Sollte man alte Bilder aus seinem Agentur-Portfolio löschen?

Eine Frage, die Stockfotografen häufig diskutieren, ist, ob man seine alten, unverkauften Fotos aus seinem Bildbestand löschen sollte oder lieber nicht. In einer Facebook-Gruppe gab es neulich wieder eine lange Diskussion, deren Essenz ich heute zusammenfassen will.

Welche Vorteile gibt es, Fotos aus seinem Portfolio zu löschen?

Fangen wir mit den Vorteilen an: Wer sein Portfolio regelmäßig von alten Bildern befreit, welche sich in mehrere Jahre lang noch nie verkauft haben und die einem mittlerweile peinlich sind, weil man als Fotograf dazugelernt hat, erhält ein auf den ersten Blick beeindruckenderes Portfolio.

Sinnvoll kann das vor allem auch bei Serien sein. Wenn sich aus einer Serie abzeichnet,  dass bestimmte Motive gefragter sind als andere, hilft eine Löschung der „schlechteren“ Motive, die Verkäufe auf weniger Bilder zu vereinen, was die betreffenden Bilder im Ranking der Suchalgorithmen bevorzugt, was wiederum zu mehr Verkäufen führt.

Ein weiterer Vorteil ist der Anblick eines von „Dateileichen“ gereinigten Portfolios für den Bildkäufer, der so leichter die gut gehenden Bilder finden kann und deshalb vielleicht eher bereit ist, sich das Portfolio für einen Direktzugriff zu speichern.

Es wird gemutmaßt, dass es auch eine Art „Portfolio-Ranking“ geben könnte, welches bewirke, dass Bilder eines Portfolios, welches ein besseres Verhältnis von Ansichten zu Verkäufen (Views-Sales-Ratio) hat, prominenter in den Suchergebnissen der Bildagenturen angezeigt werden. Wer unverkaufte Bilder aus seinem Portfolio löscht, verbessert dieses Verhältnis automatisch. Ob es das ominöse Ranking jedoch gibt, konnte meines Wissens noch kein Stockfotograf nachweisen.

Einige Fotografen betonen auch die psychologische Wirkung einer „Aufräumaktion“, weil man sich danach befreiter fühlt und das Portfolio geordneter aussieht. Das ist jedoch ein Effekt, den ich aus wirtschaftlicher Sicht vernachlässigen würde.

Welche Nachteile hat das Löschen alter Bilder aus seinem Portfolio?

Der größte Nachteil einer Löschaktion liegt auf der Hand: Ein Bild, was nicht in der Bildagentur vorhanden ist, kann vom Kunden nicht gekauft werden. Da für den Fotografen weder Kosten für den Speicherplatz noch für die Serverwartung o.ä. anfallen, tendiere ich dazu, dem „Long-Tail“-Gedanken zu folgen, wonach man auch Geld verdienen kann, wenn man ganz viele Bilder hat, die nur sehr selten verkauft werden. Ich glaube, der passende altdeutsche Spruch dafür lautet: „Kleinvieh macht auch Mist“.

Ein weiterer logischer Nachteil ist die benötigte Zeit. In der Zeit, die ein Fotograf braucht, um 100 alte Bilder aus seinem Bildbestand zu löschen, hätte er einige komplett neue Bilder machen können, welche die Chance haben könnten, neue Bestseller zu werden.

Die meisten Käufer interessieren sich auch nicht dafür, wie das Portfolio eines Fotografen aussieht, denn sie brauchen in bestimmtes Motiv, welches sie mit Suchbegriffen über die Suchfunktion finden. Nur wenn sie Serien oder weitere Varianten eines Motivs brauchen, durchstöbern sie das Portfolio eines Fotografen, nutzen dann aber eher – je nach Agentur – die „Sortieren nach Datum“ oder „Mehr Bilder des gleichen Models“ oder „Mehr Bilder der Serie“-Funktion.

