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Vorteile und Nachteile einer Modelvertrag-Tabelle

Je größer das eigene Stockfoto-Portfolio wird, desto schwieriger wird es, den Überblick zu behalten. Oder im Umkehrschluss: Desto wichtiger ist es, Ordnung und Struktur in den eigenen Datenbestand zu bringen. Ein Mittel, was dabei helfen kann, ist eine „Modelvertrag-Tabelle„.

Lee Torrens hat diese Art der Tabelle vor einem halben Jahr als „Release Matching Spreadsheet“ in seinem Blog vorgestellt und nachdem ich sie erstellt hatte, hat sie mir schon zwei Mal viel Arbeit erspart.

Was ist eine Modelvertrag-Tabelle?

In einer Modelvertrag-Tabelle werden alle Bilder eines Fotografen aufgelistet und welche Modelverträge und Eigentumsfreigaben zu den jeweiligen Fotos gehören. Diese Tabelle wird genutzt, um den Bildbestand eines Fotografen schneller und automatisiert zu Bildagenturen zu liefern.

Die Vorteile einer solchen Tabelle

Wer für sein gesamtes Portfolio eine Modelvertrag-Tabelle hat, kann sich das Zuordnen von Modelverträgen und Eigentumsfreigaben für jedes einzelne Foto per Hand sparen, wenn er seine Bilder bei Agenturen hochlädt. Das geht leider momentan noch nicht bei den meisten Microstock-Bildagenturen, aber beim Hochladen zu weiteren Bildagenturen wird die Tabelle hilfreich. Vor allem Macrostock-Agenturen sind es gewohnt, diese Daten als Excel-Tabelle zu erhalten.

Auch für Verhandlungen mit neuen Bildagenturen kann es ein großer Pluspunkt sein, diese Tabelle zu haben. Wenn Agenturen wissen, dass sie diese Daten automatisiert für alle Bilder übernehmen können, stärkt das die Verhandlungsmacht des Fotografen und er kann in anderen Bereich mehr herausschlagen. Tipps für erfolgreiche Verhandlungen mit Bildagenturen gibt es hier bald in einem eigenen Artikel.

Ein weiterer Vorteil ist die Übersicht, die der Fotograf mit seiner Modelvertrag-Tabelle behält. Ich habe zum Beispiel mittlerweile über 200 verschiedene Models fotografiert. Einige davon kenne ich auch privat oder habe sie so oft fotografiert, dass ich mir deren Namen problemlos merken kann. Aber es kam schon vor, dass ich bei einem Gruppenfoto wissen musste, wer die abgebildeten Personen sind. Früher musste ich mir die eingescannten Model Releases im Ordner chronologisch sortiert anzeigen lassen und suchen, damit ich den Namen finde. Heute gebe ich einfach den Dateinamen in die Suchfunktion meiner Modelvertrag-Tabelle ein und ich werde zur Zeile geführt, in der die dazugehörigen Verträge stehen.

Viele Profi-Fotografen wie Andres Rodriguez, Yuri Arcurs, Mark Butler oder Ron Chapple nutzen so eine Tabelle, um ihr Portofolio breiter streuen zu können.

Der Nachteil einer Modelvertrag-Tabelle

Der Aufbau einer solchen Tabelle bedeutet etwas Arbeit, vor allem, wenn man schon einige tausend Bilder angesammelt hat, die nachträglich zugeordnet werden müssen. Außerdem bedeutet es doppelte Arbeit bei neuen Shootings, weil einerseits die Bilder in der Excel-Tabelle erfasst und trotzdem manuell bei den meisten Microstock-Agenturen mit MR und PR versehen werden müssen.

Den Lohn für eine solche Tabelle erhalten Fotografen vor allem dann, wenn sie dabei sind, ihren gesamten Bildbestand an neue oder weitere Bildagenturen zu liefern. Fast immer ist ein Teil der Forderung bei den Verhandlungen, dass das Portfolio so automatisiert wie möglich ins Agentur-Archiv übernommen wird. Idealerweise liefert der Fotograf nur eine externe Festplatte mit den Fotos, den Verträgen in einem eigenen Ordner und der Modelvertrag-Tabelle. Um den Rest kümmert sich die Agentur. Das Risiko, viel Zeit beim manuellen Hochladen zu neuen Agenturen zu verschwenden, die sich vielleicht als nicht lukrativ erweisen, wird so minimiert.

