Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 25

Für die aktuelle Folge von „Pimp My Stock!“ hat sich Christiane beworben. Hier ihre Mail:

„Hallo Robert,

Deine Idee, Fotos auf „Herz und Nieren“ zu prüfen, finde ich klasse.

Zu mir:
Ich bin Chris(tiane) und seit ca. 6 Jahren intensiv als Amateurfotograf unterwegs. Mein aktuelles Handwerkszeug besteht aus einer Panasonic FZ100 (steht LEIDER in der Negativliste von Alamy), Filter, Stativ, Fernauslöser … etc.. Bisher habe ich mich gescheut, eine DSLR (mit oder ohne Spiegel) zu kaufen, da mich das „gewichtige Gepäck“ in der Natur abschreckt.

Meine Vorliebe steckt überwiegend in der Naturfotografie. Nachdem mich verschiedene Personen unabhängig voneinander fragten, weshalb ich meine Fotos nicht verkaufen würde, hab ich mich auf dem Markt umgesehen. Und so bin ich auf Deiner Homepage gelandet.
Für meine Vorlieben habe ich bisher nur 2 Fotoagenturen ausfindig machen können, die eventuell in Frage kommen könnten: Okapia und Blickwinkel.

Neben der Möglichkeit, eine objektive Meinung von Dir über meine Fotos zu erfahren, hab ich einige Fragen und würde mich freuen, hier vielleicht einen Tipp von Dir zu bekommen. OK?

– Kannst Du mir verraten, weshalb die FZ 100 auf der Negativliste bei Alamy steht? Ist die Qualität dieser Kamera wirklich minderwertig?

– Kennst Du weitere Agenturen, die Naturaufnahmen bevorzugt annehmen? Bisher habe ich mich bei keiner Agentur beworben, also auch noch nichts verkauft.

– Was heisst „erkennbare Person“? Ich lese häufig unterschiedliche Aussagen. Ist eine Person bereits im Seitenprofil erkennbar? Oder ist sie nur dann nicht erkennbar, wenn sie mir den Rücken zudreht?

– Ein Foto zeigt das Melbourne Arts Centre bei Nacht. Ich konnte nicht ermitteln, ob dieses Foto nur redaktionell verwendet werden darf. Auch eine Sichtung vorhandener Fotos in Agenturen gab kein eindeutiges Ergebnis „alle Möglichkeiten wurden angeboten“. Gibt es irgendwo Aussagen dazu oder hilft hier nur eine Anfrage im Arts Centre direkt?

– Und wären meine beigefügten Fotos durch eine Veröffentlichung in Deinem Blog für ein Exklusiv-Vertrag bei einer Agentur „verbrannt“? Sollte dies der Fall sein, bitte ich Dich vor Veröffentlichung mit mir per Mail Kontakt aufzunehmen.

Vielen Dank im voraus! Bin gespannt und auch „kritikfähig“ ;-))
Viele Grüße Chris“

Bevor wir uns ihre Fotos anschauen, möchte ich kurz auf die Fragen eingehen. Ich habe keine Erfahrungen mit der Panasonic Lumix FZ 100 machen können, aber die Kamera soll einen relativ kleinen Bildsensor haben, der auch schon bei niedrigen ISO-Werten schnell zu Pixelmatsch führt. Dazu kommen wir gleich noch mal.

Ich würde bei rechtlichen Fragen generell immer empfehlen, lieber etwas vorsichtiger zu sein, als irgendwann den Ärger wegen einer ungenehmigten Nutzung zu haben. In diesem Fall würde ich Fotos vom Melbourne Arts Centre nur für die redaktionelle Nutzung freigeben. Auch die Erkennbarkeit von Personen wird je nach Agentur unterschiedlich gehandhabt, als Faustregel gilt hier, ob die gezeigte Person sich selbst identifizieren könne.