Im Gegensatz zum vermuteten Portfolio-Ranking gibt es vielleicht auch ein Portfoliogröße-Ranking, welches einfach Portfolios bevorzugt, wenn sie größer als andere sind. Das ist zwar auch nicht bestätigt, jedoch glaube ich daran mehr als an das andere Ranking.

Ausnahmen und meine Herangehensweise

Eine klare Ausnahme, die eindeutig für das Löschen bestimmter Bilder spricht, ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein Bild rechtliche Probleme bereiten könnte, weil Logos, Markennamen oder andere geschützte Elemente abgebildet sind, die damals übersehen wurden. Manchmal ändert sich auch die Rechtslage und damals „rechtlich sichere“ Motive werden plötzlich unerwünscht.

Manchmal empfiehlt es sich auch, Bilder zu löschen, wenn sich herausstellt, dass wichtige Suchbegriffe bei einem Foto vergessen wurden und man bei der Bildagentur (zum Beispiel bei Fotolia) nachträglich keine neuen Keywords eintragen kann.

Ich selbst lösche – bis aus die genannten Ausnahmen – keine alten Fotos, hauptsächlich deshalb, weil es mich Zeit kosten würde und ich den erwähnten Long-Tail-Ansatz für plausibel halte.

Wie haltet ihr das? Löscht ihr alte Fotos oder nicht? Und warum?

11 Gedanken zu „Sollte man alte Bilder aus seinem Agentur-Portfolio löschen?“

  1. Ich halte es genau wie Robert und lösche nur aus ganz konkreten Gründen, aber nie, nur weil die Fotos alt oder erfolglos sind. Erstens hatte ich schon einige Verkäufe von Fotos, die zuerst jahrelang still und mit ganz wenigen „Klicks“ in der Datenbank vor sich hin schlummerten. Und zweitens sage ich mir: Wenn die Agentur denkt, dass ihr Bildbestand zu heterogen ist, wird sie das ihren Fotografen schon mitteilen… 😉

  2. Ich glaube weniger ist mehr . Zudem würde diese momentane Bilderflut aufhören .
    Rankings hin und her : gute Portfolios bzw. Produktionen die von den Agenturen selbst getragen werden sind immer vorne an zu finden . Diese werden dem Kunden auch direkt offeriert .

  3. Ich habe Bilder, die sich Anfangs sehr gut verkauft haben, und seit 1,5 Jahren Ladenhüter sind. Umgekehrt verkaufen sich immer wieder Bilder, die ich aus „Scham“ – weil sie noch nie gekauft wurden/oder nicht mehr meinen Stil entsprechen – löschen wollte. Geschmäcker sind eben verschieden, deshalb bleibt alles dort wo’s ist.

  4. @reka: Propagieren kann man vieles – was zählt sind Fakten, in diesem Fall als Zahlen, es ist noch nicht lange her, da hast Du verheißungsvoll ein exclusives Zuarbeiten für F1 vertreten, jetzt frage ich nach den Zahlen und bekomme keine Antwort…..?

  5. Es wäre auch förderlich wenn die Agenturen mal von sich aus was zu dem Thema sagen würde. Grüße Peter

  6. Ich lösche aus meinem Portfolio nichts raus. Ausnahme: Alte Bilder, die mir heute eher etwas peinlich sind. Ich glaube, dass viele Suchende vielleicht einige wenige Portfolios gespeichert haben, weil sie dort ein Häufung von Themen erkennen – food zum Beispiel. Suchen müssen sie trotzdem und schließen dabei andere, die vielleicht das Bild haben, das gesucht wird. In meiner Meinung bestärkt bin ich durch einen Käufer, den ich kenne. „Aus dem Alltag eines Bildkäufers…“ berichtet mir hin und wieder jemand aus meiner Familie. Zusammengefasst sagt er:

