Kategorie-Archiv: Rechtliches

Ausfüllen der Steuerformulare für die Bildagentur 123rf

Ich weiß nicht, warum die Bildagentur 123rf erst jetzt anfängt, bestimmte Steuerinformationen von ihren Anbietern abzufragen, während andere Agenturen wie Shutterstock oder Fotolia das schon seit über fünf Jahren verlangen.

Der Grund ist jedoch jedes Mal der Gleiche: Vorgaben der US-Finanzbehörde IRS, um steuerliche Vorgaben korrekt umsetzen zu können.

Für Fotografen ist es sinnvoll und wichtig, die Steuer-Informationen vollständig auszufüllen, weil so in den meisten Fällen eine deutlich höhere Besteuerung der Agentureinnahmen vermieden werden kann.

Während bei den anderen Agenturen bei der Umsetzung dieser Behördenanforderungen teilweise ein völliges Chaos herrschte, hat 123rf von den Fehlern der anderen Agenturen gelernt und das Ausfüllen des „W8-BEN-Antrags“ deutlich erleichtert.

Wie fülle ich das Formular richtig aus?

  1. Logge Dich bei 123rf ein und gehe dann ins „Tax Center„, der Link ist auf der Startseite ganz unten rechts zu finden.
  2. Dort startet ihr dann den „123 Tax Wizard“, also eine Art Ausfüllhilfe.
  3. Klickt auf „No“, bei „Do you know your Tax Group?“ (Kennst Du Deine Steuergruppe?)
  4. In meinem Fall klicke ich dann auf „I submit as an individual at 123rf“ (Ich liefere Bilder als Einzelperson an 123rf). Achtung: Wer Bilder als Unternehmen, Handelsgesellschaft, GmbH, LLC oder ähnliches liefert, muss unter Umständen eine der anderen Möglichkeiten anklicken.
  5. Danach wird das Land des permanenten Wohnsitzes abgefragt, in meinem Fall „Germany“.

    123rf tax-01
    Screenshot des „Tax Wizard“
  6. Klicke danach auf „Fill in E-form“ (Fülle das „W-8BEN“-Formular elektronisch aus) im roten Kästchen.
  7. Dann öffnet sich das „Form W-8BEN“, aber glücklicherweise sind die meisten Daten schon aus dem Profil von 123rf übernommen worden.
  8. Kontrolliert bitte euren Namen bei 1. sowie ihre Anschrift bei 4. Sollten da Fehler enthalten sein, müsst ihr diese Daten bei 123rf unter „Mein Konto/Anschrift ändern“ korrigieren.
  9. Bei 6. habe ich meine US-Steuernummer eingetragen, wer keine hat, klickt rechts einfach auf „I have no SSN, ITIN or EIN“ (Ich habe keine US-Steuernummer)
  10. Bei 7. habe ich meine deutsche Umsatzsteuer-ID eingetragen, bin aber ehrlich gesagt unsicher, ob nicht auch die Steueridentifikationsnummer oder die „normale“ Steuernummer ausreicht. Da das Feld aber als „optional“ (freiwillig) gekennzeichnet ist, müsstet ihr auch nichts eintragen, wenn ihr nicht wollt.

    Screenshot des W8-BEN-Formulars
    Screenshot des W-8BEN-Formulars
  11. Die Häkchen und anderen Details sind von 123rf schon korrekt vorausgefüllt, ganz unten müsst ihr dann nur noch unterschreiben, indem ihr euren Vor- und Nachnamen eintippt. Dieser muss identisch sein mit dem Namen bei 1.
  12. Fertig! Danach werdet ihr wieder zum „Tax Center“ geleitet, wo jetzt in grün „Tax Form W-8BEN Submitted“ (Steuerformular abgeschickt) stehen sollte.
  13. Nach einigen Wochen sollte sich der Status in „Tax Form W-8BEN Approved“ (Steuerformular bestätigt) ändern.

Habt ihr das Steuerformular auch schon ausgefüllt?

Italian political party NCD uses image without proper license?

