Archiv der Kategorie: Rechtliches

Frag den Anwalt – Folge 03: Rakotzbrücke fotografieren?

Schon die dritte Folge gibt es aus der jetzt schon beliebten Serie „Frag den Anwalt“. Diesmal widmen wir uns einer Frage, die von uns Thomas per Mail erreichte:

Foto: Alexey Testov
Foto: Alexey Testov

„Ich habe vor zwei Jahren die Rakotzbrücke in Kromlau fotografiert und bei Fotolia eingesetzt.

Ab November 2016 ist die Brücke nun markenrechtlich geschützt und darf nicht mehr ohne Genehmigung verbreitet werden. Laut Artikel der heutigen Zeitung (16.11.2016) suchen sie auch einen Abmahnanwalt, der gezielt nach Fotos suchen soll.

Meine Frage: Wissen sie, ob ich das Bild bei Fotolia löschen muss, obwohl es ja vor dem Termin veröffentlicht worden war?

Das Bild wurde auch dreimal als Sonderlizenz verkauft. Könnte der Anwalt diesen Kunden nun verbieten das Bild zu benutzen?“

Diese Frage untergliedert sich in zwei Themengebiete. Einerseits spielt der Markenschutz eine Rolle, dem ich aber keine all zu große Bedeutung beimessen möchte. Schauen wir uns dazu mal die Marke an, die mit Wirkung zum 02.11.2016 (Widerspruchsfrist läuft noch) beim DPMA eingetragen wurde.

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Dies ist die einzige Eintragung, die ich finden konnte und diese schützt keineswegs die Brücke markenrechtlich, sondern die dort ersichtliche Wort-Bildmarke. Als Bildbestandteil ist daher nicht die Brücke generell geschützt, sondern die beim DPMA hinterlegte Grafik. Sicherlich enthält diese auch die Brücke als grafisch aufbereitetes Element. Hieraus aber ein Verbot herzuleiten, die Brücke fortan nicht mehr ungefragt fotografieren zu dürfen, halte ich für falsch, da das Markenrecht zunächst einmal nur verbietet, die beim DPMA hinterlegte Wort-Bild-Kombination markenmäßig zu verwenden. Eine solche markenmäßige Beeinträchtigung erkenne ich aber bei der Verwertung eines Fotos der Brücke gerade nicht.

Zudem ist die Marke auch nur auf die Klassen

Klasse(n) Nizza 33: alkoholische Getränke, ausgenommen Biere
Klasse(n) Nizza 35: Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroarbeiten
Klasse(n) Nizza 43: Dienstleistungen zur Verpflegung und Beherbergung von Gästen

eingetragen, was eine weitere Beschränkung darstellt, da der Markenschutz nicht grenzenlos besteht, sondern auf die Verwendung der Marke in den eingetragenen Produkt- und Dienstleistungsklassen beschränkt ist. Fotografische Produkte sind hiervon nicht umfasst, was ebenfalls dagegen spricht, dass das Fotografieren der Brücke und die Verwertung der Bilder generell unterbunden werden kann.

Neben dem Markenrecht spielt aber hier ein anderes rechtliches Thema eine Rolle und wie ich finde, eine deutlich wichtigere. Dieses haben wir in unserem letzten Artikel schon behandelt.

Sollte ich nämlich beim Fotografieren der Brücke nicht auf öffentlichem Grund und Boden stehen, kann mir der Grundeigentümer grundsätzlich aus seinem Hausrecht heraus das Fotografieren verbieten. Eine erste Recherche im Netz legt nahe, dass es weder Öffnungszeiten noch Eintrittsgelder für den Landschaftspark gibt, in dem die Brücke steht. Daher spricht einiges dafür, dass die Brücke von öffentlichem Grund aus und damit erlaubnisfrei fotografiert werden kann. Letzte Sicherheit gibt es hier allerdings nicht.

Urheberrechte an der Brücke dürften übrigens aufgrund der Tatsache, dass die Brücke um 1860 erbaut wurde, ebenfalls schon abgelaufen sein. § 64 UrhG regelt hierzu:

㤠64 Allgemeines
Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.“

Alles in allem scheint mir die Möglichkeit, sowohl bestehende Bilder sowie auch die Erstellung und die Verwertung neuer Bilder zu unterbinden, reichlich wackelig.

