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Neues von der Photokina 2016: VR, 3D, 360° und mehr

Nachdem ich für euch stundenlang aufmerksam durch die Hallen der Photokina getigert bin, um spannende Produktneuheiten zu entdecken, möchte ich euch meine Funde vorstellen, damit ihr noch vor dem Ende der Messe gegebenenfalls selbst bei den Ständen vorbeischauen könnt, die euch interessieren.

Auffällig viele Neuheiten gab es bei den Themenbereichen Virtual Reality und 360°-Fotos und -Videos. Es gab auch einige Drohnen-Anbieter etc., aber da ich davon keine Ahnung habe, kann ich dazu leider wenig sagen.

photokina_2016_img_5265Als die „Kamera mit der höchsten Auflösung“ für 360°-Fotos (108 MP) wurde die Panono-Kamera (Halle 9, A023) beworben, die wie ein runder Ball mit vielen Löchern aussieht und für knapp 1500 Euro erhältlich ist. Die Berechnung der Panoramen erfolgt cloudbasiert über den Server der Firma, genauere Angaben zum Datenschutz konnte der Stand-Mitarbeiter außer „die Bilder sieht keiner“ leider nicht machen.

Sogar 360°-Videos (und -Fotos) hingegen kann die Vuze-Kamera, (Halle 9, B014) welche damit wirbt, besonders klein und bedienungsfreundlich zu sein. Macht auf jeden Fall einen guten Eindruck.

Besonders für das 360°-Live-Streaming geeignet sein soll die Orah-Kamera 4i (Halle 9, B033), welche ab Ende des Jahres für ca. 3600 USD verfügbar sein soll.

Als 360°-Action-Cam vermarktet sich die Aleta-Kamera (Halle 9, C037a).

Einen anderen Weg geht die Firma Freedom360 (Halle 9, A050), welche verschiedene Mounts und Stative anbietet, mit denen entweder 6 GoPro-Kameras für 360°-Aufnahmen passend angeordnet werden können und damit bis zu 8K-Videos möglich sind. Oder es gibt Mounts mit modifizierten GoPro-Kameras mit offenen Ports, die für Live-Streaming gedacht sind. Für die neue GoPro Hero 5 werden die Gehäuse bald angepasst.

Neue GoPro? Ja, die GoPro Hero 5 (Halle 9, A020) ist ebenfalls ohne extra Gehäuse bis zu 10 Metern wasserdicht, kann RAW-Fotos, sowie Wide-Dynamic-Range-Videos aufnehmen, hat eine eingebaute Bildstabilisierung und kann Sprachkommandos in sieben Sprachen verstehen.

Um die ganzen 360°-Aufnahmen sinnvoll nutzen zu können, bietet Pano2VR (Halle 9, A050) die Möglichkeit, aus dem Material interaktive 360°-Touren zu machen.

sharealike (Halle 9, Stand B050) verspricht hingegen, aus normalen 2d-Fotos, eine 3D-Slideshow zu erstellen für Virtual Reality-Geräte, indem die Bilder über ein VR-Video montiert werden.

Für Unterwasseraufnahmen ist die Marina Grade X2 Action-Kamera von Intova (Halle 9, B032) gedacht, welche ein wasserdichtes Gehäuse und im Gegensatz zur GoPro zusätzlich ein 150 Lumen-Licht gleich mit eingebaut hat. Kostenpunkt ca. 349 USD.

Eine simple, mechanische 3-Achsen-Stabilisierung bietet der solidLUUV (Halle 9, B050) Stabilisator für 249 Euro, zusätzlich gibt es mit dem Action Gimbal für 299 Euro noch den leichtesten Gimbal auf dem Markt. Zusammen können beide zum „ultraLUUV ACTION“ kombiniert werden.

Etwas spielerischer ist der Adapter Kúla (Halle 5.2, F020), welcher bei einer DSLR vor das Objektiv gehalten wird, um stereoskopische Bilder zu erzeugen. Kostenpunk ca. 179 USD. Ein Adapter für Smartphones ist in Arbeit.

Produktfotografen interessiert vielleicht das foldio360 (Halle 9, B050), ein kleiner Drehtisch mit integriertem Licht für ca. 139 USD, welcher in Kombination mit einem Smartphone 360°-Bilder aufnehmen kann. Die perfekte Ergänzung ist das Foldio2 für ca. 75 USD, ein kleines, leichtes faltbares Studio mit ebenfalls integriertem Licht.

