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Rückblick auf die Microstock Expo 2013

Die meisten Teilnehmer sind schon abgereist und ich bin noch dabei, meine neu getauschten Visitenkarten zu sortieren und meine Notizen durchzugehen. Die Rede ist von der MicrostockExpo, die letztes Wochenende zum zweiten Mal in Berlin stattfand.

Was waren die Themen, welche die Teilnehmer bewegt haben? Worüber wurde geredet? Und damit meine ich nicht nur vorne auf der Bühne, sondern vor allem unter den Fotografen, Bildagenturen und Journalisten?

Für mich haben sich vier Themen rauskristallisiert, um die sich ganz viele Gespräche gedreht haben.

  1. Authentizität:
    Das Schlagwort der gesamten Konferenz war sicher „Authentizität“. Keine Agentur auf der Bühne kam um dieses Wort herum, wenn es darum ging, die von ihnen gesuchten Bilder zu beschreiben. Immer hieß es so oder ähnlich: „Wir brauchen authentische, echte Bilder, direkt aus dem Leben gegriffen, einzigartige Momente mit Seele und Gefühl“ und so weiter. Aber schön und verkäuflich sollen sie natürlich weiterhin sein. Ein Teilnehmer sagte sinngemäß: „Die Macrostock-Kunden haben endlich Microstock entdeckt und erwarten jetzt dort auch die von ihnen gewohnte Macrostock-Bildsprache„. Der Erfolg von Stocksy ist vielleicht ein Indikator dafür.
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  2. Footage:
    Wie ihr vielleicht wisst, biete ich seit über vier Jahren neben Fotos auch Videos zum Verkauf an. In dieser Hinsicht konnte ich durch die Teilnahme am Pond5-Workshop mit Simon Krzic und einer Video-Portfolio-Review mit Simon und Robb Crocker viel lernen. Die beiden haben geduldig viele meiner bisherigen Videos angesehen und mir dann wirklich hilfreiche Tipps gegeben, wie ich diese mit einfachen Mitteln verbessern kann. Ich hätte sogar die Möglichkeit gehabt, mit einer RED-Kamera Videos zu machen, aber davon habe ich lieber Abstand genommen, um nicht in die Versuchung zu kommen, mir so ein sündhaft teures Teil kaufen zu wollen. Mir hat schon das riesige Rig um meine mickrige 5D Mark III (siehe Foto oben) den Mund wässrig genug gemacht.
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  3. Neue Vertriebskanäle und Einnahmequellen:
    Es wurden einige spannende neue Vertriebskanäle und Einnahmequellen vorgestellt. Bei den meisten davon bin ich skeptisch bis sehr skeptisch, aber allein die geballte Häufung der neuen Angebote zeigt mir, dass sich der Markt immer noch mindestens genauso schnell dreht wie vor fünf Jahren. Zu den Neuerungen gehören zum Beispiel Canva, welche eine Art Online-Bildbearbeitungsprogramm mit integrierter Bilddatenbank anbieten. Bezahlt wird nur bei Veröffentlichung eines Werkes, welche dann ein US-Dollar kosten soll, die Fotografen erhalten 35%. Über die vielfältigen Apps für den mobilen Bilderverkauf habe ich ja schon hier berichtet. Meine Skepsis ist aber kaum geringer geworden, vor allem nach dem sinngemäßen Satz des Scoopshot-Gründers Petri Rahja: „Paar Fotografen [bei Scopshot] verdienen etwas Geld, der Rest verdient Anerkennung„. Neu ist auch der Versuch der russischen Pressfoto Group, ein Streaming-Angebot für Stockfotos einzurichten. Statt Downloads bekommen die Kunden dann HTML-Code, den sie an passender Stelle einbauen sollen, abgerechnet werden sollen die benutzten Bilder per TKP (Tausender-Kontakt-Preis). Darüber werde ich bald in einem eigenen Blogbeitrag berichten.
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  4. Exklusivität:
    Viel geredet wurde auch über Yuri Arcurs‘ Entscheidung, exklusiv zu Getty Images zu wechseln. Auch Andres Rodriguez wechselte komplett zu Getty Images. Meine Vermutung letzte Woche, dass er seine nicht-exklusiven Bilder bei den anderen Agenturen belassen würde, was also nicht richtig. Besonders brisant war das Thema, weil auch Cathy Yeulet von Monkey Business Images auf der Bühne in einem Nebensatz erwähnt hatte, dass sie immer mehr Druck spürt, exklusiv zu werden und sich auf meine Nachfrage nach Details plötzlich sehr zugeknöpft gab. Auch der exklusive iStock-Anbieter Joshua Hodge nannte auf der Bühne seine aktuellen Produktionszahlen, die aber nicht mit seinem Portofolio übereinstimmten. Warum da eine große Differenz bestünde, darüber dürfe er ebenfalls nicht reden. Es scheint also was im Busch zu sein, ob gut oder schlecht oder einfach egal, das wird sich noch zeigen müssen.

