Konsequenzen aus der istockphoto-Honorarsenkung

Am 8. September 2010 trat eine Meldung von istockphoto unangekündigt die Tür der Microstock-Community ein und ballerte wild mit dem Maschinengewehr herum.

Es ging unter anderem darum, die Fotografenhonorare bis auf ein historisches Industrietief von 15% zu senken.

Nachdem alle Fotografen in Deckung gegangen sind, legte sich der Lärm und einzelne Fotografen hoben langsam die Köpfe. Zack, schlug istockphoto mit einer kompromisslosen zweiten und dritten Nachricht hinterher.

Hier einige Sätze aus diesen Meldungen, die vielleicht in die Geschichte der größten PR-Pannen eingehen werden:

„For non-exclusive contributors the royalties will range from 15 to 20% for content sold on iStock.“

„Since roughly 2005 we’ve been aware of a basic problem with how our business works. As the company grows, the overall percentage we pay out to contributing artists increases. In the most basic terms that means that iStock becomes less profitable with increased success. As a business model, it’s simply unsustainable: businesses should get more profitable as they grow. This is a long-term problem that needs to be addressed.“

„We expected – and wanted – to pay more and more money out to contributors. But what we quickly realized was that it’s one thing for the payout amount to increase over time, it’s another thing for that percentage of our total cost to always increase over time.“

„But money isn’t going to be what makes you all happy.“

Auf gut deutsch lässt sich das – sehr frei – so übersetzen: Je erfolgreicher wir werden, desto weniger sehen wir ein, warum wir das Geld mit unseren Fotografen teilen sollten. Matt Antonino übersetzt die dritte istock-Meldung ganz humorvoll (wenn es nicht so ernst wäre) vom „Corporate Speak“ in „Plain English“.

Es wäre etwas anderes, wenn eine Firma sagt, mit 50% kann ich nicht leben. Aber mit 80% Prozent nicht profitabel sein zu können ist aus mehreren Gründen komplett unglaubwürdig. Zum einen gelingt das anderen Bildagenturen seit mehreren Jahrzehnten, auch mit 50-60% gut über die Runden zu kommen. Die Bildagentur Zoonar zahlt sogar bis zu 80% an die Fotografen aus und wächst immer noch. Dazu kommt, dass die Pressemeldungen von istockphoto in den letzten Jahren vor Erfolg-Superlativen nur so wimmelten.

Es könnte natürlich sein, dass istockphoto recht hat. Wenn eine Bildagentur mit 80% Agenturanteil (ohne Retusche und Verschlagwortung zu übernehmen) nicht konkurrenzfähig ist, hieße das entweder, dass Fotografen sich wirklich mit weniger zufrieden geben müssten, oder dass die Preise wieder so weit angehoben werden müssen, dass es keine Microstock-Preise mehr gibt. Dann wäre alles wieder wie früher, rosa-flauschig und kuschelig.

Wer jetzt einwirft, dass es ja nicht nur um den 80/20-Split gehe, sondern auch darum, dass die exklusiven Künstler im Laufe der Jahre immer mehr Prozente bekämen, spricht einen weiteren Punkt an, den ich unsinnig finde. Natürlich bekommen diese Fotografen im Laufe der Zeit mehr. Aber das ist fair. Denn die Honorarerhöhung ist dann eine Belohnung für mehr Verkäufe, die wiederum istockphoto IMMER mehr einbringen als dem Fotografen. Selbst bei der höchstmöglichen Stufe würde ein Fotograf 40% und istockphoto 60% bekommen. Halten wir fest: Die höchstmögliche Stufe ist die prozentuale Verteilung, die traditionelle Bildagenturen seit Jahrzeiten gezahlt haben, oft auch 50/50 oder 60/40. Ohne immer Exklusivität zu verlangen. Das funktionierte auch. Übrigens hat sich ein Fotograf hier im istockforum die Mühe gemacht, auszurechnen, welche Auswirkungen die Preisänderungen für exklusive istock-Fotografen haben. Sieht ebenfalls nicht sehr erbaulich aus.

Außerdem ist es unlogisch, wenn die istock-Argumentation stimmen sollte, dass sie am Rande des Existensminimuns rumkrebsen und nicht mehr Geld zahlen können, dass sie dann nach der neuen Regelung das höchstmöglich zu erreichende Honorar auf 45% anheben. Es sei denn, das ist nur Augenwischerei, um auf dem Papier bessere Optionen zu haben.