Wer gerne „Tethered Shooting“ macht, also seine Kamera kabelgebunden fernauslöst, sollte sich das Programm „Kuuvik Capture 2“ mal anschauen, welches zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten von Schärfekontrolle, Focus Pulling, Hilfslinien und Live-View für mehrere Kameras gleichzeitig. Aktuell ist die Software leider nur für den Mac ab OS X 10.10 oder höher erhältlich.

Wer hingegen seine Kamera lieber mit dem Smartphone steuert, findet vielleicht Unleashed von foolography (Halle 4.1, G039) spannend. Das ist eine DSLR-Fernsteuerung für Smartphones mit vielen Einstellungsmöglichkeiten.

Beeindruckt hat mich auch das LensTrue-System (Halle 2.1, B031) von Jobo. Damit ist eine automatische Perspektivkorrektur möglich, ohne besondere Objektive und sogar ein virtueller Perspektivwechsel. Die Bildqualität soll besser als mit Tilt-Shift-Objektiven sein und im Gegensatz zur automatischen Entzerrung mittels Software keine senkrechten Linien enthalten.

Eine Möglichkeit, ein Bild über mehrere Leinwände hinweg („Multi Canvas“) bequem online zu bestellen, bietet Sunpics von Adigitalbook (Halle 9, Stand C040). Leider ist das System noch nicht für Endkunden zugänglich.

Die meisten Fotografen werden zwei Kameras zu Hause haben und eventuell einen Beamer zu Hause haben. 3Digify (Halle 9, Stand B050) macht darauf einen 3D-Scanner, welcher OBJ-Dateien inklusive Maps (Normal, Textur, Displacement) erzeugt. Kostenpunkt sind 10 Euro pro exportiertem Modell oder eine Jahreslizenz von 5000 Euro für unbegrenzte Exporte.

Kennt ihr von früher diese „Wackelbilder“, zum Beispiel auf Linealen? Diese Technik nennt sich Lenticular und auf der Photokina findet ihr in Halle 9, Stand E036 die Firma Zenith, welche euch mit den nötigen Materialen, Geräten und der Software versorgt, um selbst solche Bilder mit 3D-Effekt zu erstellen.

Wer oft Probleme mit Bilderklau hat, kann bei den beiden Firmen PhotoClaim oder LaPixa (beide Halle 9, B050) vorbeischauen, welche versprechen, Urheberrechtsverletzungen im Auftrag von Fotografen zu ahnden. Leider wackeln die Versprechen schnell, wenn es konkret wird, zum Beispiel bei Ländern wie Italien oder Microstock-Motiven.

Viele verschiedene Retusche-Services bietet die Firma Purple Key (Halle 4.1, C019) aus London an. Das Auslagern einiger solcher Arbeiten kann vor allem für Stockfotografen ganz interessant sein.

Welche Neuigkeiten haben euch auf der photokina am meisten fasziniert?

Ist die neue Foto-App Prisma sicher und stocktauglich?

In letzter Zeit hat eine neue Foto-App den vordersten Platz in den App-Stores belegt (zumindest in der Kategorie „Foto und Video“).

Die Rede ist von der App Prisma, welche über 30 künstlerische Effekte bzw. Filter im Stil klassischer Kunstwerke zur Verfügung stellt, die über ein Foto gelegt werden können. Sie gibt es für iOs und für Android.

Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.
Beispiel der Prisma-Filter: Oben links mein Original-Foto, daneben 5 Kunst-Filter der App.

In den letzten Tagen häuften sich die Meldungen über problematische Nutzungsbedingungen der App, deshalb habe ich sie mir im Detail durchgelesen.

Besonders bitter ist mir folgender Satz aufgestoßen:

„[,,,] you hereby grant to Prisma a non-exclusive, fully paid and
royalty-free, transferable, sub-licensable, worldwide license to use the Content that you stylize on or through the Service […]“

Das heißt sinngemäß übersetzt:
Jedes Bild, was ein Nutzer in die Prisma-App reinlädt, darf Prisma ohne jegliche Einschränkung verkaufen! Punkt.

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Prisma auf Platz eins der iOS-Download-Charts im Bereich kostenlose „Foto und Video“-Apps

Das ist umso gefährlicher, weil die App nur mit aktiver Internetverbindung funktioniert und alle Bilder, welche von der App bearbeitet werden soll, auf die Server der russischen App gespeichert werden. Probiert es aus: Im Flugmodus verweigert die App ihren Dienst.

