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Praxis-Bericht: Smartphone-Fotos auf Reisen machen

Manchmal habe ich das Gefühl, ich entwickle mich rückwärts bei meiner Kameraauswahl für Reisen.

2010 habe ich auf einer Trekkingtour durch die französischen Alpen noch meine komplette DSLR (1,8 Kilo mit Objektiv) mitgeschleppt. 2013 war ich für eine Wanderung in den italienischen Alpen bei einer Olympus E-PM2 (knapp 225 Gramm) angelangt.

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Nach langen Überlegungen habe ich es 2014 beim Trekking in den Dolomiten das erste Mal gewagt, nur das iPhone 5 (ca. 140 Gramm mit Hülle) mitzunehmen. Aufgrund eines Wanderunfalls landeten wir dann einige Tage in Venedig, was dazu führte, dass ich jetzt knapp 50 Handyfotos aus Venedig in meinem Portfolio habe.

Am besten verkauften sich die Panoramaaufnahmen. Mit etwas Übung gelingen mit dem Smartphone innerhalb von Sekunden beeindruckende Panoramafotos mit teilweise mehr Megapixeln als meine digitale Spiegelreflexkamera.

Zwar habe ich 2015 auf meiner Reise zur Adobe MAX nach Los Angeles wieder meine – damals brandneue –  Canon 5DS* mitgenommen (1,7 Kilo mit Objektiv), aber die musste ich auch nicht mehrere Tage am Stück schleppen.

robert_kneschke_IMG_1091_kleinTrotzdem habe ich damit in L.A. sowie einen Monat später in meiner Heimatstadt Berlin etliche sehr beeindruckende Panoramaaufnahmen gemacht mittels des Stitching-Verfahrens. Diese Bilder hatten dann bis zu 350 Megapixel, aber: Online ist bisher kein einziges dieser Panoramafotos, weil der Workflow deutlich „hakliger“ ist als mit dem Smartphone in Kombination mit einer Bildagentur-App.

Trotz aller Liebe zur Fotografie zählt unter dem Strich der Umsatz: Wenn ich ein Bild, egal aus welchen Gründen, nicht verkaufe, bringt es mir nicht viel. Darum liebe ich die Kamera in meinem Smartphone. Sie ist immer dabei und die Bilder sind deutlich schneller online.

Deshalb habe ich 2016 nicht gezögert, als wir uns für eine Kanuwanderung auf der Oder im Unteren Odertal entschieden haben. Als Kamera packte ich mein iPhone 6 (ca. 170 Gramm mit Hülle) ein.

Aufgrund des vielen Wassers, was uns umgeben würde, schieden die anderen Kameras diesmal nicht (nur) wegen des Gewichts aus, sondern auch wegen der Wasserempfindlichkeit. robert_kneschke_IMG_1092_klein

Für das iPhone habe ich zwei wasserdichte Hüllen verglichen, welche sich hauptsächlich in der „Menge“ des Wasserschutzes unterschieden.

Die erste war diese hier aus Hartplastik*, welche bis zu 40 Meter tief wasserdicht sein soll. Getestet habe ich es nicht, weil ich schon zu Hause gesehen habe, dass diese klobige Ding alles andere als praktisch für meine Zwecke war. Weitwinkel-Plastiklinse im Gehäuse (weil sie für Unterwasseraufnahmen konzipiert ist), das Handy muss immer an sein, Touch-ID funktioniert nicht mehr, Öffnen der Hülle nur mit Werkzeug möglich, Auslösen schwer etc. Der Batterie wäre das nicht zuträglich gewesen, doch dazu später mehr.

Die zweite war deutlich besser geeignet: Es ist dieses hier aus Weichplastik*. Zwar „nur“ bis zu 30 Meter wasserdicht, dafür aber sind alle Funktionen genauso nutzbar wie ohne Hülle, meine „normale“ iPhone-Hülle mit Kreditkartenfach (ähnlich wie diese hier*) passte auch mit rein und den Fotos seht ihr (siehe oben) nicht an, welche durch das Plastik fotografiert wurden und welche nicht. Tipp: Je mehr Wasser auf dem Bild, desto höher die Wahrscheinlichkeit ;-).

