Kategorie-Archiv: Tutorials

Tutorial: Kreatives Blitzen draußen mit dem Porty

Drüben bei der Model-Kartei hat der Hobbyfotograf Bent Jessen ein kleines Tutorial veröffentlicht, welches den Umgang einer tragbaren Blitzanlage draußen (oder auch drinnen) erklärt. Das ist für den Einstieg ganz hilfreich, weshalb ich Bent gefragt habe, ob ich das mit meinen Lesern teilen darf. Am Ende des Artikels gibt es das Tutorial auch als PDF-Download. Ab jetzt schreibt Bent:

Ein portabler Blitz (auch „Porty“ genannt) ist schon eine feine Sache. Wir wollen schließlich nicht nur bei optimalem Wetter fotografieren. Aber wie setzt man den Porty eigentlich ein? Dazu habe ich diese kleine Anleitung geschrieben.

Was man braucht:

Eine Kamera (egal ob digital oder analog), in meinem Fall eine Nikon D90*, einen externen Belichtungsmesser (am besten digital) mit Blitz-Messfunktion, z. B. einen Gossen Digipro F* und natürlich den Porty, z. B. den Elinchrom anger Quadra*. Grundsätzlich funktioniert diese Anleitung aber auch mit anderen Blitzen, zum Beispiel entfesselten Speedlites.

Los geht’s:

Der erste Gedanke, den man sich machen muss, ist, die Verschlusszeit zu bestimmen. Dabei muss man zwei Dinge berücksichtigen.

Zuerst muss man wissen, welche Zeit die maximale Blitz-Synchronisationszeit der Kamera ist. Diese ist von Modell zu Modell verschieden. Ein Blick in die Bedienungsanleitung gibt hier Auskunft. Meine Kamera kann Blitze bis maximal 1/200 Sekunde synchronisieren. Das bedeutet – vereinfacht – folgendes: Bis zu diesem Zeitwert ist der Verschluss der Kamera vollständig geöffnet, wenn mit einem Blitz fotografiert wird. Wählt man eine schnellere Zeit (z. B. 1/250 Sekunde) ist die Kamera bereits im Begriff, den Verschluss zu schließen, während der Blitz noch das Bild belichtet. Das Ergebnis wäre, dass im Bild schwarze Balken auftauchen und Teile des Bildes verdecken. Und das wollen wir nicht…

Ein Zitat aus Wikipedia:
„Als Blitzsynchronzeit oder Synchronzeit (auch X-Sync) bezeichnet man in der Fotografie die kürzeste wählbare Belichtungszeit (Verschlusszeit), bei der der Verschluss eines Fotoapparats kurzzeitig vollständig geöffnet ist und das Licht eines Blitzgerätes (Fotoblitz) somit das gesamte Filmbild bzw. den Bildsensor vollständig beleuchten kann. Die Blitzauslösung ist mit dem Verschluss derart synchronisiert, dass jener vollständig geöffnet ist, bevor der Blitz beginnt.“

Die zweite Sache, die man bei der Wahl der Verschlusszeit berücksichtigen muss, ist die Zeit, in der man die Kamera noch in der Hand halten kann, ohne zu verwackeln. Eine alte Formel besagt, dass diese Zeit ungefähr dem Kehrwert der Brennweite entspricht. Damals gab es noch kein „Anti- Shake“ und so. Demnach sollte man bei einer Brennweite von 50 mm einen Wert wählen, der ungefähr diesem Wert entspricht. Man nehme 1/60 Sekunde.

Wichtig ist auch, dass die ISO- Zahl gewählt wird. Als Beispiel ISO 200.