In der Vergangenheit war es aber oft so, dass neue Apps oder Unternehmen sich diese Art von sehr weitreichenden Nutzungsbedingungen gegeben haben und erst nach Protesten zurückgerudert sind.

Deshalb habe ich dem Prisa-Gründer und Chef Alexey Moiseenkov eine Email auf englisch geschickt mit zwei Fragen:

„1. Ist es erlaubt, die fertigen Ergebnisse aus der Prisma-App für kommerzielle Zwecke zu nutzen?

2. Wie ist der [oben zitierte] Satz zu verstehen: Darf Prisma die Ergebnisse selbst verkaufen?“

Auf den ersten Satz habe ich am 11. Juli 2016 folgende Antwort erhalten:

„You can use it how you decide but mention our app.“

Das heißt sinngemäß: Mach, was Du willst, aber nenne dabei die App. Was wiederum so von mir nicht in den ursprünglichen Nutzungsbedingungen zu finden war. Das hat sich aber eh erledigt, weil seit dem Update 2.2 der App jetzt unten rechts der Name der App eingeblendet ist (siehe Beispiele oben) und dieser auch nicht entfernt werden darf, wenn ich die „Terms of Use“ (Stand 22.072016) richtig lese:

„You will not remove, alter or conceal any copyright, trademark, service mark or other proprietary rights notices incorporated in or accompanying the Prisma Content and you will not reproduce, modify, adapt, prepare derivative works based on, perform, display, publish, distribute, transmit, broadcast, sell, license or otherwise exploit the Prisma Content.“

Die Antwort auf die zweite Frage blieb mir der Entwickler jedoch leider schuldig. Auch auf eine Nachfrage meinerseits habe ich seit zehn Tagen keine weitere Antwort erhalten.

Das macht mich vorsichtig und ich rate jedem, der die App für mehr als Schnappschüsse von Blumen oder Sonnenuntergängen nutzen will, sehr vorsichtig zu sein.

Seid euch bewußt: Alle Bilder, die ihr mit der App bearbeitet landen auf einem Server und laut den Nutzungsbedingungen übertragt ihr Prisma alle Rechte an den Bildern, die Prisma braucht, um sie verkaufen, weiterzulizenzieren oder anderweitig nutzen zu können.

Wie sieht ihr die Nutzungsbedingungen und die Effekte der Prisma-App?

Die 10 Editorial-Topseller von Rex Features 2014

Nach den meistverkauften Smartphone-Fotos und Vektoren, wird es heute Zeit, einen Blick auf die Editorial-Fotos zu werfen, welche sich 2014 am besten verkauft haben. Dafür habe ich die Agentur Rex Features gefragt, welche erst kürzlich von Shutterstock aufgekauft wurde. Obwohl Rex Features eine „News-Agentur“ ist, welche alle Arten von Nachrichtenfotos – sei es Politik, Sport, Unterhaltung oder Königshäuser – anbietet, bestehen die Top 10 nur aus Entertainment-Stars oder Mitgliedern der englischen Königsfamilie.

Schauen wir uns die Sieger im Detail an:

  1. Amal Alamuddin
    © Rex
    © Rex

    Die britisch-libanesische Juristin mit Spezialisierung auf Menschenrechte und Internationale Politik vertrat unter anderem den Wikileaks-Gründer Julian Assange und die ehemalige Ministerpräsidentin der Ukraine Julija Tymoschenko. Vermutlich deutlich bekannter wurde sie jedoch durch ihre Heirat im September 2014 mit dem Schauspieler George Clooney.

  2. Katie Price

    © Newspix/Rex
    © Newspix/Rex

    Okay, keine Ahnung. Ehrlich. Ich musste googlen, um überhaupt zu lernen, wer Katie Price ist. Anscheinend ein Fotomodell, welches viele Brust-OPs und drei Ehemänner hatte und mittlerweile fünf Kinder hat. Die „wichtigste“ Meldung 2014 war anscheinend, dass sie sich im Mai 2014 von ihrem dritten Mann, einem ehemaligen Stripper, getrennt hatte, nachdem dieser eine monatelange Affäre mit ihrer besten Freundin hatte. Wie die Frau angesichts der Konkurrenz auf Platz Zwei landen konnte, ist mir jedoch immer noch schleierhaft.

