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von R. Kneschke am 4. Februar 2010
Früher habe ich den Wirtschaftsteil der Tageszeitung nie gelesen, weil ich ihn langweilig fand. Heute lese ich ihn als Erstes, aber trotzdem finde ich, dass sich vor allem die Geschäftsführer der Firmen bei Interviews sehr wortkarg geben oder im Gegenteil silbenreich um eine Antwort herumrudern. Ähnlich ging es mir bei meinem Treffen mit Adam Riggs, dem Firmenchef der Microstock-Bildagentur Shutterstock.

Anfangs war nur ein informelles Treffen geplant, um sich kennenzulernen und Informationen auszutauschen. Aber mein kleines Blogger-Herz konnte nicht widerstehen und so sammelte ich im Shutterstock-Forum einige Fragen der Fotografen, die ich stellen wollte. Die Fragen und Antworten habe ich sinngemäß übersetzt und zusammengefasst. Das Ergebnis ähnelt leider dem, was ich aus dem Wirtschaftsteil kenne.
Frage: Gibt es Pläne bei Shutterstock für eine Fotografen-Exklusivität oder Bild-Exklusivität?
Adam Riggs: Wir denken sehr oft über das Theme Exklusivität nach, aber wir wollen weniger den Inhalt kontrollieren und uns lieber mehr durch die Produkte, die wir anbieten, von den anderen absetzen.
Frage: Besteht die Möglichkeit, die Ranking-Stufen zu erweitern, zum Beispiel eine Stufe zwischen 3.000 und 10.000 US-Dollar einzuführen?
Adam Riggs: Ich stehe der Möglichkeit offen gegenüber und denke darüber nach.
Frage: Wann räumt Shutterstock mal auf und säubert die Datenbank von alten, unverkauften Fotos?
Adam Riggs: Sowas wäre theoretisch möglich, aber es ist unwahrscheinlich, dass es passieren wird. Unser Motto ist, dass wir für jeden Kunden das passende Bild haben wollen und wer weiß, vielleicht sucht jemand mal nach genau dem Foto, was sich jahrelang nie verkauft hat. Das ist für uns eine demokratische Entscheidung, da der Kunde entscheiden soll, was er haben will.
Frage: Wann wird es möglich sein, dass Bildkäufer die Originalgröße eines Bildes sehen können?
Adam Riggs: Das ist jetzt schon möglich, nur nicht so offensichtlich. Die Bilder werden von uns in verschiedenen Größen angeboten. Die Größe L (in deutsch: Groß) ist immer die Originalauflösung. Die kleineren größen wurden von uns verkleinert, die darüber vergrößert.
Frage: Vor einem halben Jahr hat Shutterstock BigStockPhoto gekauft. Welche Pläne hat Shutterstock damit?
Adam Riggs: Wir waren die ganze Zeit bisher damit beschäftigt, die Seite zu analysieren. Welches Suchsystem hat sie, welches Portfolio und so weiter. Auf jeden Fall werden wir BigStockPhoto als eigene Marke mit einem eigenen Portfolio weiterführen. Wir planen nicht, das stärker zu verzahnen. Aber auch die “On Demand”-Downloads bei Shutterstock wird es entgegen anderslautender Gerüchte weiter geben. Trotzdem ist es für uns noch eine offene Frage, ob es sinnvoll ist, jedes Produkt an jeder Stelle anzubieten.
Zusätzlich zu diesen Antworten fielen im Gespräch weitere Fakten, die interessant sein könnten. Hier in Stichpunktform:
- Deutschland ist neben Großbritannien der zweitstärkste Markt für Shutterstock außerhalb der USA.
- In der ersten Jahrseshälfte 2010 soll die komplette Fotografenseite in allen Sprachen verfügbar sein, in denen auch die Käuferseite angezeigt werden kann.
- Damit einher gehen soll eine Verbesserung des “Mapping-Problems”, also dem fehlerhaften Übersetzen von Suchbegriffen
- 25-30 Mitarbeiter sind nur damit beschäftigt, die hochgeladenen Fotos zu bearbeiten. Von ca. 150.000 eingesandten Fotos pro Woche werden ca 80.000 akzeptiert. Rein rechnerisch müsste damit jeder Bildredakteur ca. 700 bis 800 Fotos am Tag selektieren.
Zum Schluss wagte Adam Riggs noch eine Prognose, wie sich der Bildermarkt entwickeln wird: Es wird immer schwieriger für neue Bildagenturen, den Markt zu betreten. Nur spezialisierte Agenturen mit einzigartigen Bildern und wenigen Käufern, die bereit sind, dafür auch hohe Preise zu bezahlen, werden es vielleicht schaffen können.

Welche Frage hättet ihr Adam Riggs gerne gestellt?
von R. Kneschke am 15. Oktober 2009
In meiner Interview-Reihe wollte ich schon lange einen Verkäufer fragen, oder einen Sales Manager” wie es auf neudeutsch heißt, jemanden, der unsere Stockfotos aktiv bewirbt und sie den Kunden schmackhaft macht.
Dazu fragte ich James March von der Bildagentur Getty Images.

Bitte stellen sie sich kurz vor.
Ich heiße James March und arbeite als Sales Manager bei Getty Images.
Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus?
Ich bin seit zehn Jahren Sales Manager bei Getty Images. In dieser Funktion leite ich die Verkaufsteams für Unternehmens- und Agenturkunden in Großbritannien und in Irland. Seit Beginn meiner Tätigkeit bei Getty Images beobachte ich einen Wandel von der traditionellen kreativen „Stockfototografie“ hin zu einer Weiterentwicklung unserer Kollektion, die es jetzt ermöglicht, dass Fotoenthusiasten über die Flickr-Kollektion mit uns zusammenarbeiten. Bei Getty Images gleicht kein Tag dem anderen!
Was sind die häufigsten Verwendungszwecke der Bildkäufer?
Wir konnten eine Verlagerung von traditionellen Print-Kampagnen hin zu vermehrter Online-Nutzung beobachten. Dadurch ist die Nachfrage beträchtlich gestiegen, da unsere Kunden ihre Inhalte nun öfter aktualisieren. Unsere Kunden möchten heute mehr Bilder und eine größere Auswahl– zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Wir haben Produkte wie Web & Mobile entwickelt, die dieser veränderten Nachfrage gezielt Rechnung tragen. Die Flickr-Kollektion verleiht unserer ohnehin schon überaus umfangreichen Sammlung eine weitere Dimension und eröffnet unseren Kunden zusätzliche Auswahl, während sie in die Welt der digitalisierten Medien expandieren.
 Foto: Getty Images/Flickr/Jeannine Tan
Welche Fragen stellen die Bildkäufer am häufigsten?
Unsere Kunden wenden sich mit den unterschiedlichsten Fragen an uns. Ein Teil sind Neukunden, die sich bei der Bildauswahl beraten lassen möchten und Fragen zu den Nutzungs- und Copyright-Bedingungen haben. Am anderen Ende der Skala haben wir langjährige Kunden mit einem bestimmten Budget, die nach dem perfekten Bild suchen. Unsere Verkaufsmitarbeiter haben große Erfahrung in der Beantwortung der vielfältigen Fragen, die tagtäglich gestellt werden. Unsere Kunden danken es uns mit ihrer Loyalität, weil sie wissen, dass wir ihnen die benötigten Inhalte und Kompetenzen bieten und gleichzeitig ihren oft engen Fristen gerecht werden können.
Was für Motive suchen Bildkäufer aktuell, von denen es wenig Angebot gibt?
Der aktuelle Konjunkturrückgang hat Veränderungen hinsichtlich der Bildthemen mit sich gebracht, die unsere Kunden kaufen, wobei sich in letzter Zeit ein Trend hin zu Bildern rund ums Zuhause abzeichnet. Ein weiterer wichtiger Trend ist der zur „Einfachheit“. Die Medien schwenkten von Titelstorys über die Probleme unseres Planeten auf Titelthemen über die weltweite Finanzkrise um, die sich dann zunehmend Einzelschicksalen zuwandten – Zwangsenteignungen, verlorene Ersparnisse und Arbeitslosigkeit. Man sieht eine Parallele zwischen Werbebildern rund um das Thema „Einfachheit“ und Zeitschriften- und Zeitungsartikeln, in denen es darum geht, sein Leben zu verbessern, sparsam zu sein, Eigeninitiative zu ergreifen und das zu genießen, was man hat. Die Flickr Kollektion ist eine gute Quelle für derlei Motive.
 Foto: Getty Images/Flickr/Jon Paciaroni
Was sind die am häufigsten genutzten Suchbegriffe der Käufer?
Auf viele häufig genutzte Suchbegriffe, die wir derzeit beobachten, habe ich schon bei der vorigen Frage hingewiesen. Natürlich verwenden die Kunden die unterschiedlichsten Suchbegriffe, wenn sie unsere Website nach Inhalten durchsuchen. Wenn jemand nach Bildern aus dem häuslichen Umfeld sucht, gibt er vielleicht verwandte Begriffe wie etwa Familie, Zusammengehörigkeit oder Relaxen ein.
Warum kauft jemand bei Getty Images, wenn er auch woanders billiger Fotos kaufen könnte?
Ich denke, unsere Kunden wissen drei wesentliche Elemente zu schätzen, die wir ihnen bieten können: die beruhigenden Gewissheit, dass unsere Inhalte wirklich zur Nutzung freigegeben wurden, einen ausgezeichneten Kundendienst und sichere und einfach zu beziehende Inhalte in Top-Qualität in allen unseren Kollektionen.
Verweisen Getty-Mitarbeiter Kunden auch manchmal an istockphoto?
Die Marken iStockphoto und Getty Images haben ihre jeweilige Markenidentität und jeweils eigenen Webseiten. Wo es sich anbietet, arbeiten beide Unternehmen zusammen und tauschen Erfahrungen aus.
Welches Creative RF-Bild hat sich dieses Jahr am meisten verkauft? Woran könnte das liegen?
Zu den beliebtesten Bildern gehören etwa Bilder aus den Themenbereichen Natur und Beruf. Unsere Kunden wünschen sich schlichte, gut komponierte und klar konzeptionierte Bilder zu diesen Themenbereichen. Mehr Zeit mit der Familie verbringen, die freie Natur genießen, Dinge selbst gestalten, zu einem harmonischen Leben finden – all dies sind Trends, die wir am Bildverkauf momentan ablesen können.
 Foto: Getty Images/Flickr/Fursov Aleksey
Welche Fehler bei der Bildnutzung machen Bildkäufer am häufigsten?
Wenn man zum ersten Mal Bilder kauft, weiß man oft nicht, wohin man sich wenden soll und die Suche nach einem seriösen Anbieter birgt Gefahren. Im Rahmen des Einkaufsprozesses auf unserer Website klären wir unseren Kunden über die Nutzungs- und Lizenzbedingungen auf. Zudem haben sie die Gewissheit, dass ihnen unsere Teams weltweit zur Verfügung stehen, um sie bei Fragen zur Lizenzierung, zum Copyright und zu den Freigaben zu beraten.
Wie hat sich das Kaufverhalten in den letzten drei Jahren gewandelt?
Wir wissen, dass unsere Kunden immer mehr Inhalte für ihre Projekte beschaffen müssen. Sie unterliegen größeren zeitlichen und finanziellen Beschränkungen als je zuvor, weshalb sie die umfangreichsten und vielfältigsten Bildkollektionen für ihren gesamten Kommunikationsbedarf schneller, auf einfachere Weise und zu angemessenen Preisen finden müssen. Das gilt insbesondere für die Nutzung im Online-Bereich, wo die Volumen enorm und die Zeitrahmen außerordentlich eng sind.
Vielen Dank für das Interview!