Messung des Hintergrundlichts

Die erste Messung:

Für die erste Messung müssen die gewählten Werte im Belichtungsmesser eingestellt werden. Dies geschieht in der „Dauerlicht“-Messfunktion. Nachdem die Taste gedrückt wurde, erhält man einen Messwert, der angibt, mit welchen Werten bei dem vorhandenen Licht ein korrekt belichtetes Foto entsteht. Bei den Aufnahmen ist dieser Messwert unsere „Hintergrund- Helligkeit“. Die Messung sollte in unmittelbarer Nähe eines Fensters (sofern Indoor) vorgenommen werden, da dies die Lichtquelle darstellt. Als Beispiel haben wir einen Wert von 8,0 für die Blende erhalten und merken uns diesen Wert.

Und nun?

Nun schaltet man den Belichtungsmesser in die „Blitz- Messfunktion“ und stellt die Werte ein, die man sich am Anfang überlegt hat (t= 1/60 Sekunde, ISO 200). Drückt man nun den Schalter am Belichtungsmesser, „wartet“ dieser auf einen Blitz, sofern der Blitz nicht mit Kabel direkt ausgelöst wird. Nun erhält man den zweiten Wert, z. B 11,5 (der Wert hängt natürlich von der eingestellten Blitz-Leistung ab). Aus diesem Wert ergibt sich, ob die Leistung des Blitzes hoch oder herunter geregelt werden muss, um auf den zuvor gemessenen Wert „ohne Blitz“ zu kommen.

Wichtig: Nach jedem Griff zum Leistungsregler muss entweder einmal der Blitz manuell ausgelöst werden um die Kondensatoren zu entladen oder – sofern der Porty eine Automatik hat – es muss das Bereitschaftssignal der Blitzanlage abgewartet werden.

Wird nun fotografiert, erhält man ein Foto mit ausbalanciertem Vorder- und Hintergrundlicht.

Das Foto ist korrekt belichtet, wirkt aber leicht langweilig.
Das Foto ist korrekt belichtet, wirkt aber leicht langweilig.

Kreatives Blitzen – Variante 1: Ausblenden durch Überbelichtung

Möchte man z. B. bei einem Indoor- Shooting (hierfür ist dies Variante besonders geeignet) etwas mehr Schwung in die Fotos bringen, kann man „gleißendes Sonnenlicht“ simulieren, indem der Hintergrund überbelichtet wird.

Hierzu muss die Verschlusszeit manuell verlängert werden. Dabei entspricht eine Verdoppelung der Zeit (also von 1/60 auf 1/30 Sekunde) einer Blendenstufe. Bei eingeschaltetem „Anti- Shake“ kann man das auch noch halten, ohne zu verwackeln.

Der Effekt im Foto zeigt sich dadurch, dass der Hintergrund überstrahlt dargestellt wird.

Hintergrund 1 Blende überbelichtet (t= 1/30 Sek.)
Hintergrund eine Blende überbelichtet (t= 1/30 Sek.)

Kreatives Blitzen – Variante 2: Abdunkeln des Hintergrundes

Diese Variante eignet sich besonders bei Outdoor- Shootings, wo man einen „dramatischen“ Effekt zaubern möchte. Dazu wird das Hintergundlicht reduziert und der Blitz dient zur Aufhellung des Hauptmotivs.

Hierzu muss die Verschlusszeit manuell verkürzt werden. Dabei entspricht eine Verkürzung der Zeit von 1/60 auf 1/125 Sekunde einer Blendenstufe. Um das Hintergrundlicht noch weiter zu reduzieren, kann man die Zeit noch weiter verkürzen, jedoch nur bis zur maximalen Blitz- Synchronisationszeit (merken!).

Das Foto auf dieser Seite wurde mit den Werten t= 1/125 Sekunde & Blende 8 aufgenommen. Achten sie besonders auf die Helligkeit des Laubwerks im Hintergrund im Vergleich zu Bild 2 und Bild 3.

Hintergrund 1 Blende unterbelichtet (t= 1/125 Sek.)
Hintergrund eine Blende unterbelichtet (t= 1/125 Sek.)

