Kategorie-Archiv: Stockfotos kaufen

Was Bildkäufer suchen: Gefragte Foto-Motive

Für ca. vier Jahren schrieb ich im Blog kurz über die Schließung des Fotografen-Portals „Digital Railroad“ (DRR). Die meisten werden sich kaum noch an die Firma erinnern, aber ich weiß noch, dass DRR einen interessanten Blog hatte, in dem sie ab und zu Bildthemen beschrieben, die bei Käufern sehr gefragt sind.

Da diese erstens immer noch aktuell sind und zweitens das Thema eine passende Fortsetzung zu meinem letzten Blog-Artikel „Die Liste der Bestseller: Welche Bilder verkaufen sich am meisten?“ sind, möchte ich euch einige der Motive und Bereiche vorstellen, die bei Bildkunden beliebt sind.

  • Leute beim Wasser trinken:
    Es lohnt sich vielleicht nicht, für dieses Motiv ein komplettes Shooting zu planen, aber aufgrund der wenigen Requisiten, die fast immer griffbereit sind, lohnt es sich, das Motiv im Hinterkopf zu behalten. Vor allem nicht nur junge Frauen beim Workou, die Wasser trinken, sondern auch Kinder, Senioren (Dehydratation) und Familien.
  • Die Business-Seite der Medizin:
    Sowohl die Geschäftswelt als auch Medizinthemen sind zwei Bereiche, die sich immer gut verkaufen. Wie wäre es, beide miteinander zu kombinieren? Ärzte behandeln Geschäftsleute, Patienten bezahlen eine Arztrechnung, Patienten beim Einchecken ins Krankenhaus, Manager im Wartezimmer und so weiter…
  • Gleichgeschlechtliche Paar-Freizeit:
    Es gibt haufenweise Bilder von Hetereo-Paaren in ihrer Freizeit und von homosexuellen Paaren im Bett. Deutlich weniger Fotos gibt es von zwei Männern oder zwei Frauen (abgesehen von Shopping-Fotos) in der Freizeit, zum Beispiel beim Wandern, im Kino, beim Kegeln oder ähnliches. Die Bilder brauen keine erotische Komponente, im Vordergrund soll der Spaß stehen, es könnten also auch einfach zwei Freunde oder Freundinnen sein, nicht unbedingt ein Paar. Als Fotograf solltet ihr den Models jedoch klar machen, dass Kunden auch den Paar-Aspekt betonen könnten.
  • Anonyme Aufnahmen:
    Damit sind keine Paparazzi-Fotos aus dem Busch gemeint, sondern Bilder von Personen, die nicht erkennbar sind, weil sie entweder mit dem Gesicht von der Kamera abgewandt sind oder das Gesicht durch die Hände oder andere Dinge verdeckt sind. Solche Bilder werden gerne von Pharmafirmen benutzt oder in anderen sensiblen Bereichen wie Artikeln über menschliche Tragödien oder einfach deshalb, weil sich die Betrachter mit einer anonymen Person besser identifizieren können.
  • Normale Geschäftsleute:
    In Macrostock-Agenturen lassen sich leicht Bilder von Managern in der Wüste, im Wasser oder auf Bergen finden, aber von den ganz normalen Büroszenen am Schreibtisch, beim Telefonieren oder Bearbeiten von Akten werden auch immer Bilder gebraucht.
  • Produktvergleich beim Einkauf:
    Oft stellt sich beim Shopping die Frage: Kaufe ich dieses oder lieber jenes Produkt? Das kann gut visualisiert werden und wird von Käufern gerne gesehen.
  • Personen beim Hiking:
    Paare, Familien oder einzelne Personen beim Wandern, Bergsteigen, Hiking oder Trekking. Die Ausrüstung sollte modern und ohne erkennbare Markennamen und Logos sein. Ideal wäre es, wenn neben generischen Landschaften auch Bilder mit klarem Bezug zum Ort gemacht werden, da Reiseführer etc. gerne Menschen in einer bestimmten Gegend beim Wandern zeigen wollen.
  • Ein Tag im Leben:
    Damit sind Aufnahmen gemeint, die eine Person, ein Paar oder eine Familie bei einem „typischen“ Tagesablauf zeigen, also vom Aufstehen, Waschen, Frühstücken, zur Arbeit gehen, beim Arbeiten, bei der Mittagspause, abends mit Freunden und so weiter. Diese Art von Bilderserien ist in den letzten Jahren beliebter geworden, weil die Bildpreise gesunken sind und Firmen es sich jetzt im Wortsinne erst leisten können, mit viel mehr Bildern eine Geschichte oder Werbebotschaft zu illustrieren.