Der größte Pluspunkt für die Verwendung des Smartphones als Reisekamera ist für mich das Gewicht: Es fällt kein Extragewicht an, weil wohl jeder sein Handy mit in den Urlaub nimmt. Vor allem, wenn man keinen Hotel-Stadt-Urlaub macht, sondern mehrere Tage komplett sein Gepäck tragen muss, macht ein Kilo mehr oder weniger einen großen Unterschied aus. Im Gegensatz zu meiner DSLR sind die GPS-Geodaten ebenfalls gleich in den Fotos gespeichert, das Stitching verläuft vollautomatisch, HDR kann ich mit den entsprechenden Apps wie vividHDR ebenfalls gut steuern und so weiter.

Der größte Nachteil jedoch ist der Akku. Bei fast jeder Reise und egal, bei welcher Kamera, machte der Akku zum Schluss schlapp. Bei der DSLR hätte ich einen extra Akku einpacken müssen (Anfängerfehler), beim Smartphone bleibt nur der Griff zum Akkupack. Ich hatte eins von Anker (ähnlich wie dieses*) dabei, was super funktionieren würde, wenn nicht das externe Lightning-Kabel gebrochen wäre.

Die Lektion für die nächste Reise: Zubehör vorher noch mal ausführlich testen!

Mit welcher Kamera fotografiert ihr auf Reisen?
Was sind eure Erfahrungen?

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Tutorial: Kreatives Blitzen draußen mit dem Porty

Drüben bei der Model-Kartei hat der Hobbyfotograf Bent Jessen ein kleines Tutorial veröffentlicht, welches den Umgang einer tragbaren Blitzanlage draußen (oder auch drinnen) erklärt. Das ist für den Einstieg ganz hilfreich, weshalb ich Bent gefragt habe, ob ich das mit meinen Lesern teilen darf. Am Ende des Artikels gibt es das Tutorial auch als PDF-Download. Ab jetzt schreibt Bent:

Ein portabler Blitz (auch „Porty“ genannt) ist schon eine feine Sache. Wir wollen schließlich nicht nur bei optimalem Wetter fotografieren. Aber wie setzt man den Porty eigentlich ein? Dazu habe ich diese kleine Anleitung geschrieben.

Was man braucht:

Eine Kamera (egal ob digital oder analog), in meinem Fall eine Nikon D90*, einen externen Belichtungsmesser (am besten digital) mit Blitz-Messfunktion, z. B. einen Gossen Digipro F* und natürlich den Porty, z. B. den Elinchrom anger Quadra*. Grundsätzlich funktioniert diese Anleitung aber auch mit anderen Blitzen, zum Beispiel entfesselten Speedlites.

Los geht’s:

Der erste Gedanke, den man sich machen muss, ist, die Verschlusszeit zu bestimmen. Dabei muss man zwei Dinge berücksichtigen.

Zuerst muss man wissen, welche Zeit die maximale Blitz-Synchronisationszeit der Kamera ist. Diese ist von Modell zu Modell verschieden. Ein Blick in die Bedienungsanleitung gibt hier Auskunft. Meine Kamera kann Blitze bis maximal 1/200 Sekunde synchronisieren. Das bedeutet – vereinfacht – folgendes: Bis zu diesem Zeitwert ist der Verschluss der Kamera vollständig geöffnet, wenn mit einem Blitz fotografiert wird. Wählt man eine schnellere Zeit (z. B. 1/250 Sekunde) ist die Kamera bereits im Begriff, den Verschluss zu schließen, während der Blitz noch das Bild belichtet. Das Ergebnis wäre, dass im Bild schwarze Balken auftauchen und Teile des Bildes verdecken. Und das wollen wir nicht…

