Kategorie-Archiv: Bildbearbeitung

Verbessserungen in Adobe Photoshop CC (2014) und Lightroom CC

Seit ca. drei Jahren nutze ich jetzt schon die Adobe Creative Cloud, vor allem Photoshop und Bridge, aber auch Illustrator und Premiere.

Seit dem Wegfall der Box-Version mit der jeweils aktuellsten Version auf DVD, gibt es diese Programme nur noch im Abonnement bei der „Creative Cloud“.

Adobe begründete das unter anderem damit, dass neue Features und Bug-Fixes schneller und öfter veröffentlicht werden können. Das funktioniert fast so gut, dass ich es kaum mitbekomme. Fast ein Jahr habe ich deswegen noch mit „Adobe Photoshop CC“ gearbeitet, obwohl mir längst ein mögliches Update zu „Adobe Photoshop CC (2014)“ vorgeschlagen wurde. Vor zwei Monaten habe ich diesen Schritt endlich gewagt und er hat sich gelohnt.

Wie problemlos lief der Umstieg von „Photoshop CC“ auf „Photoshop CC (2014)“?

Einer der Gründe für meinen zögerlichen Umstieg waren die Erfahrungen der Vergangenheit, dass das Einrichten von neuer Software viel Arbeitszeit in Anspruch nimmt, die mit „richtiger“ Arbeit lukrativer angelegt wäre, vor allem bei Programmen, die ich viel selbst konfiguriere und an meine Bedürfnisse anpasse. Dazu gehören zum Beispiel Tastaturkürzel, die Ansicht der Menüs und speziell bei Photoshop auch meine ganzen erstellten Pinsel, Grafikstile, Aktionen und so weiter.

Das meiste wurde vom Installationsprogramm automatisch erkannt und übernommen.
Was ich noch machen musste: Alle selbst hinzugefügten Plugins (Portraiture, Noise Ninja, etc.) manuell vom alten Plugin-Ordner in den neuen Ordner verschieben und die Dateitypzuordnung bei Adobe Bridge anpassen, damit meine PSD- und RAW-Dateien auch mit der neuen „Photoshop CC (2014)“-Version geöffnet werden.

Was ist neu an „Photoshop CC (2014)“?

Ohne mich explizit mit den neuen Funktionen des Programms beschäftigt zu haben, sind mir in der täglichen Arbeit gleich viele kleine Verbesserungen aufgefallen, welche den Workflow deutlich verbessern oder beschleunigen. Zum Beispiel werden die 7 zuletzt benutzten Pinsel im Pinselfenster Photoshop-letzte-Pinselund die 16 zuletzt benutzten Farben im Farbfelder-Fenster separat oben angezeigt für einen schnelleren Zugriff:

Photoshop-letzte-Farben
Außerdem wurde die Aktionen-Verwaltung für die Batch-Bearbeitung von vielen Bildern komfortabler und übersichtlicher gestaltet. Für Stockfotografen, bei denen in der Regel viele Bilder bearbeitet oder geändert werden müssen, ein wahrer Segen.

Wer nicht nur Bilder retuschiert, sondern mit Photoshop auch erstellt oder Kompositionen bastelt, den wird das neue „Hilfslinienlayout“ freuen, mit dem sehr einfach benutzerdefinierte Raster erstellt werden können, an denen sich Objekte im Bild ausrichten lassen:

Photoshop-Hilfslinien-Layout

Die Verwendung von Schriften (Fonts) wurde ebenfalls vereinfacht. Endlich werden Schriften vor der Auswahl live im Layout angezeigt. Damit kann viel besser überprüft werden, welche Schrift am besten für die geplante Verwendung passt, ohne sich durch die Mini-Vorschau-Bildchen zu quälen.

Photoshop-Schriften-Live-Vorschau

Außerdem lassen sich über 1.000 Fontfamilien aus Adobe Typekit direkt im Schriftarten-Fenster (siehe das grüne Icon oben rechts) hinzufügen. Dafür gibt es sogar einen Filter (siehe das graue Icon oben links). Hier hätte ich mir jedoch mehr gewünscht: Am liebsten würde ich bestimmte Schriftarten als „Favoriten“ markieren und mir auf Knopfdruck nur diese Favoriten anzeigen lassen. Auch die Liste der zuletzt genutzten Fonts ist leider entfallen. Stattdessen können Fonts mit bestimmter Stärke, Größe und anderen Attributen definiert werden, die dann als „Werkzeugvorgabe“ für den späteren Zugriff gespeichert werden können. Generell wäre eine bessere Fontverwaltung hilfreich, zum Beispiel zum Zusammenfassen von identischen Schriftfamilien (siehe meine riesige Helvetica-Familie im Screenshot).

Für Fotografen sehr interessant ist die neue Funktion „Fokusbereich…“ (unter „Auswahl“), mit der eine Selektion basierend auf dem fokussierten Objekt vorgenommen wird. Das funktioniert erstaunlich gut und die Ergebnisse können noch mit dem „Kante verbessern“-Werkzeug feinjustiert werden. Die Auswahl im Beispielbild ist ein Klick:

Photoshop-Auswahl-nach-Fokusbereich

Zusätzlich wurden einige Bugs und Ungereimtheiten wie die Arbeit der „Weichen Kante“ sinnvoll verbessert: Da wird jetzt gefragt, ob die Auswahl am Bildrand ebenfalls weich sein soll oder nicht.

Einstellungen synchronisieren mit Adobe Photoshop CC 2014

Da Adobe seine Produkte immer mehr in die Cloud verlagert, beginnt die Firma immerhin, auch die Vorteile der Cloud in die Software einzubauen:
Ein Killer-Feature, was mit sicher Stunden an Arbeitszeit sparen wird, ist die neue Funktion „Einstellungen synchronisieren„. Hier können auf Knopfdruck alle persönlichen Einstellungen von Photoshop (Voreinstellungen, Arbeitsbereiche, Aktionen, Pinsel, Farbfelder, Stile, Verläufe, Formen, Muster, Konturen und Werkzeugvorgaben) in das eigene „Creative Cloud“-Konto hochgeladen werden und bei Bedarf wieder runtergeladen werden. Das spart enorm viel Zeit, wenn man Photoshop an einem anderen Rechner nutzen will oder seinen Computer neu installiert hat.

Leider funktioniert die Funktion bei mir noch nicht 100%, weil meine ca. 450 MB große Pinsel-Bibliothek die Cloud kapitulieren lässt. Nach einigen Wochen Support-Ping-Pong mit dem Kundendienst von Adobe haben wir immerhin einen manuellen Workaround gefunden: Auf der System-Festplatte im Ordner

„C: / Users / […] / AppData / Roaming / Adobe / Adobe Photoshop CC 2014 / Adobe Photoshop CC 2014 Settings“

finden sich alle Einstellungen, welche in die Cloud kopiert werden. Wird dieser Ordner gespeichert und auf einem anderen Computer oder einer Neuinstallation nach der Installation von Photoshop CC 2014 wieder eingefügt, sind auch alle Einstellungen wieder wie gewohnt in Photoshop vorhanden.