Nun zu den Bildern:

Bei dieser Nachtaufnahme des Melbourne Art Centre zeigen sich die Qualitätsprobleme der Kamera sehr deutlich. Die Farben sind matschig und es ist auch beim Hauptmotiv kaum noch Schärfe zu erkennen. Vom Motiv eigentlich ganz brauchbar, die Technik macht das aber leider wieder zunichte.

Silhouetten sind ein nettes Stilmittel in der Stockfotografie und auch die Pose des Jungen gefällt mir. Es gibt auf diesem Bild trotz der auf zwei beschränkten Farben zuviel „Drumherum“, was ablenkt und stört. Das ist die rechte obere Ecke mit den Palmenblättern und die linke obere Ecke, wo auch zuwenig passiert, um wichtig für das Foto zu sein. Ein viel radikalerer Beschnitt hätte dem Foto gut getan, aber dann würde die Bildqualität sicher wieder nicht reichen.

Eine alte Voigtländer-Kamera: Als Stockmotiv ist dieses Bild aus drei Gründen nicht geeignet. Erstens ist es zu eng beschnitten, sodaß Designer das Motiv nicht gut freistellen können. Zweitens sind noch Marken- und Modellnamen im Bild und drittens ist es ein Motiv, was im Vergleich zur Nachfrage zu häufig vorhanden ist. Sorry.

Oh, wie süß: Ein niedlicher Koala! Das ist ein gelungenes Foto, was sich auch für Bildagenturen eignen würde. Ich hätte den Kontrast (über Gradiationskurven) und die Farbsättigung noch erhöht, damit es etwas „kräftiger“ aussieht. Außerdem würde ich die Nase etwas retuschieren, damit sie sauberer aussieht. Insgesamt aber ein sehr geeignetes Foto.

Auch dieses Foto eines Kolibris finde ich gut und passend für eine Verwendung bei Bildagenturen. Den kleinen Fleck auf dem Blatt links neben dem Vogel würde ich noch retuschieren, aber ansonsten sehr gut. Christiane meinte jedoch, dass das Bild nur für die redaktionelle Verwendung geeignet sei, was ich aber nicht nachvollziehen kann.

Wer ebenfalls eine ehrliche Meinung und Tipps zur Verbesserung seiner Stockfotos haben will, kann hier nachlesen, wie man bei der “Pimp My Stock!”-Serie mitmachen kann.

Welche Tipps würdet ihr Christiane geben oder welche Antworten auf ihre Fragen oben?

17 Gedanken zu „Pimp My Stock: Bildbesprechungen von Stockfotos 25“

  1. ich finde die Fotos sehr gelungen von Motiv und Standortwahl aus gesehen. Den „Blick“ hast du also auf jeden Fall. 🙂

    Ich muss Robert recht geben, die Qualität reicht leider nicht mehr heute. Alles unterhalb einer Spiegelreflex kann man eigentlich vergessen, selbst wenn manche Brigde- oder Kompakt-Kameras auf den „grünen Listen“ mancher Agenturen stehen. Man beschränkt sich nur selbst. Ich habe Stockfotografie angefangen mit der Nikon D90, also bereits eine Spiegelreflex. Aber selbst DIE wurde mir nach einer Weile (in der ich mich weiterentwickelt habe) in der Qualität zu „schlecht“, selbst sie hatte noch zuviel Rauschen. Ich bin nun bei der Nikon D7000 und bin relativ zufrieden, werde aber irgendwann auf Vollformat (also die ganz teuren, schweren Kisten 😉 ) umsteigen, weil ich erst dann genug Spielraum in der Qualität selbst bei kniffligen Lichtverhältnissen habe.