Was habt ihr feststellen können? Welche Motive gehen bei euch besonders gut? Oder falls ihr Bildkäufer seid: Wonach sucht ihr selbst händeringend?

Warum Fotos kaufen? Abgrenzung von Microstock- zu Gratis-Angeboten

Was ist Stockfotografie und Microstock?

Stockfotografie bedeutet, dass ein Fotograf Fotos macht, ohne dass er einen Auftrag von einer Werbeagentur oder anderen Kunden hat. Er macht Fotos von Motiven, von denen er glaubt, dass es genug Kunden geben wird, die ihm dafür Geld geben wollen. Diese Fotos kommen dann online in Archive, vergleichbar mit Wikimedia-Commons, Flickr oder Youtube, nur dass diese Inhalte über die Agenturen gekauft werden müssen, wenn Kunden diese benutzen wollen.

Microstock ist eine Teilbereich der Stockfotografie. Wie der Name anklingen lässt, sind die Preise „micro“, also niedrig. Dort kostet ein Bild ab ein Euro bis durchschnittlich 50 Euro, während es im Macrostock-Bereich üblich ist, Fotos für 50 Euro bis zu vierstelligen Summen zu verkaufen. Neben Fotos werden auch Illustrationen, Vektorgrafiken, Videos, Audiodaten oder 3D-Bilder angeboten. Die bekanntesten Anbieter in diesem Bereich sind beispielsweise Fotolia*, Shutterstock* oder iStockphoto.

Die Vorteile von Bezahlangeboten gegenüber kostenlosen Inhalten

Kostenlose Angebote sind nicht nur freie Lizenzen wie sie bei Wikipedia oder Wikimedia verfügbar sind, sondern zum Beispiel auch bei Flickr, wo ebenfalls zum Teil Creative-Commons-Bilder zu finden sind, oder bei anderen Datenbanken wie beispielsweise Pixelio oder AboutPixel, wo auch Fotos kostenfrei lizenziert werden können. Die Lizenzen den Creative-Commons-Lizenzen ähnlich, meist aber nicht identisch.

Vorteil 1: Mehr Motive

Stellen sie sich gedanklich ein Bild von einer Frau vor. Sie haben einen Artikel und brauchen dafür ein Bild einer jungen, hübschen Frau zur Illustration. Sie können nun in verschieden Datenbanken danach suchen. Wenn ich bei der kostenlosen Agentur Pixelio suche, erhalte ich zirka 5.100 Treffer. Wenn ich auf englisch bei Wikimedia nach „woman“ suche, erhalte ich knapp 16.000 Treffer. Dort gibt es sogar noch mehr passende Inhalte, aber diese sind so unzureichend verschlagwortet, dass sie nicht mit diesem Begriff gefunden werden.

Bei Flickr unter der Creative-Commons-BY-Lizenz finde ich 0,75 Millionen Frauenfotos. Davon sind 200.000 ausdrücklich kommerziell nutzbar. Bei der kommerziellen Microstock-Agentur iStockphoto erhalte ich jedoch schon 1,2 Millionen Treffer, bei Fotolia 1,9 Millionen und bei Shutterstock 2,2, Millionen.

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Brauche ich so viel Auswahl? Ja. Sie suchen ja meist nicht irgendeine Frau, sondern sie wollen entweder eine blonde, eine alte oder eine Frau, die gerade Mangos isst. Durch diese zusätzlichen Einschränkungen werden aus den mehreren Millionen Treffern auf einmal nur ein paar hundert. Wenn man zu Beginn nur ein paar tausend hat, bleibt am Ende vielleicht gar kein passendes Bild übrig.