Die Fonts (wenn keine Typekit-Fonts verwendet werden) müssen übrigens weiterhin per Hand synchronisiert werden, weil diese über das Betriebssystem verwaltet werden. Auch die Plugins werden nicht synchronisiert, der Ordner

„C: / Program Files / Adobe / Adobe Photoshop CC (64 Bit)Plug-ins“

muss also weiterhin manuell gesichert und wieder eingefügt werden, wenn man nicht jedes Plugin neu per Hand installieren will.

Wer übrigens seine Farben, Textstile, Bilder etc. über verschiedene Rechner und Adobe-Programme synchronisieren will oder diese sogar mit anderen Kollegen teilen möchte, kann die neuen „Creative Cloud Libraries“ nutzen.

Es gibt sicher noch viele andere Neuerungen bei Photoshop, die ich entweder nicht entdeckt habe oder nicht benötige. Hier deshalb die offzielle Übersicht von Adobe.

Was ist neu in Lightroom CC?

Vor wenigen Wochen erst wurde Lightroom CC vorgestellt. Die wichtigsten Neuerungen dort sind die automatische Gesichtserkennung, das automatische Zusammenfügen von HDRs oder Panoramafotos auch von RAW-Bildern direkt in Lightroom, das nachträgliche Verändern des Radial- und Verlaufsfilter-Bereichs mittels Pinsel sowie etliche andere kleinere Änderungen und Verbesserungen.

Leider kann ich Lightroom CC immer noch nicht nutzen.
Ich bleibe bei dem – immerhin stabilen und robusten – Adobe Bridge zur Bilderverwaltung und Verschlagwortung, bis Lightroom es endlich schafft, Suchbegriffe in den Metadaten nicht automatisch alphabetisch zu sortieren. Ich bin nicht der einzige, den das stört. Da die Sortierung der Suchbegriffe bei der Bildagentur Fotolia wichtig ist für die Verkäuflichkeit der Bilder und Fotolia erst kürzlich von Adobe aufgekauft wurde, habe ich noch Hoffnung, dass dort jemand den Widerspruch erkennt und auflösen kann.

Was sagt ihr?
Welche neuen kleinen oder großen Funktionen sind bei eurer Photoshop-Arbeit am hilfreichsten?

Beschleunigung für die Foto-Entwicklung durch PFixer.Lr (Gastartikel)

Heute gibt als Gastartikel für die Technikfreunde und Lightroom-Fans unter euch eine Rezension von Daniel Täger.

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Software in den Händen

Als der Computer Anfang der neunziger Jahre Einzug in die Musikstudios erhielt, wurde die Bedienung von Bandmaschinen, Effekten und Soundprozessoren weitestgehend auf die Maus und auf einen viel zu kleinen, schlecht aufgelösten Bildschirm reduziert. Zu Beginn nur als „Fernbedienung“ und MIDI-Sequenzer eingesetzt, übernahm der Computer mehr und mehr Aufgaben von großen und teuren Geräten im Regieraum. Doch selbst als einige Jahre später hochwertige und ernsthaft einzusetzende Plug-Ins und Algorithmen mit Analogsimulationen von Effekten und Soundprozessoren erschienen, war die Bedienung oft nicht intuitiv, da man „einhändig“ zum einen nicht so schnell, zum anderen nur eingeschränkt wie gewohnt arbeiten konnte. Viele Eingriffe und Trial&Error-Operationen erfordern nun mal den Einsatz von zwei oder sogar mehr Parametern gleichzeitig.

Im Audiobereich mit LogicPro (vor dem Kauf von Apple: Emagic Logic) stellte die Firma Emagic auf der Musikmesse in Frankfurt 2001, revolutionär die LogicControl/MackieControl als eine der ersten bezahlbaren Hardwarecontroller für digitale Audio-Workstations (DAW) vor. Plötzlich war es wieder möglich, mehrere Parameter gleichzeitig zu bedienen und mit Motorfadern die Software in den Händen zu „fühlen“.

In der Fotografie lief es – zwar einige Jahre später – doch ganz ähnlich ab. Wer mit der Zeit ging, ersetzte seine Dunkelkammer durch den Computer und hatte schließlich eine Maus in der Hand.

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Zugegeben, ich mochte das Handling der klassischen Maus noch nie und war aus diesem Grund schon immer auf der Suche nach der besten Alternative dazu. Wenn Wacom sein Intuos4L* schon 10 Jahre früher auf den Markt gebracht hätte, wäre ich an Trackballs, Touchpads, etc. vorbei gekommen.

In dem Stift-Tablet habe ich die beste Lösung gefunden, um den kleinen schwarzen Zeiger über den Bildschirm zu fahren. Und das ausnahmslos in jeder Anwendung: Ich besitze seit mehreren Jahren keine Maus mehr!

Schaut man sich in der professionellen Broadcast- und Film-Postproduktion um, findet man kaum einen Arbeitsplatz, an dem die Maus das Hauptwerkzeug ist.

Am vergleichbarsten mit der Fotografie ist aus diesem Bereich das Color-Grading (die Farbkorrektur). Sie ist sozusagen der Nachfolger des Kopierwerks, in dem nicht nur das Negativ-35mm-Material entwickelt wird, sondern auch der „look“ des Positivfilms generiert wird, ganz ähnlich der Dunkelkammer.

Eines der größten Gradingsysteme hat die Firma Blackmagic Design mit dem DaVinci Resolve* am Markt, mit dem digitales Film-RAW-Material „entwickelt“ wird. Aber fester Bestandteil der Software ist das Hardware-ControlSurface, mit dem die Software vollständig bedient werden kann (abgesehen von Beschriftungen etc.).

Mit diesen ganzen Hintergedanken war mein erster Versuch, um auch Lightroom etwas „griffiger“ zu machen, ein iPad* zu kaufen (tatsächlich war das einer Hauptgründe) und mit der App LRPad zu versehen. Damit hat man schon einen guten Zugriff auf viele Parameter von Lightroom.

Die intuitive Bedienung und der Geschwindigkeitszuwachs waren jedoch sehr begrenzt: Auch am iPad, welches in diesem Fall zu einem Touchpad mit Hintergrunddisplay wird, sucht man immer wieder mit den Augen nach der Position und Lage von Reglern und Knöpfen. Jedes Mal den Blick auf das Tablet abzulenken, um die Belichtung um 0,5 zu erhöhen, dauert am Ende sogar länger als mit der Maus auf dem gleichen Bildschirm.