Man kann zum Ausprobieren auch andere Werte als Basis nehmen. Wenn man statt 1/60 Sek. nun 1/30 Sek. als Ausgangswert nimmt („Anti- Shake“ sei dank ist das durchaus machbar) hat man bei einer max. Synchronisationszeit von 1/200 Sek. die Möglichkeit, das Hintergrundlicht um ganze 3 Blendenstufen abzudunkeln.

Beispiel mit max. Blitz- Synchronisationszeit (Ausgangswert 1/60 Sek., eingestellt 1/200 Sek.)
Beispiel mit max. Blitz- Synchronisationszeit (Ausgangswert 1/60 Sek., eingestellt 1/200 Sek.)

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Noch ein Hinweis:

Die Fotos in diesem Tutorial sind direkt aus der Kamera und nur gerichtet und beschnitten. Ich hätte gerne ein „richtiges“ Modell gehabt, aber die Suche war in der kurzen Zeit leider erfolglos, deshalb musste ich improvisieren.

Das Tutorial als PDF könnt ihr hier kostenlos runternladen.

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Tutorial: Fotos von rauchenden Glühbirnen machen

Der letzte Gastbeitrag von Daniel über die Entstehung beeindruckender Tropfenfotos kam sehr gut an. Deswegen freue ich mich, dass Daniel bereit war, auch zu diesen genialen Fotos von rauchenden Glühbirnen ein Making-Of zu schreiben. Das Foto hier ihr auch bei Fotolia und es ist von der Redaktion auf 500px.com ausgewählt worden und hat bereits über 12500 Klicks:

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, einige kennen mich vielleicht schon durch das Tutorial von den Wassertropfen-Fotos.

Meine Glühbirnen-Aufnahmen sind jedoch wesentlich einfacher zu realisieren als die Wassertropfen-Aufnahmen. Alle diese Fotos habe ich im Mai 2009 gemacht, damals wollte ich meine neue Studioausrüstung testen. Meine Studioblitze kamen so zum ersten Mal zum Einsatz.

Der Aufbau:

Das Schwierigste ist, das im Glas keine störenden Reflexionen sichtbar sind. Deshalb habe ich hier ein Lichtzelt genommen und links und rechts davon je einen Studioblitz mit einer kleinen Softbox gestellt. Die Glühbirne habe ich in eine Baustellenfassung eingeschraubt, die mittels Dimmer in der Helligkeit geregelt werden kann.


Die Vorbereitung:

Zuerst einmal: Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das gewisse Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen! Eine Schutzbrille sowie schnittfeste Kleidung und Handschuhe sind Pflicht.

Wie bekommt man Risse in das Glas, sodass der Wolframdraht frei liegt?

Ich habe dazu die Glühbirne mit einer Zange an der Fassung genommen, dann mit einem Lötbrenner* die Glühbirne so lange angeheizt, bis das Glas schmilzt und das Gas entweicht. (Vorsicht: Gibt eine Stichflamme!) Danach wird die Glühbirne schnell unter kaltes fließendes Wasser gehalten, was man am besten vorher schon aufgedreht hat. Dadurch zerspringt das Glas. Als nächstes habe ich mit einer kleinen Zange vorsichtig die einzelnen Glaselemente entfernt, um den Wolframdraht frei zu legen.


Auch das Foto ist über Fotolia erhältlich.

Das Shooting:

Die präparierte Glühbirne vorsichtig in die Fassung schrauben. Kamera, Licht, alle Einstellungen nochmal überprüfen. Den Dimmer auf ganz dunkel drehen. Dadurch glüht der Draht 1-2 Sekunden länger und nicht ganz so hell, sonst wäre er überbelichtet. Ohne das Gas, was normalerweise in den Glühbirnen drinnen ist, glüht die Birne nämlich weitaus heller.
Wenn alles kontrolliert wurde, einen Fernauslöser in die eine Hand und in die andere den Einschalter für die Glühbirne nehmen.

