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Mögliche Fehler in der Modelfreigabe (Model Release)

Schon lan­ge bie­te ich hier im Blog mei­nen Model Release zum Download an. In mei­nem Buch „Stockfotografie“* ist zusätz­li­ch auch mein Property Release sowie ein Modelvertrag für Minderjährige abge­druckt.

shs-model-release-16-11-_2016_11-59-39Diesen Release nut­ze ich seit Jahren und bis­her wur­de er von jeder Agentur als gül­tig akzep­tiert.

Nun errei­chen mich immer wie­der Mails von Fotografen, denen die­ser aus­ge­füll­te Vertrag trotz­dem von einer Bildagentur abge­lehnt wur­de.

Auch bei mir wird manch­mal ein Modelvertrag abge­lehnt, aber das liegt eigent­li­ch nie am Vertrag selbst, son­dern immer nur dar­an, wie er aus­ge­füllt wur­de. Oder anders for­mu­liert: Wenn der Modelvertrag abge­lehnt wird, ist er nicht kor­rekt aus­ge­füllt. Das sind meist nur Kleinigkeiten, die in der Eile vom Fotografen oder vom Model über­se­hen wur­den.

Die Agenturen schrei­ben als Begründung lei­der meist nur „Probleme mit dem Model Release“ oder „ein voll­stän­di­ger Modelvertrag wird benö­tigt“, was im Detail wenig hilft.

Hier des­halb eine Auflistung der häu­figs­ten Ablehnungsgründe, war­um ein Model Release zurück­ge­wie­sen wird von einer Bildagentur zurück­ge­wie­sen wer­den kann.

Probleme mit den Zahlen:
Das häu­figs­te Problem ist, wenn Jahreszahlen zwei­stel­lig statt vier­stel­lig geschrie­ben wer­den, zum Beispiel 07.11.16 (statt 07.11.2016).
Auch unle­ser­li­ch geschrie­be­ne Zahlen kön­nen zu Problemen füh­ren, zum Beispiel weil eine 7 wie eine 9 aus­sieht oder eine 1 wie eine 7. Das ist rele­vant, weil die Unterschrift des Zeugen am glei­chen Tag wie die des Models erfol­gen soll­te. Generell ist es auch sehr emp­feh­lens­wert, dass alle Datumsangaben iden­ti­sch sind, also die Unterschrift von Fotograf, Model, Zeuge iden­ti­sch mit dem Shootingdatum sind.

Fehlende Daten:
Auf mei­nem Modelvertrag über­se­hen vie­le Models oft, dass beim Feld für ihre Unterschrift auch noch­mal das aktu­el­le Datum ste­hen muss. Manche tra­gen aber das Datum ein und ver­ges­sen dann ihre Unterschrift.

Auch alle Namen müs­sen voll­stän­dig im Vertrag ste­hen. Nur der Nachname (ohne Vorname) reicht nicht und auch Abkürzungen, vor allem vom Vornamen füh­ren regel­mä­ßig zu Ablehnungen (zum Beispiel H.-J. Schmidt oder V. Meier).

Langsam soll­te es sich her­um­ge­spro­chen haben, aber ich erwäh­ne es trotz­dem noch mal: Ein Zeuge soll­te eben­falls immer im Modelvertrag ste­hen, selbst wenn nach deut­schem Recht ein Vertrag ohne Zeuge gül­tig wäre.

Falscher Vertrag:
Es kann manch­mal vor­kom­men, dass ein fal­scher Vertrag ver­wen­det wird. Zum Beispiel, weil das Model „bald“ 18 Jahre alt wird, aber trotz­dem schon ein Model Release für Erwachsene ver­wen­det wird. Umgekehrt gilt das Gleiche.

Für Haustiere o.ä. hin­ge­gen wird eine Eigentumsfreigabe (Property Release) ver­langt, kein Model Release.