Müsste ich die Frage in einem Satz beantworten:
Ich würde aufgrund meiner rechtlichen Einschätzung dankend ablehnen, würde diese Gemeinde sich bei mir mit der Frage melden, ob ich der Anwalt sein möchte, der gegen die Erstellung und den Vertrieb von Fotos der Brücke vorgehen möchte.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Anwalt spezialisiert auf Medien- und Urheberrecht in der Nähe von München.

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Frag den Anwalt – Folge 02: Panoramafreiheit vs. Schlösserverwaltung?

In der zweiten Folge von „Frag den Anwalt“ widmen wir uns dieser Frage unseres Lesers Axel:

Foto: Alexey Testov
Foto: Alexey Testov

„Die bayrische Schlösserverwaltung verlangt eine kostenpflichtige Fotogenehmigung auch für Aussenaufnahmen ihrer Schlösser und selbst für redaktionelle Verwendungen. Wird die in Deutschland geltende Panoramafreiheit (also das Fotografieren von öffentlichem Grund aus) damit ausser Kraft gesetzt?“

Diese Frage gehört zu den absoluten Klassikern und beruht auf der Vermischung von zwei recht ähnlichen Themenkreisen: der Panoramafreiheit und dem Hausrecht des Grundstückseigentümers.

Zunächst ist völlig richtig, dass die in § 59 Urheberrechtsgesetz (UrhG) geregelte Panoramafreiheit das Fotografieren von urheberrechtlich geschützten (insbesondere Bau-) Werken ohne Genehmigung des jeweiligen Urhebers zulässt und damit die Fotografie im öffentlichen Raum erleichtern soll. Doch sehen wir uns die Vorschrift mal genauer an:

„§ 59 Werke an öffentlichen Plätzen

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“

Der Knackpunkt ist das „öffentlich„.

Die Panoramafreiheit greift nur beim Fotografieren von öffentlichem Grund aus. Hiervon sind private Grundstücke ausgenommen, sodass dies bei der Fotografie in Parkanlagen bereits das Killer-Gegenargument ist und die Panoramafreiheit hier überhaupt nicht anwendbar ist.

Öffentlich“ bedeutet nicht „frei zugänglich„. Es reicht vielmehr aus, dass der Grundstückseigentümer frei darüber entscheiden kann, wer wann auf sein Grundstück darf und ob hierfür gegebenenfalls Eintritt zu zahlen ist. Das ist bei derartigen Parkanlagen regelmäßig der Fall, auch wenn sie von einer Stiftung betrieben wird.

Das hat auch der Bundesgerichtshof (BGH) in drei stark gescholtenen Entscheidungen aus 2010 bestätigt, in denen er der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Recht gab, die sich gegen die Verwertung von Bildern gewehrt hatte, die auf ihrem Grund und Boden entstanden sind.

Der BGH ist der Auffassung, dass schon das Eigentumsrecht am Grund und Boden ausreichend ist, um die Fotografie von dort aus zu verbieten. Im Wesentlichen kommt es daher überhaupt nicht darauf an, was man fotografiert, sondern wo man steht, sodass es bei der Diskussion auf die Panoramafreiheit nicht entscheidend ankommt, da schon nicht von öffentlichem Grund aus fotografiert wird.

Ob die Verwendung redaktionell oder kommerziell ist, ist insofern egal, da es regelmäßig ausreicht, dass die Fotos zumindest nicht privat gemacht werden.

Müsste ich die Frage mit einem Wort beantworten, würde dieses daher „Nein“ lauten.

Über den Autor:
Sebastian Deubelli ist Anwalt spezialisiert auf Medien- und Urheberrecht in der Nähe von München.

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Bildagentur Vario Images droht mit Abmahnung

Nachdem die Klage von Imagebroker gegen mich entschieden wurde, klopft nun der nächste Rechtsanwalt an.

Im Auftrag der Bildagentur Vario Images meldet sich bei mir eine Berliner Kanzlei, um „die weitere Verbreitung einer Meldung“ zu verhindern.

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Einige der Schlagzeilen von 2012

Sollte ich dem nicht Folge leisten, werde die Kanzlei empfehlen, „die Hilfe der Gerichte in Anspruch zu nehmen und dann alle aus der Verletzung resultierenden Ansprüche“ geltend zu machen.

Was ist passiert?