  3. Catherine Herzogin von Cambridge und Prinz George and Prinz William
    © Rex
    © Rex

    Auf dem dritten Platz liegt der englische Prinz William mit seiner Frau und deren Sohn an dessen erstem Geburtstag beim Besuch einer Schmetterlingsausstellung im Naturkundemuseum. Interessiert mich nicht die Bohne, aber ich kann den dritten Platz angesichts der vielen Regenbogenhefte (Yellow Press) nachvollziehen.

  4. Harry Styles
    © Can Nguyen/Rex
    © Can Nguyen/Rex

     

    Der Popsänger Harry Styles der Band „One Direction“ auf einer Party von Warner Music and GQ im Shoreditch House in London im Juli 2014. Newswert? Habe ich wieder keine Ahnung. Ich werde vermutlich alt.

  5. Chris Martin
    © Theo Kingma/Rex
    © Theo Kingma/Rex

    Der britische Musiker Chris Martin spielt in der Band Coldplay. Anderweitige Aufmerksamkeit erzielte er 2014 durch eine Beziehung mit der Schauspielerin Jennifer Lawrence, die unter anderem bei „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ mitspielt. Im Rahmen der Filmbewerbung ist auch das obige Foto entstanden.

  6. Justin Bieber
    © Miami-dade Corrections/Rex
    © Miami-dade Corrections/Rex

    Oh, wie muss dieser Gegensatz die Boulevardmedien befeuert haben: Der (ehemalige?) Teenie-Schwarm und Pop-Sänger wurde als 19-Jähriger im Januar 2014 von der Polizei in Miami inhaftiert, weil er unter dem Einfluss von Alkohol, Marihuana und verschreibungspflichtigen Drogen mutmaßlich an einem illegalen Autorennen in einem gelben Lamborghini teilgenommen haben soll. Zusätzlich soll er sich der Festnahme widersetzt haben und ohne Führerschein unterwegs gewesen sein. Das ist aber auch eine zu coole Story, zumal wenn das Ganze noch mit dem offiziellen Polizeifoto garniert werden kann.

  7. Victoria Beckham

    © Richard Young/Rex
    © Richard Young/Rex

    Bei der Verleihung des „Harpers Bazaar Women of the Year Awards“ im November 2014 wurde dieses Foto aufgenommen. Gewonnen hat das ehemalige Spice Girl dort nichts, aufgetreten ist sie dort eher als Mode-Designerin ihrer eigenen Modelinie. Warum die Medien das Foto so interessant fanden, dass es unter den Top 10 landete, kann ich leider nicht nachvollziehen. Hilfreiche Kommentare bitte unten ergänzen.

  8. Kim Kardashian und Kanye West mit Tochter North West

    © Startraks Photo/Rex
    © Startraks Photo/Rex

    Zwei Prominente bekommen zusammen ein Kind: Da steht die Boulevardpresse natürlich Kopf und so ist auch das Foto der frischgebackenen Familie ein gefundenes Fressen. Zumal die kleine Tochter „North West“ auf dem Bild auf den Tag genau ein Jahr alt ist.

  9. Kate Bush
    © Ken McKay/Rex
    © Ken McKay/Rex

    Wow, was für eine Ausnahme: Hier hat sich tatsächlich ein Foto einer Prominenten in die Top 10 geschlichen, welches die Person bei der Ausübung ihres Jobs zeigt. In diesem Fall ist der Nachrichtenwert, dass das die erste Tournee von Kate Bush seit 1979, also seit 35 Jahren, war.

  10. Cressida Bonas und Prinz Harry

    © Ray Tang/Rex
    © Ray Tang/Rex

    Als Stockfotograf kringeln sich mir hier bei der technischen Qualität des Bildes die Fußnägel auf, aber wenn da ein englischer Prinz sowie dessen Freundin (zumindest zum Zeitpunkt der Aufnahme noch) zu sehen ist, drücken sowohl Bildagenturen als auch die Medien gerne beide Augen zu.

Ich muss zugeben: Selten habe ich so oft und lange googlen müssen für einen Artikel wie bei diesem Text: Wer ist noch mal die Person? Warum genau ist sie berühmt? Was haben die Leute 2014 gemacht, was einen Platz in der Top 10 rechtfertigen könnte?