von R. Kneschke am 27. September 2009
Vor einigen Tagen gab die Bildagentur Shutterstock bekannt, dass sie die Bildagentur BigStockPhoto gekauft haben. Ich habe kurz den Shutterstock-Geschäftsführer Adam Riggs nach einigen Details gefragt. Den Kaufpreis konnte ich leider nicht aus ihm herauskitzeln und auch sonst hielt er sich bedeckt, aber vielleicht sind einige Details ja interessant:

Wann entstand die Idee für den Kauf von BigStockPhoto und wie lange dauerten die Vorbereitungen?
Riggs: Wir spielten schon einige Zeit mit dem Gedanken, ein Credit-basiertes Abrechnungssystem von Grund auf selbst zu bauen. Am Ende entschieden wir uns aber dafür, das es besser ist, auf eine fest etablierte Marke wie BigStockPhoto zu setzen, sprich: BigStockPhoto zu kaufen. Das erschien uns als bester Weg für unsere Kunden.
Wie Sie wissen, ist Shutterstock der Urheber für viele Produkte, die von der Branche kopiert wurden. Wir haben zum Beispiel eines der erfolgreichsten Stockfoto-Produkte erfunden, das mit den Prinzipien Crowdsourcing und Abo funktioniert. Und wir waren die ersten, die auch Stock-Footage anboten.
Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Abo-Lösungen das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Aber wir erkennen auch an, dass einige Kunden das Bezahlen per Credits bevorzugen. Auch diesen Wünschen wollen wir gerecht werden. BigStockPhoto zu kaufen war der erste Schritt dorthin.
Ging Shutterstock auf BigStockPhoto zu oder umgekehrt?
Riggs: Wir als Käufer spielten den aktiven Part.
Welche Rolle werden die bisherigen Eigentümer von BigStockPhoto bei Shutterstock spielen?
Riggs: Tim und Dawn Donahue haben zusammen mit ihrem Team ein großartiges Produkt aufgebaut. Wir werden weiterhin mit ihnen zusammen arbeiten, um den Content-Einkäufern und -Produzenten weltweit weiterhin einen Top-Service bieten zu können.
Im Shutterstock-Forum heißt es, dass keine Zusammenlegung der Portfolios beider Agenturen geplant ist. Welche anderen Synergie-Effekte will Shutterstock nutzen?
Riggs: Ich kann Ihnen noch nicht genau sagen, was sich ändern wird und wann oder ob sich überhaupt etwas an der bisherigen Konstellation ändern wird. Aber soviel sei gesagt: Wir werden alles tun, das Potenzial und die Synergien aus der Übernahme best möglichst auszuschöpfen.
In welche Richtung soll die Kombination Shutterstock/BigStockPhoto entwickelt werden?
Riggs: Wir freuen uns darauf, das Wissen und die Kompetenz, für die Shutterstock bekannt ist, in die Marke BigStockPhoto, in die Website und die Aufstellung der Produkte einzubringen.
Ihr seht, da hat sich der gute Mann eine gute Scheibe von den Politikern abgeguckt.
Aber noch mal der Hinweis an Fotografen: Wer seine Fotos nur bei Shutterstock oder BigStockPhoto hat, wird sie jetzt nicht automatisch auch über die jeweils andere Agentur verkaufen können.
Aber dafür gibt es im Internet natürlich schon eine Lösung. Die Firma iSyndica zum Beispiel bietet – gegen eine kleine Gebühr – an, Fotos auf deren Server hochzuladen und von dort an viele Bildagenturen gleichzeitig zu liefern. Außerdem werden die Bilder auf Wunsch gespeichert, sodaß jederzeit mit nur einem Klick die bisher hochgeladenen Fotos zu einer neuen, weiteren Agentur geschickt werden können. Wer beispielsweise die letzten Monate seine Shutterstock-Fotos über iSyndica hocghgeladen hat, könnte jetzt einfach BigStockPhoto anklicken und sagen: Alle meine Fotos auch zu dieser Agentur schicken. Zum Testen bietet die Firma einen Gratis-Zugang, mit dem z.B. 20 Bilder pro Monat an 5 Agenturen geschickt werden können oder 10 Fotos an 10 Agenturen. Aber die BackUp-Funktion, bei der die Fotos für spätere Agentursendungen gespeichert werden, funktioniert damit noch nicht.

von R. Kneschke am 11. August 2009
Gestern habe ich hier das Interview mit dem Stockfotografen und Blend-Gründer Jonathan Ross begonnen. Heute geht es gleich weiter.
Wie würdest Du den Unterschied zwischen Auftragsfotografie und Stockfotografie beschreiben?
Auftragsarbeiten haben oft viele Ringe, durch die ein Fotograf springen muss und bis der Kunde glücklich mit den Ergebnissen ist, ist der Spaß und die Kreativität schon stark verwässert. Außerdem hast Du immer paar Leute, die Dir über die Schulter schauen und Ratschläge geben. Manchmal kann das hilfreich sein, manchmal aber auch ablenkend.
Stockfotografie erlaubt mir, meinen eigenen Zeitplan zu wählen, so daß ich bei allen Familienereignissen wie Wettkämpfen oder Theateraufführungen dabei sein kann und trotzdem die Shootings machen kann, die ich will. Die Freiheit hat aber auch ihren Preis. Du musst sehr motiviert sein, Dich selbst am Laufen zu halten. Wenn Du einen Kunden hast, musst Du bei ihm erscheinen. Wenn Du ein Stock-Shooting machst, musst Du immer alles am Laufen halten.

