheidend, was er unter dem Strich pro Bild verdient. Und da gab es vor drei Monaten eine sehr aufschlussreiche Statistik des Fotografen Luis Alvarez, der zeigte, dass sein RPI (Gewinn pro Bild) bei der Microstock-Agentur istockphoto mittlerweile genauso hoch ist wie bei der führenden Macrostock-Agentur Getty Images. Meine eigenen Zahlen sehen ähnlich aus. Die Umsätze bei Macrostock-Agenturen sinken, nicht zuletzt deshalb, weil viele ihre Preise der Microstock-Konkurrenz angepasst haben.

Im Endeffekt ist meine Antwort leider schwammig, aber ich hoffe, dass die Aspekte hilfreich für die eigene Entscheidung sind, die ich keinem abnehmen kann.

Aber vielleicht teilen ja einige Fotografen in den Kommentaren ebenfalls ihre Gründe, wann sie ein Foto als Microstock- oder als Macrostock-Bild verkaufen?