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Interview mit einem Stockfotografie-Aussteiger

Viele Leute versuchen ihr „Glück“ mit der Stockfotografie. Es wird von den Bildagenturen ja auch manchmal etwas zu leicht dargestellt: „Verdiene einfach Geld mit deinen Urlaubsfotos“ oder „Hochladen und Kasse machen„.

Nicht jeder hat dabei Erfolg und etliche hören wieder auf. Über die Gründe dafür spreche ich heute mit dem Fotografen Axel Lauer. Einige Schimpfwörter habe ich euch erspart, denkt euch da euren Teil.

Axel Lauer
Axel Lauer

Robert Kneschke: Wie bist du zur Fotografie und dann zur Stockfotografie gekommen?

Axel Lauer: Zur Fotografie bereits während meiner Schulzeit Ende der 1970er Jahre für unsere Schülerzeitung. Dann habe ich fast zwei Jahrzehnte pausiert, um 1997 wieder damit zu beginnen.

1999 bin ich zu einer einjährigen Reise nach Asien aufgebrochen, die für mich eine Art selbstgewählte Gesellenprüfung war. Ich hatte mir vorgenommen, Fotografie beruflich zu betreiben, sofern es mir gelänge, von der Reise genug taugliche Aufnahmen mitzubringen.
Zur Stockfotografie kam ich erst einige Zeit später. Ich denke das wird so 2008/2009 gewesen sein.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Oh, das ist schwer und gern würde ich das anderen überlassen. Da ich mich in recht unterschiedlichen Genres umtue, müssen auch die Stilmittel recht unterschiedlich ausfallen.
Ich kann Dir was zu meinem fotografischen Grundsatz sagen:
1: Jeder Mensch hat das Recht auf eine positive Darstellung seiner selbst.
2: Fuck Photoshop. Get it right in camera!

Two young beautyful women with luxurios fantasy headdress wich contains horns of a ram and venetian art-work in a vintage style with lensflare and beautyful bokeh in front of blue lit smoke.
Two young beautyful women with luxurios fantasy headdress which contains horns of a ram and venetian artwork in a vintage style with lensflare and beautyful bokeh in front of blue lit smoke.

Grundsätzlich bin ich gerne „nah dran“, was aber meist die emotionale Nähe zum Subjekt meint und nicht unbedingt den Betrachtungsabstand. Ausserdem halte ich nichts von Pixelschubsereien. Obwohl ich digital fotografiere, denke und handle ich analog. Ansätze wie „Das kann man doch mit Photoshop machen / reparieren“ (die ich leider immer wieder bei meinen Auszubildenden in der Anfangszeit ihrer Ausbildung erlebe), sind mir ein Graus.

Welche Agenturen hast Du beliefert?

Früher hatte ich alle Großen beliefert. Shutterstock, iStock, Pond5, Envato, 123rf, Dreamstime und viele andere mehr. Am Ende belieferte ich nur noch eine Agentur, die sich unter all den moralisch höchst fragwürdigen Ausbeutern als die „Einäugige“ unter den „Blinden“ hervorgetan hatte. Das war Revostock, die aber nun auch Ende 2015 das Zeitliche gesegnet hat.

Beschreibe bitte deine Motivation, bei Bildagenturen hochzuladen und welche Ziele Du Dir dabei gesetzt hast.

Ruhm und Ehre? Broterwerb natürlich! Aber nachdem man sich inzwischen soweit bücken muss, dass einem die Sonne auch zur Mittagszeit im August dorthin scheint, wo sie üblicherweise nicht hinkommt, habe ich einer „Agentur“ nach der anderen den Laufpass gegeben. Ich weigere mich den „Stockfoto-[Schimpfwort]“ zu geben. Wer unbedingt auf deren Baumwollfeldern ackern und den Ast, auf dem er sitzt, absägen will, darf das gerne tun. Ich hintertreibe nur ungern meine eigene berufliche Existenz. Dafür bin ich zu intelligent.

Du hattest irgendwann 25.000 Bilder online. Wie lange hast Du dafür gebraucht, was für Motive, Themen etc. waren das?

Ich habe nie explizit für Stockagenturen produziert, sondern Photostock (insbesondere Microstock) immer als weiteres „Abfallprodukt des Kapitalismus“ gesehen, das ich en passant mitgenommen habe. Die 25.000 Bilder waren also Produkte aus ca. 15 Jahren Berufsleben. Die Themen waren sehr unterschiedlich. Man kann sagen, dass sie aus allem bestanden, was ich ohnehin so fotografiere und darüber gibt unsere Website ganz gut Auskunft.

portrait of a strong punk couple gripping each other by their necks
portrait of a strong punk couple gripping each other by their necks

Welche Bilder haben sich am besten verkauft?

Schrott & Kap Verde. Klingt komisch, ist aber so.

lonely street at night-time on Cape Verde
lonely street at night-time on Cape Verde

Bilder von den Kapverden haben sich deswegen gut verkauft, weil zu der Zeit die ganzen Reiseveranstalter wie die Heuschrecken über diese touristisch einigermaßen unerschlossene Inselgruppe herfielen und Bildmaterial brauchten.

Schrott? Jawohl, und damit meine ich keine Bilder von Lost Places und verrotteten Industrieanlagen, sondern Mist, Müll, belangloser schlecht fotografierter Dreck.

Es gibt hier eine schöne Geschichte: Irgendwann haben wir mal aus Spaß 100 Bilder eines unserer Azubis zu Shutterstock hochgeladen, die wir normalerweise im Papierkorb versenkt hätten.  Wir hatten auf einmal eine sehr hohe Annahmequote und siehe da… der Kram wurde sogar verkauft.
Da Azubis ja in ihrer Anfangszeit immer dieselben fotografischen Kinderkrankheiten durchlaufen (Graffiti, plattgefahrene Getränkedosen, abgefuckte Gebäudefassaden etc.), hatten wir genug „Bilder“, mit denen wir Shutterstock & Co versorgen konnten. Von da an haben wir all das, was wir normalerweise gelöscht hätten, zu Agenturen hochgeladen. Ich denke, die letzten 2.000 der 25.000 Bilder bestanden größtenteils aus „Papierkorbkunst“.
Einer der Bestseller war das hier, da fragt man sich doch, wer so einen Mist kauft und wo das zum Einsatz kommt.

one white egg
one white egg

Bietest Du neben Fotos auch Videos an? Wenn ja, bei welchen Agenturen und gibt es da für Dich Unterschiede?
Ja. Kurz bevor wir auch der letzten Agentur Shutterstock (mal abgesehen von Dreamstime, die trotz Aufforderung zur Löschung unserer Bilder durch unseren Anwalt unsere Bilder immer noch verkauft) den Laufpass gaben, hatten wir ca. 5.000 Videos online.

Auch hier waren wir bei allen relevanten Agenturen vertreten, die Videos anboten. Da wir vor ca. zwei Jahren bereits ausgestiegen sind, kann ich Dir zur aktuellen Situation keine Angaben machen. Ich würde mich jedoch sehr wundern, wenn sich hier irgendetwas zum Besseren verändert hätte.

Damals lag für mich der wesentliche Unterschied in folgenden Punkten:

  • Qualität & Einfachheit des Upload-Prozesses
  • Redaktion
  • Preisgestaltung

Natürlich ist eine Agentur besser, die es einem Fotografen erlaubt, seine Preise selbst zu definieren. Besser noch ist eine Agentur, die Mindestpreise definiert, die den Markt schützt und nicht zum Preisverfall beiträgt.

Es nützt nichts, wenn ein Fotograf seine Preise selbst bestimmen kann, wenn nicht gleichzeitig verhindert wird, dass irgendwelche [Schimpfwort] „Kollegen“ Dumping betreiben.

Wie waren Deine Umsätze bei den Agenturen, welche Agenturen liefen besser, welche schlechter?
Wie bereits gesagt: Stock war nie mein Business. Die ganze Verwaltung wurde von einem Angestellten erledigt mit einem Aufwand von ca. 20 Stunden / Monat. Eingenommen haben wir ca. 1200€ / Monat.

Die Verteilung der Einnahmen entsprach so ziemlich dem Schlüssel, der hier zu sehen ist.

Wie unterscheiden sich für Dich Auftragsfotografie und Stockfotografie?

Sorry, aber die Frage kann ich Dir nicht beantworten da, ich nie „Stockfotografie“ betrieben habe.cIch scoute keine Trends, fotografiere nicht nach den Bedürfnissen des Marktes, sondern das, was mich interessiert.

Large floating blue icebergs in the glacier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflected in the calm water
Large floating blue icebergs in the glacier lagoon Jokulsarlon in Austurland in Eastern Iceland reflected in the calm water

Was macht für Dich eine gute Bildagentur aus?

  1. Sie schützt den Markt, seine Preise und damit auch ihre eigene Existenz.
  2. Sie vertritt die Interessen ihrer Fotografen, denn ohne Fotografen wäre sie nur eine leere Website.
  3. Sie erlaubt einem Fotografen, seine Preise selbst zu definieren.
  4. Sie sorgt für einfache Upload & Tagging-Möglichkeiten.
  5. Sie sorgt für kompetente Reviewer.
  6. Sie sorgt für Verkäufe (z.B. auch durch eine gut durchdachte Website nach Usability-Prinzipien).