Unzureichende Daten:
Das Feld „Shootingbeschreibung“ ist eben­falls ein heik­les Feld. Wird dort das Thema des Shooting zu all­ge­mein gehal­ten (z.B. ein­fach „Shooting“ ein­ge­tra­gen oder „Photos“) kann der Vertrag abge­lehnt wer­den. Wird das Feld jedoch zu spe­zi­ell aus­ge­füllt („body­buil­ding images in gym“) und man macht noch am Rande eini­ge ande­re Fotos, kann es eben­falls Probleme geben. Bewährt hat sich bei mir „Lifestyle por­traits w/ props“, ggf. etwas spe­zi­el­ler „Business shoot“ oder „Fitness shoot“ o.ä. Ich ver­mei­de dort das Wort „images“, falls ggf. auch Videos beim Shooting gemacht wer­den.

Meist meckert eine Agentur auch, wenn die Models aus Bequemlichkeit das Land (sei es „Country“ oder „Shooting Country“) abkürzt, also z.B. „D“ statt Deutschland schreibt, wobei die offi­zi­el­len Country-Codes (also z.B. „GER“ für Deutschland) meist durch­ge­hen. Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt natür­li­ch „Germany“.

Daten schlecht les­bar:
Manchmal sind alle Daten kor­rekt aus­ge­füllt, aber Model, Zeuge oder Fotograf haben eine so unle­ser­li­che Handschrift, dass der Bildredakteur etwas ande­res liest als dort steht, was dann als einer der obi­gen Fehler inter­pre­tiert wird.

Falscher Zeuge:
Im Feld „Zeuge“ dür­fen weder der Fotograf selbst, das Model selbst oder die Eltern des Models unter­schrei­ben. Mögliche Zeugen wären bei­spiels­wei­se eine Visagistin, ein Assistent oder ande­re Models.

Andere Fotografen:
Generell akzep­tie­ren Agenturen nur Modelverträge, bei denen der Fotograf den glei­chen Namen trägt wie der hin­ter­leg­te Accountname bei der Agentur. Wer jedoch auch ande­re Fotografen für sich arbei­ten lässt und deren Modelverträge hoch­la­den will, muss bei eini­gen Agenturen zusätz­li­ch nach­wei­sen, dass er im Besitz aller erfor­der­li­chen Rechte ist (z.B. mit­tels eines Buy-Out-Vertrags), um eine Ausnahmegenehmigung zu erhal­ten.

Spezialfälle:
Bei Selbstportraits muss der Fotograf sowohl als Fotograf als auch als Model unter­schrei­ben. Zeuge muss jemand ande­res sein, sie­he oben.
Wenn das Model auf den Bildern schon ver­stor­ben ist, muss der Modelvertrag von einem der Erben aus­ge­füllt wer­den.
Bei Models für Aktaufnahmen muss in der Regel nach­ge­wie­sen wer­den, dass das Model zum Zeitpunkt der Aufnahmen über 21 Jahre alt war, zum Beispiel durch ein Ausweisdokument mit Foto und Geburtsdatum im Bild-Feld des Model-Vertrags.

Korrekte Modelverträge erhal­ten
Ihr seht, dass eini­ge Hürden zu umschif­fen sind, um kor­rekt aus­ge­füll­te Verträge zu erhal­ten. Deswegen lege ich gro­ßen Wert auf Gründlichkeit beim Ausfüllen der Modelverträge. Meine Assistentin füllt meist vor­her schon in aller Ruhe alle Felder aus, die fest­ste­hen (Shooting Country, Datum, ihre Daten als Zeugin usw.). Wenn die Models ihren Vertrag unter­schrei­ben sol­len, beto­ne ich als ers­tes, dass sie wirk­li­ch deut­li­ch schrei­ben, die Jahreszahlen aus­schrei­ben und nichts abkür­zen sol­len.

Wenn der Vertrag aus­ge­füllt ist, kon­trol­liert mei­ne Assistentin jeden Vertrag noch mal auf die oben genann­ten häu­fi­gen Fehlerquellen, damit wir not­falls noch etwas kor­ri­gie­ren kön­nen, bevor das Model nach Hause geht.

