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Brauchen Microstock-Agenturen eher Profi-Fotografen oder Amateure?

Ich bin so stolz auf euch Leser! Vor paar Wochen hatte ich im Blog den Artikel „Die sechs Nachteile von Exklusivität für Fotografen in Bildagenturen“ geschrieben und im Anschluss daran entstand eine sehr ausführliche Diskussion der Leser, die trotz ihrer Länge und gegensätzlichen Meinungen sehr sachlich blieb.

Das gefällt mir und es zeigt, dass gut geführte Diskussionen auch zum Nachdenken anregen. Mir stellten sich beim Lesen zwei Fragen, von denen ich heute einer nachgehen will.

Einer der Diskussionsstränge in den Kommentaren war die Frage: Brauchen Microstock-Bildagenturen Profi-Fotografen als Lieferanten oder könnten sie genauso gut nur von den Bildern der Hobby-Fotografen leben?


Hier mal stellvertretend zwei der Kommentare, die einmal den Pro- und einmal den Kontra-Standpunkt vertreten:

So argumentiert Max:

„Keine 10% der Fotografen bei den Micros sind Profis. Das Bildangebot würde dramatisch sinken, sollten die Amateure aussteigen. Speziell istock bewegt sich auf einer kritischen Linie. Nur mit dem Angebot der Exklusiven wäre istock mit der zusätzlichen Vetta und Gettylinie viel zu teuer. […] Ich glaube, dass bei den exklusiven Profis die Umsatzentwicklung in den nächsten Jahren abflacht. Der qualitative Unterschied zwischen Profis und Amateuren wird sichtbar kleiner. Zudem werden teure Produktionen für Profis immer riskanter. Die Gruppe der Top-Producer wird aber nicht wesentlich größer werden. Weil das in der Regel ganze Teams sind, weniger Einzelfotografen. Bei abflachender Umsatzentwicklung wird das für Teams aber immer schwieriger. “

Dagegen meint Walter:

„ ‘Keine 10% der Fotografen bei den Micros sind Profis.’ Sicher richtig – aber von denen kommen wahrscheinlich die Hälfte der verkauften Bilder. Bei Shutterstock gibt es derzeit 15 Millionen Bilder von rund 300.000 Fotografen. Ergibt 50 Bilder pro Fotografen. Wenn man bedenkt, wie viele Fotografen aber mehr als 1000 Bilder haben, bleiben für viele Fotografen nur mehr 30 Bilder im Durchschnitt über. Und diese Bilder sind wahrscheinlich auch nicht die Topseller.
Ich glaube, dass auch in der Stockfotografie von 20% Fotografen 80% Umsatz erwirtschaftet wird. Und das sind dann eben die 10% Profis und 10% ‘Semiprofis’.“

Beide Argumente klingen erst mal plausibel. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Ich kann natürlich nicht die Umsätze der Top-Fotografen mit den Gesamteinnahmen der Bildagenturen vergleichen, aber zumindest eine Annäherung ist über einen Vergleich möglich.

Meine Vorgehensweise

Dazu habe ich zuerst bei den drei Agenturen istockphoto, Fotolia und Dreamstime geschaut, welches die Fotografen mit den meisten Verkäufen sind. Bei Fotolia konnte ich die 17 Top-Fotografen durch die Ranking-Liste identifizieren, zusätzlich habe ich die Daten der drei größten Infinite-Kollektionen berücksichtigt. Bei Dreamstime gibt es eine Liste der 15 Top-Fotografen zu sehen. Bei istockphoto war die Identifizierung der 20 Top-Fotografen etwas schwieriger. Ich habe mit etwas Recherche jedoch diese Liste zusammenstellen können. Bei Shutterstock gibt es meines Wissens leider keine Möglichkeit, die Top-Fotografen zu erkennen. Falls jemand eine Idee hat, bitte melden.

