In der bunten Welt der Bilder gibt es einen neuen Hype: Pinterest!
Für alle, die davon noch nichts gehört haben: Pinterest ist ein Web-Service, mit dem Leute beliebige Fotos aus dem Internet an ihre eigene Pinterest-Seite “pinnen” können. Es ist also – wie der Name vermuten lässt – eine Art digitale Pinnwand, auf der Leute ihre Webfundstücke präsentieren können. Vor allem Fotografen kennen das sicher, dass sie gerne inspirierende Motive aus dem Netz in einem Ordner auf der Festplatte sammeln.
Das Besondere – und meines Erachtens auch das Riskante – an Pinterest ist nun, dass die gepinnten Bilder für alle sichtbar sind – nicht nur für Mitglieder, sondern alle Internet-Nutzer. Die “Pins”, also die markierten Fotos, können die Nutzer in “Boards” anlegen, vergleichbar mit verschiedenen Ordnern, um die Motive zum Beispiel nach Themen, Farben oder anderen Kriterien zu sortieren. Das Ganze kann dann zum Beispiel so aussehen:

Wird die Maus auf eins der Bilder gehalten, erscheint gleich ein kleines Pop-Up-Fenster, mit dem Pinterest-Nutzer das Bild sofort auf ihre eigene Pinnwand “re-pinnen” können. Wird auf eins der Bilder geklickt, erscheinen Detailinformationen, Kommentare anderer Nutzer zum Bild, und ähnliche Bilder etc. Das sieht zum Beispiel so aus:
Klingt doch alles super? Vielleicht. Das Problem wird aber schnell sichtbar. Das Foto des jungen Geschäftsmann oben ist beispielsweise ist ein Bild des Stockfotografen Yuri Arcurs und es wurde von der italienischen Fotolia-Webseite kopiert, ohne es zu kaufen – ein Verstoß gegen das Urheberrecht.
Aber gehen wir einen Schritt zurück und nähern uns dem Problem anders.
Einige Fotografen propagieren Pinterest als kreativen neuen Weg zum Selbst-Marketing. Durch das Pinnen eigener Bilder würden Fotografen einen großen Kundenstamm erreichen können, der sonst vielleicht nie von dem jeweiligen Fotografen gehört hätte oder sie erzeugen Traffic auf die eigene Webseite oder den Blog. Andere sehen das eher mit Einschränkungen so und wieder andere raten Fotografen strikt von der Pinterest-Nutzung ab. Ich tendiere eher zur letzteren Meinung und kann die Ablehnung auf drei Ebenen begründen.
1. Ebene: Das Pinterest-Problem der Quellenangaben
Nehmen wir an, dass ein Fotograf nur seine eigenen Fotos dort veröffentlicht. Die “Pinterest-Etikette” besagt, dass die Originalquelle immer angegeben werden sollte. Das ist aber keine Pflicht. Wenn jemand ein Foto ohne Quellenangabe hochlädt und es von dort oft weiter gepinnt wird oder jemand das Fotografenfoto nimmt, aber die Quelle nicht mehr erwähnt, führt das schnell dazu, dass massenhaft Fotos des Fotografen im Netz herumschwirren, ohne dass der gewünschte Werbeeffekt eintreten kann. Von Pinterest schwappt es dann nach Tumblr, Weheartit oder Flickr und irgendwann gilt das Bild als “verwaistes Werk” (orphan work), welches legal genutzt werden kann, ohne den Fotografen zu fragen, weil der Urheber nicht mehr zu ermitteln sei.
Deshalb gilt: Wer unbedingt eigene Bilder bei Pinterest einstellen will, sollte das immer nur mit sichtbaren Wasserzeichen und Urheberhinweis in den Metadaten machen.
Die Macher von Photoshelter haben in einem lesenswerten Blogbeitrag auch festgestellt, dass die Hauptnutzer von Pinterest junge Frauen mit wenig Geld sind, welche “Design” oder “Handarbeit” als ihr Hobby angeben. Das ist meist nicht die Zielgruppe, die Fotografen bucht. Und warum sollten diese Leute Fotos kaufen, wenn sie diese doch kostenlos bei Pinterest veröffentlichen können? Das führt langfristig zum Problem auf der dritten Ebene, aber zuerst kommt die zweite Ebene:
2. Ebene: Das Pinterest-Problem der Urheberrechte
Wer sich mit Medienrecht oder Fotografie etwas auskennt, wird beim Blick auf Pinterest innerhalb von Sekunden viele Urheberrechtsverstöße erkennen. Anders formuliert: Viele Bilder werden dort illegalerweise gezeigt. Im verklausulierten Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen schreibt Pinterest, dass veröffentlichte Bilder frei von Rechten Dritter sein müssen:
“You agree not to do any of the following: Post, upload, publish, submit, provide access to or transmit any Content that: (i) infringes, misappropriates or violates a third party’s patent, copyright, trademark, trade secret, moral rights or other intellectual property rights, or rights of publicity or privacy”
Viele Nutzer halten sich jedoch nicht daran. So brauchte ich wieder nur Sekunden, um für jede der großen Bildagenturen hunderte von Fotos zu finden, die dort gezeigt werden, fast immer noch mit dem Wasserzeichen der Bildagentur, vermutlich oft ohne Erlaubnis des Fotografen: Hier von Fotolia, von Shutterstock, von istockphoto oder Dreamstime, aber auch von Getty Images, Corbis oder Alamy.
Zusammen sind das schnell tausende illegale Bilder, gefunden innerhalb von weniger als paar Minuten.
Auf meine Email an Pinterest, was die Firma aktiv gegen solche massiven Urheberrechtsverstöße mache, kam nur die lapidare Antwort, dass ein Urheber erstens sein Werk nach dem DMCA-Gesetz gerne melden könne, wenn er es irgendwo auf Pinterest finde. Zweitens können Webseiten-Betreiber auf ihren Seiten diesen Meta-Tag einbinden, damit die Inhalte nicht auf Pinterest gepinnt werden können:
“<meta name=”pinterest” content=”nopin” />”
Ein Schweigen der Urheberrecht-Inhaber wird so als automatische Zustimmung gewertet. Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperrten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest veröffentlichen.
