Kategorien in Bildagenturen abschaffen oder ändern

Die letzten Tage habe ich wieder eine Fotoserie mit über 100 Fotos zu verschiedenen Bildagenturen hochgeladen. Es fühlt sich dabei immer so an als würde das Sortieren der Fotos in die vorgegebenen Kategorien der Bildagenturen die meiste Zeit fressen. Deshalb plädiere ich hier öffentlich für die Abschaffung oder Änderung der bestehenden Kategorie-Systeme bei Bildagenturen.

Meine Gründe:

  1. Vor einigen Monaten hatte ich im Blog diese Umfrage unter Bildagenturen gemacht, welchen Sinn deren Bildkategorien haben. Die Hauptantwort war, dass vor allem unerfahrene Bildkäufer die Kategorien nutzen, um erst mal durch das Angebot „zu stöbern“. Mittlerweile denke ich, dass die meisten Bildkäufer das Prinzip von Online-Bildagenturen, Keyword-Systemen und Microstock-Anbietern verstanden haben.
  2. In der gleichen Umfrage gaben viele Bildagenturen zu, dass im Vergleich zur Stichwortsuche die Kategorien nur einen kleinen Teil der Umsätze ausmachen.
  3. Vor allem für professionelle Fotografen, die regelmäßig Bildagenturen mit vielen und guten Fotos beliefern, steigern die Pflichtkategorien den Aufwand für das Einstellen von Fotos enorm. Diese Fotografen und Bilder sind jedoch meist identisch mit denen, an denen die Bildagenturen am meisten verdienen. Eine Bildagentur, die die Kategoriezuordnung nicht den Fotografen aufbürdet, würden deren Workflow optimieren und die Agentur für Fotografen attraktiver machen.
  4. Vor allem in Microstock-Agenturen mit mehreren Millionen Fotos im Angebot verliert das urprüngliche Ziel von kategorien, die Bildermengen sinnvoll zu begrenzen, mittlerweile ins Leere. Bei Fotolia sind in der Kategorie Frau über eine halbe Million Foto zu finden, die Katogorie „Kinder“ bei iStockphoto liefert über 180.000 Treffer und die Kategorie „Menschen“ bei Shutterstock enthält über 1,7 Millionen Bilder. Kategorien sind nicht mehr übersichtlich.

Trotz dieser vier Gründe gibt es einen simplen Grund, Kategorien beizubehalten: Sie werden genutzt. Das bedeutet, dass damit auch einige Verkäufe erzielt werden, die sonst vielleicht nicht zustande gekommen wären. Aber lohnen sich die paar zusätzlichen Bilder im Vergleich zur Arbeitszeit der Fotografen? Ich sage nein!

Deshalb plädiere ich – wenn Bildagenturen Kategorien beibehalten wollen – für ein automatisches System.

Ein automatisches System würde so funktionieren: In den Kategorien werden automatisch nur die Fotos angezeigt, die auch den Kategoriebegriff als Suchbegriff verwenden.Das Wort „Frau“ bei einem Foto würde dafür sorgen, dass es z.B. in die Kategorie „Mensch“ oder „Frau“ sortiert wird. Der Begriff „Wald“ würde zu einem Zuweisen der Kategorien „Natur“ und „Wald“ führen und so weiter. Die Anzeigeergebnisse der Kategorie „Menschen“ bei Shutterstock und die Suchergebnisse für das Wort „People“ dort sind ja auch fast identisch. So ist es bei vielen Bildagenturen.

Neben dieser automatischen Zuordnung sehe ich vor allem bei den Macrostock-Agenturen noch einen anderen „Trend“. Statt fester Kategorien gibt es dort „Trendthemen“ (Mauritius Images), „Bildgalerien“ (Corbis), „Our Pics“ (Age Fotostock), „Selections“ (Action Press), „Dossiers“ (Ullstein Bild) und so weiter. Das sind im Grunde nichts anders als wechselnde Kategorien (meist zu aktuellen Themen), die von den Bildredakteuren der Agenturen handverlesen werden. So können die Neukunden weiterhin stöbern, entdecken und sich inspirieren lassen, ohne von zu vielen Bildern erschlagen werden.