Wie hat sich aus Deiner Sicht der Stockfotografie-Markt in den letzten Jahren entwickelt?

Dass selbst Adobe, selbsternannter Freund aller Fotografen, Fotolia gekauft hat und damit nun selbst im „Lasst uns ein paar Fotografen ausbeuten Business“ mitspielt, sagt doch alles. Immer höhere Ansprüche an Fotografen bei gleichzeitig immer mieserer Bezahlung. Als Fotograf wirst Du behandelt wie ein rechtloser Bittsteller, der froh sein kann, wenn er bei „Agenturen“ auf Gnade stößt und dort seine Bilder „verkaufen“ darf.

Wie glaubst Du, wird sich der Stockfotografie-Markt entwickeln?

Professionelle Fotografen werden sich aus dem Bereich zurückziehen (wenn es dort überhaupt noch welche gibt). Die Bilderflut wird immer größer. Der Stockmarkt wird vor allem von unpolitischen und unsozial handelnden Handybesitzern & Amateuren beliefert, die auch bereit sind für „exposure“ und einen feuchten Händedruck zu produzieren.

Gab es rückblickend Fehler, die Du im Stockbereich gemacht hast?

Na sicher.

  1. Überhaupt damit begonnen zu haben (wohl der Größte).
  2. Zu Beginn haben wir zu weit gestreut.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, die zu Deinem Ausstieg aus der Stockfotografie führten?

Abgesehen von mieser Bezahlung, Ablehnungsgründen aus „Absurdistan“, Nervereien, immer größerem Aufwand wegen irgendwelcher abstruser neuer Forderungen, schmutzige & heimliche Deals wie der zwischen Depositphotos & Shotshop, der „friss oder stirb“-Mentalität aller (!) Agenturen, dem Abwälzen immer größerer Verantwortlichkeiten auf den Fotografen bei gleichzeitig immer weiter eingeschränkten Rechten? Das reicht doch, oder?
Letzten Endes war es jedoch Shutterstock, die mich dazu gebracht haben, der ganzen Bande den Mittelfinger zu zeigen.

Shutterstock gilt ja als der „Musterknabe“ im Business. Aber auch nur solange man nicht genauer hinsieht. In dem Moment, in dem man als Fotograf seine Rechte wahrnimmt, zeigt Shutterstock sein wahres Gesicht.

Eins von vielen Beispielen: Wer als Fotograf eines seiner Bilder auf einer Website findet, schaut üblicherweise nach, ob das Bild rechtmäßig erworben wurde. Dazu schaut man als erstes in den Bildmetadaten, unter dem Bild oder in Impressum / Bildnachweis. Was tut man also, wenn man dort keinen Hinweis auf einen rechtmäßigen Erwerb findet?

Abmahnung? Nein. Man schreibt einfach eine höfliche Mail an den Betreiber mit der Bitte für das fragliche Bild mitzuteilen, woher er es bezogen hat. Was passiert, wenn Du als Fotograf genau das tust und so Deine Rechte wahrnimmst? Shutterstock beginnt Dir zu drohen.
Hinweise darauf, dass es dein Recht ist zu erfahren, woher jemand eines deiner Bild bezogen hat, werden mit weiteren Drohungen beantwortet. Bist du unartig, schmeißen sie dich raus. Und wer ist schuld daran? Shutterstock! Warum? Wenn eine Agentur auf die Angabe eines Urhebervermerks verzichtet (natürlich nur um noch mehr Kohle abzuzocken)  darf sie sich nicht wundern, wenn Fotografen bei vermeintlichen Urheberrechtsverstößen beim Verwerter nachfragen (müssen!).

Andererseits landen etliche deiner Fotos (Kinderfotos / Portraits & alles Mögliche ) auf übelsten Pornoseiten, die von Shutterstock gezogen wurden (erkennbar am Shutterstock-Wasserzeichen). Informierst du Shutterstock darüber, wird dir in freundlichen Worten versprochen, dass man etwas dagegen unternehmen wird. Und wird etwas dagegen getan? Ich bezweifle es.

Meine Meinung gefragt? Als Fotograf bist Du nichts weiter als Melkvieh. Austauschbar, scheißegal und rechtlos. Ganz besonders gilt das für all jene Agenturen, die nichts weiter sind als die x-te Yankee-Heuschrecke.

Du bist der [Schimpfwort] auf den Baumwollfeldern von Fotolia, Shutterstock & Co.! Die Hartgeld[Schimpfwort] mit der Leica.

Was rätst Du Leuten, die aktuell in die Stockfotografie einsteigen wollen?

Es nicht zu tun! Verkauft eure Bilder selbst! (Symbiostock etc.) Handelt solidarisch!

Darüber hinaus bin ich auch noch Betreiber einer Agentur für SEO & SEM und kaufe im Auftrag meiner Kunden bei den Heuschrecken all das ein, was ich nicht selbst produzieren kann. Ich kenne also beide Seiten und kann sagen, dass es aus dieser Warte auch nicht seriöser zugeht. Ständig widersprüchliche Supportaussagen, nur Verweise auf immer nebulösere AGB, die ins Feld geführt werden, wenn man versucht, eine konkrete Aussage zum Beispiel zur Nutzung auf Facebook & Co. zu erhalten.

Das ganze Business ist moralisch vollkommen verrottet und man muss schon entweder ziemlich blöde, wagemutig oder im Besitz einer vollen Portokasse sein, wenn man sich heutzutage noch traut, seine Bilder bei Bildagenturen zu beziehen. „Kollegen“ wie Benjamin Thorn tragen ihren Teil dazu bei.

Vielen Dank für das Interview.

Geld verdienen auf Warez-Seiten? Interview über ein Experiment

Nach diesem Artikel vor einigen Tagen gab es sehr viele, teils kontroverse Kommentare. Die Leserin Anchan wies mich hier darauf hin, dass ich doch einfach mal eine der Beteiligten beim Projekt „Stockalliance.org“ fragen könnte, die aus probiert hat, ob sie mit ihren Bildern auch auf Warez-Seiten Geld verdienen könne.

Das habe ich gerne gemacht und deswegen gibt es jetzt ein Interview mit der Illustratorin Elena, die ihre Bilder bei Shutterstock, Dreamstime, 123rf, iStock, Depositphotos und einigen anderen Bildagenturen verkauft über Warez-Seiten und den Ursprung der stockalliance-Webseite.

Robert Kneschke: Kannst Du dich bitte kurz vorstellen?

Elena (art_of_sun): Ich heiße Elena (auch bekannt als art_of_sun) und wohne in Russland.Ich habe ca. zehn Jahre als Grafikdesignerin gearbeitet (Polygraph, Illustrationen, Kinderspiele für das iPad und so weiter) und seit den letzten anderthalb Jahren bin ich Vollzeit-Stocker.

Portrait von Elena
Portrait von Elena

Wie hast Du mit Microstock begonnen?

Zuerst lernte ich darüber 2007-2008 vom Blog eines Freundes kennen. Viele Leute schlugen damals vor, deren Referral-Links zur Anmeldung zu benutzen. Also registrierte ich mich bei einigen Bildagenturen und versuchte, etwas Geld zu verdienen, aber ohne richtigen Erfolg. Ich bekam ca. 20-30$ im Monat. Aber vor anderthalb Jahren veranstaltete einer der Leute in meiner Freundesliste (Oleg SkillUp) einen „Mega-Workshop“ und wollte allen beibringen, wie man 1000$ im Monat bei Shutterstock verdient, wenn man sich mit seinem Referral-Link anmeldet. Ich war unzufrieden mit meinem Job zu der Zeit, also hörte ich damit auf und wollte es versuchen. Und es hat geklappt 🙂

Wie viele Bilder hast Du online bei den Microstock-Seiten und wie viel verdienst Du damit im Monat?

Bei Shutterstock habe ich aktuell 4170 Bilder (ca. 2500 Vektoren plus Rasterkopien davon und einige Fotos), bei den anderen Agenturen weniger. Bei allen Bildagenturen zusammen mache ich zwischen 2000$ und 3000$ Umsatz im Monat.

Wie kam die Idee, deine Bilder auf Warez-Seiten zu verteilen?

Das war eine gemeinsame Idee. Wir waren in einem Chat mit den Leuten, die am Mega-Workshop teilgenommen haben und viele von uns hatten Probleme mit den Piraten-Seiten. Also dachten wir über einen Weg nach, wie wir das stoppen könnten. Zu der Zeit schrieb ich viele DMCA-Meldungen. Nach einer davon meldete sich fotoramka [siehe dieser Artikel; Anmerkung R.K.] bei einer von uns im Chat, weil sie so niedliche DMCA-Meldungen verschickte mit Bildern, aber vergessen hatte, die Links zu erwähnen und er half uns, die DMCA-Meldungen korrekt auszufüllen und schlug vor, die Dateien direkt von Letitbit zu löschen ohne DMCA-Meldungen, indem wir ihn einfach über Skype anschreiben.