Wie viele Bildagenturen belieferst Du regelmäßig?
Momentan beliefern wir 13 Bildagenturen, wenn man Microstock mitzählt. Getty Images hat uns in verschiedenen Bildkollektionen, das macht dann zusammen 20 verschiedene Kollektionen.
Du hast erst vor kurzem mit Microstock angefangen. Was ist der größte Unterschied verglichen zum “klassischen” Bildermarkt?
Das Hochladen zu den Bildagenturen ist eine Qual und darum haben wir Lookstat.com beauftragt, das für uns zu übernehmen. Sie machen einen großartigen Job für wenig Geld. Microstock wächst langsam aus den Kinderschuhen und das war unser Grund, dort mitzumachen. Der Markt ist noch jung und ich denke, jemand der ein gutes Händchen für Kundenbedürfnisse hat, wird sich dort ganz gut schlagen. Wir haben 3500 Bilder in drei Monaten für Microstock produziert und diese Zahlen könnten wir für Macrostock gar nicht erreichen. Nun wollen wir nur noch steigende Verkäufe sehen. Wie haben die Hälfte der Bilder hochgeladen, um zu sehen, wie es läuft und nach sechs Monaten bei fünf Microstock-Agenturen haben sie die Produktionskosten wieder eingespielt. Wir laden nun diese Bilder und den Rest der 3500 Fotos zu insgesamt 10 Microstock-Seiten hoch.
Du machst ja hauptsächlich People-Fotos. Hast Du Tipps für die Arbeit mit Models?
Sorg dafür, dass sie eine gute Zeit haben. Die Probleme bei einem Shooting fangen dann an, wenn der Fotograf nicht jeden motiviert und gut fühlen lässt, das ist die “Durchsicker-Theorie” (trickle down effect). Es zeigt sich in den Fotos und kostet Dich Verkäufe. Eine brauchen mehr Zuredung, andere legen einfach los, ohne dass ich fragen muss. Selbst wenn ein Model einen miserablen Job macht, lasse ich sie im Glauben, sie habe ihr Bestes gegeben. Wenn das Shooting vorbei ist, ist es nicht meine Aufgabe, hohe Egos wieder runterzuholen. Manchmal gebe ich aber vorsichtig konstruktive Ratschläge. Unsere Shootings machen Spaß und das spricht sich herum. Die Models in unserer Gegend arbeiten gerne mit uns zusammen und wenn es mal länger dauert, fordern sie nicht sofort mehr Geld. Es ist Teamarbeit. Seit also nicht zu schüchtern, die Models und das Team zu unterhalten. Am Ende eines Shootings komme ich mir vor als hätte ich einen 6-Stunden-Auftritt gehabt und bin dann erschöpft.

Mit was für Models arbeitest Du am liebsten?
Auf jeden Fall mit Kindern. Ich bin im Herzen auch noch ein großes Kind. Ich liebe es, Kinder beim Sport zu trainieren und beim Fotografieren ist das Eis viel schneller gebrochen als bei Erwachsenen. Wenn ein Kind erst mal richtig lacht, dann ist es auch echt. Bei Erwachsenen wird der Ausdruck jedes Mal ein bißchen besser, je länger wir zusammenarbeiten, da dann erst die Barrieren fallen. Bei einem Kind dauert das vielleicht zehn Minuten. Kurz Fangen spielen und dann lasse ich die Kinder selbst kurz paar Fotos machen, damit sie merken, was ich gleich machen werde und dann geht der Spaß los.
Außerdem mag ich extrovertierte Models. ich verschwende meine Zeit nicht mehr mit introvertierten Models, die schwer zu motivieren sind, wenn es da draußen so viele Models gibt, die verrückt danach sind, Fotos von sich machen zu lassen.
Arbeitest Du lieber im Studio oder on location?
Ich arbeite immer lieber on location. Obwohl ich im Laufe meiner Karriere mehrere Studios hatte, bin ich momentan nur noch on location. Mal sehen, wie das in paar Jahren wird. Ich liebe die Herausforderung, einen neuen Ort zu betreten und ihn für Dich arbeiten zu lassen, vor allem bei der Belichtung. Außerdem fallen mir vor Ort mehr Foto-Konzepte ein als im Studio. Das fühlt sich immer so an, als ginge ich ins Büro.
Wie oft findest Du Bilder von Dir in Zeitungen oder der Werbung?
Überall. Ich kann keine Zeitschrift aufschlagen, ohne mindestens ein Foto von mir zu finden. Ich sitze gerade im Flugzeug und habe eben meinem jüngsten Sohn gesagt, er könne ja mal das “Alaska Airline”-Magazin nehmen und schauen, wie lange er braucht, um eins von Daddys Fotos zu finden. Er hat keine 15 Sekunden gebraucht. Es ist echt erstaunlich, wie viele Fotos man findet, wenn man schaut. Meine Frau ist aber der größere Magazin-Leser und reißt mir dann immer die Seiten raus.
Was macht eine gute Bildagentur aus?
Eine gute Agentur erkennt das Potential ihrer Fotografen und den Wert einer engen Zusammenarbeit. Sie lässt sie besten Fotos nach ganz oben in die Suchergebnisse, sodaß Käufer diese zuerst sehen. Aber am wichtigsten ist, dass gute Bildagenturen wissen, wie man mit Bildkäufern arbeitet und ihre Bedürfnisse befriedigt. Das ist der wichtigste Job. Sobald sie einen guten Kunden haben, müssen sie eine starke Bindung aufbauen, um ihn nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Viele sagen, der Kunde kauft einfach dort, wo es das Bild gibt, was er braucht. Das stimmt zum Teil, aber ich glaube auch, dass der Beziehungsaspekt ebenfalls wichtig ist. Gute Bildagenturen behandeln ihre Kunden mit dem größten Respekt, denn Bildkäufer sagen, dass die Bequemlichkeit und die Kommunikation mit einer Agentur die ausschlaggebenden Faktoren für die Auswahl sind.
Wie hat sich der Stockfotografie-Markt aus Deiner Sicht in den letzten Jahren geändert?
Microstock hat den Markt stark verändert. Es hat dem Macrostock-Bereich Verkäufe gekostet, aber auch viele neue Kunden in den Markt eingebracht, was immer gut ist. Ich denke, der Kampf zwischen den einzelnen Marktsegmenten wird nachlassen, da es immer mehr Angebote in der Mitte gibt. Die neue Vetta-Collection von istockphoto ist ein gutes Beispiel. Auch die Digitalisierung war eine große Änderung. Heute ist es sehr leicht, Fotografie zu lernen, ohne eine richtige Ausbildung dafür zu haben, obwohl ich das nicht empfehle. Bildung ist immer der Schlüssel zur Erweiterung Deiner Fähigkeiten.
Was glaubst Du, wie wird sich der Markt entwickeln?
Wenn ich das wüßte, wäre ich ein reicher Mann. Er wird sich weiter in verschiedene Richtungen entwicklen. Ich denke, die Videoverkäufe im Microstock-Bereich werden zunehmen, aber hauptsächlich für die Web-Nutzung. Es wird immer einen Bedarf an Werbung geben und solange diese visuell ist, wird es auch Stockfotos geben. Nischen-Kollektionen werden auch im Microstock-Bereich zunehmen. Ich denke, man kann direkte Vergleiche zwischen der Entwicklung von Macrostock RF und der Zukunft von Microstock machen.

Was war Dein größter Fehler im Foto-Geschäft?
Bisher hatte ich viel Glück und konnte große Fehler vermeiden. Ich denke, das liegt auch daran, dass wir jedes Jahr Recherchen machen, welche Marktbereiche im Trend liegen und uns darauf konzentrieren. Das größte Risiko hatte ich auf mich genommen, als ich noch Werbung fotografiert habe. Wir haben den Fehler gemacht, 80% unseres Einkommens von einem Kunden bestimmen zu lassen. 1995 haben wir dann einen Anruf bekommen, dass der Kunde jetzt in ein neues Digitalsystem investiert und unsere Dienste nicht mehr benötigt.
Voller Panik recherchierten wir nach dieser Digitalfotografie und nahmen unseren einzigen Kredit auf. $60.000, als wir keine Rücklagen hatten, uns das neuste Digitalsystem zu kaufen. Da war damals die Sinarcam. Ich habe sechs Monate gebraucht, um mir alles selbst beizubringen. Vorher hatte ich nicht mal an einer Tastatur getippt, geschweige denn ein Histogramm gesehen. Aber es hat sich bezahlt gemacht und wir bekamen einen Zwei-Jahres-Auftrag, um alle Kleidungsstücke einer Eddie Bauer-Kollektion für deren Webseite zu fotografieren. Von da ging es wieder bergauf, da zu dieser Zeit nur wenige schon digital gearbeitet haben.
Hast Du Tipps für angehende Stockfotografen?
Video! Microstock-Video. Aber auch hier gilt es, die richtigen Inhalte zu finden, um die Kunden zufriedenzustellen. Das einzige Hindernis für gute Videos ist die teure Ausrüstung, aber schon mit einer Canon 5D Mark II kann man anfangen. Tiefenschärfe ist ein wichtiger Faktor, um Deine Filme professionell aussehen zu lassen, zusammen mit Kamerawagen, Galgenstativen und Dauerlicht. Es ist keine geringe Investition, um alles richtig zu machen, aber es wird von Tag zu Tag billiger. Festbrennweiten sind zwar teuer, aber wirklich am besten für Bewegtbilder. Du kannst mit einer 5D Mark II anfangen und von dort weitermachen. Lasse es nicht die anderen machen oder mangelndes Kapital eine Ausrede sein, nicht zu konkurrieren. Und wenn Du nach Deiner Ausbildung an einer Fotoschule in einem Studio arbeiten kannst, um davon zu leben und von den Fehlern der anderen zu lernen, würde ich das auch empfehlen.
Was ist der Fehler, den die meisten neuen Stockfotografen machen?
Sie denken nicht wie Bildkäufer. Sie laden Bilder hoch, die keiner kaufen will und wählen zu viele ähnliche Bilder aus, nur um ein großes Portfolio zu haben. Das sind alles Fehler.
Rechnest Du aus, wie viel Dich Deine Bilder kosten?
Ja, ich kalkuliere den “cost per image”. Jetzt, wo wir Videos und Fotos zusammen an zwei Tageshälften machen, haben wir die Kosten pro Clip oder Foto auf ca. $50 drücken können. Wir könnten es auch für weniger produzieren, aber gute Models sind sehr wichtig für die Verkäufe. Sie holen ihren Preis durch zusätzliche Verkäufe leicht rein und sie sorgend dafür, dass ein Tag schneller und reibungsloser vorüber geht und Du mehr Fotos machen kannst.