Besonders perfide klingt das angesichts der Tatsache, dass sich Pinterest auch das Recht herausnimmt, die veröffentlichten Bilder verkaufen zu dürfen:
“By making available any Member Content through the Site, Application or Services, you hereby grant to Cold Brew Labs a worldwide, irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, royalty-free license, with the right to sublicense, to use, copy, adapt, modify, distribute, license, sell, transfer, publicly display, publicly perform, transmit, stream, broadcast, access, view, and otherwise exploit such Member Content only on, through or by means of the Site, Application or Services” [Hervorhebung von mir]
Einige Leute argumentieren, dass Pinterest sich auf die “Fair Use”-Klausel berufen könne, nach der die urheberrechtlich geschützten Bilder bei Pinterest zu einem “neuen Werk” transformiert werden, ähnlich wie es damals bei einer Klage gegen die Thumbnails von Google Images argumentiert wurde, aber der Rechtsanwalt Itai Maytal widerspricht dem jedoch, der deutsche Rechtsanwalt Christian Solmecke nennt Pinterest sogar “eine einzige Urheberrechtsverletzung”. Das alles führt uns zur dritten und langfristig gefährlichsten Ebenen für Fotografen.
3. Ebene: Das Fotografen-Problem des Gewöhnungseffekts
Es hilft nichts, wenn Fotografen sich jetzt nur hinstellen und auf ordentliche Quellenangaben pochen und notfalls ihren Anspruch mit teuren Abmahnungen einklagen. Angesichts der oben aufgezeigten tausenden Fälle bleibt das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Schlimmer noch ist der Gewöhnungseffekt, der sich bei den Internet-Nutzern einstellt. Fotografen verdienen ihr Geld hauptsächlich damit, dass Leute sie für ihre Bilder bezahlen. Internetnutzer glauben jedoch sehr häufig, dass Bilder im Internet kostenlos sind. Dazu tragen Web-Services wie Pinterest, Tumblr und Weheartit, aber auch Facebook und Konsorten stark bei.
Je mehr Privatpersonen diese Dienste nutzen, desto eher nutzen auch Firmen und andere kommerzielle Anbieter solche Seiten. Diese wiederum werben dann auch mit urheberrechtlich geschützten Fotos, ohne sie gekauft zu haben. Damit gehen Fotografen ganz konkret auch Einnahmen und Folgeaufträge verloren. Kleines Beispiel? Gefunden innerhalb einer Minute: Auf der Pinterest-Seite des Hotel München zeigt das Hotel ein Foto eines Fahrrads aus Gemüse. Der Bildqualität nach zu urteilen, wurde es nicht bei Fotolia gekauft, von wo es ursprünglich kommt, sondern einfach das Layoutbild verwendet:

Wenn Fotografen nicht aufpassen, kommt irgendwann der Moment, an dem die Macht der Gewohnheit so stark und die Menge der unwissenden Internet-Nutzer so groß ist, dass sich die Gesetze dem neuen “Lebensstil” anpassen müssen und einfach geändert werden. Die Piratenpartei arbeitet schon darauf hin und da sie vor allem von jungen Leuten gewählt wird, steigen deren Chancen.
Eine Lösung habe ich nicht: Wie macht man Leuten klar, dass Bilder und Fotos kein kostenloses Treibgut im Internet sind, dass jeder aufsammeln und ausstellen kann? Am besten, ohne Privatpersonen verklagen zu müssen?
Was sagt ihr? Welche Chancen und Risiken seht ihr bei Pinterest?






@Nicolei: Sicher hast Du Recht mit deiner Aussage “Letzenendes macht ihr euch aus persönlicher Verzweiflung zu den nützlichen Idioten derjenigen, die euch ausbeuten.”
Aber schmeiss mich nicht mit in den Topf, ich vermarkte nicht im Microstock, sondern selber exclusiv….als RM und meine Bilder werden zunehmend nachgefragt, die Redakteure wissen sehr gut zu unterscheiden wann ein Microstockbild zum Einsatz kommt und wann ein anderes, höherpreisiges…
@Nicolai: ACTA / Artikel 27 ist vollkommen ok – hat als Künstller meine volle Unterstützung, dann kann ich endlich gegen die ganzen Bilderdiebe vorgehen.
Lieber Max,
entschuldige bitte, dass ich dich für einen Microstocker hielt. Jetzt sind wir wenigstens verwechselungstechnisch quit
Ich halte RM auch für die Abrechnungsmethode in der mehr Fotografen überleben werden. Aber wenn du exklusiv vermarktest, dann ist die unlizenzierte Kopie deiner Bilder doch gar nicht mehr dein Problem, sondern das deiner Kund_innen, oder?
Und ja, Artikel 27 ermöglicht dir, gegen unlizenzierte Kopien (Diebstahl ist nach §242 BGB „eine fremde bewegliche Sache“. Eine Datei ist keine bewegliche Sache, sondern eine Information) vorzugehen. Aber es ist eben einfach nicht in Ordnung, wenn du als Rechteinhaber meinen Provider anschreibst und der einfach so meinen Webspace sperrt, mein Facebookprofil ändert oder gar meinen ganzen Internetzugang deaktiviert. Seien wir ehrlich, das wird in kürzester Zeit vollautomatisiert ablaufen.
Für Rechtsverletzungen gibt es Gerichte und ordentliche Prozesse und an die kannst du dich gern wenden. ACTA versucht aber, diese Verfahren direkt zwischen zwei privaten Anbietern aufzubauen, die dann digitale richterliche und polizeiliche Rechte ausüben.
Nicolai, ist doch bestens, wenn das automatisiert abläuft, das spart Zeit, Ärger, Geld und Nerven. Ich sage dann nur, selbst dran Schuld, was klaust du einfach fremdes Eigentum? Und wenn man die Rechtswege damit auch noch verkürzen kann, bestens. Mein letzter Prozeß hat knapp 4 Jahre gedauert, der Gegner war genauso dreist und hat fast so argumentiert wie du. Als ihm nichts mehr einfiel, hat er sogar behauptet, ich wäre gar nicht derjenige, der das Bild gemacht hat.
Unterm Strich hat er aber auch nur draufzahlen müssen. Ein Bild und das hat ihn 1024 EUR gekostet.
Weil eine Verurteilung durch eine_n Richter_in erfolgen muss. Nicht durch eine Maschine. Und schon gar nicht durch private Firmen, die eigene Interessen verfolgen und sicherlich nicht die Rechte des Angeklagten. Effizient sind Diktaturen auch. Dein Partikularinteresse, dein Geld schnell zu sehen, ist nicht so wichtig, wie Rechtsstaatlichkeit.
Leb damit!
Ich veröffentliche übrigens keine unlizensierten Fotos und frage mich, warum du mir das eigentlich unterstellst?