Wie muss eine Modelvertrag-Tabelle aussehen?

Wenn ihr euch entschieden habt, auch so eine Tabelle anzulegen, gibt es nur einige Grundregeln zu beachten.

In die erste Spalte der Tabelle kommt immer der Name des Fotos und in die danach folgenden Spalten jeweils die Modelverträge und Eigentumsfreigaben, die zu diesem Foto gehören. Das Ganze sieht dann beispielsweise so aus:


Die Farben in der ersten Spalte sind nur intern zur Auswertung für mich.

Ganz wichtig ist, dass die Tabelle maschinenlesbar sein muss. Das heißt, das wirklich jedes Foto, welches einen Vertrag benötigt, auch in der Tabelle einzeln aufgeführt wird. Abkürzungen wie „Alle Fotos im Ordner X benötigen Vertrag Y“ funktionieren nicht. Fotos, welche keine Verträge benötigen, wie beispielsweise Obst-Freisteller oder Landschaftsaufnahmen, können, müssen aber nicht aufgeführt werden.

Die Tabelle kann mittels einer Tabellenkalkulationssoftware leicht in viele verschiedene Formate exportiert werden, aber als Standard nehmen Bildagenturen am liebsten das CSV-Format.

Sinnvoll ist es, das gesamte Portofolio in einer Tabelle abzudecken. Es wäre zwar möglich, verschiedene Tabellen für unterschiedliche Motive anzulegen, solange sie vom Format her 100% identisch sind, aber mir ist noch kein Grund eingefallen, was das für Vorteile hätte.

Nutzt ihr schon so eine Tabelle? Oder wie behaltet ihr die die Zuordnung Eurer Modelverträge?

Stockfotografie-News 2011-07-29

Guten Morgen, ihr News-Junkies. Nach einer langen Durststrecke im heißen Sommermonat gibt es wieder neuen Stoff.