Aber ich glaube nicht daran. Für mich ist die Honorarsenkung schlicht ein dreister Versuch, ohne zusätzlichen Aufwand mehr Geld zu verdienen. Auf dem Rücken der Fotografen. Punkt.

Reaktionen anderer Bildagenturen

Der Zorn der Fotografen auf istockphoto lässt die konkurrierenden Bildagenturen entweder heimlich oder auch laut frohlocken.

  • So sprach die Agentur 123rf frustrierte istocker via Twitter an, doch zu ihnen zu kommen.
  • Auch Alamy tröstete die Fotografen über Twitter und warb zeitgleich für ihren 60%-Fotografenanteil.
  • Die relativ neue Microstock-Agentur Stockfresh lässt es sich ebenfalls nicht nehmen, einige Seitenhiebe zu verteilen.
  • Dreamstime preschte am weitesten vor und bietet bis zum 15. November allen Fotografen, die vorher exklusiv bei einer Bildagentur waren, für jeden akzeptierten Upload $0,20. Eindeutig ein Wink in Richtung der verärgerten istock-Exklusivfotografen.

Meine Reaktion

Im Gegensatz zu anderen Fotografen lebe ich ausschließlich von meinen Einnahmen der Stockfotografie. Jede Entscheidung will wohlüberlegt sein. Im letzten Jahr habe ich ca. 150 Euro pro Monat bei istockphoto verdient, in den letzten Monaten eher zwischen 150-200 Euro. Von den gesamten Einnahmen pendelt istockphoto im Vergleich zu meinen anderen Bildagenturen glücklicherweise nur an 7-9. Stelle. Mein RPD (Revenue per Download) lag bei ca. 1,10-1,20 Euro. Mein RPI (Return per Image) lag in den letzten Monaten bei ca. 0,19 Euro, Tendenz fallend. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er bei istock noch doppelt so hoch.

Anders gerechnet heißt das: Wenn ich jetzt bei 20% im Monat 200 Euro bei istock verdiene, erhält istock 800 Euro. Wenn ich bei 15% ab dem nächsten Jahr 150 Euro verdiene, würde istockphoto damit 850 Euro verdienen. Das sehe ich nicht ein. Okay, ich würde mit meinen Verkäufen auf 16% kommen, aber mittelfristig nie auf 17%. Dazu kommt, dass neben der Honorarkürzung in der istockphoto-Meldung auch stand, dass viel mehr Bilder aus andere Kanälen über istock verkauft werden sollen. Das heißt, dass die Sichtbarkeit meiner nicht-exklusiven Bilder weiter abnehmen wird, was wiederum weniger Verkäufe bedeutet. Die ersten Motive aus der „Agency Collection“ deuten das bereits an.

In einem Kommentar zu meinem ersten Artikel über die Honorarkürzung hier im Blog hat Andreas gesagt:

„Natürlich probieren IS und Co. aus wie weit sie gehen können. Bieten doch genug Fotografen Ihre Bilder für 20% Anteil an, also warum dann nicht auch für 15. Versteht mich nicht falsch, aber wenn nicht langsam mal signalisiert wird, dass die Fotografen nicht nur die Lakaien der BAs sind, wird dieser Trend sich fortsetzen.Ich war nicht bereit bei 20% Verkaufsanteil meine Bilder hochzuladen und ich verstehe auch nicht, warum die meisten nicht sofort Abstand nehmen.“

Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe lange überlegt, ob ich die Klappe halten soll und einfach weiterhin meine 150 Euro im Monat einstreiche. Aber wenn andere Agenturen merken, dass den Fotografen scheißegal ist, für wie wenig Anteil sie ihre Fotos einstellen, würden sie vielleicht nachziehen und dann habe ich wahrscheinlich deutlich mehr Verluste. Es gibt weitere Punkte, die gegen istockphoto sprechen: Es ist bei mir die Agentur, welche bei der Bildauswahl am pingeligsten ist, das Hochladen der Fotos dauert im Vergleich zu anderen Agenturen deutlich länger und das Upload-Limit verhindert, dass ich alle meine Fotos hochladen kann.