Er erzählte uns, wie Warez-Seiten funktionieren. Tatsächlich können die Piraten mit ihren Aktivitäten das gleiche Geld verdienen wie wir im Microstock, deshalb machte jemand den Witz, dass wir unsere Bilder vielleicht auf den falschen Seiten anbieten. Dann kam die Idee auf, dass wir versuchten könnten, unverkaufte Bilder (und einige Bilder, die bei den Warez-Seiten beliebt waren) dort mit unserer eigenen Lizenz anzubieten (ähnlich wie das Leute machen, die Fonts verkaufen) und mit einem Text und Link in der Art „Dieses Bild ist nur für die nicht-kommerzielle Nutzung. Die kommerzielle Lizenz ist hier erhältlich…“ Ich entschied, das zu probieren, weil ich ein großes Portfolio habe und sich viele meiner Bilder nicht bei Shutterstock verkauften.

Warst Du die einzige, die das ausprobiert hat?

Ja.

Wie viele Bilder waren beim Test dabei?

Ich hatte fünf Posts wie diesen hier, es waren also ca. 40 Bilder (7-10 in einem Archiv).

Verkleiner Ausschnitt, für eine vollständige Ansicht bitte klicken.
Verkleinerter Ausschnitt, für eine vollständige Ansicht bitte klicken.

Wie genau funktionierte der Upload-Prozess?

Wir haben mir einen Account bei einige Filehosting-Seiten angelegt, nicht nur da, wo Fotoramka arbeitet, sondern auch bei anderen, wo man Geld für Download bekommen konnte. Außerdem habe ich mich bei drei Warez-Seiten registriert: Gfxtra, Allday and Heroturko, wenn ich mich richtig erinnere. Dann habe ich das rote Titelbanner gemacht (siehe oben) und zusammen mit fotoramka haben wir eine Lizenz geschrieben.

Danach suchte ich die Bilder aus, machte Vorschau-Bilder, ein gepacktes Archive mit den Bildern und der Lizenz und lud diese zu den Filehostern hoch. Dann haben wir von meinem Computer aus die Posts für die Warez-Seiten gemacht (fotoramka schrieb die Posts mit den HTML-Tags, Links und Beschreibungen).

Bei welchen Filehostern hast Du Dich registriert?

Letitbit, Keep2Share und Rapidgator.

Wie würdest Du den Upload-Aufwand gegenüber dem Hochladen bei den Microstock-Agenturen vergleichen?

Es braucht fast die gleiche Zeit wie das Vorbereiten von Bildern für CreativeMarket zum Beispiel. Und etwas mehr Zeit beim Hochladen. Deshalb war die zweite Idee (wenn das Experiment funktioniert), eine unabhängige Seite zu machen mit den Vorschau-Bildern, Archiven und Postings.

Stockalliance.org?

Ja.

Die Lizenz, die Du angeboten hast, erlaubte nur private Nutzung, keine kommerzielle Nutzung?

Ja, die Lizenz sieht so aus.

Glaubst Du, die Leute, welche Warez-Seiten besuchen, scheren sich um diesen Unterschied?

Fotoramka arbeitet ja beim Support eines Filehosters und erzählte mir, dass er manchmal Anfragen von Leuten hat, die etwas „kostenlos“ runtergeladen hatten und dann wissen wollten, wo sie es legal kaufen können. Ich hatte in der Zeit des Experiments auch einige Verkäufe von Bildern, die ich bei Warez-Seiten veröffentlicht hatte und von Bildern aus der gleichen Serie, die vorher keine Verkäufe hatten.

Meiner Meinung nach dem Experiment ist es nur ein sehr kleiner Teil der Leute, die Bilder von Warez-Seiten nehmen und sich um Rechte kümmern. Vielleicht jemand, der wirklich nicht weiß, dass es nicht kostenlos und legal ist und vielleicht einige, die es wegen der thematischen Zusammenstellung populärer Bilder nutzen, aber die meisten interessieren sich wirklich nicht.

Wie viel Geld kann man mit diesen kostenlosen Downloads verdienen?

Ich habe nichts ernsthaft verdient, nur einige Dollar, aber soweit ich weiß, wenn Leute Bilder von Dir runterladen und dafür den „schnellen Download“ kaufen [Premium-Zugang beim Filehoster; Anmerkung R.K.], kannst Du dafür bis zu 60$ erhalten.

Kannst Du sehen, wie viele Leute deine Dateien runtergeladen haben?

Ja, das kann ich in den Statistiken in meinem Account bei den Filehostern sehen.

Wie lange waren Deine Bilder online und wie viele Downloads hatten sie zusammen?

Ungefähr einen Monat. Hier ist die Statistik für November 2013, wo wir das Experiment angefangen haben:

Klicken zum Vergrößern
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Die Spalten sind von links nach rechts: Datum, Downloads, Verkäufe, Rating.

Lese ich das richtig, dass das 0,80$ Einnahmen für November 2013 sind?

Ja, das ist richtig. Ich habe herausgefunden, dass Du, wenn Du Geld auf Warez-Seiten verdienen willst, viel Material jeden Tag veröffentlichen müsst. Und es muss unterschiedliches Material sein. Das ist einfach, wenn Du viele gestohlene Bilder hast, aber sehr schwer mit deinen eigenen Bildern.

Aber wir haben auch ein anderes Ergebnis: Die Piraten sahen unser Projekt und in der Zeit, in der ich meine Bilder hochgeladen habe, haben sie ihre Posts mit meinen Bildern gelöscht. So hörten sie fast vollständig auf, meine Bilder zu nehmen.

Das ist ja gut für dich.

Ja, nicht schlecht… 🙂

Warum hast Du aufgehört, bei den Warez-Seiten hochzuladen?

Es kostet eine Menge Zeit, die Bilder, Archive und Posts vorzubereiten und ich hasse es, meinen Tag damit zu beginnen, Warez-Seiten nach gestohlenen Bildern von mir zu durchsuchen. Und es demotiviert auch irgendwie. Ich bevorzuge es, neue Bilder zu zeichnen und sie zu Bildagenturen hochzuladen, um Geld zu verdienen statt nur für die PR bei solchen dubiosen Seiten zu arbeiten. Ich meine, das verbrauchte fast die ganze Zeit, in der ich neue Bilder hätte machen können.

Hast Du die Möglichkeit, deine Bilder auf den Warez-Seiten zu löschen?

Klar, ich habe fast alle meine Archive gelöscht nach dem Ende des Experiments im Dezember 2013.

Was waren deine gesamten Einnahmen von dem Experiment?

2$, einige Verkäufe der veröffentlichten Bilder bei Bildagenturen (wobei ich nicht beweisen kann, dass das durch das Experiment kam) und 90% weniger gestohlene Bilder aus meinem Portfolio auf den Warez-Seiten.

Gab es Verträge, um Deine Bilder auf den Warez-Seiten zu vertreiben?

Nein, nur Veröffentlichungs-Regeln.

Was für Regeln?

Lass sie mich raussuchen:

– Benutze das Admin-Panel, um deine News am besten zu designen.
– Alle Informationen wie Informationen und Bilder müssen im Hauptfenster zentriert sein.
– Benutze nicht radikal.ru, photobucket.com, rapidshare.com als Bild-Hoster.
– Maximale Bildweite ist 500 Pixel. Bitte benutze nicht unseren Skript-Resizer. Bearbeite deine Bilder mit einem Bildbearbeitungsprogramm, um die Bildweite zu reduzieren.
– Du solltest unsere Wasserzeichen bei der Vorbereitung der Vorschaubilder nutzen, die du hier runterladen kannst.

Kennst Du die Leute, mit denen Du gearbeitet hast?

Du meinst die Leute bei Stockalliance? Ja, klar.

Gibt es noch irgendwas, was wichtig wäre?

Ich denke, es ist wichtig, dass nachdem Dein Artikel und ein ähnlicher Artikel in russischer Sprache erschienen ist, viele Leute begonnen haben, zu denken, der Boykott sei von „Warez-Leuten“. Aber das ist falsch, nicht nur wegen unserem Ruf, sondern auch weil sie die wirkliche Situation nicht sehen und was Fotolia gerade mit dem Dollar Photo Club macht und warum das schlecht für die Industrie ist.

Danke für das Interview!

Stockfotografie-Interview mit der vietnamesischen Produktionsfirma DragonImages

Kürzlich bin ich bei meiner Bildrecherche über ein Portfolio bei Fotolia* gestolpert, welches in gut einem Jahr ca. 5.000 neue Bilder hochgeladen hatte. Und damit meine ich nicht hunderte Freisteller verschiedener Obstsorten, sondern wirklich hochwertig produzierte People-Aufnahmen. Mich interessierte, wie man es schafft, in so kurzer Zeit sich ein so gutes Portfolio aufzubauen und kontaktierte deswegen die Leute hinter dem Account.

Meine Anfrage wurde an Ekatarina Kholyavskaya weitergeleitet, welche die Leiterin des großen Studios ist. Aber lest selbst. Das Interview habe ich mit ihr auf englisch geführt und ins Deutsche übersetzt. Einige Formulierungen sind deshalb vielleicht etwas holprig.