    Bei Stockfotografie befindest du dich auf dem „Profisektor“, also sind alle Zeitungsartikel für Amateure, die Kameras bewerten, hinfällig. Alles was dort an: „toll, kaum rauschen in hohen ISO Werten“ etc steht, ist nicht mit dem vergleichbar, was man für Stock braucht! Daher fallen eigentlich alle Kamera-Tests flach, die man so im Internet findet, solange es unterhalb einer DSLR ist 😉

  2. zu deiner Frage „erkennbare Person“. Es gab vor einigen Jahren noch die Regel, dass eine Person von hinten akzptiert wird von den Agenturen. Das hat sich inzwischen geändert. Heute sagte man – wie Robert schon sagte – wenn die Person sich selbst identifizieren KÖNNTE, benötigt man bereits eine Erlaubnis von ihr. Die sogenannten Model Releases.

    Das trifft z.B. auch auf einen Arm des Models zu wenn dies erkennbare Narben oder Tattoos hat. Oder auf den unteren Teil der Person, wenn da eindeutige Merkmale sind (manche Fotografen lassen einfach den Kopf weg, aber das funktioniert nicht immer). Ebenso auf kleine Personen in der Ferne des Bildes. Herangezoomt kööööööönnten sie sich erkennen. Also lieber rausstempeln. 🙂

    Bei Seitenprofil erkennt sie sich 100% wieder, also wäre da auf jeden Fall ein MR nötig. Silhouetten wären nun wieder ein Streitfall. Ist sie erkennbar, wenn man die Helligkeit erhöht? Dann ja.

    Kompliziertes Thema 😉

  3. Beim Koala-Foto stört mich der etwas arg ausgefressene helle Hintergrund. Bei Microstock werden zwar gerne weiße Hintergründe als Freisteller verkauft, in diesem Fall kratzt das Bild nach meinem Empfinden aber schon arg an der Grenze zur Überbelichtung. Daduch wirken auch die Farben insgesamt etwas blass und kühl.

    Vielleicht liegt es nur an der Auflösung hier im Blog aber bei dem Foto vom Kolibri scheint mir die Schärfe nicht auf dem Auge, sondern genau in der Mitte des Bildes auf dem Gefieder zu liegen. Sollte dies zutreffen, wird das Bild sicher in den meisten Fällen wegen technischer Mängel abgelehnt werden. Bei Fotos von Lebewesen sollten eigentlich immer die Augen scharf sein, es sei denn eine Unschärfe im Gesicht wird als Stilmittel eingesetzt und ist als solches erkennbar.

    Bei Fotos von Zootieren sollte man auch immer abklären, inwieweit hier eine (kommerzielle) Nutzung überhaupt gestattet ist! Unter „zooliste.de“ kann man sich schon mal ein paar Infos holen, welche Fotografier- und Nutzungsbedingungen bei welchen Zoos gelten. Da man aber nie sicher sein kann, dass dieses Liste auch aktuell ist, kommt man um eine genaue Auskunft des betreffenden Zoos nicht herum. In den meisten Fällen ist eine kommerzielle Nutzung zumindest Zustimmungspflichtig, in vielen Fällen sicher auch nur gegen eine entsprechende Gebühr möglich. Wildtierfotos sind dagegen kein Problem, es sei denn, es handelt sich um geschützte Arten, dann muss man im Zweifelsfall vielleicht sogar nachweisen können, dass man das Tier beim Fotografieren nicht gestört hat…

    @Kerstin: Die D90 ist immer noch eine hervorragende Kamera und bis ISO 400 bei „richtiger“ Belichtung des Motivs absolut rauschfrei. Fotos mit höheren ISO-Werten werden von den Agenturen in der Regel sowieso abgelehnt, auch von neueren Kameras. Das einzige, was mich an der D90 allerdings „stört“, sind die 12 Megapixel. Grundsätzlich reicht das zwar mehr als aus, aber sobald man das Bild etwas beschneidet, hat man sehr schnell nur noch 10 MP oder weniger übrig und erreicht damit nicht mehr die größtmöglichen Verkaufsklassen bei einigen Agenturen.