Deswegen: Seit Bekanntgabe der Honorarkürzungen lade ich keine neuen Bilder mehr hoch. Das werde ich unter den aktuellen Bedingungen auch weiterhin nicht tun. Es lohnt sich einfach nicht. Ich spare Upload-Zeit, die Umsätze werden erst langsam abnehmen, da die alten Bilder drin bleiben werden und mit der Zeit hoffe ich, den Verlust durch die anderen Bildagenturen, welche alle meine neuen Fotos vertreiben, aufzufangen. Es versteht sich von selbst, dass ich Bildkäufer, die mich fragen, wo sie meine Fotos kaufen können, nicht mehr an istock verweise, sondern an die anderen Bildagenturen.

Reaktionen anderer Fotografen

Seit Bekanntmachung der Honorarsenkung habe ich mit vielen Fotografen gesprochen. Dabei ist mir etwas aufgefallen: Das Hochladen und Verschlagworten der Bilder zu istockphoto ist extrem umständlich und langwierig. Viele exklusive istock-Fotografen, die überlegen, zu anderen Bildagenturen zu wechseln, befürchten deswegen, dass sich dieser hohe Aufwand dann multipliziert, wenn sie mehrere andere Agenturen beliefern. Ich kann sie jedoch beruhigen: Alle Bildagenturen die ich kenne, erfordern weniger Aufwand beim Hochladen der Bilder (vorausgesetzt, die Bildtitel, Beschreibung und Suchbegriffe werden mittels IPTC den Foto-Metadaten angehangen).

Reaktionen im Netz

Auch die bloggenden Fotografen und Online-Journalisten ließen sich die Meldung nicht nehmen und lieferten viele verschiedene Meinungen und Hintergrund-Analysen. Von „Ich hab’s doch immer gesagt“ bis zu „Unverschämtheit!“. Hier eine Auswahl der relevantesten Beiträge:

  • Cnet berichtet darüber, wie das Crowdsourcing-Modell von istockphoto nach hinten losgehen kann.
  • Paul Melcher bettet die istock-Entscheidung in größere Getty-Zusammenhänge ein.
  • Photo Business News ist einer derjenigen, die es schon immer gewußt haben wollen.
  • Auch Jeremy Nicholl hat den Ärger vorhergesehen.
  • Einen Bericht über die langfristigen Folgen der istock-Entscheidung für Microstock gibt es bei Lighting Essentials.
  • Eher istock-freundlich ist die Berichterstattung bei DPTnT.
  • Mehr aus der Käufer-Sicht schreibt der istock-Fotograf Sean Locke.
  • Doug Armand vergleicht das Vorgehen von istock mit früheren Tricks von Getty Images.
  • Matt Antonino hat einen wütendenden, aber trotzdem inhaltlich gut argumentierenden Artikel gepostet.
  • Jen Grantham ist ebenfalls frustriert und listet ihre Einwände auf.
  • Rob Davis stellt Alternativen für frustrierte istocker vor.
  • Eine der Fotografinnen, die entschieden hat, ihre Bilder bei istock zu entfernen.
  • Eine noch ausführlichere Liste zu Berichten über die istock Honoraränderung gibt es bei mystockphoto.


Was für Konsequenzen habt ihr aus der Ankündigung von istockphoto gezogen? Beißt ihr in den sauren Apfel oder ändert ihr Euer Upload- bzw. Kauf-Verhalten?

32 Gedanken zu „Konsequenzen aus der istockphoto-Honorarsenkung“

  1. Hallo Robert,
    hatte schon gewartet, wann du dich äußerst. Du hattest es ja angekündigt. Ich sehe die Lage wie Du und werde mich bei istock nicht weiter engagieren (bin vor recht kurzer Zeit erst angenommen worden:-( ) Prinzipiell denke ich, wir Stockfotografen brauchen eine Interessenvertretung! LG, röde-orm

  2. Hallo Robert,
    ich sehe da nur eine Möglichkeit, frei nach Karl Marx: Fotografen aller Länder – vereinigt euch!
    Wenn Istock mit Wachstum ein Problem hat, sollte man eben – wie heißt es so schön im betriebswirtschaftlichen Sinne – gesundschrumpfen.
    Ich habe von nun an nichts mehr mit Istock zu tun, habe dort eh wenig verkauft. Der Aufwand wurde nun zu groß für mich, IS noch länger zu bedienen.
    LG Frank