Los geht’s mit dem Interview:

Robert Kneschke: Hallo Ekatarina! Würdest Du Dich bitte kurz vorstellen?

Ekaterina Kholyavskaya: Ich heiße Ekatarina, bin 27 Jahre alt und Produktionsleiterin bei DragonImages Production Studio. Das DragonImages Production Studio (von der PressFoto Group) besteht aus einem professionellen und kreativen Team. Unser Sitz ist in Ho Chi Minh City, Vietnam. Seit Frühjahr 2012 produzieren wir Stockfotos. Unser Stil geht in die Richtung Lifestyle-Portraits.

Ekaterina Kholyavskaya

Ich bin zufälligerweise über eure Homepage gestolpert und war beeindruckt. Es scheint, als hättet Ihr fast 5000 Fotos innerhalb des letzten Jahres hochgeladen. Die Meinung vieler Leute ist, dass es zu spät wäre, in den Microstockmarkt einzusteigen. Weshalb vertretet Ihr die gegenteilige Meinung?

Ich danke Dir ! Wir denken nicht anders. Eigentlich ist es zu spät in der jetzigen Situation, um in den Microstock-Markt einzusteigen. Aber wir wissen auch, dass sich der Konsumentenmarkt in Asien auf dem Höhepunkt befindet. Zur selben Zeit aber haben wir auch mitbekommen, dass der Stockfotografiemarkt-Wettbewerb hier ziemlich gering ist. Deshalb haben wir uns 2007, zusammen mit PressMaster Production Studio, zum Ziel gesetzt, mit unserer Erfahrung im asiatischen Stockfotografie-Markt an erster Stelle zu stehen. Wir zeigen dem asiatischen Markt, dass es viele hochqualifizierte und authentische Bilder gibt. Und auch jetzt können wir schon sagen, dass wir vom asiatischen Markt positive Rückmeldungen erhalten haben.

Welche Art von Rückmeldungen?

Das finanzielles Feedback. Die Leute unseres Teams finden unsere Bilder in verschiedenen Magazinen, in der Werbung, lokalen TV-Shows etc. Und das jeden Tag.

Kannst Du die Beziehung zwischen PressFoto und DragonImages genauer erläutern? Gibt es da personelle oder finanzielle Überschneidungen?

Dmitry Shironosov ist der Co-Inhaber von Press Production Studio, und der PressFoto Group und DragonImages ist ein Projekt von Pressfoto.

Wie groß ist das Team von DragonImages und wer macht was?

Unser Team besteht aus 20 Leuten. 13 von Ihnen leben in Ho Chi Minh City und zwei sind von außerhalb. Unser Art-Direktor kommt aus Moskau. Er ist mit seiner Familie nach Vietnam gezogen.
Unser Casting-Direktor ist ein spanischer Auswanderer. Sieben weitere Leute sind Russen und leben in Chelyabinsk in Russland. Einge von uns machen von Zeit zu Zeit Geschäftsreisen nach Vietnam.

Unser Team in Ho Chi Minh City besteht aus einem Artdirektor, einem Administrator, zwei Fotografen, Assistenten, Stylisten, zwei Bildbearbeitern, einem Shooting-Leiter, einem Castingmanager, und einem PR-Zuständigen. Und wir haben einen örtlichen Rechtsanwalt und einen Buchhalter, die für uns arbeiten. Unser russisches Team besteht aus zwei Uploadern, zwei IT-Spezialisten und drei Leuten, die zeitgleich für zwei Projekte zuständig sind – Pressmaster und die DragonImages Production Studios. Das ist Dmitry Shironosov, der Co-Inhaber der Firma, Pavel Orekhov ist der Geschäftsführer und ich, Kate Kholyavskaya, die Studio-Produktionsleitung.

Keiner hätte gedacht, dass wir so eine wunderschöne Location im Stadt-Zoo finden würden. Die Zoo-Mitarbeiter haben uns freundlicherweise erlaubt, den Gartenschlauch zu benutzen für das Foto.

Warum habt Ihr Vietnam einem anderen asiatischen Land vorgezogen?

Unsere Firma hat schon seit über sieben Jahren verschiedene Geschäfte in Vietnam getätigt. Deshalb kennen wir den vietnamesischen Markt sehr gut. Das ist der Grund, warum wir uns Vietnam als Ausgangspunkt gewählt haben.

Gibt es Eurer Meinung nach einen Unterschied zwischen dem asiatischen und dem europäischen Markt ? Sowohl von der Käufer als auch der Verkäuferseite?

Aus der Perspektives des Käufers können wir sagen, dass diese sehr gezielt asiatische Konzepte benötigen wie das Lunar-Neujahr und Bilder, welche die organische Mischung der Kulturen zeigen. Wir versuchen beides zu gestalten. Von der Verkäuferseite aus können wir sagen, dass der Markt sehr groß ist und gute Perspektiven hat.

Bei einem 20-köpfigen Team wird das alles allein von Euch gemacht oder habt Ihr trotzdem einige Arbeitsbereiche ausgelagert?

Wir erledigen alles intern. Aber bitte vergiss auch nicht, dass wir ein großes, gemeinsames Haus besitzen.Wir machen fast alles in Ho Chi Minh City, außer das Verschlagworten, das Hochladen und die generelle Recherche. Diese Sachen machen wir im Pressmaster Production Studio.

Dazu kommen wir später. Welche Kamera/Objektiv-Kombination nutzt Ihr hauptsächlich für Eure Fotos?

Das DragonImage-Team benutzt die Nikon D800E*, das AF-S Nikkor 85mm f1.8*, das AF-S Nikkor 50 mm 1.4* und Profoto-Blitze.

Zurück zu der Recherche: Wie geht Ihr bei einem neuen Shooting vor?

Wir arbeiten mit einer Strategie zur Erstellung von Inhalten, die an unsere Pressmaster-Erfahrung angelehnt ist. Zusätzlich haben wir ein gutes Trendgespür, analysieren und aktualisieren unsere Strategie zweimal jährlich. Die Tools der Shutterstock-Trend-Keywords und Stockperformer helfen uns hervorragend in dem Analyseprozess für ein neues Shooting.

Während dieses Paar-Shootings fiel plötzlich unser Blitzlicht aus und so bekamen wir diese romantischen Bilder, die sehr beliebt in unserem Portfolio sind.

Ich nutze gern das Keyword Werkzeug von Google Adwords, um herauszufinden, welche Keywords am meisten von den Nutzern bevorzugt werden. Welche anderen Wege kennst Du, außer Shutterstock und Stockperformer?

Vielen Dank für den Tipp mit Google Adwords. Eigentlich reichen uns Shutterstock und Stockperformer. Aber wir gucken uns auch gern um, um neue Trends und tägliche Details zu checken, wir schauen uns gern die neusten Filme, Musikclips und die neusten Mode online an, zwecks Inspiration. Alle Leute aus unserem Team verbringen einige Zeit, um täglich die Bildagenturen zu analysieren. So trainieren wir auch unsere Augen für die Stocktrends auf verschiedenen Wegen.

Lass uns mal über die Models unterhalten. Mit wieviel Models hast Du innerhalb der letzten 1,5 Jahre gearbeitet, seitdem ihr angefangen habt?

Wir haben sie gar nicht gezählt. Es werden so um die 100 Personen gewesen sein, die für unsere Shootings ausgewählt wurden. Aber wir haben noch mehr Leute in unserer Datenbank von Test-Shootings, welche wir nicht hochladen.

Ziehst Du es vor, mit neuen Gesichtern zu arbeiten oder wählst Du lieber Gesichter, welche sich am besten verkaufen lassen?

Wir ziehen es vor, mit unseren Models regelmäßig zu arbeiten. Wir arbeiten oft mit den Gesichtern, die sich am besten verkaufen lassen. Aber zeitgleich laden wir auch wöchentlich ein neues Model ein, einfach um unsere Kollektion aufzufrischen.

Wie findest Du die meisten Models?

Wir ziehen es vor, unsere eigene Model-Datenbank zu erstellen. Dafür haben wir einen Casting-Manager, Carlos Martin Bregon, im DragonImages Production Studio. Carlos sucht nach neuen Gesichtern für unsere Datenbank, auf der Straße, auf öffentlichen Plätzen, bei verschiedenen Events etc… jeden Tag. Er bemüht sich sehr, um die Leute für ein Testshooting zu gewinnen. Er postet Werbung online, arbeitet mit Firmen wie Sportclubs, Schulen, Familiencenter etc. zusammen, um unsere Werbebroschüre zu verteilen. Und wir alle können die Bekannschaft mit einer geeigneten Person machen und sie oder ihn zu einem Testshooting einzuladen. Einige Leute finden auch von selber zu uns und schicken uns Ihre Bilder.

Es sieht aus als würden die beiden Geschäftsmänner etwas lebhaft diskutieren. Dabei spricht der eine nur russisch und englisch, der andere nur vietnamesisch.

Was suchst Du bei einem Model?