Bei allen Bildern, für die Erlaubnisse in irgendeiner Art benötigt werden, empfiehlt es sich, bei den kommerziellen Bildagenturen zu suchen, da dort die Rechte im Vorfeld geklärt wurden.

Bei Personenfotos beispielsweise haben sowohl der Fotograf als auch die abgebildete Person Rechte an der Aufnahme. Wenn der Fotograf das Bild unter eine „freie Lizenz“ stellt, erklärt er sich damit einverstanden, auf seine Rechte an dem Bild zu verzichten. Das heißt aber nicht, dass die gezeigte Person damit ebenfalls einverstanden ist. Das betrifft vor allem Gruppenfotos, wo viele Personen darauf sind oder Kinder, weil dann noch der Schutz Minderjähriger dazu kommt. Das heißt: Wenn sie Gruppen- oder Kinderfotos brauchen, ist es einfacher und durch die Zeitersparnis günstiger, diese Motive bei kommerziellen Anbietern zu suchen.

Andere Beispiele sind Aufnahmen von einem Privatgelände, wie Innenaufnahmen einer Fabrik, auf dem Golfplatz, Freizeitpark und so weiter. Da können noch Rechte (Markenrecht, Designschutz, etc.) in einem Bild stecken, die nicht ohne weiteres erkennbar sind.

Außerdem ist bei den kommerziellen Anbietern immer eine bestimmte technische Qualität gegeben, die vorher geprüft wurde. Sie können sich sicher sein, dass ein Bild in Postergröße XXL gedruckt werden kann, wenn die Bildagentur das anzeigt, während bei den freien Lizenzen die Bildgröße oft kleiner, schlechter oder das Foto verrauschter und unschärfer ist.

Vorteil 2: Bessere Verschlagwortung und Suchmöglichkeiten

Weil sie oft Millionen von Suchergebnissen bei einer Bildagentur haben, bekommen sie bei kommerziellen Agenturen viel mehr Suchmöglichkeiten an die Hand, um trotzdem ein geeignetes Bild zu finden.

Bleiben wir bei dem Beispiel Frau. Das sind die Ergebnisse der Webseite von Pixelio, sortiert nach Relevanz. Sie sehen ganz oben die drei Bilder. Das sind schon Frauenbilder, wie man sie sich vorstellen würde, aber es sind auch Hochzeitsringe, Aktaufnahmen, Wolkenfotos oder einfach Nahaufnahmen von einem Auge zu sehen, die weniger passen.

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Das ist ein Screenshot von Wikimedia-Commons, wo ich nach „woman“ gesucht habe. Da gibt es keine Sortierfunktion, was die Suche schwieriger macht, wenn man etwas Spezielles sucht. Bei den Beispielen sehen sie Frauen, aber auch Gemälde, wieder Nahaufnahmen von Augen oder ganz unten irgendeinen Text, den eine Frau geschrieben hat oder eine Kleidung, die von einer Frau getragen wurde, was sie aber als Ergebniss nicht unbedingt erwarten, wenn sie nach Frau suchen (Nachtrag: Der Text entstand im November 2011, im Februar 2012 wurde die Bildanzeige bei Wikimedia etwas verbessert, der Screenshot unten ist vom Mai 2012).

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Das ist jetzt die Seite bei Flickr. Angezeigt werden nur offiziell kommerziell nutzbare Bilder unter einer CC-Lizenz. Sie sehen, vor allem sind das Urlaubsfotos, Reisefotos, private Familienfotos und so weiter, wo nicht immer automatisch klar ist, ob sie diese Fotos wirklich kommerziell nutzen dürfen.

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Das hingegen ist der Screenshot bei Fotolia, wenn sie nach dem Suchbegriff Frau suchen. Sie sehen, die Bildqualität ist deutlich professioneller mit einer großen Vielfalt. Sie erhalten klassische Frauenportraits, Bilder von jungen Frauen, alten Frauen, Gruppenaufnahmen, Innenaufnahmen, Außenaufnahmen und so weiter.

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Das sind die Suchergebnisse der Bildagentur Shutterstock. Auch hier sehen sie viele klassische Frauenportraits, wie man sie sich bei der Suche nach einem Frauenbild vorstellen würde. Es gibt dazu viele Beauty-Aufnahmen und auch wieder sehr professionelle Qualität.