  • Fotolia startet zwei neue Kooperationen und zeigt damit, dass sie aktiv daran arbeiten, neue Käuferschichten innovativ zu erreichen. So gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Start-Up Codingpeople, bei dem sich Kunden Fotolia-Bilder in ihre Webseiten-Layouts einbauen können und eine Kooperation mit dem Journalismus-Dienstleister Raufeld Content, bei dem direkt über eine API-Schnittstelle passende Fotos zu Artikeln genutzt werden können, welche von Raufeld an Medien verkauft werden.
  • istockphoto versucht einen anderen Weg der Kundengewinnung: Die Agentur erhöht ihre Prämien für die Kundenwerbung. Wer einen neuen Kunden wirbt, der innerhalb von 30 Tagen nach Anmeldung mindestens 26 Credits kauft, erhält dafür jetzt 20 statt wie bisher 10 US-Dollar. Das gilt aber nur bis Herbst, denn dann soll das Prämiensystem komplett umgestellt werden.
  • Außerdem hat istockphoto jetzt einen dringend benötigten Preis-Filter eingeführt, nachdem sie viele neue – teurere Foto-Kollektionen mit aufgenommen haben. So können Kunden sich jetzt auch nur die günstigeren Bilder anzeigen lassen.
  • Um zu sehen, wohin sich der Bildermarkt vielleicht entwickelt, ist es manchmal hilfreich, zu den ganz großen Fotografen zu schauen. So ging ein Raunen durch die Foren als der bekannteste Stockfotograf Yuri Arcurs eine Stellenausschreibung schaltete, in der er zwei Dinge erwähnte. Zum einen wolle er eine Verkaufsplattform aufbauen, um seine Bilder direkt zu verkaufen, zum anderen erwähnte er neben Fotos und Videos auch Vektorgrafiken. Vor allem letzteres nährte die Gerüchte, er plane vielleicht nicht nur den Verkauf seiner Bilder, sondern auch von anderen Fotografen, da von Yuri bislang keine Vektor-Motive bekannt sind. Ist das die Zukunft, der Direktverkauf? Oder das Ende von Microstock? Wir werden sehen.
  • Ein anderes großes Ding ist ja Google+, die neue Konkurrenz von Facebook. Fotografen, die dort aktiv sind, sollten zum einen auf die Nutzungsbedingungen aufpassen und zum anderen die Standard-Auswahl bei den Privatsphäre-Einstellungen deaktivieren, welchen es fremden Leuten erlaubt, seine Fotos herunterzuladen oder als Drucke zu bestellen. Ich bin übrigens auch bei Google+, wer mich in seinen Kreis aufnehmen will, findet hier mein Profil.
  • Shutterstock hat einen neuen Filter eingeführt, der es nun erlaubt, die Suchergebnisse nicht nur nach „neuste“, populärste“ und „zufällige“ Ergebnisse zu sortieren, sondern jetzt auch nach „relevanteste“. Während „populär“ stark nach der Anzahl der Verkäufe gewichtet ist, soll „relevant“ stärker die Suchbegriffe berücksichtigen. Einige Fotografen beklagten daraufhin gesunkene Einnahmen ihrer neuen Fotos, was auch bei mir bemerkbar ist, auch wenn sich die Gesamtumsätze kaum verändert haben.
  • 123rf hat jetzt beim Hochladen von Bildern standardmäßig ein Häkchen aktiv, welches es der Agentur erlaubt, abgelehnte Bilder automatisch als „redaktionelle Bilder“ anzubieten, wenn die Motive einen Nachrichtenwert haben. Der Hintergrund ist, dass die Fotografen so das Bild nicht neu hochladen müssen, falls sie es versehentlich in der falschen Rubrik (Fotos statt Editorial) hochgeladen haben.
  • Alamy ändert ihre Fotografenverträge, mit dem Ziel, in Zukunft auch Videos und News-Fotos anbieten zu können.
  • In der Schublade der Stockfotografen findet sich jetzt ein neues Verschlagwortungswerkzeug. „Compare Keywords“ erlaubt, wie der Name anklingen lässt, zwei Sets von Suchbegriffen miteinander zu vergleichen und die gleichen, ähnlichen oder fehlenden Wörter anzeigen zu lassen.
  • Getty Images kündigte gestern eine neue Kollektion namens „Flickr Select“ an. Diese Kollektion soll eine Art Best-Of der „normalen“ Flickr-Kollektion darstellen, momentan sind ca. 6.000 Bilder enthalten und es werden weitere hinzugefügt. Der Sinn erschließt sich mir spontan nicht ganz, außer dass die Flickr-Kollektion mittlerweile langsam zu groß und damit zu beliebig wird. Viele Motive der Flickr-Kollektion sind jetzt schon sehr typisches Stock-Material wi z.B. Sandstrände oder Food-Fotos, obwohl die Kollektion angetreten war, um frischen Wind in die Bildsprache zu bringen.
  • Tyler Olson vom Microstockgroup-Forum hatte 2010 eine große Umfrage unter Microstock-Fotografen durchgeführt und veröffentlicht jetzt nacheinander verschiedene Analysen. Zum Beispiel hat er jetzt verglichen, wie der Zusammenhang zwischen Portfolio-Größe und Umsatz bei Hobby- und Vollzeit-Stockfotografen ist. Auf jeden Fall lesenswert, wie die anderen Umfrage-Ergebnisse auch.
  • Vielleicht für einige interessant: Vom 6. bis 8. September findet in Bonn das Seminar Bilddokumentation und Bildermarkt“ von Verein für Medieninformation statt.
  • Die Bildagentur Stockfood hat jetzt eine neue Agentur mit dem Schwerpunkt auf Innenarchitektur und Einrichtungsideen: Living4media.
  • Bei Youtube gibt es jetzt von mir ein Video, was einen Querschnitt meines Portfolios zeigt. Die Diashow habe mit Flixtime erstellt, da gab es vor einer Weile im Fotolia-Newsletter einen Gutschein-Code zum kostenlosen Testen. Mit dem Code „flixfotolia“ bekommt ihr eine Woche kostenlos das Pro-Abo.
  • Zum Abschluss noch etwas zum Schmunzeln und Nachdenken: Die Kosmetik-Firma L’Oreal musste eine große Werbekampagne in Großbritannien zuzückziehen, weil sie die britische Werbe-Behörde ASA beschwert hatte, dass die Bilder zu stark retuschiert seien.