Kann man Dein “Shootingtag in 3 Minuten”-Video auf YouTube sehen?
Nein, leider habe ich es noch nicht in die YouTube-Welt geschafft, aber gib mir einen Monat. Diese ganzen Social Networking-Geschichten sind ein neuer Teil des Business, auch für mich. Ich habe keine Ahnung, wohin das führt. Aber bis dahin kannst Du das Video hier anschauen. Viele Leute finden das Video ganz lustig, aber wenn Du genau hinschaust, siehst Du, wie alles fließt, um die Bildausbeute hoch zu halten. Es war sehr spaßig, das Video zu machen. Wir wollen noch mehr “Hinter den Kulissen”-Material drehen, um es mit anderen Fotografen zu teilen.
Ich will zum Schluss noch sagen, dass das unsere Methode ist. Wenn Du Informationen findest, von denen Du glaubst, sie könnten Deinen Arbeitsablauf verbessern, dann probieren wir das aus. Aber ich kenne viele erfolgreiche Stockfotografen und das Einzige, was sie gemeinsam haben, ist, dass sie alle auf ganz verschiedenen Wegen an die Spitze gekommen sind. Es gibt also keinen richtigen Weg. Mach, was Dich am besten weiterbringt und sorge dafür, dass es weiterhin Spaß macht.
Danke, Robert, für das Interview. Ich bin ein großer Fan von Stockfotografen, die zusammenarbeiten, um den Bildermarkt zu verbessern. Wenn mir jemand auf Twitter folgen will, findet er mich unter jonathanjross. Fröhliches Fotografieren Euch allen! Shoot! Shoot! Shoot!
Auch Dir vielen Dank für das Interview!
Wer mehr über Jonathan Ross wissen will, findet hier viele spannende Infos über ihn:
“Surfing The Stock Photography Revolution” – Diashow-Mitschnitt einer 48-minütigen Präsentation von Jonathan Ross auf der PACA-Konferenz im März 2009. Bei Minute 20 gibt es auch das Video aus der letzten Frage zu sehen. Außerdem sehr selten: Er zeigt Bilder und erklärt, wie viel Geld er mit jedem einzelnen verdient hat.
Andersen Ross – seine Produktionsfirma, die er zusammen mit seiner Frau betreibt
Jonathan Ross Interview – mit John Lund über die Zukunft der Stockfotografie
“Photographers Working Together in a Three Tiered Stock Photo Market” – Artikel von Jonathan Ross über die Konkurrenz zwischen RF, RM und Microstock
Jonathan Ross bei Getty Images
Jonathan Ross bei Dreamstime
Jonathan Ross bei Twitter
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von R. Kneschke am 10. August 2009
Wieder habe ich keine Mühen gescheut, um Euch ein informatives Interview bieten zu können. Ich lehne mich sicher nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass dies hier das erste deutschsprachige Interview mit Jonathan Ross ist. Nein, ich meine nicht den britischen Moderator oder den australischen Football-Spieler, sondern den Stockfotografen aus Seattle und Gründer der Bildagentur Blend Images. Zusammen mit seiner Frau Amy betreibt er die Fotoproduktionsfirma “Andersen Ross“.

Ich freue mich wirklich sehr, dass Jonathan sich die Zeit genommen hat, auf meine Fragen ausführlich zu antworten, da er zum einen sehr offen spricht und auch Praxiserfahrungen in den Marktbereichen RM, RF und Microstock hat. Das Interview ist so lang geworden, dass ich es in zwei Teilen veröffentliche.
Was hast Du vor Deiner Fotografen-Karriere gemacht?
Ich war Lagerarbeiter, ein Telefonmastenkletterer für das Kabelfernsehen und eine Aushilfe für einen Elektriker. Ich war entschlossen, ein “Arbeiterklasse-Amerikaner” zu sein, obwohl ich hinter den Kulissen von Theatern aufgezogen wurde, da mein Vater Regisseur war. Du kannst Deine Wurzeln nicht verleugnen, deshalb belegte ich meinen ersten Fotokurs im College 1981. Aber erst 1987 entschied ich, die Fotografie ernst zu nehmen und schrieb mich in ein Programm für professionelle Fotografie ein. Ich traf meine Ehefrau in der Fotoschule und innerhalb eines Jahres nach unserem Abschluss öffneten wir unser erstes kleines Studio. Es war eine bessere Garage, die passend “Luftschutzbunker” genannt wurde, da es ein Betonblock ohne Fenster war. Dort hatte ich mein erstes Shooting mit einer einzigen Lichtquelle, gefiltert durch ein Bettlaken, das von zwei Pfosten gehalten wurde, die in Farbeimern zementiert waren. Wir müssen alle irgendwo anfangen… Wir hatten 10.000 US-Dollar gespart, um durch harte Zeiten zu kommen und meine Frau begann sogar wieder in einem Modeladen zu arbeiten, damir wir ein Auskommen hatten, bis unserer Kundenstamm groß genug war.
Wie begann Dein Interesse an der Fotografie?
In meiner ersten Fotoklasse 1981 hatte ich einen großartigen Lehrer, Chris Simons, der ein super Motivator war. Er unterrichtet dort immer noch neue Schüler. Ich war 28, als ich am College wieder mit der Fotografie anfing und musste etwas wählen und dabei bleiben. Ich liebte Fotografie, also sagte ich mir, als ich die Ausbildung begann, “das ist es und ich bleibe dabei”. Da ich unter Schauspielern aufgewachsen war, erkannte ich, dass nur die Erfolg hatten, die einfach beständig dabei blieben. Einige waren in wenigen Jahren berühmt, andere brauchten zwanzig, aber jeder, der dabei blieb, schaffte es irgendwann. Hartnäckigkeit und Arbeitsethik. In der Fotoschule geriet ich wieder an einen Meister des Unterrichtens, Barton Atterberry, und er nahm mich unter seine Fittiche. Wir blieben gute Freunde bis er letztes Jahr verstarb. Er war ein Art Center-Graduierter vor langer Zeit. Meine Frau und ich haben ein Stipendium-Programm dieses Jahr unter seinem Namen gestartet für aufstrebende Fotografie-Talente.
Seit wann arbeitest Du als professioneller Fotograf?
Wir fingen wir fast zwanzig Jahren an, als wir den “Luftschutzbunker” 1990 eröffneten.
Was ließ euch entscheiden, Stockfotografie professionell zu betreiben?
Wir begannen mit Werbefotografie und hatten das pure Glück, dass sich das Zentrum der Stockfotografie in unserer Heimatstadt Seattle ansiedelte. Wir fingen mit Photodisc an, weil ein anderer Fotograf, den wir kannten, sagte, dass da gutes Geld zu machen wäre. Dann zog Getty Images dazu und Corbis war auch in der Nachbarschaft. Wir begannen einige Nachforschungen und Entwicklungen in Sachen Stockfotografie, da wir nicht unseren gesamten Kundenstamm verlieren wollten, denn wir uns in zehn Jahren aufgebaut hatten. Nach sechs Monaten, in denen wir gute Zahlen mit Stockfotografie erzielten, erkannten wir, dass es eine großartige Möglichkeit war. Innerhalb eines Jahres ließen wir alle unsere Kunden liegen und fotografierten ausschließlich Stockfotografie und haben seitdem nie mehr zurückgesehen. Die Entscheidung wurde auch durch unsere Kinder beeinflusst, für die ich mehr Zeit haben wollte. Studioarbeit wird von den Kunden bestimmt, Stockarbeit von mir.