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Um in diesem Wust aus Bildern nicht erschlagen zu werden, gibt es Sortier- und Filtermöglichkeiten. Die üblichsten sind nach Ausrichtung (horizontal, vertikal, quadratisch) , Farbe und nach der Bildgröße, was zum Beispiel wichtig ist, wenn sie große Poster drucken wollen.

Weitere Filtermöglichkeiten: Nach Bildart (Foto, Vektorgrafik, Illustration), mit oder ohne Personen, die genaue Anzahl der Personen, das Alter der Person, das Geschlecht der Person und man kann danach suchen, ob auf dem Bild irgendwo Textfreiraum sein soll, wo Text oder ein Logo platziert werden kann.

Es gibt auch Sortierungsmöglichkeiten nach dem Alter der Bilder, nach der Anzahl der Verkäufe, nach dem Preis oder nach der Relevanz, was meistens eine Kombination aus verschiedenen Faktoren ist. Das werden sie bei vielen nicht-kommerziellen Anbietern nicht finden. Manchmal lohnt es sich deshalb schon, bei Microstock-Agenturen zu kaufen, weil die gesparte Zeit das ausgegebene Geld mehr als kompensiert.

Erweiterte Suchfunktionen bei Fotolia, Shutterstock und istockphoto

Zwischendurch ein Einwurf: Es kommt immer auf die Motive an. Wenn sie was ganz Historisches suchen, zum Beispiel Fotos vom zweiten Weltkrieg oder von Albert Einstein, wie er die Zunge rausstreckt, dann ist es möglich, in Bildarchiven von Museen oder bei Wikimedia Commons zu suchen. Aber wenn sie eher kommerziell orientierte Bilder brauchen, weil sie zum Beispiel eine Vereinbroschüre gestalten wollen, dann lohnen sich eher die kommerziellen Anbieter.

Vorteil 3: Rechtliche Absicherung

Hobbyfotografen oder Amateurfotografen, die bei Flickr oder einer anderen kostenfreien Bilddatenbank Fotos unter eine CC-Lizenz stellen, sind sich oft gar nicht bewusst, was bei dieser Vielfalt an Lizenzen alles erlaubt ist oder nicht. Deshalb sind oft Bilder unter einer kostenfreien CC-Lizenz zu finden, bei der nicht alle Rechte geklärt sind. Als Beispiel drei Fotos bei Flickr.


Erstes Szenario: Ein Fotograf lädt bei Flickr Bilder hoch unter einer CC-BY-Lizenz, das heißt, ein kommerzielle Nutzung ist erlaubt, Namensnennung erforderlich. Sie sehen hier drei Frauen. Links eine Frau von den Philippinen, in der Mitte aus Madagaskar, rechts aus Indien. Die Fotografen sitzen meist in den USA oder Großbritannien, was nahe legt, dass das Reisefotos oder Urlaubsfotos sind. Bei dem Foto in der Mitte stand als Kommentar bei Flickr sogar sinngemäß: „Unser Fahrer hielt kurz an, damit wir ein Foto der Familie auf dem Ochsenkarren machen konnten.“ Deshalb vermute ich, dass die Person nicht um Erlaubnis gefragt wurde, ob sie jetzt auf dem Foto sein will. Kann sein, muss nicht sein: Deswegen ist der Bildnutzer in der Pflicht, beim Urheber nachzufragen, ob wirklich alle Rechte für dieses Bild geklärt sind. Wer für ein Projekt risikofrei Bilder nutzen will, hat dadurch unter dem Strich mehr Aufwand und Kosten als ursprünglich gedacht, wenn es heißt: „Ich google mal schnell paar kostenlose Fotos“.