Glühbirne einschalten. Der Wolframdraht beginnt jetzt sofort zu glühen und zu rauchen. Nach ca. einer halben Sekunde das erste Foto machen und je nachdem, wie schnell die Blitze wieder einsatzbereit sind, kann man eventuell noch ein zweites Foto machen. Nach max. zwei Sekunden ist der Wolfgramdraht verglüht. Am längsten brennen die 100-Watt-Birnen.

Als Objektiv kam ein 50mm-Objektiv (wirkt bedingt durch Crop-Faktor der Kamera wie ein 75mm-Objektiv) zum Einsatz bei ISO 100 und Blende 9 und einer Verschlusszeit von 1/125 Sekunde.


Danach habe ich noch ein Foto von der Fassung gemacht. Wichtig ist, dass das Foto an gleicher Stelle mit dem selben Licht aufgenommen wird, damit es danach bei der Fotomontage von der Perspektive und Beleuchtung her passt und echt wirkt.

Zusätzlich habe ich noch einige Farbexperimenten probiert. Bisschen kreativ darf man da schon sein. So habe ich bei dem Foto mit dem roten Rauch vor die Blitze eine rote Farbfolie gehangen. Das Foto mit dem blauen Rauch ist komplett in Photoshop entstanden.


Mehr Bilder und Infos findet ihr auf meiner Webseite www.nimmervoll.org. Falls Ihr Fragen habt, dann immer her damit in den Kommentaren. Ich werde versuchen, diese zu beantworten. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

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Tutorial: Drei einfache Licht-Setups mit 2-3 Blitzen im Studio

Wie schon erwähnt habe ich auf der ersten Microstock Expo 2011 in Berlin einige Artikel-Ideen bekommen.

Der Stockfotograf Luis Alvarez hatte bei der MEXPO auch ein Beauty-Shooting organisiert. Einige Blog-Leser kennen ihn vielleicht schon von seinem Gastbeitrag „Tutorial für Blitzaufbau bei Portraits im Hip Hop Look“ oder von seinem Statistik-Service Stock Performer. Luis hat mir erlaubt, die drei Licht-Setups vom Shooting vorstellen zu dürfen.

Das erste Set mit der langhaarigen Aljona ist ziemlich einfach und der Aufbau wird so ähnlich gerne in den Hochglanz-Modemagazinen verwendet, weil er mit minimalen Mitteln einen coolen Look erzeugt. Hier seht ihr zuerst eins der fertigen Fotos. Mehr Fotos könnt ihr hier sehen und auch kaufen*.


Das Model steht auf einer dunkelgrauen Hintergrundrolle, die mit einem Normalreflektor angeblitzt wird. Dieser Blitz erzeugt den weißen Kreis im Hintergrund. Die Stärke des Blitzes regelt logischerweise die Helligkeit des weißen Kreises. Als Hauptlicht dient ein sehr hoch stehender Blitz mit Beauty Dish, der ganz leicht nach links versetzt ist. Die Höhe des Blitzes ist wichtig, damit die Haare oben auch etwas Licht abbekommen.

Den genauen Aufbau und die tatsächliche Höhe des Beauty Dish seht ihr auf dem Setup-Foto unten hinten.


Im Vordergrund seht ihr den Set-Aufbau für das zweite Model, die bezaubernde Yolanda. Hier wieder eins der fertigen Fotos, mehr davon sind hier erhältlich*.

Obwohl bei diesem Blitzaufbau drei Blitze benutzt werden, ist das Setup noch einfach als das erste, denn alle Blitze sind nur mit Normalreflektoren ausgestattet.  Der Hauptblitz steht direkt auf der Sichtachse des Models hinter und über dem Fotografen. Für die Lichtkanten (auch „rim light“ genannt) an den Armen und im Gesicht des Models sorgen zwei weitere Blitze, die ca. im 30°-Winkel hinter dem Model stehen, aber tiefer montiert sind als das Hauptlicht. Das Setup-Foto oben sollte da keine Fragen offen lassen. Eine wichtige Rolle spielt auch der farblich auf das Model abgestimmte Hintergrundkarton, damit die Fotos stimmig wirken.