  3. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Reaktionen von iStock sogar ein Stückweit erwünscht ist. Solange die Big-Seller nicht alle ihre Bilder löschen ist das doch kein Problem für Getty/iStock. Die ganzen kleinen Hobby-Fotografen, die unter 500 EUR umsetzen (ist mal eine willkürliche Zahl) bedeuten einen nicht unerheblichen Aufwand für die Agentur! Die ganzen kleinen Portfolios bringen kaum etwas ein, bedeuten im Verhältnis aber einen enormen Verwaltungsaufwand. Es ist vermutlich so, dass 20% der Portfolios 80% des Umsatzes bringen. Der Rest verursacht hauptsächlich Kosten. Und diese Kosten wollen sie loswerden!

    Diese Reaktionen sind also mit Sicherheit mit einkalkuliert worden – eine riskante Strategie für iStock, die sich aber durchaus (von Betriebswirtschaftlicher Sichtweise) auszahlen kann.

    Das heisst nicht, dass ich diesen Schritt gut heisse!

    My 5 cents!

  4. @Florian: Du hast mit der Pareto-Reglung (80/20) sicher recht, da sie auf fast alle Business-Bereiche zutrifft.
    Aber: Welche zusätzlichen Kosten verursachen denn kleine Hobby-Fotografen (mal vorausgesetzt, sie haben eine hohe Annahmequote, kosten also der Bildredaktion keine unnütze Zeit…)?
    Kosten für Speicherplatz sollten ja kaum ins Gewicht fallen.

  5. So wie du sollten mehr Fotografen reagieren!
    Ich bin froh das ich mit i Stock gar nicht erst angefangen habe.
    Da hilft nur umverteilen auf andere Agenturen und hoffen das i stock dies schmerzlich trifft.
    Das Beispiel zoonar wäre einen Blick wert.

    Frank

  6. Es gibt seit der Schröder-Regierung lange Verhandlungen darum, dass Verlage ihren Fotografen angemessene Honorare zahlen müssen. Stichwort: Urhebergerechte Entlohnung. Für freie Schreiber gab es vor Monaten eine Vereinbarungen, für Fotografen ist diese von den Gewerkschaften und Verlägern um ein Jahr verschoben wurden.
    Man müsste jetzt eigentlich auch von den Agenturen eine bessere Entlohnung auf Grund dieser Regelungen fordern. In anderen Branchen (zum Beispiel Post oder Speditionen), gibt es ja auch Mindestlöhne. Nur, wenn die Agenturen sowas bezahlen würden, würden sie bei ihrer Preispolitik in die Pleite gehen. Die von röde-orm geforderte Interessevertretung wäre eine Maßnahme, weiß nicht, ob sich Freelens oder der DJV dafür berufen fühlt.
    Dabei sind aber solche Agenturen oder Agenturen mit Flatrates daran schuld, dass immer weniger freie Fotografen am Markt überleben können. Vor allem im Pressebereich bemerkt man den Wegfall von Aufträgen bzw. den Bildankauf, weil die Bildabnehmer bei Plattformen wie Fotila Bilder ab 0,14 Euro bekommen. Nach MFM oder nach einer ordentlichen Geschäftskalkulation könnte ein Fotograf solche Preise nicht verlangen. Von den 14 Cent bekäme dann der Fotograf bei 20 % aslo gerundet nur drei cent, oder? Wie oft muss dann diese Aufnahme verkauft werden, damit sich die Produktionskosten tragen? Dazu noch die anderen Kosten, die man als Selbstständiger hat (Berufsverbände, Krankenkasse, Rechtsschutz, etc.)?

    Schade, dass ich Dich in Köln aus den Augen verloren habe, hätte gerne darüber mit Dir diskutiert.

    Liebe Grüße, Karsten

  7. Hi Robert,

    richtige Entscheidung von dir. Ich werde noch einen Schritt weiter gehen und zum Jahreswechsl mein Portfolio löschen.