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Die Lösung: PFixer.Lr

Als die zweite Speicherkarte voll war und ich wusste, dass ich aus diesem Urlaub nicht mit weniger als 1500 Fotos zurückkommen werde, habe ich mich noch vor Ort wieder auf eine Workflow-Optimierungs-Lösung-Suche begeben.

Und siehe da: PFixer.Lr kam auf den Plan!

Die recht neue Software (seit 2013 auf dem Markt) von der kleinen Softwareschmiede Pusher Labs aus Georgia (USA) konnte auf den ersten Blick alles, was ich gesucht habe: vollständige Kontrolle von Lightroom per Hardware-Controller.

Die Software für OSX (leider gibt es momentan keine Windows-Version) ist anfänglich dafür entwickelt worden, um eigene Keyboard-Shortcuts in Lightroom zu definieren. Das funktioniert auch sehr gut, wird nur durch die Anschaffung des Controllers fast überflüssig. Grundsätzlich kann die Software jeden MIDI-Control-Befehl in eine Lightroom-Aktion umsetzen, sprich jedes MIDI-fähige Keyboard, Touch-Controller oder Fader-Bank lässt sich in Lightroom einbinden.

Der Pusher Labs-eigene Controller basiert auf einem Behringer BCF-2000*, welcher mir aus dem Audiobereich als erster „low-budget“ Controller bekannt ist. Für den BCF-2000 gibt es in der Software als einzige Hardware ein vordefiniertes Setup. Pusher Labs vertreibt im eigenen Webstore die Software als stand-alone-Version (USD 99,99), den Behringer BCF-2000 mit angepasstem Layout (USD 299,99) und ein Bundle aus beidem (USD 369,99).

Im Store findet man jedoch recht schnell heraus, dass Pusher Labs nicht außerhalb der USA versendet. Für alle non-citizens gibt es die Möglichkeit, die Software per Seriennummer zu kaufen und sich das angepasste Overlay einzeln zu bestellen (USD 19,99). Mit einem vorhandenen BCF-2000, der Software und dem Overlay bekommen also auch alle anderen einen vollwertiges PFixer.Lr-Panel!

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Für diejenigen, die lieber mehr Rotary-Controller und keine Fader haben möchten, gibt es auch ein adaptiertes Behringer BCR-2000 mit 24 Drehreglern. Allerdings wird dafür kein einzeln bestellbares Overlay angeboten. Laut Hersteller wird beim BCR auch das BCF-Overlay benutzt – mit dem Unterschied, dass die drei Zeilen für die Fader-Beschriftung auseinander geschnitten und unter die Rotary-Encoder geklebt werden.

Da die Markteinführung des Behringer BCF-2000 in Deutschland schon einige Jahre her ist, bekommt man es mittlerweile für ca. 200 €.

Ich habe mich also für die DIY-Variante entschieden und die Software sowie das Overlay bestellt. Zurück aus dem Urlaub, war natürlich noch keine Post aus den USA da. Das hat inklusive Zollabfertigung (!) für einen A4-Pappbriefumschlag gute drei Wochen gedauert. Trotzdem war ich am nächsten Tag im örtlichen Musikfachgeschäft, habe einen Behringer BCF-2000 gekauft und mich ans Basteln gemacht – auf der Homepage von Pusher Labs gibt es ein JPG des Overlays – also Größe anpassen, Ausdrucken, Ausschneiden. Das sieht dann am Ende zwar nicht professionell aus, aber wenigstens konnte ich schon mal testen.

Mittlerweile ist mein echtes Overlay natürlich da. Wie ich befürchtet habe, bekommt man für die 20 Dollar einen geplotteten Aufkleber. Immerhin ist das recht ordentlich gemacht und auch das Aufkleben gestaltete sich mehr als einfach!

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Die Installation unter OSX 10.8 (OSX 10.7 bis 10.9 sind unterstützt!) lief auf meinem MacPro (MacPro 4,1, 8-core 2,66GHz, 12GB RAM, Radeon 7950 3GB) und MacBookPro (MBP 5,1, 2,66GHz Core-Duo, 8GB RAM) wie gewohnt problemlos.

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Funktionsbeschreibung / Erfahrungen

Die Software läuft als kleine Autostart-App und findet sich neben der OSX-Uhr am oberen rechten Bildschirmrand. Das GUI ist übersichtlich und einfach gestaltet, einzig die Neuzuweisung von (MIDI-)Parametern könnte man geschickter lösen.

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Nachdem man Lightroom geöffnet hat, merkt PFixer.Lr direkt, dass es etwas zu tun hat und initialisiert die Parameter (Bindings). Dieser Vorgang dauert ca. 10 Sekunden.

Jetzt kommt die erste und einzige „Stolperfalle“ des Systems: Befindet man sich im Bibliotheksmodus von Lightroom, passiert mit den Motorfadern des BCFs erst einmal nichts, die einzigen funktionstüchtigen Tasten sind „vorheriges Foto“ und „nächstes Foto“.

Schaltet man in den Entwicklungsmodus von Lightroom (nur dort kommunizieren Lightroom und Panel miteinander!), hört man zum ersten Mal die Motorfader des Controllers. Der synchronisiert sich ab dann mehrmals die Sekunde (in der Software einstellbar) und reagiert auf alles, was man vom Panel an Lightroom schickt und umgekehrt.

Die Latenz, also die Verzögerung von der Änderung eines Wertes auf der BCF bis zum Reagieren der Regler in Lightroom, ist sehr kurz (einige Millisekunden). Bis sich die Änderung dann auf das Bild auswirkt, kommt wie gewohnt auf Bildgröße, CPU und Grafikkarte an. In meinem Setup fühlt sich „Ursache-Wirkung“ jedoch sehr direkt an, auch wenn man zwei oder drei Parameter gleichzeitig bewegt (ca. 0,2 Sekunden).

Schaltet man zum nächsten Foto, aktualisiert sich das Panel umgehend und die Fader und Rotary-Controller springen auf die aktuelle Position. Dadurch, dass Behringer bei dem Preis des Controllers keine Penny+Giles oder ALPS Motorfader verbaut hat, ist dies jedoch mit einem ordentlichen Geräuschpegel zu hören. Ich habe manchmal auch den Eindruck, dass die Fader an das obere oder untere Ende „schlagen“, weil sie nicht so genau wissen, wo die Schiene endet. Bei gedrückter „Learn“-Taste während des Einschaltens des Panels kann man die Fader zwar kalibrieren, jedoch brachte das bei mir nur minimale Besserung.

Tragisch ist die Lautstärke beim Entwickeln von Fotos nicht, aber bei der Vorstellung, den Controller für seine eigentlichen Aufgaben in der Musikproduktion zu verwenden, würde mich der „Lärmpegel“ wahrscheinlich nerven.