Wir suchen nach charmanten, charismatischen, entspannten und offenen Leute mit einem lebendigen Lächeln und guten schauspielerischen Fähigkeiten. Wir suchen verschiedenste asiatische Nationalitäten und Europäer, Leuten aus den USA und Australien, um multikulturelle Shootings zu organisieren. Wir haben Glück, dass Ho Chi Mingh City eine so große Stadt ist mit allen möglichen Leuten aus aller Welt.

Was sind Deiner Meinung nach die leichtesten und schwierigsten Themen zu fotografieren?

Die leichteste Aufgabe ist es, einen einzelnen, isolierten Gegenstand vor weißem Hintergrund zu fotografieren. Und eine der schwierigsten Aufgabe ist es, Kinder zu fotografieren, inbesondere eine große Gruppe. Sie werden schnell müde und es ist sehr schwierig, sie zu kontrollieren. Gerade wenn Du denkst, dass Du ein perfektes Foto geschossen hast, kannst Du Dir sicher sein, dass eins der Kinder entweder die Augen zu oder einen Finger an seinem Mund hat.

Und in Anbetracht des Konzepts? Ist z.B. ein Business-Shooting leichter als ein Wellness-Shooting?

Es ist schwer, dass genau beantworten zu können. Es hängt von den jeweiligen Aufgaben ab, der Anzahl der Models, den Räumlichkeiten und so weiter. Ich kann nur sagen (der Art-Director ist Denis), es gibt z.B. viel mehr verschiedene Ideen für „Business-Konzepte“ als für „Wellness-Shootings“. Ein Konzept ist umso leichter zu fotografieren, je mehr unterschiedliche Ideen man jedes Mal haben kann.

Auf diesem schönen Bild ist die echte Malerin mit ihrem Gemälde zu sehen. Darum konnten wir positive Emotionen einfangen. Sie hatte gerade ihr Bild beendet.

Eins meiner Lieblings-Requisiten ist ein Sparschwein, es ist ein Klischee und die Models lieben es, weil es so süß ist und reagieren gut darauf. Was ist Deine Liblings-Requisite, die Du gern in der Stockfotografie einsetzt?

Das Smartphone. Das ist für alle das nützlichste Gerät im alltäglichen Leben. Viele Leute sind miteinander in Verbindung, rufen sich an, schicken sich SMS, machen Fotos, surfen im Internet, nutzen die GPS-Standortsuche, spielen Spiele, hören sich Musik an und so weiter. Du wirst damit mit vielen Ideen für Dein Shooting versorgt.

Kannst Du Deinen Arbeitsablauf – von der Idee bis zum Verkauf – zusammenfassen?

Der Art-Direktor teilt die Ideen an die Fotografen auf und hält das in der Terminplanung fest. Dann trifft er sich mit jedem Fotografen und auch dem Stylisten zu einem Meeting. Diese Informationen werden alle im Terminplan festgehalten. Gemäß des Terminplans fängt der Aufnahmeleiter an, die Shootings zu organisieren. Der Stylist fängt zur selben Zeit an, die Kleidung, die Requisiten und die Dekoration vorzubereiten. Dann fotografiert das Team neue Bilder für unsere Kollektion. Danach wählen der Fotograf und der Artdirektor Bilder zum Bearbeiten aus und dann werden die Bilder hochgeladen.

Es hört beim Hochladen auf? Wie sieht es bei Euch mit Social Media Werbung oder ähnlichem aus?

Nein, da hört es nicht auf. Der Art-Direktor und das Shooting-Team analysieren nach einiger Zeit die Ergebnisse des Shootings. Auch unser leitender PR-Direktor nutzt die hochgeladenen Bilder, um unsere Social Media Marke zu stärken wie bei Instagram, Facebook oder Twitter.

Welche Agenturen beliefert Ihr?

Wir beliefern zehn Agenturen, nicht-exklusiv, mit unserer DragonImages Kollektion. Das sind hoch- und mittelrangige Agenturen und auch Agenturen, die sich speziell auf den asiatischen Markt konzentrieren. Hier kannst Du Dir unsere Vertriebsschiene anschauen. Aber wir würden uns gerne auf eine andere Sache fokussieren, welche unser Stockfotografie-Geschäft in Asien ist. Jetzt machen wir den ersten Schritt, indem wir den Markt mit einer starken Kollektion bedienen, um die Aufmerksamkeit der Käufer mit unseren hochqualitativen und preisgünstigen Bildern zu gewinnen. Der zweite Schritt ist, andere Stockfotografen zu überzeugen, ebenfalls den asiatischen Markt zu bedienen.

Dafür haben wir ein spezielles Instrument für das Stockfotografie-Geschäft in Asien entwickelt. Wenn ich Glück haben und rechtzeitig fertig sind, werden wir es auf der MicroStockExpo im November vorstellen. Was heißt das? Neben der Tatsache, dass Pressfoto.com in Asien ein eigenes Verkaufsbüro aufmachen wird und die Webseiten-Suche, das Interface und so weiter für asiatische Käufer anpassen wird, planen wir auch auf der Anbieterseite einige Werkzeuge, die es Fotografen erleichtern sollen, Fotos für den asiatischen Markt zu machen und zu verkaufen, zum Beispiel eine Wissensdatenbank mit wichtigen Ergebnissen und Beschreibungen von aktuellen Nischen in der Microstock-Fotografie.

Einige Agenturen erlauben Exklusiv-Bilder, nutzt ihr das?

Nein, wir produzieren nicht-exklusive Bilder. Aber wir denken auch darüber nach, mit DragonImages exklusive Bilder für www.pressfoto.com zu produzieren.

Manchmal müssen wir hoch klettern, um atemberaubende Stadt-Panoramen zu erhalten.

Beliefert Ihr auch Macrostock-Agenturen wie Getty Images oder Corbis?

Nein, wir beliefern nicht den Macrostock-Markt.

Gibt es da einen speziellen Grund dafür?

Momentan sind wir ganz zufrieden im Microstock-Segment. Im Macrostock-Bereich dauert alles viel länger. Und alles hängt viel mehr von einer Person ab – dem Bildredakteur, nicht wirklich dem Markt.

In absteigender Reihenfolge: Bei welchen Agenturen verdient Ihr am meisten?

Zur Zeit sind unsere besten Verkäufer Shutterstock, Fotolia und iStockfoto.

Es sieht so aus, als ob Ihr keine Videos produziert. Warum nicht?

Wir haben mit der Video-Produktion bei Pressmaster angefangen. Professionelles Bildmaterial herzustellen, ist eine größere Herausforderung als Fotos zu kreieren. Man braucht viele verschiedene Leute und Fachkompetenz, man braucht auch unterschiedliche und viel kostspieligere Ausrüstung dafür. Wir wollen zunächst lernen, wie wir qualitativ hochwertiges Videomaterial herstellen können, bevor wir es hochskalieren und bei DragonImages einsetzen.

Ich weiß, dass ihr auch den „Pressmaster“ Account mit über 35.000 Bildern besitzt. Was ist der Vorteil, verschiedene Accounts zu haben?

Eigentlich sind es jetzt schon über 40k+ Bilder :-). Die Markenbildung und das Positionieren ist mit verschiedenen Accounts viel besser. Fotos im asiatischen Stil unter dem Namen DragonImages positioniert wirkt für die Käufer viel näher and natürlicher als unter dem Namen Pressmaster. Und wir haben verschiedene Teams für verschiedene Accounts organisiert. Das ist einfacher, um zu verschiedenen Ergebnissen zu kommen.

Können wir Kampfsport und wunderschöne Models kombinieren. Natürlich!

Hier gerade eine Frage von meiner Facebookseite: Wie behaupten sich asiatische Fotografen auf dem europäischen Markt ? Gemeint ist: Wieviel von Euren Verkäufen kommen aus Asien und wieviel aus Europa?

Das ist eine gute Frage. Ich würde 50%/50% sagen. Es gibt sehr viele asiatische Models in unserem Portfolio.Wir wissen, dass viele große Firmen auf Stockfotos mit dem asiatischen Look warten. Und wir finden auch jetzt unsere Bilder in vielen Verlagen und in der Werbung. Aber wir wissen auch, dass z.B. viele unserer Käufer in Europa ansässig sind. Das kommt auch daher, dass wir viele Bilder mit Expatriates produzieren, wir machen also multikulturelle Shootings.

Expatriates?

Ja, Ausländer, die in Vietnam leben und arbeiten, arbeiten mit uns als Models.

Ah, okay. Was ist für Dich der schwierigste Teil in der Stockfotografie?

Etwas Neues zu fotografieren. Es sind viele kreative Leute hier auf dem Markt, um Bilder zu produzieren. Eine neue, frische Idee zu kreieren, ist wirklich schwierig und braucht seine Zeit.

Was denkst Du, in welche Richtung wird sich der Stock-Fotografie Markt entwickeln?

Das ist schwierig, die Zukunft vorauszusagen. Aber wir sind uns sicher, dass unsere Strategie richtig ist. Und natürlich glauben wir, dass der Markt Lifestyle-Fotografie braucht. Kein Handschlag vor weißem Hintergrund oder ein Geschäftsmann mit einem „Cheese“-Smile. Diese Kategorien sind schon zu gesättigt. Aus unserer Sicht geht der allgemeine Trend in Richtung natürliche und authentische Bilder, die eine Atmosphäre ausstrahlen, in die man am liebsten sofort eintauchen möchte.