Usually I write my blog articles in German, but this time we will have a big Italian readership, so to honor our new readers I will ease it for them and use English.

What happened?

Yesterday I was informed by many Italian citizens that they found one of the illustrations I offer for sale at stock agencies was used by the political right-wing party NCD (Nuovo Centrodestra) in Modena in a context that is clearly „anti-gay“:

NCD advertisingThe original image looks like this:

shutterstock gay couple 27-05-2015 18-10-16I offer the images at three stock photo agencies: Fotolia, Shutterstock and Bigstock.
All three have sold the – fairly new – image one time so far. But: All of these licenses have been „standard licenses“.

Let’s have a quick look:

Fotolia states in their usage terms:

„3. Restrictions
3.1 General Restrictions. You must not misuse the Work. Except as expressly permitted in Section 2 above, you must not:[
[…] e. use, reproduce, distribute, perform, modify, or display the Work (including, without limitation, by itself or in combination with any other work of authorship) in any manner that is libelous or slanderous or otherwise defamatory, obscene or indecent
[…] i. use the Work in a way that places any person in the photo in a bad light or depicts them in a way that they may find offensive – this includes, but is not limited to:
[…] IV. political endorsements“

Shutterstock says in their license agreement:

PART I VISUAL CONTENT LICENSES. […]
RESTRICTIONS ON USE OF VISUAL CONTENT
YOU MAY NOT:

  1. […] ii. Depict any person depicted in Visual Content (a „Model“) in a way that a reasonable person would find offensive, including but not limited to depicting a Model:
    […] c) as endorsing a political party, candidate, elected official, or opinion; […]
  2. Use any Visual Content in a pornographic, defamatory, or deceptive context, or in a manner that could be considered libelous, obscene, or illegal.“

Bigstock, who is owned by Shutterstock, has very similar image usage agreement:

„Part III RESTRICTIONS
YOU MAY NOT:

  1. […] Use any Content in a way that places any person depicted in the Content in a way that a reasonable person would find offensive – this includes, but is not limited to the use of Content: […] d) in connection with political endorsements; […] g) in any manner that is defamatory, or contains unlawful or offensive content.“

 I still don’t know if NCD bought the image, because I am still missing feedback from some of the agencies and my mail to the NCD has not yet been answered.

But let’s assume they did:
In my opinion the usage would still be unlawful, because it is „endorsing a political party“ and is defamatory and offensive to different groups of people.

Maybe it also means that the NCD is not able to read a contract (because that’s what a license agreement basically is), which might not be the best trait for a political party who wants to draft new laws.

I will consult with my lawyer and will decide later if I will take legal action.

On a side note:
I am puzzled why they had to remove the hair of the guy on the right side? Is it because he looked too cute? Is it because they seriously believe that gay people will loose all their hair? (I try hard to avoid the pun with the „right wing looses its hair“)

Just as a sign of what this gay couple really stands for (and to celebrate Ireland’s vote for marriage equality) my team and me decided to give away this image for free:

happy-gay-couple-with-rainbow-flagIt is free for private and commercial use, but all these full license terms of Shutterstock apply!
So just to be sure and to spell it out: No, NCD, you may not use it in a campaign against same-sex marriage and adoption!

If you are interested in similar images, here is a lightbox with more illustrations that can be licensened:
Diversity & Inclusion“ (Fotolia) or „Diversity & Inclusion“ (Shutterstock).

Have a gay day!

Der Inhaber der Bildagentur Imagebroker mahnt Robert Kneschke ab

Gestern flatterte mir ein Einwurf-Einschreiben ins Haus. Eine Abmahnung wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung, geschickt von der Kanzlei K & E Rechtsanwälte aus München.

Der Rechtsanwalt Dr. Peter F. Reinke wurde losgeschickt von Klaus-Peter Wolf, dem Inhaber der Bildagentur Imagebroker, über die ich vor kurzem in meinem Artikel „Imagebroker: Der unendliche Vertrag ohne Kündigung?“ leider kaum etwas Gutes zu berichten hatte.