Digitale Verträge über Apps wie zum Beispiel „Easy Release“ eli­mi­nie­ren auch eini­ge Fehlerquellen wie Unleserlichkeit oder ver­ges­se­ne Daten.

Aus wel­chen Gründen wur­den euch schon Modelverträge abge­lehnt?

Frag den Anwalt – Folge 04: Grand Hotel Heiligendamm fotografieren?

In der vier­ten Folge von „Frag den Anwalt“ wid­met sich der Anwalt fol­gen­der Frage von Frank:

Foto: Alexey Testov

Ich habe von der Seebrücke im Ostseebad Heiligendamm das­Grand Hotel Heiligendamm aus foto­gra­fiert und bei Fotolia hoch­ge­la­den. Fotolia hat das Foto jedoch abge­lehnt. Der Grund für die Ablehnung lau­tet: Urheberrechtsverletzung.

Das Foto wur­de doch aber von der Seebrücke aus foto­gra­fiert. Dabei han­delt es sich doch um einen öffent­li­chen Weg oder Platz.  Kann ich mich also auf die Panoramafreiheit beru­fen oder han­delt es sich wirk­li­ch um eine Urheberrechtsverletzung?“

Das betref­fen­de Bild von Frank

Hier stellt sich zunächst die Frage, ob die Fassade des Grand Hotel über­haupt urhe­ber­recht­li­ch geschützt ist oder nicht. Wäre es nicht der Fall, wür­de die Panoramafreiheit schon kei­ne Rolle spie­len, da schon grund­sätz­li­ch kei­ne Urheberrechtsverletzung vor­lie­gen kann.

Nach einer kur­zen Netzrecherche stel­len wir fest, dass auf­grund der Errichtung der abge­bil­de­ten Architektur gut 200 Jahre zurück­liegt. Daher dürf­te das Urheberrecht des Architekten, wel­ches nach deut­schem Urheberrecht 70 Jahre nach des­sen Tod erlischt, kaum mehr ein Problem sein.

Dennoch stellt sich die Frage, was wäre wenn…

Bezüglich des Platzes vor dem Grand Hotel besteht mei­ner Meinung nach wenig Zweifel dar­an, dass die Panoramafreiheit anwend­bar und daher der Vertrieb von Bildern des Grandhotels, die von dort aus erstellt wur­den, auch dann erlaubt ist, wenn die Architektur noch urhe­ber­recht­li­ch geschützt wäre. Also – kei­ne Urheberrechtsverletzung.

Ob das auch für die Seebrücke gilt, kann aller­dings nicht auf den ers­ten Blick durch­ge­wun­ken wer­den. Derartige Brücken gehö­ren in der Regel eher zum Hafengebiet und fal­len – wie auch die Seebrücke Heiligendamm – unter die Hafenverordnung. Glücklicherweise gibt es hier eine Gruppe von Menschen, die sich hier­mit noch genau­er befasst, als Fotografen. Angler. Daher fin­den wir etwa hier ein Foto des Schildes, das an der Seebrücke hängt und die Benutzung regelt:

Foto: Rosi Warmuth

Sieht man sich das Schild mal in Ruhe an, erken­ne ich nur ein tem­po­rä­res Angelverbot, aber kei­ne Zugangsbeschränkung, sodass die Panoramafreiheit hier ein­schlä­gig sein soll­te, da für die Anwendbarkeit der Panoramafreiheit aus­weis­li­ch der Kommentierung „allein die Widmung zum Gemeingebrauch und die sich dar­aus erge­ben­de Zugänglichkeit für jeder­mann“ maß­geb­li­ch ist.

Wieso wur­de die Aufnahme den­no­ch abge­lehnt?

Niemand und gera­de kei­ne welt­weit ope­rie­ren­de Agentur mit Hauptsitz in San Jose wie Adobe wird ein­ge­hen­de Bilder nur dana­ch beur­tei­len, ob die­se nach dem deut­schen Urheberrecht unbe­denk­li­ch sind oder nicht. Und das völ­lig zurecht.