    Grüße

    Sascha

  8. @Robert

    Naja, wieviele von den ganz kleinen Hobby-Fotografen haben denn eine hohe Annahmequote? Wenn ich mir z.B. anschaue was bei Fotolia durchgeht, dann will ich nicht wissen, was da alles hochgeladen wird.
    Und Kosten: Ich kenne mich auch nicht 100% aus was für Kosten eine Bildagentur hat – dafür fehlt mir einfach das Wissen. Ich kann nur spekulieren:

    – Kosten für Bildredakteur
    – Datenbank Pflege
    – Verwaltung des Accounts (z.B. Steuerformular, Abrechnungen…)
    – Support Anfragen warum ein Bild abgelehnt wurde (kommt bei „Profis“ wohl eher nicht vor)

    Ich denke, dass die Kosten-Nutzen Rechnung für kleine Kontributoren einfach schlechter aussehen muss. Die Masse machts!

  9. Deinem „Dampf-ablassen“ in allen Ehren – ich hoffe allerdings, dass es nicht nur dabei bleibt, sondern Du (und viele andere auch) zu ihren Aussagen stehen und dieser Bildagentur wirklich den Rücken kehren.

    Leider gibt es immer viele, die schnell auf den Boykott-Zug aufspringen, aber trotzdem ihre Bilder verkaufen möchten.

    Ich bin froh, nicht von Micorstock leben zu müssen und verstehe ehrlich gesagt auch nicht ganz, wieso man seine Fotos für kleines Geld anbieten muss. (Nicht böse gemeint).

    Wie gesagt, ich hoffe es wendet sich alles zum Guten und iStock bricht ein. Wünschenswert wäre es für sie…

  10. Ich bin froh, niemals Fotos zu istockphoto oder den anderen Billig-Witzagenturen hochgeladen zu haben. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum Agenturen, die praktisch kaum Kosten haben, den Fotografen nur 20% zahlen wollen. Dann müssten praktisch alle richtigen Agenturen (also die Macro-Stock-Agenturen) seit Jahrzehnten bei ihren Kosten pleite sein: mehrsprachige Verschlagwortung, direkter Kontakt zu Kunden und teilweise den Fotografen, Auftragsabwicklung und Fotosuche für den Kunden und das Schlimmste, auch noch 40 – 60 Prozent an den Fotografen zu zahlen. Irgendwie bin ich ein klein wenig amüsiert darüber, dass diejenigen, die den Bildermarkt kaputtgemacht haben, jetzt „dumm“ dastehen.

  11. Ihr Fotografen wollt eine Interessenvertretung? Für was? Wegen der Scheiße, die ihr euch selbst eingebrockt habt? Ihr habt einen gut funktionierenden Wirtschaftszweig versucht, kaputt zu machen und regt euch jetzt auch noch auf? Oh Mann. Ihr Fotografen braucht keine Interessenvereinigung (die Beiträge würden die paar Cents Umsatz, die ihr bei den Micros habt, sowieso auffressen), sondern erstmal vernünftigen wirtschaftlichen Background. Dann wisst ihr, daß ich euch das selbst zuzuschreiben habt.

  12. @Robert

    Das wird wohl der Trend sein. Es gibt genug Fotografen die mit ihren Bildern den Stockfotomarkt überschwemmen. In einigen Jahren wird es wohl überhaupt kein Geld mehr für Stockfoto Bilder geben, sondern es kommt nur noch der Name unter das verkaufte Bild. Auch bei den Stockfoto Agenturen steigen die Unkosten.
    Übrigens, Polylooks macht im Dezember auch dicht.
    In der heutigen Zeit möchte ich kein Berufsfotograf sein. Des weiteren kann ich mir auch nicht vorstellen, das Du die nächsten 30 bis 35 Jahre (Dein Renten Eintrittsalter?)von Deinen Bilderverkäufen existieren kannst.

  13. Ärgerlich in der Tat. Aber ich kann leider auch nicht so einfach die Konsequenz ziehen und mich dort verabschieden. Bei mir ist iStock die Nr. 2 im Umsatz direkt nach Shutterstock und noch vor Fotolia. Liegt wahrscheinlich an meinem ausschliesslich kommerziellem Peopleportfolio. Aber ich mache eh immer mehr im Macrobereich insofern wird für mich der Microbereich bald zusehends mehr eine Nebenbeibeschäftigung.