Sehr schön und lehrreich war es auch, viele der bekannten Microstock-Namen aus Blogs oder Fotografen, von denen ich sonst nur deren Portfolios kannte, wie XtravaganT, Lev Dolgachov oder Sebastian Kaulitzki, persönlich zu treffen und ihre Meinungen und Erfahrungen zu hören.

Wer nicht teilnehmen konnte, wird in paar Wochen die Möglichkeit bekommen, die Videomitschnitte der gesamten Veranstaltung zu kaufen. Mehr dazu dann hier.

Geplant ist die MicrostockExpo auch wieder für 2014, wahrscheinlich dann an einem anderen Ort, vielleicht dann auch (wieder) mit euch.

Exklusivität – Eine aussterbende Praxis im Microstock-Bereich

Ich gebe zu, die Überschrift ist gewagt. Gibt es doch einige Fotografen, die zum Beispiel exklusiv bei iStock oder Fotolia sind, aber trotzdem gutes Geld verdienen.

Trotzdem glaube ich, dass diese Art der Geschäftsbeziehung zwischen Fotografen und Microstock-Bildagenturen auf dem absteigenden Ast ist. Vor ca. zwei Jahren hatte ich hier im Blog die Vorteile und die Nachteile von Exklusivität aufgelistet. Mittlerweile hat sich der Markt geändert und ich würde die Gewichtung anders verteilen. Zugunsten der Nachteile. Warum?

Machen wir einen Schritt zurück: Wir reden hier von „Fotografenexklusivität„, nicht von „Bildexklusivität„. Bei der Fotografenexklusivität verpflichtet sich der Fotograf in der Regel, sein gesamtes RF-Bildmaterial nur der einen Bildagentur zukommen zu lassen. Bei der Bildexklusivität kann der Fotograf diese Entscheidung pro Bild treffen.

Logischerweise lohnt sich eine Exklusivität nur bei Agenturen, die genug Umsätze erzielen. In der Praxis sind das hauptsächlich iStock und Fotolia, unter Umständen vielleicht noch Dreamstime.

Aber sowohl iStock als auch Fotolia haben im letzten Jahr einige Änderungen auf der Webseite gemacht, die sich negativ für deren exklusive Fotografen ausgewirkt haben. Was haben die Agenturen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – getan? iStock hat zum Beispiel einerseits die kleinen Icons an den Bildern entfernt, mit denen Käufer auf den ersten Blick erkennen konnten, dass ein Foto exklusiv war. Jetzt steht nur noch auf der Detailseite, dass ein Foto dort exklusiv erhältlich ist, was de facto jedoch nicht immer stimmt, wie das Beispiel Yuri Arcurs auch nach über sechs Monaten „Exklusivität“ zeigt. Sein Bild „Geschäftsleute mit Fragezeichen„, was bei iStock als „Only from iStock“ markiert ist, wird weiter hier oder hier oder hier günstiger angeboten.

Darüber hinaus schwächte iStock ihre Definition von Exklusivität, indem sie von „Fotografen“ auf „Bilder“ umstellten: Früher bedeutete die Krone bei iStock: „Images from this photographer are only available on iStockphoto“, heute heißt es nur „These icons highlight files created by iStock exclusive artists. This means they can only be found on iStock and select Getty Images partner sites.“

Außerdem hob iStock das Upload-Limit für nicht-exklusive Fotografen auf, was einen der bisherigen Vorteile für Exklusivität – die Möglichkeit, deutlich mehr Bilder pro Woche hochladen zu dürfen – nichtig macht. Diese und andere Faktoren scheinen dazu zu führen, dass exklusive iStock-Fotografen teilweise starke Umsatzeinbußen haben. Michael Zwahlen hat nach dem Ende seiner iStock-Exklusivität vor zehn Monaten im Oktober erstmals sogar mehr verdient als in einem Monat der letzten zwei Jahre.