Das dritte und letzte Setup wurde für die blonde Valerie eingerichtet. Hier eins der fertigen Fotos, mehr davon gibt es wieder hier zu sehen*.


Der Aufbau ist fast identisch mit meinem normalen Lichtaufbau, den ich im Studio nutze. Im Unterschied zu meinem Aufbau setzt Luis jedoch auf einen grauen Hintergrund. Als Hauptlicht dient eine große Octobox von schräg rechts. Direkt auf der anderen Seite des Models sorgt ein Blitz mit einer vertikalen Softbox (ein sogenanntes „Strip-Light„) wieder für die Lichtkante am Arm und Haar des Models, wobei ich die Lichtstärke nachträglich gesehen etwas runtergeregelt hätte.

Unten im Bild seht ihr noch mal die genaue Aufstellung der Blitze und als Bonus den Profi-Microstocker Andres Rodriguez bei der Arbeit.


Wer noch mehr Material sehen will, findet im Blog von Gerhard Seybert weitere Fotos und ein „Behind The Scenes“-Video und auch bei den offiziellen Videos* ist etwas vom Shooting zu sehen.

Ich finde, dass diese drei Setup-Beispiele gut zeigen, wie mit relativ einfachen Mitteln und meist nur durch eine Änderung der Blitzposition und der Hintergrundfarbe ein ganz anderer Stil auf den Fotos erzeugt werden kann. Um alle Sets nachzubauen, braucht man nur drei Blitzköpfe, ein Hintergrundsystem mit drei Hintergrundkartons, ein Beauty Dish, eine Octobox und ein Strip-Light. Notfalls kann für den Anfang auch auf die Lichtformer und den dritten Blitz und die verschiedenen Hintergründe verzichtet werden.

Jetzt seid ihr dran: Welcher der drei Looks gefällt euch am besten? Warum?

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Tutorial: Geniale Tropfenfotos selbst machen

Vor paar Monaten entdeckte ich im Newsstream meines Facebook-Accounts paar wirklich coole Fotos. Im Grunde sehr simpel: Bunte Tröpfchen, die ins Wasser fallen. An sich nichts Neues. Aber: Der Fotograf Daniel Nimmervoll perfektionierte diese Art der Fotos immer weiter, bis aus den einfachen Tropfenfotos plötzlich komplexe Wassergebilde wurden. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er uns verraten möchte, wie er gelernt hat, solche genialen Bilder zu machen:


Deshalb heute Vorhang auf für den Gastartikel von Daniel Nimmervoll:

______ab hier schreibt Daniel____

Mein Name ist Daniel Nimmervoll, ich bin aus Österreich und fotografiere nun seit drei Jahren. Ich würde mich als ambitionierter Hobbyfotograf bezeichnen. Seit zwei Jahren versuche ich mich auch in der Stockfotografie. Bisher begeisterte mich die Makro-Fotografie, vor allem Insekten haben es mir angetan. Doch seit neuestem bin ich einer neuen „Sucht“ verfallen.

Im Dezember 2010 stieß ich zufällig auf diesen Thread im DSLR-Forum und habe mir dabei prompt den Tropfenvirus eingefangen. Dieser Thread ist für mich besonders, weil sich hier alle gegenseitig weiterhelfen. [Anmerkung R. Kneschke: Der Thread ist wirklich sehr lesenwert und ein Paradebeispiel für das Lernen von Fototechniken im Internet] Fast alle geben ihre Erfahrungen preis und teilen sie mit anderen. Das möchte ich heute auch. Wie mache ich meine Tropfenfotos?


