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Making Of: Krolop & Gerst drehen Video-Tutorials

Nanu? Was machen denn die Fotografen Krolop & Gerst in die­sem Blog?

Martin Krolop von Krolop & Gerst frag­te im Dezember 2010 in sei­nem Blog, ob jemand Lust hät­te, beim Videodreh für eine neue Tutorial-DVD die Making-Of-Fotos zu machen? Der Termin pass­te, ich woll­te Martin sowie­so ken­nen­ler­nen und da ich im Videobereich ein tota­ler Anfänger bin, könn­te ich viel­leicht etwas ler­nen.

So kam es, dass ich zwei Tage lang mor­gens nach Düsseldorf in eine gro­ße Diskothek fuhr, um das Foto- und Video-Team bei der Arbeit zu foto­gra­fie­ren. Neben Martin Krolop und Marc Gerst waren drei Videofilmer für den Dreh vor Ort, zwei Assistenten, drei Models, eine Visagistin, ein Techniker, zwei Making-Of-Filmer und ich als Making-Of-Fotograf. Das Team bestand dem­nach als 15 Leuten. Und der gan­ze Aufwand für eini­ge weni­ge Minuten lan­ge Videosequenzen auf der geplan­ten Lern-DVD  zum Thema „Aufsteckblitze“ (Der Name steht noch nicht offi­zi­ell fest).

Damit ihr seht, wie viel Arbeit (und Spaß) hin­ter den Kulissen not­wen­dig ist, um sol­che DVDs zu erstel­len, kön­nen wir uns schon an den Making-Of-Fotos erfreu­en, bevor ihr die­se Fotos und viel, viel mehr Material auf der fer­ti­gen DVD sehen könnt.

Martin foto­gra­fiert einen auf­stre­ben­den Nachwuchs-Rapper. Ganz links im Schatten sitzt andäch­tigt der Tonmeister, der kon­trol­liert, ob kei­ne Störgeräusche auf Band sind, wenn in der Dunkelheit wie­der jemand gegen ein Stativ stol­pert. Irgendwie erin­nert mich das Bild stän­dig an die Sendung „Wetten dass..?“


Die drei lachen­den Models, von vor­ne durch mei­nen Ringblitz-Adapter aus­ge­leuch­tet.


Martin ver­sucht, den berühmt-berüchtigten „Daumen hoch“-Look des Stockfotografen Robert Kneschke zu imi­tie­ren.


Die Kameraleute Joschi und Jonas über­prü­fen ihre Einstellungen. Grob im Display könnt ihr erken­nen, dass die lin­ke Kamera für die Weitwinkel-Einstellungen zustän­dig ist, wäh­rend die rech­te Kamera nur Nahaufnahmen macht, die dann spä­ter abwech­send geschnit­ten wer­den kön­nen, damit Martins Monologe nicht so lang­at­mig wir­ken. Die Kameras müs­sen so dicht wie mög­li­ch neben­ein­an­der ste­hen, son­st wür­de es spä­ter im Video so aus­se­hen, als wür­de Martin bei einer von bei­den Einstellungen schie­len.


Nicht nur von den bei­den Kameraleuten, son­dern auch von den bei­den Making-Of-Filmern Philip und Tobi (hier Philip im Bild) konn­te ich eini­ges ler­nen. Wenn bei­de nicht gera­de damit beschäf­tigt sind, sich ham­mer­gei­les Zubehör für ihre Video-DSLRs selbst zu bas­teln, schrei­ben sie in ihrem Blog Beauty-Fool. Oben seht ihr um die Kamera eine LED-Lampe mit Akku-Pack, einen Schulter-Rig mit Follow-Focus und einer Matte Box für dem Objektiv. Den Lichteffekt erzielt ihr mit einer Kombination aus Dauerlicht, Aufsteck-Blitz und einem muti­gen Kameraschwenker. Wird natür­li­ch eben­falls auf der DVD erklärt wer­den.


Das gesam­te Film-Team stand nei­di­sch um die­sen Schulter-Rig her­um, den Tobi aus Einzelteilen kom­plett selbst gebaut hat. Jedes Detail lässt sich per Hand leicht ver­schie­ben oder ver­stel­len. Das kön­nen nicht mal die teu­ers­ten der auf dem Markt erhält­li­chen kom­mer­zi­el­len Rigs. Einigen lie­fen die Speichelfäden vor Neid aus den Mundwinkeln.


Ein wei­te­res selbst­ge­bau­tes Gadget des genia­len Tobi (im Bild), vor dem wir wie klei­ne Jungen im Spielwarenladen erfürch­tig erstarr­ten. Eine rei­bungs­los glei­ten­de Führungsschiene für eine DSLR mit exter­nem Liveview-Monitor. Rechts seht ihr den Hebel, der zum Kurbeln umge­klappt wer­den kann. So wer­den but­ter­wei­che Kamerafahrten mög­li­ch.