Aber genau das ist alles, was zählt, wenn es um Editorial-Fotos geht: Prominenz. Teilweise inszenieren die Stars die Bedingungen ihrer Aufnahmen halbwegs selbst, sei es bei Presseterminen oder im Rahmen von Fototerminen bei Veranstaltungen, manchmal helfen auch Paparazzi nach. Ein Anlass für die Veröffentlichung der Bilder findet sich immer. Und wenn nicht, wird einfach einer erfunden. Sehr deutlich nachzulesen ist das zum Beispiel im empfehlenswerten Regenbogenpresse-Watch-Blog „Topf voll Gold„.

Welche Erkenntnis zieht ihr aus den Fotos?

Die 10 Vektor-Topseller 2014 bei Shutterstock

Im Rahmen meiner jährlichen Serie, welche Motive sich letztes Jahr am besten verkauft haben, geht es nach den Smartphone-Fotos diesmal um die Vektoren. Vektoren sind im Gegensatz zu Illustrationen als JPG Grafiken, welche sich ohne Qualitätsverlust beliebig skalieren lassen und meist auch in Form, Farbe etc. leicht ändern lassen, was sehr Grafiker zu schätzen wissen.

Beim Verkauf dieser Vektoren hat Shutterstock* die Nase vorn und die Agentur war so freundlich, mir die zehn Vektordateien rauszusuchen, welche sich 2014 am meisten verkauft haben. Hier sind die Topseller:

  1. © Sky Designs/Shutterstock
    © Sky Designs/Shutterstock*

    Den ersten Platz belegt nicht ein Bild, sondern 1000 Icons, zu vielen Themen wie Büro, Medizin, Medien, Lebensmittel, Polizei, und so weiter. Der Nutzen dieser Unmenge an Icons und Symbolen sollte klar erkennbar sein. Aber dazu später noch mehr.

  2. PureSolution/Shutterstock
    © PureSolution/Shutterstock*

    Den zweiten Platz teilen sich deutlich weniger Icons, und zwar „nur“ 70, aus den Bereichen Web, Business, Finanzen und Kontakt.

  3. Romanova Ekatarina/Shutterstock
    © Romanova Ekatarina/Shutterstock

    Beim dritten Platz müssen mir einige Grafiker unter den Lesern helfen: Warum sind diese kalligrafischen Rahmen so beliebt bei Designern? Meine Vermutung ist, dass diese Schnörkel gerne für Hochzeits- und andere Einladungen benutzt werden, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

  4. PureSolution/Shutterstock
    © PureSolution/Shutterstock

    Auf dem vierten Platz liegen wieder 600 Icons, diesmal mit dünnen Linien. Wenn ich richtig sehe, werden einige dieser Icons auch im Shutterstock-Trend-Report 2015 unter „Gradliniges Design“ gezeigt.

  5. graphixmania/Shutterstock
    © graphixmania/Shutterstock

    Im Vergleich zu den anderen Vektoren ist Platz fünf relativ simpel: Ein Infografik-Element vier Mal in verschiedenen Farben.

  6. HAKKI ARSLAN/Shutterstock
    © HAKKI ARSLAN/Shutterstock

    Noch simpler hingegen ist das einfache weiß gepunktete Hintergrund. Beachtet, wie in der Mitte die Punkte auslaufen und damit Platz für Text geschaffen wird. Außerdem sorgen die feinen Schwingungen der Punkte für eine Dynamik, die Bewegung suggeriert. Gerade das trägt vermutlich zur Verkäuflichkeit bei, dann „normale“ weiße Punkte auf grauem Hintergrund symmetrisch anzuordnen, dürften viele Designer noch selbst schaffen. Die „Schwingungen“ ins Bild zu bekommen, ist schon schwieriger.

  7. PureSolution
    © PureSolution/Shutterstock

    Auf Platz 7 liegt wieder der Anbieter „PureSolution„* und ist damit mengenmäßig der Sieger. Hier ist es eine Mischung aus Icons und Design-Konzept zu vier Themen, die allesamt sehr gut verkäuflich sind: Webdesign, SEO, Social Media und Online-Zahlung.

  8. © Sky Designs/Shutterstock
    © Sky Designs/Shutterstock

    Auf Platz 8 begegnen wir wieder dem Erstplatzierten „Sky Designs„*, der noch mal nachgelegt hat und die erste Icon-Sammlung um 50% auf 1500 Icons erweitert hat. Mittlerweile hat er diese Sammlung jedoch schon verdoppelt: Hier gibt es 3000 Icons* von ihm zum Preis von einem. Allein dafür würde sich der Kauf eines Bildpakets lohnen.