Brief Abmahnung
Hauptkritikpunkt meines Artikels war, dass einem bestimmten Imagebroker-Vertrag nach Bilder auch nach der Vertragskündigung bei Imagebroker nicht aus dem Partnernetzwerk gelöscht werden würden. Damit hätte der Fotograf keine Chance mehr, diese „mehr als 100 Bildagenturen“ selbst direkt zu beliefern, ohne dass Imagebroker die Hälfte des Honorars kassiert.

Die Abmahnung hatte ich erwartet.

Klaus-Peter Wolf hatte mir Samstagabend und Sonntag insgesamt fünf Mal auf den Anrufbeantworter gesprochen und mir eine lange Email geschrieben. Sowohl telefonisch als auch per Email kündigte er mir einen „publizistischen sowie juristischen Krieg“ an, wenn ich den für ihn unbequemen Artikel nicht umgehend löschen würde.

Ich habe sicherheitshalber noch mal nachgezählt: Insgesamt mindestens sieben Mal erwähnt der Imagebroker-Inhaber das Wort „Krieg“ in den oben erwähnten Nachrichten, drei Mal droht er mit Folgen, wenn ich den Artikel nicht lösche.

Die vorliegende Abmahnung scheint die erste Folge zu sein.

In der Abmahnung geht es darum, dass ich in meinem oben genannten Artikel einen Screenshot der Imagebroker-Webseite gezeigt hatte, auf der am Tag des Screenshots eine Fotografie des Fotografen Harry Laub zu sehen war. Diese Fotografie war logischerweise auch auf dem Screenshot zu sehen. Ich bin der Meinung, dass diese Verwendung ein zulässiges Bildzitat ist, unter anderem weil ich im Artikel über die Agentur Imagebroker berichte, deren Webseite ich zeige.

Um einen Rechtsstreit zu vermeiden (aber ohne Anerkennung eines sachlichen oder rechtlichen Grunds), habe ich daher das betreffende Foto im Screenshot unkenntlich gemacht. Das weitere Vorgehen kläre ich gerade mit meinem Anwalt ab.

Meiner Meinung nach ist die mögliche Urheberrechtsverletzung nur ein Versuch, mich finanziell zu schädigen – es geht in der Abmahnung um eine vierstellige Summe -, weil ich mich weigere, diesen Artikel zu löschen.

Ich finde es befremdlich, dass sich Klaus-Peter Wolf als Opfer einer „Hetzkampagne“ gegen ihn sieht, obwohl ich nur in einem Artikel nur über Teile seines alten Vertrags berichtet habe, die ich für befremdlich halte. Wer hier persönliche Befindlichkeiten nicht von einer sachlichen Diskussion um rechtliche Aspekte der Stockfotografie trennen kann, welche mehrere Fotografen betreffen und daher von öffentlichem Interesse für die Berichterstattung sind, dem kann ich leider nicht helfen.

Im Blog von Imagebroker hatte er mir zusätzlich vorgeworfen, dass ich Kommentare zum Artikel löschen oder unterdrücken würde. Das ist mein gutes Recht, entgegen seiner Annahme betrifft das aber nicht nur „Pro-Imagebroker„-Kommentare. Herr Wolf hat selbst mehrmals Kommentare unter meinem Artikel hinterlassen können, um seine Sicht der Dinge zu schildern, ebenso wie viele andere Fotografen. Als mich eine Person jedoch zu rechtlichen Stellungnahmen zwingen wollte, habe ich diesen Kommentar erst gelöscht und danach die Kommentarfunktion für diesen Artikel komplett deaktiviert.

Kleine Ironie am Rande: Im Imagebroker-Blog werden erst gar keine Kommentare zugelassen.

Es wäre sehr schade, wenn es ein Agenturinhaber schaffen würde, durch juristische Drohungen negative Berichterstattung über seine Bildagentur zu verhindern. Mein Hauptberuf ist die Fotoproduktion und ich betreibe den Blog nur nebenbei. Aber weil es im deutschsprachigen Raum nur wenige Möglichkeiten gibt, sich zeitnah und tiefergehend regelmäßig über die Stockfotografie zu informieren, finde ich es wichtig, diesen Blog mitsamt seinen Informationen und Meinungen – sowohl den lobenden als den kritischen – zu erhalten.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Imagebroker: Der unendliche Vertrag ohne Kündigung?