Andreas, Herrscher über die Kommandozentrale: Hier wer­den die vie­len Gigabyte gesi­chert, die stän­dig anfal­len und die Akkus für die unzäh­li­gen Kameras und Blitzgeräte auf­ge­la­den. Absichtlich habe ich mal den Ringblitz im Bild gelas­sen.


Nur weil ich die Making-Of-Fotos mach­te, hieß das nicht, dass ich nicht auch expe­ri­men­tie­ren dürf­te: Hier der kri­ti­sche Kontrollblick von Andreas auf den Bildschirm.


Woran erkennt man einen ech­ten Fotografen? Er schaut zuer­st auf die klei­ne Schwarze – Kamera, mei­ne ich.


Noch mal Dessous mit einem wei­te­ren Blick. Im Vordergrund die Making-Of-Kamera auf der Schiene, dahin­ter ein Kamerakran für flie­gen­de Kamerabewegungen, ganz rechts Martin beim Fotografieren, dane­ben Arkadi mit einer Teleskopstange, um stö­ren­de Leuchten aus dem Bild zu hal­ten. Die hel­le Softbox ist das Dauerlicht für die Videokameras.


Die Zombie-Hand aus dem Sunbouncer. Den Sinn die­ses Lochs im California Sunbounce erklärt Martin in hier einem eige­nen Video.


Wer pro­fes­sio­nell mit Aufsteckblitzen arbei­ten will, kommt um das Musterheft der „Lee FarbFilter“ nicht vor­bei. Das Teil ist unschlag­bar güns­tig und ent­hält eine Probe von jeder Filterfolie, wel­che die Firma Lee pro­du­ziert. Außerdem haben die Muster die rich­ti­ge Größe, um sie schnell vor ein Speedlite zu kle­ben, um die Farbtemperatur zu ändern.


Kein Respekt vor dem Alter. Die Kameramänner spie­len mit dem Schatten von Martins Kopf. Weitere Versionen der Schattenspiele waren nicht jugend­frei und sind nur auf der limi­ter­ten FSK18-Version der DVDs zu sehen.


Till am Schaltpult der Diskothek mit der Nervennahrung jedes Technikers (links im Bild).


Etwas unhand­li­ch ist die Länge des Kamerakrans, die manch­mal unbe­que­me Positionen erfor­dert. Da ein Blick auf das Kameradisplay schwie­rig ist, wenn die­se fünf Meter in der Höhe schwebt, filmt Glenn „über Bande“ mit einem exter­nen Monitor. Das ist der Grund, war­um die Video-DSLR-Kameras einen HDMI-Ausgang haben.


Martin, Arkadi und Andreas betrach­ten die ers­ten Ergebnisse der Fotosession auf dem iPad*. Über die Probleme der kabel­lo­sen Übertragung beim „Tethered Shooting“ mit­tels WiFi auf das iPad berich­tet Martin hier.


Philip ist fas­zi­niert von der Auflösung der Fotos auf dem ipad. Aber viel­leicht liegt es auch nur am Motiv.


Zweckentfremdung des iPad: Der Körper von Joschi mit dem Kopf von Glenn.


Die meis­ten Kameraleute, die ich ken­ne, sind coo­le Säue. So auch Joschi und Jonas. Kaum wur­de das neue Setting auf­ge­baut, scho­ben sich die bei­den beque­me Ledersessel hin­ter die Kameras und Joschi fand schnell eine bes­se­re Verwendung für den Greifarm, mit dem son­st wahr­schein­li­ch der Müll vom Diskoboden gepickt wird.


Wer bis hier durch­ge­hal­ten hat, soll mit mei­nem Highlight belohnt wer­den. Arkadi mit einer trans­por­ta­blen Firefly Lite Bank* von Aurora, die einen Aufsteckblitz schnell in eine klei­ne Octobox ver­wan­delt. Als Bonus erhielt er von mir einen Heiligenschein. Ich schwö­re: Das Foto ist spon­tan und „out of the cam“! Kein Photoshop, kei­ne end­lo­sen Testreihen. Nur etwas Können – und viel Glück.

Übrigens: Vor paar Monaten hat­te ich hier im Blog gefragt, wer mir kos­ten­los bei einem Fotoshooting assis­tie­ren wol­len wür­de. Als Reaktion kamen auch eini­ge böse Kommentare, dass ich damit Leute aus­beu­ten wür­de. Dabei sehe ich das als ein Geben und Nehmen. Damals hat­te ich Arbeitskraft „genom­men“, dies­mal habe ich mei­ne Arbeitskraft unent­gelt­li­ch gege­ben. Ying und Yang. So ist das Leben.

Was sagt ihr zu den Fotos?