Ich habe dann geschaut, wie viele Bilder die Agenturen zu gut verkäuflichen Keywords wie „woman“ oder „business“ insgesamt im Angebot haben. Danach habe ich gezählt, wie viele Bilder die Top-Fotografen zusammen zu diesem Stichwort im Portfolio haben und wie viel Prozent des gesamten Bildbestands zu diesem Thema das ausmacht. Zum Schluss konnte ich diese Zahlen in Relation zur Gesamtmenge der aktiven Fotografen der Bildagentur setzen. Damit würde ich die Frage beantworten können, welchen Anteil am Gesamtbestand einer Agentur die Profi-Fotografen einbringen.

Die Auswertung

Schauen wir uns zuerst Fotolia an:

Insgesamt hat die Agentur ca. 120.000 aktive Kontributoren. Beim Stichwort „woman“ hat Fotolia ca. 1.497.000 Dateien im Angebot und ca. 1.229.000 mit dem Suchbegriff „business“. Die 20 Top-Fotografen bei Fotolia haben ca. 129.000 Fotos mit dem Keyword „woman“ und 77.000 mit „business“.

Damit sind allein die 20 Top-Fotografen für 8,6% (woman) bzw. 6,3% (business) des gesamten Bildbestands verantwortlich. Diese 20 Fotografen machen jedoch nur 0,017% der gesamten Fotografen aus. Das heißt vereinfacht formuliert: Bei den beiden untersuchten Begriffen liefern die Top-Fotografen ca. vierhundertmal so viel Bilder wie es ihrer Menge entsprechen würde (konkreter: 376x bis 514x so viel). Das übertrifft bei weitem die Pareto-Regel. Mehr dazu gleich.

Bei Dreamstime sieht es ähnlich aus:

Insgesamt beliefern ca. 115.000 Fotografen die Agentur. Zum Thema „woman“ hat Dreamstime ca. 1.463.000 Bilder, zum Thema „business“ ca. 854.000 Bilder im Angebot. Die Top-15-Fotografen entsprechen ca. 1,3% aller Fotografen, ihr Anteil am Suchbegriff „business“ jedoch 6,9% (11.820 Bilder) bzw. 16,6% beim Begriff „woman“ (22543 Bilder). Die Pareto-Regel wird hier sogar deutlich übererfüllt.

Auch istockphoto liefert ähnliche Werte: Die Agentur wird von ca. 100.000 Fotografen beliefert. Die Top-20 sind für 3-4% des Bildbestands bei den genannten Suchbegriffen verantwortlich, auch wenn ihr Anteil nur 0,02% aller Fotografen beträgt. Damit liefern sie 150-200x so viel Fotos wie es ihrer Menge entsprechen würde.

Wer nachrechnen will, kann mit einem Klick auf dieses Bild meine Kalkulation anschauen. Die Suchanfragen habe ich am 17. Juni 2011 gestellt:


Was besagt die Pareto-Regel?

Die Pareto-Regel besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Vielfach wird diese Regel auf ganz unterschiedliche Bereiche angewandt. Im Falle der Stockfotografie würde die abgewandelte Pareto-Regel lauten: Ca. 80% des Umsatzes werden von 20% der Fotografen erwirtschaftet.

Das Ergebnis

Gehen wir davon aus, dass ein Profi-Fotograf bei einer Microstock-Agentur im Durchschnitt mindestens genauso pro Bild verdient wie ein durchschnittlicher Fotografen. Diese Annahme ist sehr wahrscheinlich, da die Profi-Bilder häufig aufwändiger und teurer inszeniert sind und damit Bildkäufer häufiger ansprechen.

Mit dieser Annahme und der eben errechneten Erfüllung der Pareto-Regel gemessen am Bildbestand können wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen: Ja, die 20% der bestverkaufenden Fotografen in einer Bildagentur erwirtschaften auch mindestens 80% des Umsatzes.