Das 4-stellige LED-Display auf dem Panel ist leider unbrauchbar, da es zwar immer den zuletzt benutzten Fader oder Rotary in Zahlen ausdrückt, jedoch leider in der MIDI-Value-Norm von „0-127“. Sprich, wenn der Exposure-Fader in der Mitte steht, zeigt das Display einen Wert von „63“.

Das Panel ist in mehreren Ebenen aufgebaut, um möglichst viele Funktionen unterzubringen: Die 8 Rotary-Controller sind in 4 Ebenen, umschaltbar durch 4 Taster rechts, aufgeteilt: BASIC, HUE, SAT, LUM/B+W.

Für alle anderen Bedienelemente (8 Fader, 16 Tasten) gibt es ebenfalls 4 Modi, wobei 4 Taster zum Wechseln der Modi reserviert sind: BASIC, EDITING, CULLING, PRESETS.

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Beschriftet ist jeder Taster und Fader für BASIC in Weiß, EDITING in Gelb und CULLING hat ein kleines Symbol rechts neben dem Taster. Insgesamt kommt man damit dann auf über 200 Lightroom-Funktionen im direkten Zugriff.

Rotary-Controller BASIC-Mode:

  • Temperature
  • •Tint
  • •Vibrance
  • •Saturation
  • •Curves (Shadows, Darks, Lights, Highlights)

Wenn man die Rotary-Controller drückt, hat man die Tools WB, AWB und Autowhite im Direktzugriff. Über die anderen 5 Taster scrollt Lightroom direkt zu den Adjustments HUE, SAT, LUM, SATURATION, CURVES und B+W um eine optische Kontrolle zu bekommen.

Für die anderen 3 Modi (HUE, SAT, LUM/B+W) gibt es neben den Drehreglern Farbmarkierungen (Rot, Orange, Gelb, Grün, Cyan, Blau, Lila, Magenta). Im Standard-Mapping gibt es keinen Zugriff auf das HSL-Toning. Wenn man oft an den HSL-Farben herumschiebt, kann sich jedoch leicht über den „Mapping“-Reiter in der PFixer.Lr-Konfiguration z.B. den B+W-Mode entsprechend anpassen.

Die Anordnung und Übersichtlichkeit der Funktionsbelegung ist logisch und nach kurzer Zeit „blind“ zu bedienen.

Über die 8 Fader erreicht man im BASIC-Mode:

  • Exposure
  • Contrast
  • Blacks
  • Shadows
  • Highlights
  • Whites
  • Clarity
  • Post Vignette

Die Funktion des letzten Faders erschien mir im BASIC-Mode zunächst fehl am Platz, jedoch nutze ich ihn (nicht nur, weil er da ist) mittlerweile sogar sehr gerne zu bestimmten Gelegenheiten!

Über die Tasten bekommt man Zugriff auf folgende Funktionen:

  • ESC, ENTER
  • Copy Setting / Paste Setting
  • Crop-Tool
  • Reset Image
  • Lock Image
  • Swap Image
  • Match Exposure
  • Sync Setting
  • Select left / Select right

Die „Select-left/right“-Taster sind besonders in Kombination „Match-Exposure“ sehr praktisch.

Der EDITING-Mode benutzt alle Fader für das Feintuning der „Post-Vignette“ (Midpoint, Roughness, Feather, etc.) und bietet über die Taster u.a. Zugriff auf Tools und Funktionen wie SpotTool, GradientTool, AutoMask, VirtualCopy, Edit in PS, Blinkies, Before/After.

Für mich sind in diesem Modus „Blinkies“ (Über- und Unterbelichtungen) und „Before/After“ (der Vorher-Nachher-Vergleich) am wichtigsten.

Der CULLING-Modus belegt die Taster mit den Shortcuts Bewertung, Flags, Farben und Display-Einblendungen. Die Fader steuern die Parameter des Split-Tonings, also jeweils Hue/Sat für Highlights und Shadows und Balance. Die letzten 3 Fader sind mit Grain, Grain-Size, und Roughness belegt.

Im PRESET-Mode bekommt man über die Taster Zugriff auf 8 Developement-Presets und 4 Brush-Presets von Lightroom. Leider ist die Zuweisung über die PFixer-Software etwas umständlich. Es ist nicht möglich, innerhalb des Workflows ein neues Preset auf eine Taste zu legen. Man speichert wie gewohnt das Preset in Lightroom ab und muss es anschließend in der PFixer.Lr-Konfiguration einer Taste zuweisen. Und dann muss man raten, denn der vierte Modus hat keine Beschriftungen auf dem Panel!

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Presets, die man über die Taster aufrufen will, im Presets-Fenster sichtbar und aufgeklappt im Hauptfenster sein müssen. Ich habe mir meine 8 am häufigsten benutzten Presets in den User-Ordner mit einem Nummer-Präfix gelegt (01 – Preset, 02 – Preset, usw.)

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Die 4 ebenso frei belegbaren Brush-Presets befinden sich auf diesen Tasten:

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Unten rechts am Panel befinden sich MODE-übergreifend UNDO, previous Setting und vorheriges/nächstes Foto, wobei die letzten beiden wahrscheinlich die am stärksten frequentierten Tasten sind!

Über die Belegung der Taster und Fader lässt sich im Einzelfall zwar streiten, aber grundsätzlich liegt alles ziemlich logisch in den Händen. Ansonsten kann man sich immer noch jeden Parameter auf beliebige Taster oder Fader legen und muss dann selbst das Overlay neu beschriften. Bisher habe ich mir nur den „Before/After“-Knopf in den BASIC-Modus, also die oberste Ebene, gelegt.

Damit Initialisierung zwischen PFixer.Lr und Lightroom funktioniert, muss Lightroom zwingend auf Englisch umgestellt werden. Das war für mich erst störend, da man sich ja schon an einige deutsche Vokabeln (damals auch fremd) gewöhnt hat, aber nach sehr kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt – zumal ich beim Entwickeln nur noch selten auf die Paramater als viel mehr auf das Bild selbst schaue.

Sollte mal eine Funktion nicht korrekt arbeiten, oder man schaltet das Panel erst nach dem Öffnen vom Lightroom ein, kann man die Initialisierung über das PFixer.Lr-Menü „Reinitialize Bindings“ wiederholen.

Seit Version 1.2.2 unterstützt PFixer.Lr auch Trackpad-Gesten. Bei gedrückter fn-Taste wird das Trackpad zu 8 (2 Reihen mit jeweils 4) virtuellen Fadern, die mit 2 Fingern bedient werden. Mit nur einem Finger bietet das Trackpad 16 virtuelle Knöpfe (4 Reihen mit jeweils 4). Getestet habe ich die Gestenunterstützung noch nicht, stelle mir das aber ziemlich unübersichtlich und eng vor – es sei denn, man bemalt sein Trackpad mit dem Filzstift!