Für Shootings, bei denen eine Beziehung dargestellt werden soll, laden wir Models ein, die sich sehr gut kennen. Das ist der Schlüssel, um glaubwürdige Emptionen bei solchen sensiblen Fotos zu erzielen.

Was ist Dein Ratschlag an alle anderen Existenzgründer?

Richtet Eure Aufmerksamkeit nach Asien! Das ist ein riesiger Markt mit viel potenzieller Entwicklung. Aber der Markt ist schwieriger als Ihr zunächst denkt. Lernt, welche Art der Stockfotografie am meisten gesucht wird. Deine Stärke solltest Du kennen. Aus der Reihe der gesuchten Konzepte, wähle jenes, welches Du besser fotografierst als der aktuelle Markt. Achte und behalte Deinen einzigartigen Stil und experimentiere. Und vor allem, vergiß nicht, Spaß zu haben. Auf jeden Fall kannst Du eigentlich alles fotografieren, was Du magst.

Vielen Dank für das Interview.

Danke Dir, Robert! Ich wollte mich auch bei den Leute bedanken, die mich unterstützt haben, um dieses Interview vorzubereiten: Pavel Orekhov, Fotoproduktion-Strategie, Vertrieb und Marketing sind seine Bereiche in der Firma, Denis Sorokin ist der Art Director und Dmitry Shironosov, der Inhaber von PressFoto Group.

* Affiliate

Interview über reportagen.de mit Michael Krabs

Ständig gibt es neue Bildagenturen, die meisten wollen einfach nur unsere Bilder, ohne ein Alleinstellungsmerkmal bieten zu können. Deswegen habe ich aufgehorcht, als der Gründer der bekannten deutschen Bildagentur Zoonar ein neues Projekt auf die Beine gestellt hat, bei dem es nicht nur um Fotos, sondern auch um Texte geht. Herr Krabs erklärt in einem Interview mit mir die Details.

Screenshot der Seite reportagen.de

Hallo Herr Krabs, stellen sie sich bitte mal kurz vor.

Ich bin Jahrgang 1970, habe zwei Kinder und nach dem Studium zuerst zwei Jahre als Dozent, dann ca. 12 Jahre lang als freier Journalist gearbeitet. In diesem Zeitraum hatte ich bereits eine „Reportageagentur“ mit dem Namen TBKmedia. Das TBK stand für „Text-Bild-Konzept“. Das ganze lief eine lange Weile sehr gut. Dann kam der große Medienumbruch: Rückgang der Honorare, Digitalisierungswelle, Printkrise, Microstock usw. Gleichzeitig waren Natur- und Umweltthemen in den Medien deutlich weniger gefragt. Ich wurde mit Foto-DVDs geradezu überschüttet und wusste nicht mehr, wie ich das Ganze ohne Datenbank handhaben sollte. Zuvor mussten sich Fotografen ja entscheiden, an wem Sie ein Originaldia schickten und gute Scans waren sehr kostspielig. Jetzt reichte ein Mausklick, um alle Fotos an zig verschiedene Agenturen zu verteilen. Bei mir häuften sich die Foto-DVDs und ich hatte keine Idee, wie ich damit ohne eine neue technische Lösung umgehen sollte.

Ich habe daher im Jahre 2006 vier Büronachbarn (darunter drei Entwickler) angesprochen und wir haben zusammen die Bildagentur Zoonar GmbH als Antwort auf die neue Marktentwicklung gegründet. Dieses Projekt hat sehr viel Zeit und Kraft gekostet, entwickelt sich jetzt aber ganz ordentlich. Für meine eigentliche Arbeit hatte ich aber seitdem kaum noch Zeit. Zudem erschien sie wenig attraktiv, aufgrund der neuen Marktentwicklungen.

Seit 1-2 Jahre habe ich die Idee gehabt, auch für Reportagen ein Portal aufzubauen. Dieses Vorhaben habe ich jetzt mit privaten Mitteln in die Tat umgesetzt. Ein hohes Risiko, aber ich habe einfach wieder Lust als Journalist zu arbeiten. Außerdem sehe ich enorme Chancen an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Text einerseits und neuen Vertriebsmöglichkeiten andererseits. Die erste Version von Reportagen.de ist jetzt online. Ich freue mich sehr darüber. Aber wir haben gerade erst begonnen.

Michael Krabs, Gründer von reportagen.de

Bei reportagen.de werden nicht nur Bilder verkauft, sondern komplette Reportagen, also Bildserien mit dazu passendem Text. Was genau soll angeboten werden?

Die Idee ist folgende: Fotografen haben oft Bildstrecken, die sich journalistisch gut verwerten lassen. Aber nur die wenigsten schreiben gerne. Das übernehmen wir dann. Journalisten wiederum haben oft Texte, aber es fehlen Fotos. Auch diese Arbeit übernehmen dann wir, d.h. wir suchen passende Fotos zu den Texten. Dafür greifen wir u.a. auf die Fotos der Bildagentur Zoonar zurück, die für den Partner Reportagen.de freigegeben wurden. Wir sprechen bei Bedarf aber auch registrierte Fotografen an. Es entsteht eine Win-Win-Situation.

Ein weiterer Punkt: Die Redaktionen haben wenig Zeit und sind personell oft schwach besetzt. Daher ist es ein Vorteil, wenn man komplette Themen aus Foto, Text, Grafik usw. ausliefern kann. Reportagen.de ist die Schnittstelle, die alle Arbeiten übernimmt damit aus einzelnen Bestandteilen (Fotoserien, Texten usw.) komplette Artikel werden.

Weitere Einsatzfelder sind: Content Marketing, Corporate Publishing, Online Marketing usw. Hier nehmen wir Aufträge und verteilen die einzelnen Tätigkeiten dann an unsere registrierten Mitgliedern. Reportagen.de fungiert dabei wie eine Zentralredaktion und/oder Projektmanagement. Aufgrund meiner großen Erfahrungen in diesen Bereichen, macht das auch Sinn.

Und noch eine Neuigkeit: Ich glaube, dass Journalisten und Fotografen in Zukunft mehr Content direkt an Kunden/Leser verkaufen werden. Über APPs, EBooks, PDFs, mobile Verwendungen usw. In diesem Bereich sehe ich gute Zukuntschancen, dieser Markt entwickelt sich gerade erst. Hier suchen wir gerade einen Investor.

Wie sieht der Bestand aktuell aus?

Derzeit sind rund 700 Features und Reportagen online. Tendenz stark steigend.

Können Fotografen auch nur Texte oder Bildstrecken liefern?

Nur Texte zu liefern ist immer möglich. Das kommt aber eher bei Journalisten vor. Nur Fotostrecken geht auch. Wir brauchen aber oft einige Infos dazu. Also Angaben über Zeit, Aufnahmeort, besondere Ereignisse usw. Diese Infos können auch in eine Mail getippt werden. Den Text schreiben wir dann.

Wie sieht die Honorarverteilung aus?

Wir zahlen 70% des Honorares bei Fotostrecken. Bei Texten ebenfalls 70%, wenn diese unverändert übernommen werden. Wenn wir einen Text umschreiben, weil beispielsweise die Redaktionen einen anderen Stil sucht, dann zahlen wir 50%.

Es kann also so laufen: Ein Fotograf liefert eine Bildstrecke, ein Journalist schreibt einen Text dazu. Der Fotograf erhält 70% vom Bildhonorar, der Journalist 70% vom Texthonorar, Reportagen.de 30% vom Gesamthonorar. Liefert ein Fotograf einen Text, den wir bearbeiten müssen, säe es so aus: Fotos 70%, Text 50%.

An was orientiert sich der Verkaufspreis der Reportagen und in welcher Höhe liegt der ungefähr?

Wir haben feste Preise, die wir online abbilden. Jedoch wird in der Regel mit den Redaktionen verhandelt. Es geht dann um Auflagen, Textlänge, Anzahl der abgebildeten Fotos, E-Paper-Zweitverwertungen usw. Viele große Verlage haben auch feste Pauschalsätze für Texte und Fotos. Diese werden dann in der Regel akzeptiert. Für exklusive Stories kann man aber auch mehr raushandeln. Die Preise auf unserer Homepage zeigen einen guten Mittelwert des Gesamthonorars. Spiegel und Stern zahlen natürlich mehr, das Pinneberger Tageblatt eher weniger.

Was gibt es zu beachten? Müssen die Einlieferungen z.B. exklusiv sein?

Nein. Aber wir haben eine Löschfrist von 12 Monaten. Bei exklusiven Verkäufen durch die User können wir Themen natürlich schnell sperren. Was ich aber vermeiden will, sind kurzfristige Löschungen aller Themen. Viele Redaktionen haben lange Vorproduktionszeiten und es wäre tödlich für ein junges Portal, wenn bestellte Themen dann nicht geliefert werden können. Außerdem haben wir gerade jetzt in der Anfangszeit enorme Kosten, weil wir sehr Vieles bearbeiten, aber es natürlich noch nicht viele Bestellungen gibt. Ich starte mit dem Marketing auch erst im September.