Ein anderes Beispiel direkt von der Wikimedia-Commons-Seite. Sie sehen einen us-amerikanischen Rapper. Unten bei der Lizenzierung steht ausdrücklich: Das Foto darf für jeden Zweck und auch kommerziell benutzt werden. Cool! Ich kann das als Poster drucken und beim Konzert der Band verkaufen und damit Geld verdienen. Sicherheitshalber habe ich beim Management des Rappers nachgefragt, der sofort meinte, das sei nicht erlaubt. Hier sind wir wieder beim Widerspruch zwischen den Rechten des Fotografen, der darauf verzichtet und den Rechten der abgebildeten Person, der die Nutzung nicht erlaubt. Dieser Widerspruch kann bei freien Lizenzen schnell auftreten. Die angegebene freie Lizenz ist deshalb in der Praxis manchmal wertlos (Nachtrag: Das Bild wurde mittlerweile bei Wikimedia entfernt).

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Drittes Beispiel: Das ist eine us-amerikanische Band namens Birdeater. Die haben ihr Bandfoto sogar unter eine Public-Domain-Lizens gestellt und damit das Bild gemeinfrei gemacht. Kurz gefasst heißt es, ihr dürft mit dem Bild machen, was ihr wollt. Ich bezweifle auch hier stark, dass die Band einen Posterverkauf gutheißen würde. Deswegen habe ich wieder per Email nachgefragt. Seit sechs Wochen habe ich keine Antwort erhalten. Wer einen engen Terminplan hat, könnte dieses Bild deshalb ebenfalls nicht nutzen, wenn er auf der rechtlich sicheren Seite sein will.

Wie handhaben das im Gegensatz Microstock-Agenturen? Jeder Fotograf muss zu jedem Foto schriftlich die dazugehörigen Modelverträge und Eigentumsfreigaben hochladen. Das führt bei mir teilweise dazu, dass ich zu einem Gruppenfoto zehn Verträge mit zwölf Unterschriften habe, nur um nachweisen zu können, dass ich alle Rechte an diesem Foto habe. Als Bildkäufer kann man sich dann sicher sein, das die Rechtefreigabe vorher durch mich geklärt wurde.

Einige Agenturen wie zum Beispiel Shutterstock, iStockphoto oder Vivozoom bieten sogar eine „Rechtegarantie“ an für rechtliche Unbedenklichkeit und haften selbst als Agentur bis zu 10.000 US-Dollar, falls doch mal etwas schief gehen sollte. Gegen Aufpreis kann diese Summe auf bis zu 250.000 US-Dollar erhöht werden. Falls man zum Beispiel eine Millionen Flyer druckt und diese müssen eingestampft werden, weil irgendwo ein unerlaubtes Logo zu sehen ist, was weder vom Fotograf noch von der Agentur entdeckt wurde, dann bezahlt die Bildagentur das.

Deshalb: Bilder bei Bildagenturen kosten zwar etwas, dafür spart man Zeit und Nerven und bekommt für das Geld auch Rechtssicherheit und eine größere Auswahl.

Hinweis: Dieser Artikel ist die verschriftlichte Form meines Vortrags vom Mai 2011 auf der Frühjahrstagung “Mediale Werte” des Verein für Medieninformation und Mediendokumentation (vfm) in Dresden. Die Zahlen sind demnach ca. ein Jahr alt, die Screenshots wurden teilweise erneuert.

Abmahnungen wegen falscher Quellenangabe bei Stockfotos von Aboutpixel, Pixelio etc. vermeiden

Vor gut einem Jahr hatte ich davor gewarnt, jetzt ist es Wirklichkeit geworden.

Ich schrieb im Artikel „Warum Fotografen Fotos kostenlos anbieten“ als achten Punkt eine Warnung, dass einige Fotografen kostenlose Bilddatenbanken wie Pixelio oder Aboutpixel mißbrauchen könnten, um durch Abmahnungen bei Lizenzverstößen Geld zu kassieren.

In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen einige Fotografen Bildnutzer abmahnen, wenn sie kostenlose Bilder falsch verwenden. Darüber wird zum Beispiel hier, hier oder hier berichtet.

Korrekte Namensnennung von kostenlosen und gekauften Bildern auf der Webseite bayerischerbauernverband.de

So eine Abmahnung kann zum Beispiel kommen, wenn bei kostenlosen Bildern der Urheberrechtshinweis vergessen oder auch nur an der falschen Stelle gesetzt wurde.