Imagebroker ist eine Bildagentur, welche hauptsächlich als Distributor agiert.

Das heißt, Fotografen liefern die Bilder an die Agentur, und Imagebroker sendet diese an deren „einzigartiges Agenturnetzwerk“ mit „mehr als 100 Bildagenturen in 45 Ländern“ (Eigenwerbung) weiter.

Über die Risiken solcher Netzwerke habe ich in der Vergangenheit mehrmals geschrieben, z.B. hier oder hier, aber speziell bei Imagebroker scheint es ein weiteres zu geben.

In den letzten Monaten häuften sich bei mir die Anfragen und Beschwerden von Fotografen, welche bei Imagebroker kündigen wollten und dabei auf scheinbar unlösbare Probleme stießen. Dabei geht es nicht so sehr um die Kündigung selbst, sondern hauptsächlich darum, dass es nur mit größten Anstrengungen möglich ist, die Bilder aus dem von Imagebroker belieferten Agenturnetzwerk zu holen.

Der Agenturinhaber Klaus-Peter Wolf gibt sich große Mühe, die Fotografen in der Agentur zu halten, mit Mitteln, die – ich formuliere es mal vorsichtig – diskussionswürdig sind.

Screenshot der Imagebroker-Webseite
Screenshot der Imagebroker-Webseite

Das fängt beim Vertrag an:

Meinen habe ich im Juni 2007 abgeschlossen (hier nachlesbar als Muster). Darin steht bei den Kündigungsbedingungen:

9. Laufzeit, Kündigung und Geschäftsaufgabe

9.1. Dieser Vertrag läuft auf unbestimmte Zeit. Er kann mit einer Frist von sechs Monaten zum Kalenderjahresende schriftlich gekündigt werden, erstmalig jedoch nach einer Mindestvertragslaufzeit von 12 Monaten.

9.2. Ab Wirksamkeit der Kündigung wird imagebroker keine Bilder des Bildlieferanten mehr an Agenturen verteilen. Soweit Partneragenturen Bilddateien des Bildlieferanten bereits vertreiben, dürfen sie dies weiter tun. Die Wirksamkeit von nach diesem Vertrag zum Zeitpunkt der Wirksamkeit der Kündigung bereits erteilter Vertriebslizenzen für Partneragenturen wird von der Kündigung dieses Vertrages nicht berührt. Wenn imagebroker Bilddateien für diese Partneragenturen auf eigenen oder fremden Servern hostet, dürfen diese Daten weiterhin zu diesem Zweck gespeichert bleiben.

9.3. Nach Vertragsende eingehende Nutzungshonorare werden, wie im Vertrag geregelt, weiterhin abgerechnet und ausbezahlt.

9.4. Sollte es zu einer Geschäftsaufgabe durch imagebroker kommen, wird imagebroker dem Bildlieferanten alle Agenturen nennen, bei denen sich Bilder des Bildlieferanten befinden, damit Bildlieferant und Agentur sich über eine Löschung der Bilder bzw. eine direkte Zusammenarbeit verständigen können.“

Besonders pikant ist hier der Punkt 9.2. Demnach wäre es gar nicht mehr möglich, die Bilder aus diesem Vertrag zu lösen. Im juristischen Fachpanel auf der Microstock Expo 2013 wurde dieser Vertrag unter anderem diskutiert und bekam ein vernichtendes Urteil.

Dazu kommt, dass Imagebroker die Liste seiner Vertriebspartner als Geschäftsgeheimnis hütet, während hingegen das deutsche Urheberrecht jedem Fotografen das Recht einräumt zu wissen, wer dessen Werke vertreibt und veröffentlicht.

Wie kommt man aus diesem Vertrag trotzdem heraus?