Auf die eingangs erwähnte Diskussion bezogen, bedeutet das: Bildagenturen können es sich – mittlerweile – eher leisten, auf die Amateure zu verzichten als auf die Profis. In der Praxis sichtbar wird das gut an den Honoraränderungen. Die letzten Honoraränderungen sowohl von istockphoto und Fotolia benachteiligten diejenigen, welche wenig Umsätze erzielen und belohnen (bzw. bestrafen zumindest nicht) diejenigen, welche viel verdienen.

Was sagt ihr? Teilt ihr meine Einschätzung oder seid ihr anderer Meinung? Oder habe ich nur viele Rechenfehler auf einmal begangen?

17 comments to Brauchen Microstock-Agenturen eher Profi-Fotografen oder Amateure?

  • Tomy-K

    Hallo Robert

    Aus meiner Erfahrung als Marketing-Mann funktioniert Pareto fast immer. Die Frage ist eher, wie genau das Pareto-Prinzip im spezielle Fall zutrifft. Mein eigenes Beispiel mit fotolia lässt den Verdacht zu, dass die Verhältnisse – zumindest bei fotolia – wesentlich krasser sind als man mit Pareto normalerweise prognostizieren würde.

    Ich habe am 7. Januar 2011 aus Neugierde div. Bilder hochgestellt. Dies war eine einmalige Aktion. Seither habe ich nichts mehr mit Fotolia gemacht. Bei einer Annahmequote von rund ca. 90% wurden 21 Bilder von fotolia akzeptiert. Verkauft habe ich seit dem 11 Bilder. Mein Konto weist 6,4 credits aus. Seit Januar stehe ich im Wochenranking konstant irgendwo zwischen Platz 9.000 und 11.000! In den ersten Monaten stand ich im Gesamt-Ranking auch so etwa auf 10.000. In den letzten Wochen bin ich so langsam auf Platz 43.000 abgerutscht.

    Fotolia hat früher damit geworben, dass sie über 200.000 Fotografen hätten. Mit einem Ranking von 10.000 wäre ich somit innerhalb der ersten 5% der erfolgreichsten Künstler. Und das bei 6,4 Credits Gesamt-Provision !!!
    Wenn ich meine Zahlen ansehe, dann würde ich eher vermuten, dass höchsten 0,5 % der Fotografen also max 1.000 ein bisschen Geld bei Fotolia verdienen. Und dann gibt es vielleicht noch 200 die davon leben können. (plus einen YURI – ohne den fotolia dicht machen könnte)
    Wenn Du Dir mal ansiehst, dass Du selbst 3 Jahre Aufbauzeit gebraucht hast um jetzt so langsam auf ein anständiges Einkommen zu kommen … das machen doch nur ganz wenige Leute.

    Wozu braucht fotolia die Amateur-Fotografen? Meiner Meinung nach ausschließlich zu Werbezwecken und Auffrischung des Longtails innerhalb des Portfolios . Die Fotolia-Strategie funktioniert nur, wenn es gelingt immer wieder neue Fotografen zu finden, die auf die Werbeversprechen hereinfallen und ein paar Bilder hochschieben damit der Fotostamm erhalten bleibt. Für einen Amateur ist fotolia total uninteressant. Das merkt er aber erst so nach 50 Bildern. Und dann hat die Werbung bereits ihren Zweck erfüllt.

    Liebe Grüße
    Tomy-K

  • @Tomy-K: Das sehe ich eigentlich nicht so. Die Amateure sind doch wichtig für das Abdecken von Nischenbereichen. Die professionelle Studiofotografie hat doch oft auch einen recht einheitlichen Look zur Folge. Bei Macro oder gar Reisefotografie sieht das doch ganz anders aus. Ich kaufe z.B. für einen Kunden regelmäßig Fotos von Kinderspielzeug. Selten erwische ich dabei einen Fotografen zweimal. Klar, es ist eine Nische. Aber als „total uninteressant“ würde ich das nicht bezeichnen.
    @Robert: Diese Übersicht ist wirklich interessant, auch wenn Du natürlich zwei Themen der Studiofotografie erwischt hast. So ist der Anteil der „Stars“ bei Business höher als bei Women, was auch ein Amateur in freier Wildbahn fotografieren kann. Soll heißen: Ein Amateur ohne oder nur mit notdürftigem Studio kann kaum Business People fotografieren. Bei den oben genannten Macro oder Travel dürfte es etwas anders aussehen, ohne dabei die Grundaussage Deiner Statistik allerdings zu schmälern.