In den Lizenzbedingungen von Pixelio steht zum Beispiel ausdrücklich:

„IV. Urheberbenennung und Quellenangabe

Der Nutzer hat in für die jeweilige Verwendung üblichen Weise und soweit technisch möglich am Bild selbst oder am Seitenende PIXELIO und den Urheber mit seinem beim Upload des Bildes genannten Fotografennamen bei PIXELIO in folgender Form zu nennen: ‚© Fotografenname / PIXELIO‘

Bei Nutzung im Internet oder digitalen Medien muß zudem der Hinweis auf PIXELIO in Form eines Links zu www.pixelio.de erfolgen.“

Das bedeutet, dass eine Namensnennung für das Bild und ein Link im Impressum, wie es viele Bildnutzer gerne machen, nicht ausreichen. Die Namensnennung muss am Bild oder am Seitenende zu lesen sein, wo das Bild benutzt wird. Das Verstecken des Namens in einem ALT-HTML-Tag oder im Title-Tag oder als Kommentar im HTML-Quellcode ist auch nicht erlaubt.

Aboutpixel schreibt in den Lizenzbedingungen folgendes für die Quellenangabe vor:

„(8) Der Lizenznehmer ist verpflichtet, die Quelle als Bildnachweis zu nennen. Hierbei sind sowohl aboutpixel als auch der Lizenzgeber zu nennen. Die Nennung hat – in für die jeweilige Verwendung üblichen Weise – im Impressum oder unmittelbar am Bild zu erfolgen (z. B. „Foto: aboutpixel.de – Max Mustermann“ oder „Foto: Max Mustermann / aboutpixel.de“). Bei Verwendung der Bilddatei im Rahmen von Online-Angeboten muss die Nennung der Quelle in Verbindung mit einer Verlinkung auf das Webportal von aboutpixel erfolgen. Soweit die Bilddatei für körperliche Projekterzeugnisse verwendet wird, muss die Quellennennung an einer Stelle erfolgen, welche mit dem Projekterzeugnis räumlich fest und dauerhaft verbunden ist. Soweit der Lizenzgeber einen Klarnamen auf seinem Profil angegeben hat, ist in jedem Fall der Klarname zu nennen. Hat der Lizenzgeber nur seinen Benutzernamen auf seinem Profil hinterlegt, ist der Benutzername des Lizenzgebers zu nennen.“

Hier reicht es aus, wenn der Urheber im Impressum oder direkt am Bild genannt wird, eine Nennung am Seitenende hingegen reicht nicht aus. Gegen eine Gebühr kann jedoch eine Lizenz erworben werden, welche das Recht enthält, keinen Namen nennen zu müssen.

Ein Beispiel, wie eine Namensnennung richtig erfolgen kann, seht ihr am Bild oben. Ein Bildnachweis am Ende einer Seite könnte so aussehen:

Bildnachweis für ein pixelio-Bild am Seitenende

Zusätzlich wird bei diesem gezeigten Beispiel im Impressum auf die Pixelio-Webseite verlinkt, so wie es die Lizenzbedingungen vorschreiben.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Sensible Fotonutzungen bei Shutterstock erlauben oder nicht?

Vorgestern hat die Bildagentur Shutterstock eine neue Lizenz eingeführt, die sogenannte „sensitive use“ Lizenz. Die vollständigen Details zur Einführung stehen in einer FAQ auf der Shutterstock-Seite.

Diese erlaubt es Bildkäufern, Fotos zur Bebilderung „heikler“ Themen zu benutzen, wie Wahlwerbung, medizinische Werbung oder zu Themen wie Armut, Drogenmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus und so weiter. Shutterstock  behauptet zwar, dass einige „direkte Konkurrenzen“ solche sensiblen Nutzungen schon erlauben würden, aber in dieser Übersicht zu verbotenen Nutzungen wird deutlich, dass viele andere Bildagenturen genau wie bisher Shutterstock diese heiklen Nutzungen eher verbieten.