Mit was für einer Ausrüstung arbeitest Du?
Mit allem unter der Sonne, einschließlich der Sonne . Ich habe viele verschiedene Lichtmöglichkeiten für diverse Anlässe und Orte.
Was ist Dein liebstes Werkzeug?
Ich denke, das wären dann mein Computer und Photoshop. Ohne die wäre mein Arbeitsablauf viel zeitaufwändiger. Das Internet gehört auch dazu, aber das zähle ich mit zum Computer. Das ist meine Verbindung zur Außenwelt.
Auf welche Themen und Motive hast Du Dich spezialisiert?
Ich habe als Still Life-Fotograf für kommerzielle Kunden begonnen. Viele Kleidungsfotos und Katalogarbeiten und ab und zu Unternehmensberichte. Die letzten zehn Jahre habe ich aber ausschließlich Lifestyle fotografiert, jedes Thema, was von den Kunden und Kollektionen verlangt wird, die wir beliefern.
Wie würdest Du deinen fotografischen Stil beschreiben?
Das ist lustig, ich hätte nie gedacht, dass ich einen Stil habe und mir mehr als Generalist gesehen. Aber viele Leute sagen mir, dass sie ein Anderson Ross-Foto [Name seiner Fotoproduktion; Anm. R.K.] leicht erkennen können, also muss es da etwas geben. Ich würde sagen, ich fange Momente und Gefühle im echten Leben on location ein, unterstützt durch Beleuchtung, die das natürliche Licht akzentuiert.

Wie viele Fotos produzierst Du durchschnittlich pro Monat?
Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Wir machen momentan viel Recherche, deshalb ist unsere Produktion dieses Jahr stark gesunken. Wir investieren viel Zeit, neue Qualität zu kreieren und zu beleuchten, die über dem liegt, was wir letztes Jahr produziert haben. Letztes Jahr haben wir 10.000 Bilder produziert, dieses Jahr werden es eher 2.000-3.000 Fotos sein. Mehr Qualität, weniger Quantität. Auch das Dazukommen von Bewegtbildern hat die Produktion von Fotos reduziert.
Wie viele Bilder habt ihr bisher produziert?
Wir haben momentan über 15.000 Bilder online, aber wir haben einen Rückstau von ca. 2.000 Bildern, die noch hochgeladen werden müssen und ca. 100 Video-Clips.
Wie verteilt sich das auf Macro RM, Macro RF und Microstock?
Wir haben ca. 1.000 RM-Bilder und dieser Bereich wird auch das kommende Jahr weiter wachsen. Im Bereich Macro-RF haben wir ca. 10.000 Fotos. Microstock-Fotos haben wir ca. 3.500, aber zur Zeit sind nur 2.000 online, den Rest laden wir in den nächsten Monaten hoch. Wir planen, ca. 2.000 weitere Bilder dieses Jahr zu fotografieren, aber ich zähle das fast gar nicht mit, da wir so viele Microstock-Bilder an einem Tag produzieren können. Bisher hatte ich nur zehn Shootingtage für Microstock-Bilder. Aber dieser Business-Bereich ändert sich fast wöchentlich, also sieht meine Antwort in drei Monaten vielleicht ganz anders aus.
Wie entscheidest Du, welche Bilder Du als Macro-RM, Macro-RF oder als Microstock anbietest?
RM-Fotos sind meist einzigartige Bilder mit einem starken Konzept und von unseren besten Leuten produziert. So ein Bild hat vielleicht keine Massenwirkung, aber der richtige Käufer wird bereit sein, viel Geld für diese Qualität zu bezahlen.
Macro-RF-Bilder sind unsere mehr generalisierten Arbeiten im Studio oder “on location”, die breitere Käuferschichten anspricht als unsere RM-Bilder. Der Schwerpunkt wird da auf Beleuchtung und Auswahl der Orte gelegt. Manchmal ist es schwer, sich zu entscheiden, welches Bild wohin sollte, aber unsere Editoren helfen bei der Auswahl.
Microstock-Bilder sind unsere Fotos mit der größtmöglichen Reichweite. Wir versuchen, da Bilder zu produzieren, die eine große Vielzahl von Käufern anspricht, um sicherzustellen, dass es genug Verkäufe gibt, um die Investitionen so profitabel wie in anderen Märkten zu machen. Außerdem produzieren wir bei Microstock-Shootings viel mehr Bilder am Tag als für Macro-Agenturen. Der Unterschied liegt bei ca. 50-60 Macro-RF-Fotos am Tag zu 200-250 Microstock-Fotos pro Tag.
Kannst Du noch zählen, wie viele Bilder zu bisher verkauft hast?
Ich hab keine Ahnung. Ich kann Dir sagen, wie viel Umsatz jedes einzelne Foto in seinem Leben gemacht und mit etwas Recherche würde ich auch die Gesamtverkäufe herausfinden. Aber wir konzentrieren uns mehr auf den monetären Aspekt bei der Verkaufsanalyse. Wir verfolgen alle Verkäufe unserer Bilder mittels einer Software, die speziell für Stockfoto-Verkäufe entwickelt wurde. Das hilft uns, zu erkennen, was sich verkauft und was nicht, Saison-Trends zu sehen und wann man dafür Bilder hochladen sollte.
Welches Foto hat Dir bisher den meisten Umsatz gebracht? Und woran könnte das liegen?
Das ist ein Foto von einem Jungen, der an einem sonnigen Tag in einem Reifen schaukelt. Im Bild liegt ein Gefühl von Freiheit und Glück, das glaubhaft ist, aber auch vage genug, damit es für viele Käufer attraktiv wird. Es ist aber auch eins unserer ältesten Bilder, deshalb hatte es am meisten Zeit, Umsätze zu erzielen. Ich glaube, bisher waren es ca. $15.000 und es ist ein Macro-RF-Foto, was immer noch über Getty Images verkauft wird.

Welcher Teil des Fotografie-Geschäfts macht Dir am meisten Spaß?
Es ist ein Unentschieden zwischen dem Shooting selbst und der ersten Auswahl. Ich liebe es zu motivieren und am Set kann ich das gut machen. Die Interaktion mit den Models macht einen großen Unterschied aus, wie gut sich die Bilder verkaufen werden. Ich mag auch die erste Auswahl, wenn ich die Ergebnisse meiner Arbeit am Computer sehen kann. Ich erwische mich dabei, dass ich anfange zu grinsen, wenn ich ein besonders gelungenes Bild finde. Es ist eine Chance, sich an den Tag zu erinnern und auch zu lernen, was nicht so gut lief, damit ich es beim nächsten Mal besser machen kann.
Wie sieht Dein Arbeitsablauf aus?
Mein Produzent sucht die Locations, an denen wir fotografieren wollen. Sobald wir die Erlaubnis für eine Location bekommen, schauen wir in den Bildagenturen nach Löchern in den Bildkollektionen, die unserer Meinung nach nicht gut genug abgedeckt sind und fangen von da an. Danach schauen wir uns noch mal die Location an, rennen mit unseren Kameras herum, um das vorhandene Licht zu testen, sowohl von der Stärke als auch der Farbtemperatur und suchen nach spannenden Winkeln. Dann casten wir die passenden Models für die Location. Wenn es ein Klassenraum ist, suchen wir Lehrer- und Schülertypen. Bei Krankenhäusern nach starken, vertrauensvollen Gesichtern, die ein Gefühl von Sicherheit ausstrahlen und so weiter. Danach schaue ich mir die Location-Fotos an und die Konzepte, wie wie als Lücken bei den Bildagenturen identifiziert haben und entscheiden, welche Models am besten für welche Rollen und und schreiben eine Shooting-Liste.
Das Vorbereiten der Shootingliste dauert lange, dann wir wollen nur die Models am Set haben, die wir dann auch benötigen. Ich hasse es, Models nur für das Rumstehen zu bezahlen. Außerdem wollen wir den Lichtaufbau so nutzen, dass wir unser Licht so wenig wie möglich umräumen müssen. Diese Dinge verschwenden Zeit und Geld. Je besser wir vorbereitet sind, desto weniger geht schief und wir steigern unsere Produktivität. Auf der Shootingliste ist auch die Zeit vermerkt, die für jeden Bereich zur Verfügung steht und welche Kleidung und Requisiten für diese Szenen benötigt werden. Das befreit mich von dem ganzen technischen Ballast und ich kann mich auf Ideen und die Models konzentrieren.
Was ist Dein Lieblings-Lichtaufbau?
Ich arbeite mit allen Arten von Licht, aber ich arbeite am schnellsten mit Blitzen. Ich habe über 35 Lichtquellen in meiner Sammlung, deshalb ist es eine Frage der Location, was ich davon mitnehme. Ich liebe meinen 2m-Profoto-Schirm, der eine wunderbare Lichtqualität hat, aber ich mag das Licht von so vielen Geräten, dass es schwer zu sagen ist. Ich mag auch die Kino-Leuchten wegen ihres weichen Lichts und weil ich sie mit den Augen statt mit der Kamera kontrollieren kann.
So, morgen geht es an dieser Stelle weiter. Dann kommen die spannenden Fragen zu Bildagenturen, Microstock, der Arbeit mit Models und der Zukunft des Bildermarkts.

von R. Kneschke am 14. Juli 2009
Heute lasse ich mal wieder andere reden. In meiner Interview-Reihe frage ich Leute aus der Stockfotografie-Branche. Diesmal ist Dr. Martina Mettner an der Reihe. Sie ist “Photoconsultant” und berät Fotografen, die mehr Erfolg haben wollen. Wer nach dem Lesen gleich einige Tipps von ihr haben möchte, findet auf ihrer Webseite ein ausführliches, lesenswertes Karriere-Tutorial für Fotografen. Außerdem schreibt sie den Blog “Fotofeinkost“. Los geht’s mit den Fragen.