Unlizenziertes Kopieren ist kein „Klauen“ sondern unlizenziertes Kopieren. Warum rückst du das in die Nähe des Diebstahls? Es ist keiner. Keiner lässt etwas von deinem Besitz in seinen übergehen.
Intellektuelle Rechte werden nicht geklaut. Es sind Rechte. Recht kann man nur nicht beachten, aber klauen kann man sie nicht. Nicht alles, was man bezahlen kann, kann man auch klauen.
Das bedeutet nicht, dass du deine Rechte nicht wahrnehmen sollst, oder das es in Ordnung wäre, deine Rechte nicht zu beachten. Aber deine Vorstellungen davon, was du da eigentlich „hast“, sind einfach falsch.
Und bitte was ist an meiner Argumentation dreist?
Das dein Prozessgegner deine Urheberschaft angezweifelt hat, ist dreist. Ein guter juristischer Spielzug, aber dreist. Glückwunsch zum gewonnenen Prozess. 4 Jahre sind ein bisschen lang, aber das ist ja nur ein Problem der Unterausstattung der Gerichte.
Na glücklicherweise sehen viele Richter und Anwälte das anders. Diebstahl ist Diebstahl und dazu gehört auch das unerlaubte Kopieren von Fotos. In etlichen Verfahren wurde genau das auch als das bezeichnet, was es ist, Diebstahl punktum.
Wie gesagt, Fotoklau werde ich genauso verfolgen und bestrafen lassen, wie es sich gehört.
Achja, schau dir doch mal die Akte Youtube/Gema an. Da wirst du staunen, Nicolai …
@Nicolai: “einfach so meinen Webspace sperrt, mein Facebookprofil ändert” aber genau das passiert hier in DE jeden Tag, da wird geschaut wo du wohnst und danach wird deine Bonität eingestuft. Wenn man Pech hat, dann kann man unter Umständen nicht mehr mit der Kreditkarte im Internet einkaufen, oder bekommt schlechter einen Kredit – warum soll das bei den Urheberrechten nicht anders sein ? Es werden nicht Daten kopiert, sondern Ideen geklaut (wie das auch juristisch zu bewerten seien mag). Ich sehe das wie Frank.
Und hier noch einmal ein Link zum Urheberrecht aus aktuellem Anlaß:
http://www.tagesschau.de/inland/facebook296.html
@Max
Ich finde Geoscoring falsch. IMHO ist jedes Scoring, das nicht auf vergangener Kredithistorie beruht falsch.
@Frank und Max
Ideen kann man nicht klauen. Daten auch nicht. Nur Datenträger.
Das bedeutet nicht, dass das, was euch stört, nicht illegal sein kann (und in sehr vielen Fällen auch ist) und dann bestraft gehört. Aber die Unterscheidung muss gemacht werden, sonst landen wir rechtsphilosophisch in einem riesigen Schlamassel. Und daraus kann nur Willkür und Terror erwachsen. Und um die zu verhindern, geht es uns doch allen.
Über den Voodoozauber der Verlage:
http://carta.info/43087/voodoozauber-der-verlage/
Das bezieht sich zwar nur nebenher auf die Probleme der Mikostocker_innen, zeigt aber immerhin auf, in welche Richtung es gehen könnte.
@Nicolai: Ich sehe da viel Polemik – wenig konkretes, allerdings ist das angesprochene Problem der Autoren ja existent, aber so einfach wie dort geschildert ist es für die Verlage in D nicht.
Bei den Fotografen sind einige gute Anwälte, die z.T. auch selbst fotografieren mit beteiligt an dem Urhebergesetz.
Fakt ist doch eins, wenn das UrHG tatsächlich abgeschafft werden soll (wie die Piraten es träumen) wird es keinen Fortschritt mehr geben. Warum sollte sich dann noch jemand Gedanken machen, und was erfinden? Zum Erfinden gehört eben auch ein Buch, Foto, Ideen, etc.
Und Ideen kann man auch klauen. Oder warum gibt es das Patentamt?
Irgendeine Form des Urheberrechtes wird es schon geben. Nur was da genau geschützt wird, steht auf einem anderen Blatt.
Die paar Menschen, die ich persönlich kenne, die mit Patenten und anderem geistigen Eigentum richtig reich geworden sind (Multi-Millionäre) haben ihre Erfindungen aus Spieltrieb und Neugierde gemacht. Nicht aus Gewinnstreben. Das war denen ziemlich egal.
Wenn es anders funktionieren würde, gäbe es sehr viel weniger BWL- und Jurastudierende, die würden nämlich sehr gerne eine Erfindung machen um reich zu werden. Gelingt aber nur wenigen.
Eine tolle Idee realisiert man, weil man sie hat. Weil man es vor Neugierde nicht aushält, sie nicht zu realisieren. Mag sein, dass es auch da ein paar Ausnahmen gibt (Simenon war eine), aber hauptsächlich wird doch aus Spieltrieb erfunden.
Sag mir nicht, du hast angefangen, zu lernen, interessante Fotos zu machen, weil du Geld verdienen wolltest. Dir ging es doch sicherlich in erster Linie um die Neugierde und das Selbermachen, oder?
Und Ideen kann man nicht klauen. Man kann ein Patentrecht verletzen. Das ist etwas anderes.
Das Patentamt gibt es übrigens ursprünglich, damit Ideen nach Ablauf einer gewissen Frist in die public domain übergehen und nicht geheim gehalten werden. Das Patentamt ist ursprüngliche ein Institution FÜR die unentgeltliche Weitergabe/-nutzung von Ideen. Seine Fristen sind nur zu lange für elektronische und digitale Produkte. Wenn man sie verkürzte (sagen wir auf ein Jahr) könnte das Patentamt seiner eigentlichen Funktion wieder nachkommen.
Dafür, dass ihr (wer sich da angesprochen fühlt, ist auch gemeint
solche Fans des geistigen Eigentums seid, wisst ihr erstaunlich wenig über seine Geschichte, Funktionsweise und gesellschaftliche Funktion. Aber das mag mit eurem Beruf zusammenhängen. Gut möglich, dass man die Funktion des geistige Eigentum dann in erster Linie als „gib mir Geld für meine Miete“ wahrnimmt.
@Nicolai: Bleib doch einfach sachlich. Derzeit gibt ein funktionierendes Urheberrecht, da klagt doch keiner. Nur von einigen wird es inFrage gestellt ohne das eine entsprechende Lösung geboten wird.