Hat man weiteres MIDI-Equipment am Rechner angeschlossen (z.B. MackieControl, Keyboard, etc.), kommen gelegentlich falsche Informationen in Lightroom an. Ich schalte weitere Geräte bei der Benutzung von Lightroom einfach aus. Genauso sollte man anders herum auch PFixer.Lr deaktivieren (geht mit einem Mausklick), wenn man mit der MackieControl* in Logic arbeitet, da PFixer.Lr auch dort Fehlfunktionen verursacht.

Auf der Suche nach einer Bedienungsanleitung wird man von Pusher Labs zwar auf deren Online-FAQ verwiesen, dann jedoch allein gelassen. Viel mehr als ein paar Tipps und Troubleshootings findet man dort nicht. Natürlich ist die Software und die Bedienung des Panels weitestgehend selbsterklärend, aber um die Funktionsweise u.a. der Preset-Verwaltung zu verstehen, musste ich schon einige Zeit suchen und herumprobieren.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile überwiegen auf jeden Fall, wenn man sich mal anschaut, was einem PFixer.Lr an Zeitersparnis und intuitiver Bedienung bringt. Einige Mankos gibt es aber schon:

Plus:

  • 15-tägige Testversion
  • Zeitersparnis
  • frei zu konfigurieren
  • über 200 Lightroom-Funktionen im Direktzugriff

Minus:

  • Hoher Preis von 100 Dollar für Software, lohnt sich aber
  • laute Motorfader des BCF-2000
  • Lightroom muss auf Englisch betrieben werden
  • keine echte Bedienungsanleitung
  • bisher nur Unterstützung von Lightroom

Alternativen

Pusher Labs PFixer.Lr ist leider nur für den Mac verfügbar und Ankündigungen für eine künftige Windows-Adaption gibt es leider nicht.

Die Donationware (50 Tage kostenfrei) Paddy for Lightroom ist die bislang einzige (vergleichbare) Alternative für das Windows-System. Grundsätzlich können mit Paddy auch eigene Tastaturkürzel und MIDI-Mappings für den Behringer BCF-2000 (und andere Hardware-Controller) erstellt werden, jedoch fehlt eine Möglichkeit, den BCF in mehreren Modi zu programmieren. Laut Website sind Lightroom-Versionen bis 4.x unterstützt.

Knobroom ist eine weitere Lösung für den Mac, bei der die Entwicklung jedoch im Herbst 2012 bei Version 0.2 stehen geblieben ist. In diesem Stadium des Plug-Ins ist es auch nur möglich, einzelne MIDI-Controller-Daten einem Parameter in Lightroom zuzuweisen.

motibodo vertreibt mit dem motibodoBoard (395 USD) und dem motibodoSkin (325 USD) eine tastaturbasierte Lösung. Das komplette Keyboard oder das Silikon-Skin für die bestehende Tastatur mit entsprechender Software für Lightroom bieten vordefinierte Tastaturkürzel für die wichtigsten Funktionen an. Jedoch ist der Preis in meinen Augen in keiner Weise gerechtfertigt.

Fazit

Wie eingangs schon erwähnt, kam ich aus dem Urlaub mit knapp 1500 Bildern zurück, welche auch gleich als Teststrecke für PFixer.Lr und das Behringer-Panel herhalten mussten. In Rekordzeit waren die Bilder entwickelt und das oft auf eine ganz andere Weise, als ich es gewohnt war. Wenn man erst einmal die Möglichkeit hat, an Belichtung, Highlights und Curves gleichzeitig zu schrauben und die Wechselwirkung sieht, löst man einige Belichtungsaufgaben auf anderem Wege als sonst. Auch mag ich es sehr, die Parameter von Hue und Sat im direkten Zugriff zu haben und schnell eine selektive Farbkorrektur zu machen.

Sicherlich gibt es an dem System Verbesserungspunkte, aber für knapp 280 € (Software, Overlay, BCF-2000) hat man ein ordentliches Hardware-Control-System für Lightroom.

Mittlerweile steht auch ein Behringer BCR-2000 auf meinem Schreibtisch. Dafür habe ich ein eigenes Overlay gebastelt und habe direkten Zugriff auf SAT, LUM und HUE ohne zwischen den Modi zu wechseln.

Wünschenswert wäre es, wenn in Folgeversionen von PFixer.Lr noch die Unterstützung für weitere Programme (Photoshop, CaptureOne Pro und ACR) eingebaut würde.

…und mein iPad hat mittlerweile seine Berechtigung für andere Aufgaben.

* Affiliate

Rezension: Portraiture (Retusche-Plugin für Photoshop, Lightroom und Aperture)

Bei der Bildbearbeitung für die Stockfotografie geht es vor allem um Schnelligkeit. Während Leute wie Calvin Hollywood oder DOCMA-Abonnenten gerne 3-4 Stunden an einem Bild sitzen und stolz darauf sind*, ist das keine Option bei den niedrigen Preisen, die im Microstock-Bereich erzielt werden.

Deshalb wurde ich schnell hellhörig, als ich in einer Facebook-Gruppe für Stockfotografen von einem Retusche-Plugin für Photoshop gelesen habe. Das nennt sich Portraiture von der Firma Imagenomic und ist als Plugin für Lightroom, Photoshop oder Aperture erhältlich.

Wenn wir uns die möglichen Einstellungen anschauen, sehen wir viele Regler:


Im Vorschau-Fenster in der Mitte sind mit einem Rechtsklick noch mehr Auswahlmöglichkeiten vorhanden, zum Beispiel ob man im Split-Screen lieber das vorläufige Ergebnis sehen will oder lieber die aktuell selektierten Hauttöne. Die automatische Hauterkennung funktioniert zuverlässig und wer will, kann in den beiden Farbfeldern links leicht den Farbraum etwas verschieben, der dann wahlweise auch für die gesamte Fotoserie beibehalten wird.

Oben links gibt es einige Presets zur Auswahl, die mir aus zwei Gründen vollkommen ausreichen: Die Presets heißen Default, Normal, Medium und High und sind im Grunde ähnlich mit immer stärker ansteigender Hautglättung. Dazu kommen zusätzliche Einstellungen fütr Glamour, Lowkey und Highkey, die mir aber nicht zusagen. Wer will, kann gerne an allen Reglern drehen und eigene Presets abspeichern, aber da es mir bei der Bildbearbeitung vor allem um Schnelligkeit geht, reicht mir meist das Default- oder Normal-Preset. Hier ein Vergleich der Presets (Normal habe ich weggelassen):

Sehr komfortabel finde ich auch, dass die Möglichkeit besteht, die Ergebnisse als neue Ebene, wahlweise mit oder ohne Transparenzmaske abzuspeichern. Ich wähle immer „neue Ebene mit Transparenzmaske“, denn so kann ich durch eine Änderung der Ebenentransparenz in Photoshop in Sekundenbruchteilen die Stärke des Filters nachträglich reduzieren.