Ein Zitat aus Wikipedia:
„Als Blitzsynchronzeit oder Synchronzeit (auch X-Sync) bezeichnet man in der Fotografie die kürzeste wählbare Belichtungszeit (Verschlusszeit), bei der der Verschluss eines Fotoapparats kurzzeitig vollständig geöffnet ist und das Licht eines Blitzgerätes (Fotoblitz) somit das gesamte Filmbild bzw. den Bildsensor vollständig beleuchten kann. Die Blitzauslösung ist mit dem Verschluss derart synchronisiert, dass jener vollständig geöffnet ist, bevor der Blitz beginnt.“

Die zweite Sache, die man bei der Wahl der Verschlusszeit berücksichtigen muss, ist die Zeit, in der man die Kamera noch in der Hand halten kann, ohne zu verwackeln. Eine alte Formel besagt, dass diese Zeit ungefähr dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Damals gab es noch kein „Anti- Shake“ und so. Demnach sollte man bei einer Brennweite von 50 mm einen Wert wählen, der ungefähr diesem Wert entspricht. Man nehme 1/60 Sekunde.

Wichtig ist auch, dass die ISO- Zahl gewählt wird. Als Beispiel ISO 200.

Messung des Hintergrundlichts

Die erste Messung:

Für die erste Messung müssen die gewählten Werte im Belichtungsmesser eingestellt werden. Dies geschieht in der „Dauerlicht“-Messfunktion. Nachdem die Taste gedrückt wurde, erhält man einen Messwert, der angibt, mit welchen Werten bei dem vorhandenen Licht ein korrekt belichtetes Foto entsteht. Bei den Aufnahmen ist dieser Messwert unsere „Hintergrund- Helligkeit“. Die Messung sollte in unmittelbarer Nähe eines Fensters (sofern Indoor) vorgenommen werden, da dies die Lichtquelle darstellt. Als Beispiel haben wir einen Wert von 8,0 für die Blende erhalten und merken uns diesen Wert.

Und nun?

Nun schaltet man den Belichtungsmesser in die „Blitz- Messfunktion“ und stellt die Werte ein, die man sich am Anfang überlegt hat (t= 1/60 Sekunde, ISO 200). Drückt man nun den Schalter am Belichtungsmesser, „wartet“ dieser auf einen Blitz, sofern der Blitz nicht mit Kabel direkt ausgelöst wird. Nun erhält man den zweiten Wert, z. B 11,5 (der Wert hängt natürlich von der eingestellten Blitz-Leistung ab). Aus diesem Wert ergibt sich, ob die Leistung des Blitzes hoch oder herunter geregelt werden muss, um auf den zuvor gemessenen Wert „ohne Blitz“ zu kommen.

Wichtig: Nach jedem Griff zum Leistungsregler muss entweder einmal der Blitz manuell ausgelöst werden um die Kondensatoren zu entladen oder – sofern der Porty eine Automatik hat – es muss das Bereitschaftssignal der Blitzanlage abgewartet werden.

Wird nun fotografiert, erhält man ein Foto mit ausbalanciertem Vorder- und Hintergrundlicht.

Das Foto ist korrekt belichtet, wirkt aber leicht langweilig.
Das Foto ist korrekt belichtet, wirkt aber leicht langweilig.

Kreatives Blitzen – Variante 1: Ausblenden durch Überbelichtung

Möchte man z. B. bei einem Indoor- Shooting (hierfür ist dies Variante besonders geeignet) etwas mehr Schwung in die Fotos bringen, kann man „gleißendes Sonnenlicht“ simulieren, indem der Hintergrund überbelichtet wird.

Hierzu muss die Verschlusszeit manuell verlängert werden. Dabei entspricht eine Verdoppelung der Zeit (also von 1/60 auf 1/30 Sekunde) einer Blendenstufe. Bei eingeschaltetem „Anti- Shake“ kann man das auch noch halten, ohne zu verwackeln.

Der Effekt im Foto zeigt sich dadurch, dass der Hintergrund überstrahlt dargestellt wird.