Einen Musiktitel gibt für 0,99 Cent zu kaufen. Die kann man doch bezahlen – außerdem braucht man nicht unbedingt Musik zum Leben, ist ein reines Konsumgut/Luxusgut, so wie z.B. Alkohol. Jetzt kommt natürlich von Dir das Argument das die Musiker und die Musikindustrie und Apple und sowieso alle Ausbeuter sind, Milliarden verdienen und alle übers Ohr hauen und zusätzlich noch arglistig unbescholtene Bürger verklagen, mit Anwälten die auch nur abzocken wollen und Richtern…, ja was ist nur mit den Richtern, wo haben die Ihren Vorteil? aber ist ja auch egal.
Schauen wir mal auf die andere Seite. Da komponiert jemand ein Lied. Gut singen kann der auch noch. Und mit ein paar Kumpels die ein paar Instrumente spielen, einer Soundanlage tourt er jetzt durch Europa, spielt sein Lied, übernachtet in Hotels, ist fast nie Zuhause, hat 5x die Woche einen Auftritt. Dann sind da noch ein Manager, der Plant. Dann noch die Konzerthallen, Helfer für den Aufbau. Und weil der Job anstrengend ist, mann irgendwann nicht mehr weiß in welcher Stadt man gerade ist, lenkt man sich ab, mit Alkohol, Kanabis etc…..oder bekommt einen Burnout. Das macht der bestimmt gerne Umsonst. Sein Geld verdient er bestimmt als Interlektueller oder Politiker….
Ich fand mich recht sachlich. Ich habe keine falschen Anschuldigen und missverstandenen Straftatbeständen um mich geworfen, mich nicht aktive sachlichen Vokabeln verweigert und mich bemüht hinkende Vergleiche zu vermeiden und die anderer aufzuklären. Was daran unsachlich soll, weiß ich nicht. Soll ich deinen Hinweis jetzt einfach als ad hominem verbuchen?
Sachlichkeit ist gut. Bleiben wir mal dabei. Es wäre zum Beispiel gut, wenn du auf das Aufbauen von Strohmännern (wie im vorherigen Kommentar) verzichtest. Ich tue es ja auch. Und meine Geduld, gegen aufgebaute Strohmänner zu argumentieren, ist begrenzt. Dispute sind in Ordnung, sehr gerne auch kontroverse. Aber genügend Respekt, den Disputant_innen keine fremden Worte in den Mund zu legen, muss vorhanden sein. Deshalb werde ich auf den zweiten Absatz nicht näher eingehen.
Zum dritten Absatz: Konzerte gehen gut. Hört man von den Musiker_innen allenthalben. Die verdienen damit Geld und können davon leben. Warum du davon ausgehst, dass dafür keine_r zahlt ist mir schleierhaft. Das entspricht doch nicht der Wahrheit. Fast alle Konzerte kosten Eintritt und der wird doch auch von vielen bezahlt. Oder redest du von „Raubhörer_innen“, die sich durch das Toilettenfenster in den Club schmuggeln? ^_^
@Nicolai: Welcher Kommentar soll von einem Strohmann geschrieben worden sein? Falls Du die Kommentare von “Frank” meinst, das ist ein Kommentator, der schon lange vor dem Beitrag diskutiert hat und auch immer eine ganz andere IP als Max nutzt.
Um mal richtig zu stellen, ich bin hier in China, arbeiten. Da Blogs, Twitter, FB & Co. hier massiv zensiert werden, nutze ich einen VPN mit wechselnden IP’s. Nicolai, ich sehe hier jeden Tag, was dabei herauskommt, wenn man sich einen Dreck um das Urheberrecht kümmert. Man bastelt hier nach ohne überhaupt die Zusammenhänge zu kennen. Dem zur Folge ist die Qualität der nachgebauten Teile unter aller Sau und teilweise sogar lebensgefährlich. Ich möchte nicht in einem Flieger sitzen, wo gefakte Teile verbaut wurden. Aber genau das kommt nämlich dabei heraus, wenn man so denkt wie du und das Urheberrecht ignoriert. Es kann tatsächlich Menschenleben kosten und genau das hat es auch schon. Aber du und deine Mitstreiter von der Piratenpartei könnt dann ja den Jungfernflug mit der C-919 machen, einem komplett gekupferten Passagierflugzeug ‘made in china’. Viel Spaß.
@Nicolai: Hast du irgendetwas konkretes zur Fotografie beizutragen, oder willst Du nur Deine Zukunftsvisionen kundtun?
Liebe Mitdiskutierende,
bitte entschuldigt die späte Antwort, ich war mit der re:publica beschäftigt.
Es tut mir sehr leid, dass der Ton so hart geworden ist, wir haben uns meiner Meinung nach einfach missverstanden.
Mit Strohmann meinte ich eine rhetorische Figur. Keine Zweitidentität (selbst wenn es eine gäbe, fände ich sie gar nicht schlimm. Argumente sind ja auch unabhängig vom Menschen gut).
Zurück zur Figur:
Wenn ich zum Beispiel sagen würde, Robert Kneschke sei ein ACTA-Befürworter und würde doch am liebsten alle Teenager, die seine Bilder bei Pinteract teilen, ins Gefängnis werfen lassen und eine gigantische Diktatur aufbauen wollen, die jedem Teenager permanent beim Surfen auf die Finger guckt, hätte ich einen Strohmann aufgebaut. Weil ja völlig offensichtlich ist, dass Robert Kneschke keine Teenager für das unlizenzierte Teilen seiner Bilder ins Gefängnis stecken möchte und auch keine Diktatur zu diesem Zweck errichten will. Aber halt doch ACTA nicht völlig ablehnend gegenüber steht (behaupte ich jetzt einfach mal so, damit meine Erklärung fuktioniert
Mehr dazu gibt es auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument
@Frank
Wie schon gesagt, ich habe in keiner Weise bezweifelt, dass du „echt“ bist. Das tut mir sehr leid, das muss sich für dich unheimlich unfreundlich und gemein angefühlt haben.
Was das Flugzeugproblem angeht, fehlt eher eine rigide unabhängige Qualitätskontrolle. Und die wird ja durch das Verbot zu kopieren behindert. Deshalb gibt es ja auch externe Gutachten, CE-, VDE- und viele andere Zeichen für Bau- und Ersatzteile. Die Zertifizierung muss eben für Teile, die dem Hersteller finanziell nicht genehm sind, möglich sein. Übrigens gibt es einen riesigen Markt von „nachgemachten“ Autobremsbelägen und ähnlichem, ohne dass deshalb dauernd furchtbare Unfälle passierten. Weil es da staatliche/herstellerübergreifende Kontrollen gibt. War übrigens ein echtes deutsches Erfolgsmodell. Technischer Überwachungsverein? DIN-Normen? Werkbund? Dadurch wurde der rasante Aufstieg des rückständigen Deutschen Reiches erst möglich.