  14. Mein Glückwunsch!
    Durch diesen Ruck scheinst du (Robert) endlich anzufangen die Sache auch mal betriebswirtschaftlich realistisch anzugehen und aufzuwachen. Warum also so schockiert?

  15. hmm … ich bin mir jetzt nicht so sicher, ob „den-Account-ruhen-lassen“ ein wirkliches Zeichen setzt. Am Ende liefern die exklusiven weiter, die Hobby-Leute auch, aber weniger und die Nicht-Exklusiven Profis liefern nur diese Bilder, die entweder woanders schon Bestseller sind bzw das Potenzial zu haben. Also viel stärker selektiert, damit man mit diesen Bildern wenigstens noch ein bisschen was aus iStock rausholen kann.

    Meine Befürchtung ist, dass nach ein paar Monaten wieder alles beim alten sein wird, wenn nicht genügend Fotografen ein wirklich spürbares Zeichen setzen.

  16. wobei ich natürlich verstehen kann, dass man manchmal auf ein gewisses Grundrauschen an Geld auch nicht einfach so verzichten kann.

  17. Ist schon einmal ein Schritt, geht aber nicht weit genug finde ich. istock kann dann noch gut mit dem bisherihgen portfolio arbeiten, wo schon aufwand reingesteckt wurde. da die meisten diesen schritt gehen werden, um die hunderte von bilder nicht umsonst hochgeladen zu haben.
    der verlust der neuen bilder, wird hier durch den neuen eifer der exclusives ausgeglichen. die wurden ja jetzt gut angespornt. wenn ich mir die neuen uploads so anschaue, finde ich ja jetzt schon fast nur noch exclusive werke. meine nons haben eine finde ich noch nie dagewesene warteschleife.
    ich werde meine bombigen 20% noch bis jahresende genießen, mich auszahlen lassen und mich in hoffentlich bald besseren zeiten vieleicht wieder anmelden. wird kein spürbarer schmerz für istock sein, aber für 15% werd ich das nicht mitmachen. vieleicht kommt aber doch eine spürbare masse zusammen

  18. Gute Reaktion, auch wenn ich nicht weiss, wie viel das bringt, wenn genug andere Fotografen weiter uploaden.

    Was meint z.B. Yuri dazu? Vielleicht könnte ER wenigstens was bewegen.

    Ich bin auch der Meinung, wir Fotografen brauchen DRINGEND eine Vertretung, eine Art Gewerkschaft. Es kann nicht sein, dass ein paar Anbieter mit den Fotografen machen können, was sie wollen, weil die Fotografen keine „Einheit“ sind. In jeder anderen Branche gibt es das – muss es das auch geben!

    PS: Ich war schon entsetzt, als das gleiche Fotolia vor ca. 1 jahr gemacht hat. Ich wurde gezwungen, Exklusiv zu gehen. Mal schauen, wasnn Fotolia nachzieht und auch die Beteiligungen verkleinert 🙁

  19. Ich denke istocks größter Kostenfaktor sind die Marketingkosten, nunja zumindest ein substantieller Faktor.
    Demnach zahlen die Fotografen zu 100% istocks Marketingabteilung, die zum Ziel hat andere Konkurrenten vom Markt zu verdrängen.
    Nichtexklusive Fotografen bezahlen also dafür, dass sie bei anderen Agenturen schlechter verkaufen oder diese Agentuen sogar geschlossen werden (s. stockxpert bzw. jupiterimages).

  20. @zickzack: Das gilt dann aber für jede Bildagentur, denn auch bei anderen drücken die Nichtexklusiven mehr ab als die Exklusiven.

    Allerdings würde dann auch gelten: sind die anderen BA’s erst mal vom Markt, braucht man kein so großes Marketingbudget mehr 😉 Ob die BA’s dann wieder die Kommissionen erhöhen ist natürlich fraglich.

  21. Der ganz große Fehler war das Getty istock gekauft hat und nicht umgekehrt. Was wäre Getty in ein paar Jahren, ohne Mikrostock noch wert gewesen? Getty zweistellige Rückgänge pro jahr, istock zweistellige Zuwächse pro Jahr.
    Nun holt man die Kohle aus istock raus und quetscht durchschnittliches Agency Collection Material ganz vorne in die Suche rein.