Portraiture ist nicht das einzige Werkzeug, welches eine bequeme Hautretusche verspricht. Vom System her gut finde ich beispielsweise auch Portrait Professional, was aber drei gewichtige Nachteile hat. Vor der Nutzung müssen die Koordinaten von Mundwinkeln, Augen, Nase etc. angegeben werden, weil das Programm auch die Kopfform nach gängigen Schönheitsidealen verändern kann. Das geht zwar sehr intuitiv, dauert aber trotzdem ca. eine Minute. Außerdem ist das Programm nicht als Plugin erhältlich, was den Workflow umständlicher macht und – sehr nervend – die Testversion stürzte bei mir gelegentlich ab.

Genau diese drei Punkte sind im Umkehrschluss die Dinge, die mich bei Portraiture überzeugt haben.

Es geht superschnell, also im besten Falle bin ich mit drei Klicks (Filter/Portraiture/OK) fertig, da die automatische Hauterkennung und das Default-Preset gute Dienste leisten. Das Ergebnis kann ich notfalls nachträglich ebenso schnell durch eine Veränderung der Ebenentransparenz reduzieren und das Programm läuft stabil. Genau das Richtige für Stockfotografen, die schnell viele Bilder einer Serie mit Models retuschieren müssen.

Kleine Einschränkungen

Es gibt zwei kleine Einschränkungen von Portraiture, die man kennen sollte, die aber wenig an der Nützlichkeit des Programms ändern. Erstens hat das Tool keine „Gesichtserkennung“, sondern die Hauterkennung funktioniert über einen Farbbereich. Das bedeutet, dass Motivteile im Bild wie Wände oder Kleidung, die ähnliche Farbbereiche wie die Haut aufweisen, ebenfalls von Portraiture bearbeitet werden. Hier kommt wieder der Vorteil der neuen Ebene mit Transparenzmaske zum Tragen, denn mit dem Radiergummi-Werkzeug kann ich schnell Bildbereiche entfernen. Bei unscharfen Dingen im Hintergrund habe ich jedoch den Eindruck, dass Portraiture durch die Weichzeichnung wie eine Art Rauschreduzierung wirkt, weshalb ich den Effekt manchmal sogar ganz hilfreich finde.

Die zweite Einschränkung ist, dass Portraiture keine großen Pickel, Muttermale, Leberflecke oder ins Gesicht hängende Haare entfernt, wie man im zweiten Beispielbild gut sehen kann. Deshalb entferne ich diese „groben Makel“ vor der Anwendung von Portraiture.

Unterm Strich

Portraiture ist auch trotz des happigen Preises von ca. 200 Dollar eine gute Empfehlung für Stockfotografen. Auch wer Auftragsportraits, Hochzeiten oder Akt fotografiert, wird das Plugin zu schätzen lernen, da es im Gegensatz zu einigen anderen Hautglättungswerkzeugen sehr schnell und leicht ein trotzdem realistisches Ergebnis liefert.

Wie retuschiert ihr die Haut bei Stockfotos und welche Hilfsmittel nehmt ihr dafür?

(* Die Ergebnisse sehen dann oft auch sehr beeindruckend aus, aber für Stock dauert es eben zu lange.)

Zeit sparen bei Bildauswahl durch Cachegenerierung mit Adobe Bridge

Jeder Fotograf kennt das: Nach einem erfolgreichen Shooting werden die Bilder von der Kamera in den Computer geladen. Danach muss aus den hunderten oder gar tausenden Bildern eine Auswahl getroffen werden. Was sind die besten Motive? Welche Fotos sind wirklich scharf?

Vor allem Bildagenturen sind sehr streng, was die Schärfe angeht und jeder Fotograf muss sich das Foto mindestens in der 100%-Ansicht anschauen, um wirklich sehen zu können, ob wichtige Bilddetails scharf genug sind. Bei Stockfotografen kommt hinzu, dass Zeit Geld ist und jede Hilfe willkommen ist, diese Zeit für die Bildauswahl zu minimieren.

Deshalb möchte ich heute einen kleinen Kniff vorstellen, der sich in den Tiefen von Adobe Bridge verbirgt und mir oft mindestens einige Minuten pro Fotoshooting spart.

Einige fragen sich vielleicht? Bridge? Nie gehört. Dabei ist Bridge ein sehr komfortables Fotoverwaltungsprogramm (vergleichbar mit Lightroom ohne Bearbeitungsfunktionen), was sogar kostenlos ist – na ja, fast: Bridge ist Teil des sündhaft teuren Adobe Photoshop*. Bridge kann entweder direkt über die Bridge.exe aufgerufen werden oder indem ihr in Photoshop auf „Datei/In Bridge suchen…“ klickt.

In Bridge gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich Bilder anzeigen zu lassen, ich nutze meist den Filmstreifen-Look. Wenn ihr mit der Maus auf ein Detail des Bildes klickt, wird dieser Bereich als Ausschnitt in einer 200%-Ansicht angezeigt. Sehr nützlich, um eben schnell entscheiden zu können, ob das Bild scharf ist oder nicht. Schnell ist jedoch relativ. Das Programm lädt die volle Bilddatei im Hintergrund, was bei den großen RAW-Dateien meiner Canon 5D Mark III* selbst mit meinem schnellen Rechner 5-10 Sekunden dauern kann.

Deswegen benutze ich fast immer die Möglichkeit, den Cache eines Bildordners im Voraus generieren zu lassen, während ich mit anderen Tätigkeiten beschäftigt bin. Dazu klickt man in Adobe Bridge auf „Werkzeuge/Cache/Cache generieren und exportieren…„.

Dann erscheint das Dialogfeld „Cache anlegen“ mit zwei wichtigen Optionen. Das Häkchen bei „Vollbildvorschauen erstellen“ bewirkt, dass Bridge die 200%-Ansichten alle vorab in den Speicher lädt und „Cache in Ordner exportieren“ sorgt dafür, dass der Cache im Ordner bleibt und auch bei einer Leerung des Arbeitsspeichers oder einem Verschieben oder Kopieren des Ordners der Cache erhalten bleibt.

Wer später den – teilweise 500 MB großen  – Cache löschen will, kann einfach entweder im betreffenden Ordner die beiden Dateien „.BridgeCache“ und „.BridgeCacheT“ löschen, oder in Bridge unter „Werkzeuge/Cache“ die Option „Cache für Ordner leeren“ wählen.