Außerdem verhalten sich Kohlenstoff-Kopien anders als digitale. Die Digitalen sind ja perfekt. Ein unlizenzierte Foto-Kopie (prima Wortwitz!) ist ja technisch ganz genauso gut wie das „Original“ (eben weil es ja gar keines mehr gibt).
@Max
Es ist konkret für rechtliche Fragen rund um Lizenzen und Kopien. Klar, eine Bildmontageanleitung ist es nicht. Was möchtest du denn konkret beigetragen bekommen?
Nachtrag:
http://www.wir-sind-die-urheber.de/
Eine Initiative, die ich in jedem Fall uneingeschränkt mit trage!
@Frank: Danke Frank – da habe ich sofort unterschrieben!
Da habt ihr euch ja fein vor den Karren der Menschen spannen lassen, die euch Knebelverträge und Dumpinglöhne aufzwingen.
@Nicolai: Red nicht soviel Unsinn – Du bist dermaßen schlecht informiert, warum glaubst Du wohl, dass so viele Kreative versuchen sich wehren, Dumm sind die auf keinen Fall……dieses Gelaber der Piraten kann doch keiner mehr hören!
@Max: Bitte bleib sachlich im Ton, Beleidigungen will ich hier nicht lesen.
@R. Kneschke: Sachlich bin ich geblieben – stört Dich wirklich das Wort Gelaber? Poltisch polemisch ohne Inhalt ist OK? Auf welcher Seite steht Du?
@Max: Ich habe mich vor allem an dem Fäkalwort gestört, was ich aber schon in deinem vorigen Kommentar entfernt habe.
@R. Kneschke: Keine Ahnung wo Du da ein Problem hast……aber wenn ich genau den Beutrag von Nicolei lese, da kann ich mich eigentlich garnicht angesprochen fühlen, Dumpinglöhne gibts nur im Microstock – das ist nicht mein Geschäftsmodel, und auch die ca. 5000 Künstler die eine Unterschrift geleistet haben, gehören, soweit ich das beurteilen kann, nicht zu den Billiglohnern.
Wie stark Künstler inzwischen attackiert werden, zeigt die Aktion von Anonymos gegen “Wir-sind-die-Urheber”! Warum steht Du eigentlich nicht auf der Liste….
Die Anonymous-Aktion halte ich für ungefährlich. Die Daten sind nicht gescrapt, sondern händisch ergoogelt. Der Mensch dahinter ist also unfähig. Es ist sicherlich nur eine_r, sonst wären mehr Daten da. Der_die ist nicht gefährlicher, als irgendein_e spinnerte_r, jähzornige_r Nachbar_in.
Das Anon-Label steht ja jeder_m offen.
Wenn du die Konstellation in zwei Seiten einteilen möchtest und erwartest, dass sich alle auf dieser binären Skala positionieren, machst du es dir zu einfach. Schließlich gibt es viele Interessengruppen: Inhaltekonsument_innen, Inhalteverwerter_innen, Inhalteersteller_innen, Inhaber_innen moderner Inhalteproduktionsmittel, Inhaber_innen veralteter Inhalteproduktionsmittel, Inhaber_innen moderner Inhaltedistributionsmittel, Inhaber_innen veralteter Inhaltedistributionsmittel, Inhalteweiterverabeitende, …
Und die meisten Akteure nehmen auch noch mehrere dieser Rollen gleichzeitig ein.
Das ist auch eines der Hauptprobleme mit dem Urheberrecht. Es ist technisch so einfach geworden, viele dieser Rollen gleichzeitig einzunehmen. Aber juristisch bekommt das keine_r hin. Wann soll man denn all die Regeln dazu lesen und lernen? Selbst die Einführung der Bundeszentrale für politische Bildung hat 385 Seiten. http://www.bpb.de/system/files/pdf/0GKFWO.pdf
Und das ist ja nur eine Einführung.
Von der Unvermeidbarkeit der Kopie ganz zu schweigen.
Das Urheberrecht passt einfach nicht mehr zu der Art, wie heute urgehoben (ist das das passende Verb?) und mit immateriellen Dingen umgegangen wird.
Wenn du, Max, die Beobachtung machst, dass sich dort hauptsächlich „Superstars“ tummeln, dann sollte das misstrauisch machen. Gerade, wenn man eher Gebrauchskunst (Mikrostock?) produziert.
Danke Frank für den Link.
Ich habe soeben ebenfalls mit unterzeichnet. Das Urheberschutzgesetz muss mehr denn je gestärkt und keinesfalls eingeschränkt oder gar abgeschafft werden. Ideenklau, Plagiate, Bilder-und Textklau, das Internet als Freibrief und kostenloser Selbstbedienungsladen getreu dem Motto:” Ach ich dachte, was da rumschwirrt, kostet nichts!” Ist ein absolutes NO GO!!
Liebe Monika,
Ideen werden durch das UrhG nicht geschützt. Nur deren konkrete Materialisierungen. Es gibt also keinen Verstoß gegen das UrhG namens „Ideenklau“. Ideen sind tatsächlich ein Selbstbedienungsladen. Man kann sie nicht „klauen“. Aber man darf sie verwirklichen. Selbst dann, wenn andere sie hatten. Keiner wird gezwungen, seine Ideen zu äußern.
@Nicolai: Na klar kann man Ideen klauen – indem diese kopiert, passiert ständig, bei Turnschuhen, Telefonen, Autos, Fotos etc.. Geht ganz einfach – man schaut was ein anderer mühevoll erarbeitet hat und bedient sich dann bei ihm. Spart Zeit und Geld, ist doch gut – oder?
@Nikolai: jo, lass uns nur noch ueberall klauen, sei es Ideen, sei es Patente (angemeldete Ideen), Fotos, Grafiken, Texte, etc. Mal sehen, was passiert, wenn alle nur noch klauen und keiner mehr etwas Neues entwickelt, weil es sich nicht mehr lohnt …
Nee, Ideen kann man eben nicht klauen. Patentierte Ideen, kann man zeitweise „klauen“ (genauer: „Patente, Geschmacksmuster, Markenrechte verletzen“), Ideen an sich nicht. Und nach 20 Jahren (Patente) und maximal 25 Jahren (Geschmacksmustern) ist Schluss. Nur die Marke, die kann man beliebig oft (gebührenpflichtig) verlängern.