Sie nennen sich Photoconsultant. Was ist das eigentlich und wie kamen Sie darauf, Fotografen zu beraten?
Hierzulande kennt man sonst nur Art Consultants, die beispielsweise beim Aufbau einer Kunstsammlung beraten. Ich bin studierte Soziologin, und habe mich während des Studiums intensiv theoretisch mit Fotografie befasst, unter anderem in Form einer Diplom- und einer Doktorarbeit. Während des Studiums habe ich nicht nur in Büros, sondern vor allem an und für Fotozeitschriften gearbeitet, in der ersten Fotogalerie in Frankfurt mitgewirkt und auch Fotografie unterrichtet. Nach dem Abschluss konnte ich deshalb direkt die Position einer Chefredakteurin zunächst von einer, dann später von zwei Fotozeitschriften übernehmen. In dieser Funktion habe ich ja laufend mit Fotografen gearbeitet und ihnen ihr Bildmaterial neu sortiert. Im Umschau Verlag entwickelte ich auch das Magazin „Schwarzweiss“, das inhaltlich etwas anders ausgerichtet war als heute. Immerhin existiert es noch. Nach mehr als zehn Jahren im Verlag wechselte ich in die Unternehmenskommunikation, erst angestellt, später frei. Ich schrieb Romane und vermisste die Fotografie. Die Idee, mein Wissen, die Erfahrung und vor allem meine analytischen Fähigkeiten zum Nutzen von Fotografen anzubieten, hatte ich in den USA als ich dort die Ausstellung „In Their Mothers’ Eyes“ kuratierte. Dort gibt es den Beruf ja schon länger, wobei sie sehr viel stärker auf kommerziell arbeitende Fotografen fokussiert sind als ich.
Es gehört viel Vertrauen dazu, eine Beratung zu buchen. Sich helfen zu lassen fällt doch gerade Fotografen nicht leicht, oder?
Auf jeden Fall, und ich weiß es sehr zu schätzen, dass Fotografen oftmals von weit her (Holland, Österreich, Schweiz, Italien, sogar aus Shanghai und demnächst einer aus Russland) kommen, um mit mir zu sprechen. Aber ich arbeite auch daran, indem ich über meine Internetpräsenzen viele Tipps und Artikel veröffentliche, die meine Haltung transparent machen. Wer kommt, weiß in der Regel, dass es ans Eingemachte geht. Das Gute aus meiner Sicht ist, dass es den Fotografinnen und Fotografen immer viel mehr bringt, als sie erwartet haben. Manche kommen wirklich verzweifelt, weil sich seit Jahren die Gedanken im Kreis drehen und keine Lösung in Sicht scheint. Manche wollen “nur” wissen, wo sie stehen und wie sie sich verbessern können. Gerade bei Seiteneinsteigern ist so ein professionelles Feedback immens wichtig. Eine Analyse, die die eigene Biografie, den Stand der Fotokenntnisse ebenso umfasst wie die zukünftigen Entwicklungen, die sich in der Branche abzeichnen, hilft letztlich jedem Fotografen, die eigenen gedanklichen Grenzen zu überwinden und ein klares Ziel zu sehen. Je klarer das Ziel, desto leichter ist es, sich mit Elan an dessen Erreichung zu machen.
Was sind die Bereiche, in denen die meisten Fotografen bei Ihnen Rat suchen?
Da die Beratungen individuell sind und jeder mit seiner besonderen Geschichte, seinen Wünschen und Problemen kommt, fällt es mir schwer, pauschal zu antworten. Man kann wohl drei Gruppen benennen: kommerziell arbeitende Fotografen, die merken, dass Ihnen die klassischen Auftragsbereiche wegbrechen und die klug genug sind, zwecks Neuorientierung zu kommen; Amateure und Seiteneinsteiger, die glauben, die Fotografie sei die Erlösung aus ihrem Büro- oder IT-ler oder BWL-ler-Dasein. Und Fotografinnen. Es ist sicher eigenartig, sie gesondert zu nennen, aber es gibt tatsächlich geschlechtsspezifische Unterschiede. Frauen mangelt es oftmals an Selbstbewusstsein, erst recht, wenn sie nach einer Erziehungspause wieder einsteigen wollen. Die ganze Branche hat sich inzwischen verändert, was es für sie nicht leichter macht.
Raten Sie Fotografen zur Stockfotografie?
Prinzipiell halte ich die Stockfotografie für eine Option, den Lebensunterhalt zu verdienen oder zu ihm hinzuzuverdienen. Aber es sind wenige Fotografen von ihrer Veranlagung her zur Stockfotografie geeignet. Nicht jeder ist so akribisch wie Sie! Und das sollte man sein. Ich halte diese Sparte der Fotografie für die schwierigste überhaupt, weil sie eine extreme handwerkliche Perfektion verlangt und zugleich die Fähigkeit, abstrakte Begriffe zu visualisieren, vom ganzen Handlingaufwand nicht zu reden. Ich persönlich finde die Stock-Fotografie aber auch steril. Überwiegend im Studio vor weißem Hintergrund zu fotografieren und dann stundenlang zu verschlagworten – das muss man wirklich wollen.
Welche Voraussetzungen sollte Ihrer Meinung nach ein guter Stockfotograf mitbringen?
Er sollte perfektionistisch sein und extrem auf dem Laufenden, was in der Gesellschaft passiert, denn er oder sie muss ja im Idealfall das Bildmaterial jetzt produzieren, für das es erst in der nahen Zukunft einen Bedarf geben wird. Das ist schon ein großer Unterschied zur Auftragsfotografie, wo der Fotograf auf eine klar formulierte Anforderung hin produziert.
Was halten Sie von Microstocks?
Das ist nicht einmal die Zukunft, sondern die Gegenwart. Das hat sich von langer Hand abgezeichnet. Die Fotografie ist in einem dramatischen Umbruch, der nichts mit digitaler oder analoger Aufzeichnung zu tun hat, sondern mit einer kompletten Umstrukturierung der Arbeitsfelder und neuen Werten fotografischen Handelns. Im Übrigen bin ich neuerdings Fan von Yuri Arcurs, weil er analytisch an die Technik der Microstock-Fotografie und die Anforderungen herangeht. Der zeigt in einem Workshop-Video (http://www.fototv.de/microstock_fotografie) wie man das machen muss, um rationell zu arbeiten. Wenn man einen Bereich analytisch durchdrungen hat, kann man leicht erklären wie’s funktioniert. Und das Gegenüber kann es leicht nachvollziehen. Das mache ich genau so. Ich erkläre, wie die Fotografie funktioniert, und warum es wichtig ist, sich jetzt mit den geänderten Bedingungen auseinanderzusetzen.
Fotografieren Sie eigentlich selbst?
Ich liebe die Fotografie! Meinen Sie, auf das Glück, das ernsthaftes Fotografieren bedeutet, wollte ich verzichten? Kommerziell arbeite ich allerdings nicht, zum einen, weil ich das, was mir so am Herzen liegt, nicht Marktgesetzen preisgeben will, zum anderen möchte ich nicht, dass Klienten sich zu mir in einer Konkurrenzsituation sehen. Fotografen sind da sehr sensibel!
Ich bin gerade in den letzten Jahren durch eigene Fotoprojekte verständnisvoller bei der Bildbeurteilung geworden, und gebe, wo es angebracht ist, praktische Tipps zur Bildaufteilung oder Fotobearbeitung. Bei vielen Beratungsgesprächen kann ich aus persönlicher Erfahrung ermutigen, über den eigenen Schatten zu springen, und, beispielsweise, ein freies Projekt zu beginnen.
Wenn Sie selbst nicht kommerziell fotografieren, woher nehmen Sie Ihr ganzes Know-how?
Das ist nun eben der Unterschied zwischen Handwerk und Wissenschaft: Machen oder Analysieren – und Schlussfolgerungen ziehen. Durch die vielen Beratungen bekomme ich die Situation in ganz unterschiedlichen Berufs- und Ausbildungssituationen geschildert und gewinne dadurch einen guten Überblick. Ich denke wirklich viel darüber nach, was im Moment in der Fotografie passiert, gucke mir, wenn gerade kein Fotograf hier ist, Fotoarbeiten im Internet an. Momentan schreibe ich an einem Fotolehrbuch, das hoffentlich noch in diesem Jahr erscheinen wird, was zusätzlich zwingt, klare Aussagen zu machen. Zudem kommt mir meine berufliche Erfahrung natürlich ebenso zugute wie mein fotografisches Wissen. Womit ich jedoch die Fotografen am meisten verblüffe, ist, dass ich Fehler, Schwächen, aber auch Vorzüge einzelner Fotografien spontan in Worte fassen kann. Das geht nur dank lebenslangem Training.
Sie sagen ja, die Fotografen sollten in ein, zwei Sätzen ihr berufliches Profil erläutern können. Sagen Sie in zwei Sätzen, was die Fotografen bei Ihnen erwartet.
Alle, die zu mir kommen, werden, egal auf welchem Stand sie sind, wirklich ernst genommen und gehen nicht ohne frische Perspektive und neue Ideen. Sie bekommen klar gesagt, woran sie arbeiten müssen, um das gesteckte Ziel zu erreichen, und sie müssen dieses inspirierende, aber auch umwälzende Gespräch nicht mit leerem Magen durchstehen.
Heißt Ihr Blog deshalb Fotofeinkost?
Ganz genau. In meinem Online-Magazin gibt es Denkanstöße zur Fotografie, jedoch keine Rezepte.
Vielen Dank für das Interview!
Falls nach Fragen offen sind, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren stellen. Vielleicht kann Frau Dr. Mettner sie euch dann beantworten oder eine ausführliche Beratung empfehlen.