Dürfen oder müssen die Bilder bearbeitet oder retuschiert sein?

Sie dürfen, müssen aber nicht.

Auf was sollten Fotografen bei der Zusammenstellung der Bildstrecke achten? Wie viele Bilder, was für Motive, etc.?

Vier bis 30 Fotos reichen erst einmal aus. Bei Bedarf rufen wir an und stellen ein größeres Paket zusammen. Für viele Printmedien reicht eine Bildstrecke von 20-30 Themen völlig aus. Nur sehr große Magazine wollen mehr Auswahl haben.

Müssen die Texte vorher fertig geschrieben werden?

Nein, es ist üblich, dass wir Themen „anfeaturen“. Das heißt, wir bilden im Internet zwei bis drei Absätze ab. Gibt es ein Interesse, muss es aber schnell gehen. Toll wäre es daher, wenn wir alle Informationen vorliegen haben. Wir können dann bei Bedarf schnell reagieren und den Text vollenden. Möglich ist es auch, einen kompletten Text nicht vollständig im Internet abzubilden, dies erschwert das Abschreiben.

Wenn die Text nachträglich geschrieben werden, in welchem Zeitraum muss man den abliefern?

Wir brauchen Fotos und Infos immer zeitgleich, d.h. wir können keine Fotos ohne Infos einspielen. Einen Text zu vollenden ist möglich, sobald es einen konkreten Auftrag gibt. Dann sollte es aber innerhalb von 2-3 Tagen geschehen.

Im Journalismus gibt es ja die Sorgfaltspflicht. Wie wird sichergestellt, dass die Informationen der Autoren korrekt sind?

Derzeit lese ich alle Texte gegen. Was ich überprüfen kann, überprüfe ich. Es gibt natürlich Grenzen. Ich kann beispielsweise keine Aussagen aus Interviews überprüfen. Hier muss ich den Autoren vertrauen, sie haften ja auch für Ihre Texte.

Wie wird das Angebot angenommen? Gibt es schon Verlage, die regelmäßig einkaufen?

Ja, Ich habe einige Stammkunden. Aber in erster Linie werden wir über einen großen, kostspieligen Medienverteiler regelmäßig Angebote verschicken. Auch per Post. Das ist teuer, bringt aber in der Regel immer auch Bestellungen.

Der Medienmarkt ist derzeit schwach, aber gerade deshalb könnte es ein Interesse an kompletten Artikeln oder gar externen Redaktionsauslagerungen geben. Dies spart Zeit und reduziert die Kosten. Reportagen.de rechnet sich also auch für die Verlage.

Welche Art von Reportagen ist am gefragtesten?

Wir können keine kurzfristigen Themen verwenden. Also eher alles Zeitlose: Gesundheit, Tiere, Natur, Reisen, Food, Ausbildung, Bauanleitungen, Hobby, Sport usw. Aber auch Interviews sind beispielsweise langfristig verwendbar, da sie interessante Zeitdokument sind.

Vielen Dank für das Interview.

Gerne.

Stockfotografie-Interview mit Kirstin P. (Teilzeit-Model)

Ab und zu interviewe ich Personen aus der Stockfotografie-Branche. Nach Bildredakteuren, Agenturmitarbeitern und Stockfotografen soll jetzt auch mal ein Model an die Reihe kommen. Kirstin habe ich über die Model-Kartei kennengelernt, als ich nach passenden Leuten für mein Fitness-Shooting gesucht habe. Fangen wir an.

Hallo Kirstin, stell dich bitte mal kurz vor.
Hallo, mein Name ist Kirstin, ich bin 41 Jahre alt, komme aus dem Rhein-Main-Gebiet und als Beruf kann ich irgendwie mehrere angeben: als Hauptberuf Mama, dann Betriebswirtin, dann Hausfrau… und seit 3 Jahren Model. Meine Hobbys: meine Familie, Latein- und Standard-Turniertanz, Tauchen, Urlaub in fernen Ländern, Kochen und Lesen.

Die Mimiken von Kirstin (Foto: http://www.reinhard-berg.de )
Die Mimiken von Kirstin (Foto: www.reinhard-berg.de )

Wie bist Du darauf gekommen, Model werden zu wollen? Wie alt warst Du da?
Total untypisch habe ich erst im „zarten Alter“ von 38 Jahren angefangen zu modeln. Eine sehr gute Freundin von mir arbeitet als Visagistin und suchte im Auftrag eines Brautstudios Models für eine Modenschau auf einer Brautmesse. Sie kam auf mich, da wir zusammen Turnier tanzen und sie weiß, dass ich geradeaus im Takt laufen kann. So kam ich zu meinem ersten Job! Und das Feedback nach der Modenschau war so positiv, dass ich mich mal neugierig in die Richtung informiert habe… dass das draus werden kann, was heute ist, hätte ich damals nie gedacht!

Wie war Dein Anfang? Was hast Du getan, um bekannter zu werden und Aufträge zu bekommen?
Ich habe mich auf einer kostenfreien Modelplattform im Internet angemeldet (damals Model.de – die gibt’s heute in der Form leider nicht mehr!) und im Umkreis Fotografen gesucht, über die ich an Bildmaterial kam. Über diese Plattform kam ich auch an meine ersten richtigen Aufträge, da dort z.B. eine Agentur Best-Ager-Modelle für Promotions für einen Damenausstatter gesucht hat. Dann habe ich mich bei der „Model-Kartei“ angemeldet, im Laufe der letzten Jahre passendes Bildmaterial zu meinem Portfolio erarbeitet – und seitdem geht es langsam, aber doch stetig, bergauf.
Apropos passendes Bildmaterial gleich ein Tipp für alle Newcomer: da vielleicht doch mal einen richtigen Profi fragen, ob das Bildmaterial zum Typ passt. Ich habe am Anfang z.B. alle möglichen Katalog-Szenen nachgestellt und künstlerische Beauty-Bilder mit  „Bling Bling“ im Gesicht – wunderschön anzuschauen, für mich als Model aber nicht zu gebrauchen, da sie an meinem Markt komplett vorbeigingen!!! Erst als ich Bilder als Mama, beim Kochen, im Büro gemacht habe, zeigten die Agenturen Interesse.
Mein großer Dank geht daher an das Model Sonja Barisic, bei der ich vor 3 Jahren just for  fun ein Laufstegtraining  absolviert habe – ohne ihren Rat würden wir Beiden heute das Interview nicht führen! Sonja führt mittlerweile erfolgreich ihre eigene Agentur und ich freue mich, auch bei ihr unter Vertrag zu sein.

Kirstin mit Pferd (Foto: www.ajorns.com)
Kirstin mit Pferd (Foto: www.ajorns.com)

Was ist Dein Ziel als Model? Was willst Du erreichen oder auf welches Level strebst Du?
Da ich Familie habe und arbeite, bin ich zeitlich und örtlich gebunden und muß auch mal einen Job ablehnen, wenn’s z.B. vom Büro aus nicht klappt. Daher freue ich mich über jeden Auftrag, egal wie groß das Budget ist. Referenzen bzw. zufriedene Kunden sind mir sehr wertvoll und oft kam nach einem kleinen Auftrag ein größerer nach oder ich wurde weiterempfohlen…  Klar träume ich wie jedes Model, das Gesicht einer großen oder sogar weltweiten Kampagne zu werden – ob sich der Traum erfüllt, ich halte Dich gerne auf dem Laufenden!

Wie viel Zeit und Aufwand investierst Du in Dein „Model-Sein“?
Schwer zu sagen – pro Tag ca. 1/2 bis 1 Stunde, verteilt auf den ganzen Tag… zum Checken der Mails und Nachsehen, ob interessante Jobs angeboten werden. Um Kontakt zu „meinen“ Fotografen und zu befreundeten Models zu halten – ein gutes Netzwerk ist das A und O in diesem Job! Alle 2 Monate versuche ich, ein TfP-Shooting zu organisieren, um mein Modelbook voranzubringen. Und natürlich neue Bilder zu bekommen, die ich an meine Agenturen weitergeben kann – um mich da wieder ins Gespräch zu bringen. Sport und gesunde Ernährung mache ich nicht nur wegen des Modelns, daher zähle ich das hier mal nicht zu.

Du gehörst mit über 40 Jahren nicht mehr zu den jungen Mädchen, die vom Model-Sein träumen. Hat das mehr Vorteile oder Nachteile und wenn ja, welche?
Definitiv Vorteile, denn es gibt einfach nicht so viele 41-Jährige auf dem Markt! Nachteil ist, dass man von einer Agentur leider nicht mehr aufgebaut wird, sondern das komplette Bildmaterial selber mitbringen muss.