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Rezension: „Hot Shoe Diaries: Groß inszenieren mit kleinem Blitz“ von Joe McNally

Lange habe ich gezö­gert, die­ses Buch zu lesen, trotz hun­der­ter eupho­ri­scher Rezensionen auf Amazon. Das Zögern hat sich gelohnt, denn nun gibt es das Buch„Hot Shoe Diaries“* (ISBN 978–3827328670) von Joe McNally auch in deut­scher Sprache zu kau­fen. Und ich muss sagen: Die ande­ren Rezensionen haben nicht über­trie­ben.

Joe McNally - Hot Shoe Diaries

Joe McNally ist ein us-amerikanischer Fotojournalist, der unter ande­rem schon für die Zeitschriften National Geographic, Time Life und Sports Illustrated gear­bei­tet hat. Er ist dafür bekannt, fast nur mit klei­nen Aufsteckblitzen zu foto­gra­fie­ren. Wenn einer nicht aus­reicht, dann auch mit zwei, drei oder 47. Viele Fotografen haben erstaun­li­cher­wei­se eine Abneigung gegen Blitze, vor allem gegen die­se klei­nen. Unkontrollierbar, schwa­che Leistung, uncoo­ler Look, das sind die gän­gi­gen Vorurteile. Dabei ent­ste­hen die­se nur bei fal­scher Handhabung und unge­nü­gen­der Kenntnis die­ser Wunderwerke.

Hier springt Joe McNally in die Bresche und zeigt in dem 300-Seiten-Buch beein­dru­cken­de Fotos und beschreibt detail­liert, wie sie ent­stan­den sind – die Idee, aber vor allem auch den Lichtaufbau. Das Ganze macht er in einem der­art locke­ren, humor­vol­len, aber immer fun­dier­ten Ton, des er als der unter­halt­sams­te Fotobuch-Autor der Welt gel­ten kann. Mehrmals habe ich laut auf­la­chen und noch öfter schmun­zeln müs­sen. Nicht gera­de übli­ch bei mei­ner sons­ti­gen Fotolektüre.

Lehrreich ist das Buch aber auch. So betont er wie­der­holt sei­nen Einsatz von Farbfiltern vor den Blitzen, die mehr­fa­che Diffusion mit­tels Schirmen und Wänden und die Verbesserung der Lichtqualität durch zwei par­al­le­le Blitze. An sich alles ein­fa­che Weisheiten, die ich aber selbst bis­her kaum ein­ge­setzt habe. Aber wenn McNally es sogar schafft, ein gan­zes Flugzeug nur mit die­sen Mini-Blitzen gut zu beleuch­ten, muss ich mich min­des­tens mal an paar Farbfilterfolien trau­en.

Joe ist lang­jäh­ri­ger Nikon–Nutzer und so bleibt es nicht aus, dass er manch­mal ganz detail­lier­te Einstellungen an den Nikon-Kameras und Blitzen erklärt, die das Blitzen noch ein­fa­cher und beque­mer machen. Canon-User müs­sen hier etwas Abstriche hin­neh­men. Wer aber durch das Studium der Kamera- und Blitz-Anleitung (immer eine emp­feh­lens­wer­te Handlung) das theo­re­ti­sche Rüstzeug besitzt, kann die meis­ten sei­ner Tipps auch für die Canon-Ausrüstung umset­zen.

Das Wort „Diaries“ im Titel lässt erah­nen, dass das Buch kei­ne tech­ni­sche Anleitung für kor­rek­te Blitzfotos ist, son­dern eher aus dem „Bauch her­aus“ geschrie­ben ist. Das macht es zum einen sehr ver­gnüg­li­ch, aber schmä­lert etwas den Erkenntnisgewinn, da ich mir zu mehr Fotos Skizzen zum Lichtaufbau gewünscht hät­te. Es ist doch manch­mal sehr ver­wir­rend, wenn er ver­sucht, einen Lichtaufbau mit meh­re­ren Blitzen, Reflektoren und Auslösern im Fließtext zu beschrei­ben. Da sagt eine Skizze mehr als 1000 Worte.

Gewundert am Rande habe ich mich, dass er kein Wort über Batterien ver­liert, obwohl die­se doch bei sei­nen Blitzen und den dazu­ge­hö­ri­gen Akku-Packs mas­sen­wei­se anfal­len müss­ten. Da hät­te ich mich auch eini­ge Praxis-Tipps erhofft. Interessant ist auch, dass McNally etli­che Verrenkungen in Kauf nimmt, um sei­ne Blitze mit dem SU-800-Auslöser oder Kabeln zu zün­den, statt sei­ne PocketWizards zu benut­zen, damit er die iTTL-Steuerung (bei Canon eTTL) ver­wen­den kann.

Alles in allem ein sehr kurz­wei­li­ges Buch mit vie­len Inspirationen und Tipps, was aber das Lesen der Blitz-Anleitung nicht erspart.

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