Meiner Erfahrung nach ist es gera­de bei inter­na­tio­nal akti­ven Bildagenturen übli­ch und auch abso­lut ange­zeigt, dass man sich zunächst ein Bild davon macht, wie die ein­zel­nen Themen des Fotorechts in den Ländern gehand­habt wird, in die man die Bilder nach­her ver­kau­fen möch­te. Hiernach soll­ten man für die Standards zur Aufnahme von neu­en Bildern in den eige­nen Stock jeweils die Rechtsordnung des Landes her­an­zie­hen, die die höchs­ten Anforderungen hat.

Dies liegt dar­an, dass Fotolia bei­spiels­wei­se auch us-amerikanischen Kunden eine aus­rei­chen­de Rechtegarantie geben kön­nen muss. Wenn nun ein Kunde in USA ein Bild kauft und es bei­spiels­wei­se für das Cover eines Buches ver­wen­det, das dort erscheint, erfolgt die Klärung von recht­li­chen Fragen hin­sicht­li­ch der Bildverwendung nach ame­ri­ka­ni­schem Recht. Gerade hin­sicht­li­ch Persönlichkeits- und Urheberrechten bestehen in den USA ande­re Kriterien als in Deutschland.

Müsste ich die Frage also mit einem Satz beant­wor­ten, wür­de die­ser lau­en:

Zumindest nach deut­schem Urheberrecht dürf­te hier kei­ne Urheberrechtsverletzung vor­lie­gen, was aller­dings für die Entscheidung über die Annahme der Aufnahme kei­ne Rolle spielt, da die­se auf Basis einer ande­ren Rechtsordnung gefällt wird.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in der Nähe von München.

Hast Du eben­falls eine Frage an den Anwalt?
Hier fin­dest Du mehr Infos.

Shutterstock senkt Eintrittshürde für Fotografen

Die Bildagentur Shutterstock war eine der letz­ten, die eine rela­tiv stren­ge Hürde für neue Fotografen auf­recht hielt.

Bewerber muss­ten 10 Bilder hoch­la­den, davon muss­ten 7 ange­nom­men wer­den, um als Shutterstock-Lieferant akzep­tiert zu wer­den.

Damit ist jetzt Schluss.

Ab sofort reicht es, wenn eins die­ser zehn Bilder durch die Bildprüfung kommt.

Die bis­he­ri­gen Shutterstock-Fotografen reagie­ren dar­auf mit etwas Murren im Forum, aber die­se über­ra­schen­de Entscheidung ist nach­voll­zieh­bar.

iSto­ck hat­te vor zwei Jahren schon die Schleusen geöff­net und dort wird jetzt so gut wie jedes Bild akzep­tiert, wenn nicht gera­de der gro­ße Daumen vor der Linse hing.

Der offi­zi­el­le Hintergrund ist, dass Shutterstock akzep­tier­ten Fotografen mit den inter­nen Blogs, Foren und Email-Newsletter bes­ser dabei hel­fen kann, ver­käuf­li­che­re Fotos zu lie­fern.

Inoffiziell ist es sicher eine Reaktion dar­auf, dass die Menge der Bilder bei der Bewertung einer Bildagentur eine Rolle spielt, ob das nun gerecht­fer­tigt ist oder nicht. Ich ver­mu­te auch, dass Shutterstock den „Long Tail“ des Marktes bes­ser bedie­nen will und qua­li­ta­tiv schlech­te­re neue Bilder ansons­ten durch cle­vere Algorithmen kaum in den Suchen auf­tau­chen lässt.

shutterstock preview 03-12-2015 13-30-21Ende Oktober hat Shutterstock auch ein neu­es Wasserzeichen vor­ge­stellt und eine Zoom-Funktion ein­ge­führt, mit der Bildkäufer in das Bild rein­zoo­men kön­nen, um selbst die Qualität zu kon­trol­lie­ren.