Beispiel für eine Fotonutzung, die mit einer "sensitive use" Lizenz erlaubt sein könnte. Quelle: www.methproject.org

Wenn Bilder mit einer „sensitive use“ Lizenz benutzt werden, dürfen sie laut Shutterstock trotzdem nichtfür Tabakwerbung genutzt werden, in pornografischen Materialien oder zur Bewerbung von „Erwachsenenclubs“ (umgangssprachlich auch Bordelle und Strip-Clubs genannt) oder für Escort-Seiten, Dating-Seiten und ähnliche Dienste. Außerdem müssen die Bildkäufer im Rahmen der „sensitive use“ Lizenz darauf hinweisen, dass das Bild nur ein Model darstellt und zur Illustration dient. In Zeitschriften steht dann manchmal unter Bildern z. B. „Szenen mit Models nachgestellt“.

Wenn Tabakwerbung, Pornografie und Dating-Werbung weiterhin untersagt ist, was wäre dann mit dieser neuen Lizenz erlaubt, was bisher nicht erlaubt ist?

Die beiden wichtigsten Themen wären sicher politische Werbung und medizinische Werbung.

Hier mal einige Beispiele, was darunter fallen könnte:

  • Foto wird von einer Partei zur Wahlwerbung benutzt.
  • Foto wird zur Werbung für Herpes-Medikament benutzt.
  • Bild wird auf einer Kondom-Packung abgedruckt.
  • Foto stellt die Models als Drogennutzer dar.
  • Bild suggiert, dass das Model eine Geschlechtskrankheit habe.
  • Bild deutet an, dass die gezeigte Person an Krebs, Blasenschwäche oder einer psychischen Erkrankung leidet.
  • Foto wird von einer Bürgerinitiative gegen einen Moscheebau in Deutschland genutzt.
  • Bild suggiert, dass das Model seit Jahren Schlankheitspillen der Marke XY benutzt.
  • Foto wird als Werbung für Brustvergrößerungen gezeigt.

Als Honorar für eine solche Nutzung soll „bis zu“ 75 US-Dollar gezahlt werden. Die Untergrenze wurde von Shutterstock leider nicht genannt.


Standardmäßig ist die neue Lizenz für alle Fotografen automatisch aktiv. Fairerweise bietet Shutterstock an, dass Fotografen diese Funktion manuell deaktivieren können. Dazu muss auf dieser Einstellungsseite bei „Allow my images to be licensed for sensitive uses“ auf „Opt-Out“ geklickt werden. Wer bis zum 1. März 2012 die Einstellung nicht ändert, der gibt seine Bilder automatisch für die neue Nutzung frei, eine spätere Änderung ist aber noch möglich.

Die spannende Frage für Fotografen ist nun:

Sollte ich „sensitive use“ Lizenzen erlauben oder nicht?

In Kurzform mein Tipp: Nein.

Warum? Zum einen ist es etwas unpraktisch, dass Fotografen nur wählen können, ob das komplette Portfolio freigegeben wird oder nicht. Viele Fotografen hätten keine Probleme damit, einzelne Bilder freizugeben. Zum Beispiel würde ich problemlos Stillleben oder Nahaufnahmen von Händen freigeben. Aber wenn wir realistisch sind, wollen die meisten Bildkäufer für diese heiklen Themen eben Personenfotos.

Ich spreche hier aus Erfahrung. Zum einen wurde erst kürzlich eins meiner Shutterstock-Fotos unerlaubt für Wahlkampfwerbung benutzt, zum anderen fragen ab und zu Bildagenturen bei mir an, ob ein Bildkäufer ein bestimmtes Foto für sensible Themen nutzen darf, zum Beispiel dass ein Model als Krebs-Patient dargestellt wird oder dass es eine bestimmte Schlankheitskur erfolgreich ausprobiert habe. Ich frage dann meine Models, ob sie mit der konkreten Nutzung einverstanden sind. Mal sind sie es, manchmal aber auch nicht. Neulich sprach ich mit einem bekannten Stockfotografen, der einige Fotos von einem erkennbaren Modell hinter Gittern gemacht hatte. Er erzählte, dass er viele unangenehme Bildnutzungen mit dem Foto gesehen habe und er das Foto deshalb heute nicht noch mal machen würde.