Mein Aufbau

Angefangen habe ich mit einem normalen Infusionsset. Da ist aber das Timing recht schwierig. Deshalb habe ich mir den Stopshot von Cognisys zugelegt. Damit lässt sich jeder Tropfen perfekt auf Millisekunden genau einstellen. Ein Magnetventil öffnet sich z. B. für 50 ms (Damit wird der 1. Tropfen erzeugt. Ist die Zeit kürzer, wird er kleiner), ist dann für z. B. 90 ms geschlossen und öffnet sich dann nochmal für z. B. 44 ms für den 2. Tropfen. Das lässt sich mit dem Controller einstellen. Wenn der 2. Tropfen nun die Lichtschranke passiert hat, löst z.B. nach 120 ms die Kamera aus.

Damit kann man sich wesentlich besser auf die Formen und das Licht inkl. der Farben konzentrieren.

Für die Beleuchtung ist es wichtig, dass man Blitze verwendet, die eine sehr kurze Abbrenndauer haben, um die schnellen Bewegungen einzufrieren. Ich verwende dazu den Canon 580 EX II* und weiters hab ich mir zwei gebrauchte Canon 540 EZ gekauft. Hier ist es wichtig, die Leistung auf 1/32 oder 1/64 bzw. 1/128 zu drosseln. Dadurch erreicht man die Abbrennzeiten von <1/10000 sek. Die Kamera stelle ich dabei auf ISO 200 und verwende die Blende 16, um genügend Schärfentiefe zu bekommen.

Die Wanne besteht aus Plexiglas und sollte möglichst flach sein (z.B. so eine*). Optimaler Wasserstand ist 1,5 bis 2,5 cm. Meine Wanne ist 85 cm lang. Je länger die Wanne ist, umso flacher kann man die Tropfen fotografieren ohne den Rand hinten bzw. vorne zu sehen. Die Wanne könnte also auch noch länger sein. Um das Licht weicher zu machen, steht vor den hinteren Blitzen eine matte Plexiglasscheibe. Hier muss man etwas experimentieren, um ein schönes Licht zu bekommen. Bereits kleinste Veränderungen können eine große Auswirkung haben. Zum Beispiel wie schräg die Plexiglasscheibe steht, wie weit die Blitze entfernt stehen oder welche Brennweite bei den Blitzen eingestellt ist.

Auf dem Bild ist mein Canon Speedlight 580 EX II* mit einem selbstgebauten Snoot zu sehen. Die Blitze werden über Funk (RF-602 von YongNuo*) ausgelöst. Um Farbe ins Spiel zu bekommen verwende ich das Lee Musterheft. Diese Filterfolien haben die perfekte Größe für die Blitze.

Damit die Tropfenfotos nicht flau, sondern schön knackig werden, ist es wichtig, dass das meiste Licht von hinten kommt. Der vordere Blitz soll nur den „Fuß“ vom Tropfen etwas aufhellen und somit habe ich mir einen Snoot gebastelt. Einfach schwarze Strohhalme abgeschnitten und in einem zurecht geformten Karton hinein geklebt.

Um die Oberflächenspannung des Wassers zu verringern, gebe ich 1-2 Tropfen Klarspüler in die Wanne. Beim Tropfwasser kann man viel experimentieren. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Guarkernmehl* gemacht. Für einen Liter reicht hier schon ein Teelöffel. Dieses koche ich kurz auf und wird dann zwei Mal mit einem Kaffeefilter filtriert. Das erste Mal, wenn’s noch heiß ist und das zweite Mal, wenn das Wasser dann Zimmertemperatur hat. Einige haben auch mit Zuckerwasser recht gute Erfahrungen gemacht. Probiert habe ich auch schon Glycerin, jedoch war ich mit den Ergebnissen nicht so zufrieden. Was auch immer gut aussieht, ist Milch, vor allem, weil es die Farben des Blitzlichtes sehr gut absorbiert. Je nach Geschmack kann man auch Lebensmittelfarbe* rein geben. Mache ich öfters beim Guarkernmehl. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.

Mit diesem Aufbau erhält man dann unter anderem solche Fotos:

Eines meiner ersten Foto mit dem Stopshot, hier mit normalem kalten Leitungswasser.