Doch lassen wir mal iStock in Ruhe und schauen uns Fotolia an.

Dort gab es meines Wissens noch nie ein Abzeichen, Symbol oder gar einen Suchfilter, mit dem exklusive Dateien vom Käufer erkannt werden konnten. Eine der Legitimationen für höhere Preise, die exklusive Fotografen dort verlangen dürfen, wird dem Käufer demnach nicht vermittelt. Zudem wurden im Juli die Möglichkeiten der automatischen Preisreduzierung erhöht, was bedeutet, dass exklusive Fotografen prozentual stärker von niedrigeren Preisen betroffen sind als nichtexklusive Fotografen. Auch wurde im September den Fotografen die Möglichkeit genommen, exklusive Fotos aus dem Abo-Programm auszuschließen. Auch scheinen exklusive Fotografen bei Fotolia von der Suchumstellung im April 2013 stärker betroffen zu sein als nichtexklusive Fotografen, wenn man den Kommentaren hier im Blog Glauben schenkt.

Da sich die Agenturen bei solchen Entscheidungen nur ungern in die Karten schauen lassen, kann nur vermutet werden, aus welchen Gründen die oben genannten Änderungen umgesetzt wurden.

Wenn wir uns aber die Nachteile der Exklusivität aus Sicht der Bildagenturen und Käufer anschauen, wird klar, warum Exklusivität nicht mehr so stark propagiert wird wie noch vor fünf, sechs Jahren.

Auf der Hand liegt, dass Agenturen exklusiven Fotografen mehr Prozente zahlen müssen als nichtexklusiven Fotografen. Da exklusive Fotografen nicht nach Qualität ausgesucht werden, bedeutet das auch, dass die exklusiven Fotos nicht automatisch besser sind. Und selbst wenn exklusive Fotos super sind, gibt es genügend nichtexklusive Fotografen, welche die gleichen oder sehr ähnlichen Motive woanders anbieten. Einem grünen Apfel vor weißem Hintergrund sieht man nicht an, ob er exklusiv ist oder nicht. Dafür dann je nach Agentur als Kunde doppelt so viel bezahlen zu müssen, sehen wenige Käufer ein.

Agenturen wie Shutterstock, die ausschließlich nichtexklusiv arbeiten, scheinen trotzdem – oder gerade deswegen – steigende Umsätze zu erzielen. In diesem Blogpost erklärt der Shutterstock-CEO Jon Oringer auch, warum aus seiner Sicht Exklusivität für RF-Fotos nichts bringt: „Exklusivität bedeutet nicht, dass ein Bild weniger genutzt wurde, es bringt dem Käufer also keinen Vorteil.“

Die meisten professionellen Fotografen, also die, welche regelmäßig viele gute, verkäufliche Bilder liefern, sind in der Regel nichtexklusiv, weil sie nicht von einer Agentur mit stark schwankenden Algorithmen abhängig sein wollen. Eine Ausnahme bildet da iStock, wobei sie in der Vergangenheit auch einige ihrer Top-Exklusiven verloren oder gefeuert haben (siehe Sean Locke). Notfalls bedienen sich exklusive Fotografen gerne eines – eigentlich nicht erlaubten – Tricks: Wer exklusiv bei einer Agentur ist, lässt einfach seine Frau, sein Kind, seine Oma oder ein anderes Familienmitglied unter dessen Namen Konten bei anderen Bildagenturen eröffnen und kommt so in den Genuss der Vorteile beider Welten.

Wie passt aber meine pessimistische Analyse zur Exklusivität mit der Entscheidung des Top-Fotografen Yuri Arcurs zusammen, exklusiv zu iStock zu gehen? Auch vom kaum minder guten Fotografen Andres Rodriguez wurde erst kürzlich ein neues exklusives Portfolio bei iStock gesichtet. Spricht das nicht für Exklusivität? Im Gegenteil. Yuri Arcurs hat sich mit seinem eigenen Bildershop peopleimages.com die Möglichkeit offen behalten, seine Fotos auch „woanders“ zu verkaufen (oder zumindest iStock dazu gebracht, die Definition von „Partnerseiten“ sehr stark zu dehnen).