Die Ironie des Ganzen: Ich bin mir sehr sicher, dass die Bildredakteure beim Auswählen der Fotos für diese „wechselnden Kategorien“ auch erst ein Stichwort in ihre Suchmaschine eingeben, zum Beispiel „Valentinstag“, „Olympia“, „Herbst“ und so weiter. Wenn die das können, schaffen das die Bildkäufer auch.

In diesem Sinne: Bitte, Bildagenturen, schafft die Kategorien ab! Oder ändert Euer System.

Was sagt ihr dazu? Stört euch das ebenfalls? Wie könnten die Kategoriesysteme verbessert werden? Ich freue mich auch über Beiträge aus Käufersicht oder von den Agenturen.

8 Gedanken zu „Kategorien in Bildagenturen abschaffen oder ändern“

  1. Finde die Kategorien auch unsäglich. Besser wäre es, die Agenturen würden ihre Suchfunktion verbessern, z.B. mit der Möglichkeit, bestimmte Suchworte explizit ein- bzw. auszuschließen oder *genau* nach einem Keyword zu suchen. Gerade Fotolia wäre damit sehr geholfen („Karaoke“ liefert Diamanten, weil zu „Kara“ häufiger „Karat“ passt). Außerdem sind Schubladen nur dann gut, wenn man exakt das passende hineintut. Aber was mache ich z.B. mit einer Schale voller Bio-Früchte, aus der eine Hand gerade etwas herausgreift? Ist die Kategorie dann Deko, Obst, oder Körperteile? Und was ist mit der konzeptionellen Kategorie? Was, wenn ich es bei Lifestyle / Ernährung verorte, der Kunde sich darunter aber ganz andere Bilder vorstellt?

    Kategorien sind mist.

  2. Ich sehe das genauso. Die Kategorien-Zuordnung ist einfach nur lästig. Witzigerweise hat ja pitopia im Dezember im newsletter einen Tipp veröffentlicht „Themenbereiche richtig zuordnen“. Nun frage ich mich allerdings, wenn man den Autoren erklären muss, welches die richtigen Themenbereiche sind – woher wissen dann die potenziellen Käufer, wo sie suchen sollen… In diesem Sinne. Überflüssig (noch dazu, da jede Agentur andere Kategorien hat).

  3. Kategorien sind doch im Endeffekt nichts anderes als fest definierte Keywords. Was man mit Kategorien machen kann ist auch nur mit Keywords zu erreichen. Und man hat weniger Entscheidungsstress 😉 Also weg damit.

  4. Ich sehe es genauso. Die Bilder in Kategorien einzuordnen ist schwer. Was heute ein Wirtschaftsbild ist kann morgen ein wichtiges Bild für Politik zum Thema Arbeitsmarkt sein. Es ist also schwer ein Bild einzuordnen und macht auch sehr viel arbeit. Finde es auch sinnvoller, die Verschlagwortung der Bilder zu verbessern. Vor allem, ich habe noch nie einen Bildredaktuer erlebt, der Kategorie sowieso sucht sondern gezielt über Keywords. Ich schließe mich also an, lieber heute als morgen.

  5. Bin auch für das abschaffen der selbstständigen Kategorieeinstufungen. Ich erlebe es nicht selten, das ich da sitze und weiss nicht in welcher…

  6. Absolute Zustimmung und ein interessanter Vorschlag. Alternativ könnte man die Kategorien-Hierarchie standarisieren. Eine von den grössten Standarisierungsbehörde der Welt sind die Vereinten Nationen (UNO) selbst, z.B. die Länder Isocodes (DE = Deutschland, US = USA) stammen aus solche standarisierten Listen. Es gibt solche Standards für alles mögliche, nur nicht für Bildkategorien.

    Letzlich ist ein Bild mit vollständige IPTC Felder ein internationales kommerzielles Produkt was zwischen einer vielzahl von Händler (Fotografen sind ja, nur die „Hersteller“) ausgetauscht werden und dazu gehören standards. Beide Vorschläge schliessen sich nicht aus, man könnte eine standarisierte Kategorieliste einführen und gleichzeitig sie automatisch aus dem Keywords berechnen lassen. iSyndica macht es bereits.
    Grüße

    Alex

  7. Super Idee!

    Wir haben die Bildagentur Whitelife vor einem Monat übernommen! Nun sind wir mit der neuen Seite online. Wir werden dies rasch möglichst umsetzen. Ich denke, dass die Kategorie bis ende November spätestens automatisch ausgelesen wird!

    Beste Grüsse

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