Für solch ein Foto braucht man 3 Tropfen. Der 3. ist quasi vor wenigen Millisekunden eingeschlagen. Hier habe ich Milch verwendet, die grün angeblitzt worden ist. Übrigens, das Foto schaffte es im Fotowettbewerb 29 der ColorFoto auf Platz 2.

 

Im Tropfenwasser hatte ich hier Guarkernmehl mit roter Lebensmittelfarbe.

Eine Handvoll Leute im DSLR Forum haben herausgefunden, das man unter bestimmten Umständen auch sehr hohe Tropfen erzeugen kann. Dadurch, dass wir solche Fotos vorher noch nirgendwo anders in dieser Form gesehen haben, halten sich bisher alle zurück, das Geheimnis preiszugeben. Nur soviel: Mit viel Geduld und Übung kann jeder dahinter kommen. Die Tropfen steigen dabei auf über 20 cm Höhe und dadurch ergeben sich wiederum ganz andere Möglichkeiten in der Form und der Bildgestaltung.

Ich hab das Foto „Dildo“ genannt 😉 Ich hatte hier Glycerin verwendet und den Blitz nur auf den oberen Bereich mit dem Snoot und einer roten Folie gerichtet.


„Chaos-Tropfen“


Ob sich sowas auch verkaufen lässt? Ich hätte es bei der Bildagentur Stockfood versucht. Die haben bisher jedoch wenig Interesse gezeigt. Bei Fotolia bekomme ist eine Ablehnung nach der anderen. Bisher haben es nur wenige Fotos geschafft, angenommen zu werden. Ich denke, dass diese Bildagenturen solche Fotos nicht gebrauchen können. Sind wohl zu viel Kunst.

Deshalb habe ich es bei WhiteWall versucht und siehe da, hier wurden sogar schon einige in den Kunstmarkt aufgenommen. Auch bei Flickr findet ihr meine Tropfen-Galerie mit den besten Ergebnissen.

Vielleicht noch kurz für alle Stopshot-Interessenten. Ich habe mich vor allem auch deshalb dafür entschieden, weil man damit auch Ballistik-Shootings machen kann. Habe mir dafür schon mal den Cross Beam Sensor mitbestellt. Für den Fall, dass ich mal platzende Luftballons oder dergleichen im spannendsten Moment fotografieren will, hab ich mir damals auch noch das Mikrofon mitbestellt, welches die Kamera durch Geräusche auslösen kann.

Ich hoffe das euch meine Fotos gefallen. Aktuelle werdet ihr auch immer auf meiner Webseite www.nimmervoll.org finden. [Update:] Außerdem gibt es von mir jetzt das Buch „Highspeed Fotografie„* mit viel mehr Tipps zum Thema.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr diese gerne in den Kommentaren stellen, ich versuche sie dann zu beantworten.

Update 23.7.2011: Auf Wunsch des Fotografen wurden einige Bilder ausgetauscht oder entfernt.

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Tutorial: Küche für 99 Euro als Requisite selbst bauen

Heute gibt es was Leckeres: Der Fotograf Jörg Hempelmann vom Essener Fotostudio Picture-Factory zeigt, wie sich Fotografen aus dem Nichts eine komplette Küche als Location für ein Fotoshooting selbst bauen können. Alles, was ihr braucht, sind 3 x 2 Meter Platz und… ach, lest selbst:

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Viele Stockfotografen kennen das leidige Thema: Wie kann ich ohne großen Aufwand Bilder produzieren, die aus dem alltäglichen Leben gegriffen sind?

Gern werden in den Frauenmagazinen Bilder gezeigt, die aus dem Bereich Küche kommen. Jeder hat zuhause eine Küche. Aber ist sie auch zeitgemäß? Ist die Farbe aktuell, ist sie nicht zu dunkel und habe ich genug Platz, um vernünftig meine Licht zu positionieren? Vor dem gleichen Problem standen wir auch bei unserem ersten Küchenshooting.