    „DSLR“ ist für technisch hochwertige Stock-Fotos übrigens kein „MUST“-Kriterium. Es kommt eher auf die Größe des Sensors und die darauf untergebrachten Pixel an. Wenn sich auf einem fingernagelgroßen Sensor 16 Millionen Pixel gegenseitig die Photonen wegschnappen, kann keine wirklich scharfe und detailreiche Abbildung dabei herauskommen. Ein APS-C-Sensor mit der selben Anzahl an Pixeln – wie bei der Fuji X100S beispielsweise – kann dagegen absolut geniale Bilder liefern. Eben diese X100S ist, obwohl es eine spiegellose Messucherkamera ist, mehr als geeignet für die Stockfotografie – sofern man sich mit einer fest verbauten Festbrennweite und einem Anschaffungspreis von etwa 1.200 Euro arrangieren kann…

    Und noch ein Schlusswort: Kleine Personen in der Ferne des Bildes dürften in den meisten Fällen als „Beiwerk“ durchgehen, also als Bildelemente, die für die Bildaussage keine Bedeutung haben und genauso gut weggelassen oder ausgetauscht werden könnten. In diesem Falle bräuchte man weder eine Fotografiererlaubnis von der Person, noch einen Model-Release für die kommerzielle Vermarktung. Ist die kleine Person allerdings doch Bildbestimmend (z.B. als Größenvergleich o.Ä.) wird es wieder schwieriger. Hier hilft im Zweifelsfall doch ein Release oder der Gang zu einem in Fotorecht bewanderten Anwalt.

  4. Noch ein kurzes Statement zu den Model Releases: Getty hat bis vor kurzem sogar für Bilder, auf denen nur die Hände (!) einer Person, auch ohne Narben oder andere einzigartige Merkmale, zu sehen waren, MRs verlangt, die ich leider nicht immer beibringen konnte. Mittlerweile tun sie es aber i.d.R. nicht mehr. Dafür akzeptieren sie nun keine MRs mehr, in denen die Telefonnummer fehlt… 😉 Es ist scheinbar immer auch ein bisschen im Wandel, was die Einschätzung der rechtlichen Seite angeht. Die meisten Fotografen raten Dir, eher zurückhaltend und eine Spur zu vorsichtig zu sein, wenn es um Rechtsfragen geht (auch z.B. beim Thema Panoramafreiheit, Fotos von Kunstwerken etc.), das würde ich grundsätzlich auch tun. Vor allem, wenn Du noch unsicher bei der Einschätzung bist. In vielen Fällen streiten sich sogar Juristen um die Rechtslage.

  5. Hi ich finde die Fotos auch sehr gelungen, ich muss dazu allerdings sagen das ich nur fotos mit meinen Handy mache und überhaupt keine Ahnung von Fotografieren habe, zwar verduche ich auch meine Brötchen mit Bilder zu verdienen allerdings handelt es sich hierbei um Zeichnungen, Illustrationen, Collage und Malereien.

    Die Pimp My Stock!”-Serie finde ich sehr informativ und liese hier jetzt öfters mit ;)eigentlich schade das es ähnliches nicht für Illustrationen gibt.

  6. Christiane, du hast auch gefragt nach Agenturen für Naturaufnahmen. Alle Agenturen nehmen Naturaufnahmen an. Agenturen, die sich sehr spezialisieren, haben auch eine geringere Kundenschar und verkaufen daher weniger. Ergo verdient man auch weniger.
    Ich finde es für den Anfang sinnvoller, mehrere Agenturen zu bedienen, denn es gibt eine Menge zu lernen. Es wird viele Ablehnungen geben, nicht immer sind die Gründe nachvollziehbar. Je mehr man lernen kann, desto schneller kann man besser werden. Ich würde dir den Tip geben – wenn du schon ins Stockgeschäft einsteigen willst – die „üblichen Verdächtigen“ ins Auge zu fassen und keine Spezialagentur zu suchen. Wenn du dich soweit entwickelt hast, das du Super-unwiderbringliche-Naturaufnahmenn machen kannst, wäre an RM Agenturen zu denken.