Hintergrund 1 Blende überbelichtet (t= 1/30 Sek.)
Hintergrund eine Blende überbelichtet (t= 1/30 Sek.)

Kreatives Blitzen – Variante 2: Abdunkeln des Hintergrundes

Diese Variante eignet sich besonders bei Outdoor- Shootings, wo man einen „dramatischen“ Effekt zaubern möchte. Dazu wird das Hintergundlicht reduziert und der Blitz dient zur Aufhellung des Hauptmotivs.

Hierzu muss die Verschlusszeit manuell verkürzt werden. Dabei entspricht eine Verkürzung der Zeit von 1/60 auf 1/125 Sekunde einer Blendenstufe. Um das Hintergrundlicht noch weiter zu reduzieren, kann man die Zeit noch weiter verkürzen, jedoch nur bis zur maximalen Blitz- Synchronisationszeit (merken!).

Das Foto auf dieser Seite wurde mit den Werten t= 1/125 Sekunde & Blende 8 aufgenommen. Achten sie besonders auf die Helligkeit des Laubwerks im Hintergrund im Vergleich zu Bild 2 und Bild 3.

Hintergrund 1 Blende unterbelichtet (t= 1/125 Sek.)
Hintergrund eine Blende unterbelichtet (t= 1/125 Sek.)

Man kann zum Ausprobieren auch andere Werte als Basis nehmen. Wenn man statt 1/60 Sek. nun 1/30 Sek. als Ausgangswert nimmt („Anti- Shake“ sei dank ist das durchaus machbar) hat man bei einer max. Synchronisationszeit von 1/200 Sek. die Möglichkeit, das Hintergrundlicht um ganze 3 Blendenstufen abzudunkeln.

Beispiel mit max. Blitz- Synchronisationszeit (Ausgangswert 1/60 Sek., eingestellt 1/200 Sek.)
Beispiel mit max. Blitz- Synchronisationszeit (Ausgangswert 1/60 Sek., eingestellt 1/200 Sek.)

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Noch ein Hinweis:

Die Fotos in diesem Tutorial sind direkt aus der Kamera und nur gerichtet und beschnitten. Ich hätte gerne ein „richtiges“ Modell gehabt, aber die Suche war in der kurzen Zeit leider erfolglos, deshalb musste ich improvisieren.

Das Tutorial als PDF könnt ihr hier kostenlos runternladen.

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Tutorial: Fotos von rauchenden Glühbirnen machen

Der letzte Gastbeitrag von Daniel über die Entstehung beeindruckender Tropfenfotos kam sehr gut an. Deswegen freue ich mich, dass Daniel bereit war, auch zu diesen genialen Fotos von rauchenden Glühbirnen ein Making-Of zu schreiben. Das Foto hier ihr auch bei Fotolia und es ist von der Redaktion auf 500px.com ausgewählt worden und hat bereits über 12500 Klicks:

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, einige kennen mich vielleicht schon durch das Tutorial von den Wassertropfen-Fotos.

Meine Glühbirnen-Aufnahmen sind jedoch wesentlich einfacher zu realisieren als die Wassertropfen-Aufnahmen. Alle diese Fotos habe ich im Mai 2009 gemacht, damals wollte ich meine neue Studioausrüstung testen. Meine Studioblitze kamen so zum ersten Mal zum Einsatz.

Der Aufbau:

Das Schwierigste ist, das im Glas keine störenden Reflexionen sichtbar sind. Deshalb habe ich hier ein Lichtzelt genommen und links und rechts davon je einen Studioblitz mit einer kleinen Softbox gestellt. Die Glühbirne habe ich in eine Baustellenfassung eingeschraubt, die mittels Dimmer in der Helligkeit geregelt werden kann.


Die Vorbereitung:

Zuerst einmal: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das gewisse Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen! Eine Schutzbrille sowie schnittfeste Kleidung und Handschuhe sind Pflicht.