  9. © Cienpies Design/Shutterstock
    © Cienpies Design/Shutterstock

    Wenn sich ein Feiertag gut verkauft, ist es Weihnachten. Deshalb liegt diese weihnachtliche Grußkarte als einziger Feiertagsvektor auf Platz 9. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass sich dieses Motiv (neben Platz 6) nicht nur als Vektor, sondern auch als einfache JPG-Datei gut verkauft.

  10. © Leonid Zarubin/Shutterstock
    © Leonid Zarubin/Shutterstock

    Auf dem zehnten Platz liegt wieder ein Bild mit Infografik-Thema. Ich verstehe in der Praxis zwar nicht ganz, wie man damit viel Zeit sparen kann, wenn man die Grafiken sowieso an die Werte der eigenen Daten anpassen muss, aber entweder ignorieren einige Designer diesen Umstand oder die Erstellung von Infografiken geht trotzdem leichter, wenn zumindest Farbe und grobe Form vorgegeben werden. Ich habe es noch nicht ausprobiert. Vielleicht hat von euch jemand Praxiserfahrung mit solchen Infografik-Templates?

Der Überblick – Was sagen uns die Top-Seller?

Zunächst einmal: Viel hilft viel. Während bei Fotos und (zu einem geringeren Teil auch bei) Illustrationen nur wenige Variationen der Verwendung möglich sind, zum Beispiel durch Beschnitt, Farbänderung oder Textzugabe, sieht das bei Vektoren anders aus. Durch das Vektorformat können nicht nur Farbe und Größe verändert werden, auch die Anordnung der Objekte, der Zusammenhang, Elemente können weggelassen werden, anders kombiniert werden und so weiter.

Zusätzlich jedoch ist ein Verkaufsargument offensichtlich: „Viel zum Preis von einem“. Ob Icons, Templates oder Rahmen, die Käufer scheinen es zu schätzen, wenn die Anbieter nicht geizen und so viel Inhalte wie möglich in eine Datei packen. Bei Platz 5 mit dem identischen Element in verschiedenen Farben bricht dem Anbieter kein Zacken aus der Krone, aber die anderen Elemente bieten schon echten Mehrwert. Am besten erkennbar ist es beim Vergleich von achten mit dem ersten Platz. Hier bekommt der Käufer 50% mehr Inhalt zum gleichen Preis.

Warum liegt dann diese Datei nicht auf dem ersten Platz?
Zuerst hatte ich vermutet, dass diese deutlich später hochgeladen wurde. Aber das stimmt nur bedingt. Die Datei vom ersten Platz wurde der Bildnummer nach ca. im März 2013 hochgeladen, die vom achten Platz im Juni 2013. Beide hatten also genug Zeit, bis zum Beginn des Jahres 2014 genug Downloads zu generieren. Die Datei mit den 3000 Icons hingegen stammt erst vom Januar 2015.

Meine Vermutung ist deshalb eine andere: Shutterstock ist eine der wenigen großen Bildagenturen, die noch keine Zoom-Funktion anbietet, bei der die Kunden das Bild vor dem Kauf an einer beliebigen Stelle vergrößern können. Das bedeutet, dass die Kunden bei gleichbleibender Thumbnail-Größe umso weniger erkennen können, je mehr Icons zum Beispiel angezeigt werden (Zum Vergleich: Das Thumbnail bei Shutterstock ist ca. 67% kleiner auf die Topseller-Bilder in diesem Artikel). Der Kunde kauft gewissermaßen die Katze im Sack, weil er bei mehr als 1000 Icons nicht mehr mit Sicherheit sagen kann, ob das Gesuchte mit dabei ist.

Interessante Anmerkung nebenbei: Bei Fotolia funktioniert die Zoom-Funktion nur bei Fotos und Illustrationen, nicht bei Vektoren. Das Grundproblem ist also identisch, der Effekt jedoch ein anderer. Weil bei Shutterstock mehr Kunden mit einem Abonnement kaufen, denken sich diese vielleicht eher: „Ach, lade ich trotzdem mal runter und schaue es mir an, bevor mein Guthaben am Ende des Tages oder Monats verfällt“. Allein, die Illusion liefern zu können, dass etwas Brauchbares dabei sein könnte, würde dann schon gewinnbringend wirken.