Und die neuen Ideen fallen ja nicht vom Himmel, die bauen auf alten auf. Wenn ich mir einen patentierbaren neuen Fahrradsattel ausdenke, baut der ja auf den vorherigen Ideen über Fahrräder und deren Sättel auf.
Deshalb sind Ideen prinzipiell zur Realisation freigegeben. Es gibt nämlich den Schatz des Gemeinfreien, der oft in den Urheberrechtsdebatten übersehen wird. Ohne den würde es nämlich keine Innovation mehr geben.
@Max Es ist prinzipiell vorgesehen, dass sich der intellektuellen und künstlerischen Arbeit anderer kostenlos bedient wird. Damit sich die Urheber trotzdem motiviert sehen, etwas zu schöpfen, räumt ihnen das Urheberrecht ein räumlich, zeitlich und inhaltlich begrenztes Sondermonopol ein. Der Gedanke dabei ist nicht, dass die Urheber_innen damit reich werden, sondern dass sie davon leben können und deshalb schöpfen. Das ist alles. Euer „geistiges Eigentum“ ist ebenso wie materielles Eigentum sehr genauen und mitunter komplizierten Schranken unterworfen. Die Gesellschaft räumt euch ja nicht einfach so ein Monopol ein, weil ihr so knorke Leute seid, sondern aus wirtschaftlichen Überlegungen.
@Frank Ich habe nicht gesagt, dass man die konkrete Materialisierung uneingeschränkt kopieren darf. Du baust ja schon wieder – da, ich habe Jehova gesagt! – einen Strohmann auf.
@Nicolai: Die Gesellschaft räumt uns dieses Recht ein, damit die Gesellschaft davon profitiert, in Form von Steuern. Du übersiehst in deinen Ausführungen regelmäßig den gesellschaftlichen Nutzen der Gesetze. Dein interlektueller Ansatz ist enorm verschult, wer sein Geld selbstständig erarbeiten muß, kann ermessen welchem Druck er ausgesetzt ist. Natürlich baut eine künstlerische Schöpfung auf etwas auf, aber schau doch mal was die Gesellschaft (außer den Steuereinnahmen) noch davon hat, wieviel postitiver es eben diese macht, und das auf allen Ebenen, ich mag mir kein Leben vorstellen wo Künstler nicht für ihre Arbeit entlohnt werden, egal ob man nun Millionen verdient (Sting, Bono und noch viele andere geben diese Millionen für gute Zwecke aus) oder gerade so davon leben kann, auch ist ein politischer Ansatz ganz wichtig, dass sehen wir gerade in Russland, da gibt es massig Beispiele. Natürlich gibt es auch eine Werteorientierung durch Werbung, aber auch die Parteien bedienen sich bei den Künstlern – und das über alle Fraktionen hinweg. Die Kommunisten mit dem russischen Konstriktivismus, andere mit Leni Riefenstahl und dann noch die künstlerische Oposition, z.B. in China, Musik gegen die Apartheit etc. Ich denke das alles wir massiv unterschätzt, diese ganze ACTA Diskussion geht in die falsche Richtung, nicht die Kunst sollte das Ziel von Anonymos sein, sondern Monsanto, keiner spricht davon das Getreide lizensiert wird, dass zeigt doch deutlich den Geist der Aktivisten.
Nicolai, ich steige hiermit aus dieser mittlerweile nutzlos gewordenen Diskussion aus. Du hast noch immer nicht verstanden (und wirst es wohl auch nicht mehr in diesem Leben) worum es eigentlich geht. Defacto werde ich weiterhin jegliche Verletzungen meines Urheberrechts rechtlich verfolgen lassen und wenn es sich um den Verletzer um ein noch so armes Würstchen handeln sollte. Ich werde auch weiterhin gegen die Ideen der ‘Piratenpartei’ und deren Sympathiesanten eintreten, oder besser jetzt erst recht!
Ja, auch ich habe den Eindruck, dass sich die Diskussion im Kreis dreht.
Ihr argumentiert dauernd gegen Positionen, die ich nicht vertreten habe und vereinfacht beinahe jeden meiner Beiträge, oft bis zur Unkenntlichkeit.
Schade, dass ihr euch so angegriffen fühlt, selbst wenn ich nur die bestehende und gültige Rechtslage zu schildern versuche, ohne dabei unterkomplex zu werden. Klar ist das verschult. Es ist Recht und Rechtsphilosophie, wie soll das schon sein, außer verschult?
Dass es schwierig für euch ist, euer Geld zu verdienen, weiß ich. Und es wird noch viel schwieriger werden. Viele von euch sind meiner Einschätzung nach in ein paar Jahren als Stock-Photo-Arbeitskräfte völlig überflüssig.
Aber das ist vom Gesetzgeber so gewollt, der den Markt und seine Tendenzen einigermaßen kennt und abschätzen kann. Und diesen Willen des Gesetzgebers habe ich zu erklären versucht. Das ist doch kein Grund, mich dafür inhaltlich verantwortlich zu machen.
Außerdem muss ich sagen, dass ich es etwas nervig finde, mit den Anons, den Piraten und sonst allen möglichen Menschen einfach so ungefragt und trotz Widerspruchs in einen Topf geworfen zu werden. Ich versuche ja auch, euch allen differenziert gerecht zu werden. Viel Erfolg mit den Fotos und bis zum nächsten Thread.
Auf ein allerletztes Wort. Nicolai, ich gebe dir hier mal eine Literaturempfehlung: http://www.galileodesign.de/2904 Erst, wenn du dieses Buch gelesen hast, bist du einigermaßen in der Lage (normalerweise solltest du das sein), dich hier auch nur annähernd haltbare Aussagen über Urheberrecht, Verwertungsrechte, etc. auszulassen. Bisher bist du es nämlich, der davon keine Ahnung hat.
Im übrigen sind die wenigsten hier “Stock-Photo-Arbeitskräfte”. Diesen Begriff gibt es nicht, der entspringt deiner Fantasie. Die meisten von uns hier sind normale Fotografen.
Und wenn wir dich vermeintlich in den selben Topf mit den Piraten werfen, hat das einfach den Grund, weil du ständig deren Parolen hier zum Besten gibst.
So, und nun wünsche ich ein schönes Wochenende. Robert, vielleicht könntest du diesen Thread schließen, weil hier kommt nichts Vernünftiges mehr rüber. Dieser Nicolai verfügt nicht über konkretes Fachwissen und plappert nur irgendwelche Piraten- und Anonymus-Parolen nach und reizt damit alle Anderen.