Im November 2013 schon hatte ich eine Email an Imagebroker mit der Bitte um Löschung meiner Bilder geschickt.

Daraufhin bekam ich einen Anruf von Klaus-Peter Wolf, in dem er mich daran erinnerte, dass das nicht möglich sei, weil es so im Vertrag stünde.

Übrigens erhalten viele der Fotografen, die eine Kündigung probieren, Anrufe von Klaus-Peter Wolf statt Emails. Das mag System haben, weil es so später deutlich schwerer nachzuweisen ist, was Imagebroker gesagt hat.

Nach Beratung mit einem spezialisierten Anwalt war ich der Meinung, das der Vertrag so nicht haltbar ist (Stichwort „unangemessene Benachteiligung“ nach §307 BGB sowie einige Paragraphen aus dem Urheberrecht) und schickte im März 2014 ein Einschreiben per Post mit diesem Wortlaut:

„Guten Tag,

hiermit kündige ich ordentlich und fristgerecht den „Partnerschaftsvertrag“ vom 21. Juni 2007 zwischen Imagebroker und mir zum Kalenderjahresende.

Weiterhin weise ich darauf hin, dass ich den Abschnitt 9.2. des Vertrags für unwirksam halte und fordere darum eine Löschung meiner Bilder bei Imagebroker sowie allen belieferten Partneragenturen.

Ich bitte um eine kurze Bestätigung über den Erhalt dieser Kündigung.

Schöne Grüße, …“

Der zweite Absatz ist übrigens wichtig, falls es später zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen sollte. Nach diesem Brief wurde mir eine Kündigung nach dem aktuell geltenden Vertrag angeboten.

Darin steht u.a.

9. Laufzeit, Kündigung, Vertragsende

9.1. Dieser Vertrag läuft auf unbestimmte Zeit. Er kann jederzeit zum Ende des jeweils nächsten Kalenderjahres schriftlich gekündigt werden.

9.2. Das Recht zur außerordentlichen Kündigung bleibt unberührt. Beide Parteien sind zur fristlosen Kündigung berechtigt, wenn die andere Vertragspartei zahlungsunfähig wird oder gegen eine der wesentlichen Vertragspflichten verstoßen hat bzw. eine der wesentlichen Zusicherungen bzw. Garantien dieser Vereinbarung nicht einhält und ein entsprechender Verstoß nicht innerhalb von 2 Monaten nach schriftlicher Aufforderung durch die andere Partei behoben wird. Für die außerordentliche Kündigung gilt die Schriftform.

9.3. Ab Wirksamkeit der Kündigung wird imagebroker alle Bilder des Bildlieferanten aus dem Vertrieb nehmen und von der imagebroker-Homepage löschen. Ein Anspruch auf Rücksendung digitaler Daten und Datenträger besteht nicht. imagebroker wird die Partneragenturen über das Ende der Verwertungsbefugnis in Kenntnis setzen und diese auffordern, die Vermarktung des Bildmaterials des Bildlieferanten einzustellen.

9.4. Jedoch bleiben sämtliche von imagebroker vor Beendigung des Vertrages an Dritte eingeräumte Nutzungsrechte unberührt, auch wenn die Nutzungsrechte an einzelnen Werken gegebenenfalls über den Zeitpunkt der Vertragsbeendigung hinaus eingeräumt wurden.

9.5. Die Kündigung des Vertrages hat keinen Einfluss auf den Vergütungsanspruch des Bildlieferanten. Nach Vertragsende eingehende Nutzungshonorare werden, wie im Vertrag geregelt, weiterhin abgerechnet und ausbezahlt.“

Das nahm ich an. Meine Kündigung findet also Ende 2015 statt.