  7. @Kerstin: Neben den SLR Kameras, gibt es mittlerweile auch spiegellose Systemkameras mit Möglichkeit des Objektivwechsels. Die Bildqualität ist in der Regel, vergleichbar mit der Quaität einer Spiegeleflex und der elektronische Sucher, sowie das geringere Gewicht bieten diverse Vorteile.

  8. @ Robert aber gerne 😉

    Kaufen die Agenturen eigentlich Illustrationen und Zeichnungen (also Analog, altmodisch mit der Hand gezeichnet)?

    grüßen aus Bielefeld

  9. Vielen Dank für Eure wirklich wertvollen Hinweise und auch für Euer Lob!!!

    @Siggi: Natürlich hast Du Recht, das war blöde von mir ausgedrückt.

    Über Systemkameras habe ich auch schon nachgedacht … Sony will sogar eine mit Vollformatsensor auf den Markt bringen. Aber wie immer, alles hat seinen Preis.

    Zum Thema MR hat mir letztens ein Fotograf berichtet, dass ein Tätowierer seine Rechte am Bild angemeldet hatte. Das Model trug eine erkennbare Tätowierung und es fehlte an einer Genehmigung des Tattoo-Studios.

    Der Bereich „Recht am Bild“ ist wirklich ständig im Wandel und ich bewundere jeden Fotografen, der sich in diesem Dschungel zurechtfindet.

    Also nochmals herzlichen Dank, dass Ihr alle Euch die Zeit für mich genommen habt – und ganz besonders danke ich Robert, der mir diese Möglichkeit gegeben hat.
    Viele Grüße aus dem sonnigen Berlin.

  10. Doch noch ’ne Frage 🙂
    @Robert: Ich habe irgendwo gelesen, dass Fotos für Stockagenturen unbearbeitet eingereicht werden sollten, weil die Käufer dies gerne selbst übernehmen wollen. Ist dies ein Ammenmärchen? Sollte man die Fotos also immer etwas „aufhübschen“?

  11. Hi Chris. Ich bin zwar nicht gefragt worden, habe es aber gerade gelesen 🙂 Das ist so eine Grauzone. Gemeint ist damit meist, das keine sichtbaren Bearbeitungen vorhanden sein sollen. Also Rahmen ums Bild, „verschönernde“ Effekte wie Filter etc. Sowas wird abgelehnt.
    Wer sich mit Bildbearbeitung auskennt, kann/wird/muss seine Fotos jedoch so bearbeiten, dass sie wie Postkartenmotive (bei Landschaften) aussehen und somit das Auge des Käufers ansprechen. Das verkauft sich besser als die „normalen“ Aufnahmen, ist zwar auch bearbeitet, wirkt aber nicht allzu künstlich. Zwar suchen viele Käufer – wenn sie aus der Designerecke kommen – Motive an denen sie noch viel herumschrauben können, aber genausoviele Käufer kaufen nach dem Auge. Und da fallen die schön bunten Bilder, die weißen Zähne, die makellose Haut des Models mehr ins Auge als das „Realistische“.

    Wie gesagt – es ist eine Grauzone bzw eine Art Religion. Du wirst zig verschiedene Meinungen hören. Das hier war meine 🙂

  12. @Chris: Grundsätzlich erlaubt und meist auch erwünscht sind Bearbeitungen, die auf die Optimierung des Bildergebnisses aus sind. Zu nennen wären da z.B. die gerade Ausrichtung des Horizontes (es sei denn, es ist gewollt, dass das Bild „schief“ ist), die Anpassung von Helligkeit/Kontrast/Lichtern/Schatten, Korrektur des Weißabgleichs, Retusche unerwünschter Bildelemente (nicht nur Pickel…) und der Beschnitt des Bildes. Die Finger würde ich dagegen auf jeden Fall von Weichzeichnern, Farbfiltereffekten (auch Umwandlung in Schwarzweiß) und anderen „tollen“ Photoshop-Effekten lassen. Selbst Rauschminderung und Scharfzeichnung würde ich nur sehr vorsichtig einsetzen und hier die endgültige Bearbeitung dem Käufer überlassen, da für unterschiedliche Einsatzzwecke zum Teil andere Einstellungen sinnvoll und notwendig sind. Aus diesem Grund ist es auch sinnvoll, die Bilder in der größtmögichen Qualität zu exportieren (oft als JPEG-Qualität „12“ oder „100 %“ bezeichnet). Dann treten praktisch keine sichtbaren Kompressionsartefakte auf (sofern sie nicht schon vorher im Bild waren) und ein Designer kann problemlos noch ein paar Veränderungen am Bild vornehmen, ohne dass die Qualität am Ende nicht mehr ausreicht.