Stimmt, das von dir empfohlene Buch kenne ich nicht.
Aber an der Uni habe ich dann doch den einen oder anderen Creditpoint in Medienrecht erworben. Und einige andere Bücher und Aufsätze zu Urheberrecht und geistigem Eigentum habe ich auch schon gelesen. Aber was sind schon Rechtsdozenten und Rechtsphilosophie gegen einen „Ratgeber für die fotografische Praxis“ (der sicherlich sehr gut für den fotografischen Alltag ist) bei einer Diskussion über Grundsätze und Zukunft eines Rechtsgebietes? Eben!
Die Logik der Praxis ist nicht verkehrt, aber sie ist für die alltägliche Praxis unter relativ konstanten Umständen. Und sie kommt nur sehr schlecht mit größeren Umbrüchen zurecht (Vgl. dazu Geertz, Clifford. 1983. Local Knowledge. New York, Basic Books. 73 – 93 oder Pierre Bourdieu: Entwurf einer Theorie der Praxis: auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft. Suhrkamp)
Dass Falsifikation in der Logik der Praxis nicht erstrebenswert, sondern bedrohlich wirkt, hat sicherlich auch gar nichts mit der erwähnten Gereiztheit zu tun.
Macht nichts, irgendwie wird alles werden.
@Nicolai: Du musst aber sicher auch zugeben, dass es bequemer ist, über solche Themen theoretisch zu debattieren, als mit ihnen konkret in der Praxis (als Urheber, nicht als Konsument) konfrontiert zu sein.
@Nicolai: Verschult heisst nicht praxisorientiert – klar die Gedanken sind frei, aber gerade bei den Theoretikern gibt es ja unterschiedliche Lager. Was der Gesetzgeber will oder nicht – Du wirst uns das sicher nicht erklären – entscheidet ja immernoch das Volk mit den seinem Kreuz auf dem Wahlzettel. Den Stellenwert von Kunst + Kreativität innerhalb einer Gesellschaft habe ich ja schon beschrieben.
Im Übrigen – als Visionär ist war mir Steve Jobs lieber, da kam etwas vernüftiges bei raus!
@Robert Klar ist das bequemer. In der Ethnologie nennt sich das spöttisch Armchair-Ethnologue (Sesselethnolog_in). Wobei ich auch schon durchaus als Urheber und Helfer der Urheber (Ausstellungen kuratieren, wissenschaftliche Texte schreiben, lektorieren und übersetzen, Pressetexte schreiben) mit dem Urheberrecht ganz gut zu tun hatte und habe. Und es ist ein Kreuz. Aber das wisst ihr ja selbst.
@Max Was der Gesetzgeber will, steht in den Gesetzen. Das Volk würde ich – jedenfalls so wie ich dich verstanden habe – nicht direkt fragen, da gewinnt sicherlich ein Populismus à la Kim Dotcom jede Abstimmung.
Was Steve Jobs angeht: Ganz schön großes Fass. Er hat ein paar gute Dinge getan (obwohl Wozniak wesentlich kreativer war, konnte sich aber nicht so gut verkaufen) und sich die Ideen aus den Xerox-Entwicklungsstudios abzugucken (hier würdest du vermutlich „zu klauen“ sagen) war eine gute Tat, der die Computerwelt vorangebracht hat (wie witzig, ausgerechnet die Ideen einer Kopiererfirma zu kopieren).
Steve Jobs war immer ein Kontrollfreak, hat dies zu Anfang aber nur an seinen Angestellten und der Firma ausgelebt. Später hat er leider begonnen, dieses Bedürfnis an seinen Kund_innen auszuleben. Und von da an geht es bergab. Statt den Menschen mehr Freiheit zu geben, hat er sich überlegt, wie er sie dazu zwingen kann, nach seinen Vorgaben zu leben. Vernünftig finde ich das nicht.
Und die Urheber_innen hat er ganz gut übervorteilt. Durch deftige Preise bei den Produktionsmitteln – direkt im Verkauf, aber auch durch künstliche Alterung, wie zum Beispiel technisch unbegründete Softwareupgradefähigkeit bestimmter Hardware – durch Gängelung und Einschränkung der kreativen Freiheit (Besonders bei Apps) und durch ein großes Stück vom Kuchen bei den Einnahmen (iTunes, iStore, AppStore), das lächerlich weit über den entstehenden Kosten liegt.
Nun ja, reich ist er gestorben, das Geld muss ja auch irgendwoher kommen. Aber mit einer Ausbeutung der Urheber_innen hat das sicherlich gar nichts zu tun.
Bei den Theoretikern gibt es übrigens sehr wenig Lager. Die sind so gut wie alle ausnahmlos für eine Absenkung der Schutzfristen, Einschränkung der Schutzfristen oder ein radikales Ausmisten.
@Nicolai: Du hast ein völlig verzerrtes Weltbild – seit wann muß ein Visionär denn alles selber machen, er hatte die Ideen und hat diese durch andere umsetzen lassen, ohne diese Ideen würden wir beide hier sicher nicht kommunizieren. Und natürlich künstliche Alterung – es gibt eine Glühbirne die seit 100 Jahren brennt…..aber widermal übersiehst Du die Nutzen, die Menschen finden es toll wenn es etwas neues gibt, es schafft Jobs und ernährt viele Mensche die nicht produktiv sind. Anstatt irgendwelche Leute mit abstrusen Ideen zu zitieren solltest Du lieber versuchen deine eignen Gadanken zu entwickeln. Du willst kein Pirat sein aber vertritts die Positionen. Ich kenne genug Anwälte, bekannte Anwälte, aus dem Urheberrecht die grundsätzlich andere Positionen vertreten. Das Volk wird mit seiner Stimmabgabe natürlich entscheiden – wir werden in der Zukunft sehen ob die Piraten da eine Mehrheit bekommen. Ich wünsche mir weiterhin kreative Freiräume – und hoffe das deine Position niemals real wird….
Lieber Max,
ich sagte nicht, dass Steve Jobs alles selber machen musste. Ich fand nur die Visionen Wozniaks besser. Aber das ist ja auch nur eine Kleinigkeit, die nicht wirklich wichtig ist.