Wir selbst haben eine offene Küche mit sehr viel Platz. Die Oberfläche ist aus Kirsche und die Arbeitsplatten und Rückwände sind aus Granit. Das erste Shooting, was wir dort realisiert haben, klappte ganz gut, aber gekauft werden nur die Nahaufnahmen, wo man die Küche nur erahnen kann. Fazit: Die Küche war vom Design nicht mehr zeitgemäß und die Farben passten nicht. Aber jetzt eine neue Küche nur für Shootings kaufen wäre doch ein bißchen zu viel des Guten.

Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Küche im Studio aufzubauen. Mehrfach bei Ebay geschaut, ob eine weiße Küche dort günstig zu ersteigern war. Aber unter 500€ war da nichts zu machen. Also mußten wir uns etwas anderes einfallen lassen, um eine Küche zu simulieren. Dabei entstand folgende Idee:

Alles, was bei der Küche im Hintergrund seinen sollte, wird unscharf dargestellt, aber man sollte noch erkennen, dass es sich um Küchenutensilien handelt. Also mußte ein Regal her, wo man Tassen und Teller offen reinstellen kann. Damit war das Thema Hintergrund bis auf die Töpfe und Pfannen an der Wand schon erledigt. Vom Platzbedarf brauchten wir nur eine weiße Wand von ca. 3m und eine Raumbreite von ca. 2m. Das reichte für das Küchenset vollkommen.


Moderne Küchentheken mit Kochfeld sieht man fast überall. Also mußte eine Thekennachbildung her. Hierfür haben wir zwei weiße Tische 1m x 0,6m genommen, sie länglich zusammengestellt und die Küchentheke war schon fast perfekt. Das Einzige, was noch nicht stimmte, war die Arbeitshöhe. Hierfür haben wir einfache Obstkästen genommen und die Tische damit um ca. 20cm erhöht. Jetzt noch ein Holzschneidebrett für die Gemüseschneidaktion platziert. Diese Holzbreit überdeckte gleichzeitig die Stoßnaht der beiden Tische und dann war die Theke schon fertig.


Es fehlten noch Utensilien wie Teller, Messer, Gemüse, Töpfe, und so weiter. Die Töpfe stehen doch nicht einfach so auf einer Arbeitsplatte rum? Ein Kochfeld mußte her. Aber jetzt extra ein Cerankochfeld kaufen, das würde unser Budget sprengen. Also entschlossen wir uns, eine große 60 x 60cm Granitfliese aus dem Baumarkt für 5 Euro zu nehmen, da das Kochfeld sowieso nur im Anschnitt und in der Unschärfe erscheinen sollte. Wie man es auf den Bildern sieht, kann man es nicht erkennen.


Als wir nach dem Shooting zusammengerechnet haben, was das Ganze gekostet hat, mußten wir schmunzeln. Genau 99 € hat dieses Set gekostet.

Hier die Aufstellung der Teile:

  • 2 x Lackregal weiß je 20€
  • 2 x Tisch mit Beinen 1m x 0,6m je 22€
  • 1 x Holzschneidebrett 7€
  • 1 x Granitfliese 5€
  • 4 x Styroporplatten für Rückwand Regal 3 €

Dies bekommt ihr alles beim gelben Möbelhaus und im Baumarkt. Viel Spaß beim Nachbauen.


Über Picture-Factory:
Die Picture-Factory ist ein Fotostudio in Essen. Wir sind ein Fotografenteam von 3 Fotografen und haben die Schwerpunkte People- und Hochzeitsfotografie. Seit November 2010 sind wir auch in dem Bereich der Stockfotografie tätig und haben innerhalb von 4 Monaten ein Stock von ca. 1700 Bildern aufgebaut.

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Wie findet ihr diesen Trick? Habt ihr auch schon Locations für ein Fotoshooting simuliert und was habt ihr dafür benutzt?