  • Jay

    Sehr interessant, auch der Kommentar von Tomy. Das bedeutet, dass man es eigentlich gar nicht versuchen braucht, wenn man nicht bereit ist, voll dahinterzustehen, also einen Aufwand betreibt, wie Du es machst, Robert.

    Dann die schönen Bilder lieber aufwändig und sorgfältig verschlagworten und bei flickr und Co. einstellen und darauf warten, dass ab und zu Agenturen oder Zeitungen und Magazine ein Bild kaufen und dann gleich 50 Euro oder mehr bezahlen. Leben kann man davon freilich nicht. Aber man bekommt auf diese Weise offensichtlich mehr pro Bild.

  • Kai

    Ich sehe das ähnlich wie Klaus Heidemann, Robert. Du hast mit Business eine Kategorie ausgewählt, die natürlich von Profis dominiert wird. In vielen Bereichen mag das Verhältnis anders sein. Mach doch mal einen Versuch mit den (willkürlich ausgewählten) Begriffen construction und springtime oder auch christmas. Ich wette, du erhältst abweichende Ergebnisse. LG

  • Hallo Robert,

    ein interessanter Beitrag wie ich finde.
    Das mit den Suchbegriffen wurde ja schon gesagt. Mich würde auch interessieren wie es bei Suchbegriffen wie Insekten, Makro, Ziegel, usw. aussehen würde.
    Ich zähle mich bei Fotolia mit 573 Fotos auch zu den Amateuren. Bei woman (US) findet man bei mir 29 Fotos und bei business 5 Fotos. Auf der DE Seite findest man zu Frau jedoch 82 Fotos. Offensichtlich arbeitet da die automatische Übersetzung schlecht, oder woran liegt das?

    Schöne Grüße
    Daniel

  • Für mich ist die Frage falsch gestellt. Aber durch diese schwarz-weiße Fragestellung soll ja zur Diskussion angeregt werden. Und dies wird sie sicherlich.

    Was ist überhaupt ein Profi-Fotograf?
    Ein Fotograf mit bestandener Fotografenausbildung?
    Ein Foto-Designer der ein Studium oder eine Akademie absolviert hat?
    Ein sehr begabter Autodidakt der mit der Fotografie sein Geld verdient?
    Einer von den drei obigen die die Fotografie als Nebengewerbe betreiben?
    Es gebe noch viel mehr Differenzierugsmöglichkeiten, aber das wäre vielleicht ein Thema für einen anderen Blog-Artikel?

    Für die Bildagenturen, egal ob Microstock oder Macrostock, spielt es keine Rolle ob der Bildlieferant Berufsfotograf oder Hobbyfotograf ist.

    Dies war schon vor Jahrzehnten so und ist auch heute so.
    Am Ende entscheidet einzig und allein die Qualität des Bildmateriales und die zu erwartenten Verkaufschancen.

    MFG
    Bernd

  • @Bernd: Für mich und auch im Sinne des Artikels definiere ich “Profi-Fotograf” als jemand, der mit dieser Tätigkeit seinen Lebensunterhalt ausschließlich finanzieren kann.
    @Daniel: Ja, das scheint am Übersetzungs-Tool zu liegen.