Die fehlende Zoom-Funktion ist vermutlich – wenn bestimmt auch nicht allein – für eine andere Auffälligkeit verantwortlich. Die Designer in den Bestsellern haben sich meist die Mühe gemacht, zusätzlich zum eigenen Inhalt Elemente einzufügen, die als „Verpackung“ oder „Kaufhilfe“ bezeichnet werden könnten. Damit meine ich die rosa Balken rechts bei Platz 1 und 8, wo die Art der Icons und die Menge angezeigt werden, die bunte Titelleiste vom zweiten Platz mit Farbcodierung und so weiter. Damit soll erstens das Thumbnail als solches optisch attraktiver gestaltet werden (stellt euch den ersten Platz einfach mal ohne den rosa rechten Teil vor), zweitens den Käufern Informationen gegeben werden, die er ohne Zoom-Funktion nicht sehen kann und drittens werden dem Kunden teilweise Gestaltungsvorschläge gemacht durch generischen „Blindtext„, welcher mit einem Vektorprogramm leicht durch eigene Inhalte ausgetauscht werden kann.

Welche Vektoren verkaufen sich bei euch am besten?
Was lernt ihr aus diesen 10 Vektor-Bestsellern?

* Affiliate

Das Sterben der kleinen Bildagenturen wird weitergehen

Zum Jahresanfang habe ich mich hingesetzt und meine Zahlen etwas ausführlicher analysiert.

Diesmal ging es vor allem um die Performance der vielen kleinen Bildagenturen, die ich parallel zu den „Big Playern“ im Microstock-Business beliefere. Gibt es eine Veränderung bei den kleinen Agenturen? Ins Positive oder Negative?

Dazu habe ich die umfangreiche Liste meiner eigenen Umsatzzahlen zur Hilfe genommen.

Meine Liste umfasst aktuell 37 Agenturen, die ich im Laufe der Jahre beliefert habe. Dazu zählen auch zwei Agenturen, die ich doppelt mit unterschiedlichem Material zu verschiedenen Preispunkten (Micro/Macro) beliefert habe bzw. hatte sowie mein mittlerweile aufgegebener eigener Bildershop. Außerdem sind da noch einige Agenturen enthalten, welche schon längst nicht mehr auf dem Markt sind, zum Beispiel StockXpert, Polylooks oder Fotocent.

Weggelassen habe ich außerdem Agenturen, welche ich nur mit Videos beliefere (z.B. Pond5, Revostock oder Clipcanvas) sowie Agenturen, welche ich erst seit weniger als fünf Jahren beliefere (z.B. Canva, Mostphotos oder Alamy).

Übrig geblieben ist eine Liste mit 20 Agenturen. Ich habe lange überlegt, ob ich konkrete Namen oder Zahlen nenne, aber mich aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Die Motivation, meine Umsatzzahlen nicht mehr zu nennen, habe ich hier dargelegt und da die Kurven einiger Agenturen nicht zu positiv aussehen, möchte ich nicht noch mal einen Rechtsstreit vom Zaun brechen.

Ich finde jedoch, dass die Diagramme trotzdem eine gewisse Aussagekraft haben.

Wichtig war mir, langfristige Trends zu erkennen, ohne von saisonalen Ausreißern wie dem Weihnachtsgeschäft oder der Sommerflaute abgelenkt zu werden. Deswegen habe ich von jeder Agentur den Monatsumsatz als Jahresmittelwert genommen, also wie viel Geld ich bei dieser Agentur über das Jahr gerechnet (und durch zwölf geteilt) eingenommen habe.

Insgesamt sieht das dann so aus:

jahresschnitt-alle-agenturenDas Pareto-Prinzip ist hier sofort erkennbar. Zwei der zwanzig Agenturen liefern den größten Teil meiner Umsätze. Da es ohnehin kein großes Geheimnis ist, kann ich die beiden Namen auch nennen: Fotolia* (grün) und Shutterstock* (lila). Leider verzerren die beiden Ausreißer nach oben die Aussagekraft, weshalb ich die beiden Agenturen in der folgenden Grafik weggelassen habe:

jahresschnitt-ohne-ft-shsSchon besser. Die restlichen 18 Agenturen sind fast alle als Linie zu erkennen. Die beiden Ausreißer nach oben diesmal sind Dreamstime* (türkis) und 123rf* (gelb).