Wenn der Cache angelegt wird, sollte man Bridge im Hintergrund vor sich hin werkeln lassen. Das dauert je nach Anzahl der Bilder und Geschwindigkeit des Computers unterschiedlich lange.  Bei mir dauert die Bearbeitung von ca. 1000 Bildern (je 500 RAW und 500 JPG) in Adobe Bridge CS6 mit einem i5-Prozessor mit 3,1 Ghz, Win7 (64 Bit) und 16 GB Arbeitsspeicher ca. eine Stunde.

Danach geht es deutlich schneller, sich aus 500 Fotos die besten 100 rauszusuchen, weil nicht jeweils einige Sekunden Ladevorgang beim Reinzoomen ins Bild anfallen. Warum die Detailansicht wichtig ist, seht ihr in diesem Vergleich, bei dem der Unterschied nur beim Reinzoomen erkennbar ist:

Wer sich lieber Tutorial-Videos anschaut, kann sich diese kurze Video-Anleitung bei Adobe TV zur Gemüte führen.

Ob es diese Funktion auch in Lightroom gibt, weiß ich nicht, vielleicht kann ja jemand von euch nachschauen und das in den Kommentaren ergänzen.

Wie ist euer Workflow zur Bildauswahl und Schärfebegutachtung?

* Affiliate

Indische Retusche-Firmen für Stockfotos im Praxistest

In meinem Artikel über meine Microstock Expo-Erfahrungen habt ihr mich in den Kommentaren mehrfach um mehr Informationen über die indischen Firmen gebeten, welche Photoshop-Retusche-Arbeiten oder Verschlagwortung-Dienste anbieten. Deshalb habe ich mal die vier bekanntesten indischen Firmen auf diesem Gebiet angeschrieben und einen Praxistest gemacht, um herauszufinden, wie deren Ergebnisse aussehen. Doch einen Schritt zurück.

Nach welchen Kriterien habe ich die Firmen ausgewählt?

Die Bildagentur Alamy hat schon lange eine Liste mit empfehlenswerten Firmen veröffentlicht, welche Scandienste oder Keywording anbieten. Die dort gelisteten Firmen aus Indien, welche auch Fotos retuschieren, wurden ausgewählt, das sind JaincoTech, Reality Information Systems (im Folgenden nur Reality genannt) und KeyIndia Graphics. Außerdem habe ich Differential ausgewählt, da ich mit denen schon mal zusammengearbeitet hatte.

Wie lief der Test ab?

Die vier teilnehmenden Firmen bekamen jeweils drei Fotos von mir, welche ich schon vom RAW-Format in unkomprimierte JPG-Dateien entwickelt hatte. Zusätzlich bekamen die Firmen alle die gleichen Anweisungen zur Bildbearbeitung in einer Textdatei. Die ausgewählten Fotos sind Bilder, welche ich selbst als Stockfotos bei Bildagenturen anbiete und die ich alle ebenfalls bearbeitet hatte. Die Firmen bekamen natürlich die unbearbeitete Version, aber durch meine eigene Bearbeitung konnte ich für mich gut vergleichen, ob die externen Dienstleister gleich gut oder vielleicht sogar besser als ich retuschieren.

Ich habe lange überlegt, wie ich die Testbilder und die Ergebnisse am besten im Blog zeige, da die Originalgrößen bei 21 Megapixel die Ladezeiten der Webseite ins Unerträgliche steigern würden. Ich habe mich entschieden, hier kleine Vorschau-Größen zu zeigen. Beim Klick auf ein Bild erscheint eine größere Version in Bildschirmgröße. Die Wasserzeichen habe ich nachträglich eingefügt, die waren beim Test nicht im Bild.

Service: Ich habe von jedem Bild alle Versionen als einzelne Ebene in eine TIFF-Datei gepackt. Wer will, kann sich dann detailliert die Unterschiede der jeweiligen Varianten genau anschauen. Die drei TIFF-Dateien könnt ihr hier als Zip-Datei runterladen (Achtung, ca. 25 MB!). Damit ihr die Ebenen sehen und einzeln auswählen könnt, muss das Grafikprogramm Ebenen unterstützen, also z.B. Photoshop oder GIMP. Es versteht sich von selbst, aber sicherheitshalber noch mal der Hinweis: Die Bilder dürfen nur privat genutzt werden und nicht ohne meine Zustimmung veröffentlicht werden.

Hier sind die drei Ausgangsbilder (Klicken zum Vergrößern):

Meine Retusche-Vorgaben für die Bilder waren:

_MG_1586_2_be_done.jpg
– isolating person (background completely white)
– basic retouching (skin and imperfections)
– whiten eyes
– whiten teeth
– lighten rims under eyes (not completely removing)
– logo removal
– remove yellow color cast on hair
_MG_4307_2_be_done.jpg
– basic retouching (skin and imperfections)
– whiten eyes
– whiten teeth
– lighten rims under eyes (not completely removing)
– logo removal
_MG_5054_2_be_done.jpg
– basic retouching (skin and imperfections)
– whiten eyes
– whiten teeth
– lighten rims under eyes (not completely removing)
– remove dust and particles from jackets

 Was haben die vier teilnehmenden Firmen daraus gemacht?

Erst mal meine Retusche-Version, wie ich sie auch zu den Bildagenturen hochgeladen hatte (Klicken zum Vergrößern):

Nun die Ergebebnisse von Reality (Klicken zum Vergrößern):

Die bearbeiteten Bilder von KeyIndia Graphics sehen so aus (Klicken zum Vergrößern):

Differential hat die Fotos so retuschiert (Klicken zum Vergrößern):

Als Ergebnis lieferte JaincoTech diese Varianten (Klicken zum Vergrößern):

Details und Preise der Firmen-Retusche:

JaincoTech und KeyIndia Graphics lieferten TIFF-Dateien ohne Ebenen zurück, Reality schickte eine unkomprimierte JPG-Datei und Differential schickte eine Photoshop-Datei ohne Ebenen. KeyIndia Graphics lieferte zu jedem Bild auch eine zweite Variante, bei der die Schattentöne leicht aufgehellt waren. Differential lieferte zusätzlich auch eine zweite Version bei einem Bild mit einer sehr starken Beauty-Hautretusche, die für Stockfotos jedoch zu künstlich wirkte.

Wie teuer wäre die Bearbeitung ähnlicher Bilder bei den Firmen? Differential verlangt ca. 3,50 US-Dollar für ähnliche Motive, Reality berechnet ca. 8 Dollar pro Stunde und hat ca. 30-45 Minuten an einem der Testbilder gesessen. Bei normalen Jobs würden für solche Retusche-Arbeiten ca. 4 Dollar pro Bild anfallen. KeyIndia Graphics berechnet für die Retusche 3,75 Dollar (bzw. ein Dollar weniger bei Vorkasse), dazu kommen 7,5% Bearbeitungsgebühr bei PayPal-Zahlung, bei mehr als 2500 Bildern Auftragsvolumen gibt es Rabatt. Als Durchschnittspreis für die Bearbeitung ähnlicher Bilder hat JaincoTech 10 Dollar pro Bild veranschlagt, was vor allem an dem aufwändigen Apothekenbild lag.