Fehlt was? Dann rein die die Kommentare damit.

Pimp My Stock! Bildbesprechungen von Stockfotos 13

In dieser Folge von „Pimp My Stock!“ gibt es etwas Neues. Heute schauen wir uns Bilder an, die allesamt von Fotolia in den letzten Wochen abgelehnt wurden. Das ist nichts Ungewöhnliches. Spannender ist eher, dass ich auf den ersten Blick fast jedes Foto mit Kusshand aufgenommen hätte und ich mir bei den meisten Motiven auch sicher bin, dass sie sich gut verkaufen würden.

Der Fotograf Sebastian Reuter schrieb mir eine verzweifelte Mail, weil seine besten Fotos häufig abgelehnt würden. Er schickte mir auch die Fotos in voller Auflösung, damit ich in der 100%-Ansicht auf Fehlersuche gehen könne. Er schrieb u.a.

„Ich lade seit Dezember 2010 nach und nach meine besten Bilder bei Fotolia hoch. Es sind jetzt 117 Bilder und derzeit satte 38 Credits „Gewinn“. Okay, das dauert…

Aber was mich am meisten nervt ist, dass perfekte Bilder immer wieder abgelehnt werden. Perfekt weil: mit ISO 50 kann nichts rauschen, Blende 8 kann es keine chromatische Abberation sein, mit 2,5 sec Belichtung war es auch nicht frei Hand. Und so geht es weiter…“

Aber schauen wir, woran es liegen könnte. Seine bisher angenommenen Motive findet ihr hier.

Das Motiv sieht geil aus, oder? Eine Glühbirne im Moment des Zersplitterns. Gut beleuchtet, mit viel Platz für Text, ideal für Werbeplakate. Würde thematisch gut zu Themen wie „Energie sparen“, „Glasbruch“, „Ideenfindung“ und vielen anderen passen. Kommerziell sehr verwertbar. Am Motiv kann es nicht liegen, dass das Bild abgelehnt wurde. Zoomen wir mal ran:

Hier wird deutlicher, was Gründe sein könnten. Zum einen ist das Bild etwas verrauscht, außerdem gibt es ganz leichte Ansätze von chromatischer Abberation, der Lichtreflex sorgt für kleine ausgefressene Stellen und das Bild ist durch die schnelle Bewegung etwas unscharf. Würde es die Bildkäufer stören? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn sich ein Bildredakteur daran reibt, hilft das dem Fotografen nicht. Trotzdem könnte das Bild mittels Photoshop etwas gerettet werden. Eine leichte Rauschreduzierung (ich bevorzuge da Plugin Noise Ninja), die Farbsättigung reduzieren und manuelles Abwedeln der ausgefressenen Stellen würde einige Kritikpunkte abschwächen. Bei mir sähe das so aus:


Es sind noch paar JPG-Artefakte zu sehen, die vielleicht zu verhindern wären, wenn der Workflow vom RAW-Bild zum Endergebnis behutsam überprüft wird.