Arbeit ist für mich kein Selbstzweck, nach deiner Logik wäre es prima, schmissen wir regelmäßig unsere Scheiben ein, da dass die Glaser_inneninnung und Saint-Gobain glücklich machen würde. Menschen, die für den Verwertungsprozess nicht gebraucht werden, können wir auch ohne Beschäftigungstherapie ernähren, die sollen sich ihre Hobbys ruhig selbst aussuchen, statt irgendwo nur wegen geplanter Obsoleszenz in einer Fabrik zu schuften. So verrückt, dass ich andere ohne guten Grund zur Arbeit zwinge, bin ich dann auch nicht. Trotz verzerrten Weltbilds
Ein_e praktizierende_r Anwält_in ist für mich in erster Linie ein_e Praktiker_in des Urheberrechts. Kein_e Theoretiker_in. Auch, wenn seine_ihre Praxis abstrakt ist, bleibt sie doch im alltäglichen Kleinklein gefangen. Das ist auch gar nicht schlecht, schließlich soll er_sie ja dort Fälle gewinnen. Aber für eine Gesellschaft ist das ein bisschen wenig.
Von welchen Jurist_innen/Rechtsphilosoph_innen sprichst du denn genau? Wo forschen sie denn? Wie heißen sie? Wo sind ihre Aufsätze?
Tatsächlich versuche ich meine eigenen Gedanken zu entwickeln. Kann gut sein, dass dabei einiges von anderen Leuten stammt. Aber niemand entwickelt ein Gedankengebäude aus dem luftleeren Raum heraus. Genausowenig, wie die Montage eines Photos unabhängig wäre von den Montagen und der Bildsprache, die man vorher gesehen hat. Ich denke, dass dann doch ein paar Dinge auf meinem eigenen Mist gewachsen, beziehungsweise durch meine Kombination der Gedanken anderer entstanden sind.
Und da kommen wir auch direkt zu den kreativen Freiräumen. Die gibt es nämlich nur, solange der Schatz der Public Domain nicht zu klein wird. Sonst kannst du dir nichts mehr ausdenken und nichts mehr machen, weil du sonst eine riesige Kette von Lizenzrechten bedienen müsstest. In der Softwareindustrie passiert das teilweise bereits. Und es verhindert Innovationen und Kreativität.
Auch, wenn du das vielleicht nicht glaubst: Ich vertrete meine Positionen, um kreative Freiräume zu erhalten und auszubauen.
@Nicolai: Ich denke da z.B. an Dr. Maaßen aus DD…
Der scheint sich hauptsächlich mit der rechtlichen Praxis zu befassen, aber ich habe mir seinen Beitrag zur Festschrift für Gerhard Pfennig genauer angeschaut, das war der einzige akademische Text, der zumindest in Auszügen kostenlos verfügbar war.
Im abrufbaren Teil beschreibt er nur die geltende Rechtslage, für den Rest soll ich vermutlich den Verlag bezahlen (wie dreist, bekommt doch kein_e Autor_in für einen Beitrag zu einer akademischen Festschrift ein Honorar).
Überlegungen zur gesellschaftlichen Nützlichkeit oder Effekten stellt er da nicht an. Das passiert sicherlich auf den anderen Seiten, aber die sind ja nicht abrufbar. Schade.
Ich habe auch nach Uni-Veranstaltungen bei ihm gesucht, aber keine gefunden. Er scheint hauptsächlich für Gruner+Jahr sowie BFF Seminare und Vorträge zu halten.
Das ist nicht schlecht, es ist sicher nützlich, aber keine Grundlagenforschung.
Tut mir leid, so ganz ohne irgendeinen Text kann ich nicht nachvollziehen, was er warum befürwortet/ablehnt.
Außer zur Panoramafreiheit der SPKB, da kann er den Entscheid nicht nachvollziehen und spricht sich für geringere Schutzrechte und die Verteidigung der Panoramafreiheit zugunsten der „Teilhabe der
Bevölkerung an den abgelichteten Kulturgütern“
aus.
http://www.lawmas.de/database/upload/hq/pstock_hq2787b28382b54d06d8e878ceaf130526.pdf
hi, schöner Beitrag muss ich sagen. Ich sehe das persönlich auch kritisch. Aber nicht nur, was Pinterest betrifft, sondern auch, was die anderen sozialen Netzwerke betrifft.
Einer Aussage in deinem Beitrag kann ich aber so nicht wirklich folgen. Du schreibst: “Außerdem hilft das Meta-Tag nicht, wenn Leute ein Foto erst von der gesperrten Webseite auf ihren Computer laden und von dort auf Pinterest veröffentlichen.” Nun ja, dagegen kann man sich doch aber nie schützen. Das ist ja nichts spezielles von Pinterest. Denn natürlich kann jeder sich ein Vorschaubild bei einer Bildagentur auf seinen Rechner runterladen und dann bei Flickr, in seinem Blog, bei Google-Maps/Panoramia etc. oder so hochladen. Nichts anderes wäre das ja.
Auch die Pins, speziell von Fotolia sind aber wohl direkt von Fotolie verknüpft worden. das zeigt die Tatsache, dass bei einem KLick auf das Bild die Fotolia-Seite geöffnet wird. Die Verknüpfung zur ursprüngliche Quelle bleibt bei Pinterest nämlich beim repinnen erhalten, im Gegensatz zur facebook-Teilen-Funktion.
Aber generell hast du schon recht. geistige Leistung zählt heute kaum noch, kaum jemand bedenkt, dass andere davon leben, dass sie Bücher schreiben, fotografieren etc.
LG Helma
Noch ein Nachtrag dazu:
Ich habe mir gerade die AGBs von Pinterest noch mal angesehen, weil du da schreibst die dürfen die Bilder auch verkaufen. Ich konnte das nicht finden. Ich denke, die haben das inzwischen geändert. Jetzt steht da: “Subject to any applicable account settings you select, you grant us a non-exclusive, royalty-free, transferable, sublicensable, worldwide license to use, display, reproduce, re-pin, modify (e.g., re-format), re-arrange, and distribute your User Content on Pinterest for the purposes of operating and providing the Service(s) to you and to our other Users.”
Heißt also, nach meinem Verständnis, diese ganze Rechte (Verkauf) ist nicht dabei, räumt man Pinterest ausschließlich zur Nutzung AUF Pinterest und zur Gewährleistung der Pinterest-Funkionen ein. Umgekehrt schließt das nach meinen Verständnis aus, dass Pinterest die Bilder an dritte weitergeben darf, verkraufen darf oder selbst außerhalb der Plattform nutzen darf.
LG Helma
@helma: Ja, der Verkaufspassus wurde mittlerweile entfernt, was nichts daran ändert, dass die Seite praktisch zu Urheberrechtsverletzungen ermuntert.