Ein Hinweis am Rande: In dieser Branche kommt es manchmal vor, dass die Bildbearbeitung an ein Subunternehmen weitergereicht wird. Ob das bei den teilnehmenden Firmen der Fall war, kann ich nicht kontrollieren, aber ich finde, es spielt auch keine Rolle, da es darauf ankommt, wie die Ergebnisse zu welchem Preis aussehen.

Subjektive Bewertung der Ergebnisse:

Eine Bildbearbeitung ist immer Geschmackssache. Trotzdem haben Bildagenturen und Bildkäufer bestimmte Vorlieben, wie ein gutes Stockfoto aussehen sollte. Das betrifft zum Beispiel das Aufhellen von Zähnen, die Hautretusche, die Eleminierung störender Elemente und – ganz wichtig – die vollständige und gute Entfernung von Logos und Markennamen aus dem Bild. Deshalb habe ich auch das Apothekenbild ausgesucht, was sehr viele Logos und geschütze Marken enthält und das Bild der Maklerin vor weißem Hintergrund, um beurteilen zu können, wie gut die Firmen freistellen können.

In der kleinen Vorschauansicht sind die Unterschiede schwer zu erkennen, deswegen verweise ich noch mal auf die gezippten TIFF-Ebenen als Download zum „selber Vergleichen“ und möchte auf einige Punkte eingehen.

Das einfachste Bild war das Paarfoto im Herbst. Dort haben sich alle Firmen wacker geschlagen. Die meisten Firmen bis auf Differential haben sogar die hellen Flecken an den Bäumen im Hintergrund entfernt, ohne dass ich sie extra darauf hinweisen musste. Dafür hat Differential als einzige Firma das Muster auf dem Jackenknopf entfernt. Beim Zähne aufhellen war Reality etwas zu übermütig, da sehen die zu künstlich aus. JaincoTech war die einzige Firma, die auch eine Farbkorrektur vorgenommen hat, die das Bild noch frischer und farbenfroher aussehen lässt.

Beim Foto der Frau mit Haus und Schlüssel weichen die Ergebnisse schon weiter voneinander ab. Das Freistellen haben alle Firmen gemeistert, aber bei Reality und Differential sind harte Kanten an den unscharfen Händen zu erkennen. Das sieht etwas unnatürlich aus. Auch der Umgang mit den feinen Haaren zeigt deutliche Differenzen. Während JaincoTech gleich viele störende Haarfransen (vor allem links am Kinn) entfernt hat, ignorierten das die anderen Firmen, Differential lichtete die Haare rechts unten sogar etwas. Die Hautretusche sieht bei Reality wieder etwas zu übermütig aus. Die gewünschte Korrektur des Gelbstichs bekamen alle Firmen bis auf Differential gut hin.Das Logo links auf dem Schlüssel wurde von drei Firmen entfernt, nur Differential hat es übersehen. JaincoTech hat außerdem zusätzlich die Einkerbungen links im Schlüssel entfernt, den abstehenden Daumen rechts und den umgeschlagenen Hemdärmel rechts korrigiert. Das zeugt von einem guten Verständnis, was Bildagenturen wollen.

Kommen wir zur Königsklasse: Die Apothekerinnen in der Apotheke. Neben dem starken Orangeton bestand die Schwierigkeit vor allem in den unzähligen Verpackungen im Hintergrund, die Logos und Text aufwiesen. Das Orange wurde von KeyIndia Graphics und Reality gefühlt fast noch verstärkt, während JaincoTech es behutsam abmilderte. An den Logos haben sich die meisten Firmen die Zähne ausgebissen und ich muss zugeben, dass ich auch lange dafür gebraucht habe, um alle Logos halbwegs zu entfernen und selbst jetzt bin ich mit meinem Ergebnis noch nicht richtig zufrieden. Differential hat es sich einfach gemacht und den kompletten Hintergrund weichgezeichnet. Das führt leider zu einem unschönen Übergang an den Haaren der Models, vor allem bei den Locken der Frau links. Reality ging nach dem Zufallsprinzip vor und retuschierte anscheinend nur die Häfte der Logos. KeyIndia Graphics ignorierte meinen Wunsch nach Logo-Entfernung komplett. Auf Nachfrage hieß es, dass das bei einem kostenlosen Test zu aufwändig sei. Was mich ehrlich beeindruckt hat, war die Variante von JaincoTech. Hier wurden wirklich alle Logos und Markennamen entfernt und trotzdem der Farbcharakter der einzelnen Packungen beibehalten. Dadurch sieht der Hintergrund zwar auch etwas unrealistisch aus, aber ich bin sicher, dass ich bei einer genaueren Anweisung („verschwimmen lassen statt entfernen“) ebenso gute Ergebnisse bekommen hätte. Ich denke, die Logo-Entfernung kann hier als „Machbarkeitsstudie“ gesehen werden.

Fazit:

Mir persönlich haben die Resultate von JaincoTech mit Abstand am besten gefallen. Reality und Differential haben sich leider einige grobe Schnitzer erlaubt, die eine Korrektur der Bilder erforderlich machen würden, bevor sie an Bildagenturen geschickt werden. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass die veranschlagten Preise bei JaincoTech auch mehr als doppelt so hoch waren wie bei den anderen Firmen. Bei den Preisen wurde die Lieferzeit nicht berücksichtigt, das heißt, je schneller ein Kunde die Ergebnisse braucht, desto teurer wird es.

Nicht berücksichtigt bei dem Preisen sind auch Mengenrabatte und die Tatsache, dass es bei ähnlichen Bildern einer Serie meist günstiger wird. Außerdem lernen die meisten Retusche-Firmen die Kundenwünsche im Laufe einer Zusammenarbeit immer besser kennen, sodaß nach einiger Zeit kaum noch konkrete Anweisungen des Fotografen an die Bildbearbeiter gegeben werden müssen. Nachdem ich die Testergebnisse gesehen habe, habe ich mich entschlossen, zwei ganze Bildserien von JaincoTech gegen Bezahlung retuschieren zu lassen. Da hat sich auch gezeigt, dass die FTP-Transferrate ein kleines Nadelöhr sein kann. Ich hatte ca. 4 GB Daten zu verschicken, was mit meiner 50-Mbit-Leitung fast einen Tag gedauert hatte.

Im nächsten Teil des Tests werde ich dann die Verschlagwortung vergleichen.

Wie sind Eure Eindrücke der Retusche? Habt ihr schon mal Bildbearbeitung ausgelagert? Wie teuer war das und wie zufrieden wart ihr mit den Ergebnissen?