Bei diesem Foto einer Kuh auf der Weide brauchen wir nicht zu zoomen, um das Problem zu erkennen. Blendenflecken sind per Definition ein Bildfehler. Punkt. Klar, manchmal mag der Effekt zur Schönheit eines Fotos beitragen, aber hier stört vor allem der grüne Fleck in der Kopfmitte die Idylle. Vielleicht hätte es gereicht, diesen einen Fleck zu retuschieren. Dazu kommt jedoch, dass das Motiv zuhauf in Agenturen vorhanden ist und der Bedarf eher gering ist. Bei solchen Motiven sind Bildredakteure nun mal strenger. Da hilft es auch nicht, auf die zehntausend anderen Kuhfotos zu verweisen, die seit Jahren in den Agenturen sind und hunderte von Downloads erreicht haben. Mit jedem angenommenen Bild steigt das Risiko der Ablehnung für ähnliche Motive.


Auch bei diesem Laserfoto sind die Bildfehler schon in der Kleinansicht zu erkennen. Trotzdem mal eine 100%-Ansicht:


Die Farben laufen deutlich sichtbar zusammen, jedem Bildredakteur würden da die Haare zu Berge stehen. Aber: Wer schon mal probiert hat, eine superhelle Lichtquelle (und nichts andere ist ein Laserstrahl) mit dessen Reflexionen auf Metall (in diesem Fall die Laborgeräte) zu fotografieren, wird merken, dass es nahezu unmöglich ist, das ohne Überstrahlungen zu erreichen, die einen Lichthof erzeugen. Aber viele Bildredakteure in Microstock-Agenturen haben davon entweder keine Ahnung oder es ist ihnen egal. Erschwerend kommt beim Foto hinzu, dass die unterschiedlichen Neonfarben das Bild zwar kompositorisch spannend machen, aber durch ihre unterschiedlichen Wellenlängen digitale Sensoren zu schnell überfordern.

Das ist einer der Gründe, warum es wenige gute Laserfotos in Bildagenturen gibt, von digitalen Fotomontagen mal abgesehen. Das wäre ein Grund, das Foto trotzdem anzunehmen. Aber auch für ein Laserfoto ist es eher für spezielle Anwender interessant, weil es sehr dunkel ist und durch die vielen Einzelteile wirr erscheint. Ein anderes Laserfoto mit weiblicher Forscherin und einem ruhigeren Bildaufbau ist für Microstock-Kunden interessanter.

Stillleben mit Werkzeugen eines Zahnarztes. Ein typisches Microstock-Motiv, gut verkäuflich. Abgelehnt? Abgesehen von der dunklen Ecke links unten und dem mangelnden Kontrast ist auf den ersten Blick wenig zu bemängeln. Zoomen wir ran:

Der größte Kritikpunkt: Die schärfste Stelle im Bild ist noch nicht richtig scharf. Außerdem ist eine leichte chromatische Abberation (CA) zu erkennen. Ihr seht nicht, was ich meine? Speichert das Bild ab, öffnet es in Photoshop, wählt das Werkzeug „Farbton/Sättigung“, klickt auf „Bearbeiten: Magentatöne“ und zieht den Regler „Sättigung“ auf +100. Seht ihr die lila Linie? Um sie zu entfernen, jetzt einfach den Sättigungsregler auf -100 ziehen. Fertig.

Ich habe mal den Kontrast etwas angehoben, die CA entfernt und das Bild leicht geschärft. Das Ganze sieht dann so aus. Wer will, kann ja beide Versionen als Ebenen übereinander legen und direkt vergleichen:


So würde das Foto schon eher angenommen werden.


Bei diesem Foto aus einer Eisengießerei tritt ein ähnliches Problem auf wie beim Laserfoto. Geschmolzenes Metall ist per Definition sehr hell und erzeugt damit automatisch Lichthöfe auf Fotos, die unvermeidlich sind. Bei der 100%-Ansicht tritt noch ein anderes Problem zu Tage:


Es gibt eine leichte Bewegungsunschärfe und ein unschönes Bildrauschen. Ein Blick in die EXIF-Daten gibt Aufschluss: Das Foto wurde mit einer Canon EOS 1Ds Mark III und dem Canon 24-70mm-Objektiv (f2.8) aufgenommen, die Blende betrug 3.5, die Brennweite 45mm, Verschlusszeit war 1/60 Sekunde und – jetzt kommt’s – der ISO-Wert war 800. Für eine „available light“-Aufnahme ist das Foto zweifelsfrei gut gelungen, aber die Microstock-Bildredakteure sind da sehr verwöhnt. Entweder wäre ein mobiler Blitz hilfreich gewesen, der einen geringeren ISO-Wert erlaubt hätte oder das Rauschen könnte mit Photoshop dezent reduziert werden.