  22. Eine „Interessensvertretung“ für selbständige Agentur-Fotografen?

    Das wäre dann ein Unternehmensverband. (Oder besser: Unternehmerverband) Warum nicht? Andere Branchen haben ja auch ihre Interessenvertretungen.

    Nur eins sollte jedem klar sein: jeder Versuch von selbständigen Agenturfotografen, gemeinsam höhere Honorare durchsetzen, ruft augenblicklich das Bundeskartellamt bzw. die Kartellbehörden der EU auf den Plan.

    Den selbständige Fotografen sind nun mal – selbständige Unternehmer.

    Und die dürfen sich nicht zusammenschließen, um am Markt höhere Preise durchzusetzen zu versuchen – das nennt man dann nämlich ein Kartell. Und das ist in Deutschland genauso illegal wie in der EU wie in den USA.

  23. Die Fotografen brauchen keine Vertretung, es gibt ausreichen Bildagenturen auf dem Markt, die anständige Preise durchsetzen, man darf seine Bilder als Fotograf nicht für ein paar Cent über eine Microstockagentur verscherbeln. Micro ist nur etwas für Hobbyfotografen die froh über jedes gedruckte Bild sind.
    Getty zahlt zwar schlecht, aber immer noch besser als Microstock Agenturen, im übrigen ist Getty vor einiger Zeit an eine Investmentgruppe für 4Mrd. $ verkauft worden, die haben dann mit den Verlagen Lieferverträge abgeschlossen, auch hier in Deutschland, so müssen die Bildradaktionen zum Teil 60% ihrer Bildeinkäufe bei Getty tätigen. Auch andere Bildagenturen haben Verträge. Wenn nur ein bisschen an Geld für den Fotografen übrigbleiben soll, dann geht das gut über Alamy, die zahlen pünklich und erzielen auch noch einigermaßen Preise. Lasst den Mircostock Mist sein!

  24. Hi Robert,
    erstmal ein dickes Lob für Deinen interessanten Blog.
    Ich bin seit über fünf Jahren bei iStock – am Anfang nicht exklusiv, aber da Dreamstime, Fotolia etc. nicht annähernd soviel einbrachten, wie meine Uploads bei iStock wurde ich schließlich doch Exklusiv. Natürlich denke ich bei einigen merkwürdigen Änderungen gelegentlich auch darüber nach, dies auch wieder zu ändern – aber ich habe seit etlichen Jahren brav steigende Umsätze und möchte sicherlich nicht über Nacht von meinen 35% runterfallen (bin von 40% abgestiegen, habe aber mehr Dollar in der Tasche)… Ich habe gerechnet und gerechnet, aber irgendwie glaube ich nicht, dass die Viel-mehr-Mühe bei anderen Micro’s sich auszahlen würde.
    Finde es interessant, dass Du Dich (nach meiner Meinung) selbst bestrafst, wenn Du bei iStock nichts mehr uploadest. Der „normale“ iStock-Kunde kauft brav das Foto, das er braucht – egal, ob Du iStock den Rücken zudrehst, oder nicht.
    Herzliche Grüße,
    Ralph

  25. @Ralph: Ich würde momentan pro Verkauf bei istock nur 16% bekommen, istock bekäme 84%. Das ist mehr als das Fünffache. Das sehe ich nicht ein und ich glaube, dass es genug Kunden gibt, die wissen, dass sie meine Bilder auch woanders kaufen können. Denn nach Deiner Argumentation müsste ich mich auch mit 5% zufrieden geben, denn der Kunde würde ja weiter kaufen.

  26. Na ja – die meisten Kunden wissen nicht, dass es mich oder Dich gibt, interessieren sich auch nicht dafür und kaufen eine möglichst erotisch fotografierte Tomate vor einem weißen Hintergrund, weil sie die einfach benötigen. Egal, was der ursprüngliche Tomaten-Fotograf dafür bekommt 🙂
    Wenn man natürlich ausgeprägte Nischen-Fotos hat, werden die Käufer zu einem finden – wenn nicht, dann bekommt man statt der 16% eben 0%.
    Insofern gibst Du Dich (natürlich nur nach meiner Argumentation) sogar mit weniger als 5% zufrieden…

  27. @Robert:

    Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass Microstockfotografen eigentlich nicht mehr verdienen als ihnen durch die Microagenturen angeboten wird?

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