  • Fotoprofi

    @Bernd:

    kannst Du vielleicht dein dämliches Foto austauschen – sieht ziemlich lächerlich aus und ist komplett unästhetisch

  • Oliver

    Hallo Mitleser, ich hab mir da eine etwas andere Philosophie zusammengeschustert. Amateure profitieren durchaus, wenn sie Stockagenturen wie Fotolia mit ihren Bildern beliefern. Früher lagen mehrere 1000 Bilder auf einer Festplatte und zwar vollkommen ungenutzt. Ok, mal ein paar Bilder in der Fotocommunity oder auf der eigenen HP – das war’s dann meistens schon. Jetzt können die Bilder irgendwo ein kleines Geld im Stillen erwirtschaften. Der Amateur muss damit nicht sein Geld verdienen, viel mehr ist es die Freude wenn mal wieder eine Lizenz verkauft wurde. Ausserdem bekommt er sehr schnell mit ob seine Bilder qualitativ genügen und entwickelt mehr Gespür für Verbesserungen seiner Fotos. Bei einem Aufenthalt in den USA vor 2 Jahren kam ich das erste mal mit Stockfotografie in Kontakt. Ich wollte einfach interessante Motive in der Stadt oder Umgebung finden und lies mich bei Fotolia,Istock usw. per Stichwort beispielsweise “New Orleans” inspirieren. Danach war es wie ein Fieber. Jetzt bin ich bei allen namhaften Stockagenturen vertreten und mein Verdienst beläuft sich ungefähr auf 50 € im Monat. Ich kann nur für Amateure sprechen und finde die Möglichkeit meine Fotos einen kleinen Deckungsbeitrag erwirtschaften zu lassen nicht schlecht. Die Agenturen profitieren auch davon, die Vielfalt an Motiven und Themen kann eine Hand voll Profis nicht abdecken. Die Profis machen sich meiner Meinung nach den Markt selber kaputt. Da lohnt es sich unkonventionelle Motive oder Themen zu finden. Grüße

  • @Fotoprofi: Lass uns hier bitte sachlich bleiben, persönliche Beleidigungen müssen nicht sein.

  • Fotoprofi

    @Oliver:

    da muß ich widersprechen, die Profis machen sich den Markt weder kaputt, noch können sie diesen nicht nicht abdecken.

    Deinen Ansatz verstehen ich – nur leider ist es so, das für eine (1ne) Veröffentlichung eines Reisebildes noch vor 5 Jahren (natürlich abhängig von Auflage etc) schon mal einige hundert euros bezahlt wurden, anstatt €50,– hättest Du damals bestimmt monatlich 500,– bis 1000,– Euro für deine verkauften Bilder bekommen.

    Ich verstehe nur allzugut warum Microstock so einen Zulauf hat – bei den Macros ist es noch heute schwer reinzukommen, die sind viel zu arrogant und fühlen sich immernoch als Eliten…leider

  • Mich persönlich würde es interessieren, wie viele von den Amateuren in den Profibereich schaffen bzw. zum Profi (nach Roberts Definition)”ausgebildet” werden?

    Ich habe im März 2009 bei Fotolia aus Spaß ein Foto hochgeladen. Am zweiten Tag wurde das Bild das erste mal verkauft, zu 30Cent. Gleich darauf habe ich ein paar weitere Fotos hochgeladen, und wieder wurde eins für 30 Cent gekauft. Das hat mich motiviert und ich habe immer mehr Bilder hochgeladen. Da ich sehr viele Naturmakros habe, wurden diese bei Fotolia sehr oft abgelehnt – Naturbilder halt. Also habe ich geschaut mit welchen Bildern man Geld verdienen kann. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mit meiner Fotoausrüstung (vom Budget her) einfach nicht diese aufwendige Business- und Peoplebilder produzieren kann, also suchte ich nach Alternativen. Diese fand ich bei den Illustrationen. Künstlerisch bin ich nicht ganz unbegabt, programme konnte ich mir günstig besorgen. Aber hier habe ich bei Null anfangen müssen…., (hat auch viele Haare gekostet).

    Mittlerweile ist es ein schöner Nebenerwerb, mit einigen hundert Euro monatlich. Mein Portfolio bei Fotolia, liegt bei ca. 750 Bildern. Ranking 3240 im Moment, war aber auch schon viel besser.

