Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?

In letzter Zeit habe ich des öfteren Emails mit kurzen Fragen bekommen. Meist habe ich diese kurz beantwortet, bis ich gemerkt habe, dass sich einige Fragen doch wiederholen. Deswegen möchte ich die Fragen wieder vermehrt hier im Blog veröffentlichen, damit ich bei Bedarf auf die Antwort verlinken kann und ihr auch als Leser etwas davon habt.
Vor paar Tagen schrieb mir Thorsten:
„Hallo Robert,
ich habe gestern ausführlich deine Beiträge über Microstockagenturen studiert. Ich fand darin viele übereinstimmende und neue Informationen zu diesem Thema.
Ich selbst bin seit 2010 bei Fotolia und begann mit Fotos. Musste aber feststellen, dass ich mehr Talent in der Bildbearbeitung/Manipulierung, Illustrationen und Vektoren habe. Da ich das noch nebenbei mache, ist mein Portfolio bei weitem nicht so groß.  Aber ich scheine auf dem besten Weg zu sein, dass meine Grafiken immer mehr Zuspruch finden.
Aber weshalb wende ich mich an dich? Ich habe eine Frage: Welche Erfahrungen hast Du in puncto angebotene Credits? Ich sehe bei dir, dass du fast alle Bilder mit 1, max. 2 Credits anbietest. Ist es aus deiner Erfahrung sinnvoller, mit einem Credit die Bilder anfangs einzustellen? Oder welchen Tipp kannst du mir geben?  Ich wäre dir für eine kurze Antwort sehr dankbar.
Viele Grüße
Thorsten“
Wem der ganze Microstock-Bereich neu ist, der versteht vielleicht die Frage nicht, deshalb eine kurze Erklärung. Bei vielen Bildagenturen können die Bilder nur mit einer Kunstwährung namens „Credits“ bezahlt werden. Über den Daumen gepeilt ist ein Credit meist ca. ein Euro, aber wer viele Credits kauft, bekommt viel Rabatt.
Bei der Bildagentur Fotolia haben Fotografen in gewissen Grenzen die Möglichkeit, den Startpreis für ihre Bilder selbst festzulegen. Standard ist 1 Credit für die kleinste Größe und dann immer mehr Credits für die nächstgrößeren Auflösungen. In dieser Tabelle seht ihr, ab welcher Ranking-Stufe die (nichtexklusiven) Fotografen den Startpreis der Credits festlegen können. Exklusive Fotografen haben noch mehr Möglichkeiten.
Möglichkeiten der Preisgestaltung durch Credits

Wer ein Bild mit zwei oder drei Credits als Startpreis verkauft, der kann pro Verkauf das Doppelte oder Dreifache verdienen.

Deshalb ist die Frage von Thorsten legitim, was sinnvoller ist: Lieber Viele Verkäufe mit 1 Credits oder weniger Verkäufe mit 2-3 Credits?

Bei der Beantwortung gibt es vor hauptsächlich vier Punkte zu berücksichtigen: Angebot und Nachfrage, Ranking, Konkurrenz-Preise und die Rückstufung.

Angebot und Nachfrage

Es ist ein einfaches marktwirtschaftliches Prinzip: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Dieser wird durch die Credits gesteuert. Das heißt vereinfacht: Wer sehr generische Motive fotografiert, die viel Konkurrenz haben, zum Beispiel freigestellte junge Damen oder Obst oder niedliche Katzen, der sollte bei einem Credit bleiben. Wer aufwändigere Shootings macht, die nicht so leicht zu kopieren sind, kann auch zwei Credits ansetzen und wenn diese Motive dann noch stark nachgefragt werden, sogar drei Credits. Ich habe das mal in eine Kreuzmatrix gefasst:

Auch der eigene Verdienst sollte etwas berücksichtigt werden. Ich habe mal einen zweiteiligen Test gemacht (siehe hier und hier), der gezeigt hat, dass man trotz weniger Downloads mit höheren Credit-Preisen mehr verdient. Demnach würde es ja für jeden sinnvoll sein, die Preise so hoch wie möglich anzusetzen? Nein. Denn auch die folgenden Faktoren spielen eine Rolle.