Der Stockfotograf Michael Zwahlen ver­mu­tet des­halb, dass bei­des zusam­men zu einer weni­ger stren­gen Ablehnungspolitik füh­ren könn­te, weil die Käufer vor­her bes­ser sehen kön­nen, was sie kau­fen. Das wür­de die Bildermenge zusätz­li­ch erhö­hen.

Wie seht ihr das?

Falls ihr euch noch nicht bei Shutterstock bewor­ben habt, könnt ihr das auch über mei­nen Affiliate-Link hier machen.

Frustration über unsinnige Ablehnungen bei Bildagenturen

Egal, ob im Stockfotografie-Foren, in Bildagentur-Foren oder bei mir im Email-Postfach, stän­dig schrei­ben dort frus­trier­te Fotografen, wel­che die Ablehnungen ihrer Bilder nicht ver­ste­hen kön­nen.

Meist zurecht. Aber: Jetzt kommt ein ganz gro­ßes Aber, so groß, dass es für einen eige­nen Artikel reicht.

Die Frustration über abge­lehn­te Bilder kann von meh­re­ren Seiten betrach­tet wer­den, die sich teil­wei­se ergän­zen.

Der Zufall-Effekt

Wie ich schon zwei Mal hier und hier mit einer hoch­wis­sen­schaft­li­chen Analyse her­aus­ge­fun­den habe, wer­den die Bilder eher zufäl­lig abge­lehnt. Das heißt, wer zehn Mal die glei­chen Bilder bei zehn ver­schie­de­nen Agenturen hoch­lädt, erhält von jeder Agentur sicher ca. fünf Ablehnungen, aber jeweils für ande­re Bilder. Das trägt nicht dazu bei, eine Konsistenz bei den Ablehnungen zu erken­nen.

Die Liebe zum Bild ver­hin­dert Einsicht

Vor allem am Anfang schmer­zen Ablehnungen sehr. Der Fotograf inves­tiert viel Zeit und Aufwand, um ein gelun­ge­nes Foto zu machen und noch mal viel Zeit und Mühen, um es am Computer zu ent­wi­ckeln und zu retu­schie­ren. Dann ver­bringt er Zeit mit dem Beschriften und Hochladen und – zack – wird das Bild abge­lehnt. Und das bei einem Motiv, bei dem der Fotografen viel Herzblut rein­ge­steckt hat. Leider sehen das nicht die Bildredakteure. Aber das ist auch gut so, denn die Bildkäufer inter­es­siert es eben­so­we­nig, ob sie sie­ben Tage oder zwei Minuten auf den per­fek­ten Moment war­ten muss­ten, um das Bild zu machen. Was zählt, ist ein­zig, ob das Motiv zum pas­sen­den Preis für die gewünsch­te Verwendung erhält­li­ch ist. Deshalb: Bau als Fotograf eine pro­fes­sio­nel­le Distanz zu dei­nen Werken auf. Das ist neben der Zeitersparnis auch einer der Gründe, war­um vie­le pro­fes­sio­nel­le Stockfotografen das Hochladen der Bilder aus­la­gern oder Assistenten über­las­sen. Ablehnungen sind nie per­sön­li­che Angriffe auf das Können der Fotografen, son­dern meist betriebs­wirt­schaft­li­che Entscheidungen.

Unzutreffene Textbausteine

Eine regel­mä­ßi­ge Quelle gro­ßen Frusts sind die Textbausteine, wel­che die Bildagenturen den Fotografen lie­fern, wenn sie über­haupt so gnä­dig sind, ihre Ablehnungsgründe mit­zu­tei­len. Das reicht von „Model-Release fehlt“ bei 3D-Bildern über „Zu star­ke Nutzung von Foto-Filtern“ bei Bildern, die direkt aus der Kamera kom­men und so wei­ter. Die Textbausteine pas­sen eben nicht immer gen­au auf die abge­lehn­ten Bilder oder obwohl Bilder unter den glei­chen (Studio-)Bedingungen auf­ge­nom­men wur­den, wer­den eini­ge davon wegen tech­ni­scher Mängel abge­lehnt und ande­re nicht.