Interessanterweise die Wahrheit. Im Juni 2012 hatte ich hier im Blog den Gastartikel „Try Macrostock! Unterschiede zu Microstock aus der Sicht eines Bildagentur-Chefs“ veröffentlicht, in dem der Chef der Münchener Macrostock-Agentur Westend61 die Vorteile im Gegensatz zu Microstock-Agenturen erläuterte.

In den Kommentaren hatte der Leser Walter als ein Beispiel für die eher nicht so rosige Lage des Bildermarkts auf den Antrag zur Planinsolvenz der Macrostock-Agentur Vario Images hingewiesen.

Darüber haben viel ausführlicher auch andere Branchenmagazine im Netz berichtet, wie zum Beispiel HORIZONT Online.

Was will Vario Images?

Die Anwältin von Vario Images wies mich nun darauf hin, dass das Insolvenzverfahren nach einem Rechtsreformwandel 2012 mittlerweile abgeschlossen sei und der Betrieb regulär weiter laufe.

Damit die Leser des Blogs aktuell informiert sind, habe ich gerne bei den Kommentaren ein Update hinzugefügt, welches die obigen Informationen wiederspiegelt.

Vario Images will jedoch, dass die – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung völlig korrekten Informationen –  nicht mehr verbreitet werden, oder genauer, um das Anwaltsschreiben zu zitieren:

„Damit sind solche Meldungen, selbst wenn sie im Zeitpunkt ihres Erscheinens rechtmäßig gewesen sein sollten, zum jetzigen Zeitpunkt rechtswidrig. Der Veröffentlichung
stehen die berechtigten Interessen des Unternehmens und seiner Inhaberin entgegen.“

Als Argument wird auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs verwiesen, konkret auf ein Urteil vom 13. Mai 2014 (EuGH, Urteil vom 13. Mai 2014 – C-131/12 – GRUR 20014, 895), welches auch durch das Schlagwort „Recht auf Vergessen“ bekannt ist. Etwas lesbarer ist das Urteil in dieser Pressemitteilung vom EU-Gerichtshof.

Wie reagiere ich?

Ich bin der Meinung, dass die Pressefreiheit eine große Errungenschaft ist, welche hochgehalten werden muss.

Das zitierte Urteil richtete sich gegen eine „natürliche Person“, nicht gegen eine Firma, sowie war eine Suchmaschine betroffen, kein Fachblog wie dieser hier und die betroffene Information war auch über 12 Jahre alt, nicht nur drei Jahre wie im vorliegenden Fall.

Deshalb bin ich der Auffassung, dass das Informationsbedürfnis meiner Leserinnen und Leser überwiegt und möchte die Information weiterhin online lassen.

Besonders wichtig finde ich es, weil einige der eingangs erwähnten Online-Medien ebenfalls ein – vermutlich identisches – Anwaltsschreiben erhalten haben und die Artikel von ihren Seiten gelöscht haben. Screenshots liegen mir vor.

Wenn ich jeder Drohung nachgeben würde, die mich von Agenturseite erreicht, würdet ihr hier bald nur Jubelmeldungen von XX Millionen Bildern lesen, die eine Agentur jetzt im Bestand hat oder von XX Prozent Rabatt, welche eine andere Bildagentur gerade gewährt.

Drückt mir die Daumen, falls es wie angedroht zu einer Gerichtsverhandlung kommen sollte.

Die Klage von Imagebroker wurde entschieden

Fast genau ein Jahr ist es her, als an dieser Stelle mein Artikel „Imagebroker: Der unendliche Vertrag ohne Kündigung?“ erschien. Darin ging es um einige gravierende Probleme mit dem Fotografenvertrag der Bildagentur, mit denen ich nicht alleine stand.

Dieser Artikel verärgerte Klaus-Peter Wolf, den Inhaber von Imagebroker, so sehr, dass er mir erst mehrmals telefonisch sowie per Email unter anderem mit „Krieg“ drohte, sowohl „publizistisch“ als auch „juristisch“. In seinem – damals noch aktiven – Imagebroker-Blog erschien dann ein wutentbrannter Artikel, in dem er mir „unaufgeforderte Rechtsberatung“ sowie einige andere Nettigkeiten unterstellte (im Volltext nachzulesen hier).