Auch Andres Rodriguez scheint einen Deal zu haben, der es ihm erlaubt, parallel auch nicht-exklusiv seine Bilder hier und bei anderen Bildagenturen zu verkaufen. Solche „Deals“ benachteiligen logischerweise die exklusiven Fotografen, welche nicht die Verhandlungsmacht haben, sich solche Vorteile zu sichern. Ein Grund mehr gegen die Exklusivität.

Wie seht ihr das? Was sind eure Erfahrungen?

Tutorial: Drei einfache Licht-Setups mit 2-3 Blitzen im Studio

Wie schon erwähnt habe ich auf der ersten Microstock Expo 2011 in Berlin einige Artikel-Ideen bekommen.

Der Stockfotograf Luis Alvarez hatte bei der MEXPO auch ein Beauty-Shooting organisiert. Einige Blog-Leser kennen ihn vielleicht schon von seinem Gastbeitrag „Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits im Hip Hop Look“ oder von seinem Statistik-Service Stock Performer. Luis hat mir erlaubt, die drei Licht-Setups vom Shooting vorstellen zu dürfen.

Das erste Set mit der langhaarigen Aljona ist ziemlich einfach und der Aufbau wird so ähnlich gerne in den Hochglanz-Modemagazinen verwendet, weil er mit minimalen Mitteln einen coolen Look erzeugt. Hier seht ihr zuerst eins der fertigen Fotos. Mehr Fotos könnt ihr hier sehen und auch kaufen*.


Das Model steht auf einer dunkelgrauen Hintergrundrolle, die mit einem Normalreflektor angeblitzt wird. Dieser Blitz erzeugt den weißen Kreis im Hintergrund. Die Stärke des Blitzes regelt logischerweise die Helligkeit des weißen Kreises. Als Hauptlicht dient ein sehr hoch stehender Blitz mit Beauty Dish, der ganz leicht nach links versetzt ist. Die Höhe des Blitzes ist wichtig, damit die Haare oben auch etwas Licht abbekommen.

Den genauen Aufbau und die tatsächliche Höhe des Beauty Dish seht ihr auf dem Setup-Foto unten hinten.


Im Vordergrund seht ihr den Set-Aufbau für das zweite Model, die bezaubernde Yolanda. Hier wieder eins der fertigen Fotos, mehr davon sind hier erhältlich*.

Obwohl bei diesem Blitzaufbau drei Blitze benutzt werden, ist das Setup noch einfach als das erste, denn alle Blitze sind nur mit Normalreflektoren ausgestattet.  Der Hauptblitz steht direkt auf der Sichtachse des Models hinter und über dem Fotografen. Für die Lichtkanten (auch „rim light“ genannt) an den Armen und im Gesicht des Models sorgen zwei weitere Blitze, die ca. im 30°-Winkel hinter dem Model stehen, aber tiefer montiert sind als das Hauptlicht. Das Setup-Foto oben sollte da keine Fragen offen lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch der farblich auf das Model abgestimmte Hintergrundkarton, damit die Fotos stimmig wirken.

Das dritte und letzte Setup wurde für die blonde Valerie eingerichtet. Hier eins der fertigen Fotos, mehr davon gibt es wieder hier zu sehen*.


Der Aufbau ist fast identisch mit meinem normalen Lichtaufbau, den ich im Studio nutze. Im Unterschied zu meinem Aufbau setzt Luis jedoch auf einen grauen Hintergrund. Als Hauptlicht dient eine große Octobox von schräg rechts. Direkt auf der anderen Seite des Models sorgt ein Blitz mit einer vertikalen Softbox (ein sogenanntes „Strip-Light„) wieder für die Lichtkante am Arm und Haar des Models, wobei ich die Lichtstärke nachträglich gesehen etwas runtergeregelt hätte.

Unten im Bild seht ihr noch mal die genaue Aufstellung der Blitze und als Bonus den Profi-Microstocker Andres Rodriguez bei der Arbeit.


Wer noch mehr Material sehen will, findet im Blog von Gerhard Seybert weitere Fotos und ein „Behind The Scenes“-Video und auch bei den offiziellen Videos* ist etwas vom Shooting zu sehen.

Ich finde, dass diese drei Setup-Beispiele gut zeigen, wie mit relativ einfachen Mitteln und meist nur durch eine Änderung der Blitzposition und der Hintergrundfarbe ein ganz anderer Stil auf den Fotos erzeugt werden kann. Um alle Sets nachzubauen, braucht man nur drei Blitzköpfe, ein Hintergrundsystem mit drei Hintergrundkartons, ein Beauty Dish, eine Octobox und ein Strip-Light. Notfalls kann für den Anfang auch auf die Lichtformer und den dritten Blitz und die verschiedenen Hintergründe verzichtet werden.