Nur wenige Wochen später, am 2. April 2014 nämlich, wurde der Vertrag von Imagebroker noch mal geändert. Darin steht jetzt:

„10. Laufzeit, Kündigung, Vertragsende

10.1 Dieser Vertrag läuft auf unbestimmte Zeit. Er kann jederzeit schriftlich gekündigt werden. Die Kündigung wird zum Ende des jeweils übernächsten Kalenderjahres wirksam. Für eine Kündigung ist ein unterschriebenes Papierdokument als Brief oder PDF nötig.“

Die Vermutung liegt nahe, dass direkt nach meiner Kündigung ein neuer Vertrag aufgesetzt wurde. Wer im Januar 2015 kündigen würde, könnte demnach erst ab Januar 2018 über seine Bilder verfügen. Ob diese lange Frist rechtens ist, ist fraglich.

Übrigens steht in beiden neuen Verträgen nicht, dass die Bilder bei den Partneragenturen gelöscht werden, sondern nur, dass diese „in Kenntnis gesetzt werden“ und „aufgefordert werden, die Vermarktung des Bildmaterials des Bildlieferanten einzustellen„. Das bedeutet, dass sich Imagebroker die Hände in Unschuld waschen kann, sollte eine Partneragentur die Bilder trotzdem nach Ablauf der Kündigungsfrist verkaufen. Es bedeutet aber auch, dass Imagebroker spätestens bei der Kündigung den Fotografen eine Liste mit allen Partneragenturen geben müsste, damit diese überprüfen können, ob die Bilder tatsächlich gelöscht wurden und sich gegebenenfalls selbst um eine Löschung kümmern können.

Eine weitere Variante: Die außerordentliche Kündigung

Angesichts dieser mehr als langen Kündigungsfristen verfielen einige Fotografen auf einen anderen Weg.

Generell sind die Verträge mit Imagebroker nicht exklusiv, das heißt, das Bildmaterial darf auch über andere Agenturen vertrieben werden. Eine Doppelbelieferung soll jedoch vermieden werden.

Im alten Vertrag (2007) steht dazu:

„4. Vermeidung der Doppelbelieferung von Bildagenturen

4.1. Um eine Doppelbelieferung von Bildagenturen zu vermeiden, kann der Bildlieferant Bildagenturen, die er bereits selbst oder durch Dritte beliefert, von der Belieferung durch imagebroker ausnehmen. Dazu gibt er diese Agenturen (um Verwechselungen zu vermeiden, möglichst mit Angabe der Web-Adressen) imagebroker formlos bekannt. imagebroker wird diese Agenturen in die Liste der nicht zu beliefernden Agenturen aufnehmen. Diese Liste ist für den Bildlieferanten auf der imagebroker-Website jederzeit einsehbar.

4.2. Bevor der Bildlieferant eine weitere Bildagentur selbst oder durch Dritte beliefert, wird er diese Absicht imagebroker mitteilen. imagebroker wird diese Agentur in die Liste der nicht zu beliefernden Agenturen aufnehmen, außer wenn imagebroker bereits mit dieser Agentur zusammenarbeitet. In diesem Fall wird der Bildlieferant auf eine Belieferung dieser Agentur verzichten und dafür Sorge tragen, dass seine Bilder nicht anders als über imagebroker an diese Agentur geliefert werden.“

Im neusten Vertrag (April 2014) ist das noch verschärfter formuliert, indem auch „gleichen oder sehr ähnliche Bilder“ eingeschlossen sind und bei Zuwiderhandlung eine Unterlassungsanspruch gegenüber dem Fotografen geltend gemacht wird.

Im Vertrag steht jedoch nichts über Preisklassen, Preissegmente oder Microstock-Modelle.

Deshalb schickten einige Fotografen Klaus-Peter Wolf eine lange Liste mit Microstock-Agenturen, welche sie künftig zu beliefern gedenken.