Deshalb rate ich vor allem Fotografen, die viele Personenaufnahmen machen, diese Funktion zu deaktivieren, ganz besonders, wenn sie Fotos von Minderjährigen im Portfolio haben. Denn selbst wenn der Fotograf einer heiklen Nutzung zustimmen sollte, bedeutet das noch lange nicht, dass das Model damit einverstanden wäre. Das könnte dazu führen, dass Models nicht mehr mit dem Fotografen arbeiten oder im schlimmsten Fall eine Klage nach sich ziehen.

Während viele „heikle“ Themen sicher für alle Seiten unproblematisch wären, zeigt die aktuelle Werbekampagne von methproject.org, wie schnell Werbung unangenehm für die abgebildeten Models sein kann. Stellt euch als Fotograf nur mal vor, die gezeigten Bilder mit Titeln „Junkie“, „Prostitute“ oder „Death“ wären von euch. Was würden eure Models davon halten?

Dass diese heiklen Themen jedoch bei Bildkäufern gefragt sind, zeigt der aktuelle Aufruf von Alamy, der Fotografen auffordert, mehr Bilder zu kritischen Themen Vergewaltigung, Arbeitslosigkeit, Komasaufen oder Obdachlosigkeit zu machen. Deshalb kann es für Fotografen schon lukrativ sein, passende Motive zu erstellen. Aber zum einen sollte der Fotograf dann darauf achten, dass die Models auf den Bildern nicht erkannt werden können und zum anderen sollte er sich die Nutzung gut bezahlen lassen.

Shutterstocks Vorpreschen zeigt nur, dass auch die Bildkäufer, die bisher gewohnt waren, für heikle Fotos deutlich mehr Geld auszugeben, immer häufiger versuchen, auch hier die Preise zu drücken.

Kreative Stockfoto-Nutzung mittels Lentikular-Verfahren

Am Wochenende ging ich fröhlich durch Köln spazieren, als mir im Schaufenster einer Apotheke ein Poster ins Auge stach.

Die Frau auf dem Foto kenne ich doch? Na klar, das ist ein Foto von mir!

Aber irgendwas stimmt da nicht. Das Foto bewegt sich doch?

Tatsächlich. Das Foto ist eine Art „Wackelbild„, bei dem je nach Betrachtungswinkel verschiedene Motive angezeigt werden. Im Fachjargon heißt dieses Verfahren Lentikulardruck. Ihr kennt das vielleicht aus der Kindheit: Diese Lineale oder Lesezeichen, die man bewegen konnte, um kurze Animationen zu erzeugen, basieren auf dem gleichen Prinzip.

Da das Prinzip fotografisch schwer festzuhalten ist, habe ich den Hersteller recherchiert, die Firma ANZAG, die unter anderem Apotheken beliefert. Diese schickte mir freundlicherweise die Layoutdaten, damit ich das Motiv hier zeigen kann. Die Bewegung habe ich als animiertes GIF nachgestellt. Stellt euch das in DinA2-Größe im Apothekenschaufenster vor.


Flankiert wurde die Aktion von einem Plakataufsteller, der aktuelle Medikamente anpreist und auch einem fast identischen Flyer.


Warum ich das hier so ausführlich erkläre? Neben dem Stolz auf meine Arbeit zeigt dieses Anwendungsbeispiel, dass sich auch mit „typischen Stockfotos“ kreative Werbung machen lässt, die garantiert ein Hingucker ist. Außerdem zeigt das Wackelbild deutlich, warum das Erstellen von Serien für Fotografen so wichtig ist. Hätte ich nur eins der beiden Fotos gemacht, hätte die Firma es nicht gekauft, weil sich damit kein Lentikulardruck anfertigen ließe. Deswegen lasse ich die Models auch in Serien handeln, wenn es das Motiv erlaubt. Vom Box-Motiv habe ich zum Beispiel noch ein Bild, wo die Frau erschöpft auf dem Boden sitzt, lässig an der Wand lehnt oder freudestrahlend einen Pokal in der Hand hält.

Die Apotheke war übrigens so freundlich, mir das Wackel-Poster nach Ablauf der Werbeaktion zur Verfügung zu stellen. Da wird sich das Model freuen!

Was war euer coolster Fund einer Foto-Nutzung?