Wenn wir diese weglassen, verteilen sich die restlichen 16 Agenturen so:

jahresschnitt-ohne-ft-shs-dt-123rf

Endlich kommt Licht in das, was auf der ersten Grafik noch wie ein dicker bunter Strang aussah. Gut zu erkennen ist, dass fast alle der 16 Agenturen mühsam vor sich hin vegetieren oder ganz klar jedes Jahr weniger Umsatz für mich erwirtschaften. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Die hellgraue Linie (wurde vor einigen Jahren von einer großen Agentur aufgekauft) sowie die orangene Linie, die sich mühsam auf den dritten (bzw. insgesamt siebten Platz) hochgearbeitet hat. Auch diese Agentur gehört einer anderen großen Agentur.

Fairerweise muss ich an dieser Stelle einwerfen, dass ich bei einigen dieser Agenturen das Hochladen von Bildern schon eine Weile eingestellt habe, weil der zeitliche Aufwand größer war als der Umsatz auf dieser Seite. Eine gleichbleibende Portfolio-Größe wird in der Microstock-Branche oft als Faktor für einen langfristigen Umsatzrückgang gewertet, weil die Bilder „veralten“ und irgendwann weniger gekauft werden.

Wenn ich diese neun Agenturen ebenfalls entferne, bleiben sieben Agenturen übrig und das Diagramm sieht so aus:

jahresschnitt-ohne-ft-shs-dt-123rf-und-no-uploader

Egal welche der letzten beiden Grafiken ich mir ansehe, sie sehen beide traurig aus. Vor allem, wenn man im Hinterkopf hat, dass sich bei jeder dieser 7 Agenturen mein Bildbestand mindestens verdoppelt, in einigen Fällen sogar mehr als verzehnfacht hat. Wer als Agentur mit einem zehnfachen Bildbestand trotzdem fünf Jahre lang umsatzmäßig stagniert, wird auch in Zukunft keine rosigen Zeiten erwarten können.

Eine der neun nicht mehr belieferten Agenturen, die österreichische Agentur Waldhäusl, hat im April 2014 den Betrieb einstellen müssen und eine andere Agentur dieser neun wurde ebenfalls 2014 von einer anderen Bildagentur aufgekauft und geschlossen. Vor wenigen Wochen wurde bekannt gegeben, dass eine der restlichen sieben Agenturen in den kommenden Monaten das gleiche Schicksal ereilen wird.

Was sagt mir das?

Für mich sind die Zeichen eindeutig: Die kleinen Bildagenturen sterben weg!

Die vier großen Agenturen haben alle über 30 Millionen Bilder im Portfolio, die weiteren Agenturen mit einem positiven Trend haben alle eine andere große Agentur im Rücken. Der Rest erwirtschaftet nur niedrige drei- oder sogar nur zweistellige Beträge im Monat mit meinen teils über 10.000 Fotos. Da ich weiß, dass ich damit in der Regel zu den oberen 10% der Bildlieferanten gehöre, kann ich über den Daumen gepeilt vermuten, dass die Gesamtumsätze der jeweiligen Bildagenturen bescheiden sind. Da wundere ich mich manchmal, wie die Agenturen teilweise zwei Geschäftsführer oder Eigentümer bezahlen können.

Teilweise finde ich die mäßige Performance schade, weil ich weiß, wie viel Herzblut die Agenturinhaber in ihre Agenturen stecken. Nüchtern betrachtet erleichtert es mir aber meine Arbeit, meine Bilder nicht mehr bei 15 oder 20 Agenturen zu streuen, sondern sich auf die zehn umsatzstärksten zu konzentrieren.

Ich vermute stark, dann in diesem und dem nächsten Jahr noch einige der Agenturen aus den letzten beiden Grafiken den Betrieb einstellen werden oder von anderen Agenturen übernommen werden. Erst gestern kam zum Beispiel die Info rein, dass Mauritius Images, vormals eine der großen deutschen Agenturen, vom in der Szene eher unbekannten Stefan Ploghaus aufgekauft wurde.

Zwar habe ich in der Vergangenheit viel Zeit (und damit auch Geld) in den Aufbau meines Portfolios bei kleinen Agenturen gesteckt, aber mittlerweile ist es mir lieber, wenn weniger Agenturen meine Bilder vertreiben, weil es neben der Zeitersparnis auch das Risiko von unseriösen Partneragenturen oder undurchsichtigen Deals mit anderen Agenturen verringert. Deshalb werde ich in den nächsten Monaten beginnen, meine Bilder aus einigen Agenturen abzuziehen und die Accounts schließen zu lassen.

Was sind eure Erfahrungen? Wie schätzt ihr die Entwicklung ein?

* Affiliate