Wie bekommt man Risse in das Glas, sodass der Wolframdraht frei liegt?

Ich habe dazu die Glühbirne mit einer Zange an der Fassung genommen, dann mit einem Lötbrenner* die Glühbirne so lange angeheizt, bis das Glas schmilzt und das Gas entweicht. (Vorsicht: Gibt eine Stichflamme!) Danach wird die Glühbirne schnell unter kaltes fließendes Wasser gehalten, was man am besten vorher schon aufgedreht hat. Dadurch zerspringt das Glas. Als nächstes habe ich mit einer kleinen Zange vorsichtig die einzelnen Glaselemente entfernt, um den Wolframdraht frei zu legen.


Auch das Foto ist über Fotolia erhältlich.

Das Shooting:

Die präparierte Glühbirne vorsichtig in die Fassung schrauben. Kamera, Licht, alle Einstellungen nochmal überprüfen. Den Dimmer auf ganz dunkel drehen. Dadurch glüht der Draht 1-2 Sekunden länger und nicht ganz so hell, sonst wäre er überbelichtet. Ohne das Gas, was normalerweise in den Glühbirnen drinnen ist, glüht die Birne nämlich weitaus heller.
Wenn alles kontrolliert wurde, einen Fernauslöser in die eine Hand und in die andere den Einschalter für die Glühbirne nehmen.

Glühbirne einschalten. Der Wolframdraht beginnt jetzt sofort zu glühen und zu rauchen. Nach ca. einer halben Sekunde das erste Foto machen und je nachdem, wie schnell die Blitze wieder einsatzbereit sind, kann man eventuell noch ein zweites Foto machen. Nach max. zwei Sekunden ist der Wolfgramdraht verglüht. Am längsten brennen die 100-Watt-Birnen.

Als Objektiv kam ein 50mm-Objektiv (wirkt bedingt durch Crop-Faktor der Kamera wie ein 75mm-Objektiv) zum Einsatz bei ISO 100 und Blende 9 und einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde.


Danach habe ich noch ein Foto von der Fassung gemacht. Wichtig ist, dass das Foto an gleicher Stelle mit dem selben Licht aufgenommen wird, damit es danach bei der Fotomontage von der Perspektive und Beleuchtung her passt und echt wirkt.

Zusätzlich habe ich noch einige Farbexperimenten probiert. Bisschen kreativ darf man da schon sein. So habe ich bei dem Foto mit dem roten Rauch vor die Blitze eine rote Farbfolie gehangen. Das Foto mit dem blauen Rauch ist komplett in Photoshop entstanden.


Mehr Bilder und Infos findet ihr auf meiner Webseite www.nimmervoll.org. Falls Ihr Fragen habt, dann immer her damit in den Kommentaren. Ich werde versuchen, diese zu beantworten. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

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Tutorial: Drei einfache Licht-Setups mit 2-3 Blitzen im Studio

Wie schon erwähnt habe ich auf der ersten Microstock Expo 2011 in Berlin einige Artikel-Ideen bekommen.

Der Stockfotograf Luis Alvarez hatte bei der MEXPO auch ein Beauty-Shooting organisiert. Einige Blog-Leser kennen ihn vielleicht schon von seinem Gastbeitrag „Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits im Hip Hop Look“ oder von seinem Statistik-Service Stock Performer. Luis hat mir erlaubt, die drei Licht-Setups vom Shooting vorstellen zu dürfen.

Das erste Set mit der langhaarigen Aljona ist ziemlich einfach und der Aufbau wird so ähnlich gerne in den Hochglanz-Modemagazinen verwendet, weil er mit minimalen Mitteln einen coolen Look erzeugt. Hier seht ihr zuerst eins der fertigen Fotos. Mehr Fotos könnt ihr hier sehen und auch kaufen*.