Das Ranking

Bei Fotolia steigen die Fotografen umso höher im Ranking, je mehr Fotos sie verkauft haben. Mit jeder weiteren Ranking-Stufe erhalten sie mehr Prozent vom Verkaufspreis (erkennbar als „Lizenzgebühr“ in der ersten Grafik oben). Die Fotografen beginnen bei 20% und können bis 46% erhalten. Wer seine Fotos nicht mit dem Startpreis von 1 Credit, sondern mit 2 oder 3 anbieten will, sollte bedenken, dass diese Bilder dann seltener verkauft werden. Das ist unter dem Strich durch den doppelten Verkaufspreis zwar trotzdem lukrativ, aber zu bedenken ist, dass der Fotograf auch mit jeder höheren Ranking-Stufe zwischen zwei bis sechs Prozentpunkte mehr Umsatz erhält. Auch dadurch erhält der Fotograf mehr Geld.

Meine Empfehlung ist daher, dass mindestens bis zum Erreichen des Gold-Status die Preise bei 1 Credit belassen werden sollten. Danach kann man selbst entscheiden, ob es sinnvoll ist, zu versuchen, die nächsthöhere Stufe durch mehr Verkäufe erreichen zu wollen, oder lieber direkt mehr abkassiert. Nicht ganz so relevant, aber unter ungünstigen Bedingungen entscheidend sind zwei weitere Punkte.

Konkurrenz-Preise

Fotolia weist Anbieter ab dem Smaragd-Ranking auf eine „Anpassung der Preisgestaltung“ hin:

„Erhält Fotolia Kenntnis, dass ein nicht exklusiver Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking seine Bilder, Vektoren oder Videos (die „Werke“) über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreibt (von denen mindestens einige Werke die selben sind wie die über Fotolia angebotenen), und sind die für diese Werke erhobenen Downloadpreise der anderen Stockagenturen oder Webseiten im Vergleich niedriger als die für das Level „Weiss“ im Fotolia Ranking geltenden Downloadpreise, dann behält sich Fotolia gemäß der anwendbaren Gesetze vor, die Preise nach eigenem Ermessen und entsprechend der Konditionen für Anbieter mit dem Level „Weiss“ im Fotolia Ranking anzupassen. Im Rahmen der anwendbaren Gesetze ist Fotolia berechtigt aber nicht verpflichtet, sich von Zeit zu Zeit zu erkundigen, ob einzelne Anbieter des Levels „Smaragd“ oder höher im Fotolia Ranking ihre Werke über andere Stockagenturen oder Webseiten vertreiben, wobei diese Anbieter verpflichtet sind, Fotolia unmittelbar auf Anfrage mit diesen Informationen zu versorgen.“

Wer also bei Fotolia das Smaragd-Ranking erreicht hat und seine Bilder für 2 oder 3 Credits anbietet, gleichzeitig aber Bildagenturen beliefert, die für die XXL-größe weniger als 10 Euro/Credits verlangen, könnte von Fotolia auf das Level „Weiß“ zurückgestuft werden. Preislich betrifft das zum Beispiel Agenturen wie 123rf, Canstock oder PhotoDune und nach der jüngsten Preissenkung sogar iStockphoto.

Es scheint von Fotolia jedoch nicht streng gehandhabt zu werden. In der Praxis ist nur bekannt, dass Yuri Arcurs damit gezwungen wurde, von 4 Credits Startpreis auf 3 zurückzuschrauben, bevor er sich endgültig zurückzog. Diese Option sollte man aber im Hinterkopf behalten. Etwas realer ist dagegen folgendes Szenario:

Rückstufung wegen geringer Verkäufe

Ende Juli führte Fotolia eine neue Änderung ein. Bilder, die sich seit sechs Monaten nicht mehr verkauft haben, werden preislich auf den normalen 1-Credit-Startpreis runtergestuft. Nach 24 Monaten ohne Verkäufe erfolgt eine nochmalige Preisreduzierung. Hier die Preise nach einer solchen Rückstufung:

Wenn sich so ein runtergestuftes Bild wieder drei Mal verkauft hat, werden die Preise wieder auf den normalen Standard von 1 Credit bis 10 bzw. 12 Credits (ab Gold-Ranking) gesetzt. Das heißt für die Entscheidung beim Setzen des Startpreises: Wer sein Bild zu teuer anbietet, riskiert, dass es sich seltener verkauft und dann noch billiger als ohnehin schon angeboten wird.