Diesmal lieber kein Screenshot...
Diesmal lieber kein Screenshot…

In der oben erwähnten Email zählte er auch die Punkte auf, die er für justiziabel hielt, unter anderem die Verwendung eines Bildes im Screenshot der Startseite von www.imagebroker.com. Den „Krieg“ könne ich aber vermeiden, indem ich den ihn störenden Beitrag „umgehend“ vom Blog löschen würde. Wenn ich das nicht täte, würde er „publizistisch und juristisch alle Register ziehen“.

Da die meisten seiner anderen aufgezählten Punkte, zum Beispiel „üble Nachrede“, „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“, „urheberrechtlich geschützte Verträge“ und andere Geschütze, die er in Stellung gebracht hatte, kaum haltbar waren und wohl nur der Einschüchterung dienen sollten, kam dann wie angekündigt erst eine Abmahnung und danach die Klage wegen „Verletzung des Urheberrechts“.

Warum? Ich hatte im Artikel den Screenshot der Start-Webseite von Imagebroker gezeigt, um unter anderem die Selbstdarstellung vom „einzigartigen Agenturnetzwerk“ mit „mehr als 100 Bildagenturen in 45 Ländern“ zu belegen. Das war meiner Auffassung nach vom Zitatrecht gedeckt.

Leider befand sich auf der Startseite und somit auch auf dem Screenshot ein großes Foto des Fotografen Harry Laub. Das Gericht folgte leider nicht meiner Auffassung, dass das Foto nur „unwesentliches Beiwerk“ sei und es mir bei dem Screenshot um die Webseite der Agentur als virtuelles Aushängeschild der Firma ging. Aber gut, vor der Justiz ist das Internet digitales Neuland und das Risiko war vorhanden, dass das Gericht Probleme mit der Einschätzung von Screenshots hat. Das ist unter anderem gut daran zu erkennen, dass das Wort „Screenshot“ im gesamten Text der Urteilsbegründung nur ein Mal in einem völlig anderen Zusammenhang auftaucht (das Urteil im Volltext kann hier nachgelesen werden).

Leider spielte es vor Gericht auch keine Rolle, dass das Urheberrecht hier als Mittel der Zensur verwendet werden sollte (Stichwort „Zensurheberrecht„), um eine Löschung des kritischen Artikels zu erwirken.

Aktueller Stand: Ich habe die Klage verloren. Insgesamt musste ich ca. 1600 Euro zahlen, davon ca. 250 Euro Schadensersatz an den Fotografen, sowie ca. 350 Euro für meinen Anwalt sowie ca. 1000 Euro für den gegnerischen Anwalt. Das ist ungefähr die Summe, welche ich in den gesamten letzten drei Jahren bei Imagebroker verdient habe.

Was währenddessen geschah…

Der hauseigene Imagebroker-Blog ist mittlerweile geschlossen. Auch die Startseite änderte sich im letzten Jahr mehrmals. Aktuell werden dort nur viele kleine Thumbnail-Bilder gezeigt. Hätte ich meinen Screenshot jetzt gemacht, hätte meine Lage vor Gericht vermutlich viel positiver ausgesehen.

Interessant ist auch, dass Imagebroker seit Oktober 2015 einen Instagram-Account bewirbt. Hätte ich von dort eins der Imagebroker-Bilder in meinen Artikel via „Embedding…“ eingebunden, wäre ich vermutlich ebenfalls auf der sicheren Seite gewesen.

Aber es ging doch um den Imagebroker-Vertrag?

Genau, Ausgangspunkt der Geschichte war meine Kritik an den Fotografenverträgen. Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung meines Artikels  kündigte Imagebroker einen neuen Fotografenvertrag an, den „Online-Vertrag 2.0„.

Dieser enthält angesichts meiner Kritik einige interessante Änderungen. Zu einen behält sich Imagebroker darin nun selbst den Vertrieb über Microstock-Agentur vor, während das zuvor kategorisch ausgeschlossen wurde und von mir als ein Weg zur „außerordentlichen Kündigung“ aufgezeigt wurde.

Außerdem wurden Unterschiede zwischen dem alten Papiervertrag und dem „Online-Vertrag 1.0“ beseitigt, nicht immer zum Vorteil der Fotografen. Aus der Kündigungsfrist zum „nächsten Kalenderjahr“ wurde im aktuellen Vertrag die Frist zum „übernächsten Kalenderjahr„.