Das Model steht auf einer dunkelgrauen Hintergrundrolle, die mit einem Normalreflektor angeblitzt wird. Dieser Blitz erzeugt den weißen Kreis im Hintergrund. Die Stärke des Blitzes regelt logischerweise die Helligkeit des weißen Kreises. Als Hauptlicht dient ein sehr hoch stehender Blitz mit Beauty Dish, der ganz leicht nach links versetzt ist. Die Höhe des Blitzes ist wichtig, damit die Haare oben auch etwas Licht abbekommen.

Den genauen Aufbau und die tatsächliche Höhe des Beauty Dish seht ihr auf dem Setup-Foto unten hinten.


Im Vordergrund seht ihr den Set-Aufbau für das zweite Model, die bezaubernde Yolanda. Hier wieder eins der fertigen Fotos, mehr davon sind hier erhältlich*.

Obwohl bei diesem Blitzaufbau drei Blitze benutzt werden, ist das Setup noch einfach als das erste, denn alle Blitze sind nur mit Normalreflektoren ausgestattet.  Der Hauptblitz steht direkt auf der Sichtachse des Models hinter und über dem Fotografen. Für die Lichtkanten (auch „rim light“ genannt) an den Armen und im Gesicht des Models sorgen zwei weitere Blitze, die ca. im 30°-Winkel hinter dem Model stehen, aber tiefer montiert sind als das Hauptlicht. Das Setup-Foto oben sollte da keine Fragen offen lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch der farblich auf das Model abgestimmte Hintergrundkarton, damit die Fotos stimmig wirken.

Das dritte und letzte Setup wurde für die blonde Valerie eingerichtet. Hier eins der fertigen Fotos, mehr davon gibt es wieder hier zu sehen*.


Der Aufbau ist fast identisch mit meinem normalen Lichtaufbau, den ich im Studio nutze. Im Unterschied zu meinem Aufbau setzt Luis jedoch auf einen grauen Hintergrund. Als Hauptlicht dient eine große Octobox von schräg rechts. Direkt auf der anderen Seite des Models sorgt ein Blitz mit einer vertikalen Softbox (ein sogenanntes „Strip-Light„) wieder für die Lichtkante am Arm und Haar des Models, wobei ich die Lichtstärke nachträglich gesehen etwas runtergeregelt hätte.

Unten im Bild seht ihr noch mal die genaue Aufstellung der Blitze und als Bonus den Profi-Microstocker Andres Rodriguez bei der Arbeit.


Wer noch mehr Material sehen will, findet im Blog von Gerhard Seybert weitere Fotos und ein „Behind The Scenes“-Video und auch bei den offiziellen Videos* ist etwas vom Shooting zu sehen.

Ich finde, dass diese drei Setup-Beispiele gut zeigen, wie mit relativ einfachen Mitteln und meist nur durch eine Änderung der Blitzposition und der Hintergrundfarbe ein ganz anderer Stil auf den Fotos erzeugt werden kann. Um alle Sets nachzubauen, braucht man nur drei Blitzköpfe, ein Hintergrundsystem mit drei Hintergrundkartons, ein Beauty Dish, eine Octobox und ein Strip-Light. Notfalls kann für den Anfang auch auf die Lichtformer und den dritten Blitz und die verschiedenen Hintergründe verzichtet werden.

Jetzt seid ihr dran: Welcher der drei Looks gefällt euch am besten? Warum?

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Tutorial: Geniale Tropfenfotos selbst machen

Vor paar Monaten entdeckte ich im Newsstream meines Facebook-Accounts paar wirklich coole Fotos. Im Grunde sehr simpel: Bunte Tröpfchen, die ins Wasser fallen. An sich nichts Neues. Aber: Der Fotograf Daniel Nimmervoll perfektionierte diese Art der Fotos immer weiter, bis aus den einfachen Tropfenfotos plötzlich komplexe Wassergebilde wurden. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er uns verraten möchte, wie er gelernt hat, solche genialen Bilder zu machen:


Deshalb heute Vorhang auf für den Gastartikel von Daniel Nimmervoll:

______ab hier schreibt Daniel____

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, ich bin aus Österreich und fotografiere nun seit drei Jahren. Ich würde mich als ambitionierter Hobbyfotograf bezeichnen. Seit zwei Jahren versuche ich mich auch in der Stockfotografie. Bisher begeisterte mich die Makro-Fotografie, vor allem Insekten haben es mir angetan. Doch seit neuestem bin ich einer neuen „Sucht“ verfallen.