    Ich bin ein Amateur, ich kann davon (noch) nicht leben. Könnte Fotolia auf mich verzichten? Sicherlich, bis auf wenige Bilder gibt es bei Fotolia mindestens eine Alternative. Aber wie viele Anbieter gibt es von meinem “Format”? Kann Fotolia auf sie alle verzichten? Und hätte Fotolia alle jetztigen Profis, wenn die Amateure von vornherein nicht zugelassen wären?
    Ich weiß es nicht, aber ich glaube es auch nicht…

    (Fotolia, dient nur als Beispiel. Ich biete auch bei anderen Stockagenturen an)

  • cobalt

    Hi Robert,

    für mich ist es ganz einfach: derjenige der von seiner Arbeit hauptberuflich lebt, macht es professionell.

    Ist egal ob Schauspieler, Musiker, Fotograf oder Programmierer. Derjenige der nicht davon lebt ist Amateur. Der Ausbildungsweg ist zweitrangig. Viele studierte Fotografen leben vom Kellnern oder Webdesign, nicht den Bildern. Viele Quereinsteiger schaffen es von ihrer Leidenschaft zu leben.

    Das sagt aber nichts über die Bildqualität (Gesang, Tanz, Software…) aus. Es gibt viele Amateure die professionelle Arbeit machen und wenn sie sich dafür bezahlen lassen auch ein vergleichbares Honorar bekommen können. Sie können ihre Arbeitsleistung aber auch verschenken. Das machen viele Hobbyprogrammierer und viele Hobbyfotografen. Genauso wie manche als Hobby journalistisch tätig sind und ihre Artikel kostenlos in Zeitungen drucken lassen. Oder ihre Kurzgeschichten oder Bücher im Internet verschenken.

    Im Microstockbereich sehe ich eigentlich nur das die erfolgreichen Fotografen alle auf dem gleichen Niveau arbeiten. Die “Profis” mit ihrer Studioerfahrung und Ausbildung verdienen dabei schneller Geld, die “Amateure” müssen oft die technischen Anforderungen für gute Agenturfotografie lernen. Aber Microstock erlaubt eben jedem dort einzusteigen, währen die “grossen ” Agenturen oft geschlossenen Clubs sind und man nur mit Empfehlungen reinkommt.

    Ich persönliche würde mich nur auf die Bildqualität konzentrieren.

    Es gibt viele Amateure die sehr kreativ sind und mit Stock sehr gutes Geld verdienen. Bei manchen geht die Leidenschaft dann soweit es hauptberuflich zu machen. Ich bin selbst ein Quereinsteiger und inzwischen sind ca 80% meines Einkommens nur aus Stock. Zwischen Micro und Macro unterscheide ich nicht mehr, ob das Geld von meinem Portfolio auf Getty oder istock kommt ist mir egal.

    Wozu brauchen Bildagenturen also die vielen Amateure?

    Als Talentschmiede.

    Es braucht eine grosse Masse an interessierten Mitgliedern und die besten werden sich schon durchsetzen. Downloads und Geld motivieren, die Vielfalt im Themenbereich über alle Kulturen und Länder hinweg gibt den Agenturen die Möglichkeit auf angestellte Fotografen zu verzichten und trotzdem an Bilder von allen Teilen der Welt zu kommen.

    Ich würde also sagen: 80% der Umsätze werden von Fotografen die professionelle Bildqualität machen geliefert und das scheint nur eine sehr kleine Gruppe zu sein. Spielt der berufliche Hintergrund da noch eine Rolle?

    Interessant wäre vielleicht mal ein Artikel der das normale Einkommen eines Fotografen mit deinem Einkommen aus Stock vergleicht. Ich glaube es gibt viele Studiofotografen, Bildreporter, studierte Kunstfotografen die deutlich weniger verdienen als Du. Auch Werbefotografen haben nicht jede Woche neue Aufträge und jeder der von Aufträgen lebt kennt das Problem, das man nach erfolgreichem Auftrag auch noch dem Honorar hinterher laufen muss. Und bei wie vielen kommt noch Geld rein wenn Sie mal krank sind?