Jetzt seid ihr dran: Welcher der drei Looks gefällt euch am besten? Warum?

* Affiliate

MicrostockExpo – Was ich dort gelernt habe

Letztes Wochenende fand die erste MicrostockExpo statt, eine Konferenz rund um das Thema Microstock in Berlin. Mit dabei waren viele Bildagenturen, sowohl Microstock als auch einige Macrostock-Agenturen, Fotografen, Service-Dienstleister und Mitarbeiter von Verbänden und Veranstaltungen wie der CEPIC oder dem BVPA.

Die bequemste Form des Kontakteknüpfens: Der Austausch von Visitenkarten

Ich hatte die Ehre, die erste Diskussionsrunde zum Thema „Distributionswege“ zu moderieren und auch den anderen Vorträgen zuhören zu können. Die Teilnahme an der Expo hat sich für mich gleich aus mehreren Gründen gelohnt.

Zum einen inhaltlich: Die Vorträge und Diskussionen der ausgewählten Sprecher waren durchweg informativ und ich bekam einen guten Einblick in deren Denk- und Arbeitsweise. So habe ich gemerkt, dass ich einer der wenigen teilnehmenden Fotografen war, die als „One-Man-Show“ die Stockfotografie alleine betreiben, während Fotografen wie Josh Hodge, der erst 24 Jahre alt ist und vor fünf Jahren begonnen hat, schon kleine Teams haben und die russische Produktionsfirma Pressmaster insgesamt 23 Leute beschäftigt inklusive Fahrer und eigenen Casting-Direktoren, weil sie ca. 80 Models im Monat fotografieren. Selbst andere Fotografen, die alleine arbeiten, lagern einen Teil ihrer Arbeit aus, vor allem an indische Retusche- und Keyword-Firmen, die ebenfalls auf der Expo vertreten waren und mich überzeugt haben, ihren Service ebenfalls auszuprobieren.

Dazu kommen viele kleine Details, die lehrreich waren. Andres Rodriguez veröffentlichte zum Beispiel die Ergebnisse eines kleinen Upload-Tests, um die Geschwindigkeit zu messen, mit der seine Mitarbeiter Fotos bei Agenturen einstellen können und verriet einige Verhandlungsmöglichkeiten gegenüber Bildagenturen. Mark Butler von MonkeyBusiness Images erklärte sein eigenes Distributionsnetwerk mit über 100 Vertriebspartnern und erzählte dann in der Pause privat, wie viel er seinen Models durchschnittlich zahle. Bob Davis von PicNiche ergänzte die gängigen Analyse-Möglichkeiten RPI und RPD um seinen RPK, Return per Keyword.

Ein anderer positiver Effekt der Expo war die personelle Zusammensetzung. Angemeldete Teilnehmer erhielten schon lange vor der Konferenz eine Teilnehmerliste mit Kontaktdaten, um Termine im Rahmen der MicrostockExpo vereinbaren zu können. Das wurde – auch von mir – rege genutzt. So konnte ich einerseits endlich vielen meiner Email- oder Telefonkontakten endlich ein Gesicht zuordnen und lernte einige vielversprechende Geschäftspartner kennen. Während der Gespräche in den Pausen oder abends bei den Partys wurden noch mal viele Informationen ausgetauscht, die ansonsten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Wie viel verdienen die anderen Fotografen bei ihren Bildagenturen? Mit welchen rechtlichen Problemen kämpfen sie? Wo bekommen sie ihre Models her? Mit welchem Objektiv fotografiert Andres Rodriguez am liebsten im Studio? Welche Veränderungen planen die Microstock-Agenturen intern? Eine geplante Veränderung darf ich schon verraten: Shutterstock plant eine Erhöhung der Kommissionen für Video-Verkäufe. Ein netter Nebeneffekt für Euch Blog-Leser ist, dass ich durch die vielen Gespräche und Diskussionsrunden auch einige spannende neue Themen für den Blog gefunden habe, die ich in nächster Zeit und und zu einstreuen werde.