Im Dezember 2010 stieß ich zufällig auf diesen Thread im DSLR-Forum und habe mir dabei prompt den Tropfenvirus eingefangen. Dieser Thread ist für mich besonders, weil sich hier alle gegenseitig weiterhelfen. [Anmerkung R. Kneschke: Der Thread ist wirklich sehr lesenwert und ein Paradebeispiel für das Lernen von Fototechniken im Internet] Fast alle geben ihre Erfahrungen preis und teilen sie mit anderen. Das möchte ich heute auch. Wie mache ich meine Tropfenfotos?


Mein Aufbau

Angefangen habe ich mit einem normalen Infusionsset. Da ist aber das Timing recht schwierig. Deshalb habe ich mir den Stopshot von Cognisys zugelegt. Damit lässt sich jeder Tropfen perfekt auf Millisekunden genau einstellen. Ein Magnetventil öffnet sich z. B. für 50 ms (Damit wird der 1. Tropfen erzeugt. Ist die Zeit kürzer, wird er kleiner), ist dann für z. B. 90 ms geschlossen und öffnet sich dann nochmal für z. B. 44 ms für den 2. Tropfen. Das lässt sich mit dem Controller einstellen. Wenn der 2. Tropfen nun die Lichtschranke passiert hat, löst z.B. nach 120 ms die Kamera aus.

Damit kann man sich wesentlich besser auf die Formen und das Licht inkl. der Farben konzentrieren.

Für die Beleuchtung ist es wichtig, dass man Blitze verwendet, die eine sehr kurze Abbrenndauer haben, um die schnellen Bewegungen einzufrieren. Ich verwende dazu den Canon 580 EX II* und weiters hab ich mir zwei gebrauchte Canon 540 EZ gekauft. Hier ist es wichtig, die Leistung auf 1/32 oder 1/64 bzw. 1/128 zu drosseln. Dadurch erreicht man die Abbrennzeiten von <1/10000 sek. Die Kamera stelle ich dabei auf ISO 200 und verwende die Blende 16, um genügend Schärfentiefe zu bekommen.

Die Wanne besteht aus Plexiglas und sollte möglichst flach sein (z.B. so eine*). Optimaler Wasserstand ist 1,5 bis 2,5 cm. Meine Wanne ist 85 cm lang. Je länger die Wanne ist, umso flacher kann man die Tropfen fotografieren ohne den Rand hinten bzw. vorne zu sehen. Die Wanne könnte also auch noch länger sein. Um das Licht weicher zu machen, steht vor den hinteren Blitzen eine matte Plexiglasscheibe. Hier muss man etwas experimentieren, um ein schönes Licht zu bekommen. Bereits kleinste Veränderungen können eine große Auswirkung haben. Zum Beispiel wie schräg die Plexiglasscheibe steht, wie weit die Blitze entfernt stehen oder welche Brennweite bei den Blitzen eingestellt ist.

Auf dem Bild ist mein Canon Speedlight 580 EX II* mit einem selbstgebauten Snoot zu sehen. Die Blitze werden über Funk (RF-602 von YongNuo*) ausgelöst. Um Farbe ins Spiel zu bekommen verwende ich das Lee Musterheft. Diese Filterfolien haben die perfekte Größe für die Blitze.

Damit die Tropfenfotos nicht flau, sondern schön knackig werden, ist es wichtig, dass das meiste Licht von hinten kommt. Der vordere Blitz soll nur den „Fuß“ vom Tropfen etwas aufhellen und somit habe ich mir einen Snoot gebastelt. Einfach schwarze Strohhalme abgeschnitten und in einem zurecht geformten Karton hinein geklebt.