Auf der Webseite von Imagebroker steht im FAQ klipp und klar:

5. Werden imageBROKER-Bilder auch im Billigbereich verkauft?

Nein. imageBROKER arbeitet nur mit Agenturen zusammen, deren Verkaufspreise sich im traditionellen Preissegment bewegen. Das heißt, dass die Verkaufspreise für Rights Managed (RM) Bilder je nach Verwendungszweck bis zu mehrere tausend Euro und die Verkaufspreise für Royalty Free (RF) Bilder je nach Dateigröße bis zu 399 Euro betragen können. Mit Microstock- und Billigagenturen arbeitet imageBROKER nicht zusammen.“

Hier besteht für Imagebroker nun ein Dilemma:
Vertraglich ist es Fotografen erlaubt, die gleichen oder identischen Bilder, welche über Imagebroker vertrieben werden, auch bei billigen Microstock-Agenturen zu vertreiben. Falls Klaus-Peter Wolf darin einen Vertragsbruch und einen Grund für eine fristlose Kündigung sieht, hätte der Fotograf sein Ziel erreicht. Lässt Imagebroker hingegen den gleichzeitigen Vertrieb identischer Bilder auch über Microstock-Agenturen zu, würde das den Wert der Imagebroker-Vertriebsschiene stark schmälern und vermutlich bei den Macrostock-Agenturen nicht gut ankommen, vielleicht sogar zum Ende einiger Kooperationen mit teuren Agenturen führen. Es würden ja einige kurze Emails mit vergleichenden Bild-Links reichen, bis die Agenturen auf solche Doppellieferungen aufmerksam werden.

Mir wurde zugetragen, dass eine Reaktion von Imagebroker gewesen sein soll, den betreffenden Fotografen anzubieten, die Bilder über Imagebroker selbst bei den Microstock-Agenturen anzubieten. Falls es stimmen würde, wäre der Satz auf der Imagebroker-Webseite Makulatur.

So, oder so:

Wer seine Imagebroker-Bilder löschen lassen möchte, muss sich auf Widerstand gefasst machen. Wer ein zusätzliches Jahr Kündigungsfrist vermeiden möchte, sollte beachten, dass bei Kündigungen nach dem 31.12.2014 ein zusätzliches Jahr Laufzeit fällig werden könnte. Wer streitlustig ist, könnte aber auch versuchen, den Vertrag selbst juristisch anzufechten.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Hat schon jemand erfolgreich bei Imagebroker kündigen können?

Gefahren des Weiterverkaufs digitaler Daten für die Stockfotografie

Seit paar Jahren geht ein Gespenst um: Es heißt „Wiederverkauf digitaler Daten“ und erschreckte zuerst große Software-Konzerne wie Microsoft.

Schon 2008 versuchte Microsoft, den Wiederverkauf seiner Software durch andere Händler zu unterbinden und bekam zuerst Recht, weil der Konzerne keine digitalen „Waren“ verkaufte, sondern nur „Lizenzen„. Schon 2012 kippelte diese Notlösung jedoch durch ein EU-Gerichtsurteil.

Auch in den USA treibt das Gespenst sein Unwesen. Am 2. Juni 2014 gab es im US-Repräsentantenhaus vom „Justiz-Unterausschuss für geistiges Eigentum und dem Internet“ eine Anhörung zum Thema „Digitaler Wiederverkauf„, in den USA auch als „First Sale Doktrin“ bekannt.

Quelle: Offizielle Facebook-Webseite des
Die Anhörung über den digitalen Wiederverkauf des US-Justiz-Unterausschusses (Quelle)

Die schriftlichen Stellungnahmen verschiedener Interessengruppen können unter dem oben genannten Link selbst nachgelesen werden, darunter finden sich die Software-Firma ReDigi, die New York Public Library, ein Verlagshaus, ein Hollywood-Manager und auch der Grafikdesigner Ed Shems, der im Auftrag der Graphic Artists Guild spricht, welche wiederum Mitglied der Copyright Alliance ist. Seine Stellungnahme ist hier nachlesbar. Ich erwähne das so ausführlich, weil Es Shems derjenige ist, der den Interessen von Stockfotografen und Bildagenturen am nächsten steht.

Die meisten Stellungnahmen vor dem US-Repräsentantenhaus plädierten eher für eine Beibehaltung der bisherigen Regelungen, nur John Jossenmacher von der Firma ReDigi sprach sich für eine Änderung aus, was naheliegend ist, weil seine Firma mit der digitalen Rechteverfolgung ihr Geld verdient und daran der Bedarf bei erlaubten Weiterverkäufen digitaler Medien deutlich steigen würde.