Wie mache ich es?

Ich lasse alle meine Fotos standardmäßig auf 1 Credit. Nur exklusive Bilder fangen mit 2 Credits an. Wenn sich ein Bild besonders gut verkauft hat, mindestens 100x, dann setze ich es je nach Motiv auf 2 Credits hoch. Den Startpreis von 3 Credits darf ich ja erst seit meinem Erreichen des Saphir-Rankings vor einigen Wochen festsetzen, deswegen habe ich damit noch keine Erfahrungen gemacht.

Mit diesen vier Faktoren im Hinterkopf sollte jetzt jeder in der Lage sein, selbst entscheiden zu können, welcher Startpreis für welche Bilder der richtige ist.

Wie macht ihr das? Nach welchen Kriterien legt ihr eure Startpreise fest?

5 Gedanken zu „Frag den Fotograf: Für wie viele Credits sollte ich meine Bilder anbieten?“

  1. Für nichtexklusive Bilder ist bis einschl. Status „Gold“ sowieso nicht möglich Creditstufe zu verändern. Für die Meisten wird es somit auch keine Rolle spielen.

    Teilxklusive Bilder, sind eben exklusiv und wenn die nirgendwo anders angeboten werden, dann kann man die Creditstufe auch ruhig nach oben schrauben. Und exklusiv bietet man meistens die Bilder an, die eine Besonderheit (aufwendig produziert, Marktlücke etc…) haben, denn 0815-Bilder würde ich persönlich auch nie exklusiv anbieten. Also, kann man vom Käufer auch verlangen, dass er mehr bezahlen soll.

  2. Also ich hatte noch nicht das Gefühl, dass das Ändern vom Verkaufspreis vom 1 auf 2 Credits irgend eine Veränderung in den Verkaufszahlen gemacht hätte. Bildkäufer kaufen dein Bild sowieso nur, wenn es genau „DAS“ Bild ist, dass sie wollen. Sonnst hätten Sies gar nie in Betracht gezogen. Und dann kommts bei dem meisten nicht auf ein paar Euro drauf an. Was sich dafür extrem bemerkbar macht, ist die Verdoppelung der Einnahmen. Also ich kanns nur empfehlen. Mit 3 Credits habe ichs aber auch noch nie gewangt…da würde mich mal eine Studie interessieren! 🙂

  3. Ich verlange immer den höchstmöglichen Preis (solange das noch geht ;-)…) und bin damit immer bestens gefahren. Habe 3 Monate lang einige Bilder immer im Preis hin und her geändert. Billiger macht 10-15% mehr DLs, teuer macht aber viel mehr Umsatz. Vielverwender haben ohnehin Abos. Und bei den anderen Lizenzen will ich wenigstens möglichst viel verdienen.

    Es wird immer über sinkende Umsätze geschrieben, aber da lassen Anbieter viel Geld liegen.

    Und wirklich zu verlieren hat man bei einem Test über 1-2 Wochen ja nichts.

  4. Ich hab noch einen kleinen Hinweis für Illustratoren bei Fotolia.
    Die Creditpreise bei Vektoren sind festgesetzt. Trotz Gold-Status kann ich den Einstiegspreis nicht höher als 1 Credit setzen. Der Preis für eine Vektordatei liegt bei 5 Credits fix. Laut Fotolia ist das bei Vektoren so gewollt und gehört zum Geschäftsmodell.

  5. Bin im Silber-Status und kann da nur zu den Grunpreis mit 1 Credit meine Bilder anbieten. Bei Bildern die ich exklusiv bei Fotolia verkaufe, fange ich immer mit 3 Credits an. Bei Nischen oder aufwändigeren Motiven funktioniert dies teilweise. Im Prinzip wie du bereits geschrieben hast, ist dies von Angebot und Nachfrage abhängig. Wenn nach einem Jahr nichts verkauft wurde, setze ich die Bilder auf 1 Credit runter.

    Pauschale Aussagen kann man da kaum machen. Ich denke das muss jeder für sich selber herausfinden, da es stark von den Motiven, dem Aufwand der Arbeiten, dem Wettbewerb und der Nachfrage abhängt. Ich liege da mit meinen Einschätzungen meist daneben 😉

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