Besonders spannend finde ich folgende Konstruktion im aktuellen Vertrag:

10.5 Einstellung der Vermarktung und Löschung von Bildern bei Vertriebspartnern
Rechtzeitig vor Vertragsende wird imageBROKER die Vertriebspartner über das Ende der Verwertungsbefugnis in Kenntnis setzen und Diese auffordern, die Vermarktung des Bildmaterials des Bildlieferanten rechtzeitig einzustellen. Soweit Vertriebspartner Bilddaten erhalten haben, werden Sie aufgefordert, diese rechtzeitig zu löschen. Bei einer außerordentlichen Kündigung kann es bis zu 180 Tage nach Vertragsende dauern, bis alle Bilder bei den Vertriebspartnern gelöscht sind. imageBROKER haftet in keinem Fall auf Grund einer nicht rechtzeitig erfolgten Löschung von Bildern bei den Vertriebspartnern.“

Nachdem ich kritisiert hatte, dass in meinem Papiervertrag keine Möglichkeit der Löschung von Bildern bei Partneragenturen vorgesehen ist, ist der Absatz 10.5 nur auf den ersten Blick eine Verbesserung.

In der Praxis heißt das, dass der Fotograf erstens noch ein weiteres halbes Jahr warten muss, bis er kontrollieren kann, ob Partneragenturen alle Bilder gelöscht haben. Ist das nicht der Fall, haftet Imagebroker „in keinem Fall“ (eventuell eingehendes Honorar wird aber natürlich trotzdem gerne geteilt). In den vorherigen Versionen ist dieser Haftungsausschluss noch nicht enthalten.

Auch an anderen Stellen ist im neuen Vertrag häufiger von „Pflichten“ des Fotografen die Rede als zuvor.

Übrigens bot mir Klaus-Peter Wolf an, am Vertragsentwurf „mitzuarbeiten“, aber angesichts eines laufenden Gerichtsverfahrens wollte ich nicht das Feigenblatt spielen und unverbindliche Vorschläge in den Raum stellen, die er nach Gutdünken ablehnen kann.

Da war noch was: Die Partneragentur-Liste

Fotografen, welche Mitglied bei der VG Bild-Kunst sind, können Webseiten melden, auf denen ihre Bilder zu sehen sind, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Damit Fotografen ihre Imagebroker-Bilder ebenfalls melden können, benötigen sie jedoch die Partneragentur-Liste, um zu wissen, welche Webseiten die Bilder zeigen.

Diese Liste gibt Klaus-Peter Wolf jedoch nur sehr ungern heraus. Ich bekam kurz vor der Veröffentlichung meines Artikels eine Version von 2013 mit dem Hinweis, dass die Liste für 2014 „automatisch“ an mich verschickt würde. Bis heute habe ich die aktuelle Liste nicht erhalten. Auch andere Fotografen, welche die Liste angefordert hatten, mussten mehrmals nachhaken, bis die Liste verschickt wurde.

Im empfehle dringend jedem Imagebroker-Fotograf, diese Liste auch aus einem anderen Grund anzufordern: Wer irgendwann sein Konto bei Imagebroker kündigen will, ist darauf angewiesen, kontrollieren zu können, ob die Bilder bei den Partneragenturen wirklich gelöscht wurden. Ohne die Partneragentur-Liste ist das unmöglich.

Wie schätzt ihr den aktuellen Imagebroker-Vertrag ein?

Was macht die Künstlersozialkasse (nicht nur) für Fotografen?

Die Organisation, zu der ich neben der zuletzt behandelten VG Bild-Kunst oft Fragen erhalte, ist die Künstlersozialkasse.

Steuerberater bei Finanzberatung im Büro mit Akten am Schreibtisch

Die Künstlersozialkasse (KSK) ist eine Pflichtversicherung für selbstständige Künstler und Publizisten, zum Beispiel Bildjournalisten, Fotografen, Schauspieler und mehr. Sie deckt die gesetzliche Krankenversicherung, Rentenversicherung und soziale Pflegeversicherung ab. Unter Umständen ist auch eine Befreiung von der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung möglich, um sich selbst privat zu versichern.

Wer kann Mitglied in der Künstlersozialkasse werden?

Die Mitgliedschaft setzt eine erwerbsmäßige Ausübung einer selbständigen künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit voraus.