Aber weil die Stockfotografie ein sich sehr schnell wandelnder Markt ist, wollen wir uns anschauen, was in der Praxis passieren könnte, wenn der Weiterverkauf digitaler Daten erlaubt sein würde.

Konkret: Was würde passieren, wenn jemand die Lizenz für eine Stockfoto-Nutzung kauft und diese weiterverkaufen kann, wenn er diese nicht mehr benötigt?

Im Grunde würde das entweder den Microstock-Markt zusammenbrechen lassen oder die Preise würden derart steigen, dass man nicht mehr von „Microstock“ reden könnte, sondern wieder zurück bei den alten „Macrostock“-Preisen und Lizenzmodellen wäre.

Microstock ist nur finanziell lohnend, wenn viele Verkäufe generiert werden können. Wenn jedoch jemand ein Microstock-Foto kaufen könnte und dieses dann weiterverkaufen dürfte, sobald er es nicht mehr braucht, würde das weitere Verkäufe kannibalisieren. Außerdem hätte dann auch der zweite Käufer wiederum das Recht, das Bild einem Dritten zu verkaufen und so weiter. So wäre es problemlos möglich, dass ein Bestseller hundert Mal verkauft wird, der Fotograf aber nur ein Mal entlohnt wird.

Spannend ist auch die Frage, ob es dann erlaubt wäre, mit einem Abo sozusagen als „Wiederverkäufer“ für andere Leute Bilder brauchen, welche sonst diese mit teureren Credits bezahlt hätten. Solche Angebote gibt es sogar schon, sind derzeit aber illegal und werden von den Agenturen aus gutem Grund streng verfolgt, weil diese bei voller Ausnutzung eines Abos jetzt meist schon draufzahlen.

Vielleicht würde dann der Verkauf von Abonnements von den Agenturen eingestellt werden. Vielleicht haben die Agenturen aber auch die Hoffnung, dass die Preise so niedrig sind, dass der logistische Aufwand eines Weiterverkaufs sich nicht lohnen würde. Letzteres glaube ich jedoch leider nicht, weil es vielen Leuten schon immer egal war, ob es sich finanziell lohnt, für einige Cent Ersparnisse eine halbe Stunde länger mit dem Auto zu einem anderen Supermarkt zu fahren und durch den höheren Spritverbrauch im Endeffekt doch mehr zu bezahlen. Dazu kommt, dass Amazon sich schon ein Patent auf einen „Second-Hand-Markt“ für digitale Dateien gesichert hat und Apple sich ebenfalls um ein Patent in dieser Richtung bemüht.

Ein weiterer logistischer Alptraum wäre es, die Gültigkeit einer Nutzungslizenz zu überprüfen. Wenn die Wiederverkaufskette theoretisch endlos sein könnte, würde der Aufwand ins Unermessliche steigen, um zu kontrollieren, ob die Kette wirklich lückenlos ist. In der Praxis hieße es: Es wäre nicht mehr nachvollziehbar, ob ein Stockfoto legal genutzt würde.

Das wiederum könnte zwei Entwicklungen zur Folge haben: Unter diesem Druck könnten erstens vielleicht endlich nutzbare digitale Wasserzeichen oder andere Methoden sich etablieren, welche die Gültigkeit einer Bildlizenz autmatisiert kontrollieren und anzeigen. Zweitens würde sich vielleicht noch weiter das Streaming von Bildern verbreiten, wo ein Weiterverkauf nicht möglich ist oder nicht notwendig, weil die Bildanzeige sowieso kostenlos wäre und zum Beispil über Werbung gegenfinanziert.

Zweitens könnte das ein Ansteigen von Auftragsarbeiten an Fotografen bedeuten, wenn viele Motive als Stockfoto so teuer würden, dass es keinen finanziellen Vorteil gegenüber einer Auftragsproduktion gäbe. Das wäre vielleicht das einzig Positive, wo diese doch seit Jahren über wegbrechende Aufträge wegen Stockfotos jammern.

Wie seht ihr die Entwicklung?