Einige Agenturen wie Fotolia oder Dreamstime behel­fen sich, indem sie bei Ablehnungen aus tech­ni­schen Gründen ein­fach eine lan­ge Liste an mög­li­chen Ablehnunsgründen nen­nen, aus denen sich dann der Fotograf das pas­sen­de raus­su­chen kann. Das wie­der­um führt zu neu­en Problemen, weil vor allem uner­fah­re­ne­re Fotografen nicht gen­au wis­sen, was sie fal­sch gemacht haben könn­ten oder den­ken „Ich habe doch 19 der 20 auf­ge­führ­ten Punkte umge­setzt, das soll­te doch rei­chen?

Aber sehen wir uns die Sache mal von der ande­ren Seite an.

Unerfahrende und gestres­s­te Bildredakteure

Bei den Bildagenturen sit­zen je nach Größe der Agentur ein bis zig Bildredakteure, die tag­e­in, tag­aus nichts anders machen als die neu ein­ge­trof­fe­nen Fotos zu kon­trol­lie­ren. Früher waren das Leute, die jah­re­lan­ge Erfahrungen in der Bilderbranche hat­ten und oft auch selbst foto­gra­fiert haben. Durch die Flut der Digitalfotos und die schier unend­li­ch schei­nen­de Menge an neu­en Fotos gibt es nicht genü­gend kom­pe­ten­te Leute. Deshalb wird die­se Aufgabe – vor allem bei den Microstockagenturen – ent­we­der von unter­be­zahl­ten Leuten erle­digt, die mal kurz in die Materie ein­ge­ar­bei­tet wer­den oder die Bildkontrolle wird gleich nach Asien aus­ge­la­gert, wo die Bedingungen garan­tiert nicht bes­ser sind.

Meine Vermutung ist, dass vor allem bei den Microstock-Agenturen die Redakteure eine gewis­se Zahl an Bildern pro Tag kon­trol­lie­ren müs­sen, um von ihren Chefs nichts auf den Deckel zu krie­gen. Bei die­sem Zeitdruck ent­ste­hen ers­tens leicht Fehler, weil etwas über­se­hen wird und zwei­tens führt die Ablehnung eines Bildes schnell zur Ablehnungsorgie: Wenn ein Bildredakteur Fehler erkennt, wird bei den fol­gen­den Bildern noch genau­er hin­ge­schaut, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Fehler gefun­den wer­den und so wei­ter und plötz­li­ch ist die gesam­te Serie abge­lehnt wor­den.

Durch den Stress ver­kli­cken sich die Bildredakteure auch mal, wes­halb die genann­ten Ablehnungen nicht immer pas­sen. Außerdem sind sie meist kei­ne pro­fes­sio­nel­len Fotografen und wis­sen des­halb nicht, dass es fast unmög­li­ch ist, unter bestimm­ten Bedingungen zum Beispiel bei Gegenlicht mit star­ken Kontrasten und Weitwinkelobjektiv Bildfehler wie chro­ma­ti­sche Abberationen zu ver­mei­den.

Die Früchte im Garten der ande­ren

Viele Fotografen machen sich über die Ablehnungen bei Bildagenturen lus­tig, wenn das abge­lehn­te Bild von einer ande­ren Agentur ange­nom­men wur­de und sich dort zu einem lukra­ti­ven Bestseller ent­wi­ckelt. Im Nachhinein ist das ein­fach, aber auch unfair. Denn selbst Stockfotoprofis kön­nen meist nicht gen­au sagen, wel­ches Bild aus einer Serie ein Topseller wer­den wird. Die Bildredakteure sehen die Downloadzahlen ande­rer Agenturen nicht und vie­le der abge­lehn­ten Bilder, die woan­ders genom­men wur­den, lie­gen dort viel­leicht auch wie Blei in den Regalen.