von R. Kneschke am 27. Juni 2009
Vorgestern haben Martin Gommel (von kwerfeldein.de) und ich so lange an unseren Webcams, Monitoren und Soundkarten gespielt, bis wir via Skype eine coole Videokonferenz hinbekommen haben. Martin hat mich dann gleich zum Thema “Stockfotografie” interviewt und das Video gestern in seinem Blog veröffentlicht. Das Video könnt ihr in diesem Beitrag von ihm sehen.
P.S. Nicht wundern, wenn ich ständig an der Kamera vorbeischaue, aber ich habe eher Martin auf meinem Monitor angeschaut…
von R. Kneschke am 29. März 2009
Martin stellt in seinem Blog Kwerfeldein den deutschsprachigen Fotoblogs einige Fragen.

Hier sind meine Antworten:
Was hat Dich dazu bewegt, über Fotografie zu bloggen?
Da ich als Fotoproduzent arbeite, bietet es sich an, über das zu schreiben, was ich kann: Fotografieren. Ich lasse meine Leser hinter die Kulissen des Berufsalltags blicken und durch die ständige Beschäftigung mit den Themen lerne ich auch immer noch etwas dazu.
Über welche Themen schreibst Du selbst am liebsten?
Beim Start meines Blogs habe ich gemerkt, dass es zwar viele Fotoblogs gibt, die schöne Fotos zeigen, aber nur sehr wenige, die sich auf die berufliche Seite der Fotografie konzentrieren. Deswegen gibt es bei mir Analysen zum Bildermarkt, Umsatzzahlen und Trends in der Fotobranche.
Welche Artikel sind die wichtigsten Deines Blogs (ca. 2-5)?
Gemessen am Leserinteresse sind das:
Weisst Du schon, was die Leser Deines Blogs 2009 erwarten wird?
Ich arbeite daran, mehr Interviews zu machen und hoffe, weiterhin Meldungen und Themen zu veröffentlichen, die bei kaum einem anderen Blog so zu finden sind.
Wieviele Artikel veröffentlichst Du im Schnitt pro Woche?
Pro Woche schaffe ich durchschnittlich 3-4 Artikel. Ziel ist es, dass an jedem zweiten Werktag ein Text online geht.

von R. Kneschke am 26. Januar 2009
Damit in diesem Blog auch mal andere Sichtweisen zu Wort kommen, präsentiere ich von Zeit zu Zeit Interviews mit anderen Personen aus der Branche: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.
Diesmal ist Jenja Roman Doerig an der Reihe, der Leiter der Bildredaktion bei der Schweizer Bildagentur ImagePoint.

Foto: www.nikkolrot.com
Stelle Dich doch bitte mal kurz vor…
Jenja Doerig, Leiter der Bildredaktion bei ImagePoint. Jenja ist die russische Kurzform von Jewgenij, was sich meine Eltern dabei gedacht haben – keine Ahnung. Ich lebe ohne Haustiere in Zürich.
Wie sieht Dein Schreibtisch ungefähr aus? Was sind Deine wichtigsten Arbeitsgeräte/Werkzeuge?
Maus, Mausmatte, PC, Tastatur und Bildschirm. Bei ImagePoint funktioniert alles online.
Wieviele Bilder siehst Du auf der Arbeit täglich?
Zwischen 500 und 700 – je nach Qualität.
Und, macht’s noch Spaß?
Je nach Qualität…
Beschreibe bitte mal kurz den Ablauf, wenn Du entscheidest, ob ein Foto angenommen wird oder nicht?
Zuerst entscheide ich, ob sich das Motiv verkaufen lässt. Danach beurteile ich die technische Qualität in der 100-Prozent-Ansicht. Anschließend kontrolliere ich die Informationen bezüglich der Drittrechte.
Hörst Du Musik bei der Arbeit? Wenn ja, welche?
Diesbezüglich herrscht ein liebevoller Kleinkrieg im Büro. Aber meistens hören wir Radio.
Was sind die drei häufigsten Ablehnungsgründe?
Erstens: Motiv. Zweitens: Qualität – viel zu oft müssen wir leider motivisch gute Bilder aufgrund der schlechten Qualität ablehnen. Drittens: Siehe erstens.
Wieviel Prozent der Bilder werden durchschnittlich abgelehnt?
Knapp über 50 Prozent. Tendenz steigend aufgrund der sehr hohen Kundenansprüche und des hohen Konkurrenzdrucks.
Welche Motive bekommst Du am häufigsten zu sehen?
Sonnenuntergänge, Sonnenblumen, Rapsfelder und bald wieder aktuell: Tulpenbilder.
Welche Motive sind Dir am liebsten?
Naturalistisch inszenierte Lebenssituationen – Stichwort: Available Light – mit Charaktermenschen.
Erkennst Du einige Fotografen schon am Stil?
Oh ja. Die sehr guten Fotografen. Und die eher schlechten.
Gibt es noch Fotos von Sonnenuntergängen oder Blumen, die Dich begeistern können?
Nein. Außer vielleicht wirklich gut inszenierte Blumenbilder.
Hast Du einige Empfehlungen, welche Fotografen-Portfolios einen längeren Blick wert sind?
Spontan fallen mir da Tina Steinauer, Karsten Jipp, Ramesh Amruth, Nikkol Rot, Stefan Kubli, Sandra Kawohl und Andrea Diefenbach ein. Es gibt aber noch viele andere sehr gute Portfolios.
Fotografierst Du auch selbst?
Nein.
Was ist der angenehmste Teil Deiner Arbeit?
Neue Fotografen zu entdecken und im Rahmen der Möglichkeiten fördern zu können.
Was ist der unangenehmste?
Einer Fotografin, einem Fotografen zu künden.
Wie können Dir Fotografen den größten Gefallen tun?
Auch ich bin bestechlich. Im Ernst: Keine allzu großen Bildserien hochladen, technisch unzulängliche Bilder im Vorfeld verwerfen, abgelehnte Bilder kein zweites Mal hochladen – lieber anrufen und fragen: Weshalb bloß? – und, sollten Bilder abgelehnt werden: Nicht persönlich nehmen.
Vielen Dank für das Interview.
Weitere Interviews:
Elisabeth Cölfen (Fotografin)

von R. Kneschke am 12. November 2008
Seit ca. zehn Monaten schreibe ich schon in diesem Blog über Stockfotografie. Nun wird es Zeit, ab und zu auch mal andere Personen aus der Branche zu Wort kommen zu lassen: Kollegen, Bildagenturen, Firmen, Kunden etc.

Den Anfang macht die Stockfotografin Elisabeth Cölfen aus Duisburg. Sie beweist, dass “typische” Stockfotografen eben meist keine gelernten Fotografen sind, sondern oft Quereinsteiger. Ihre Bilder sind mir auf meinen Internet-Streifzügen oft ins Auge gefallen, weil sie, hm, irgendwie niedlich sind.
Den Beweis erbringt sie auf ihrer Webseite und in ihrem Blog. Für ihre leckeren Food-Fotos hat sie ein eigenens Portfolio.