Trotzdem: Wäre ich Chef einer Bildagentur und würde sehen, wie mein Bildredakteur so ein Foto ablehnt, würde ich ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben und fragen: „Sag mal, spinnst Du? Das Foto wird sich wie geschnitten Brot verkaufen, scheiß auf die Bildfehler!“


Bei diesem Foto sind so gut wie keine Bildfehler zu erkennen, auch in der 100%-Ansicht nicht. Das Foto eines Reinraums könnte einen Hauch mehr Schärfe vertragen, aber das wäre hier noch kein Ablehnungsgrund. Viel wahrscheinlicher ist es, dass den Bildredakteuren diese vertikale Variante gereicht hat, welche von Fotolia angenommen wurde. Vom Motiv her würden sich beide Varianten gut verkaufen lassen.


Wieder ein Labor, wieder abgelehnt. Für den Microstock-Markt ist das Motiv vielleicht etwas zu spezifisch, da die abgebildeten Geräte dem Fachkunden sehr genaue Rückschlüsse über die Art der Forschung erlauben würden. Hier bietet sich die Vermarktung über eine Macrostock-Agentur auf RM-Basis an, weil das Bildmaterial in diesem Bereich sehr selten ist und die Firmen deshalb für solche Motive auch mehr Geld ausgeben. Abgesehen davon, dass der Aufsteckblitz sich in der vorderen Maschine spiegelt, sind in der kleinen Ansicht kaum Fehler zu erkennen. Bei 200% wird es jedoch anders:


Zum einen häufen sich in dem Bild verschiedene Logos, für die der Fotograf garantiert nicht alle schriftliche Erlaubnisse hat. Eins der Logos ist in der 200%-Ansicht zu sehen, aber auch auf dem kleinen Monitor in der Bildmitte ist Philips zu lesen, auf der Rückseite des Mikroskops ist deren Firmenlogo zu sehen und so weiter. Für „royalty free“-Motive ein „No Go“! Zusätzlich ist wieder chromatische Abberation zu erkennen, die jedoch einfach mit Photoshop zu unterdrücken wäre.


Bei diesem Foto eines Präzisionsinstruments ist es ähnlich. Der Bildaufbau ist gut und agenturtauglich, aber das abgebildete Verfahren ist für Microstock meines Erachtens zu speziell. Bei Macrostock-Agenturen wäre es besser aufgehoben. Um die Annahmewahrscheinlichkeit zu erhöhen, würde ich das Bild aber noch entrauschen und minimal schärfen. Zum Vergleich hier wieder ein 100%-Ausschnitt und meine retuschierte Version danach:


Ihr seht deutlich, dass der Hintergrund durch das Entrauschen viel ruhiger geworden ist, ohne dass die Schärfe im Vordergrund darunter leidet.


Der Potsdamer Platz in Berlin bei Nacht. Nicht das seltenste Motiv, aber durch den auffällig gelben Sightseeing-Bus ein gelungenes Motiv, das viele Reiseveranstalter mit Kusshand kaufen würden. Abgelehnt. Ein deutliches K.O.Kriterium für Microstock-Agenturen sind natürlich die Firmennamen oben an den Wolkenkratzern, zum Beispiel von der Deutschen Bahn in der Mitte. Aber auch hier gibt es wieder das Problem mit den Lichthöfen, wie eine 100%-Ansicht offenbart:


Hier wirkt es fast so, als wäre das Foto zu stark entrauscht worden. Aber wieder die Sinnfrage: Würde das die Bildkäufer stören? Sehr wahrscheinlich nicht.