Die Tücken der Automatisierung

Durch den erwähn­ten Zeitdruck las­sen sich die Agenturen Mittel und Wege ein­fal­len, die Bearbeitung schnel­ler vor­neh­men zu kön­nen. So bekom­men Bildredakteure oft das Foto in einer klei­nen Ansicht zu sehen und vier 100%-Ausschnitte. Wer das Pech hat, dass ein Bildfehler gen­au in die­sem 100%-Ausschnitt liegt, wird eine Ablehnung bekom­men, wenn der Bildfehler dane­ben liegt, kann es pas­sie­ren, dass das Bild trotz­dem ange­nom­men wird, weil der Bildredakteur kei­ne Zeit hat, ins Bild rein­zu­zoo­men. Manchmal sind Ablehnungen des­halb auch kein Pech, son­dern Annahmen nur Glück.

Bei Dreamstime wer­den auch die Bildtitel und Suchbegriffe im Hintergrund ana­ly­siert. das heißt, wenn ein neu hoch­ge­la­de­nes Bild den glei­chen Bildtitel und die glei­chen Suchbegriffe wie ein schon vor­han­de­nes Foto des glei­chen Fotografen hat, wird es sehr wahr­schein­li­ch (viel­leicht sogar auto­ma­ti­siert?) wegen „zu vie­ler ähn­li­cher Motive“ abge­lehnt, auch wenn das Bildmotiv ein ganz ande­res sein kann.

Es ist auch sehr wahr­schein­li­ch, dass die Bildredakteure die bis­he­ri­ge Ablehnungsquote eines Fotografen sehen. Wenn dort 55% Ablehnungen steht, wer­den die Kontrolleure deut­li­ch genau­er schau­en als bei jeman­den, der sich über die Jahre eine 2–3% Ablehnungsquote erar­bei­tet hat.

Bei recht­li­chen Problem wird im Zweifel abge­lehnt

Auch die recht­li­che Seite führt zu viel Ablehnungsfrust. Wenn es auch nur den Hauch eines Zweifels geben soll­te, leh­nen Bildredakteure ein Bild lie­ber ab, weil immer mehr Agenturen eine Rechte-Garantie für deren Kunden über­neh­men, die sie bei Fehlern teu­er zu ste­hen kom­men wür­de. Manche Fotografen ver­ken­nen aber auch die Rechtslage. Nur weil ein Foto in Deutschland auf­ge­nom­men wur­de, wo bestimm­te Gesetze gel­ten, setzt die Bildagentur oft aber deut­li­ch stren­ge­re Regeln an, weil die Fotos eben welt­weit ver­kauft wer­den und in ande­ren Ländern manch­mal eben här­te­re Gesetze gel­ten. Zum Beispiel braucht man für das Fotografieren eines Tieres in Deutschland kei­ne Genehmigung, weil es als „Sache“, nicht als „Person“ gilt, aber die Bildagenturen ver­lan­gen trotz­dem einen Eigentumsfreigabe vom Tierbesitzer. Wer pro­fe­sio­nell Stockfografie betrei­ben will, muss das akzep­tie­ren.

Außerdem steht in den meis­ten Agenturverträgen mit den Fotografen, dass die­se für recht­li­che Konsequenzen selbst haf­ten müs­sen. Eine Bildablehnung wegen mög­li­cher recht­li­cher Probleme kann dem Fotografen des­halb manch­mal sogar den Hals und das Bankkonto ret­ten.

Manchmal haben Bildredakteure sogar recht

Jeder Fotograf kann eini­ge Geschichten von abstru­sen Ablehnungsgründen erzäh­len. Darüber wird oft über­se­hen, dass die Bildredakteure manch­mal auch recht haben. Einige Bilder sind ent­we­der unscharf, schon zu oft ver­han­den, blau­sti­chig oder ein­fach nicht ver­käuf­li­ch. Da hilft dann auch kein Jammern und Meckern, son­dern nur eine kri­ti­sche Selbstbetrachtung und die Frage an sich selbst: „Wie kann ich bes­ser wer­den und die­se Fehler in Zukunft ver­mei­den?“