Vorhang auf, Kassettenrekorder an und los geht’s:
Seit wann fotografierst Du schon?
Seit 2004.
Warum wolltest Du Fotografin werden?
Oh, da muss ich etwas ausholen. Meist wird ja hier eine Geschichte nach dem Motto „Meine erste Kamera bekam ich im Alter von 8 Jahren von meinem Opa geschenkt, der auf eine Leica umstieg und mir seine Spiegelrefex-Kamera überließ …“ erzählt.
Bei mir ist das ganz anders. Ich habe mich nie für Fotografie interessiert und auch nicht gern fotografiert. Die üblichen Schnappschüsse von meiner Tochter im Zoo etc., aber ich würde nicht sagen, dass es mir viel Spaß gemacht hat.
Auch beruflich hatte ich als studierte Gemanistin/Anglistin keinen Bezug zur Fotografie. Ich bin eher „andersherum“, nämlich über die Bildbearbeitung, an die Fotografie gekommen.
Mitte der 90er entdeckte ich die Software „Bryce“, mit der man am Computer Landschaften generieren kann. Ich kaufte mir ein englischsprachiges Buch dazu, und die Autorin Susan Kitchens gab an, dass man ihr in einem AOL-Channel live Fragen stellen könne. Wegen der Zeitverschiebung setzte ich mich dann nachts um drei an den Rechner und loggte mich bei AOL ein. Die Autorin war nicht da, aber jemand sprach mich auf deutsch an „He, du kommst ja aus meiner alten Ecke“. Und damit hatte ich Kai Krause kennengelernt, den Schöpfer der Programme Kai‘s Power Tools, Soap, Convolver, Goo und vieler anderer. Er war mit 19 Jahren aus Essen in die USA ausgewandert, um dort in vielen Bereichen (z.B. Musikvisualisierung) sehr erfolgreich zu sein. Über ihn lernte ich Bildbearbeitung und Interface-Design kennen und war begeistert von den Möglichkeiten. Zunächst einmal waren Fotos für mich also in erster Linie „Material“ zur Bildbearbeitung.
Später hatte ich auch beruflich mehr mit visuellen Dingen zu tun. Zunächst als Webmaster der Uni Essen (heute Duisburg-Essen), und dann im Rahmen einer Stelle in einem Multimedia-Projekt, wo ich an der Erstellung von Lernsoftware für Studierende der Linguistik mitgearbeitet habe. Da habe ich oft Bilder mit einer kompakten Digitalkamera aufgenommen und bearbeitet. Und mit der Zeit machte mir der Umgang mit Bildern mehr Spaß als mein „eigentlicher“ Beruf.
Dann fiel mir irgendwann das Buch von Lee Frost „Mit eigenen Fotos Geld verdienen“ in die Hände. Und obwohl das Buch zu dem Zeitpunkt schon etwas veraltet war, gab es mir den ersten Anstoß zur beruflichen Neuorientierung. Ich kaufte mir eine analoge Minolta und legte los. Ich war mächtig stolz auf meine ersten Bilder, bei deren Anblick es mich heute gruselt. Die Bilder wollte ich dann einscannen und an die Agenturen schicken, aber die Qualität der Scans gefiel mir nicht. Und erst dieser ganze mühsame Prozess mitsamt Entwicklung etc.! So investierte ich kurze Zeit später in meine erste digitale Spiegelreflexkamera, eine Canon EOS 10D.
Die Bildqualität/Größe der Bilder genügte den Ansprüchen der Agenturen bald nicht mehr, und ich kaufte mir eine Canon 1Ds MarkII, die nun schon in vierten Jahr tadellos funktioniert.
Seit wann fotografierst Du professionell und seit wann bietest Du Stockfotografie an?
Seit 2005.
Gibt es Themen oder Motive, auf die Du Dich spezialisiert hast?
Ich habe mit Food und Stills angefangen. Dann bekam ich immer mehr Anfragen für Shootings und habe dann mehr und mehr People-Fotografie gemacht.
Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Ich mag helle Szenen und Motive. Besonders bei Food fotografiere ich gern mit offener Blende und viel Licht – auch gern Tages- und Blitzlicht gemischt.
Im Bereich People mache ich bei jedem Shooting zwar auch ein paar klassische Portraits, die meisten Bilder sollen aber Situationen des täglichen Lebens darstellen – und das möglichst glaubhaft. „Stock photos with a message“ sage ich gern dazu. Wirklich überzeugend gelingt das aber nur, wenn die Atmosphäre zwischen dem Model und mir stimmt. Man sieht auf den Fotos, ob die Models einen schönen Tag mit mir verlebt oder sich etwas unwohl gefühlt haben.
Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass sich „erfahrene Modelle“ nicht so gut für solche Aufnahmen eignen, weil sie so viel posieren, dass die Szenen unnatürlich wirken. Auch beim Make Up bin ich für den natürlichen Look.

Was macht Dir bei der Fotografie am meisten Spaß?
Alles außer der Schlepperei (lacht). Aber dabei habe ich ja zum Glück meist Hilfe. Ich mag, dass ich alles selbst planen, vorbereiten, durchführen und nachbearbeiten kann. Vor dem Shooting sammle ich Ideen in einer MindMap. Dann kaufe ich noch fehlendes Equipment ein. Bei People-Shootings mache ich das Make-Up selbst, bei Food-Shootings das Food-Styling. Und zum Schluß natürlich die Bearbeitung und je nach Agentur leider auch die Verschlagwortung. Die macht mir am wenigsten Spaß, aber auch das gehört dazu.
Wenn ich höre, wie manche (Stock)fotografen arbeiten… Da plant der Editor das Shooting, am Set sind Visagistin und Stylistin und Assistent … Der Fotograf kommt, fotografiert und überlässt die Bearbeitung auch seinen Assistenten. Daran hätte ich keine Freude.
Wie unterscheiden sich für Dich Auftragsfotografie und Stockfotografie?
Ich mache keine Auftragsfotografie. Oder nur sehr selten. Weil ich eben gern alles selbst mache und weil sich die Stockfotografie so nahtlos in den Alltag integrieren lässt. Ich kann tun, was ich will und wann ich es will.
Wie viele Bildagenturen belieferst Du regelmäßig?
Exklusiv im Moment Masterfile, Stockfood, Imagesource und agefotostock. Dann ein ganze Reihe auf nicht exklusiver Basis.
Wieviel Prozent Deines Einkommens macht die Stockfotografie ungefähr aus?
100 Prozent im Moment.
Was macht für Dich eine gute Bildagentur aus?
Ich unterscheide zwischen „Vermarktern“, bei denen man die Bilder hochlädt und diese dann geprüft oder ungeprüft in den Verkauf gehen (wie z.B. Alamy oder auch dem Imagebroker) und Agenturen. Von einer Agentur, die ich exklusiv beliefere, erwarte ich, dass ich als Partner fair behandelt werde. Ich erwarte auch, dass die Agentur gute und originelle Werbekampagnen macht.
Eine gute Übersicht über die Bilderlöse gehört auch dazu. Und ich erwarte, dass auch Similars genommen werden. Wenn von einem Shooting nur zwei Motive ausgewählt werden, rechnet sich das für mich nicht.
Wie hat sich aus Deiner Sicht der Stockfotografie-Markt in den letzten Jahren entwickelt?
Alles ist technisch viel einfacher geworden. Man kann digitale Daten verschicken – und zwar per Internet und nicht mit der Post.
Der Zugang zur Stockfotografie ist auf allen Ebenen einfacher geworden. Durch die günstigeren Preise für Hardware und Studioausstattung kann heute jeder Stockfotograf werden.
Dadurch ist natürlich auch die Konkurrenz größer geworden und die Menge an Stockbildern insgesamt. Es wird z.T. weniger für das einzelne Stockbild bezahlt (Microstock), dafür wird weniger für Auftragsfotografie und insgesamt mehr für Stock ausgegeben.
Wie glaubst Du, wird sich der Stockfotografie-Markt entwickeln?
Ich habe keine Ahnung. Ganz ehrlich: Das ist das einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann. Auch ich bin sehr verunsichert durch die aktuelle Lage. Aber ich bin ziemlich sicher, dass es nicht irgendwann nur noch eine einzige Bildagentur geben wird.
Und ich denke auch, dass es für gute und originelle Bilder immer einen Käufer geben wird.
Welches war Dein größter fotografischer Fehler?
Da gab es viele. Am Anfang habe ich Bilder mit nicht kalibriertem Monitor bearbeitet und eingereicht. Bei einem Shooting in der Wohnung eines Models funktionierte der Elinchrom-Blitzauslöser nicht. Ich war vollkommen verzweifelt, und das Model hatte sich und die Wohnung vorbereitet. Ich war mit einem Auto voller Equipment angereist, und das Shooting nun abzusagen hätte eine mittlere Katastrophe bedeutet. Dabei hatte der Auslöser immer tadellos funktioniert. Nach einer Ewigkeit kam ich endlich darauf, dass das Gerät nicht von der Kamera, sondern von einer kleinen Batterie mit Strom gespeist wurde. Zum Glück hatte der nahegelegene Saturn-Markt eine Batterie vorrätig…
Irgendwelche Tipps für angehende Stockfotografen?
Oh ja. Ich würde keinesfalls alle meine Bilder zu einer Agentur geben oder mich auf ein Lizenzmodell festlegen. In einer so unsicheren Zeit halte ich es für sehr wichtig, viele Eisen im Feuer zu haben.
Und dann würde ich direkt gutes Equipment kaufen und dafür lieber weniger. Besonders im Bereich Studiolicht habe ich so manche vermeintlich „günstige“ Anschaffung bereut.
Vielen Dank für das Interview!
Okay, wer mir Vorschläge für weitere Interview-Partner machen will, kann mir gerne eine Mail schreiben. Wer Elisabeth noch etwas fragen möchte, kann die Frage gerne als Kommentar stellen. Sie liest diesen Blog ebenfalls und wer weiß, vielleicht antwortet sie ja.

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Über diesen Blog Ein Blick hinter die Kulissen professioneller Fotografie: Der Autor Robert Kneschke ist Fotoproduzent und schreibt hier über seine Arbeit. Mit Tipps und Informationen für Fotografen, Models, Bildkäufer und Bildagenturen.
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