Gelernt habe ich auch, dass die erfolgreichsten Stockfotografen immer auch die diszipliniertesten und organisiertesten Personen sind. Jeder konnte aus dem Stehgreif sagen, wie teuer ungefähr ein Bild in der Produktion sein darf, um lukrativ zu sein, wie viel Arbeit jeder Mitarbeiter gerade hat und wie viele Stunden er für bestimmte Aufgaben braucht. Auch die Wichtigkeit von guter Planung und Vorbereitung eines Fotoshootings wurde von allen betont. Für mich ist es beispielsweise selbstverständlich, vor jeder Fotosession eine Shootingliste als Text und ein visuelles Moodboard zu erstellen, aber ich weiß, dass Hobby-Stockfotografen diesen Schritt gerne überspringen.

Unter dem Strich bin ich sehr motiviert und informiert von der MicrostockExpo heimgekehrt. Deshalb vielen Dank an Amos Struck und Lee Torrens für ihre Mühen, die Expo zu organisieren und das Risiko überhaupt erst einzugehen. Bis zum nächsten Mal!

Rezension: „Microstock Money Shots“ von Ellen Boughn

Dieses Buch wurde lange erwartet. Unter anderem, weil die Autorin Ellen Boughn seit über 30 Jahren im Bildermarkt arbeitet und lange Stockfotografen und Bildagenturen beraten hat und nicht zuletzt wegen das gelungenen Covers. „Microstock Money Shots„* (ISBN 978-0817424978) behandelt ein sehr ähnliches Thema wie mein eigenes Buch „Stockfotografie„*, weshalb es schwer für mich ist, darüber zu schreiben, ohne den Verdacht zu erwecken, ich würde mein Buch verklären.

Aber versuchen wir es: Das Buch von Ellen Boughn im Softcover ist 160 Seiten dick, durchgehend farbig gedruckt, mit über 200 Farbfotos illustriert und kostet ca. 19 Euro. Als Vorwort beginnt einer der meistverkaufendsten Microstock-Fotografen Andres Rodriguez mit zwei Seiten. Das Buch ist in zwölf Kapitel gegliedert. Nach einer Einleitung gibt es Tipps zur Belieferung von Bildagenturen, danach folgen fünf Kapitel über Motive, die sich gut bzw. schlecht verkaufen lassen und Gestaltungsregeln. Ein Kapitel erklärt den Umgang mit Models, eins die Suche nach Locations und ein weiteres die beste Verschlagwortung. Abschließend wird als Fallbeispiel eine Fotoproduktion zum Thema „Wandern“ von A bis Z durchgenommen. Drei Seiten zum Thema Verträge und ein Index beenden das Buch.

Was unterscheidet das Buch von meinem, abgesehen von der Sprache? Stehen da Dinge drin, die bei mir fehlen? Hm. Ein Unterschied sind auf jeden Fall die vielen bunten, sehr ansprechenden Fotos, die jedoch etwas zu Lasten des Textes gehen. Der Schwerpunkt des Buches liegt bei der Motivwahl, die Nachbereitung der Fotos, Verkaufsstrategien und so weiter werden bis auf die Verschlagwortung überhaupt nicht behandelt.

Interessanterweise ist das Kapitel „Popular Themes Without People“ fast genauso lang wie „Popular Themes With People“ und steht vor diesem, obwohl sie auch schreibt, dass sich Fotos mit Menschen besser verkaufen. Bei den Gestaltungsregeln sind mir Kleinigkeiten im Gedächtnis geblieben, wie zum Beispiel, dass der „Dutch Tilt“, das absichtliche Schräghalten des Horizonts auf Fotos wieder out ist, ebenso wie der Beschnitt eines frontalen Gesichts genau in der Mitte.

Alle Tipps im Buch sind stimmig und hilfreich, vor allem ihre Beispiele, welche Fehler viele Fotografen beim Verschlagworten machen, können manche Enttäuschung vermeiden. Selbst enttäuscht wurde ich vor allem vom viel beworbenen Vorwort. Andres Rodriguez gibt leider keine nützlichen Tipps, sondern schreibt nur, wie er zur Stockfotografie gekommen ist.

Muss man beide Bücher haben? Nein. Schadet es, beide Bücher zu haben? Nein. Selbst ich habe 1-2 Ideen für neue Shootings bekommen und damit hat so ein Buch seine Aufgabe erfüllt.

Was sagt ihr zu dem Buch? Kann es jemand objektiver als ich mit meinem vergleichen?

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