Alles bud­dhis­ti­sch sehen

Viele haben ver­sucht, die uner­gründ­li­chen Wege der Bildredakteure zu ver­ste­hen, kaum jemand hat es geschafft. Wer lang­fris­tig erfolg­reich im Stockfotomarkt mit­spie­len will und sein Herz schon möch­te, soll­te alles etwas bud­dhis­ti­sch sehen. Nicht ärgern las­sen, abha­ken und wei­ter­ma­chen. Bei offen­sicht­li­chen Fehlern und poten­ti­el­len Bestseller-Motiven lohnt sich manch­mal eine Korrektur und ein erneu­tes Einreiches, aber meist ist die Zeit bes­ser ange­legt, gleich neue Fotos zu machen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit Ablehnungen gemacht? Wie geht ihr damit um?

Emails bei Fotografen-Bewerbung für Shutterstock verstehen

Wer sich als Fotograf bei der Bildagentur Shutterstock* bewirbt, muss zuer­st durch ein Auswahlverfahren. Das ist nicht immer ganz ein­deu­tig, wie mir eini­ge Mails zei­gen von Fotografen, die sich über hohe Ablehnungen wun­dern. Shutterstock ver­langt, dass der Fotograf zehn Bilder ein­sen­den muss, von denen min­des­tens sie­ben Fotos akzep­tiert wer­den müs­sen, damit er bei Shutterstock hoch­la­den darf. Die Email, wel­che über die Annahmen und Ablehnungen der Bewerbungsbilder infor­miert, ist lei­der etwas ver­wir­rend, des­we­gen hier eine kur­ze Erklärung:

Von den geschick­ten zehn Bildern müs­sen sie­ben oder mehr ange­nom­men wer­den. Wenn jedoch weni­ger als sie­ben Fotos akzep­tiert wur­den, steht neben jedem Foto „not appro­ved“. Das bedeu­tet jedoch nur, dass die Bewerbung ins­ge­samt noch kei­nen Erfolg hat­te. Erst die letz­te Spalte, in der ent­we­der „7 of 10 must be appro­ved“ oder eine ande­re Meldung steht, ver­rät, ob das Bild ange­nom­men wur­de oder nicht. Bei „7 of 10 must be appro­ved“ wur­de das Bild ange­nom­men, bei ande­ren Meldungen wie „Noise“, „Focus“ oder „Poor Lighting“ sind das die Ablehnungsgründe, wes­halb die Fotos nicht akzep­tiert wur­den.

Update: Da es eini­ge Unklarheiten gab, noch mal zur Klarstellung: Es müs­sen min­des­tens 7 von 10 Bewerbungsfotos akzep­tiert wer­den, damit die Bewerbung erfolg­reich ist. Wenn weni­ger Fotos akzep­tiert wer­den (die akzep­tier­ten Fotos erkennt man an der letz­ten Spalt, in der dann „7 of 10 must be appro­ved“ steht), wer­den die­se bei der ers­ten Bewerbung nicht ange­nom­men, kön­nen aber bei der zwei­ten Bewerbung wie­der mit­ge­schickt wer­den. Details auch in den Kommentaren unter dem Artikel.

Gesamt kann das dann so aus­se­hen:

Bei der gezeig­ten Mail wur­den also 6 von 10 Bildern ange­nom­men, wes­halb die Bewerbung als Ganzes nicht erfolg­reich war. Aber der Fotograf kann beim nächs­ten Versuch die sechs ange­nom­me­nen Bilder noch mal schi­cken und vier zusätz­li­che neue Motive mit­lie­fern. Da die Annahmen und Ablehnungen jedoch je nach Bildredakteur sub­jek­tiv sein kön­nen, kann es pas­sie­ren, dass beim zwei­ten Versuch auch von den zuvor ange­nom­me­nen Bildern eini­ge abge­lehnt wer­den.

Ein wei­te­rer häu­fi­ger Fehler ist, dass nicht gen­au 10 Fotos hoch­ge­la­den wer­den, son­dern nur neun oder mehr als zehn.

Wie oft muss­tet ihr euch bewer­ben, um von Shutterstock als Fotograf akzep­tiert zu wer­den?

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