  • max II

    Kann durchaus sein, das Microstock alleine von den “Profis” leben kann. Wobei ich auch glaube, das dann die Nischen zu wenig behandelt würden.
    Wer von der Stockfotografie lebt, ist als Profi anzusehen. Allerdings ist auch nicht gesagt, dass es ein Profi aus der Auftragsfotografie leichter hat, bei den Micros einzusteigen. Wenn jemand, egal, ob Profi oder Amateur, nebenbei ein Bilder hochläd, ist das meist zu wenig um bei den Micros Erfolg zu haben. Mann muss sich schon ordentlich engagieren um da weiter zu kommen. Verschenkt wird da nichts. Und ich glaube, es sind die meisten auch nicht so durchorganisiert wie Robert, das ist eher die Minderheit. Welcher Fotograf, egal ob Amateur oder Profi, macht schon ein sehr erfolgreiches Shooting im Fitness Studio, bei kleinen Budget und doch ganz hervorragender Qualität.
    Ich glaube das ist es einfach das was Erfolg im Microstock ausmacht.
    – Viele Kontakte haben um günstig produzieren zu können
    – Organisation
    – ein Arbeitstier sein
    – Top Qualität, im Verhältnis zu den Shootingkosten
    – ein breiter Themenbereich
    – entsprechnde Levels (Diamant,Gold,… alles was Prozente bringt) bei den einzelnen Micros erreicht zu haben

    Aber Nischenthemen würden nurch durch die Profis bei den Micros trotzdem zu kurz kommen.
    Es gibt da Amateure, die fast nichts anderes als Landschaften, oder Gartenarbeit fotografieren. Davon kann man als Stockfotograf schwer leben. Für den Profi sind solche Themen zeitlich zu aufwendig und zu wenig profitabel, um viel davon zu produzieren.

    Ich hoffe im nächsten Jahr den Sprung zum “Halbprofi” zu schaffen. Hoffentlich gibt es nun keine Diskussion was ein “Halbprofi” ist. Für mich persönlich ist es die Definiton das ich Vormittags einer “regulären” Arbeit nachgehe und mich Nachmittags oder Abends der Stockfotografie widme.

  • Taz

    Ich finde diesen Beitrag hoch interessant. Ich bin selbst nun seit 2010 bei Fotolia, habe noch keine 500 Bilder im Portfolio, bin damit aber schon seit Mai diesen Jahres auf das Silberranking aufgestiegen und verdiene mit dem kleinen Portfolio nun auch schon regelmäßig mehrere Hundert Euro monatlich. Ich erkläre mir das damit, dass ich als Amateur eher auf Nischen eingehe, als ein “Profi” das tun würde. Gewisse Themengebiete fassen die Profis gar nicht erst an. Daß jedoch auch daran eine große Nachfrage besteht, sehe ich an meinem eigenen Portfolio. Insofern denke ich schon, dass die Amateure ihre “Daseinsberechtigung” haben und grosse Bereiche abdecken.

    PS: Mich würde auch mal eine Auswertung mit dem Schlagwort “Kind” interessieren. Ich denke, Kinder werden von Amateueren wie von Profis gleichermassen angeboten.

  • Max

    Hallo! Eine sehr interessante Diskussion wie ich finde!
    Zur Zeit bin ich am Überlegen ob ich als Amateurfotograf in den Micro/MarcoStockFoto Markt einsteigen sollte. Einige tausend, z.T. sehr gute Fotos habe ich bereits in meinem Archiv lagern – von denen ließen sich bestimmt einige verkaufen.
    Dazu habe ich eine Frage an Euch:
    Und hat jemand Erfahrungen mit der Bildagentur Zoonar – http://www.zoonar.de ? Die bieten eine Austauschmöglichkeit mit anderen Bildagenturen an.. aber kommt von den Gewinnen dann bei mir überhaupt noch was an?

  • @Max: Viele Beiträge von Fotografen zu Zoonar findest Du hier:
    http://stockfotografie-forum.de/discussion/63/bildagentur-zoonar