    „Ich habe drei Agenturen – mit einer davon (fololia) hat mein Arbeitgeber einen Abovertrag, bei den beiden anderen kaufe ich bis mein Monatsbudget erschöpft ist. Beim Suchen wähle ich die Voreinstellung max. – meist 100. Bin ich nach der dritten Seite nicht fündig geworden, gehe ich zur nächsten Agentur. Werde ich fündig kommen einige Fotos auf den Leuchtkasten. Nächstes Motiv suchen – usw. Habe ich alles beisammen schaue ich, ob ein Foto links oder rechts im Blatt sein wird – entsprechend müssen Personen eben eine Körperhaltung nach links oder rechts gedreht haben haben – ich kann zwar selbst bearbeiten(spiegeln) ist mir aber zu aufwändig. Nach dem Ausschlussverfahren schmeiße ich dann Fotos aus dem Leuchtkasten raus (außer fotolia) und kaufe dann. Wer das Bild fotografiert hat ist mir egal, das ist überhaupt kein Kriterium. Manchmal wundere ich mich wie Fotos verschlagwortet sind.“

  7. @ Max : jetzt haste aber was woran du festhälst .
    Nochmals ich arbeite nicht exclusiv , ja ich habe exclusive Dateien bei versch. Agenturen . Und ja f1 und w61 verkaufen ziemlich gut da guter Verteiler .
    Die Anzahl der Verkäufe steigt und steigt mal mehr mal weniger .
    Ja , ich bin zufrieden . Reicht das oder willste noch meinen Einkommenssteuerbescheid ?

  8. @reka: Du irritierst mich etwas – “ ich arbeite nicht exclusiv , ja ich habe exclusive Dateien“???
    Was bedeutet ganz gut? entscheiden ist ja der RPI – Also ich habe im vergleich zu meinen sonstigen Agenturen nur bescheidene Verkäufe mit Verteilern, da bleiben nur kleine € Beträge für mich.

  9. Grundsätzlich würde ich auch keine alten Fotos löschen. Wer weiß, ob sich so eine besagte Datei-Leiche nicht vielleicht doch irgendwann einmal verkauft? Eine Ausnahme stellen allerdings Fotos dar, die extrem zeitabhängig sind, wie z.B. Silvester-/Neujahrs-Fotos oder ähnliches, die eine konkrete Jahreszahl beinhalten. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass heute noch irgend jemand ein Silvesterfoto mit der Jahreszahl 2010 kaufen würde. Da die einschlägigen Agenturen allerdings immer noch voll mit solchen Fotos sind, kann man wohl davon ausgehen, dass die wenigsten Fotografen alte Fotos entsorgen. Die Gesamtzahl der Bilder im Portfolio dürfte hierfür wohl den Ausschlag geben. Gerade bei Microstock geht es eben doch mehr um die Masse. Meine 5 Fotos für den Jahreswechsel auf 2013 werde ich jedenfalls im April 2013 entsorgen. Ich glaube, danach werde ich die nicht mehr los… Oder hat da jemand andere Erfahrungen gemacht? Würde mich ja schon interessieren!

  10. Meine Fotos bekomme ich bei den Stockangenturen kaum unter. Ich habe viele Bilder aus Fotonachlässen gescannt und erschlossen. Sie entsprechen nicht den Stock-Agentur Qualitätsansprüchen. Also findet man sie auf meiner Website medien…. .com
    Was von den Bildern bestellt wird, ist seltsamerweise in meinen Augen oft der Schrott. Zum Beispiel eine unscharfe, aus dem Zugfenster aufgenommene Schwarzweisslandschaft mit einem kleinen Kaff irgendwo in Österreich, die ich nur der Vollständigkeit halber in dem Album des Nachlasses gelassen habe. Letztendlich entscheidet der Bildkäufer über den Kauf. Und was der will, entzieht sich oft meinem Verständnis. Also alles, was von den Stock-Agenturen angenommen wurde dort stehen lassen. Man weiss nie ….

    Tom

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