Von den zehn eingesandten Fotos ist das hier mit dem frühlingshaft gedeckten Tisch mein Favorit. Umso blöder, dass das Bild abgelehnt wurde. Aber Mr. Pingelig findet auch hier zwei Gründe. Einerseits wurde wie schon beim Laborbild eine vertikale Variante angenommen, andererseits ist ein Farbsaum bei den roten Tulpen zu erkennen:

Selbst bei einem Posterdruck des Motivs würde das sicher kaum störend ins Gewicht fallen, aber Bildredakteure haben leider ihre Vorgaben.

Zusammenfassend ein Hinweis: Hätte Sebastian diese Fotos vor 3-4 Jahren bei Microstock-Agenturen angeboten, wären sie sehr wahrscheinlich angenommen worden und hätten sich auch gut verkauft. Aber mit der Masse der Motive steigt der Qualitätsanspruch bei neuen Bildern. Da hilft es auch nichts, haufenweise alte Bilder aus den Agentur-Portfolios zu ziehen, die oft wirklich nur – ähm, na ja – formulieren wir es so: ungewöhnlich sind. Natürlich wäre es sinnvoller, einen Haufen alter Bilder aus dem Agenturbestand zu entfernen und dafür ähnliche Motive mit besserer Qualität anzunehmen. Aber so ein Schritt kostet Zeit, Geld und viel Arbeit, den viele Agenturen scheuen.

Auch die Position des Fotografen muss berücksichtigt werden. Würde ein Smaragd-Fotograf bei Fotolia obige Fotos bei sich hochladen, vermute ich, dass die Annahmequoten höher wären als bei einem Neuling. Bei alteingesessenen Fotografen mit vielen Verkäufen wissen die Bildredakteure zwei Dinge: 1. Der Typ verkauft viel, er wird also wissen, was für Motive laufen und 2. Die Kunden kaufen die Bilder, sie scheinen also mit der Qualität zufrieden zu sein. Diesen Ruf muss sich ein neuer Fotograf innerhalb einer Agentur erst aufbauen. Das ist ungerecht, weil hier nicht objektiv nach Bildqualität, sondern nach „Marktmacht“ entschieden wird, aber diese Gewichtung bringt der Agentur Geld, weshalb sie sich vermutlich kaum ändern wird.

Ein kleiner Trost für Fotografen ist vielleicht, dass beim Hochladen der gleichen Motive bei vielen Agenturen sichtbar wird, dass manche Ablehnungen einfach purer Zufall sind.

Die heute gezeigten Bilder beweisen aber auch, dass bei oberflächlicher Betrachtung der Fotos Fehler verborgen bleiben können, die erst bei genauer Ansicht in Auge springen. Darum predigt jeder Bildredakteur: Bildbearbeitung bei 100%!

Ich bin gespannt: Was meint ihr? Liege ich mit meinen Vermutungen richtig? Oder warum würdet ihr die Fotos ablehnen? Oder hättet ihr sie – wie ich – trotzdem angenommen?

Wer von mir auch kostenlos Tipps haben will, ob seine Fotos „stocktauglich“ sind, kann gerne ebenfalls mitmachen.

Und so läuft’s:
– Schickt mir eine kurze Mail, in der ihr Euch vorstellt, z. B. wie lange ihr Fotos macht, mit welcher Ausrüstung, ob und wo ihr schon Fotos verkauft und was ihr in Zukunft in der Stockfotografie-Branche vorhabt.
– Wenn ich ausreichend Zeit habe für Bildbesprechungen, bitte ich Euch, mir 5-10 Bilder in kleiner Auflösung (ca. 600×800 Pixel) zu schicken.
– Diese werde ich dann in einem Blogbeitrag wie diesem veröffentlichen (auf Wunsch auch anonym) und meine Kommentare abgeben aus Business-Sicht. Also eher nicht, ob eine Blume schön ist oder nicht, sondern wie verkäuflich das Foto sein könnte oder wie es verkäuflicher gemacht werden könnte.
– Mit Wartezeit von einigen Wochen bis zur Veröffentlichung ist leider zu rechnen.

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