Kirstin beim Fitnessshooting mit Robert Kneschke
Kirstin beim Fitnessshooting mit Robert Kneschke

Was für Tipps würdest Du einem jungen 16jährigen Mädchen geben, was unbedingt Model werden will?
Ich glaube, dazu kann ich wenig sagen, da ich ja erst so spät angefangen habe. Mein allergrößter Tipp ist: zahle NIE bei Agenturen für die Aufnahme in die Kartei, egal welchen Betrag. Eine gute Agentur baut ihre Models auf, organisiert die Sedcard-Shootings und vermittelt Dich danach, um diese Kosten wieder reinzuholen. Finger weg von Agenturen, die sofort mit Aufträgen locken und anscheinend nur auf DICH gewartet haben. Unbedingt das Kleingedruckte lesen, gerade wenn man im Internet sucht. Leider gibt’s da viele schwarze Schafe…

Gibt es Richtlinien bezüglich der Frisur, des Äußeren oder der eigenen Kleidung, die Du Neueinsteigern ans Herz legen würdest?
Die klassischen Modelmasse bezüglich Größe und Konfektion sollten erfüllt werden. Keine Piercings im Gesicht, keine Tattoos, natürliche Fingernägel. Gepflegte dezente Kleidung. Und High Heels sollten definitiv kein Feind sein.

Du hast viele unbezahlte (TfP-) Shootings, sowie bezahlte Shootings hinter Dir. Wo liegen da aus Deiner Sicht die Unterschiede?
Bei TfP kann ich mitbestimmen, wie ich das Ergebnis haben möchte. Sei es die Visa, die mich so stylt, wie ich mich schön finde bis hin zu der Kleidung und den Szenen, die geshootet werden. Und der Endbearbeitung der Bilder (mach da doch bitte die Falte noch ein bisschen kleiner :-). Das geschieht in Absprache mit dem Fotografen, der Visa und mir, so daß alle am Ende happy sind mit dem Ergebnis.
Bei Pay bin ich mehr oder weniger „nur“ die Marionette des Kunden – ich muß so aussehen, wie er es will. Ich muß zuhören, wie er das fertige Bild haben will und dementsprechend agieren. Und ich muß damit einverstanden sein, wie das fertige Bild dann noch bearbeitet wird. Das ganze in der schnellstmöglichen Zeit. Wenn dann mal was schiefgeht, steigt der Stresspegel mehr als bei einem TfP-Shooting!

Kirstin in einer Werbung für MonteMare
Kirstin in einer Werbung für MonteMare

Was waren das für bezahlte Jobs? Worin unterscheiden sich Stockfotos für Dich von anderen Aufträgen?
Meine Auftraggeber sind bisher z.B. das Monte Mare, verschiedene Hotels, Versicherungen, eine Helikopterflugschule und letzte Woche habe ich meinen ersten kleinen Werbeclip gedreht, der bald im Internet laufen wird.
Stockfotos sind für mich eigentlich nicht anders als „normale“ Pay-Shootings, da ich als Model ja eher im Lifestyle-Bereich arbeite und nicht Kleidung für Kataloge oder auf dem Laufsteg präsentiere.

Wie präsentierst Du Dich, um einen Pay-Job zu bekommen? Bei Du bei einer Agentur oder wirst Du aktiv?
Beides – ich bin sowohl bei verschiedenen Agenturen in Frankfurt, Wiesbaden, Mannheim und Köln gelistet als auch selber im Internet unterwegs. Aktuell prüfe ich die Möglichkeit einer eigenen Homepage und stocke regelmäßig mein Bildmaterial auf. Ohne eigenes Engagement geht aber gar nichts!

Hand aufs Herz: Wie viel verdienst Du ca. bei einem Pay-Job?
Zwischen 50 Euro Warengutschein und 1.000 Euro aufs Konto war schon alles dabei. Davon gehen dann aber noch meine Kosten und vor allem die Steuern ab…. Und wann der nächste Pay-Job kommt, das weiß man leider nie… kann in der nächsten Woche sein oder erst im nächsten Monat….

Kirstin ungeschminkt - Ihr Portrait-Pola
Kirstin ungeschminkt - Ihr Portrait-Pola

Wie bereitest Du Dich auf ein Shooting vor? Unterscheidet sich das bei TfP und Pay? Was musst Du dafür von einem Fotografen vorher wissen?
Also die Vorbereitung eines TfP-Shootings ist für mich definitiv aufwändiger, weil ich mir da natürlich Gedanken machen muss, WAS ich eigentlich als Endergebnis haben möchte. Und dann dementsprechend Kleidung besorge, die Location, die Visa – und natürlich den passenden Fotografen.
Bei Pay telefoniere ich meist nur kurz mit dem Kunden / Fotografen, wann ich wo sein soll, was für Farben er bei der Kleidung wünscht und ob eine Visa vor Ort ist oder ich geschminkt erscheinen soll bzw. bekomme die ganzen Infos von der Agentur. Das war’s dann auch schon…

Bei Stockfotos weiß man nie vorher, wo ein Foto auftauchen wird? Was hast Du da schon erlebt? Wie ist das Gefühl dabei?
Definitiv stolz – neulich hatte ich z.B. die Werbung unseres örtlichen Fitness-Studios im Briefkasten, auf der ein Bild aus unserem Fitness-Shooting war – zwar nicht von mir, sondern von Model Niki, aber ich hab mich gefreut wie Bolle! Und auf zwei ganzseitige Prints in einer Frauenzeitschrift von meiner kleinen Tochter und mir ist meine Maus noch stolzer als ich!

Wie reagieren Deine Freunde, Kollegen und Verwandtschaft, wenn sie Dich irgendwo unerwartet sehen?
Überrascht und begeistert – manchmal auch verwirrt, weil sie mich nicht gleich erkennen… neidisch war bisher keine(r), alle freuen sich mit mir und sind interessiert, was es Neues gibt.

Shooting für eine Goldschmiedin (Fotograf: Andi Schumi)
Shooting für eine Goldschmiedin (Fotograf: Andi Schumi / http://andi.model-kartei.de)

Welche Fotos machen Dir als Model am meisten Spaß?
Die, bei denen ich mich nicht verstellen muss, sondern wo ich einfach ICH sein kann, z.B. als Mama… Und natürlich Shootings mit anderen Modellen zusammen, da ich da immer viel mitnehme an Infos – und nebenbei noch mein Netzwerk ausbaue.

Von vielen Amateur-Fotografen, die das erste Mal ein Model fotografieren wollen, höre ich oft, dass sie nicht wissen, wie sie es finden, ansprechen oder anleiten sollen. Kurz: Sie trauen sich nicht. Was rätst Du denen?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Vielleicht erstmal Bekannte fragen, mit denen man sich versteht und die mit einem geduldig sind. Sind die Bilder so, dass man damit zufrieden ist, im Internet nach entsprechenden (kostenfreien!) Plattformen suchen und schauen, wer an Models aus der Gegend kommt. Und dann einfach nett fragen, am besten mit einer konkreten Idee, was man shooten möchte. Wenn ein Model absagt, einfach dranbleiben und das nächste Model fragen. Und ganz wichtig: das ganze nicht zu ernst sehen und Spaß beim Shooten haben! Jeder hat mal angefangen, auch ein Starfotograf oder Topmodel!!!

Im Internet und auch in meinem Blog sind Anleitungen für Model-Posen sehr beliebt. Was hältst Du davon?
Grundanleitungen sind o.k. – wobei man Körperspannung und wie man wo was drehen muss, dass man gut dasteht, eher schwer beschreiben kann. Ich lerne am meisten aus den Shootings mit anderen Models – da kann man sich viel abschauen. Beim Posen für Kleidung die Augen auf, was die Models in den Katalogen so machen, wie sie die Hände halten, die Accessoires präsentieren, stehen… und dann selber vor dem Spiegel üben üben üben… evtl. mit einer Freundin dabei, die die Versuche fotografiert. Ganz wichtig ist auch die Mimik im Gesicht – zwanzig Posen mit dem gleichen Gesichtsausdruck sind eher „suboptimal“…

Nochmal Kirstin bei meinem Fitness-Shooting
Nochmal Kirstin bei meinem Fitness-Shooting

Was macht für Dich einen guten Fotografen aus? Wie sollte er mit Dir umgehen?
Respektvoll, freundlich, ehrlich. Kein „wow super Pose“ und er denkt sich „oh weh“.  Gute Fotografen sehen das ganze Bild, also nicht nur das Technische (Beleuchtung stimmt, Schärfe), sondern ob der Hintergrund passt, die Kleidung gut sitzt, die Haare liegen – einfach alles!

Was war das lustigste Erlebnis mit einem Fotografen?
Kann mich nicht entscheiden – einmal wollte eine „gebuchte“ Katze nicht so, wie der Fotograf und hat sich mehr unter die Studio-Couch verkrümelt, als sich shooten zu lassen. Irgendwann saß sie dann in der Requisite und da haben wir sie nicht mehr rausbekommen… oder das Shooting für eine Helikopterflugschule, wo wir in wilden Kurven über den Flugplatz heizten, bis wir eine Ermahnung des Towers bekamen… auch nicht schlecht war ein Shooting mit einem Pferd, das mitten im Shooting neben mir eingeschlafen ist!

Was war das ärgerlichste Erlebnis mit einem Fotografen?
… dass wir soooo viele geniale Bilder geschossen hatten, dass seine Speicherkarten komplett voll waren und wir deshalb das Shooting beenden mussten 🙂 !

Vielen Dank für das Interview.


Was würdet ihr ein Model gerne fragen? Vielleicht gibt es eine Antwort in den Kommentaren.