Erwerbstätig bedeutet für die Künstlersozialkasse, dass die Tätigkeit nicht nur als Hobby oder aus Liebhaberei ausgeübt wird, sondern auf eine ernsthafte Beteiligung am Wirtschaftsleben und auf die Erzielung von Arbeitseinkommen ausgerichtet ist. Die Tätigkeit muss von vornherein auf Dauer angelegt sein. Eine Urlaubsvertretung reicht beispielsweise nicht aus.

Eine Tätigkeit als Fotograf kann sowohl künstlerisch als auch handwerklich ausgeübt werden.

Als handwerklich stuft die Künstlersozialkasse die Erstellung von Fotos zum Privatgebrauch ein, zum Beispiel Porträt-, Hochzeits-, Familien-, Schwangeren-, Kinder- oder Aktfotografie zur privaten Verwendung durch die Kunden. Wer nur davon lebt, kann kein Mitglied der Künstlersozialkasse werden.

Als künstlerische oder publizistische Tätigkeit gelten bei der Künstlersozialkasse die Pressefotografie, die Werbefotografie sowie die Fotografie für Verlagspublikationen (Postkarten, Bildbände und so weiter).  Gleiches gilt auch, wenn Fotografie auf Kunstausstellungen als bildende Kunst präsentiert wird oder für Stockfotografen, da diese keinen Auftraggeber haben und bei ihren Fotos frei entscheiden können.

Ein Gewerbeanmeldung oder eine GbR ist ebenso wenig Voraussetzung, wie sie ein Ausschlussgrund für die Künstlersozialkasse ist.

Selbständige Künstler, die als starke Arbeitgeber fungieren, weil sie zum Beispiel mehr als einen Mitarbeiter haben, gelten nicht als schutzbedürftig und werden nicht in der KSK versichert.

Auf der Webseite der Künstlersozialkasse gibt es ein ausführliches Anmeldeformular mit Fragebogen, mit welchem die KSK den Beitritt prüft. Das erforderliche Einkommen kann unter anderem durch Rechnungen oder Steuererklärungen nachgewiesen werden, die künstlerische Tätigkeit beispielsweise durch Ausstellungen, Veröffentlichungen, Urkunden, Preisen oder Stipendien.

Was macht die Künstlersozialkasse?

Die Künstlersozialkasse übernimmt gewissermaßen den „Arbeitergeberanteil“ an der Kranken- Renten- und sozialen Pflegeversicherung, welchen sie bei Firmen kassiert, die Künstler beschäftigen, z.B. Werbeagenturen, Galerien, Zeitschriftenverlage und so weiter.

Dadurch zahlen selbständige Künstler nur die Hälfte der Beiträge im Vergleich zu anderen Selbständigen und sind damit ähnlich günstig gestellt wie Angestellte.

Zwar wird die Krankenversicherung günstiger, aber gleichzeitig bin ich gezwungen, deren Renten- und Pflegeversicherung ebenfalls zu nehmen. Da diese kaum ausreichen wird, habe ich noch zusätzlich eine private Rentenversicherung abgeschlossen.

Die eigentlichen Leistungen wie zum Beispiel Krankengeld, Rente oder ähnliches werden von der jeweiligen Krankenkasse beziehungsweise dem Rentenversicherungsträger erbracht.

Wie viel kostet die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse?

Die Beiträge der KSK bemessen sich nach dem Einkommen und anderen Faktoren wie Kindern etc. Bei einem Jahreseinkommen von ca. 10.000 Euro würden zum Beispiel ungefähr 150 Euro im Monat fällig.

Wenn jemand neben der KSK-pflichtigen Tätigkeit noch einer anderen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgeht, wie beispielsweise ein Angestellter, dann entscheidet in der Regel, welche Tätigkeit durchschnittlich mehr Einkommen erzielt darüber, wo der Versicherungspflicht nachgekommen werden muss. Das ist jedoch komplex und von einigen Faktoren abhängig, die einem die Künstlersozialkasse und die Krankenversicherungen gerne genauer erklären.

Einmal jährlich im Herbst bittet die Künstlersozialkasse um eine Schätzung des zu erwartenden Einkommens im nächsten Jahr, um die Beiträge daran anzupassen. Sollte sich im Laufe des Jahres abzeichnen, dass die tatsächlichen Einnahmen von der Schätzung stark abweichen, kann eine Korrektur eingereicht werden.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der KSK gemacht?