Um die Oberflächenspannung des Wassers zu verringern, gebe ich 1-2 Tropfen Klarspüler in die Wanne. Beim Tropfwasser kann man viel experimentieren. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Guarkernmehl* gemacht. Für einen Liter reicht hier schon ein Teelöffel. Dieses koche ich kurz auf und wird dann zwei Mal mit einem Kaffeefilter filtriert. Das erste Mal, wenn’s noch heiß ist und das zweite Mal, wenn das Wasser dann Zimmertemperatur hat. Einige haben auch mit Zuckerwasser recht gute Erfahrungen gemacht. Probiert habe ich auch schon Glycerin, jedoch war ich mit den Ergebnissen nicht so zufrieden. Was auch immer gut aussieht, ist Milch, vor allem, weil es die Farben des Blitzlichtes sehr gut absorbiert. Je nach Geschmack kann man auch Lebensmittelfarbe* rein geben. Mache ich öfters beim Guarkernmehl. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.

Mit diesem Aufbau erhält man dann unter anderem solche Fotos:

Eines meiner ersten Foto mit dem Stopshot, hier mit normalem kalten Leitungswasser.

Für solch ein Foto braucht man 3 Tropfen. Der 3. ist quasi vor wenigen Millisekunden eingeschlagen. Hier habe ich Milch verwendet, die grün angeblitzt worden ist. Übrigens, das Foto schaffte es im Fotowettbewerb 29 der ColorFoto auf Platz 2.

 

Im Tropfenwasser hatte ich hier Guarkernmehl mit roter Lebensmittelfarbe.

Eine Handvoll Leute im DSLR Forum haben herausgefunden, das man unter bestimmten Umständen auch sehr hohe Tropfen erzeugen kann. Dadurch, dass wir solche Fotos vorher noch nirgendwo anders in dieser Form gesehen haben, halten sich bisher alle zurück, das Geheimnis preiszugeben. Nur soviel: Mit viel Geduld und Übung kann jeder dahinter kommen. Die Tropfen steigen dabei auf über 20 cm Höhe und dadurch ergeben sich wiederum ganz andere Möglichkeiten in der Form und der Bildgestaltung.

Ich hab das Foto „Dildo“ genannt 😉 Ich hatte hier Glycerin verwendet und den Blitz nur auf den oberen Bereich mit dem Snoot und einer roten Folie gerichtet.


„Chaos-Tropfen“


Ob sich sowas auch verkaufen lässt? Ich hätte es bei der Bildagentur Stockfood versucht. Die haben bisher jedoch wenig Interesse gezeigt. Bei Fotolia bekomme ist eine Ablehnung nach der anderen. Bisher haben es nur wenige Fotos geschafft, angenommen zu werden. Ich denke, dass diese Bildagenturen solche Fotos nicht gebrauchen können. Sind wohl zu viel Kunst.

Deshalb habe ich es bei WhiteWall versucht und siehe da, hier wurden sogar schon einige in den Kunstmarkt aufgenommen. Auch bei Flickr findet ihr meine Tropfen-Galerie mit den besten Ergebnissen.

Vielleicht noch kurz für alle Stopshot-Interessenten. Ich habe mich vor allem auch deshalb dafür entschieden, weil man damit auch Ballistik-Shootings machen kann. Habe mir dafür schon mal den Cross Beam Sensor mitbestellt. Für den Fall, dass ich mal platzende Luftballons oder dergleichen im spannendsten Moment fotografieren will, hab ich mir damals auch noch das Mikrofon mitbestellt, welches die Kamera durch Geräusche auslösen kann.

Ich hoffe das euch meine Fotos gefallen. Aktuelle werdet ihr auch immer auf meiner Webseite www.nimmervoll.org finden. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr diese gerne in den Kommentaren stellen, ich versuche sie dann zu beantworten.

Update 23.7.2011: Auf Wunsch des Fotografen wurden einige Bilder ausgetauscht oder entfernt.

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