  13. Die technischen Anforderungen der Agenturen an die verwendeten Kameras verändern sich mit der Zeit, in der sich auch der Kameramarkt verändert. Meine erfolgreichsten Motive habe ich mit der Nikon D200 fotografiert; unter meinen Top10 bei Fotolia sind immer noch mehrere Scans von 12 Jahre alten Dias, die ich selber mit einem handelsüblichen Scanner von Minolta gemacht habe. Ich verkaufe nach wie vor Fotos einer Canon 640 Baujahr 2005. Diese Fotos würde ich heute mit Sicherheit nicht mehr bei den Agenturen untergebracht bekommen, weil sicherlich immer in die exif Daten geguckt wird. Die Annahmequote hat sich bei mir durch die Verwendung der Canon 5D Mark II deutlich erhöht, aber es werden auch Fotos mit der Immer-Dabei-Knipse Canon S100 akzeptiert und auch verkauft. Grundsätzliche Regel: Es gibt keine, nur Geschmack und Präferenzen der Bildjuroren oder ggf Vorgaben der Agentur. Das Motiv entscheidet. Da spielen hohe ISO Zahlen auch nicht immer eine Rolle, eines meiner Topbilder habe ich mit der Canon 7d mit Iso 3200 fotografiert und in PSE extrem bearbeitet. Auch hier ist das Motiv entscheidend.
    Zur Abbildung von Menschen:
    Die rechtliche Lage ist mittelmäßig klar. Die Agenturen verhalten sich entsprechend mäandernd um eine Mittellinie. Fotolia akzeptiert menschliches Beiwerk auf Fotos wie z.B. Menschen vor oder neben Sehenswürdigkeiten. Bei istock muss es gar nicht erst versuchen. Jedes Foto mit menschlichen Genen „verseucht“ wird rausgeschmissen ohne MR. Da macht man dann seine Erfahrungen im Laufe der Zeit und verhält sich entsprechend bei der Auswahl der Agenturen. Beim PR ist es ähnlich, nur umgekehrt. Moderne Architektur ist bei Shutterstock nicht unterzukriegen, bei istock wird man mit Handkuss begrüßt und bei Fotolia launisch empfangen oder abgelehnt.

  14. @Kerstin, Olaf und Ralf. Nochmals vielen Dank für Eure ausführlichen Informationen. Ich werde mich jetzt noch mehr mit einer „zukünftigen DSLR“ auseinandersetzen. Mal sehen, was es wird 😉
    Gefreut hat mich auch, dass es einen „Folge-Artikel“ zum Thema Foto-Bearbeitung gibt und wer weiß, vielleicht bin ich auch irgendwann in der Lage „qualifizierte Tipps“ zu geben.
    Bis bald mal wieder.
    Eure Chris

  15. @Kleckerlabor Blog: Wegen deiner Frage ob Agenturen auch Illustrationen und Zeichnungen nehmen, manche nicht alle und nicht alles, aber du kannst es hier versuchen: http://www.fineartprint.de von solchen Agenturen gibt es mehrere, dort kaufen nicht Werbeagenturen und Grafiker sondern private Personen können dort Bilder aussuchen und sich dann das Bild auf verschiedene Medien drucken lassen (fürs Wohnzimmer und so).

    Lg Michaela

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